*Über Farben, Teil 1*
Eigentlich ist es sehr schön, sich mit sinnfreien Fragen zu beschäftigen, andererseits ist es interessant, nach Antworten zu suchen, die man nicht braucht. Diese Suche kostet Lebenszeit, aber sinnlos füllt man diese Zeit eher vor dem Fernsehgerät. Farben sind zum Beispiel ein reizvolles Thema, für mich jedenfalls.
Grün, Rot und Weiß, das ist Weihnachten, warum, das muss man ja keinem erklären.
Grün gilt als die Farbe der Hoffnung und des Lebens. Mit einem grünen Baum holt man sich diese Hoffnung ins Haus. Früher waren das in den Wintermonaten auch andere wie Buchsbaum, Eibe, Mistel, Wacholder oder Efeu.
Auf der anderen Seite steht das Grün auch für die Unreife. „Grün hinter den Ohren“, „Greenhorn“ oder „der ist noch zu grün“ sind Beispiele dafür.
Rot, das ist bei mir natürlich zuerst die Sünde, aber es ist auch die Farbe des Blutes und steht in der christlichen Farbenlehre für das Leiden und Sterben.
Rot und Grün sind also Symbole für Geburt und Tod. Das kommt auch in diesen Legenden vor, in denen die Krippe und das Kreuz aus demselben Stück Holz hergestellt wurden. Ist eben alles nur symbolisch.
Nach Weihnachten steht das Rot wieder für „Gefahr“ wie bei Verkehrsschildern oder bei kurzen roten Kleidern. Rot steht auch für die Korrektur in der Schule, es gibt den „Rotstift“, mit dem etwas gestrichen wird, „rote Zahlen“ sollte man nicht schreiben. Das bringt das Blut in Wallung und so müssen auch heftige Gefühle sein: Rot.
Weiß ist der Schnee, den wir selten haben, und rein. Irgendwo in der Bibel steht, dass die Sünde blutrot ist und wieder wie „Wolle“ werden soll, und vermutlich tragen die katholischen Geistlichen deshalb oft Weiß.
Und das, obwohl die ja auch nur Sünder sind.
Die Idee ist trotzdem hübsch. Die Unschuldslämmer sind auch immer weiß.
Blaue Lichterketten zu Weihnachten finde ich schrecklich, aber auch das Blau gehört eigentlich zu Weihnachten, das Blau gehört nämlich auf Bildern immer Maria und ihren Kleidern. Das geht schon Hunderte von Jahren so.
Blau empfinden die meisten Menschen als „kalt“, weil Eis und Schnee bläulich scheinen, die Haut wird in der Kälte auch blau. Dass Maria immer Blau bekommt, liegt vermutlich nur an den Kosten für „Blau“.
Das kostbarste Blau, Ultramarinblau, hatten die Künstler aus dem Edelstein Lapislazuli, also hat Maria das wohl nur bekommen, weil es am teuersten war. Der Stein kam aus Persien oder vom Hindukusch, schon deshalb war das nicht billig. Allerdings gilt Blau auch als „himmlische Farbe“.
Egal, bitte hängt keine blauen Lichterketten auf, kauft Euch lieber einen blauen Mantel.
So, jetzt könnten wir eigentlich weihnachtlich und oberflächlich „durch“ sein, aber leider findet sich das Interessanteste immer abseits des geraden Weges.
Pink, Rosa, Einhörner, das ist nämlich die nächste Frage.
Junge Mädchen lieben Pink, vermutlich auch weil es kaum andere farbige Angebote in Geschäften gibt. Werden sie etwas älter, dann fängt manche erwachsene Frau an, sich für Einhörner zu begeistern. Deren Farbgebung küsst vielleicht die Jugend wach.
Und warum machen sie das?
Weil sie sich aufregen!
Worüber regen sie sich auf?
Über uns, über die Männer!
Vielleicht hoffe ich das auch nur, aber möglich ist es, denn Pink beruhigt. Das sagt jedenfalls der Wissenschaftler Alexander G. Schauss.
Mir ist zwar nicht klar, was der so forscht, aber er hat ein „G-Punkt“ im Namen, deshalb habe ich mir das durchgelesen.
„Sind Sie gereizt? Nervös und angespannt? Spüren Sie Aggressionen in sich brodeln? Dann sollten Sie eine Viertelstunde auf Pink blicken!“
Schauss hat das bei Häftlingen in mehreren Gefängnissen herausgefunden.
„Der Direktor des American Institute für Biosocial Research hatte im Jahr 1979 eine Forschungsarbeit veröffentlicht, in der er von seinen Erfahrungen mit Gefängniszellen berichtet, die in leuchtendem Pink gestrichen waren. Wurden Häftlinge gleich bei ihrer Aufnahme ins Gefängnis nur eine Viertelstunde in diesen Raum gesteckt, verloren sie ihr häufig aggressives Verhalten, berichtete Schauss. Hatte es zuvor mit den Neuankömmlingen regelmäßig Ärger gegeben, herrschte nun Ruhe.“
Wer heute in Pfäffikon in der Schweiz einsitzt und sich aggressiv zeigt, kommt in Zelle 301.
Da gibt es keine beweglichen Teile, aber die Zelle ist in „Cool Down Pink“ gestrichen, komplett. Die Farbe wurde von einer Frau angerührt, die heißt Daniela Späth.
„Ich hier rein? Ich bin doch kein Mädchen und auch nicht schwul“, stöhnen viele der Gefangenen angesichts der Farbe, so berichtet es ein Magazin aus der Schweiz.
Trotzdem beruhigen sich da die schweren Jungs. Es kann aber auch sein, dass sie unter der Farbe so leiden, dass sie lieber schlafen.
Ich weiß auch nicht, ob man solche Farben Strafgefangenen zumuten darf.
Andererseits hat man einen „signifikanten Verlust an Muskelkraft“ beim Armdrücken festgestellt, wenn man einem Probanden ein rosafarbenes Papier vor die Augen hält. Diese Erkenntnis stammt schon aus den 70er Jahren.
Und deshalb mögen viele Frauen Einhörner. Es gibt dafür eine richtige Beruhigungsindustrie.
Die gegnerische Umkleidekabine in Rosa anzumalen, das könnte im Stadion durchaus etwas bringen, weil der Gegner dann weniger aggressiv einläuft.
Das wäre auch etwas für den HSV.