Jugendliche Bekleidung

 

FB_IMG_1513202447230

*Jugendliche Bekleidung*

Nun, meine Eltern liebten Mozart, Beethoven und die Graetz-Musiktruhe. Allerdings war dies meist eine stille Liebe, denn Musik kam aus der Kirschholztruhe mit der Schiebetür selten.
Mein Vater hatte als Schüler schon den 1. Weltkrieg erlebt, meine Mutter den zweiten, aber auch schon als Erwachsene. Das mildert so manchen Blick in den Rückspiegel.

Sie liebten die „Gammler“ in diesen verwaschenen Hosen und mit den langen von Stirnbändern gebändigten Haaren nicht, die 60er waren nicht ihr Freund. Das war auch der Rock’n’Roll der 50er schon nicht gewesen.

Ich trug als Kind Lederhosen in jeder Form und Farbe auch unter nördlicher Sonne, kurz im Sommer, Knickerbocker bis zum Knie aus feinstem Hirschleder im Winter. Weil niemand sonst zum Anorak solche Hosen trug, war das etwas Spezielles. Leider konnte man auf Leder schlecht rutschen. Teilweise blieb ich auf halber Höhe kleben, insbesondere bei feuchter Witterung. Wir hatten noch keine Waschmaschine, da war Leder eine gute Alternative, die Wasser nicht verlangte.

Außerdem hatte ich schon als kleines Kind höchste Bewunderung erhalten, weil meine Kleidung selbst in der Sandkiste rein blieb. Nur die Hände und Schuhe bedurften der Reinigung. Dies freute meine Mutter so sehr, dass ich versuchte, die Schuhe nsch dem Spielen am Rand zu reinigen. Das ist eigentlich bis heute so geblieben. Ich liebe es, Schuhe zu putzen. Sandwege auf dem Weg zum Automobil pflege ich nach Möglichkeit zu meiden. Selbst unbefestigte Parkplätze umgehe ich, um einer drohenden Innenreinigung vorzubeugen. Eine ausklappbare Fußmatte vor der Fahrertür würde ich bestellen, wenn es so etwas gäbe. Andererseits würde ich die auch wieder saugen müssen.

Ansonsten erhielt ich später, im ersten zweistelligen Alter, eine Auswahl von Stoffhosen mit Bügelfalten von „Brenningmeyer“. Keiner hatte Hosen mit Bügelfalten, leider waren sie auch etwas „kratzig“. Aber das Lob der Eltern für die Vermeidung von „Blue Jeans“ blieb mir auch noch bis zur Konfirmation oder kurz davor gewiss.

Eigentlich begann alles mit dem Roten Album und dem Blauen Album von den Beatles, kurz danach sang Albert Hammond aus langen Locken und in Jeans vom Regen, der in Californien nie fiel. Danach wechselte ich zu Jeans, die Haare sprießten wie das Gras auf einer tierlosen Weide bis das wallende Haar Klassenkameradinnen zum Flechten animierte. Schon mit 12 durfte Herr Graetz zu mir umziehen.

Klanglich … und gefühlt war das der Himmel auf Erden. Das Radioprogramm des Norddeutschen Rundfunks wurde zum akustischen Begleiter der Bruchrechnung.

Zur gleichen Zeit begann meine Fußballkarriere, die unbeholfen auf der rechten Abwehrseite begann und, später weiter ‚vorn‘, sich mit Spitznamen in den Folgejahren wie „Franz“, „Mario“, „Flankengott“ oder „Kempes“ besser liest als sie vermutlich war.

Das muss die Phase gewesen sein, in der das gepflegte Langhaar auch nach dem Spiel noch trocken und weich auf die schmalen Schultern fiel. Lothar, einer meiner ersten Trainer, ernannte mich zwar zum Kapitän, raunzte mich an:

„Ich stecke Dich in die ‚7te Opa‘, wenn Du Dich nicht mehr bewegst!“

Das wurde zum geflügelten Wort wennimmer man von mir in den Folgejahren einen lustlosen Eindruck hatte. Also, man musste damals Gegenspieler aus taktischen Gründen minutenlang in Sicherheit wiegen, es gab ja noch ‚Manndeckung‘. Heute beherrscht niemand mehr diese Kunst des Einschläferns. Mario Basler war der letzte dieser aussterbenden Gattung.

Nun, Mario Gomez schafft das heute auch, dies jedoch unbewusst.

 

„Über …. die längste Praline der Welt“

„Über …. die längste Praline der Welt“

So, jetzt bitte erstmal auf die Fotos blicken, bitte. Ist das verletzend oder anstößig? Kann es männliche Gefühle verletzen? Ist es dumm? Darf man die „längste Praline der Welt“ und einen Geschlechterturm aus San Gimignano neben ein Foto eines attraktiven, bekannten Mannes stellen? Dürfte ich das in dieser Form als *Frau* ungestraft posten?

Wir Männer sind nämlich verunsichert.

Gestern habe ich, vielleicht mit winzigen Anspielungen, über die Konstruktion von Kurven auf Landstraßen geschrieben, dazu hatte ich ein oder zwei Fotos von Serpentinen gepostet. Das sah etwas langweilig aus, also hatte ich unter dem Titel „Über …. Kurven“ auch noch ein Foto von Adriana gepostet. Und es war kein Bild von Victoria Secret. Adriana braucht eigentlich keinen Nachnamen mehr.

Jedenfalls hat das eine Frau, die den Text gar nicht lesen konnte, als „ziemlich dumm“ bezeichnet. Zugegeben, das Bild von Adriana kam nur als kleine Lesemotivationshilfe dazu, ein wenig schlechtes Gewissen begleitete die Bilder, weil es ja doch etwas „provokativ“ war. War das für weibliche Gefühle schon …. zuviel?

„Wenn man aufhört zu werben, so gleicht man einem Mann, der im Dunklen einer Frau zuzwinkert“.

Ist dieses Zitat frauenfeindlich? Dürfen Männer keine Fotos bekannter Frauen posten? Oder dürfen sie dann nicht „gut“ aussehen?

 

Ich will doch nur ….. lernen.
Lehrreich ist es ja schon.

Aber spielen wollen wir trotzdem noch. 🙂

 

 

Über …. „Kurven“

Über …. „Kurven“

Kurven sieht man überall und jeden Tag. Das ist auch sehr erfreulich. Wenn es im Leben nur geradeaus geht, dann ist das zwar einfach, aber auch ziemlich langweilig. Kurven braucht der Mensch, der Mann sowieso.

Und die Kurven sind keine einfache Sache, sie sind komplex und im Leben sind sie auch kompliziert. Aber sie sind schön, wenn man sie glatt und unfallfrei durchfahren hat.

Meistens bemerkt man Kurven im Auto auch nur, wenn sie richtig schlecht gebaut sind. Es geht nämlich um die Kurven auf Landstraßen. Mich selbst hat das als Beispiel in der Mathematik immer begeistert, den Schülern war es vermutlich total egal.

Eine „gute“ Landstraßenkurve ist nie wie „ein Teil eines Kreises“ gebaut. Da müsste man nämlich aus der Geraden kommend abrupt einlenken, dann den Lenkradeinschlag in der Kurve beibehalten und am Ende der Kurve ebenso plötzlich die Steuerung wieder auf ‚geradeaus‘ stellen.

Die meisten denken aber, dass Kurven auf Straßen so sind, sozusagen wie die bei der Holzeisenbahn oder bei Märklin.

Niemand will bei 250 Sachen in einem ICE sitzen, wenn Märklin die Schienen gebaut hat!

Das mit „Kurven sind wie ein Teil vom Kreis“ ist nur für kleine Nebenstraßen richtig.

In eine „gut gebaute“ Kurve auf einer Landstraße lenkt man langsam ein und zwar bis zum Scheitelpunkt der Kurve, und dann lenkt man langsam zurück. So geht Kurve!

Mathematisch ausgedrückt müssen an Kurveneingang und Kurvenausgang nämlich „Wendepunkte“ des Graphen einer Funktion 4. Grades liegen, dessen Verlauf die Kurve folgt.

Macht man das für den rechten und linken Fahrbahnrand separat, dann ergibt sich mathematisch, dass der Kurvenverlauf so aussieht wie bei Serpentinen im Gebirge: Im Scheitelpunkt der Kurve ist die Straße nämlich dann am breitesten. Bei den Serpentinen hat das wegen langer Fahrzeuge natürlich auch noch zusätzliche, andere Gründe.

„Mathe ist ein Arschloch“ sagen ja viele.
Aber fahrt mal 100km Landstraßen mit Holzeisenbahn-Kurven, dann sagt ihr das nie wieder.

Trotzdem mag ich die unkalkulierbaren „Kurven“, die man im Leben trifft, lieber.

Serpentinen

Kaffee

FB_IMG_1441628541223

*Kaffee*

Nur ganz selten trinke ich Tee, also zum Beispiel, wenn ich erkältet bin. Dann wird frischer Ingwer mit heißem Wasser aufgegossen und weil ich daran glaube, dass das hilft, ist nach spätestens drei Tagen alles wieder gut.

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, trinkt fast ausschließlich grünen Tee. Früher trank sie, na, diesen mit den blauen Blüten, ich komme nicht auf den Namen. Schwarzer Tee und aromatisiert, britisch oder so, glaube ich. Der schmeckte so wie sich eine Erkältung anfühlt.

Und ihr Kaffee ist gut, wenn eine Maschine ihr zur Hand geht, also eine, die auch die Portionierung beherrscht. Obwohl wir so eine Espresso-Maschine besitzen, ein riesiges Gerät, dass ich beim Kauf einer Küche kostenfrei zusätzlich erhandelte, wird fast ausschließlich Filterkaffee getrunken. Ohne Maschine, mit „Handfilter“. Ich mache den seit 25 Jahren selbst. Den Tee auch.

Meine Gattin hatte über viele Jahre einen richtigen „Präsidenten“. Der machte sozusagen „in Öl“ und reiste um die Welt, sie organisierte sein Leben. Hilfe hatte sie dabei von der Lufthansa, den Hotels und einem Chauffeur und Mercedes Benz. Seine Frau kannte sie vermutlich besser als er. Alle paar Monate trifft er sich, nunmehr betagt, mit seinen ehemaligen „Mädels“, die zu dritt auch schon 160 Jahre mit sich herumtragen. Ein sehr kleiner Teil davon stammt von meiner Frau.

Und sie hat ihm zum 80sten eine Dose mit feinstem Kaffee in einer Dose, einen Becher, Filtertüten und einen Handfilter aus Kunststoff geschenkt. Eigentlich, so meine ich, sollte der aus Steingut oder Porzellan sein, aber das ist eine Frage, die eher nebensächlicher Natur ist.

Er hat nämlich noch nie Kaffee selbst zubereitet und hat das beim letzten Treffen erzählt und wollte es einfach „mal versuchen“. Er ist ansonsten ein gebildeter, interessanter Mann, mit dem man sich sowohl über die alten Griechen als auch über den HSV und Musik unterhalten kann. Die griechischen Götter sind nicht mein Thema, aber ich habe die dafür notwendige Zeit ja auch mit Filtertüten und am Wasserkocher verbracht.

Und jetzt bin ich gespannt, wie er den selbst gemachten Kaffee findet oder ob er wegen der Portionierung meine Frau anruft. Das kann ich ihm nämlich eigentlich nicht empfehlen. Sie kann unglaublich viel unfassbar gut, aber der Kaffee ist in einer Warteschleife.

„Wie ist der Kaffee?“, fragte ich kürzlich den Außendienstler von der Versicherung.

„Gut, Risiko-Leben habe ich ja.“

 

Mode, Bandwagons und Pinguine

Screenshot_2017-09-25-14-15-49-1

*Mode, Bandwagons und Pinguine*

„Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode.“ – Karl Lagerfeld

Eigentlich wollte ich etwas über „Mode“ schreiben nachdem ich kürzlich den ‚Diderot-Effekt‘ sozusagen auf der Nebenstraße des Internets gefunden hatte.

Nun also „Pinguine“.

„Der ‚Pinguin-Effekt‘ leitet sich aus dem Verhalten von hungrigen Pinguinen ab, die in kleinen Gruppen am Rande des freien Wassers auf festem Grund verharren, anstatt ins Wasser zu springen und nach Nahrung zu suchen, weil im Wasser potenzielle Fressfeinde lauern könnten. Der einzelne Pinguin weiß nicht, ob sich tatsächlich Feinde im Wasser befinden. Sobald jedoch der erste den Sprung ins Wasser gewagt hat, können die noch abwartenden Vögel die Gefahr besser abschätzen (und gegebenenfalls selbst ins Wasser springen), womit der Auslöser für den Pinguin-Effekt gegeben ist. Beispiele für den Pinguin-Effekt findet man unter anderem bei Software oder Aktien.“

Zuerst musste ich dabei aber an Politik denken.

Zum Beispiel traut sich ja keiner aus der CDU zu sagen, dass „Muttis“ Zeit ihrem Ende zugeht. Würde aber einer der ‚Pinguine‘ in dieses heikle Wasser springen, so würden vermutlich schnell weitere folgen. Und wenn, dieses am Rande, Demokratie einen Nachteil hat, dann den, dass die Regierenden nur in Zeiträumen bis zur nächsten Wahl denken und nicht eine Generation in die Zukunft planen. Nur zwei Amtsperioden, das würde mehr „Freiheit“ in der zweiten schaffen, andererseits aber andere ermuntern, sich noch stärker als Nachfolger zu positionieren.

teaserellehongkongglitterpumps

Gibt es nun einen „Pinguin-Effekt“ auch in der Mode?

Vielleicht sind die ersten „springenden Pinguine“ heute die Stars des Bildes oder der Leinwand, die als Erste Neues wagen. Und dann springen weitere hinterher? Der Pinguin-Effekt stammt zwar aus der Netzwerktheorie, aber irgendwie findet der sich andernorts auch. Mir scheint, dass es dabei an sich nur um etwas …. „Mut“ geht.

„Effekt“ klingt nur etwas besser.

„Im Englischen ist der ‚Bandwagon‘ der Wagen einer Musikband. ‚Bandwagon‘ heißt also Musikantenwagen oder Festwagen mit einer Musikkapelle. Dieser Band-Wagen wird von Mitläufern zu Fuß begleitet. Deswegen ist der „Bandwagon-Effekt“ der „Mitläufereffekt.“

Auch den gibt es in der Politik, nämlich derart, dass der Wähler gern auf der Seite des vermuteten Wahlsiegers steht und daher nach Umfragen vor der Wahl eher die stärkere Partei wählt. Das hat Frau Noelle-Neumann 1940 schon in ihrer Doktorarbeit am Beispiel der USA dargelegt. Daher sind Umfragen vor Wahlen durchaus kritisch zu betrachten, weil deren Ergebnisse stärker beeinflussen als Inhalte des Wahlkampfes.

Mein Großer war viele Jahre lang ein Fan des Hamburger SV. Die Bettwäsche blau, die Raute auf dem Kopfkissen, die Wand blau. Allerdings ist es seit vielen Jahren nicht so leicht, den HSV zu unterstützen und deshalb sagte er vor einigen Jahren plötzlich: „Ich habe keine Lust mehr auf Relegation, ich will auch mal vorne sein. Ich bin jetzt für die Bayern!“

Das ist sozusagen der ‚bandwagon“-Effekt im Sport. Es gibt ihn auch, wenn Menschen Nachteile befürchten, wenn sie ihm nicht folgen, das ist oft ein Phänomen in Diktaturen.

Gibt es einen „bandwagon“-Effekt nun auch in der Mode? Ich erwähne die wenig kleidsamen „high-waist-jeans“ jetzt nicht nochmals. Über Mode zu schreiben, ist nämlich ein schwereres Unterfangen als ich dachte.

„Die Natur macht Frauen verschieden –
die Mode macht sie gleich.“

So jedenfalls Königin Christine aus Schweden, die 1654 abdankte, um sich in Rom konsequent der Wissenschaft und der Kultur zu verschreiben. Es kann aber auch sein, dass gerade „Rom‘ zu dieser Zeit in der oberen Schicht wieder ‚in Mode‘ war und Christine nur einer anderen Mode verfiel als der des Äußeren.

„Mode nutzt mehr Kleider ab als ein Mensch“, das wusste noch früher schon Shakespeare. Es ist ja nicht so, dass Mode ein Phänomen unserer Zeit ist. Trotzdem wird sie leicht belächelt und ist selten Gegenstand längerer Betrachtungen.

Überaus interessant scheint mir die Zeit in Florenz kurz vor dem Jahr 1400 gewesen zu sein. Für Männer existierte dort zeitweise keinerlei vorherrschende Mode, weil jeder sich suchte so individuell wie möglich und stets anders als andere zu kleiden. So etwas wäre für die heutige Industrie ein ziemlich hartes Brot, weil sie nur noch auf Einzelstücke setzen könnte.

Reizvoll sind zwei kurze, noch heute lesenswerte Essays von Georg Simmel vom Anfang des 20. Jahrhunderts:

„Philosophie der Mode“ und „Psychologie der Mode“

Simmel gehört zu den Begründern der Soziologie und daher betrachtet er Mode auch mit dem Schwerpunkt auf dem Gesellschaftlichen. Ihm zufolge kopieren ‚untere‘ Schichten die Moden der ‚oberen‘. Sind die Moden ‚unten‘ angekommen, benötige die ‚obere‘ zur Abgrenzung eine neue Mode. Für ihn ist Mode ein „Produkt klassenmäßiger Scheidung“. Das ist jetzt eine sehr grob vereinfachte Darstellung seiner Aussagen, die Lust auf Modefragen reicht bei mir auch nicht für längere Texte, für Fotos jedoch schon. Oder Blicke. Das ist das eigentliche Wesen der Mode. Der Blick.

Es wäre interessant, wenn Canetti sich noch zu „Masse und Mode“ äußern könnte, ich glaube nämlich, dass er das nicht tat.

Zusammengefasst kann man sagen, dass das Befolgen einer „Mode“ immer ein Aufgehen in einer Gesamtströmung darstellt. Dabei möchte der Einzelne aber dennoch immer möglichst individuell erscheinen, was jedoch ein offensichtlicher Widerspruch ist.

Wer sich der Mode bewusst zu verschließen trachtet und sich beispielsweise kleidet wie in vergangenen Zeiten, tut dies auch lediglich, um sich vom Gängigen abzugrenzen und verfolgt somit vergleichbare Ziele wie sie vor mehr als 100 Jahren „obere Schichten“ verfolgten.

Eine andere Möglichkeit besteht in der Anpassung und der gleichzeitigen Übertreibung der gängigen Mode, um aufzufallen. Man könnte den Bund der Hose beispielsweise bis zur Brust ziehen und wenn höhere Schuhe in Mode sind, Sohlen mit 20cm Höhe tragen. Sind balkenartige Augenbrauen angesagt, kann man gleich zwei Stifte über die Augen kleben.

Das nennt man dann „individuell“.

„Was unmodern ist, tragen die anderen“, sagte nämlich schon Oscar Wilde.

Screenshot_2017-12-09-17-33-07-1

Wie man schnell wieder auf 99% kommt

received_908241165909616 (1)

 

*Wie man schnell wieder auf 99% kommt*

Wenn ich mal das Handy zuhause vergesse, kann das ganz entspannt sein, plötzlich öffnet sich der unruhige Blick für neue Details. Ganz anders ist das jedoch, wenn man unerwartet feststellt, dass der Akku nur noch 9% hat. Dann wird das keine sanfte Veranstaltung, wenn man das Ladegerät vergessen hat und in zwei Stunden eine Nachricht des Kindes erwartet wird.

Alles hat sich ja verändert.

Vor 40 Jahren hat mein 34PS-Käfer in der Stadt 8,9 Liter geschluckt, die Heizung funktionierte nur im Sommer und er brauchte 30 Sekunden auf 100. Heute ist alles anders, schneller, stärker, schwerer, sicherer, aber die moderne Karre braucht in der Stadt, …. richtig, …. 8,9 Liter.

Ein Armutszeugnis.

Heute muss ich mein Handy auch tagsüber einmal „nachladen“. Klar, man nutzt das mehr als vor 15 Jahren, aber damals lud man das Ding einmal in der Woche. Also lädt man heute grob 14mal so oft. Das ist so, als würde das heutige Auto mehr als 130 Liter auf 100km verbrauchen. So ein Auto würde kein Mensch kaufen. Es sei denn, alle wären so verschwenderisch.

Ein Armutszeugnis auch für den Akku beim Mobilgerät!

Als Ersatz gibt dann mobile Ladegeräte, „Power-Banks“ heißen die. Auch die, klar, muss man vorher laden.

Jedenfalls würde ich niemals ein Mobilgerät mit einen fest installierten Akku kaufen. Ich habe nämlich einfach für 12€ oder so einen zweiten Akku gekauft. Und ich kann das hier nur schreiben, weil ich in 20 Sekunden wieder auf 99% war.

Das hätte ich gern zu Weihnachten …. also, dass ich selbst in 20 Sekunden wieder auf 99% komme. Die SPD auch.

 

 

 

Chai Latte Coffee

 

*Chai Latte Coffee*

Gestern saß einer vom Theater neben mir und fragte im Café nach einem „Chai Latte“, den es aber nicht gab.

„Ja, das habe ich früher im Winter auch gern getrunken!“, nuschelte ich ihm zu.

„Und dann ….“, antwortete er, „… noch einem Espresso rein, dann ist das weniger süß!“

Die Kombination konnte ich mir nur schwer vorstellen, aber „Geschmack“ ist auf der Zunge leichter zu bewerten als auf Schallwellen.

Jedenfalls musste ich mich heute wieder „pieken“ lassen, und weil ich davor etwas „Manschetten“ hatte, bin ich noch schnell in ein anderes Café gegangen, um mir mit dem dortigen „Chai Latte“ Mut anzutrinken.

Sie war die Auszubildende mit einem Berg von Haaren, die irgendwo noch einen kleinen Gruß von Bob Marley beherbergten. So ein Nest am Hinterkopf eben.

„Halt!“, rief die ältere, erfahrene Kollegin mit dem strengen Kurzhaarschnitt, „…. keinen Kaffee dazu, nur der Sirup und Milchschaum!“

„No Woman No Cry“, dachte ich, … der Kaffee war schon drin und ich erinnerte mich an den ‚Schauspieler von gestern‘, …. das klingt jetzt dämlich, aber wie soll ich’s sonst schreiben?

„Ich nehme den gern so, mit dem Espresso, eine sehr gute Idee!“, gebot ich Bob Marley’s schönster Schwester Einhalt. „Auf einer geteerten Strasse kann man den richtigen Weg nicht finden“, schob ich noch nach, aber sie kannte den Satz von Bob vermutlich nicht.

Und nachdem sie etwas befreit lächelte und sich der Kurzhaarschnitt mit einigen Krümeln die Zeit vertrieb, hat ‚CLC‘ mir richtig dolle Mut gemacht. Sie auch.

„Danach“ habe ich dann den Sohn von ihrem ersten Versuch mit meiner Augenklappe getrunken. Leider fühlt man sich damit weniger wie Jack Sparrow als im Fasching. Da wusste sie schon, was mir guttut. Den trinke ich jetzt bei der nächsten „Depotspritze“ auch.

„Nochmal so wie vorhin?“

Das darf Marley’s Urenkelin im Café gern sagen, aber bitte nicht die im hellen Grün.

bobmarley

 

„Ist man einmal bis zum Knie gekommen, so hat man nicht mehr weit.“

194_chodowiecki_1780

*„Ist man einmal bis zum Knie gekommen, so hat man nicht mehr weit.“*

Der „Diderot-Effekt“ ist ein Begriff aus der Konsumforschung aus dem Jahr 1988.

Er hat seinen Ursprung in einem Essay von Denis Diderot aus dem Jahr 1772. Denis war nämlich Philosoph der Aufklärung und Schriftsteller. Er war noch viel, viel mehr, das führt aber zu weit. Ein Buch über ihn wäre schnell gefüllt.

Jemand hatte Diderot einen wunderbaren, wertvollen Morgenmantel geschenkt, woraufhin er sich von dem alten trennte und feststellen musste, dass die vorher von ihm als harmonisch wahrgenommene Einrichtung seines Hauses nicht zu dem neuen Mantel passte.

„Mein alter Hausrock und der ganze Plunder, mit dem ich mich eingerichtet hatte, wie gut passte eins zum anderen!“

Wikipedia sagt:
Der Diderot-Effekt „beschreibt, wie Menschen, nachdem sie einen Gegenstand gekauft haben, in den Zwang geraten können, weitere Käufe zu tätigen, um ein passendes Gesamtbild zu schaffen. Die Aufwertung eines Details, z. B. eines Kleidungsstücks führt zu einer Unzufriedenheit mit einem oder mehreren anderen Details und kann somit eine Konsum-Kettenreaktion auslösen.“

So mancher Verkäufer baut auf diesen Effekt, wenn man selbst keine plötzlichen ‚Mängel des Alten‘ wahrnimmt.

„Aber Ihr Gürtel geht zu der neuen Hose gar nicht!“

„Ja, Ihr grauer Schal ist sehr, sehr schön, aber zu diesem braunen Mantel suche ich Ihnen gern einen anderen heraus.“

Leider liest man eher selten über Denis‘ Verhältnis zu Frauen, das kommt oft nur im Nebensatz vor.

„Seine Frau, die Mutter seiner Kinder, war die Seele seines Hauses und Diderot tolerierte auch ihre strenge Gläubigkeit. Während der Zeit dieser Ehe führte er dazu weitere intime Beziehungen.“

Die Frage ist, ob *er* nun tolerant war oder doch eher *sie* oder …. beide auf verschiedene Weise. Oder ob das alles gelogen ist.

Über Frauen hat er, ehem, …. ‚bemerkenswerte‘ …. Sätze verfasst.

„Es gibt ein geheimes Band zwischen den Frauen; sie hassen einander, aber sie nehmen einander in Schutz.“

„Wer sie durchschaut, der hat in ihnen einen unerbittlichen Feind.“

„Eine häßliche Frau ist der beste Zaun um den Garten.“

Offenbar war er auch ein selbsternannter „Auskenner“:

„Ist man einmal bis zum Knie gekommen,
so hat man nicht mehr weit.“

Verständlich ist, dass der Diderot-Effekt das ist, was von ihm wohl am bekanntesten ist. Bis zum Knie musste man im 18. Jahrhundert weitere Wege gehen als heute, und dieser Satz hat daher einen höheren Bekanntheitsgrad verdient. 🙂

Mir fällt leider kein analoger Satz ein, den man einer Frau zuschreiben könnte. Schade.

„Mode“, das schreibe ich nur dazu, damit man Diderot auch unter diesem Stichwort findet. 😉
–
https://maddin61.wordpress.com/

Geschwindigkeitsrausch

times-kroner

*Geschwindigkeitsrausch*

Heute scheint alles schnell gehen zu müssen. Kaum ein Auto läuft unter 170km/h in der Spitze, Filme haben schnelle Schnitte, Kommunikation über das Handy ist ebenso schnell und kurz in der Sprache. Gegessen wird „fast-food“ und getrunken ein „coffee-to-go“.

Kurz:
An Tempo sind alle gewöhnt und sehnen sich zugleich nach Beschaulichkeit und Ruhe. Wenn man sie dann mal zu fassen hat, kommt so manchem das langweilig vor. Mir auch.

Ich arbeite ja seit mehr als 30 Jahren mit jungen Menschen in der einen oder anderen Form, oft geht es um Mathematik. Und „klüger“ waren wir früher nicht, den Zahn muss ich allen Älteren leider gleich ziehen.

Der Unterschied besteht vielleicht eher darin, dass man sich früher mehr Zeit „nahm“, um zu denken. So wie man früher Briefe schrieb, so rechnete man auch. Heute rechnen viele so als würden sie über WhatsApp kommunizieren, aber das klappt nicht. Denken braucht nämlich vor allem … Zeit und Ruhe. Gerade das könnte man bei „Mathematik“ immer noch lernen. Und dass man sich im Leben auch mit „Unangenehmem“ beschäftigen muss, das auch.

Und so sehe ich oft kluge Schüler kurz vor dem Abitur, die das Wesentliche verstanden haben. Aber weil sie rechnen als seien sie getrieben, machen sie die blödesten Fehler oder schreiben so unstrukturiert und unsauber, dass sie ihre eigenen Zahlen manchmal nicht erkennen können. „Struktur“ und „Ordnung“ kann man später auch brauchen. Zusätzlich blicken sie beim Üben alle 10 Minuten auf’s Handy und verlieren die Konzentration.

Und ich kann es auch nicht besser und ich weiß es auch nicht, was man heute anders machen könnte.

Erstens:
In der Oberstufe reichen 40% der Punkte in der Regel für eine 4, ansonsten reichen 50%, das wäre also die „Hälfte“ der Aufgaben im zweiten Fall.

Also muss man, etwas vereinfacht betrachtet, in der Oberstufe und mit Ruhe nur 4 von 10 Aufgaben rechnen und dies richtig tun. Das reicht, mehr wäre gar nicht notwendig. Aber selbst Schüler, die bislang 4en hatten, versuchen *alle* Aufgaben zu rechnen, tun dies in Eile und haben zum Schluss oft keine 4 mehr. Das ist unklug.

Mit dem Gedanken „ich will nur die Hälfte rechnen“, geht mancher entspannter zur Klausur und schafft am Ende mehr als er in der hektischen Version erreicht hätte. Jedenfalls kenne ich bei der „entspannten“ Variante eher die besseren Resultate.

Zweitens:
Man werfe alle Kugelschreiber in den Müll und kaufe sich einen guten Füllfederhalter, den man gern verwendet und liebevoll einsetzt. Dazu einen Satz Fineliner und mehrere Bleistifte. Mit einem Kugelschreiber streicht man meist ohne Lineal, mit Tinte geht das in dieser Geschwindigkeit nicht, dann kratzt es. Da nimmt man automatisch ein Lineal … und meist sieht das dann auch ordentlicher aus. Jedenfalls sind die eigenen Zahlen dann oft besser lesbar. Und mancher lernt auch, etwas schöner zu schreiben.

Drittens:
Man verschwende mehr Platz im Heft, gerade in Mathematik! Sicher wird es einige Bäume das Leben kosten, aber die kann man ja nach den Prüfungen neu setzen. Viel zu oft wird eng geschrieben, alles zusammengequetscht … und nach einer kleinen Korrektur völlig unlesbar.

Mathematik und Eile sind nie Freunde.

Und das macht es meiner Meinung heute schwerer als früher für den Schüler, dass es da einen Gegenstand gibt, der offenbar etwas fordert, was man kaum noch kennt:

Ruhe, Nachdenken und …. Selbstkritik, …. darin, was man schaffen kann und was man lieber gleich abhaken sollte.

Und als Lehrer, da war ich fast immer im Stoff „hinter“ den Kollegen, die meistens alles schneller machten. Da musste ich, selbst zur Nervosität neigend, mich und andere immer beruhigen: „Ihr seid gut, wir machen die Grundlagen lieber langsam, am Ende gewinnt Ihr den Sprint vor dem Ziel.“

Und ich glaube auch heute nicht, dass das so falsch war.

Lehrer leben nämlich auch in diesen hektischen Zeiten und deshalb sind alle gut beraten, inhaltlich auch mal abzurüsten. Stattdessen setzen die Behörden jetzt auf mehr Technik in Form von programmierbaren Rechnern. Leider endet das nicht mit mehr Fähigkeiten der Schüler, sondern mit … weniger. Oft scheint mir die Bedienung der Maschine schwerer als die mathematische Anforderung. Man lernt ja auch nicht Latein, damit man es später beim Italienischen einfacher hat.

Man macht auch keinen Kochkurs, wenn man nur Eier kochen will. 🙂

Die Mathematik-Klassenarbeit

20171205_223043-1

*Die Mathematik-Klassenarbeit*

„Wenn ich wieder zur Schule gehen kann, dann muss ich gleich die Mathe-Klassenarbeit nachschreiben“, hat sie gesagt. Das kleine Kind war nämlich fast zwei Wochen ziemlich krank und lag im Fieber. Also hat sie versucht, den Stoff dieser Zeit im Buch „nachzulesen“. Gerechnet hat sie nicht, Aufgaben von mir waren unerwünscht.

„Drei Fragen, Papa, zu Mathe“, die hatte sie. Als ich die kurz beantwortet hatte und noch ein wenig ‚ausholen‘ wollte:

„Das war’s, Papa, es waren wirklich nur die drei.“

Das bedeutet, dass ich wieder gehen soll.
Bei ihrem „Das war’s“ muss ich immer an Meryl Streep in diesem Mode-Film denken, na, an den mit der Dings mit den dunklen Haaren. Ihr wisst schon.

„Es ist auch völlig egal, dann schreibst Du eben mal eine 4 oder eine 5. Du warst ja nicht da. Dein Lehrer muss das so machen, aber er weiß ja, dass Du krank warst“, oder so ähnlich habe noch hinterher geschoben.

Und als ich sie „danach“ von der Schule abholte und fragte, wie es denn ‚gelaufen‘ sei, da lachte sie laut:

„Total verkackt! Überall kamen krumme, blöde Zahlen heraus, das ist bestimmt alles falsch. Bei einer Aufgabe habe ich nur geschrieben, was ich machen würde, zum Rechnen hatte ich keine Zeit mehr.“

Kurze Pause, etwas leiser fuhr sie fort:

„War natürlich doof, dass mir keiner gesagt hat, dass ich den Taschenrechner benutzen durfte. Den hatte ich in der Tasche.“

Aber sie lachte immer noch.
„Verkackt“ heißt so etwas wie früher „Scheiße“.

„Die Arbeit ist bei den anderen richtig schlecht ausgefallen. Nur eine 2, ganz viele 4er und 5er. Hat *er* wohl nicht so gut erklärt.“

„Dann sag‘ ihm wenigstens, dass Du das mit dem Taschenrechner nicht wusstest. Ändert zwar die Zensur nicht, wäre aber gut, wenn er das weiß.“

Ja, das wollte sie dann tun.

Sie hat es nach der Rückgabe nicht gesagt.
„Papa, das wäre blöd für die anderen gewesen!“

Sie hatte nämlich die einzige 1. Und sie grinste wie sie über eine 5 auch nur gegrinst hätte. Tolles Kind.
Am stolzesten aber bin ich, dass die Kurze sich nicht „stressen“ lässt.

Ob ich sie mal fragen darf, wie man das macht?