Jugendliche Bekleidung

 

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*Jugendliche Bekleidung*

Nun, meine Eltern liebten Mozart, Beethoven und die Graetz-Musiktruhe. Allerdings war dies meist eine stille Liebe, denn Musik kam aus der Kirschholztruhe mit der Schiebetür selten.
Mein Vater hatte als Schüler schon den 1. Weltkrieg erlebt, meine Mutter den zweiten, aber auch schon als Erwachsene. Das mildert so manchen Blick in den Rückspiegel.

Sie liebten die „Gammler“ in diesen verwaschenen Hosen und mit den langen von Stirnbändern gebändigten Haaren nicht, die 60er waren nicht ihr Freund. Das war auch der Rock’n’Roll der 50er schon nicht gewesen.

Ich trug als Kind Lederhosen in jeder Form und Farbe auch unter nördlicher Sonne, kurz im Sommer, Knickerbocker bis zum Knie aus feinstem Hirschleder im Winter. Weil niemand sonst zum Anorak solche Hosen trug, war das etwas Spezielles. Leider konnte man auf Leder schlecht rutschen. Teilweise blieb ich auf halber Höhe kleben, insbesondere bei feuchter Witterung. Wir hatten noch keine Waschmaschine, da war Leder eine gute Alternative, die Wasser nicht verlangte.

Außerdem hatte ich schon als kleines Kind höchste Bewunderung erhalten, weil meine Kleidung selbst in der Sandkiste rein blieb. Nur die Hände und Schuhe bedurften der Reinigung. Dies freute meine Mutter so sehr, dass ich versuchte, die Schuhe nsch dem Spielen am Rand zu reinigen. Das ist eigentlich bis heute so geblieben. Ich liebe es, Schuhe zu putzen. Sandwege auf dem Weg zum Automobil pflege ich nach Möglichkeit zu meiden. Selbst unbefestigte Parkplätze umgehe ich, um einer drohenden Innenreinigung vorzubeugen. Eine ausklappbare Fußmatte vor der Fahrertür würde ich bestellen, wenn es so etwas gäbe. Andererseits würde ich die auch wieder saugen müssen.

Ansonsten erhielt ich später, im ersten zweistelligen Alter, eine Auswahl von Stoffhosen mit Bügelfalten von „Brenningmeyer“. Keiner hatte Hosen mit Bügelfalten, leider waren sie auch etwas „kratzig“. Aber das Lob der Eltern für die Vermeidung von „Blue Jeans“ blieb mir auch noch bis zur Konfirmation oder kurz davor gewiss.

Eigentlich begann alles mit dem Roten Album und dem Blauen Album von den Beatles, kurz danach sang Albert Hammond aus langen Locken und in Jeans vom Regen, der in Californien nie fiel. Danach wechselte ich zu Jeans, die Haare sprießten wie das Gras auf einer tierlosen Weide bis das wallende Haar Klassenkameradinnen zum Flechten animierte. Schon mit 12 durfte Herr Graetz zu mir umziehen.

Klanglich … und gefühlt war das der Himmel auf Erden. Das Radioprogramm des Norddeutschen Rundfunks wurde zum akustischen Begleiter der Bruchrechnung.

Zur gleichen Zeit begann meine Fußballkarriere, die unbeholfen auf der rechten Abwehrseite begann und, später weiter ‚vorn‘, sich mit Spitznamen in den Folgejahren wie „Franz“, „Mario“, „Flankengott“ oder „Kempes“ besser liest als sie vermutlich war.

Das muss die Phase gewesen sein, in der das gepflegte Langhaar auch nach dem Spiel noch trocken und weich auf die schmalen Schultern fiel. Lothar, einer meiner ersten Trainer, ernannte mich zwar zum Kapitän, raunzte mich an:

„Ich stecke Dich in die ‚7te Opa‘, wenn Du Dich nicht mehr bewegst!“

Das wurde zum geflügelten Wort wennimmer man von mir in den Folgejahren einen lustlosen Eindruck hatte. Also, man musste damals Gegenspieler aus taktischen Gründen minutenlang in Sicherheit wiegen, es gab ja noch ‚Manndeckung‘. Heute beherrscht niemand mehr diese Kunst des Einschläferns. Mario Basler war der letzte dieser aussterbenden Gattung.

Nun, Mario Gomez schafft das heute auch, dies jedoch unbewusst.

 

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