Unter der Dusche

 

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*Unter der Dusche*

Stellt Euch mal vor, dass Ihr männlich seid und im Gefängnis einsitzt, sagen wir ruhig für eine längere Zeit. Und zweitens stellt Ihr Euch vor, dass Ihr zehn männlichen Insassen des Traktes gemeinsam nackt unter den Duschen steht.

Was darf man in dieser Situation sagen und was sollte man lieber nicht sagen?

„Verdammt, Heinrich, Du bist in den Jahren hier echt voll fett geworden!“

„Mensch, Herr Graf, etwas Sport würde Ihnen nicht schaden, Ihr Alter sieht man Ihnen auch an.“

„Gib‘ mir mal Dein Duschgel, Horst!“

So oder so ähnlich, das ginge, vermute ich.

Vermutlich könnten wir noch darüber sprechen, ob Özil nun ein Genie ist oder nicht oder ob die Gefängnisleitung jetzt ein anderes Waschmittel für die Bettwäsche verwenden lässt.

„François, Du hast die schönsten Beine der Welt!“
„Deine Körperbehaarung ist wirklich beeindruckend, Paolo!“
„Du bist so toll gebaut, Muhammad!“
„Mit Dir, Pep, würde ich gern mal allein duschen.“
„Du siehst heute wieder aus wie ein Weltstar, Rudi!“
„Du hast einen Knackarsch, Bernd.“
„Mit Deinem Körper kannst Du Geld verdienen, Gustav!“

Eben, das würdet Ihr vermutlich auch nicht sagen.

Es ist nämlich so, dass Ann, meine junge Englisch-Lehrerin, immer gute Ideen hat, wie man sich bestimmte Regeln auf einfache Weise merken kann. Irgendwie kamen wir dann wieder auf diese #metoo-Debatte und ich habe sie gefragt, wie ich mir einprägen könnte, was ich noch zu Frauen sagen darf und was ich lieber nicht sagen sollte.

Und dafür gab sie mir das „Gefängnisduschenbeispiel“.

„Stell‘ Dir vor, Du bist mit zehn anderen männlichen Gefangenen im Gefängnis und Ihr steht unter der Dusche. Wenn Du da etwas nicht sagen würdest, sag‘ es auch nicht zu einer Frau.“

„Alexander, mit Dir trinke ich morgens meinen Kaffee am liebsten“ …. das würde ich auch nicht sagen.

Vermutlich würde ich überhaupt nichts Nettes unter der Dusche sagen.

 

2 Gedanken zu “Unter der Dusche”

  1. Bei 10 homosexuellen Männern sind diese Sätze doch denkbar. Es kommt einem doch nur schräg vor, weil es aus dem eigenen sexuellem Rahmen fällt. Auch mir haben Frauen schon gesagt, „schöner straffer Hintern“, na und? Fahr ja auch Rad dafür. Würde ein heterosexueller Mann eher nicht sagen. Das Beispiel hinkt also gewaltig. Wenn 5 Frauen und 5 Männer gemeinsam Duschen würden, hätten die wahrscheinlich mit diesen Aussagen auch kein Problem. Es kommt also auf den Kontext an! Im Berufsleben unangebracht. Im gemischtgeschlechtlichen Saunaclub und alle kennen sich wie in deinem Beispiel mit Vornamen, passend. Die Lehrerin liegt also mit ihrem Beispiel falsch.

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