Stormy Weather

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*Stormy Weather*

Irgendwie ist der Wurm drin und man könnte sich ärgern, wenn man so richtig Lust dazu hätte.

Vorgestern bin ich auf dem Rückweg von der Nordsee in einen einstündigen Standstau geraten, toll, wenn man eigentlich nur 3km auf der Autobahn gehabt hätte. Zuerst ist das ein Problem, wenn man eigentlich gerade pinkeln wollte, zweitens ist das eigentlich nett, weil ich sonst die 5er-Packung Pick-Up nicht im Handschuhfach entdeckt hätte und drittens ist das eigentlich gut, weil ich unter dem Beifahrersitz Jon Krakauers „In eisigen Höhen“ über eine Mount Everest-Besteigung sonst nicht gefunden hätte. Das ist eigentlich ein recht langer Satz, der aber zu einem Stau passt. Jedenfalls habe ich dann solange gegessen und gelesen bis der hinter mir gehupt hat.

Einen Tag später durfte ich die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, aus dem Venedig des Nordens abholen, weil die Bahn gegen den Sturm verloren hatte. Hach, das war eine wundervolle Fahrt mit vielen Straßen, die nur mit fast unsichtbarem Flatterband gesperrt waren. Meine schöne Gattin ’not amused‘.

Einen hübschen Wasserschaden hatte dann Giselle, das habe ich heute am Morgen beim ersten Kaffee erfahren. Sie trägt das mit stoischer Ruhe und einem Lächeln, das allerdings auch Hilfe von einem roten Lippenstift hatte.

„Ganz schön viel los heute beim Kaffee auf dieser vielbefahrenen Straße vor dem Cafe“ habe ich zwischendurch gedacht, weil Giselle von an Wänden fließendem Wasser berichtete.

Auf der Straße floss nix.

Dann rief mich noch irgendein Idiot auf dem Handy an, den ich nicht kannte. „Ich muss unbedingt die Handynummer aus der Heckscheibe nehmen“ kam mir noch in den Sinn. Die liegt nur für den Fall da, dass ich mal kurz auf einem privaten Parkplatz anhalten muss. „Bitte SMS schicken, kann nicht telefonieren“ habe ich sicherheitshalber zurückgeschrieben.

Beim zweiten Cappuccino mit Sabrina habe ich gar nicht mehr genauer zur Straße sehen können, weil sie wieder Spannendes zu erzählen hatte, ein Traum zum Nachdenken. „Richtig fett, der Innenstadtstau heute“ hat Sabrina gesagt. Zum Glück stand mein Auto nur 30 Schritte weiter. Der Parkplatz war etwas klein für die Limousine, aber vorn hatte ich noch Platz für den Daumen von Sigmar Gabriel gelassen, damit der hinter mir gut rausflutschen kann. Also nicht Sigmar sondern der mit der Karre hinter mir. Einem Mercedes muss man immer etwas mehr Platz lassen.

Was müssen diese Spinner auch alle mitten durch die kleine Stadt fahren! Jetzt stehen sie hier herum.

Dann mussten wir uns trennen, Sabrina zum Shoppen, ich zu den anderen unlösbaren Gleichungen.

Da hatten die mir doch ein Verkehrsschild vor den rechten Vorderreifen gestellt, einfach so, aber falsch herum, das war vorher nicht da. Aber manche Menschen sind auch manchmal genau da, wo man sie gerade nicht so gut braucht. Meistens Männer.

Im Auto habe ich dann noch eine SMS gelesen:

„Ihr Fahrzeug ist aus der Parklücke raus gerollt und stand quer auf der strasse. Wir haben es wieder zurück geschoben und etwas vor den Reifen gelegt.
Mfg akelbein möbelspedition“

Ich sage nie wieder Schlechtes über Männer.

 

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