Schutzlos

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*Schutzlos*

Zu Bob Dylan gehörte über Jahrzehnte die Gitarre. „Oben ohne“ war er höchst selten zu sehen. 1995 im März, da stand er „hands open and visible“ ohne das schützende Instrument in Prag auf der Bühne.

So eine Gitarre zwischen dem Künstler und dem Publikum, das kann für den Sänger sehr wichtig sein, vermute ich.

„Ohne ist wie nackt“.

Und Redner in der Politik haben meist ein Stehpult oder wie man das nennt, wenn sie sprechen. Nimmt man ihnen das, so wirken sie viel angreifbarer.

So etwas schafft Sicherheit, man kann sich im wahrsten Sinne des Wortes daran „festhalten“. Der Schulz fing in der Wahlarena immer an zu laufen, am liebsten hätte er sich ins Publikum gesetzt. Und vor der Sendung war seine wichtigste Frage:

„Bis wohin darf ich mich denn …. bewegen?“

Die Merkelsche Raute schafft auch Sicherheit, auch wenn sich ihre Fingerspitzen nur sanft berühren. Aber „Halt“ bedeutet auch das. Und wohin denn sonst mit den Händen? Eine Sonnenbrille cool in der Linken, das geht nur bei unsicheren Filmstars auf dem roten Teppich. Oder eben Handtasche für die Damen. Aber ‚Angie‘ mit Handtäschchen? Geht gar nicht. Der Macron würde mit Handtasche auch anders rüberkommen.

Und die Moderatoren der Tagesthemen und des heute-journals stehen heute oft in digitaler Kulisse und ich bedaure die, wenn sie so schutzlos vor Millionen Menschen stehend sprechen müssen und oft nicht wissen, was sie mit den beiden Händen tun sollen.

„Raute“ geht ja nicht, ist vergeben. Und „Hände falten“ wie zum Gebet passt auch nicht gut, ist sozusagen „gebraucht“.

Und so stehen sie dann und sind so froh, wenn sie auf irgendeine Wand zeigen können.

Gebt Marieta und Klaus ein Pult!

Und wenn ihr das alles abwegig findet, dann setzt Euch doch beim großen Familientreffen zusammen wie immer auf die Stühle, aber räumt vorher den Tisch in den Garten.

 

…. The Men

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*…. The Men*

Ja, da habe ich kürzlich gestanden, dass ich wenig verstehe, wenn viele Menschen durcheinander reden. Und Syske hat mir daraufhin geschrieben, dass ihr das auch immer so geht.

Nun kennen wir uns einige Jahre und trafen uns eigentlich immer in lauter, musikalischer Umgebung mit hundert anderen Leuten in einem Saal.

Ob wir uns immer so gut verstanden haben, weil wir uns nicht ….. ‚verstanden‘ haben? 🙂

„Man weiß es ja nicht!“

Nun schreiben wir uns nur noch und wir erzählen mehr als früher, kein Wunder, denn beim Schreiben und Lesen ist es so ruhig, dass man fast jedes Wort versteht. Vielleicht habe ich das früher nur nicht gehört.

Ansonsten verstehe ich ja nicht viel. Früher, also ganz früher, vor meiner eigenen Zeit, da wurden die besten Abiturienten nämlich Lehrer und die aus dem ‚Mittelbau‘, die wurden Ärzte. Und irgendwie fuhren damit die meisten nicht gerade schlecht. Jedenfalls gab es gebildete Lehrer und Mediziner, denen man vertrauen konnte und die auch menschlich zu schätzen waren.

Ist es heute eigentlich besser, wenn nur Einser-Abiturienten Mediziner werden? Ich habe da Zweifel, aber, zugegeben, ich habe ja immer Zweifel. Nun wollen sie in Niedersachsen 10% der Studienplätze in Medizin an diejenigen vergeben, die sich nach dem Studium verpflichten, 10 Jahre ‚auf dem Land‘ zu arbeiten. Da will nämlich keiner hin, auch in den Osten nicht, da suchen die händeringend Ärzte.

Ich habe tolle Ärzte. Und ich kenne welche, die klagen, dass sie viel Arbeit haben, zu Recht, aber auch manche, die klagen, dass sie oft an Patienten kaum noch etwas verdienen können. Ob das so ist, weiß ich auch nicht. Aber ich kenne keinen Arzt, der nach einigen Jahren Berufspraxis keinen BMW fährt oder zur Miete wohnt. Die haben alle ein Haus. Meine Sicht ist stark eingeschränkt, daran muss es liegen. Ich verstehe eben wenig und manchmal gar nichts.

Es geht hier nämlich um das „Verstehen“.

Und falls ihr darauf wartet, dass es hier doch noch um „Die Männer“ geht:

„The Men“ sind auf Deutsch gelesen nur „Themen“. Das war mir nie aufgefallen, aber bei den „Tagesthemen“ ist mir das gestern ins Auge gehüpft. Zusätzlich geht es da ja auch meistens um „Männer“.

„Die meisten Probleme sind männlich“, möchte man rufen. Ob die meisten guten Lösungen „weiblich“ sind, das könnt Ihr Euch ja mal überlegen.

 

 

 

Phasen

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*Phasen*

„Alles im Lot auf’m Boot und der Dampfer der guten Laune ist jederzeit bereit abzulegen.“

Das sagt zur Zeit keiner außer diesem Google-Assistant. Im Lot ist eigentlich fast nichts mehr und das liegt nicht nur daran, dass Tom Petty fehlt.

Wie bei Cohen, Bowie und so vielen anderen, ich kann in diesen Tagen keine Petty-Platte auflegen obwohl das so nahe läge. Frühestens in einer Woche, dann ist das schon etwas milder wie immer, wenn jemand plötzlich weg ist. Ich habe da so meine Phasen des Erinnerns ohne das Hören. Und den Tod überhört man ja sowieso gern.

 

Phasen hat auch Mikael, den treffe ich mindestens einmal pro Woche und er hat etwas Neues, er nuschelt so.

„Schlange da?“ sagt er zur Begrüßung, wenn ich zuerst da war.

„Eishockey“ nickt er, wenn man fragt, ob es ihm gut geht. Natürlich ist niemals „alles okay“. Das meint er nämlich.

Soramimi, so nennt man diese ‚Hörunfälle‘, das Wort musste ich googlen, aber der Mikael, der macht das mit Absicht, weil ich mal gesagt habe, dass ich nicht so gut höre, wenn alle durcheinander reden.

„The ants are my friends, they’re blowin‘ in the wind!“ so etwas zum Beispiel, das sind auch bekannte ‚Unfälle‘. ‚Mondegreens‘ heißen die, weil eine Dame bei „And laid him on the green“ mal „Lady Mondegreen“ gehört hat.

Ich bin gerade noch etwas in der Jackett-plus-Regenschirm-Phase. Es gab Phasen, da trug ich nur Schwarz, vielleicht ist gerade wieder die Zeit für Schwarz. Könnte aber auch sein, dass das nur an den fallenden Blättern liegt.

„Man weiß es ja nicht“, würde das kluge Kind wieder sagen.