*Sexismus am Beispiel*
Man stelle sich vor, es ginge um Christian Lindner von der FDP und eine ältere Botschafterin hätte ihn nicht gekannt und als sie ihn ankündigte gesagt:
„Ich habe keinen so jungen Mann erwartet. Und dann sehen Sie auch noch so gut aus!“
Ungeschickt, schlecht informiert und unklug würde man das nennen, kaum eine Meldung wäre es wert.
Ist das aber nicht weiblicher Sexismus einem Mann gegenüber?
Wenn eine Frau zu einem Mann sagt „Ich glaube, dass hier weibliche Intuition gefragt ist“, dann kann man das als sexistisch empfinden, weil hier eine Überlegenheit aufgrund eines Geschlechtes anheim gestellt wird. Ich empfinde das nicht so, erlaubt wäre es schon.
Ich bin nicht jung und gut aussehend und würde die Bemerkung der alten Botschafterin nicht einmal mit einem Ohr ernst nehmen selbst wenn ich es wäre, „jung und gut aussehend“.
Darf ich als Mann eine alte Botschafterin noch ‚alt‘ nennen?
Dürfte Lindner sich im fiktiven Beispiel darüber beklagen? Ja, er dürfte, aber man würde ihn vielleicht „mimosig“ nennen. Und das wäre dann männerfeindlich.
Aber genau das würde vermutlich passieren, wenn er den „Vorfall“ zum Thema machen würde.
„Die Staatssekretärin für Internationales und Bevollmächtigte Berlins beim Bund hatte Kiderlen nach einem Auftritt bei der Deutsch-Indischen Gesellschaft öffentlich und ohne Namensnennung vorgeworfen, sie als Frau herabgewürdigt zu haben. Als Kiderlen Chebli nicht erkannt habe, soll dieser geäußert haben: „Ich habe keine so junge Frau erwartet. Und dann sind Sie auch so schön.“ Chebli teilte darauf hin bei Facebook mit, sie sei „geschockt“ gewesen. Mit der Veröffentlichung des Vorgangs habe sie eine Debatte anstoßen wollen. In den sozialen Medien bekam sie dafür Zuspruch, vielfach ergossen sich aber auch Häme und Beleidigungen über sie.“
– aus ‚Der Tagesspiegel‘
Ungeschickt, schlecht informiert und unklug oder peinlich würde ich das nennen, was dem ehemaligen Botschafter dort entschlüpfte. Wäre er noch im aktiven Dienst, es hätte unter Umständen disziplinarische Konsequenzen gehabt.
Aber mehr, mehr als „peinlich“ ….. ist es mehr?
Ja, das ist es, er reduziert sie auf Äußerlichkeiten und mit ihrem Vortrag und ihrer Kompetenz hat weder ihre Jugend noch ihre Schönheit zu tun.
Und auch, wenn ihr mich jetzt löscht:
Sie ist wirklich schön. Und klug ist sie auch.
Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, nannte es ein „Kompliment“, aber eine „Herabwürdigung“ aller anderen Frauen, die weder jung noch schön sind. Ein Kompliment wäre es vielleicht bei einer Verabredung in der Oper gewesen und ein Kompliment für die Kleidung wäre uU auch dort besser gewesen.
Vielleicht hilft ein hypothetischer Blick in Cheblis Innenleben oder mögliche, noch verstärkende Ursachen ihres „Schocks“.
„Du bist Staatssekretärin?“, mag ein Bekannter zu ihr gesagt haben, „ja, Du bist auch ein Schmuck für das Auswärtige Amt. Vor allem in Deinem Alter.“
Vielleicht hatte die aktuelle Geschichte eine zusätzliche ….. Vorgeschichte.
Für Häme sehe ich keinen Grund.