
*Klassentreffen*
Wie war eigentlich Euer letztes Klassentreffen?
Ich war zum 30jährigen Abitur das letzte Mal dabei, da waren 70% des Jahrgangs anwesend, unglaublich. Und länger her ist das auch schon. Ansonsten gibt es wohl fast jedes Jahr nach Weihnachten ein kleines Meeting in einer dunklen Kneipe dieser Stadt.
Zu Weihnachten treibt es viele dem Stall zu.
Der, der mit mir eine Wette laufen hatte, dass er fünf Jahre nach dem Abitur Millionär sei, der war zum 30jährigen auch da. Er sei „eben aus New York zurück“ und es war praktisch, dass ich ihn einige Tage vorher vom Strand mit dem Auto zurückfahren konnte. Klar, sein Porsche blieb ja am Hudson River stehen.
Das ist im Prinzip keine lustige Geschichte, aber er kann das fast so darstellen, dass man Freude am Glaubenwollen entwickeln könnte. Zum Schlus reicht es für ein Schmunzeln. Jedenfalls haben ihm die schönen Frauen die Geschichten öfter abgenommen als ich. Die Modelkarriere, das Motorboot, den Porsche. Aber am Strand kein Geld für Kaffee und Zigaretten.
„Muss noch zur Bank, die Dollars wechseln“ und so.
Ryam, mit der waren wir zu Zeiten der schulischen Kurvendiskussionen oft unterwegs. Unvergessen der Moment als sie den Mantel ablegte und der rote Kaschmirpullover mit dem Ausschnitt von der Größe eines U-Bootes dabei ihren reizvollen Oberkörper komplett freilegte. Wir haben uns auch einige Male zu zweit getroffen.
Leider habe ich sie beim 30jährigen zunächst gar nicht erkannt. Der Pullover hätte für einen weiteren Tauchgang auch nicht mehr genug Raum geboten, zugegeben.
Mich stört auch, dass die mich dann immer noch viele „Kempes“ oder „Mario“ rufen. Das hatte mit dem argentinischen Weltmeistertitel von 1978 zu tun.
Auch die ganzen Scherze und Geschichten sind natürlich dieselben, alle 10 Jahre. Manche davon hätte ich vielleicht auch vergessen, wenn die nicht wiederholt aufgekocht worden wären.
Die Stillen von früher sind oft die Interessantesten in den späteren Jahren, die lauten Anführer von damals sind oft die Schweiger im Heute, was kein schlechtes Zeichen ist.
Und gegen Ende haben sie sich eigentlich gar nicht verändert. Außer mir natürlich. Und der Doris, die war früher über 100m immer die schnellste Läuferin. Aber das hatte ihr die Fotostrecke im Herrenmagazin nicht eingebracht. Es war etwas anderes, aber ich weiß nicht mehr, was. Die war genauso schön wie damals aber nicht mehr so entrückt wie zu Zeiten der Medaillen in Gold.
Ich muss da mal wieder hin.