Das verstörende Lied

*Das verstörende Lied*

Kennt Ihr das? Klar, Ihr kennt das!

Beispielsweise „Mamma Mia“ von Abba, das Original von 1975.

Es gibt einen Moment in dem „Pizzalied“, so nannten wir das früher, da höre ich meinen Vater im Treppenhaus rufen und drehe die Musik leiser.

Ganz deutlich: „Martiiiin!“

Es ist bei 2:29 und sogar nochmal bei 2:36.

Wenn ich das in den 70ern vielleicht 20mal laut gehört habe, dann bin ich davon 19mal zur Treppe gelaufen und habe „Ja, father?“ gefragt aber nie eine Antwort bekommen. Er stand bei „Mamma Mia“ grundsätzlich nicht rufend im Treppenhaus. Eher bei Led Zeppelin, aber da hörte ich ihn ja nicht. Mein Vater war in den 70ern nämlich auch schon in den 70ern. Ich habe ihn als Kind mal gefragt, welche Haarfarbe er früher hatte, aber er konnte sich nicht erinnern. Das war erstaunlich. „Dunkler“, hat er noch genuschelt.

„Father“ spricht man hier „Vaser“ aus. Mein Vater war ein richtig toller Lehrer, sogar Männer im Alter von 50 Jahren haben ihn in der Stadt noch angesprochen! Dann haben sie auf Nachfrage von ihren drei fast erwachsenen Kindern und ihrem Beruf berichtet und mein Vater wusste jeden Schülernamen. Jeden. Das hat mich damals gar nicht beeindruckt, fällt mir gerade auf.

Einmal hat er aber ohne zu nuscheln gesagt:
„Da ist ja doch noch etwas aus Dir geworden, Horst!“

Das war die Zeit, in der Männer noch „Horst“ hießen und Frauen „Gerhild“.

Horst Hrubesch ist einer der letzten Horsts. Bei dem anderen, da breiten wir still den Mantel des Schweigens aus. Man macht ja sonst noch ungewollt Werbung für diesen … anderen … „Horst“.

Dann haben beide gelacht, also die beiden für mich damals alten Männer von denen einer mal der Schüler des anderen alten Mannes war.
Horst Hrubesch hätte auch gelacht, aber der andere Horst ganz bestimmt nicht so. Der wäre ja so gern mehr als er ist.

Er, also mein Vater, nicht jener andere Horst, hat mir mal das britsche „th“ versucht beizubringen und daraus ist dann der „Vaser“ geworden. Vermutlich hat er gedacht, dass aus mir auch nichts wird, wenn meine Aussprache so schlecht ist. Von Vätern kann man viel lernen aber Englisch geht anderswo sicher besser.

„Jack Sprat could eat no fat
His wife could eat no lean
So all between them both
They left the table …. clean.“

Dreimal „th“, erstaunlich.

Hätte fast wieder eines der „th“ übersehen.

Mist, Faden verloren:
Natürlich würde ich jetzt nicht halböffentlich zugeben, dass ich „Mamma Mia“ wahnsinnig beeindruckend finde. Das könnte man eher von „Mama Lou“ sagen oder von „Philadelphia Freedom“. Auf das Zweite bin ich jetzt nur durch die Gedankenkette von Pizza via Mutti zu Frischkäse gekommen, aber das ist auch egal.

Aber da ruft doch wirklich jemand bei „Mamma Mia“!

Hört Euch das bitte mal an. 🙂

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Und bei „Desire“ von Anna Calvi, da sehe ich beim Fahren mit dem Auto an einer bestimmten Stelle immer in den Rückspiegel und drehe Anna ganz leise, weil ich denke, ein Blaulicht kommt von hinten.

Ein Martinshorn! Das Wort verstehe ich zwar, aber eben habe ich das erste Mal in meinem Leben „Martinshorn“ geschrieben.

Das Horn heißt wie ich!

Horstshorn … das wäre richtig blöd, wenn es so heißen würde.

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Kennt Ihr auch „verstörende Lieder“?

Komme gerade nicht auf das Lied bei dem ein Hund bellt.

Es gibt mehrere, bei Tom Waits gibt es das sowieso. Es kann aber auch Tom himself sein, das ist immer ein unsicherer tipp.

Bei einer der letzten Platten von Joe Henry hört man auch einen Hund bellen. Joe Henry ist auch viel zu unbekannt.

Aber das andere Lied mit dem Bellen eines Hundes, das ich eigentlich meine, das sieht gerade so aus wie wenn man ein Fernglas falsch herum hält.

Und dann kommt die Erinnerung nicht zurück.

Aber vielleicht kennt Ihr ja andere … „verstörende Momente“.

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