Madagaskar oder Fehmarn

*Madagaskar oder Fehmarn*

.
Ich frage mich ja manchmal, warum die Zeit mit den Jahren immer schneller zu vergehen scheint.

Schon wieder Weihnachten?
Habe doch den Streusand „neulich“ erst zurückgestellt!

Udo Jürgens starb vor zwei Jahren?
War das nicht letztes Jahr?
Freddy Mercury starb vor mehr als 25 Jahren, John Lennon vor 36?

Eine Zeitreise mit hohen Geschwindigkeiten ist das.

Die Sommerferien waren früher unfassbar lang und das sind nur sechs Wochen gewesen! Oder Urlaub! Die erste Woche ist ewig lang, weil alles neu ist und die zweite so kurz!

Die Frage ist, was man gegen den zu schnellen Verlauf der Zeit tun kann, man bekommt ja keinen Nachschlag.

Noch mehr Eile, um noch mehr in weniger Zeit zu erledigen, das kann die Lösung nicht sein, weil dann ja noch weniger Zeit zum Herumsitzen bliebe.

„Man sollte einfach öfter am Meer sitzen“.

Das ist vermutlich die Variante, die die Zeit wirklich strecken kann. Das geht aber nur solange man dort sitzt! Wenn man das wochenlang tut, ist die Zeit hinterher wieder schnell vergangen, weil man wenig erlebt hat und nur herumsitzt.

Es ist eben …. schwierig.

„Zeit?“, das ist eine Frage, die man irgendwie zu selten mit einem „Ja“ beantworten kann.
Und Madagaskar wäre wirklich toll, aber spontan ein Stück Kuchen auf Fehmarn, das reicht heute vielleicht auch.

Einen Baum habe ich nämlich schon. Es war der hässlichste und krummste von allen, aber er hat zwei Spitzen!

Und die Kurze hat gesagt:
„Der braucht auch ein Zuhause!“

Das ging mir dann auch wieder zu schnell.

Beleidigendes

*Beleidigendes*

Wir sind alle schon einmal angepöbelt oder angemotzt worden. Auch Beleidigungen kennt ja jeder nicht nur vom Autofahren.

Es gibt auch Dinge, die man als Beleidigung empfindet, obwohl mancher das gar nicht so meint, wie der Hörer es hört.

„Du hast mich beleidigt“, das ist auch so ein moderner Satz, viele sind heute so schnell gefühlsmäßig angegriffen und nehmen eine wehrsame Haltung ein.

Bei mir verfängt da „Oberlehrer“ sofort, da werde ich sauer, obwohl das von Zeit zu Zeit sogar berechtigt ist, mich derart zu beleidigen.

Aber doch nicht *so*!

„Lehrkörper“, wenn das früher jemand sagte, dann schwoll mir der Kamm und ich fragte, ob ich dann auch das üble Wort „Schülermaterial“ verwenden soll.

Ich bin sehr sensibel, glaube ich.

Ich rege mich auch gern auf.

–
Aber das Schlimmste, was man jemandem, speziell Frauen, sagen kann, das klingt nicht böse, das hat eher Tradition. Es ist auch nicht aggressiv, zumindest nicht auf den ersten Blick.

Und wenn man dabei ganz harmlos lächelt, dann hilft das überhaupt nicht, weil sie sofort gedanklich abgewandert ist und sich fragt, ob da etwas dran ist.

„Sie“, das sind alle Frauen und keine will es hören.

Nicht einmal, wenn etwas Wahrheit darin steckt.

Ihr wisst ja, welche Beleidigung ich meine, die schwerste und schlimmste von allen?

Nein?

„Du bist genau wie Deine Mutter.“

Im Gespräch bleiben

*Im Gespräch bleiben*

.
Manchmal frage ich mich, was eigentlich besser ist:

Mit dem Hund in einer Fußgängerzone Gespräche zu führen oder laut in ein mobiles Endgerät Worte zu entsorgen.

Für den Außenstehenden hört sich das, abgesehen von der kindlichen Tonlage einem Hund gegenüber, fast gleich an.

Ich weiß es nicht, was besser oder schlechter ist.

Peinlicher wäre mir aber das Sprechen mit einem elektronischen Gerät. Es gibt auch immer mehr Menschen, die mir eine Sprachnachricht senden, so bei whatsapp oder so.

Höre ich mir gar nicht an.

Da muss man erst den Lautsprecher einschalten und dann einen stillen Ort finden. Es gibt mehr stille Örtchen als stille Orte.

Zusätzlich laufen viele ja mit dem Handy und dem typisch gesenktem Kopf durch die Welt. Ich selbst schreibe nur im Sitzen. Auch mit der bekannten Haltung.

Das erinnert mich dann auch wieder an meinen schwarzen Hund.

Der schafft es tatsächlich minutenlang mit zum Schnüffeln gesenktem Kopf durch die Stadt zu laufen. An sich ist das fast dieselbe Haltung, mit der der Mensch vor seinem Endgerät hockt. Das mache ich gerade auch und der Hund sieht mich am und denkt:

„Warum schnüffelt er nicht weiter unten?“

–

Genau.

Jetzt kommt es wieder:

„Gesendet mit der Telekom Mail App“.

Katia Giddens

*Katia Giddens*
„XDP, läuft bei Dir …“? 🙂

Ich habe jetzt ein X genommen, weil mir ein F zu freizügig war.

„Läuft bei Dir?“

Ich denke schon, denn seit jetzt knapp 2 Jahren hat sie neue Beine. Es waren zwei Sekunden damals in der Tagesschau, das macht pro Bein nur eine kurze Sekunde. Bei relativ langen Beinen, was wesentlich ist, denn wenn man eine Sekunde für das Bein einer Maus hat, ist das nämlich etwas anderes.

Der damalige Kameraschwenk wäre bei Mutti vermutlich nicht sonderlich aufgefallen, aber sie trägt ja auch keine kurzen Röcke sondern Hosen.

Bei dem Kleinen von den Linken hätte man gar nicht schwenken müssen. Ich komme tatsächlich nicht auf seinen Namen, der hat nicht viele Haare und ist Anwalt. Nun, das trifft auf den halben Bundestag zu. Ihr wisst ja, wen ich meine, den Berliner. Ist der aus Berlin?

Mann.
Der ist eloquent und hält den Kopf oft recht hoch, so wie kurz vor dem Ertrinken. Nobert Blüm meine ich nicht. Das Kinn ist energisch, aber nicht so energisch wie das von Bruce.

Düse?

„Unser Mann für Hamburg“, so hat die XDP für Katia geworben. Mir hat jemand stattdessen als Slogan das Folgende vorgeschlagen, leider habe ich doch gelacht, obwohl das natürlich nicht politisch korrekt war. Ich war allein!

Jetzt macht da bitte keine große Sache draus.

Er, den ich hier schütze und seinen Namen tief in meinem Inneren verschließe, hat vorgeschlagen:

„Sie läuft jetzt für uns. XDP.“

Das fand ich so daneben, dass ich das niemals vergessen werde.

–

Ich habe dann mehrere Monate später Katia kurz kennengelernt, im Mojo-Club, tief unten unter den tanzenden Hochhäusern an der Reeperbahn.

Rhiannon Giddens hat da aufgespielt.

Sie, also Katia, nicht Rhiannon, trug Jeans, aber das war mir ganz egal. Ich wollte nämlich vor der Show nur meinen Regenschirm hinter einem der Ledersofas in der Lounge verstecken und da saß sie allein mit einer Freundin. Es kann auch eine Parteifreundin gewesen sein. Das sieht man nicht so schnell, ob eine Freundin echt oder nur von der Partei ist.

An der Garderobe lange warten, das mag ich nicht, also suche ich mir oft Verstecke. Sie hat das gesehen und dann habe ich den Finger auf die Lippen gelegt.

Also auf meine, nicht auf ihre.

So nach dem Motto:
„Du und ich und das Geheimnis.“

Und ich glaube, sie fand Rhiannon ebenso gut wie ich, jedenfalls haben wir uns von Zeit zu Zeit angegrinst nachdem ich den beiden einen Platz am Soundboard gezeigt hatte. Ganz vorn, das hätte nicht zur Partei gepasst.

Andererseits fällt mir gar keine Partei ein zu der „ganz vorn“ heute passen würde.

Ihre Augen standen nach 5 Minuten nicht mehr so eng zusammen. Ich war trotzdem mehr von Frau Giddens in den Bann gezogen.

Vorn war auch mehr Licht.

Und im März spielt Rhiannon Giddens wieder im Mojo-Club, deshalb habe ich mich nämlich daran erinnert. Karte habe ich schon. Hoffentlich regnet es wieder.

Ein unvergesslicher Abend damals.

Ich wollte sie noch einmal sehen.

Redensarten

Redensarten

Es gibt Sätze, die man so dahin sagt und keiner hört zu und keiner kümmert sich darum.

„Sag‘ es nicht weiter.“

Das ist so ein Satz.

Wenn man den verwendet, ist alles in Ordnung. Man spricht nur mit der falschen Person! Bei der Richtigen braucht man den Satz nicht.

Das ist mir neulich auch passiert, da hatte ich mich gerade aufgeregt und spontan einem Bekannten gegenüber echte Gefühle gezeigt. Also nicht solche, aber eben zuviel davon.

„Das sage ich ihm mal“, hat er dann sogar gesagt

„Nein, sag‘ es nicht weiter“, sagte ich zweimal, „das mache ich *selbst*.“

Am nächsten Tag schon traf ich ihn wieder und er sagte:

„Ich hab’s ihm gesagt, was Du gesagt hast. Er war ziemlich sauer.“

Reicht, oder?

–
„Wir schenken uns dieses Jahr nichts.“
Das gehört eigentlich nicht zu „Redensarten“, sondern zu „Leere Versprechungen“.

Ich will mich immer an Absprachen mit der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, halten. Da, im Wollen, bin ich absolut verlässlich.

Leider sehe ich zufällig und unabsichtlich gerade *dann* so wunderbaren Schmuck oder irgendetwas anderes für sie, dass ich das dann spontan kaufe.

Manchmal denke ich dann still vor mich hin:
„Egal, Absprache gilt für Weihnachten, schenke ich ihr zu Neujahr“.

Nicht immer liege ich richtig, zum Beispiel bei dem Buch über Lagerfeld vor zwei, drei Jahren. Aber dann leihe ich mir das eben aus.

Das ist bei Schmuck nicht so gut, aber ich bin da generell gar nicht so ungeschickt, habe ich einmal vor dem Spiegel gedacht. Es war nur einmal und danach bin ich zum Friseur gegangen.

Ich gehe immer in dasselbe Geschäft und erzähle, was sie von dort alles hat. Dann haben die Ideen, man glaubt es kaum!

Es ist keine Apotheke, das Geschäft, nur die Preise sind so. Silber ist preiswerter als Gold. Das habe ich voll drauf.

„Weißgold oder Silber“, das ist also so eine Vorgabe von mir, die in Wirklichkeit gar kein „Oder“ kennt.


Nikolaus hatte ich um Mitternacht dann auch noch etwas in ihren hohen Stiefel gesteckt. Sie hat dann morgens um 6 in meinem nachgelegt als ich schon mit dem Hund an Bäumen schüffelte.

Wohlgemerkt:
Es gab auch keine Absprache für den Nikolaustag!

Es gab nur so etwas total Unpräzises wie „Nikolaus ist für Kinder“, was ich auch nicht anzweifelte. Mit mir muss man manche Dinge auch einfach schriftlich machen, ich kann mir das dann besser merken.

Wenn ich nichts gehabt hätte, meine Fresse, da hätte ich aber ein schlechtes Gewissen gehabt!

Ich habe früher auch eine Rute eingesteckt, aber das mache ich schon seit 20 Jahren nicht mehr, weil sie, also meine Frau, dann gern „Warum?“ fragt.

„Zum Fegen!“

Ja, richtig blöd, genau wie Redensarten.

Ein Spaziergang mit Hund

*Ein Spaziergang mit Hund*
Ich bin nicht abergläubisch, das schon mal vorweg, hier gleich in Beton gegossen.

Es gibt unzählige Wege, die man morgens mit dem Hund gehen kann. Es ist dem Hund auch völlig egal, wo er spazieren geht. Meiner stolziert eher, aber das hat der nicht von mir abgeschaut, denn ich schlurfe und lasse den Kopf hängen. Das sagt die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte.

Bei „abgeschaut“ musste ich gerade daran denken, dass es früher verpönt war, sich dasselbe Matchbox-Auto zu kaufen oder sich zu wünschen, was der Freund in der Sackgasse auch hatte.

Dann hieß es:
„Du hast das ja nur nachgekauft!“
Es gibt aber Runden mit dem Hund, die nicht variiert werden dürfen. Auf gar keinen Fall!

Da gibt es Stellen, an denen man anders abbiegen kann. Das würde ich aber niemals tun, besonders dann nicht, wenn ich gerade drei gute Tage hatte. Dann kann das auch am dreimal gleich gewählten Weg liegen und der sollte dann derselbe bleiben, um die Chance auf einen vierten guten Tag zu wahren.

Vier gute Tage hintereinander, das ist ziemlich viel, finde ich.

Am Tag, als die Wahl des neuen US-Präsidenten stattfand, habe ich den Cappuccino, also bevor Sabrina zum Verbal-Yoga kam, mit einem schwarzen Strohhalm umgerührt, weil keine Kaffeelöffel da waren.

Und wie die Wahl ausging, ist ja bekannt.
Ich habe mir vorgenommen, vor der Bundestagswahl einen Löffel mitzubringen.

Man liest so viel über die Chaos-Theorie und den Schmetterling, dessen Flügelschlag die Wetterlage in Moskau verändern kann, dass man auch das Umrühren eines Kaffees nicht unterschätzen darf.

Dies gilt auch für den persönlichen Bereich.

Schon als Kind konnte ich Unheil von meiner Familie abwenden, wenn ich zum Beispiel mit dem Rad eine Ampel vor dem Bus erreichte. Damit war es auch möglich, am Wochenende für den Fußballverein zu treffen.

Wir sind trotzdem einmal abgestiegen.

Unser Torwart hielt nichts vom Radfahren, der hatte schon ein Auto, einen roten Renault 4 mit 34PS und der Revolverschaltung. Der hatte immer einen vollen Aschenbecher, aber er musste ja nicht viel laufen, der gute Gunther.

Ups.

„Du kommst immer vom Thema ab“, hat mich neulich jemand ermahnt. Das stimmt nicht.
An manchen Tagen habe ich früher mit dem Fahrrad auch versucht, alle Verkehrsregeln einzuhalten. Das hieß zum Beispiel, dass ich nachts an roten Ampeln anhielt obwohl nirgendwo ein Auto zu sehen war. Auch so kann man für positive eigene Gefühle sorgen.

Ich habe das nie mehr als einen Kilometer durchgehalten, trotz dieses warmen ‚richtigen‘ Gefühls. Das Schönste an Regeln bleibt das Brechen der Regeln.

Das gilt nicht, wenn man gerade drei gute Tage hatte.

„I Am … I Said“ oder „Über Haare“

„I Am … I Said“ oder „Über Haare“

Also, wenn Ihr mal keinen Parkplatz finden könnt, dann fahrt mal nach Berlin! Da findet man überall und immer ganz dicht einen am Zielort. Das ist in Hamburg und München nur einfach, wenn man sich auskennt. Fünfmal habe ich gestern und heute Ziele gehabt, zwar nicht alle wegen geschlossener Museen erfolgreich erreicht, aber mehr als 100 Schritte vom Parkplatz zum Ziel hatte ich nicht einmal. Und legal!

Das muss hier jetzt hier alles etwas zügig gehen und deshalb solltet Ihr das auch nur schnell überfliegen, das wird nämlich nur so reingehackt. Ich habe eben ausnahmsweise 10 Minuten Pause auf dem Autohof mit 157km/h herausgefahren, weil ich sonst vergesse, was ich schreiben wollte.

Normalerweise fahre ich viel langsamer und höre dabei Neil Diamond oder Daliah Lavi. Das würde ich niemals zuhause hören, weil ich nicht will, dass die Nachbarn denken, dass ich Schlager höre. Es gibt ja noch so etwas wie ein „Image“. Außerdem würde mich die Dylan-Gemeinde exkommunizieren, wenn die das wüsste.

Andererseits haben andere vielleicht auch so einen Schwachpunkt. Mancher Gourmet isst zum Beispiel heimlich auch Currywurst!

Jedenfalls fiel mir keine Überschrift für diesen Text ein und deshalb heißt das hier jetzt wie das Lied, das eben im Auto lief. Also es war die Live-Version von 1972 aus dem Greek Theatre mit dem orchestralen Ende.

„Nebenbei“, oberlehrerhaft gesagt:
Wenn Ihr „Hot August Night“ hören wollt, dann sucht bitte billig und gebraucht die erste CD-Version auf MCA. Die neueren mit mehr Liedern klingen nicht mehr wie die beste Konzertaufnahme aus den 70ern. Früher war alles besser.

Damals fand ich „I Am … I Said“ toll, aber irgendwann ist mir aufgefallen, dass im Text ein „… even the chair“ vorkommt. Das ist ganz furchtbar, wenn man das dann im Kopf als „… sogar der Stuhl“ hört.

„Sogar der *Stuhl*“!

Das zerstört das Lied komplett! Das ist bei 3min 40sec. Vorher weiterklicken!

Das Wort „Stuhl“ hat im Deutschen mehrere Bedeutungen. Und genau, jetzt ist mir eingefallen, woran das liegt, dass ich das übersetze. Eine Strophe vorher singt Neil nämlich „… I got an emptiness deep inside“.

Ja, den Literaturnobelpreis bekommt man so nicht.

–

157km/h sind sind in Wirklichkeit übrigens nur 150km/h, weil der Tachometer viel zu viel anzeigt!

Wenn man jetzt, sagen wir mal, 100 Stunden konstant so fährt, dann denkt das Auto, es hätte 15700 Kilometer geschafft, aber in der Realität ist es 700 km weiter hinten! 700 Kilometer! Das muss man sich mal vorstellen! Umgekehrt würde das der Psychohygiene des Autos Gutes tun!

„Hach, wir sind ja schon da“, juchzt es bei Anzeige „143km/h“, wenn es mit 150km/h dahinschwebt.

–

Eigentlich wollte ich etwas anderes schreiben, seit gestern hatte ich nämlich eine richtig gute Serie:

Ich habe vier Frauen mit neuem Haarstyling getroffen. Und alle vier sahen super damit aus. Das war optisch ebenso gut wie das Konzert von Andrea Schroeder. Obwohl Andrea auch schöne Haare hat. Sie trägt sie aber noch wie 2014.

Und das ist auch gut so.

Die erste war die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte! Sie ist jetzt wieder so blond wie vor 25 Jahren als wir uns kennenlernten. Da hatte ich meine Phase mit gefärbten Haaren schon, durch Erfahrung gereift, hinter mir. Als Student hatte ich mal rote Strähnen, mal blonde Haare, einmal auch grau. Immer für einen Tag. Das kann man ja in Natur überfärben, wenn man als Haarmodell für den Schnitt nicht zahlen muss. Allerdings musste man Farbe kaufen, darüber habe ich 35 Jahre lang nie nachgedacht.

Jedenfalls war meine Frau nicht komplett zufrieden obwohl ich Schnitt und Farbe gelobt habe.

„Zu blond“, hat sie gesagt.

Aber wenn man sich zehnmal blonde Strähnen machen lässt, liegt das in der Natur der Sache!
Das versteht sogar ein Mann.

In Berlin habe ich Franziskus und Nina besucht. Franziskus ist jetzt noch nicht Papst. Nina, seine Frau, hatte einen noch dunkleren Pagenkopf bekommen. Das sah auch toll aus und sie wirkte mit den etwas kürzeren Haaren größer als vorher. Aber sie meinte, es sei nicht so perfekt geschnitten wie beim letzten Mal.

Frauen könnten einem Mann ruhig mal etwas glauben. Wir kennen uns besser aus als ihr denkt. Und wir schauen niemals zuerst auf Eure Schuhe.

Die dritte war dann Juli, die Tochter von Franziskus. Klar, jetzt merken die anderen auch, dass er noch nicht Papst ist. Juli hatte die Haare auch viel kürzer als vor zwei Jahren. Und obwohl sie jetzt angeblich über 30 ist, könnte sie mit den kurzen brauen Haaren völlig unauffällig nochmal in der Oberstufe anfangen.

Und dann war da noch Trixie. Trixie hatte vor zwei Jahren lange Haare mit langwelligen Locken. Sie kann, wenn sie sich konzentriert, die Augen so weit aufmachen, dass man die ganze Iris sieht. Und dann zwinkert sie auch nicht, bis man selbst schon zweimal musste. Also zwinkern.

Ich habe zuerst eine andere mit Locken als „Trixie“ angesprochen, das war wieder peinlich. Aber die echte Trixie hatte jetzt einen ’sehr praktischen‘, modernen Kurzschnitt und stand unerkannt vor mir!

Fast alle sagen ihr, dass das super aussieht. Nur einer, der sah vermutlich nicht mehr so gut, der vermisste die Locken, sie hat selbst aber nur das „Praktische“ betont.
Also, ich würde nur Männern Haare schneiden, wenn ich Frisör wäre. Frauen? Schwierig.

Man kann ja nichts richtig machen!

Gerade habe ich Angst bekommen, was eine der vier sagen könnte zu meinem Lob.

Ich fürchte da könnte so etwas kommen wie:

„Du fandest meine alte Frisur also richtig schlecht, ja?“

Schwierig.

Sag‘ ich ja.

Über Fragen

*Über Fragen*
Eigentlich geht es hier gar nicht um „Fragen“, aber wenn man ganz oben „Antworten“ schreibt, dann lesen das alle von Anfang an mit einer kritischen Grundhaltung.

„Antworten“, das klingt nach „Besserwissen“.

„Überfragt“, das hätte schon besser gepasst.

Neulich hat mich jemand im normalen Leben gefragt, wo ich ‚diese Geschichten immer herbekomme‘.

Das fand ich lustig, weil ich gar nicht wusste, dass sie die kennt.

Dann musste ich zugeben, dass ich die selbst schreibe, aber in dem Moment hätte ich mir gewünscht, ich könnte einfach sagen, wo ich die stehle.

Wie immer, wenn man eine erste Frage beantwortet hat, kommt der Sohn der Frage um die Ecke.

Die hieß:
„Warum schreibst Du die denn immer?“

Generell bin ich mit dem ‚Warum‘ nicht eng befreundet, aber wir grüßen uns, wenn wir uns sehen.

Das wurde richtig anstrengend jetzt. Man kann ja schlecht lügen, wenn man keine passende Lügenidee hat. Generell ist das Lügen als Lösung möglich, genießt aber nur so lange Ansehen wie das nicht herauskommt.

Dann habe ich einfach gesagt, dass das durch den Hund kommt. Da ging es mir schon besser, weil der mir ja nicht widerspricht. Ich beantworte sonst lieber Fragen zu Mathematik und Naturwissenschaften, weil ich dabei sozusagen das Hemd anbehalten kann.
„Warum? Ich habe mal gehört, dass das vom Spazierengehen mit dem Hund hier kommt. Dabei denkt man ja automatisch und schon schreibt sich das, weil der Hund irritiert wäre, wenn man ihm das erzählen würde.“

Das war fast so lang wie eine Lüge.
Wieder eine Fragengeburt folgte, die dritte Welle ist meist höher als die ersten beiden.

Ich glaube, dass das im Prinzip so weitergehen kann bis die erste echte Lüge offensichtlich wird oder bis einer einen Schwächeanfall hat:

„Und das in den Geschichten passiert … wirklich?“

„Wirklich? Um Gottes Willen, das ist sehr schwer zu erkennen, ob etwas wirklich geschieht. Nein, das wäre wirklich noch anstrengender als bei Winnetou.“

Das lief richtig gut, weil sie jetzt doch noch enttäuscht war.

Ich habe auch extra traurig geblickt.

Am Morgen, zweiter Teil

*Am Morgen II*
Und dann kam Anton.

Er kommt mit einem riesigen Audi-SUV, der ist ganz in Schwarz. Ich mag SUVs nicht so, aber mit Anton kann man morgens an der Stammtankstelle gut schnacken. Er ist irgendwo Manager für Marzipan oder so, aber darüber reden wir nie. Er ißt immer ein Brötchen mit Käse, ganz selten eine Bockwurst, aber er liest immer die BILD auf dem runden Stehtisch und er trinkt den Kaffee aus hygienischen Gründen aus einem Pappbecher mit zwei Milchdöschen, aber ohne Zucker.

Mathematisch hätte ich gern seine schönen Töchter kennengelernt, aber das hat noch nicht geklappt.

Andererseits habe ich ja auch schon Abitur.

Anton war vielleicht mal ein ziemlicher Schlingel, es ist auch möglich, dass das heute auch noch so ist.

Ich mache dann immer Platz am Tisch und stelle mich zu „Lotto“, weil er den Platz auf dem Tisch für die BILD braucht, denke ich. So ein Stehtisch ist in der Regel kleiner als der Schreibtisch eines Eckbüros im oberen Stock.

Außer auf Mallorca.
Wenn ich dann Platz mache, dann könnte das wirken, als sei ich im Carlton angestellt und ein reicher Gast kommt mir im Gang entgegen. Dann bleiben Angestellte am Rand stehen und lassen den Hotelgast vorbei. Ich war nur mal zum Durchgehen im Carlton, aber Grace Kelly war nicht da und dann bin ich wieder rausgegangen.

Ich könnte niemals in einem Hotel arbeiten. Wenn man da lange arbeitet, kann es passieren, dass man privat in der Fußgängerzone auch immer ausweicht und das tut nur allen anderen Gutes.

–

Heute hat mein Hund ganz kurz an Antons Schuh geschnüffelt. Das hat ihn gestört und er hat deutlich gesagt, dass er das nicht mag. Das wusste ich vorher noch nicht.

Das war eine Sekunde und der Hund war weg, aber Anton hat noch Wörter wie „Rücksicht“ und „Unterordnung“ hintergesendet und noch irgendetwas, aber ich hatte da schon auf Durchzug gestellt und mit dem Hund ein Gespräch geführt, das so in die Richtung „Du bist der beste Hund der Welt“ ging.

Normalerweise rege ich mich ja dann innerlich auf, aber diese Funktion hatte Verspätung bis zum Tippen.

„Das geht so gar nicht“ war auch noch dabei.

Da hatte ich aber schon das Großhirn ganz mit kühler Luft voll und der Hund würde nicht nochmal von ihm Bockwurst annehmen.

‚Das mag ich nämlich nicht so‘, wenn jemand dem Hund etwas gibt obwohl ich gesagt habe, dass das nicht gut für die Dame ist.

Wenn einer schlechte Laune hat, dann ist das ja so wie in der Schule, wenn die Klasse sofort merkt, dass der Lehrer total übel drauf ist:

Dann stören die nicht, die machen dann so auf „wir sind nur …. so da“ und warten auf das Klingeln am Ende. Aber bei manchen Lehrern reicht es dann schon, wenn eine Tasche schief steht und dann platzen die. Man könnte denken, dass die dann sogar eine schräg liegende Federtasche suchen würden. Zum Beispiel, wenn alle die Hausaufgaben gemacht haben.

Wenn der Lehrer dann am Ende rausgeht, dann lachen alle und klatschen ab, weil es vorbei ist. So ist das später auch bei anderen Chefs, da wird die Stimmung ganz gelöst, wenn die wieder weg sind und alle wieder normal arbeiten können.

Also an diesen seltenen Tagen. 😉

Ich vermute, dass Chefs darüber mal nachdenken sollten, wenn sie gute Laune haben.

Anton ist eben Chef und so einen Tag hatte der auch. Oma hatte in der Szene schon so links gezuckt, die war kurz davor, ihn rund zu machen.

Dann kam noch der ’schwierige Kunde‘ mit dem kleinen Audi. Der hat uns spät und knapp gegrüßt und dann mit dem großen Audi auf dem Handy ganz laut Videos abgespielt und angesehen.

Der Hund war voll genervt.
Oma und Isa auch.

Und als die Audis dann draußen zum Umparken waren, da haben wir drei dann verbal abgeklatscht.

Das war viel besser als sinnlos einen Streit wegen des Lärms zu riskieren. Dann folgt ja schnell so ein Flottenverband von Wörtern, der die See total aufwühlt. Ich mag es flach, mit kleiner Welle.

Aber unbewaffnet ist auch meine Jolle nicht.

Die Vorgeschichten an der Kasse hatte ich nämlich gar nicht mitbekommen. Schade, es war zu früh zum Aufpassen. Anton hatte vorher schon zweimal verbal gefoult.

Da ärgert man sich dann, weil man nur an sich selbst gedacht hat und dann geht der raus und ärgert, wenn es richtig gut läuft, den ganzen Tag Leute, bis er endlich einen trifft, der ihm sagt, das jetzt mal Schluss ist mit lustig.

Auch kurz vor Weihnachten.

Er hat nicht nur Angst vor Keimen und Hunden, der hat auch Angst vor etwas anderem, glaube ich mittlerweile.

Am Morgen, erster Teil

*Am Morgen I*
Heute war das noch so dunkel, dass wir unsere schwarzen Hunde beim Toben im Park hinter der Tankstelle in der Dunkelheit nur gehört haben.

Das war unglaublich entspannend, dieses schnelle Rascheln in den unsichtbaren Blättern. Wir haben gar nicht viel gesprochen, wir beiden Männer mit schwarzen Hunden.

Das waren nur solche Sätze wie „Ist schon ganz schön dunkel“, „Ja, das dauert bis die müde sind“ oder „Wissen Sie, wo die jetzt hin sind?“

Ein richtiges Männergespräch unter Männern mit schwarzen Hunden, die wissen, dass sich ihre schwarzen Hunde verstehen und sie sich auch.
Das ist so, dann muss man keinen Blumenkranz um die wenigen Worte flechten.

Danach will meiner aber zur Tankstelle. Draußen mache dann noch die Pfoten an der Zapfsäule sauber, der Hund weiß das und wartet schon darauf. Dann läuft der durch die Automatiktür neben den Tresen und wartet auf das nächste Ritual. Ich denke immer, dass er gegen die Glasscheibe läuft, aber er passt sein Tempo exakt so an, dass er da quasi durchgleitet.
In die Tankstelle dürfen Hunde auf keinen Fall rein, das ist verboten, aber ich habe das Piktogramm nicht gesehen und es hat auch keiner was gesagt, noch nie.

Es darf nur der Besitzer der Zapfanlagen nicht da sein, aber ich sehe das ja, wenn sein Auto draußen steht. Wenn der Motor schon kalt ist, das fühlt man ja auf der Haube, dann sitzt er im Büro, dann ist das auch egal. Jedenfalls darf da kein Hund rein, wegen der Hygiene und so.

Also kein einziger Hund außer dem großen Schäferhund der Freundin des Besitzers der Zapfsäulen.

Das muss man jetzt einfach mal hinnehmen können. Ich kann das.

Heute war Isa an der Kasse, die hatten der Hund und ich lange nicht gesehen. Oma war auch schon da. Alle sagen nur „Oma“ und „Du“ zu Frau Hahn, aber ich kann das nicht machen, weil sie ja viel jünger ist als meine Mutter und dann kann man ja nicht „Du, Oma“ sagen.

Der Hund liebt Oma und macht dann Bewegungen wie Shakira für Frau Hahn. Ich würde mich auch freuen, wenn Shakira mal zu mir an die Tankstelle kommen würde. Auch ohne Tanzen, so auf einen Kaffee.
Das zieht sich jetzt ein wenig, aber es muss diese gemütliche Stimmung vor Weihnachten und die Dunkelheit draußen ja irgendwie rüber kommen ohne dass man das gleich platt hinschreibt.

Ihr habt das oft so eilig und Euch ist das meistens zu lang. Das ist nicht so schlimm, Ihr dürft dann nicht weiterlesen, man kann ja auch TV einschalten oder mit einem 1000 Teile Puzzle beginnen.

Dann braucht man auch Silvester keine Raketen und Böller. Ich habe noch nie eine Rakete angezündet und diesen Lärm finde ganz schrecklich blöd.

Aber ich finde auch Puzzle mit 1000 Teilen langweilig. Das dauert so lange. 50 Teile sind wieder super. Oder 25.

Zum Beispiel mag ich Quadratzahlen lieber als lange Texte.