*Am Morgen II*
Und dann kam Anton.
Er kommt mit einem riesigen Audi-SUV, der ist ganz in Schwarz. Ich mag SUVs nicht so, aber mit Anton kann man morgens an der Stammtankstelle gut schnacken. Er ist irgendwo Manager für Marzipan oder so, aber darüber reden wir nie. Er ißt immer ein Brötchen mit Käse, ganz selten eine Bockwurst, aber er liest immer die BILD auf dem runden Stehtisch und er trinkt den Kaffee aus hygienischen Gründen aus einem Pappbecher mit zwei Milchdöschen, aber ohne Zucker.
Mathematisch hätte ich gern seine schönen Töchter kennengelernt, aber das hat noch nicht geklappt.
Andererseits habe ich ja auch schon Abitur.
Anton war vielleicht mal ein ziemlicher Schlingel, es ist auch möglich, dass das heute auch noch so ist.
Ich mache dann immer Platz am Tisch und stelle mich zu „Lotto“, weil er den Platz auf dem Tisch für die BILD braucht, denke ich. So ein Stehtisch ist in der Regel kleiner als der Schreibtisch eines Eckbüros im oberen Stock.
Außer auf Mallorca.
Wenn ich dann Platz mache, dann könnte das wirken, als sei ich im Carlton angestellt und ein reicher Gast kommt mir im Gang entgegen. Dann bleiben Angestellte am Rand stehen und lassen den Hotelgast vorbei. Ich war nur mal zum Durchgehen im Carlton, aber Grace Kelly war nicht da und dann bin ich wieder rausgegangen.
Ich könnte niemals in einem Hotel arbeiten. Wenn man da lange arbeitet, kann es passieren, dass man privat in der Fußgängerzone auch immer ausweicht und das tut nur allen anderen Gutes.
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Heute hat mein Hund ganz kurz an Antons Schuh geschnüffelt. Das hat ihn gestört und er hat deutlich gesagt, dass er das nicht mag. Das wusste ich vorher noch nicht.
Das war eine Sekunde und der Hund war weg, aber Anton hat noch Wörter wie „Rücksicht“ und „Unterordnung“ hintergesendet und noch irgendetwas, aber ich hatte da schon auf Durchzug gestellt und mit dem Hund ein Gespräch geführt, das so in die Richtung „Du bist der beste Hund der Welt“ ging.
Normalerweise rege ich mich ja dann innerlich auf, aber diese Funktion hatte Verspätung bis zum Tippen.
„Das geht so gar nicht“ war auch noch dabei.
Da hatte ich aber schon das Großhirn ganz mit kühler Luft voll und der Hund würde nicht nochmal von ihm Bockwurst annehmen.
‚Das mag ich nämlich nicht so‘, wenn jemand dem Hund etwas gibt obwohl ich gesagt habe, dass das nicht gut für die Dame ist.
Wenn einer schlechte Laune hat, dann ist das ja so wie in der Schule, wenn die Klasse sofort merkt, dass der Lehrer total übel drauf ist:
Dann stören die nicht, die machen dann so auf „wir sind nur …. so da“ und warten auf das Klingeln am Ende. Aber bei manchen Lehrern reicht es dann schon, wenn eine Tasche schief steht und dann platzen die. Man könnte denken, dass die dann sogar eine schräg liegende Federtasche suchen würden. Zum Beispiel, wenn alle die Hausaufgaben gemacht haben.
Wenn der Lehrer dann am Ende rausgeht, dann lachen alle und klatschen ab, weil es vorbei ist. So ist das später auch bei anderen Chefs, da wird die Stimmung ganz gelöst, wenn die wieder weg sind und alle wieder normal arbeiten können.
Also an diesen seltenen Tagen. 😉
Ich vermute, dass Chefs darüber mal nachdenken sollten, wenn sie gute Laune haben.
Anton ist eben Chef und so einen Tag hatte der auch. Oma hatte in der Szene schon so links gezuckt, die war kurz davor, ihn rund zu machen.
Dann kam noch der ’schwierige Kunde‘ mit dem kleinen Audi. Der hat uns spät und knapp gegrüßt und dann mit dem großen Audi auf dem Handy ganz laut Videos abgespielt und angesehen.
Der Hund war voll genervt.
Oma und Isa auch.
Und als die Audis dann draußen zum Umparken waren, da haben wir drei dann verbal abgeklatscht.
Das war viel besser als sinnlos einen Streit wegen des Lärms zu riskieren. Dann folgt ja schnell so ein Flottenverband von Wörtern, der die See total aufwühlt. Ich mag es flach, mit kleiner Welle.
Aber unbewaffnet ist auch meine Jolle nicht.
Die Vorgeschichten an der Kasse hatte ich nämlich gar nicht mitbekommen. Schade, es war zu früh zum Aufpassen. Anton hatte vorher schon zweimal verbal gefoult.
Da ärgert man sich dann, weil man nur an sich selbst gedacht hat und dann geht der raus und ärgert, wenn es richtig gut läuft, den ganzen Tag Leute, bis er endlich einen trifft, der ihm sagt, das jetzt mal Schluss ist mit lustig.
Auch kurz vor Weihnachten.
Er hat nicht nur Angst vor Keimen und Hunden, der hat auch Angst vor etwas anderem, glaube ich mittlerweile.