Ein Spaziergang mit Hund

*Ein Spaziergang mit Hund*
Ich bin nicht abergläubisch, das schon mal vorweg, hier gleich in Beton gegossen.

Es gibt unzählige Wege, die man morgens mit dem Hund gehen kann. Es ist dem Hund auch völlig egal, wo er spazieren geht. Meiner stolziert eher, aber das hat der nicht von mir abgeschaut, denn ich schlurfe und lasse den Kopf hängen. Das sagt die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte.

Bei „abgeschaut“ musste ich gerade daran denken, dass es früher verpönt war, sich dasselbe Matchbox-Auto zu kaufen oder sich zu wünschen, was der Freund in der Sackgasse auch hatte.

Dann hieß es:
„Du hast das ja nur nachgekauft!“
Es gibt aber Runden mit dem Hund, die nicht variiert werden dürfen. Auf gar keinen Fall!

Da gibt es Stellen, an denen man anders abbiegen kann. Das würde ich aber niemals tun, besonders dann nicht, wenn ich gerade drei gute Tage hatte. Dann kann das auch am dreimal gleich gewählten Weg liegen und der sollte dann derselbe bleiben, um die Chance auf einen vierten guten Tag zu wahren.

Vier gute Tage hintereinander, das ist ziemlich viel, finde ich.

Am Tag, als die Wahl des neuen US-Präsidenten stattfand, habe ich den Cappuccino, also bevor Sabrina zum Verbal-Yoga kam, mit einem schwarzen Strohhalm umgerührt, weil keine Kaffeelöffel da waren.

Und wie die Wahl ausging, ist ja bekannt.
Ich habe mir vorgenommen, vor der Bundestagswahl einen Löffel mitzubringen.

Man liest so viel über die Chaos-Theorie und den Schmetterling, dessen Flügelschlag die Wetterlage in Moskau verändern kann, dass man auch das Umrühren eines Kaffees nicht unterschätzen darf.

Dies gilt auch für den persönlichen Bereich.

Schon als Kind konnte ich Unheil von meiner Familie abwenden, wenn ich zum Beispiel mit dem Rad eine Ampel vor dem Bus erreichte. Damit war es auch möglich, am Wochenende für den Fußballverein zu treffen.

Wir sind trotzdem einmal abgestiegen.

Unser Torwart hielt nichts vom Radfahren, der hatte schon ein Auto, einen roten Renault 4 mit 34PS und der Revolverschaltung. Der hatte immer einen vollen Aschenbecher, aber er musste ja nicht viel laufen, der gute Gunther.

Ups.

„Du kommst immer vom Thema ab“, hat mich neulich jemand ermahnt. Das stimmt nicht.
An manchen Tagen habe ich früher mit dem Fahrrad auch versucht, alle Verkehrsregeln einzuhalten. Das hieß zum Beispiel, dass ich nachts an roten Ampeln anhielt obwohl nirgendwo ein Auto zu sehen war. Auch so kann man für positive eigene Gefühle sorgen.

Ich habe das nie mehr als einen Kilometer durchgehalten, trotz dieses warmen ‚richtigen‘ Gefühls. Das Schönste an Regeln bleibt das Brechen der Regeln.

Das gilt nicht, wenn man gerade drei gute Tage hatte.

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