Der graue Pullover ….

*Der graue Pullover ….*

…. ist schon ziemlich alt gewesen. Er ist aber nicht ergraut, der war schon immer so. Ich mag alle Farben von Schwarz bis Grau, auch das Dazwischen. Unauffällig trotz des kleinen Loches unter dem linken Ärmel war der, aber so bleibt man wenigstens als „der mit dem Loch“ in Erinnerung.

Jedenfalls waren wir am Strand, also die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, das kleine Mädchen, das viel größer wird, wenn man mal vom Display aufschaut und die kleine schwarze Hündin. Es wäre jetzt übertrieben zu sagen, ich sei der „Hahn im Korb“ gewesen.

Jedenfalls haben mich die drei Frauen wieder so nervös gemacht, dass ich den Pullover draußen im vollen Strandcafe vergessen habe. Das kann man als Begleitung auch mal sagen! Ich frage nämlich immer: „Alle da, alles mit, alles klar? Dann reiten wir los!“

Und dann weiß man nicht, wie der Laden heißt und ruft anderswo in der Nähe an, um erstmal den Namen des Cafés herauszufinden. Hat aber geklappt, mein Grauer war abgegeben worden. Da sitzen nämlich viele ältere Menschen, die noch wissen, wie wichtig so ein mit Lambswool umhäkeltes Loch sein kann.

Das Telefonat war am Sonntag, am Montag hatte ich keine Zeit, am Dienstag bin ich mit Kind und Hund zum Abholen gefahren. Da hatten die aber geschlossen, da waren nur starke Handwerker. Keiner trug meinen Pullover, das war schon mal gut.

Am Mittwoch bin ich das zweite Mal im Regen hingefahren, aber klar, bei Regen haben die geschlossen, da gibt es ja nur Freiluftplätze.
Das fiel mir beim Abstellen der Maschine ein.

Heute war ich dann das dritte Mal dort. Ich habe da schon einen eigenen Parkplatz und kenne die Ritzen der gebrochenen Gehwegplatten auf dem Effeff.

Es ist fast wie zuhause.

Leider hatte ich den jüngeren Bruder des grauen Pullovers in einen leicht dunkleren Grau angezogen.

„Dann beschrieben Sie doch mal den Pullover!“, hat der Chef gesagt als ich die junge Serviererin auf meinen alten Freund ansprach. Ich spreche bei eigenen Fehlern lieber Frauen an, die haben mehr Verständnis für männliche Schwächen. Vermutlich haben die auch alle einen aus meiner Schublade neben sich.

„Na, fast so grau wie der, den ich anhabe!“

„Und jetzt wollen Sie mir erzählen, dass sie genau den hier verloren haben? Sie haben doch schon so einen!“

„Doch, doch, aber der hatte unter dem Ärmel ein Loch! Mir geht es mehr um das Loch als um den Pulli!“

Dann hat er ihn auch gleich geholt, aber er sah mich etwas merkwürdig an.

Wenn ich die Fahrtkosten überschlägig ausrechne, dazu die Kosten für die Flussunterquerung, dann hätte ich auch einen neuen kaufen können.

Aber, richtig, der hätte ja das Loch nicht.

 

 

Die Trainerfrage

*Die Trainerfrage*

 

Der Neue bei Borussia Dortmund sieht irgendwie aus wie ein niederländischer Klon von Pep Guardiola und gute Anzüge tragen sie beide. Mehmet Scholl müsste wegen seiner Optik auch mal eine Top-Mannschaft übernehmen. Die ähneln sich alle etwas, aber Weltmeister wird man mit langen Haaren, rasiert und ohne Krawatte! Eben mit Espresso und Zigarette wie der Jogi. Optisch bin dann auch fast ein Weltmeister.

Aber manchmal denkt man ja, dass Trainer sozusagen nur zu Besuch sind.

Also wenn ich an der Tankstelle zu Besuch war, dann gibt es keine Eilmeldung. Und dass, obwohl ich da jetzt quasi zum Chef befördert wurde. Das ist mir an anderen Orten auch schon passiert, wenn ich da fast nichts tue.

Wenn man nichts macht, dann denken viele Leute, dass man der Chef ist.

Eigentlich stehe ich da ja an der Tankstelle nur herum und lese, der Hund liegt auf den Boden, weil die da eine Fußbodenheizung haben. Manchmal spreche ich auch mit anderen Menschen.

Natürlich habe ich auch den Drang, etwas zu tun, zum Beispiel die Frauenzeitschriften alphabetisch zu sortieren. Morgens lege ich auch gern die neuen ins Regal und sortiere die abgelaufenen aus, weil ich dann sicher bin, dass alle Fehler meine eigenen sind. Dafür bezahle ich den halben Becher Kaffee nie und alle Mädchen heben mir die Zettel vom Lottoaushang auf. Die kommen immer am Dienstag neu, also die Zettel, nicht die Mädchen.

Sie sind herrlich glatt und ihre Rückseite ist so unschuldig und rein wie das Kind in der Krippe. Ich schreibe so gern auf diesem Papier. Ich würde auch 2000 Blatt kaufen, aber das gibt es nirgendwo zu kaufen.

Als ich heute Kondensmilch und Zucker am Stehtisch nachgefüllt habe, da haben sich einige Männer vom Bau bei mir beschwert, dass die Deckel der kleinen Kaffeebecher sich beim Trinken leicht lösen, dann kleckert der heiße Kaffee auf das T-Shirt. Mir ist das Problem nicht unbekannt, weil ich die Beschwerde schon des Öfteren hörte.

„Das tut mir sehr leid“, sage ich dann gern.

Ich empfehle dann, einen großen Becher zu nehmen, weil das Problem dann nicht auftritt. Der ist etwas teurer und die denken vermutlich, dass ich eben Geschäftsmann bin.

 

Man kann leider einen kleinen Kaffee nicht einfach in einen großen Becher füllen, weil es dann Probleme mit dem Finanzamt gibt.

Wenn man zum Beispiel 500 kleine Kaffee verkauft und 100 große, aber nur große Pappbecher eingekauft hat, dann denken die im Finanzamt, dass 600 teurere große verkauft wurden und man dabei Einnahmen verschweigt indem man nur kleine Kaffees in der Kasse eintippt. Das würde ich auch denken, wenn ich beim Finanzamt den Kriminalisten geben würde.

Ich kam heute gar nicht dazu, die Süddeutsche durchzublättern, weil ich immer neue Chef-Argumente gebären musste.

„Sie sind doch hier der Chef!“, hat der mit der Becherklage zum Schluß gesagt.

„Kaufen Sie doch andere Deckel!“

Ich habe dann erklärt, dass die Deckel sehr gut sind, die haben sogar kleine Druckpunkte mit einem „C“, einem „S“ und einem „B“. Damit kann man beim Kauf mehrerer Becher anzeigen, ob der Kaffee sich schwarz, mit Zucker oder mit Milch im Becher versteckt. Ich weiß aber nur noch, dass „S“ für Sugar steht. Mit dem „B“ hatte ich wieder ein Problem. Ich stand ja unter Druck wie im Finale. Und er hatte ja das Kleckerproblem.

„B“ könnte für „black“ stehen und „C“ für „cream“, keine Ahnung.

 

„Ich bin auch gar nicht der Chef!“

Das habe ich dann schließlich gestanden als mir keine Becher-Argumente mehr einfielen.

Ich finde Chef-Sein ziemlich schwierig, weil man immer nett sein soll, aber eher Negatives als Positives hört.

 

Ich lege übrigens keine Pappkartons an der Stammtankstelle mehr zusammen, weil der wahre Chef mich dafür mal ‚rund‘ gemacht hat. Die waren falsch gefaltet, vermutlich weil ich den Hund noch an der Leine hatte.

„So geht das gaaar nicht. Du darfst hier gern Kartons zusammenlegen, aber dann musst Du das schon richtig machen!“, hat der zu mir gesagt.

Ich hatte mir eher Sorgen gemacht, dass dem irgendwann der kleine Hund auffällt, dessen Kopf auf meinem Fuß liegt. Schließlich darf der da gar nicht rein. Das müsste ich dem Hund erklären und das könnte schwerer werden, als ein Team taktisch klug einzustellen.

Aber wenn ich die ganzen halben Kaffees der letzten Jahre zusammenzähle, dann lasse ich mir so einen Satz für mehrere Tausend Euro schon mal sagen.

So viel Geld bekommt nicht mal Pep Guardiola für einen Satz!

 

 

 

Gewöhnungen

*Gewöhnungen*
Das ist schon erstaunlich, dass es nur das Wort ‚Gewöhnung‘ gibt und keinen Plural davon. Man kann sich nämlich an vieles gewöhnen.

Zum Beispiel an Piercings und Tattoos, ich habe davon zwar nichts aber dafür habe ich viele Gewohnheiten, die auch nicht immer preiswert sind.

Zuerst, so vor 15 bis 20 Jahren, als diese Tattoos auf dem Steißbein so modern waren, hat mir das gar nicht gefallen. Merkwürdigerweise sehe ich die gar nicht mehr. Vielleicht halten sich die Damen jetzt bedeckt oder ich bin seltener am Strand, aber weg können die ja nicht sein. Heute finde ich diese vielen Farben bei den Tattoos auf einem Arm richtig schön, aber ich musste mich vermutlich daran gewöhnen.

Männer mögen es ja selten richtig bunt.

Schwieriger war das mit der Gewöhnung bei den ersten Piercings in der Nase und in den Lippen, an Ohrringe bin ich schon so lange gewöhnt, dass ich mich an den ersten Blick nicht mehr erinnere.

Damals konnte ich mich gar nicht auf die jungen Frauen konzentrieren, weil ich immer sekundenlang auf so einen Metallring starren musste. In der Schule bei einer Nachfrage musste ich dann richtig oft nachfragen:

„Entschuldigung, ich war in Gedanken. Kannst Du das nochmal sagen?“

Gedacht habe ich meistens, ob das weh tut, wenn man Schnupfen hat, ob das undicht ist oder ob man bei so einem Ring mit der Zahnbürste hängenbleiben kann. Ich denke oft zuerst an ganz praktische Dinge.

Jedenfalls passiert mir das nur noch selten oder ich kann jetzt gleichzeitig schauen und zuhören.

Die Krönung war dann J-Punkt, die bei Stundenbeginn vor der Tafel neben mir stand, das Shirt kurz lüpfte und begeistert rief:

„Kucken Sie mal Ich habe jetzt ein Nabelpiercing! Das habe ich für die ‚2‘ in Mathe bekommen!“

Da schlägt man die Hände vor die Augen und sagt: „Toll, aber es reicht, wenn Du mir das sagst und nicht zeigst!“

Wenn ich in der Arbeit zwei Fehler übersehen habe, dann bin ich ja auch noch mitschuldig gewesen.

Dann habe ich daran mitgestochen.

Carpe Diem

*Carpe Diem*
Wo ich das las, weiß ich nicht mehr.

Jedenfalls erzählt die Geschichte von einem Taxi-Fahrer in Berlin. Menschen, die dort in ein Taxi steigen, finde ich mutig, weil die Taxifahrer dort nicht alle nett sind.

Jedenfalls saß die Frau hinten im Taxi und der Fahrer sprach kein Wort. An jeder Ampel griff er nach seinem Buch und begann zu lesen. Generell finde ich alle lesenden Menschen schon mal sympathischer als viele Taxifahrer in Berlin.

Und der Fahrer las an jeder Ampel so lange bis wieder „Grün“ war? Nein, der sieht ja die Ampel beim Lesen nicht! Der fuhr erst an, wenn es hinter ihm hupte!

Völlig entspannt!

Bewundernswert!

In Berlin gibt es seit 2014 auch den „VIP Quality Taxi Service“. Das ist sozusagen „Premium“ und der Fahrer hat den Höflichkeitskurs dann schon besucht. Dazu gehört, dass der Fahrer zum Beispiel „Guten Tag“ sagt und der Gruß kostet nichts extra!

Der Fahrgast soll „besser gelaunt aus- als einsteigen“. Dafür muss er aber ein „VIP-Taxi“ bestellen oder so. Dadurch würde meine Stimmung aber schon so weit im Vorhinein sinken, dass ich dann nur mit derselben Laune wie vor der Bestellung des Taxis aussteigen würde. Aber Schwamm drüber, die Idee ist ja gut. Nur dass dafür ein Kursus notwendig ist, das ist heikel.

Ein solcher Kurs wäre für die Deutsche Bahn auch eine gute Maßnahme.

Die stehen noch öfter zu lange als lesende Taxifahrer an Ampeln. Aber vielleicht haben die auch lesende Zugführer. Da hupt ja selten einer hinter denen. Man weiß es eben nicht.

Man könnte im Supermarkt an der Kasse auch gut meditieren oder Entspannungsübungen machen bis der nächste Kunde in der Kassenschlange einen auffordert, die Waren auf das Förderband zu legen.
In meiner Stadt fahren auch viele normale Leute bei ‚Grün‘ nicht los, aber ich würde niemals hupen. Ich finde es viel besser, wenn die das selbst merken.

Manchmal ist dann schon wieder Rot.

Es wird viel mehr gelesen als früher.

„Get Out Of This House“

*„Get Out Of This House“*

Ein fotografierter Teller?
Viele, viele Klicks und Likes!

Ein Katzenfoto?
Viele, viele Klicks und Likes!

Ein Hundebild?
Viele, viele Klicks und Likes!

Als Status „Scheißtag!“?
Viele, viele Klicks und Likes!

Der ‚covfefe‘ Tweet aus der höchsten Etage geht um die Welt und sorgt für Datenverkehr, fast wie „Viele, viele Klicks und Likes!“

Der Status der Kultusministerin bei Facebook heute früh war „YgpggjijxidouyiizTyZh“. Der hatte kurze Zeit später 77 Kommentare und hochgereckte Daumen.

Nebenbemerkung:
Die Autokorrektur schlug eben an Stelle von „Status“ den „Stuss“ vor. Die ist nicht doof, die Autokorrektur.

Wenn ein Lehrer bar jeden Gedankens einen 50cm langen Querstrich mit Kreide an die Tafel malt und sich dann schweigend vor seine Schüler an die Heizung stellt, dann kommt da uU viel Kreatives beim Assoziieren heraus:

Oben und Unten!
Herrschende und Masse?
Ständegesellschaft?
Die Trennung?
Das Vorher und Nachher?
Geometrie?
Eine Strecke!
Eine neue Einheit!
Der Horizont an der See?
Warum fällt der Staub nicht herunter?
Eine Waage?
Eine 100m Bahn?
Ein Kondensstreifen?
Eine erste Notenlinie?

Es kommt sehr auf das Fach an, auf welche Ideen man da kommen kann. Die kleine Vorgabe öffnet ein Hirnareal nach dem anderen! Oder man döst und wartet bis „er“ das erklärt, geht auch. Man muss nur länger Stille ertragen können als der Lehrer. So schwer ist das nicht, weil er ja allein ist.

Aber „YgpggjijxidouyiizTyZh“ ist thematisch zu eng gefasst, das löst nichts aus. „Kommt eben von oben“, dachte ich eben, aber das wäre unfair.

Ein Wisch über die Tastatur reicht eben heute für ein digitales Beben ohne Seele und ohne Herz von Helene.

„Get Out Of This House“!

„No Reason To Cry“

*„No Reason To Cry“*
Das ist eine unterschätzte Platte von Eric Clapton, vermutlich aus dem Herz der 70er Jahre. So gut ging es ihm in der Zeit vermutlich nicht, jedenfalls höre ich das unterschwellig so.

„Hello Old Friend“ ist einer der guten Titel und so kann man ihm das heute auch zurufen, wie einem Freund, von dem man viele Jahre lang wenig Neues hörte.

„Sign Language“ ist der zweite, der mir einfällt, weil der Nobelpreisträger daran mittat. „Mittun“ ist ein Verb, das wie aus einer fremden Sprache entliehen anmutet.

„Zeichensprache“ und „alte Freunde“, dabei denke ich an den alten Freund mit dem Namen „Reason“, den man nie verliert, jedoch nie genau weiß, ob er nun ‚Freund‘, ‚Feind‘ oder so ein „Freind“ ist, ein Mischwesen aus beiden Welten.

Das versteht keiner, kein Wunder.

Menschen brauchen „Begründungen“.

Das geht zum Beispiel bei mir auf schwachsinnige Weise so wie „ich bin sehr selten erkältet, weil ich rauche“. Denn immer, wenn ich damit aufhörte, hatte ich wiederholt Schnupfen oder Halsentzündungen. Sobald ich wieder Rauch aufsteigen ließ, war das weg.

Natürlich wäre das auch ohne Tabak weggegangen, aber dann hätte ich ja keine Begründung gehabt und das wäre wieder schlecht.

Kein gutes Beispiel, nur eine Ahnung vom alten Freund „Begründung“ und der „Zeichensprache“, die eine Fehlinterpretation ist. Ist aber immer noch besser als an das unheimliche Wesen „Zufall“ zu glauben. Der ist schwer kontrollierbar und das mögen wir Menschen vielleicht nicht gern.

Anderes Beispiel.
Es heißt ja oft, man solle sich die Hände gründlich waschen um Ansteckungen mit Krankheiten vorzubeugen. Wenn man das übertreibt und sich nun 10mal täglich die Hände wäscht und nicht krank wird, dann sagt man gern, dass liege am regelmäßigen Waschen. Das ist nicht haltbar, weil man nicht weiß, ob man sich ohne zu reinigen infiziert hätte. Also wird weiter geschrubbt. Zum Schluß hat man rote, trockene, rissige Hände und geht damit zum Hautarzt. Der verschreibt eine Salbe, die man nach dem Waschen aufträgt. Jetzt hat man schon ein Problem mehr.

Fußballer haben auch oft solches Denken, das man „Aberglauben“ nennt, das sich aber wenig vom alten Freund „Reason“ unterscheidet. Der eine muss immer als letzter auf dem Platz auflaufen, der nächste bekreuzigt sich vor dem Elfmeter, andere binden immer den rechten Schuh zuerst, wieder andere dürfen sich an Spieltagen nicht rasieren.

Wenn die das vergessen und verlieren, wissen die genau, warum das so kam. Und wenn sie trotzdem gewinnen, dann ist das „gerade nochmal gut gegangen“.

‚Alte Freunde‘ werden seltener ausgetauscht als Trainer.
Manch religiöses Denken liefert auch hübsche Begründungen, die sparen einem viel Mühe beim Suchen, dann war es eben die „Vorsehung“ oder das „Karma“ oder das „Schicksal“. Manche Religion begründet ja scheinbar fast alles für ihre Anhänger. Ich kenne mich damit nicht gut aus.

„Religiös“ zu sein, das kann zunächst heißen über den Sinn des Lebens nachzudenken. Dazu braucht man an sich nicht notwendigerweise eine bestimmte Religion. Jedenfalls bleibe ich erstmal dabei, dass Rauchen gut als Prävention gegen Halsweh ist.

Dafür fand ich nirgendwo ein besseres Angebot.
Leider scheint die Faulheit beim Suchen nach eigenen sinnlosen Begründungen um sich zu greifen. Das merkt man irgendwie politisch.

„Klimawandel“ und wissenschaftliche Erkenntnisse sind komplizierte Begründungen und damit ‚unsexy‘, „America First“ ist zwar platt, aber eine einfache Begründung, so wie Werbung.

„Reasons To Cry“ hätte Eric die Platte heute genannt.
„Hello Old Friend“

„Sign Language“

„Yesterday’s Papers“

*“Yesterday’s Papers“*
Ob ich mich selbst ertragen könnte, wenn ich mich zweimal gäbe und mir gegenüber stände? Das kann man leider nicht ausprobieren, interessant wäre es allemal.

Stimmen sind sehr wichtig, aber höre ich meine eigene vom Band, diese Schärfe, dieses Zischen, wäre die Stimme ein frischer Fisch, ich würde sogar Fischstäbchen nehmen.

Ich weiß auch nicht, ob ich meine teilweise unsäglichen Texte lesen würde. Es könnte sein, dass die sich einfacher tippen als lesen lassen. Mit dem Anspruch, alles müsse „gut“ sein, stellt man sich selbst ein Bein. Also nur schnell raus mit dem Kram!

Natürlich ist man auf einige ‚likes‘ quasi angewiesen, sonst weiß man gar nicht, ob das überhaupt noch jemand liest. Andererseits wird ja gar nicht zum Lesen geschrieben sondern eher zum Spaß am Tippen.

Dann traf ich innerhalb weniger Tage drei Facebook-Freunde, die mir sogar von einem bestimmten Geschichtchen etwas erzählten und in dem Zusammenhang absolut gegenteiliger Meinung waren als die Person in der Erzählung. Ich wusste aber nicht, dass die das lesen! Vorher hatte ich schon überlegt, es mal zu lassen und nachzusehen, wie groß die Kinder sind.

Man verliert sich leicht beim schnellen Schreiben. 🙂

Erinnerungen jedoch kann man, wenn man sie noch im Kopf hat, gut tippen. Leider habe ich fast gar keine Fotos von früher und von mir gibt es selbst von heute kaum welche. Die Vorfahren haben alles Alte entsorgt, seien ‚ja tot, was soll ich damit‘, hörte ich kurz und knapp.

Heute haben die meisten vermutlich eher zu viele Fotos aus der Gegenwart, digital und verteilt auf unzählige Speichermedien. Die könnten mal dasselbe Problem haben wie ich, weil sie erstens nicht wissen, wo die Bilder von der Einschulung sind oder zweitens weil digital Medien so schnell überholt und unlesbar sind wie ein parkendes Auto. .

Ergebnis sind dann uU auch … keine Bilder trotz der Tausend, die gemacht wurden.

Aber ‚Analoges‘ empfinden Junge oft als belastenden Ballast, bei Büchern, bei CDs, bei Bildern und manchmal auch bei solchem, was als ‚alt‘ empfunden wird.

Und so rette ich manchmal eine Kinderzeichnung oder einen kurzen Kinderaufsatz aus dem Müll und lege sie in die kleine Schatzkiste. Die kann ja nur ein Wasserschaden angreifen. Werde ich dabei erwischt, heißt es auch „Was soll ich damit?“ oder „Was willst Du damit?“.

Am besten steckt man ausgedruckte Bilder gleich dazu und nimmt eine größere Kiste.

Sean Rowe und wackelnde Flaschen

Sean Rowe und wackelnde Flaschen

Das könnte jetzt lang werden und an Eurer Stelle würde ich lieber jetzt aufhören zu lesen.

Bei ebay hatte ich so ‚en passant‘ „Die Feuerzangenbowle“ von Heinrich Spoerl mitgehen lassen.

Also die ganze, aber gelesen von Götz Alsmann auf 4 CDs. Bei 25 Cent pro Stunde bester Unterhaltung im Auto kann man nicht meckern.

Unzählige ‚geflügelte Worte‘ finden sich da, fast hätte ich’s vergessen.

Jedenfalls bin ich auf dem Weg zu Sean Rowe mit der dritten Scheibe fertiggeworden. Während der für Hamburg typischen dritten Sekunde Gelb auf der Allee ging es wieder von vorn los.

Wenn man an einen Musikanten denkt, der allein mit einer Gitarre auf die Bühne geht, dann schweben bei mir nicht die 20er oder 30er Jahre wie bei Hans Pfeiffer vorbei sondern die 60er.

Das war vor mehr als einem halben Jahrhundert. 

Und das, was damals toll war, das muss es heute nicht unbedingt sein.

Kaum einer verfolgt heute eine Debatte im Bundestag. Wenn man einen Tatort mit Gustl Bayrhammer aus den 70ern sieht, dann braucht man schon mal ein Streichholz für die Lider, weil das recht beschaulich voranschreitet.

Früher, ja früher, da war das maßlos spannend, aber heute ist das wie mit 60km/h auf der Autobahn von der Küste nach München zu rollen.

Das zieht sich.

Und oft wird ein Publikum heute bei einem einsamen Sänger mit Gitarre nach 40 Minuten mit 10 Gitarrensongs etwas ungeduldig. Das ging mir gar mit Neil Young 2003 schon so und mit Jackson Browne vor unzähligen Jahren im Schauspielhaus auch.

Da stehen dann 8 bis 10 Gitarren um den Künstler im Kreis, werden gereicht und klingen teilweise -ehem- ähnlich.

So mancher nennt das dann heute ‚ermüdend‘.

Gibt natürlich jetzt Ärger. 🙂

Der Rowe hatte eine Gitarre und zwei Mundharmonikas, dazu seinen Bariton.

Das hat gereicht für höchst abwechslungsreiche 75 Minuten vor knapp 100 Zuhörern.

Und 75 Minuten, das ist auch gut.

Das ist wie beim Eisessen.

8 Kugeln bester Qualität zu lutschen mag ja schmecken, aber das will man dann nicht morgen nochmal.

Zwei sind gut, dann sagt man:

„Och, schade, schon weg.“

Und Konzerte dürfen nie wie 8 Kugeln sein. Never ever.

Etwas „Restappetit“ ist besser als nach 150 Minuten zu denken:

„Wann ist endlich Ende Gelände?“

Nicht bei Sean Rowe.

„Big Black Mariah“ von Tom Waits, eines von den Beach Boys fiel gar etwas ab, und „I Still Miss Someone“ von Cash waren die Covers, deren Qualität und Statur seine eigenen Songs auch haben.

Großartig.

Die Gitarre, in Rot, Grün und Weiß mit Isolierband beklebt, mutet italienisch an, die Saiten beruhigen ein Kugelschreiber und eine Dollarnote.

Der Rauschbart braucht als Grundlage auch nur ein schwarzes Shirt und eine Jeans in dieser frohen Farbe.

Und zum Schluß ein Gitarrengewitter, das die Wasserflaschen auf dem Beistelltischchen ins Schwingen brachte.

Mehr Bewegung machte auch Pfeiffers Kopie von Professor Crey auf CD 4 nicht, trotz Alkohol.

Ich hatte ja zwei Karten, der Daniel hatte ’seekrank‘ abgesagt. Vermutlich ist das bei ihm wieder eine Frau gewesen, wohl eher „sehkrank“ geworden.

Und seine Karte habe ich dann verschenkt.

Die war auch nett.

Jung, kommunikativ und männlich

*Jung, kommunikativ und männlich*
Dieses längere Kleinod moderner WhatsApp-Kommunikation wurde mir soeben zur Verfügung gestellt, weil das mathematische Training dafür kurz unterbrochen werden musste. Der Preis war die anonymisierte Kopie des Textes.

Verabredungen unter 16jährigen Männern scheinen (nur bei mehr als einer Person) heute schwieriger zu sein als früher. Der zeitliche Aufwand ist hier bei nur 2 Personen doch erheblich.

 

–
[5/29, 19:34]
Weiß ich nicht mehr, aber ich dachte, dass du auf jeden Fall Samstag Abend wieder hier bist, mit allen Sachen für Sonntag. Dann gucken wir Prison Break und fahren dann am Folgetag gemeinsam zu X

[5/29, 19:34]
Ich gucke am Samstag aber auf jeden Fall championsleague finale

[5/29, 19:34]
Jo wir könne dann prison Break am Sonntag gucken
Dann guck ich Fußball zu Hause und komme dann danach rüber

[5/29, 19:34]
Du ja witzig

[5/29, 19:34]
Dann nehmen wir Prison Break auf?

[5/29, 19:34]
?

[5/29, 19:34]
Mittags vllt

[5/29, 19:34]
Wie hattest du denn vor am Sonntag Prison Break zu gucken, wenn wir da hat nicht zu Hause sind sondern auf dem 18.?

[5/29, 19:34]
Und warum ne

[5/29, 19:34]
Ne

[5/29, 19:34]
Weil das behindert ist

[5/29, 19:34]
Das große und ganze

[5/29, 19:34]
Hä Was daran behindert

[5/29, 19:34]
Alles klar

[5/29, 19:34]
Aber gut

[5/29, 19:34]
Oder was

[5/29, 19:34]
Und ich mich nicht aus dem Bett bewege vor 1300

[5/29, 19:34]
Ich verstehe nicht warum wir es nicht Sonntag Vormittag gucken können

[5/29, 19:34]
Weil wir um 1500 vor Ort sein sollen

[5/29, 19:34]
Und prison Break dauert 2 h?

[5/29, 19:34]
Dein Ernst?

[5/29, 19:34]
Ja

[5/29, 19:34]
Und packen, fertig machen usw entfällt?

[5/29, 19:34]
Ok

[5/29, 19:34]
Prison Break dauert 45 min
Dann hast du immer noch ne knappe Stunde für alles

[5/29, 19:34]
Frühstück?

[5/29, 19:34]
Außerdem glaube ich nicht da du erst um 13:00 aufstehst

[5/29, 19:34]
Ne nä, wann haben wir Sontag nochmal angefangen?

[5/29, 19:34]
Womit angefangen?

[5/29, 19:34]
Olum 😐

[5/29, 19:34]
1300

[5/29, 19:34]
Ja hast recht 🙂

[5/29, 19:34]
Wir sind um 9:00 aufgestanden und haben um 11:30 gefrühstückt

[5/29, 19:34]
Frühstück, Aufstehen etc

[5/29, 19:34]
😀 ja lass gut sein

[5/29, 19:34]
Sag ich ja

[5/29, 19:34]
Haha

[5/29, 19:34]
Also sehen wir uns nicht Ja?

[5/29, 19:34]
Um 2300 Ja?

[5/29, 19:34]
Egal also

[5/29, 19:34]
Mir ist das egal

[5/29, 19:34]
Hä. Doch ich komme nach dem Finale am Samstag rüber

12 sind ein Dutzend

*12 sind ein Dutzend*
„Hach, wie heißt die nochmal?“

Von vielen Schauspielerinnen oder Schauspielern ist es nicht schwer, sich die Namen zu merken. Das kann daran liegen, dass sie einfach gut sind, es kann aber auch daran liegen, dass sich manche Rollen ein wenig ähneln. Oder daran, dass sie so oft abseits ihrer Rollen präsent sind. Oder sie singen.

Und ich kann mir von denen, die in ihren Rollen immer „anders“ sind, die Namen nur sehr schlecht merken. Das ist ungerecht, weil gerade die vielleicht zu den Besten gehören.

Jetzt habe ich mehr als fünf Minuten googlen müssen, um die Namen meiner 12 deutschen Schauspielerinnen komplett zu haben. Ich habe jetzt nur junge genannt, weil man die etwas älteren ja sowieso namentlich kennt. Auch, wenn sie nicht singen.

Hier ist mein „Dutzend“.

Claudia Eisinger
Martina Gedeck
Karoline Herfurth (außer „Göte“)
Nina Hoss
Nicolette Krebitz
Nina Kunzendorf
Anneke Kim Sarau
Aylin Tezel
Laura Tonke
Nora von Waldstätten
Lavinia Wilson
Felicitas Woll

Hach, jetzt sind mir noch Marie Bäumer und Julia Jentsch eingefallen, bei denen habe ich auch immer dieses „Hach, das ist doch die Dings, wie heißt die nochmal?“. Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, kann ich dann auch nur fragen, ob sie diese Fernsehzeitschrift irgendwo gesehen hat.

Frau Gedeck erkenne ich mittlerweile natürlich auch mit ihrem Namen in der Wirklichkeit. Dafür habe ich Jahre gebraucht, ein sehr gutes Zeichen.

Aber mir fallen keine jungen männlichen deutschen Schauspieler ein, auch keine Namen, das macht mir Sorgen. Doch der eine, der heißt auch irgendwie mit „Eis“ und kann sogar einen Eisblock mit Herz spielen.

Wie heißt der doch gleich?

Lars, Lars Eidinger! Oder?
Auf den schwöre ich!

Unter „50“ fällt mir kein weiterer ein. Vielleicht sind die auch so gut, dass ich mir deshalb die Namen nicht merken kann. Habe eben eine Liste von 175 männlichen Schauspielern durchgesehen, wenige unter ’50‘ darunter und wenn, dann kenne ich die nicht. Eidinger war nicht dabei!

Aber Katharina Wackernagel auf Platz 175, das war sehr unfair. Habe leider trotzdem gelacht.

Die ist bestimmt auch gut, aber ich schalte immer aus, da ist etwas, was mich stört, keine Ahnung was und warum.

Im Bereich Musik geht mir das übrigens schon genauso: Viele tolle junge Musikantinnen, aber wenig Musikanten.

Ist das …. „Altern“?