Gewöhnungen

*Gewöhnungen*
Das ist schon erstaunlich, dass es nur das Wort ‚Gewöhnung‘ gibt und keinen Plural davon. Man kann sich nämlich an vieles gewöhnen.

Zum Beispiel an Piercings und Tattoos, ich habe davon zwar nichts aber dafür habe ich viele Gewohnheiten, die auch nicht immer preiswert sind.

Zuerst, so vor 15 bis 20 Jahren, als diese Tattoos auf dem Steißbein so modern waren, hat mir das gar nicht gefallen. Merkwürdigerweise sehe ich die gar nicht mehr. Vielleicht halten sich die Damen jetzt bedeckt oder ich bin seltener am Strand, aber weg können die ja nicht sein. Heute finde ich diese vielen Farben bei den Tattoos auf einem Arm richtig schön, aber ich musste mich vermutlich daran gewöhnen.

Männer mögen es ja selten richtig bunt.

Schwieriger war das mit der Gewöhnung bei den ersten Piercings in der Nase und in den Lippen, an Ohrringe bin ich schon so lange gewöhnt, dass ich mich an den ersten Blick nicht mehr erinnere.

Damals konnte ich mich gar nicht auf die jungen Frauen konzentrieren, weil ich immer sekundenlang auf so einen Metallring starren musste. In der Schule bei einer Nachfrage musste ich dann richtig oft nachfragen:

„Entschuldigung, ich war in Gedanken. Kannst Du das nochmal sagen?“

Gedacht habe ich meistens, ob das weh tut, wenn man Schnupfen hat, ob das undicht ist oder ob man bei so einem Ring mit der Zahnbürste hängenbleiben kann. Ich denke oft zuerst an ganz praktische Dinge.

Jedenfalls passiert mir das nur noch selten oder ich kann jetzt gleichzeitig schauen und zuhören.

Die Krönung war dann J-Punkt, die bei Stundenbeginn vor der Tafel neben mir stand, das Shirt kurz lüpfte und begeistert rief:

„Kucken Sie mal Ich habe jetzt ein Nabelpiercing! Das habe ich für die ‚2‘ in Mathe bekommen!“

Da schlägt man die Hände vor die Augen und sagt: „Toll, aber es reicht, wenn Du mir das sagst und nicht zeigst!“

Wenn ich in der Arbeit zwei Fehler übersehen habe, dann bin ich ja auch noch mitschuldig gewesen.

Dann habe ich daran mitgestochen.

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