*Die Trainerfrage*
Der Neue bei Borussia Dortmund sieht irgendwie aus wie ein niederländischer Klon von Pep Guardiola und gute Anzüge tragen sie beide. Mehmet Scholl müsste wegen seiner Optik auch mal eine Top-Mannschaft übernehmen. Die ähneln sich alle etwas, aber Weltmeister wird man mit langen Haaren, rasiert und ohne Krawatte! Eben mit Espresso und Zigarette wie der Jogi. Optisch bin dann auch fast ein Weltmeister.
Aber manchmal denkt man ja, dass Trainer sozusagen nur zu Besuch sind.
Also wenn ich an der Tankstelle zu Besuch war, dann gibt es keine Eilmeldung. Und dass, obwohl ich da jetzt quasi zum Chef befördert wurde. Das ist mir an anderen Orten auch schon passiert, wenn ich da fast nichts tue.
Wenn man nichts macht, dann denken viele Leute, dass man der Chef ist.
Eigentlich stehe ich da ja an der Tankstelle nur herum und lese, der Hund liegt auf den Boden, weil die da eine Fußbodenheizung haben. Manchmal spreche ich auch mit anderen Menschen.
Natürlich habe ich auch den Drang, etwas zu tun, zum Beispiel die Frauenzeitschriften alphabetisch zu sortieren. Morgens lege ich auch gern die neuen ins Regal und sortiere die abgelaufenen aus, weil ich dann sicher bin, dass alle Fehler meine eigenen sind. Dafür bezahle ich den halben Becher Kaffee nie und alle Mädchen heben mir die Zettel vom Lottoaushang auf. Die kommen immer am Dienstag neu, also die Zettel, nicht die Mädchen.
Sie sind herrlich glatt und ihre Rückseite ist so unschuldig und rein wie das Kind in der Krippe. Ich schreibe so gern auf diesem Papier. Ich würde auch 2000 Blatt kaufen, aber das gibt es nirgendwo zu kaufen.
Als ich heute Kondensmilch und Zucker am Stehtisch nachgefüllt habe, da haben sich einige Männer vom Bau bei mir beschwert, dass die Deckel der kleinen Kaffeebecher sich beim Trinken leicht lösen, dann kleckert der heiße Kaffee auf das T-Shirt. Mir ist das Problem nicht unbekannt, weil ich die Beschwerde schon des Öfteren hörte.
„Das tut mir sehr leid“, sage ich dann gern.
Ich empfehle dann, einen großen Becher zu nehmen, weil das Problem dann nicht auftritt. Der ist etwas teurer und die denken vermutlich, dass ich eben Geschäftsmann bin.
Man kann leider einen kleinen Kaffee nicht einfach in einen großen Becher füllen, weil es dann Probleme mit dem Finanzamt gibt.
Wenn man zum Beispiel 500 kleine Kaffee verkauft und 100 große, aber nur große Pappbecher eingekauft hat, dann denken die im Finanzamt, dass 600 teurere große verkauft wurden und man dabei Einnahmen verschweigt indem man nur kleine Kaffees in der Kasse eintippt. Das würde ich auch denken, wenn ich beim Finanzamt den Kriminalisten geben würde.
Ich kam heute gar nicht dazu, die Süddeutsche durchzublättern, weil ich immer neue Chef-Argumente gebären musste.
„Sie sind doch hier der Chef!“, hat der mit der Becherklage zum Schluß gesagt.
„Kaufen Sie doch andere Deckel!“
Ich habe dann erklärt, dass die Deckel sehr gut sind, die haben sogar kleine Druckpunkte mit einem „C“, einem „S“ und einem „B“. Damit kann man beim Kauf mehrerer Becher anzeigen, ob der Kaffee sich schwarz, mit Zucker oder mit Milch im Becher versteckt. Ich weiß aber nur noch, dass „S“ für Sugar steht. Mit dem „B“ hatte ich wieder ein Problem. Ich stand ja unter Druck wie im Finale. Und er hatte ja das Kleckerproblem.
„B“ könnte für „black“ stehen und „C“ für „cream“, keine Ahnung.
„Ich bin auch gar nicht der Chef!“
Das habe ich dann schließlich gestanden als mir keine Becher-Argumente mehr einfielen.
Ich finde Chef-Sein ziemlich schwierig, weil man immer nett sein soll, aber eher Negatives als Positives hört.
Ich lege übrigens keine Pappkartons an der Stammtankstelle mehr zusammen, weil der wahre Chef mich dafür mal ‚rund‘ gemacht hat. Die waren falsch gefaltet, vermutlich weil ich den Hund noch an der Leine hatte.
„So geht das gaaar nicht. Du darfst hier gern Kartons zusammenlegen, aber dann musst Du das schon richtig machen!“, hat der zu mir gesagt.
Ich hatte mir eher Sorgen gemacht, dass dem irgendwann der kleine Hund auffällt, dessen Kopf auf meinem Fuß liegt. Schließlich darf der da gar nicht rein. Das müsste ich dem Hund erklären und das könnte schwerer werden, als ein Team taktisch klug einzustellen.
Aber wenn ich die ganzen halben Kaffees der letzten Jahre zusammenzähle, dann lasse ich mir so einen Satz für mehrere Tausend Euro schon mal sagen.
So viel Geld bekommt nicht mal Pep Guardiola für einen Satz!