Redensarten

Redensarten

Es gibt Sätze, die man so dahin sagt und keiner hört zu und keiner kümmert sich darum.

„Sag‘ es nicht weiter.“

Das ist so ein Satz.

Wenn man den verwendet, ist alles in Ordnung. Man spricht nur mit der falschen Person! Bei der Richtigen braucht man den Satz nicht.

Das ist mir neulich auch passiert, da hatte ich mich gerade aufgeregt und spontan einem Bekannten gegenüber echte Gefühle gezeigt. Also nicht solche, aber eben zuviel davon.

„Das sage ich ihm mal“, hat er dann sogar gesagt

„Nein, sag‘ es nicht weiter“, sagte ich zweimal, „das mache ich *selbst*.“

Am nächsten Tag schon traf ich ihn wieder und er sagte:

„Ich hab’s ihm gesagt, was Du gesagt hast. Er war ziemlich sauer.“

Reicht, oder?

–
„Wir schenken uns dieses Jahr nichts.“
Das gehört eigentlich nicht zu „Redensarten“, sondern zu „Leere Versprechungen“.

Ich will mich immer an Absprachen mit der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, halten. Da, im Wollen, bin ich absolut verlässlich.

Leider sehe ich zufällig und unabsichtlich gerade *dann* so wunderbaren Schmuck oder irgendetwas anderes für sie, dass ich das dann spontan kaufe.

Manchmal denke ich dann still vor mich hin:
„Egal, Absprache gilt für Weihnachten, schenke ich ihr zu Neujahr“.

Nicht immer liege ich richtig, zum Beispiel bei dem Buch über Lagerfeld vor zwei, drei Jahren. Aber dann leihe ich mir das eben aus.

Das ist bei Schmuck nicht so gut, aber ich bin da generell gar nicht so ungeschickt, habe ich einmal vor dem Spiegel gedacht. Es war nur einmal und danach bin ich zum Friseur gegangen.

Ich gehe immer in dasselbe Geschäft und erzähle, was sie von dort alles hat. Dann haben die Ideen, man glaubt es kaum!

Es ist keine Apotheke, das Geschäft, nur die Preise sind so. Silber ist preiswerter als Gold. Das habe ich voll drauf.

„Weißgold oder Silber“, das ist also so eine Vorgabe von mir, die in Wirklichkeit gar kein „Oder“ kennt.


Nikolaus hatte ich um Mitternacht dann auch noch etwas in ihren hohen Stiefel gesteckt. Sie hat dann morgens um 6 in meinem nachgelegt als ich schon mit dem Hund an Bäumen schüffelte.

Wohlgemerkt:
Es gab auch keine Absprache für den Nikolaustag!

Es gab nur so etwas total Unpräzises wie „Nikolaus ist für Kinder“, was ich auch nicht anzweifelte. Mit mir muss man manche Dinge auch einfach schriftlich machen, ich kann mir das dann besser merken.

Wenn ich nichts gehabt hätte, meine Fresse, da hätte ich aber ein schlechtes Gewissen gehabt!

Ich habe früher auch eine Rute eingesteckt, aber das mache ich schon seit 20 Jahren nicht mehr, weil sie, also meine Frau, dann gern „Warum?“ fragt.

„Zum Fegen!“

Ja, richtig blöd, genau wie Redensarten.

Ein Spaziergang mit Hund

*Ein Spaziergang mit Hund*
Ich bin nicht abergläubisch, das schon mal vorweg, hier gleich in Beton gegossen.

Es gibt unzählige Wege, die man morgens mit dem Hund gehen kann. Es ist dem Hund auch völlig egal, wo er spazieren geht. Meiner stolziert eher, aber das hat der nicht von mir abgeschaut, denn ich schlurfe und lasse den Kopf hängen. Das sagt die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte.

Bei „abgeschaut“ musste ich gerade daran denken, dass es früher verpönt war, sich dasselbe Matchbox-Auto zu kaufen oder sich zu wünschen, was der Freund in der Sackgasse auch hatte.

Dann hieß es:
„Du hast das ja nur nachgekauft!“
Es gibt aber Runden mit dem Hund, die nicht variiert werden dürfen. Auf gar keinen Fall!

Da gibt es Stellen, an denen man anders abbiegen kann. Das würde ich aber niemals tun, besonders dann nicht, wenn ich gerade drei gute Tage hatte. Dann kann das auch am dreimal gleich gewählten Weg liegen und der sollte dann derselbe bleiben, um die Chance auf einen vierten guten Tag zu wahren.

Vier gute Tage hintereinander, das ist ziemlich viel, finde ich.

Am Tag, als die Wahl des neuen US-Präsidenten stattfand, habe ich den Cappuccino, also bevor Sabrina zum Verbal-Yoga kam, mit einem schwarzen Strohhalm umgerührt, weil keine Kaffeelöffel da waren.

Und wie die Wahl ausging, ist ja bekannt.
Ich habe mir vorgenommen, vor der Bundestagswahl einen Löffel mitzubringen.

Man liest so viel über die Chaos-Theorie und den Schmetterling, dessen Flügelschlag die Wetterlage in Moskau verändern kann, dass man auch das Umrühren eines Kaffees nicht unterschätzen darf.

Dies gilt auch für den persönlichen Bereich.

Schon als Kind konnte ich Unheil von meiner Familie abwenden, wenn ich zum Beispiel mit dem Rad eine Ampel vor dem Bus erreichte. Damit war es auch möglich, am Wochenende für den Fußballverein zu treffen.

Wir sind trotzdem einmal abgestiegen.

Unser Torwart hielt nichts vom Radfahren, der hatte schon ein Auto, einen roten Renault 4 mit 34PS und der Revolverschaltung. Der hatte immer einen vollen Aschenbecher, aber er musste ja nicht viel laufen, der gute Gunther.

Ups.

„Du kommst immer vom Thema ab“, hat mich neulich jemand ermahnt. Das stimmt nicht.
An manchen Tagen habe ich früher mit dem Fahrrad auch versucht, alle Verkehrsregeln einzuhalten. Das hieß zum Beispiel, dass ich nachts an roten Ampeln anhielt obwohl nirgendwo ein Auto zu sehen war. Auch so kann man für positive eigene Gefühle sorgen.

Ich habe das nie mehr als einen Kilometer durchgehalten, trotz dieses warmen ‚richtigen‘ Gefühls. Das Schönste an Regeln bleibt das Brechen der Regeln.

Das gilt nicht, wenn man gerade drei gute Tage hatte.

„I Am … I Said“ oder „Über Haare“

„I Am … I Said“ oder „Über Haare“

Also, wenn Ihr mal keinen Parkplatz finden könnt, dann fahrt mal nach Berlin! Da findet man überall und immer ganz dicht einen am Zielort. Das ist in Hamburg und München nur einfach, wenn man sich auskennt. Fünfmal habe ich gestern und heute Ziele gehabt, zwar nicht alle wegen geschlossener Museen erfolgreich erreicht, aber mehr als 100 Schritte vom Parkplatz zum Ziel hatte ich nicht einmal. Und legal!

Das muss hier jetzt hier alles etwas zügig gehen und deshalb solltet Ihr das auch nur schnell überfliegen, das wird nämlich nur so reingehackt. Ich habe eben ausnahmsweise 10 Minuten Pause auf dem Autohof mit 157km/h herausgefahren, weil ich sonst vergesse, was ich schreiben wollte.

Normalerweise fahre ich viel langsamer und höre dabei Neil Diamond oder Daliah Lavi. Das würde ich niemals zuhause hören, weil ich nicht will, dass die Nachbarn denken, dass ich Schlager höre. Es gibt ja noch so etwas wie ein „Image“. Außerdem würde mich die Dylan-Gemeinde exkommunizieren, wenn die das wüsste.

Andererseits haben andere vielleicht auch so einen Schwachpunkt. Mancher Gourmet isst zum Beispiel heimlich auch Currywurst!

Jedenfalls fiel mir keine Überschrift für diesen Text ein und deshalb heißt das hier jetzt wie das Lied, das eben im Auto lief. Also es war die Live-Version von 1972 aus dem Greek Theatre mit dem orchestralen Ende.

„Nebenbei“, oberlehrerhaft gesagt:
Wenn Ihr „Hot August Night“ hören wollt, dann sucht bitte billig und gebraucht die erste CD-Version auf MCA. Die neueren mit mehr Liedern klingen nicht mehr wie die beste Konzertaufnahme aus den 70ern. Früher war alles besser.

Damals fand ich „I Am … I Said“ toll, aber irgendwann ist mir aufgefallen, dass im Text ein „… even the chair“ vorkommt. Das ist ganz furchtbar, wenn man das dann im Kopf als „… sogar der Stuhl“ hört.

„Sogar der *Stuhl*“!

Das zerstört das Lied komplett! Das ist bei 3min 40sec. Vorher weiterklicken!

Das Wort „Stuhl“ hat im Deutschen mehrere Bedeutungen. Und genau, jetzt ist mir eingefallen, woran das liegt, dass ich das übersetze. Eine Strophe vorher singt Neil nämlich „… I got an emptiness deep inside“.

Ja, den Literaturnobelpreis bekommt man so nicht.

–

157km/h sind sind in Wirklichkeit übrigens nur 150km/h, weil der Tachometer viel zu viel anzeigt!

Wenn man jetzt, sagen wir mal, 100 Stunden konstant so fährt, dann denkt das Auto, es hätte 15700 Kilometer geschafft, aber in der Realität ist es 700 km weiter hinten! 700 Kilometer! Das muss man sich mal vorstellen! Umgekehrt würde das der Psychohygiene des Autos Gutes tun!

„Hach, wir sind ja schon da“, juchzt es bei Anzeige „143km/h“, wenn es mit 150km/h dahinschwebt.

–

Eigentlich wollte ich etwas anderes schreiben, seit gestern hatte ich nämlich eine richtig gute Serie:

Ich habe vier Frauen mit neuem Haarstyling getroffen. Und alle vier sahen super damit aus. Das war optisch ebenso gut wie das Konzert von Andrea Schroeder. Obwohl Andrea auch schöne Haare hat. Sie trägt sie aber noch wie 2014.

Und das ist auch gut so.

Die erste war die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte! Sie ist jetzt wieder so blond wie vor 25 Jahren als wir uns kennenlernten. Da hatte ich meine Phase mit gefärbten Haaren schon, durch Erfahrung gereift, hinter mir. Als Student hatte ich mal rote Strähnen, mal blonde Haare, einmal auch grau. Immer für einen Tag. Das kann man ja in Natur überfärben, wenn man als Haarmodell für den Schnitt nicht zahlen muss. Allerdings musste man Farbe kaufen, darüber habe ich 35 Jahre lang nie nachgedacht.

Jedenfalls war meine Frau nicht komplett zufrieden obwohl ich Schnitt und Farbe gelobt habe.

„Zu blond“, hat sie gesagt.

Aber wenn man sich zehnmal blonde Strähnen machen lässt, liegt das in der Natur der Sache!
Das versteht sogar ein Mann.

In Berlin habe ich Franziskus und Nina besucht. Franziskus ist jetzt noch nicht Papst. Nina, seine Frau, hatte einen noch dunkleren Pagenkopf bekommen. Das sah auch toll aus und sie wirkte mit den etwas kürzeren Haaren größer als vorher. Aber sie meinte, es sei nicht so perfekt geschnitten wie beim letzten Mal.

Frauen könnten einem Mann ruhig mal etwas glauben. Wir kennen uns besser aus als ihr denkt. Und wir schauen niemals zuerst auf Eure Schuhe.

Die dritte war dann Juli, die Tochter von Franziskus. Klar, jetzt merken die anderen auch, dass er noch nicht Papst ist. Juli hatte die Haare auch viel kürzer als vor zwei Jahren. Und obwohl sie jetzt angeblich über 30 ist, könnte sie mit den kurzen brauen Haaren völlig unauffällig nochmal in der Oberstufe anfangen.

Und dann war da noch Trixie. Trixie hatte vor zwei Jahren lange Haare mit langwelligen Locken. Sie kann, wenn sie sich konzentriert, die Augen so weit aufmachen, dass man die ganze Iris sieht. Und dann zwinkert sie auch nicht, bis man selbst schon zweimal musste. Also zwinkern.

Ich habe zuerst eine andere mit Locken als „Trixie“ angesprochen, das war wieder peinlich. Aber die echte Trixie hatte jetzt einen ’sehr praktischen‘, modernen Kurzschnitt und stand unerkannt vor mir!

Fast alle sagen ihr, dass das super aussieht. Nur einer, der sah vermutlich nicht mehr so gut, der vermisste die Locken, sie hat selbst aber nur das „Praktische“ betont.
Also, ich würde nur Männern Haare schneiden, wenn ich Frisör wäre. Frauen? Schwierig.

Man kann ja nichts richtig machen!

Gerade habe ich Angst bekommen, was eine der vier sagen könnte zu meinem Lob.

Ich fürchte da könnte so etwas kommen wie:

„Du fandest meine alte Frisur also richtig schlecht, ja?“

Schwierig.

Sag‘ ich ja.

Über Fragen

*Über Fragen*
Eigentlich geht es hier gar nicht um „Fragen“, aber wenn man ganz oben „Antworten“ schreibt, dann lesen das alle von Anfang an mit einer kritischen Grundhaltung.

„Antworten“, das klingt nach „Besserwissen“.

„Überfragt“, das hätte schon besser gepasst.

Neulich hat mich jemand im normalen Leben gefragt, wo ich ‚diese Geschichten immer herbekomme‘.

Das fand ich lustig, weil ich gar nicht wusste, dass sie die kennt.

Dann musste ich zugeben, dass ich die selbst schreibe, aber in dem Moment hätte ich mir gewünscht, ich könnte einfach sagen, wo ich die stehle.

Wie immer, wenn man eine erste Frage beantwortet hat, kommt der Sohn der Frage um die Ecke.

Die hieß:
„Warum schreibst Du die denn immer?“

Generell bin ich mit dem ‚Warum‘ nicht eng befreundet, aber wir grüßen uns, wenn wir uns sehen.

Das wurde richtig anstrengend jetzt. Man kann ja schlecht lügen, wenn man keine passende Lügenidee hat. Generell ist das Lügen als Lösung möglich, genießt aber nur so lange Ansehen wie das nicht herauskommt.

Dann habe ich einfach gesagt, dass das durch den Hund kommt. Da ging es mir schon besser, weil der mir ja nicht widerspricht. Ich beantworte sonst lieber Fragen zu Mathematik und Naturwissenschaften, weil ich dabei sozusagen das Hemd anbehalten kann.
„Warum? Ich habe mal gehört, dass das vom Spazierengehen mit dem Hund hier kommt. Dabei denkt man ja automatisch und schon schreibt sich das, weil der Hund irritiert wäre, wenn man ihm das erzählen würde.“

Das war fast so lang wie eine Lüge.
Wieder eine Fragengeburt folgte, die dritte Welle ist meist höher als die ersten beiden.

Ich glaube, dass das im Prinzip so weitergehen kann bis die erste echte Lüge offensichtlich wird oder bis einer einen Schwächeanfall hat:

„Und das in den Geschichten passiert … wirklich?“

„Wirklich? Um Gottes Willen, das ist sehr schwer zu erkennen, ob etwas wirklich geschieht. Nein, das wäre wirklich noch anstrengender als bei Winnetou.“

Das lief richtig gut, weil sie jetzt doch noch enttäuscht war.

Ich habe auch extra traurig geblickt.

Am Morgen, zweiter Teil

*Am Morgen II*
Und dann kam Anton.

Er kommt mit einem riesigen Audi-SUV, der ist ganz in Schwarz. Ich mag SUVs nicht so, aber mit Anton kann man morgens an der Stammtankstelle gut schnacken. Er ist irgendwo Manager für Marzipan oder so, aber darüber reden wir nie. Er ißt immer ein Brötchen mit Käse, ganz selten eine Bockwurst, aber er liest immer die BILD auf dem runden Stehtisch und er trinkt den Kaffee aus hygienischen Gründen aus einem Pappbecher mit zwei Milchdöschen, aber ohne Zucker.

Mathematisch hätte ich gern seine schönen Töchter kennengelernt, aber das hat noch nicht geklappt.

Andererseits habe ich ja auch schon Abitur.

Anton war vielleicht mal ein ziemlicher Schlingel, es ist auch möglich, dass das heute auch noch so ist.

Ich mache dann immer Platz am Tisch und stelle mich zu „Lotto“, weil er den Platz auf dem Tisch für die BILD braucht, denke ich. So ein Stehtisch ist in der Regel kleiner als der Schreibtisch eines Eckbüros im oberen Stock.

Außer auf Mallorca.
Wenn ich dann Platz mache, dann könnte das wirken, als sei ich im Carlton angestellt und ein reicher Gast kommt mir im Gang entgegen. Dann bleiben Angestellte am Rand stehen und lassen den Hotelgast vorbei. Ich war nur mal zum Durchgehen im Carlton, aber Grace Kelly war nicht da und dann bin ich wieder rausgegangen.

Ich könnte niemals in einem Hotel arbeiten. Wenn man da lange arbeitet, kann es passieren, dass man privat in der Fußgängerzone auch immer ausweicht und das tut nur allen anderen Gutes.

–

Heute hat mein Hund ganz kurz an Antons Schuh geschnüffelt. Das hat ihn gestört und er hat deutlich gesagt, dass er das nicht mag. Das wusste ich vorher noch nicht.

Das war eine Sekunde und der Hund war weg, aber Anton hat noch Wörter wie „Rücksicht“ und „Unterordnung“ hintergesendet und noch irgendetwas, aber ich hatte da schon auf Durchzug gestellt und mit dem Hund ein Gespräch geführt, das so in die Richtung „Du bist der beste Hund der Welt“ ging.

Normalerweise rege ich mich ja dann innerlich auf, aber diese Funktion hatte Verspätung bis zum Tippen.

„Das geht so gar nicht“ war auch noch dabei.

Da hatte ich aber schon das Großhirn ganz mit kühler Luft voll und der Hund würde nicht nochmal von ihm Bockwurst annehmen.

‚Das mag ich nämlich nicht so‘, wenn jemand dem Hund etwas gibt obwohl ich gesagt habe, dass das nicht gut für die Dame ist.

Wenn einer schlechte Laune hat, dann ist das ja so wie in der Schule, wenn die Klasse sofort merkt, dass der Lehrer total übel drauf ist:

Dann stören die nicht, die machen dann so auf „wir sind nur …. so da“ und warten auf das Klingeln am Ende. Aber bei manchen Lehrern reicht es dann schon, wenn eine Tasche schief steht und dann platzen die. Man könnte denken, dass die dann sogar eine schräg liegende Federtasche suchen würden. Zum Beispiel, wenn alle die Hausaufgaben gemacht haben.

Wenn der Lehrer dann am Ende rausgeht, dann lachen alle und klatschen ab, weil es vorbei ist. So ist das später auch bei anderen Chefs, da wird die Stimmung ganz gelöst, wenn die wieder weg sind und alle wieder normal arbeiten können.

Also an diesen seltenen Tagen. 😉

Ich vermute, dass Chefs darüber mal nachdenken sollten, wenn sie gute Laune haben.

Anton ist eben Chef und so einen Tag hatte der auch. Oma hatte in der Szene schon so links gezuckt, die war kurz davor, ihn rund zu machen.

Dann kam noch der ’schwierige Kunde‘ mit dem kleinen Audi. Der hat uns spät und knapp gegrüßt und dann mit dem großen Audi auf dem Handy ganz laut Videos abgespielt und angesehen.

Der Hund war voll genervt.
Oma und Isa auch.

Und als die Audis dann draußen zum Umparken waren, da haben wir drei dann verbal abgeklatscht.

Das war viel besser als sinnlos einen Streit wegen des Lärms zu riskieren. Dann folgt ja schnell so ein Flottenverband von Wörtern, der die See total aufwühlt. Ich mag es flach, mit kleiner Welle.

Aber unbewaffnet ist auch meine Jolle nicht.

Die Vorgeschichten an der Kasse hatte ich nämlich gar nicht mitbekommen. Schade, es war zu früh zum Aufpassen. Anton hatte vorher schon zweimal verbal gefoult.

Da ärgert man sich dann, weil man nur an sich selbst gedacht hat und dann geht der raus und ärgert, wenn es richtig gut läuft, den ganzen Tag Leute, bis er endlich einen trifft, der ihm sagt, das jetzt mal Schluss ist mit lustig.

Auch kurz vor Weihnachten.

Er hat nicht nur Angst vor Keimen und Hunden, der hat auch Angst vor etwas anderem, glaube ich mittlerweile.

Am Morgen, erster Teil

*Am Morgen I*
Heute war das noch so dunkel, dass wir unsere schwarzen Hunde beim Toben im Park hinter der Tankstelle in der Dunkelheit nur gehört haben.

Das war unglaublich entspannend, dieses schnelle Rascheln in den unsichtbaren Blättern. Wir haben gar nicht viel gesprochen, wir beiden Männer mit schwarzen Hunden.

Das waren nur solche Sätze wie „Ist schon ganz schön dunkel“, „Ja, das dauert bis die müde sind“ oder „Wissen Sie, wo die jetzt hin sind?“

Ein richtiges Männergespräch unter Männern mit schwarzen Hunden, die wissen, dass sich ihre schwarzen Hunde verstehen und sie sich auch.
Das ist so, dann muss man keinen Blumenkranz um die wenigen Worte flechten.

Danach will meiner aber zur Tankstelle. Draußen mache dann noch die Pfoten an der Zapfsäule sauber, der Hund weiß das und wartet schon darauf. Dann läuft der durch die Automatiktür neben den Tresen und wartet auf das nächste Ritual. Ich denke immer, dass er gegen die Glasscheibe läuft, aber er passt sein Tempo exakt so an, dass er da quasi durchgleitet.
In die Tankstelle dürfen Hunde auf keinen Fall rein, das ist verboten, aber ich habe das Piktogramm nicht gesehen und es hat auch keiner was gesagt, noch nie.

Es darf nur der Besitzer der Zapfanlagen nicht da sein, aber ich sehe das ja, wenn sein Auto draußen steht. Wenn der Motor schon kalt ist, das fühlt man ja auf der Haube, dann sitzt er im Büro, dann ist das auch egal. Jedenfalls darf da kein Hund rein, wegen der Hygiene und so.

Also kein einziger Hund außer dem großen Schäferhund der Freundin des Besitzers der Zapfsäulen.

Das muss man jetzt einfach mal hinnehmen können. Ich kann das.

Heute war Isa an der Kasse, die hatten der Hund und ich lange nicht gesehen. Oma war auch schon da. Alle sagen nur „Oma“ und „Du“ zu Frau Hahn, aber ich kann das nicht machen, weil sie ja viel jünger ist als meine Mutter und dann kann man ja nicht „Du, Oma“ sagen.

Der Hund liebt Oma und macht dann Bewegungen wie Shakira für Frau Hahn. Ich würde mich auch freuen, wenn Shakira mal zu mir an die Tankstelle kommen würde. Auch ohne Tanzen, so auf einen Kaffee.
Das zieht sich jetzt ein wenig, aber es muss diese gemütliche Stimmung vor Weihnachten und die Dunkelheit draußen ja irgendwie rüber kommen ohne dass man das gleich platt hinschreibt.

Ihr habt das oft so eilig und Euch ist das meistens zu lang. Das ist nicht so schlimm, Ihr dürft dann nicht weiterlesen, man kann ja auch TV einschalten oder mit einem 1000 Teile Puzzle beginnen.

Dann braucht man auch Silvester keine Raketen und Böller. Ich habe noch nie eine Rakete angezündet und diesen Lärm finde ganz schrecklich blöd.

Aber ich finde auch Puzzle mit 1000 Teilen langweilig. Das dauert so lange. 50 Teile sind wieder super. Oder 25.

Zum Beispiel mag ich Quadratzahlen lieber als lange Texte.

„Thank you!“

*“Thank you!“*
Manchmal redet man ja auch zuviel.

Das passiert mir ziemlich oft, glaube ich. Das liegt daran, dass die in der Schule ja bis zum Klingeln nicht wegkonnten und es manchmal 15 Minuten gut fanden, wenn mir ’nur Mathe‘ zu langweilig war und sie selbst nichts machen mussten außer so zu tun als würden sie zuhören.

Das war ein komplizierter Satz, nicht wahr?

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, spricht in meinem Fall von „Logorrhoe“. Andere denken das nur und dafür wollte ich mich mal bedanken.

–
Bob Dylan bekommt ja heute den Literaturnobelpreis. Der hat nie Logorrhoe gehabt, außer in jener kurzen Phase 1979. Das war damals auch nicht immer kohärente Logorrhoe.

Aber heute früh habe ich zufällig in die Show vom 15. November 2002 reingehört, weil er da eine der besten Versionen von „Things Have Changed“ gespielt hat, die ich kenne.

Man kennt ja nie alle.

Ich finde Bob Dylan relativ gut, vielleicht wird das zwischen den Zeilen teilweise minimal spürbar.

Das wirklich Besondere am 15. November 2002 war aber, dass er sogar „Thank you!“ gerufen hat. Das hat der ganz selten, dass er auf der Bühne ganz plötzlich spricht.

Aber damals hat er „Thank you!“ schon nach „Maggie’s Farm“ gerufen!

Und das war das allererste Lied an diesem Abend in Philadelphia, Pennsylvania!

Für Bob Dylan ist das fast schon Logorrhoe.

„Thank you!“

„Ist das so?“

*Ist das so?“
Es ist ja die Zeit der Rückblicke. An sich ist dafür immer Zeit, aber man nimmt sie sich immer nur dann, wenn man eigentlich am wenigsten davon hat, vor Weihnachten.

Und eben habe ich gedacht, das ich noch acht Geschichten schreiben muss, weil ich ja hundert machen wollte. Dafür gibt es keinem Grund außer dem, dass ich die anderen hundert aus den letzten 16 Jahren nicht mehr finden kann. Die sind in den unendlichen Weiten des Weltraums entschwunden und unauffindbar. Natürlich könnte ich weiter nach den Verschollenen suchen, aber erstens dauert das lange und zweitens geht es schneller, andere zu schreiben. Besonders viel Geduld ist nicht so mein Geschäft.

„Ist das so?“

Das ist so eine Frage, die mir in diesen ‚postfaktischen‘ Zeiten oft begegnet. Mein Großer stellt sie routinemäßig und wenn ich Lust dazu hätte, würde ich mich darüber aufregen. Neulich hat mir sogar ‚Cinderella‘ das sogar unter dem Tisch durchgeschoben, dieses „Ist das so?“. Und es ging um Mathematik! Das ist einer der wenigen Bereiche, in denen ich bei kritischen Nachfragen ein wenig sensibel werde. Solche Fragen ohne jeden Inhalt kommen ja gern kritisch um die Ecke.

„Ist das so?“

Zum Glück fragt das keine, wenn ich irgendwo sage, dass ich gern einen Cappuccino hätte. Die sagen heute oft „Sehr gerne!“.

Darüber könnte ich mich dann auch aufregen, weil es Tage gibt, an denen dieselbe dann plötzlich nur „Gerne!“ sagt. Dann fragt man sich gleich, ob man etwas falsch gemacht hat, wenn sie den nicht „sehr gerne“ aufnimmt.

Fallen Ihnen typische Redensarten aus unseren postfaktischen Zeiten ein? Ich finde das Wort derartig unwortartig, dass ich es vor lauter Abscheu gar nicht lassen kann, es immer wieder zu benutzen. Und so macht ein Wort eben Karriere. Manchmal reicht schon Abscheu für eine Karriere. Das sieht man ja bei Donald Trump auch.

In manchen Sekunden denke ich, dass wir das mit dem „Gefühlten“ irgendwie angefangen haben in der Öffentlichkeit zu übertreiben. Und auch das mit dem Schlüsselloch im Fernsehen.

Dieses ganze dumme rechte Gewäsch, dieses Gegeneinander, dieses Abgrenzende, dieses von Angst Bestimmte, das basiert großenteils auf dem, was jemand fühlt, nicht prüft und nicht infrage stellt.

Und leider ist es ausgesprochen schwer, sachlich und wahrheitsgetreu gegen Gefühle zu argumentieren. Das denke ich manchmal so vor mich hin, wenn Paola wieder durch die Tür schwebt und den nächsten Milchkaffee ’sehr gerne‘ bringt.

„Ist das so?“

Der Schamane

*Der Schamane*
Manches im Leben vergisst man nicht. Oft ist das sogar gar nicht so bedeutsam, bleibt aber trotzdem im Kopf und von Zeit zu Zeit erinnert man sich daran. Komischerweise habe ich den Eindruck, dass ich den Grund dafür oft gar nicht kenne.

Außer bei dem Holzlenkrad in dem alten Passat von 1988, das war so toll, weil das so herrlich glatt war

Marcus hat mir nämlich vor vielen Jahren eine kurze Geschichte erzählt und wie oft ich die schon weitererzählt habe, das kann ich nicht zählen. Es ist aber möglich, dass Marcus seine Geschichte gar nicht mehr erkennen würde, wenn ich ihm die jetzt 20 Jahre später wieder erzählen würde.

Egal.

Also:
Einem sehr reichen Mann in Europa ging es gar nicht gut, er lief von einem Arzt zum anderen, keiner konnte ihm helfen, keines der unzähligen Medikamente half, kein Heilpraktiker, nichts, gar nichts. Das ging so über Jahre. Marcus, der konnte das auswalzen, dass man schon dachte:

„Ein Kaffee zwischendurch wäre jetzt nicht so übel.“

Dann hörte der Europäer aber von einem geheimnisvollen Schamanen, der im Dschungel von Peru sehr einfach lebte. Der sollte ein großer Heiler sein, so hatte er gehört. Es kann auch Bolivien oder Bangla Desh gewesen sein, ich bin mir nur sicher, daß es vorne mit „P“ oder „B“ anfing. Es war aber nicht „Berlin“, ganz sicher nicht.

Berlin müsste auch mal zu dem Schamanen.

Jedenfalls machte sich der Geschäftsmann auf die lange und beschwerliche Reise, bleiben wir bei Peru. Bei „Peru“ muss ich immer daran denken, dass die am Ball so gut sind, aber seit 1966 immer mindestens zwei böse Treter im Team haben. Vermutlich brauchen die die dünne Luft von Zuhause, sonst haben die Überdruck. Ohne Platzverweis geht das nie ab. Kann aber sein, dass die Termine bei einem Schamanen haben und der Trainer das immer vergisst.

Ich komme gar nicht weiter, ärgerlich.

Jedenfalls musste der reiche Geschäftsmann den letzten Weg sogar zu Fuß gehen, bis er den geheimnisumwitterten Wohnort des Schamanen erreichte.

Er betritt sein Pueblo und er darf sich ihm gegenüber setzen, der alte Schamane deutet nur, er sagt kein Wort, fast wie Bob Dylan bei einer Preisverleihung.

Das mit dem „P“ kann auch „Pueblo“ gewesen sein, fällt mir eben auf. Es war aber nicht „Preisverleihung“.

Und der Europäer erzählt seine Leidensgeschichte. Sie ist lang. Zwischendurch schüttelt der Schamane den Kopf, manchmal schmunzelt er, er hört nur stumm zu.

Endlich fragt der Europäer:
„Kannst Du mir helfen?“

Nach einer Pause spricht der Schamane seine ersten Worte:

„Was willst Du von mir?

Du bist doch schon krank!“

–
Ich übe seit 20 Jahren daran, diese Geschichte so zu verstehen wie sie gemeint ist. Es ist ja gar nicht einfach über einen Satz richtig nachzudenken.

Also:
Wie ist *das* gemeint?

Noch nie

*Noch nie*

Zugegeben:
Ich habe noch nie in einem Auto eine Zigarette im Aschenbecher ausgemacht. Die werfe ich immer aus dem Fenster. Wenn es im Sommer extrem trocken ist, rauche ich in einer Haltebucht.

Andererseits hebe ich in der Stadt oder an der Tankstelle teilweise herumliegenden Müll auf und bringe den zum Mülleimer. Man kann sich da die Hände mit einer rosa Seife von Lidl waschen, die duftet ganz herrlich. Bei Sky haben die etwas Medizinisches, das mag ich nicht.

Zuhause fege ich auch die Straße, wenn der Rinnstein voll mit Blättern und Dreck ist. Weil es besser aussieht, mache ich das bei den Nachbarn rechts und links gleich mit, nicht aus sozialen Gründen, eher aus optischen.

Ich liebe Symmetrien.

Mir ist neulich aufgefallen, dass ich seit 25 Jahren sogar eine ‚Straßenreinigungsgebühr‘ bezahle. Habe noch nie einen Wagen von denen hier gesehen, auch nicht im Winter. Das ist auch gut so, weil die des Öfteren die Spiegel von parkenden Autos abfahren sollen.

Beim Thema „Kaugummis“, da schimpft die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, stets mit mir. Sie packt die immer durchgekaut in diese Alufolie, die sie in der Jackentasche verwahrt, später wirft sie die in den Müll. Sie sagt das. In ihrer Handtasche durfte ich mal irgendwas suchen. Da habe ich dann eine Alualtkugelsammlung gesehen. Ich sage dann nichts. Vielleicht waren die ja noch nicht zuende gekaut und meine Fragen nerven schnell.

Und was kann sie sich aufregen, wenn ich die Kaugummis in hohem Bogen ausspucke und mit dem Fuß volley ins Gebüsch kicke. Ja, schlecht, aber ich bin dann fast Ronaldo in dieser einen Sekunde. Und sie empört sich darüber immer wie eine Madrilenin im Stadion, wenn Cristiano gefoult wird.

Ich liebe es.

Blöd ist es ganz selten, nämlich wenn der Kaugummi bei mir am Schuh oder am Schnürsenkel hängen bleibt. Das hatte ich im Frühling in Hamburg zuletzt. Ein Ärgernis.

Das mit den Kaugummis mache ich schon länger als Mesut Özil auf der Welt ist. Der ist ein Genie, leider sehen das zu wenig Leute. Wenn der den Ball noch gar nicht hat, ist der nämlich schon auf dem Weg zum nächsten. Und der hat in einer kurzen Pause bei Werder Bremen mal mit einem Kaugummi gespielt, getrickst. Den hat er dann hoch geschossen und mit dem Mund wieder aufgefangen. Vielleicht war ihm der nur zu feucht geworden oder so. Jedenfalls hätte ihn Real schon wegen dieser einen Szene verpflichtet, hat mal einer gesagt. Das mit dem Ball, das sieht man nämlich schlechter.

Welche Marke kaut Mesut eigentlich?
Ich würde die gern mal probieren.