„Ist das so?“

*Ist das so?“
Es ist ja die Zeit der Rückblicke. An sich ist dafür immer Zeit, aber man nimmt sie sich immer nur dann, wenn man eigentlich am wenigsten davon hat, vor Weihnachten.

Und eben habe ich gedacht, das ich noch acht Geschichten schreiben muss, weil ich ja hundert machen wollte. Dafür gibt es keinem Grund außer dem, dass ich die anderen hundert aus den letzten 16 Jahren nicht mehr finden kann. Die sind in den unendlichen Weiten des Weltraums entschwunden und unauffindbar. Natürlich könnte ich weiter nach den Verschollenen suchen, aber erstens dauert das lange und zweitens geht es schneller, andere zu schreiben. Besonders viel Geduld ist nicht so mein Geschäft.

„Ist das so?“

Das ist so eine Frage, die mir in diesen ‚postfaktischen‘ Zeiten oft begegnet. Mein Großer stellt sie routinemäßig und wenn ich Lust dazu hätte, würde ich mich darüber aufregen. Neulich hat mir sogar ‚Cinderella‘ das sogar unter dem Tisch durchgeschoben, dieses „Ist das so?“. Und es ging um Mathematik! Das ist einer der wenigen Bereiche, in denen ich bei kritischen Nachfragen ein wenig sensibel werde. Solche Fragen ohne jeden Inhalt kommen ja gern kritisch um die Ecke.

„Ist das so?“

Zum Glück fragt das keine, wenn ich irgendwo sage, dass ich gern einen Cappuccino hätte. Die sagen heute oft „Sehr gerne!“.

Darüber könnte ich mich dann auch aufregen, weil es Tage gibt, an denen dieselbe dann plötzlich nur „Gerne!“ sagt. Dann fragt man sich gleich, ob man etwas falsch gemacht hat, wenn sie den nicht „sehr gerne“ aufnimmt.

Fallen Ihnen typische Redensarten aus unseren postfaktischen Zeiten ein? Ich finde das Wort derartig unwortartig, dass ich es vor lauter Abscheu gar nicht lassen kann, es immer wieder zu benutzen. Und so macht ein Wort eben Karriere. Manchmal reicht schon Abscheu für eine Karriere. Das sieht man ja bei Donald Trump auch.

In manchen Sekunden denke ich, dass wir das mit dem „Gefühlten“ irgendwie angefangen haben in der Öffentlichkeit zu übertreiben. Und auch das mit dem Schlüsselloch im Fernsehen.

Dieses ganze dumme rechte Gewäsch, dieses Gegeneinander, dieses Abgrenzende, dieses von Angst Bestimmte, das basiert großenteils auf dem, was jemand fühlt, nicht prüft und nicht infrage stellt.

Und leider ist es ausgesprochen schwer, sachlich und wahrheitsgetreu gegen Gefühle zu argumentieren. Das denke ich manchmal so vor mich hin, wenn Paola wieder durch die Tür schwebt und den nächsten Milchkaffee ’sehr gerne‘ bringt.

„Ist das so?“

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