Saturday Night’s Alright For Fighting

*Saturday Night’s Alright For Fighting*

Don Camillo und Peppone am Nachmittag im TV, das hat mich wieder so aufgeregt, dass ich mich „kurz hinlegen“ wollte. Diese linken Themen und alles, was mit dem Glauben zu tun hat, sind ja Themen voller Unheil in der Realität und das ermüdet schnell.

Der andere Don Camillo, der aus Bayern, sagte einmal:

„Das eigenartige an Sozialisten ist doch, dass sie ihre Lehren aus der Vergangenheit ziehen, in der Gegenwart versagen und für die Zukunft goldene Berge versprechen.“

„Hach, Franz-Josef, nun reg‘ Dich doch nicht so auf“, hat seine Frau vielleicht gesagt, „nimm‘ lieber noch einen Knödel.“

Hätte ihm Schweitzer gegenüber gesessen, hätte der vielleicht geantwortet:

„Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.“

So hätten die bei Bier und Knödeln gesprochen, aber in diesen Bildern spricht ja heute kaum noch einer. Obwohl das wirklich bessere Schlagzeilen brächte.

Dann bin ich acht Stunden später wieder aufgewacht, draußen ist immer noch alles spiegelglatt. Und gegenüber stehen 5 Menschen auf dem Balkon und rauchen. Genau wie ich, aber die trinken Bier und ich Kaffee. Und die reden. Man versteht ja jedes Wort zwischen den Häusern, auch, wenn man das gar nicht will.

Es spricht aber 7 Minuten lang nur einer, die drei jungen Damen sagen gar nichts und der zweite Mann macht immer nur „hmmm“ … oder „ja ja“.

Vor allem sagt der andere ja gar nichts, das ist mehr so wie ein Fluß mit einigen vorbeischwimmenden Plastiktüten.

Kennt Ihr das?

Ich glaube, ich muss auch mal wieder eine Schweigewoche machen.

„Selbst dann, wenn man eine rosarote Brille aufsetzt, werden Eisbären nicht zu Himbeeren.“

Sahra und die Brötchenhälfte

*Sahra und die Brötchenhälfte*

2017 ging gar nicht gut los.

Ich habe geträumt, dass Sahra Wagenknecht in unserer Küche sitzt und meine obere Brötchenhälfte mit Frischkäse und Himbeermarmelade aufisst.

Ich esse die obere Hälfte nämlich am liebsten. Und zwei facebook-Freunde wünschten sich diesen Titel, also mit Sahra und Brötchen, aber ohne Erwähnung der roten Marmelade.

Das dürfte jetzt sozusagen meine erste Auftragsarbeit sein.

Schwarzkirsche hätte Sahra nicht genommen und vermutlich auch nicht Kiwi-Marmelade in Grün. Das war aber alles da! Und die nimmt das kräftigste Rot, was sie finden kann!

Unter 10 Gläsern Marmelade!

Damit ist das Problem der Linken an sich klar umrissen.

Die FDP hat ja jetzt eine andere Farbe als früher, aber ob es sich lohnt, sich die Farbe zu merken, das weiß man erst nach der Wahl. Ich setze nur auf Katja Suding, der Rest ist mir relativ egal.

Vorher aber weiß man schon, dass sich Sahra ganz dringend von dieser Rosa Luxemburg-Frisur trennen müsste. Sigmar Gabriel lässt sich ja auch keinen Oberlippenbart stehen, um mehr Prozente zu bekommen, der trinkt dann lieber einen. Also vielleicht. Damit könnte der nochmal auf 40% kommen mit der SPD. Die sind ja fast auf gutem Rotwein-Niveau.

Allerdings noch „mit Schuß“.

Und dann ist da noch eine Partei, die man sich alkoholisch in Richtung Prozentgehalt der Ostsee wünscht.

Sonst haben wir hier wieder Hochwasser.

Der kleine Unterschied

Der kleine Unterschied

Mich an die Gehgeschwindigkeit des Hundes anzupassen, fällt mir gar nicht so schwer. Aber wenn ich mit der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, durch die Stadt gehe, ist das völlig anders. Mal bin ich zu langsam, mal bin ich zu schnell, aber nie richtig. Dass das beim Hund nicht so ist, kann daran liegen, dass der das nicht sagt.

Als ich meine Frau gerade kennengelernt hatte, da musste sie noch ein Geschenk für eine Hochzeit bei Marseille besorgen. Das klingt so cool wie es ist, nicht wahr?

Bei „Negernbötel“ wäre das nämlich anders, auch wenn das dasselbe Paar heiratete.

Sie trug ein hellblaues Hemd, bei Frauen sagt man Bluse, und dazu einen dunkelblauen Rock, der knapp über den Knien endete.

Sie hatte eine dunkelbraune Umhängetasche um, eine Perlenkette und diese silbernen Ohrringe, die so herunterbaumeln.

Das weiß ich so genau, weil ich 60 Minuten lang vor mehr als 25 Jahren in 3 bis 4 Meter Abstand hinter ihr her lief, die blonden langen Haare wehten bei jedem Schritt, die Beine waren vom Sommer gebräunt. Und ich dachte ständig, was für eine tolle Frau das ist während sie über die Schulter zurückblickte und wiederholt sagte:

„Geht das nicht alles ein kleines bisschen schneller?“

Mich würde eine Frau, die immer sehr langsam geht, auch in den Wahnsinn treiben. Aber ich gehe nicht langsam, sondern gemessenen Schrittes und mit einem Blick für die anderen Leute.

Manchmal gibt es auch neue Verkehrsschilder oder ein Geschäft hat eine neue Schaufensterdekoration. Wenn man da zu schnell ist, sieht man das nicht. Zusätzlich muss man auch noch andere überholen.

Kurz:
Schnell zu gehen ist ebenso anstrengend wie auf der Autobahn zu versuchen, einen Schnitt von 180km/h zu fahren. Das schafft keiner und hinterher, selbst nach nur 2 Stunden, sind die Fahrer ermüdet. Die brauchen dann 45 Minuten Ruhe. Und sie haben für 7€ mehr Benzin verfahren als wenn sie ruhiger rollen würden.

Der Kaffee kommt ja noch dazu.

Dann könnten die jedoch gleich nur 130km/h fahren, das kommt in der Summe auf dasselbe heraus und ist auch für andere viel entspannter.
Also die 360km in 2 Stunden und 45 Minuten fahren. Ich würde ja fast 4 Stunden brauchen, aber dabei soviel Diesel einsparen, dass ich quasi zwei Kaffee herausrollen kann!

Es geht beim Gehen im Beispiel auch nur um den Unterschied in der Geschwindigkeit und nicht um das Tempo an sich.

Usain Bolt würde meine Frau für eine lahme Schnecke halten, so meine ich das.

Das ist vermutlich auch in anderen Bereichen so, das mit dem „kleinen Unterschied“.

Vielleicht kennt Ihr das auch, ich versuche es mal:

Wenn man auf der „organisatorischen Ebene“ des Lebens zum Beispiel zwei Extreme nimmt wie „Wanderzirkus/Lebenskünstler-Typ Horst Janssen“ und als zweites Extrem den „Finanzbeamten-Typ Hans-Jochen Vogel“, dann sind die meisten Menschen ja Mischformen der beiden willkürlich gewählten Beispiele.

Mir fallen leider keine prominenten Alternativen zu Vogel und Janssen ein.

Man kann auch Sophia Thomalla und Frau Strack-Zimmermann nehmen. Aber FSZ fährt Motorrad, das passt nicht so richtig. Und die Thomalla bearbeitet Ihr Geschäftsmodell für Zirkus zu strukturiert und zielgerichtet. Extreme Frauen zu finden ist gar nicht so leicht wie bei Männern.

Meine Frau ist zum Beispiel zu 80% Vogel und zu 20% Wanderzirkus. Ich hingegen bin zu 40% Wanderzirkus und zu 60% Vogel. Der Unterschied ist keineswegs riesig, aber er ist entscheidend!

Meine Frau selbst würde jetzt übrigens gänzlich andere Prozentwerte nennen, aber das hätte Hans-Jochen, der Typ, der jedes Papier der SPD in einer Klarsichtfolie verwahrte, auch gemacht.

Und ebenso wie er würde sie darüber 45 Minuten diskutieren.

Pause.

Es ist *so* wie ich sagte, sie ist *eben* gerade zum Frühstück gekommen!

Ich habe es ausprobiert, aber zunächst nur gefragt, wo sie sich *selbst* sieht:

60% Vogel, 40% Wanderzirkus.

Exakt *dort* hätte ich *meinen* Stift auch hingelegt!

Aber sie sieht mich deutlich näher bei „Zirkus“ und ich sie mehr bei Finanzbeamtin!

Hochinteressant.

Das kann man ja ganz einfach mit zwei Stiften zwischen Messer und Gabel darstellen. Typisch ist auch wieder, dass man die eigene Position des Stiftes nicht verändert, sondern nur diejenige des anderen. 🙂

Würde ich auch so machen.

Übrigens war hier der ‚Zirkus‘ schon seit 3 Stunden wach als die Finanzbeamtin sich erst räkelte.

Eine völlig unpassende Nebenbemerkung, zugegeben.

Und ich kann nur sagen, dass es sich lohnt, das mit dem Partner mal auszuprobieren. Allerdings sollte man mindestens 45 Minuten für die anschließende Diskussion einplanen. Eher mehr.

Sie spricht gerade noch im Bad mit dem Spiegel.

Irgendwelche wirren Prozentwerte oder so.

Keine Frau will zu 80% sein wie Hans-Jochen Vogel.

🙂

„Sitting On The Dock Of The Bay“

*“Sitting On The Dock Of The Bay“*
… wenn ich das höre, muss ich immer an zwei Sätze denken.

„Und dann braucht man ja auch noch Zeit zum Herumsitzen“, sinngemäß nach Pippi, und „Man sitzt insgesamt zu wenig am Meer“, woher der ist, weiß ich nicht, aber der Mensch, der den das erste Mal sagte oder schrieb, stammt vermutlich nicht aus einer Bergregion. Obwohl der Satz dann ja noch mehr Sinn machen würde.

Ungefähr 18 Jahre lang habe ich ja fast täglich 90 Minuten am Computer verbracht, also nicht aus beruflichen Gründen, das hatte sich eher durch das Hobby ergeben. Das sind knapp unter 10000 Stunden am PC gewesen und wenn man diese Zeit in Spaziergänge umrechnet, kommt man schon auf 20000. Morgens habe ich nämlich immer zuerst die „US-Post“ gemacht, weil die ja an ihrem Abend schrieben, während ich schlief. Zeitverschiebung würde ich auch abschaffen, total unpraktisch. Und wenn die Amerikaner nachts wach wären, hätten sie auch mehr Zeit zum Nachdenken, welch besserwisserisch deutscher Gedanke!

Jetzt habe habe ich ja den Hund und gehe morgens sofort raus und muss zusehen, dass ich irgendwann schnell in 10 Minuten das Notwendigste an der Maschine erledige.

So ein Hund ist nämlich auch wie das Meer und das Dock am Hafen.

Wenn man dann noch zu den 10000 die TV-Stunden addiert, dann kann man sich ersatzweise schon ein eigenes Tierheim zulegen und die Hunde einzeln ausführen!

Wenn man keinen Hund und keinen Urlaub und viel Arbeit hat, dann ist es ganz gut das Fernsehprogramm durch ein Spiel zu ersetzen. Nach einem Film weiß ich zum Beispiel 30 Minuten später nicht mehr, wie der Mörder hieß. Das war dann wieder „Kaugummi für die Seele“.

Spielen.

Früher haben wir uns mit 15 Jungs zum Kicken verabredet, manchmal musste man auch an ein paar Türen klingeln, aber die hatten eigentlich immer Zeit. Einer übernahm die Seite rechts von der Landstraße, der andere die linke und 20 Minuten später hatte man zwei Mannschaften. Zu zweit kann man ja bloß Elfmeter und Freistöße üben.

Später wurde es dann schon schwierig, jemanden zu finden, der Zeit für eine Runde Tischtennis oder Schach hatte. Mit Schach habe ich irgendwann aufgehört nachdem ich versucht hatte, mir alte Partien von Bobby Fischer einzuverleiben. Da bin ich dann zu Würfeln, Karten und Bachgammon zurückgekehrt, das war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben.

Würfel und Karten und der Zufall, wunderbar.

Wenn es dann doch mal klappt mit einem Spiel zu dritt oder zu viert, so zu Ostern oder im Urlaub, dann gibt es immer dieselben Auffälligkeiten. Der spielende Mensch zeigt seine Stärken dann nämlich besonders offensichtlich. Ich betrüge zum Beispiel, weil ich ungern gegen die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, verliere. Leider verliere ich trotzdem von Zeit zu Zeit.

Am liebsten spiele ich kurze Spiele, die ich schon kenne. Spielanleitungen zu lesen, ist mir ein Gräuel. Ich finde, man sollte wieder ‚Greuel‘ schreiben. Das war auch wieder so eine blöde neue Schreibspielanleitung.

Und dann die Spielertypen!

Ein Typ, auf den ich verzichten kann, ist der, der auf die präzise Einhaltung der Regeln achtet und bei Bedarf in der Spielanleitung nachliest. Es ist viel angenehmer, wenn man sich ohne die Vorschriften zu konsultieren einigen kann. Man kann beim Rommé auch diese dämliche 30 Punkte-Regel weglassen. Das steht ja nicht auf Moses‘ Tafel oder im Grundgesetz, Himmelarsch.

Der Regeltyp hebt dann auch mal lesend den Finger.

„So, jetzt haben wir es!“ sagt er, denn es ist stets ein „er“, und danach macht es einfach weniger Spaß.

An sich macht alles weniger Spaß, weil man es dann versucht ‚richtig‘ zu machen. Ich stelle dann immer Fragen zum Spielverlauf, aber dann ist das Spiel ja schon vorbei. Da hofft man auf ein schnelles Ende. Aber wenn das Spiel ein langes ist, wird das ein öder Abend.

Kochbücher sind zum Beispiel auch nur als taktische Maßnahme brauchbar.

Seht ihr?

Kaum denke ich an einen Vorleser von Spielanleitungen, habe ich keine Lust mehr weiter zu tippen. Und so ist das beim Spielen auch. Mit Kindern ist das nicht so, die spielen nämlich, die ….. „ernsten“ nicht. 😉

Flacher Text.

Aber flach ist es auch am Meer.
–

Der Neujahrsspaziergang

Der Neujahrsspaziergang

… so ein frisches, junges Jahr, das riecht immer anders als sein Vorgänger und wenn es nur für einen Tag ist. Und weil das so ist, muss man da meiner Meinung nach an das Meer. Es ist nicht der „Geruch von Napalm am Morgen“, aber daran muss ich meistens denken bevor der Motor gestartet wird.

Ich wollte ja aufhören mit diesen Geschichten, aber man gewöhnt sich einfach daran wie an den ersten Kaffee am Morgen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob das jemand liest. Das ist sozusagen so wie das Gästebad richtig sauber machen obwohl gar keine Gäste kommen. Das gute Gefühl hat man trotzdem.

Das Beispiel ist irgendwie …. Scheiße. 🙂

Am Neujahrsmorgen bin ich dann gleich um kurz vor 6 hoch, weil der Hund abends absichtlich hungern musste, damit der nicht beim Pinkeln im Bombenhagel seine erste Jahreskrise hat. Und zwei Stunden früher aufzustehen ist besser als gleich am ersten Tag putzen zu müssen. Und der Hase kommt in der Natur ja auch nicht immer zu den „Tagesthemen“ sondern manchmal auch erst zum Frühstücksfernsehen. Das bezieht sich auf die Regelmäßigkeit der Futtergabe, falls das jetzt wieder zu kryptisch war.

Danach weiß ich gar nicht mehr, was ich so „an“ Neujahr gemacht habe außer dass ich mich auf den traditionellen Spaziergang gefreut habe. Nach dem Waschen des Autos und der Küchenreinigung war irgendwie noch Zeit. Gelesen habe ich auch, aber sehr diffus.

Als wir dann losfahren wollten, da musste ich noch drei Minuten ins Bad, die Familie ging schon eilig raus obwohl meine Jacke von innen schon warm gestanden war.

Und sie rief:
„Du kommst ja jetzt, oder? Wir wollen lohoooos!“

Ich finde Vorfreude generell wunderbar, das Drängen zur Eile bei deren Beendigung in der Regel jedoch nicht. Dass ich kurz ins Bad ging, das war nämlich 9 Stunden und 25 Minuten nachdem ich aufgestanden war. Im Kopf überschlage ich dann still und heimlich im Auto bei „Time Waits For Noone“, dass ich knapp 190mal solange gewartet hatte.

Ohne zu fragen, wann, wie, wo entlang und wohin. Das Jahr ist ja lang.

Es ist herrlich, wenn Wahrnehmungen so verschieden sind! Das ist dann wie wenn der Wind mit schwacher Brise stundenlang von Nordost weht und innerhalb von Sekunden hebt er dann zum Orkan aus Südwest an. Menschen aus den Bergen denken hier aber vermutlich in anderen Bildern.

Zusätzlich hatte ich die falsche Norah Jones-CD mitgenommen, da war „Sunrise“ gar nicht drauf. „Sundown“ von Gordon Lightfoot habe ich mich nicht getraut reinzuschieben. Andererseits wäre das auch nicht aufgefallen.

Am Morgen oder gegen Mittag, ich weiß gar nicht mehr wo, habe ich gelesen, dass „man die Menschen nicht mag, von denen man glaubt, dass sie einen selbst nicht mögen“.

„Ist das so, ja?“, fragt meine beim American Football trainierte Muskelmasse von 90kg gern nach.

„Ist das so?“, frage jetzt … auch ich.

Das ging mir dann den ganzen Tag ergebnislos durch den Kopf, also das mit dem „Glauben des Nichtmögens“.

„Ergebnislos“, das ist für einen Mathematiker deutlich schwerer zu ertragen als für einen Philosophen, … für den ist das nämlich normal!

Generell ist das Gespräch über die Frage „Mögen wir uns oder mögen wir uns nicht und wenn ja warum?“ zu 99% ein gutes. Meta-Ebene und so, kennt man ja seit den 70ern. Meistens stellt sich dann heraus, dass jeder vom Gegenüber dachte, abgelehnt zu werden aber keine anderen Gründe für eine Antipathie hatte.

Allerdings gibt es da auch noch den Rest von 1%. Wenn man nur 50 Menschen kennt, dann ist das ja nur eine halbe Person.

 

Jedenfalls hat mir diese Frage einmal ein Vorgesetzter gestellt. „Gestellt“ ist gut, weil der nebenberuflich vermutlich Fallensteller bei Karl May war.

Und das war wirklich schwierig, es war nämlich keine Frage, es war:

„Sie mögen mich nicht, nicht wahr?“

Was soll man da antworten ohne ganz offensichtlich zu lügen?

„Absolut!“
„Genau!“
„Nein!“
„Doch, doch!“

Alles zu kurz.

„Doch, schon, ich finde ihre Scherze zum Beispiel bei der dritten Wiederholung sogar am besten.“

„Sie persönlich mag ich, aber leider sprechen Sie ja auch.“

„Doch, klar, aber ich wusste nicht, dass das hier eine Kaserne ist.“

Da gibt es ja viele Varianten, die man alle nicht wählt sondern nur so kurz geistig durchdekliniert.


„Ach, wissen Sie, ich glaube, ich mag Sie ebenso wie Sie mich.“


War natürlich wieder typisch. Der Sohn des Vorgesetzten hatte mir beim Grillen gesagt, dass er „zweisprachig aufgewachsen“ sei.

„Deutsch und Zynisch.“

Da wählt man die eigenen Worte mit Bedacht.

So insgesamt denke ich manchmal, dass jemand, der eine Leitungsfunktion übernimmt, diese immer nur auf Zeit bekommen sollte. Dann geht es zurück ins Glied. Das würde manchem gut tun und dem Deutschen vielleicht ganz besonders.

Aber es ist wirklich eine gute Idee, jemanden zu fragen, ob er einen mag oder nicht, wenn man mit diesem ungeklärten Gefühl herumläuft.

Das Risiko, dass es hinterher schlechter ist als vorher, liegt rein statistisch vermutlich bei 1%.

Unter dem einen Prozent finden sich zum Beispiel José Mourinho und Donald Trump. Klaus Kinski hätte man die Frage übrigens auch nicht stellen dürfen. Frau Thatcher ist die einzige Frau, die mir spontan eingefallen ist.

Endlich

*Endlich*

…..

Endlich ist es geschafft!

Und der Hund war hervorragender Laune und bog sich vor Freude um Mitternacht. Es gab ja die kleinen Drops bei jedem Kanonenschlag. Schon früher war ich der Meinung, dass sich eine durchdachte, aber nicht arbeitsintensive Vorbereitung am besten auszahlt. Heimlich habe ich dem Tier dann noch Rumpsteak zugesteckt.

Drops für Donnerhall, Rumpsteak für Raketen. Schade, dass das nicht überall funktioniert.

Leider hatten dann ein paar Idioten morgens um 6 beim ersten Gang noch drei Raketen übrig, das war nicht so lustig. Ich war nicht darauf vorbereitet und der kleine Hund auch nicht. Und ein Rumpsteak hat man nicht in der Jackentasche.

Es ging ja schon los als ich am Silvesterabend um 7 noch auf eine Zigarette vor der Tür saß. Da rummste es aus der Ferne immer wieder. Und auch, wenn man dieses ganze Feuerwerk und die Ballerei nicht schätzt, so denkt man ja doch ein wenig zurück wie es in anderen Jahren war.

„Das ist ein Tag wie jeder andere und morgen geht es weiter!“

Das ist ein frommer Wunsch und ein wenig wie das Rufen im Wald, wenn es dunkel ist.

Mit meinem Vater hatte ich 30mal Silvester, bis vor einem Vierteljahrhundert. Vielleicht ist es auch die runde 25, die mich zum Thema bringt. Er hat nie eine Rakete abgeschossen, er ist nicht mal rausgegangen. Meistens hat er den Fernseher angemacht nachdem er ein Bier getrunken hatte.

Er hatte nämlich gleich zwei Weltkriege erlebt.

Und wenn man um 7 am Abend draußen sitzt wie ich und darüber nachdenkt, dann klingen die fernen Donnerschläge auch nicht so als würden sie das Böse vertreiben sondern so als würden sie es bringen.

„Man weiß es ja nicht“

Vielleicht war er deshalb nie draußen und sagte bissig:

„Was soll der Unsinn?“

Erzählt hat er fast nichts, auch 45 Jahre nach Kriegsende nicht. „Die Krim“, hat er nur gesagt, als ich einmal fragte, was das Schlimmste war, was er erlebt hat, mehr nicht.

An den Namen seiner Schüler konnte er sich auch 40 Jahre später erinnern. Am Gedächtnis lag es nicht, dass er nicht sprach.

Leider habe ich nur drei Fotos von ihm. Fast als wäre ich selbst im Krieg gewesen und hätte fast alle Bilder verloren. Aber ich habe nie gern Fotos gemacht, das könnte daran liegen, dass ich keine Kamera hatte. Oder daran, dass ich meinte, die Lieder für die Ohren reichen und man brauche keine Bilder für die Augen.

Dir Frau, die mich mal geboren hat, hat alle Erinnerungen und Bilder von ihm weggeworfen.

„Er ist doch tot. Was soll ich damit?“

Das ist dann ein innerer Krieg, den man nicht gewinnen kann. Und ein „gutes Gedächtnis“ wie das meine, das die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, nicht hat, das ist nur schön für diejenigen, die es nicht haben. Es ist eine Last, sich zu gut zu erinnern.

„Eine kleinere Speicherplatte im Hirn“, die wünsche ich mir dann 2017 zu Weihnachten. Das Beste am Jahr 2017 ist, dass ich seit heute endlich sagen kann, wenn jemand fragt, wie alt ich bin:

„Im übernächsten Jahr bin ich im 60sten Lebensjahr.“

Ich dachte immer, dass das Warten länger dauert.

„Das Getriebe des Mannes“, nicht lesen, bitte!

*Das Getriebe des Mannes*

…
Im Moment trainiere ich den jungen Hund für Silvester. Es soll Hunde geben, die sich nach den Raketen und Kanonenschlägen drei Tage nicht nach draußen trauen, die sind total verängstigt. Der Tierarzt verschreibt anderen Beruhigungsmittel, weil Hunde ja keinen Alkohol trinken.

Ich übe mit youtube.

Wir sehen uns gemeinsam Feuerwerk an und hören Kanonenschlägen über die Stereoanlage mit langsam steigender Lautstärke zu. Bei jedem Knall gibt es einen „Leckerdrops“. Ob das jetzt morgen auch klappt, weiß ich nicht, aber der Hund findet die Silvester-Vorbereitungen ganz offensichtlich super. Der schaut mich schon an, wenn’s rummst, weil er auf den Drops wartet.

Ja, das klingt so, als hätte ich Lust dazu, diesen Text zu schreiben, aber ich öde mich selbst schon vor dem an, was *jetzt* kommt. Am besten lest ihr ab *jetzt* nicht weiter.

Es ist ein Gelübde.

Ich muss das schnell runterschreiben.

–

Das ist praktisch nur für mich getippt, damit ich mich nach knapp 40 Jahren mit VW immer daran erinnere, das ich *nie* wieder meine Hände auf ein Lenkrad aus diesem Konzern lege.

Kein VW, kein Audi, kein Skoda, kein Seat. Never.

Die bauen ja hervorragende Autos, aber bei mir läuft das mit denen nicht mehr. Das sehen andere offenbar auch so, weil VW nämlich unter 20 Herstellern bei einer Umfrage der ‚Auto-Bild‘ zur Servicequalität gerade den 20sten Platz belegt hat.

 

Die ‚Bild‘ habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht zitiert. Daran ist jetzt auch VW schuld.

*Du sollst nicht alles lesen! Das ist nicht lustig hier.*

Ich hatte Käfer, Golf, Audi 80, Passat, Sharan, und jetzt noch einen Passat. Sehr gutes Auto. Also, wenn es fährt.
Beim Sharan kam es vor, dass Dieselabgase bei bestimmten Bedingungen durch den Schacht der Zuführung des Sicherheitsgurtes des Fahrers in den Innenraum gelangen konnten. Für mich allein nicht so wild, weil ich ja eh im Auto rauche. Dann eben alle Fenster auf und lüften. Aber Kinder fangen dann an zu weinen und meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, bekommt hektische Flecken.

Jedenfalls lag da ein Konstruktionsfehler bei der Abgasführung der Zusatzheizung vor und das haben die Ingenieure dann ein Jahr später oder so verändert. Darüber gibt es einen internen Bericht bei VW. Aber an den Kosten wollten die sich dann erst zur Hälfte beteiligen als ich denen den internen Bericht kopiert hatte. Blöd. Vorher hatten die in der Werkstatt gesagt, dass man da „nichts machen“ kann.
*Du solltest nicht alles lesen. Das ist nicht lustig hier.*

Mein Sohn hat gerade ein Praktikum dort gemacht, da war wieder so ein Innenraumverpester in der Werkstatt. Natürlich musste der Kunde das bezahlen. Garantie ist ja abgelaufen. Es gibt keine Garantie gegen Konstruktionsfehler.

Und jetzt bekommt mein Passat das dritte Getriebe nach 72000km.

Nummer 3!

Das erste hat VW nach drei Monaten und 20000km im Rahmen der Garantie ersetzt. Nach weiteren 52000km müsste ich denen jetzt theoretisch 4000€ zustecken, damit das Ding wieder läuft. Und der Vorbesitzer hieß Horst und war fast 70 Jahre alt und ich fahre auch wie ein Horst von 70 Jahren.

Dass die Arie der Kulanzanfrage sich über 4 Wochen hinzog: Schwamm drüber.

Ich sehe das ja auch locker, weil selbst 50% Kulanz bei VW bedeutet hätten, dass ich lieber 100% in einer anderen Werkstatt zahle, weil das der geringere Betrag ist.

Das Gespräch mit dem Kulanzbearbeiter in Wolfsburg war netter als der Passat zu mir.

*Du solltest nicht alles lesen. Das ist nicht lustig hier.*

„Ich bekomme ja Schmerzensgeld“, hat er gesagt als ich ihn als erstes fragte, wie er seine gute Laune bei diesem Job behalten kann, wenn er ständig mit verärgerten Leuten telefonieren muss.

Er muss das ja alles so machen, das wird ja mitgeschnitten.

Hier ein paar der Bonmots vom Telefon:

„Wir müssen uns daran gewöhnen, dass technische Defekte vorkommen.“

Das lasse ich mal so stehen.

„Wo würden *Sie* denn die Grenze als Hersteller ziehen?“

„Na, bei *mir*!“, habe ich gesagt und gelacht, weil diese Frage bestimmt in der Fortbildung oder so thematisiert worden ist.

Er hat das auch zugegeben, toller Typ.

Das mit dem Schummeln bei den Abgasen finde ich heute schon normal. Schwamm drüber.

„Ich erzähle doch jedem, den es interessiert, von meinen drei Getrieben auf 72000km. Wenn jetzt nur ein *einziger* deshalb lieber keinen VW kauft, dann verlieren Sie doch mehr Geld als mein drittes Getriebe Sie kostet. Andererseits gibt es keinen Arbeitsplatz, der bei VW sicherer ist als Ihrer. Das ist ja auch etwas Schönes.“

Dann haben wir noch etwas über einen Hersteller gesprochen, der mit „V“ anfängt. Er liebt den alten 240er. Er hat nämlich auch einen, der mit ‚olvo‘ aufhört und nicht mit ‚olkswagen‘.

Und ich glaube, dass der besonders gut weiß … warum.

Mit dem Getrieberhythmus‘ meines 1.4TSI hätte er nämlich bald das fünfzehnte Getriebe in seinen Oldtimer-Zweitwagen einbauen müssen, das wären dann bei VW 60000€ für die ganzen Schaltgetriebe gewesen. Aber er hatte ja noch das erste.

Das Positive:

Ein Glück, dass meine VW-Karre im November schon grausame Geräusche machte. Wäre das jetzt erst passiert, hätte ich dem Hund beim Fahren ständig Drops zustecken müssen. 🙂

 

*Du solltest doch nicht alles lesen!

…. das war nicht lustig hier!*

„This Song Has Got No Title, Just Words And A Tune“

„This Song Has Got No Title, Just Words And A Tune“

Ich finde es nicht toll, wenn man aufwacht, weil man sich gerade verschluckt hat im Schlaf. Dann setzt man sich auf und röchelt, weil man keine Luft mehr bekommt.

Das ist auch der typische Moment, in dem man Panik aufsteigen lassen könnte, aber gleichzeitig genau weiß, dass nur Ruhe beim Erstickungsanfall hilft. So richtig ruhig bleibt man ja selten dabei.

Also jedenfalls so in der mentalen Grundausrichtung.

Freude habe ich erst wieder, wenn mir danach die tränenden Augen abwische.

Man fühlt sich hinterher manchmal sogar lebendiger als vorher. Gar nicht übel so ein nächtlicher Anfall, aber natürlich erst im Nachhinein!

Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, kennt das ja von mir, wenn ich dann so röchele.

„Es ist mitten in der Nacht!
Mach‘ doch mal das Licht aus!“

Das holt mich dann immer vom Erstickungstod zurück, weil ich mich über etwas anderes aufregen kann als über zu wenig Sauerstoff.

Das hilft also echt gut, das mit dem Lichtschalter. Ich mache danach auch das Licht wieder aus.

Aber Luftnot im Dunklen ist belastender als bei hellem Licht, das ist irgendwie etwas Psychisches.

Sie meint das nicht so, aber die Kinder könnten aufwachen oder der Hund sich grundlos Sorgen machen.

Ersticken ist generell trotzdem nicht so der Burner, aber es streckt eine Minute zu einer Ewigkeit.

Habe dann gleich mal nach Särgen gesucht. Aber wisst Ihr was?

Das ist etwas, was man gebraucht nicht findet! Und neu sind die richtig fett teuer. Das geht in die Tausende!

Das ist wie nach benutzten Streichhölzern suchen, findet man auch schwer. Aber die sind neu auch nicht so unverschämt teuer.

Das nennt man dann „würdevoll“, wenn so ein Sarg aus Palisander ist.

Aber Würde ist keine Frage des Geldes.

„Würde“, das ist eher eine Person, die immer dabei sein sollte wie der beste Freund Harvey.

Bob Dylan hat das in „Dignity“ ganz gut beschrieben, da weiß man beim Text auch am Ende nicht, ob „Dignity“ jetzt die „Würde“ ist oder ob das eine Person ist, die „Dignity“ heißt.

Und deshalb sollte man dem lieber öfter zuhören und sich weniger aufregen, weil der nicht so gern mit anderen im Frack beim Dinner sitzt.

Manchmal haben die im Frack nämlich weniger als die mit den gut erzogenen Hunden vor den Supermärkten.

Hach, die Särge:
Bei ebay war einer in Portsmouth für 275,55€ zu haben, aus Weidengeflecht, sogar neu. Versandkosten habe ich jetzt nicht zur Hand, aber wenn Ihr bestellen wollt, dann schreibt mir das bitte, was der Versand von der Insel kostet, ist ja nicht mehr Europa. Wenn man den gebraucht bekommt, ist der preiswerter als eine neue Levis.

Aber von einer Levis hat man auch mehr, das stimmt schon. Hätte ich keine Kinder und würde ich den aus Weide gebraucht günstig bekommen, dann würde ich den würdevoll als Vinyl-Regal nehmen.

Text in der Artikelbeschreibung:
„KORB / WEIDEN SARG
Aus natürlichen Weidengeflecht, Innenhöhe-6ft, Innenbreite Schulter-20 Zoll-HAND MADE-Ich kann Haben jedes Design und Größe, Gemäß Kunden Wünsche-Wir haben andere Holz-/Wicker Accesoriess erhältlich.“

„Innenhöhe 6ft„, das gilt, wenn man drin steht, aber „Liegelänge 6ft“ wäre auch blöd für den Interessenten, der für sich selbst sucht.

Matratzen zum Beispiel würde ich niemals gebraucht kaufen und Bettwäsche auch nicht. Also eigentlich alles, was mit dem Bett und dem Schlaf zu tun hat.

Erstaunlich ist ja auch sonst der gefühlte Wertverlust beim Kauf neuer Dinge.

Wenn man zum Beispiel ein Sofa für 1000€ kauft und die das liefern und im Wohnzimmer aufstellen, dann ist es, wenn die Jungs draußen den Diesel wieder anlassen, nur noch knappe 400€ wert.

Mehr bekommt man nämlich nicht, wenn man versucht, das wieder abzugeben.

Das ist nämlich gebraucht, auch wenn Du Dich das erste Mal draufsetzen willst und Dein Hintern die Sitzfläche noch nicht berührt hat.

Trotzdem 600€ Verlust!

Es gibt ja richtig breite, fette Ärsche, da erscheint mir ein Verlust von 600€ aber dennoch zuviel.

Also auch nach dem ersten Sitzen des fetten Hintern auf dem 1000€-Sofa.

Sigmar Gabriel zum Beispiel würde ich für sein einmal genutztes Sofa nur 199€ im ersten Schritt anbieten. Das ist leider so.

Helene Fischer würde ich freiwillig 500€ geben, weil ich denke, dass die gar keine Zeit zum Rumsitzen hat.

500€, aber nur, wenn sie nachweisen kann, dass der Silbereisen da nicht drauf rumgelümmelt hat.

Das denkt man aber bei Gabriel immer, also dass der rumlümmelt, wenn die Kamera aus ist!

Und das ist nicht gut und deshalb wird der auch nie Kanzler.

Der redet immer wie ein Schüler, der verheimlichen will, dass er die Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Ich kenne die Technik:
Lehrer vor dem Unterricht gezielt auf etwas ansprechen, viel reden, wenig fragen, dann nehmen die einen im Unterricht später nicht dran, weil sie ja wissen, dass sie mit einem am selben Tag schon gesprochen haben.

So etwas, auch wie man schummelt, das habe ich immer erst kurz nach dem schriftlichen Abitur im Unterricht unter dem Mantel der Verschwiegenheit besprochen.

Ich war meistens enttäuscht, dass die nicht viele neuen Ideen hatten.

Es kann nicht sein, dass meine Techniken 40 Jahre lang nicht überholt werden!

Aber ich halte es für ganz sinnvoll, wenn man kreativ ist, auch beim Schummeln. Das ist nämlich auch eine Form der Lebenstüchtigkeit!

Stellt Euch mal einen 34PS Käfer von 1970 neben einem 150PS Turbo-Golf von 2016 vor!

So ist das mit mehr als 40 Jahren Unterschied! Und so muss das auch sein.

Andererseits verbrauchen beide immer noch acht Liter auf 100km in der Stadt.

Fortschritt ist auch relativ.

Genau wie „Würde“.

Genscher ist auch 2016 gestorben, hoffentlich hat er einen gelben Pullunder mitgenommen. Der hat einmal sinngemäß gesagt:

„Wenn einer mir erzählt, er habe als Kind niemals etwas gestohlen, dann würde ich ihn nicht wegen seiner Ehrlichkeit bewundern, sondern wegen seiner traurigen Kindheit bedauern.“

Klar, man kann das kritisieren, aber Genscher hat eben vermutlich als Kind geklaut, was soll er da etwas anderes erzählen.

Wieder ein Schlingel weniger, schade.

Neben dem Satz, dessen Ende man nach dem Wort „Ausreise“ nie gehört hat, ist das der einzige Genscher-Satz, an den ich mich erinnere.

Das ist ein gutes Zeichen.

Man sollte Politiker nicht immer schwerpunktmäßig danach beurteilen, was sie sagen, sondern eher danach, wie sie handeln.

Außer beim Bundespräsidenten.

Was das Letzte jetzt mit dem Gebrauchten zu tun hat, weiß ich auch nicht. Ihr könnt mir ja 3 Punkte bei der Endnote abziehen.

Aber meine gefütterten Bugatti-Stiefel für 15€, praktisch ungetragen, die sind wirklich wunderbar.

Leider habe ich vergessen, die Schuhgrößen von Gabriel und Silbereisen zu googlen.

Sonst hätte ich die auf 10€ runtergehandelt.

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„To me, the award is like pinning a medal on Mount Everest for being the highest mountain.“

Leonard Cohen about Bob Dylan’s Nobel Prize for Literature

Winnetou und Silvester

Winnetou und Silvester

„Was machst Du Silvester?“, das ist keine angenehme Frage, weil ich nichts mache, was man so machen soll zu Silvester.

Erstens trinke ich nicht mehr als ein Glas, zweitens ist Sekt für „Backfische, nur damit die sagen ‚Huch, wie das prickelt‘ …“, drittens mag ich den ganzen Lärm nicht und viertens finde ich es fürchterlich, wenn die ersten, frischen Tage eines Jahres mit total schmutzigen Seitenstraßen beginnen.

Sorry.

Kurz und positiv gesagt:
Der Hund braucht mich jetzt und „das ist auch gut so“.

Natürlich esse ich gern Raclette, liebe Bleigießen, auch wenn man jetzt schon drei Teile auf dem Löffel braucht.

Ich spiele auch gern kurze Spiele, bis „es“ soweit ist und so feierlich besonders sein soll wie es dann doch nicht wird.

Und „Dinner For One“, klar.

Es fehlt eben der Überraschungseffekt und die Erwartungen an neue Jahre sind meist überhöht.

Ich rauche jedenfalls weiter.

Und Silvester dauert einfach immer zu lange.

Und um Mitternacht ist es schnell vorbei.

Das ist wie drei Stunden kochen und in 5 Minuten alles reinschaufeln!

Die Uhren müssten vor Mitternacht ’schneller‘ gehen und danach ‚langsamer‘.

Also das Anstoßen so gegen 22:30 wäre jetzt auch eine praktikable Lösung! Das ist aber gesellschaftlich ungefähr so schlecht angesehen wie „Sommerzeit? Mach‘ ich nicht mit“.

Feierliche Momente hingegen, die immer funktionieren, sind zum Beispiel:

– Wenn „O Du Fröhliche“ am Heiligabend in der Kirche dem Höhepunkt zustrebt

– Wenn Van Morrison auf der Live-Platte von 1973
„… it’s too late to stop now“ ruft

– Wenn Winnetou in Bad Segeberg seinen ersten Auftritt auf Iltschi mit der Musik von Martin Böttcher hat und kein Wort sagt und das ganze Stadion ergriffen ist von der Schönheit dieses Momentes – obwohl der sich jedes Jahr auch wiederholt.

Das ist sozusagen mein Silvester!

Winnetou halte ich an sich für die einfachste aller Rollen bei den Karl-May-Festspielen.

Aber der „Typ“ und seine „Stimme“ müssen passen, sonst geht das nicht „auf“.

Und die neue Winnetou-Reihe im TV geht leider insgesamt nicht „auf“.

Ich habe weder die erste noch die zweite Folge bis zum Schluss angesehen.

Daher nur Stichworte:

Was gut ist …

– Wotan Wilke Möhring als Lex Barker-Upgrade mit Pomade

– Jürgen Vogel als Ratte Rattler

– Langsamkeit, das heißt der Schuss „Der mit dem Wolf tanzt“, wie die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, meinte.

– Naturaufnahmen, Musik, Kameraführung

… und mehr.

Was ich nicht mag …

– Das ist nicht Winnetou!

Das ist optisch zuviel Tarzan mit langen Haaren und zu wenig roter Jesus beim Sprechen, er lacht und spricht zuviel.

„Bitte, Erol Sander, übernehmen Sie!“

– Das ist nicht Nscho-Tschi!

– Wo ist das Pueblo der Apachen?

– Wo ist der „feierliche Moment“?

Der muss erhalten bleiben!

Bei den Karl-May-Festspielen geht es schon ‚vorher‘ feierlich los, weil immer, aber auch immer genau dieselbe Musik gespielt wird:

John Denver, The Eagles und Johnny Cash und mehr.

Leider kann ich mir die feierliche Reihenfolge nicht merken, aber bei Cash gehe ich nochmal einen Kaffee trinken, rauche noch eine, die Knie werden breiter und beim Blick über den Kalkberg ist der erste feierliche Moment schon der weiße Stein.

Warum klappt das dann Silvester nicht?

Das verstörende Lied

*Das verstörende Lied*

Kennt Ihr das? Klar, Ihr kennt das!

Beispielsweise „Mamma Mia“ von Abba, das Original von 1975.

Es gibt einen Moment in dem „Pizzalied“, so nannten wir das früher, da höre ich meinen Vater im Treppenhaus rufen und drehe die Musik leiser.

Ganz deutlich: „Martiiiin!“

Es ist bei 2:29 und sogar nochmal bei 2:36.

Wenn ich das in den 70ern vielleicht 20mal laut gehört habe, dann bin ich davon 19mal zur Treppe gelaufen und habe „Ja, father?“ gefragt aber nie eine Antwort bekommen. Er stand bei „Mamma Mia“ grundsätzlich nicht rufend im Treppenhaus. Eher bei Led Zeppelin, aber da hörte ich ihn ja nicht. Mein Vater war in den 70ern nämlich auch schon in den 70ern. Ich habe ihn als Kind mal gefragt, welche Haarfarbe er früher hatte, aber er konnte sich nicht erinnern. Das war erstaunlich. „Dunkler“, hat er noch genuschelt.

„Father“ spricht man hier „Vaser“ aus. Mein Vater war ein richtig toller Lehrer, sogar Männer im Alter von 50 Jahren haben ihn in der Stadt noch angesprochen! Dann haben sie auf Nachfrage von ihren drei fast erwachsenen Kindern und ihrem Beruf berichtet und mein Vater wusste jeden Schülernamen. Jeden. Das hat mich damals gar nicht beeindruckt, fällt mir gerade auf.

Einmal hat er aber ohne zu nuscheln gesagt:
„Da ist ja doch noch etwas aus Dir geworden, Horst!“

Das war die Zeit, in der Männer noch „Horst“ hießen und Frauen „Gerhild“.

Horst Hrubesch ist einer der letzten Horsts. Bei dem anderen, da breiten wir still den Mantel des Schweigens aus. Man macht ja sonst noch ungewollt Werbung für diesen … anderen … „Horst“.

Dann haben beide gelacht, also die beiden für mich damals alten Männer von denen einer mal der Schüler des anderen alten Mannes war.
Horst Hrubesch hätte auch gelacht, aber der andere Horst ganz bestimmt nicht so. Der wäre ja so gern mehr als er ist.

Er, also mein Vater, nicht jener andere Horst, hat mir mal das britsche „th“ versucht beizubringen und daraus ist dann der „Vaser“ geworden. Vermutlich hat er gedacht, dass aus mir auch nichts wird, wenn meine Aussprache so schlecht ist. Von Vätern kann man viel lernen aber Englisch geht anderswo sicher besser.

„Jack Sprat could eat no fat
His wife could eat no lean
So all between them both
They left the table …. clean.“

Dreimal „th“, erstaunlich.

Hätte fast wieder eines der „th“ übersehen.

Mist, Faden verloren:
Natürlich würde ich jetzt nicht halböffentlich zugeben, dass ich „Mamma Mia“ wahnsinnig beeindruckend finde. Das könnte man eher von „Mama Lou“ sagen oder von „Philadelphia Freedom“. Auf das Zweite bin ich jetzt nur durch die Gedankenkette von Pizza via Mutti zu Frischkäse gekommen, aber das ist auch egal.

Aber da ruft doch wirklich jemand bei „Mamma Mia“!

Hört Euch das bitte mal an. 🙂

–

Und bei „Desire“ von Anna Calvi, da sehe ich beim Fahren mit dem Auto an einer bestimmten Stelle immer in den Rückspiegel und drehe Anna ganz leise, weil ich denke, ein Blaulicht kommt von hinten.

Ein Martinshorn! Das Wort verstehe ich zwar, aber eben habe ich das erste Mal in meinem Leben „Martinshorn“ geschrieben.

Das Horn heißt wie ich!

Horstshorn … das wäre richtig blöd, wenn es so heißen würde.

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Kennt Ihr auch „verstörende Lieder“?

Komme gerade nicht auf das Lied bei dem ein Hund bellt.

Es gibt mehrere, bei Tom Waits gibt es das sowieso. Es kann aber auch Tom himself sein, das ist immer ein unsicherer tipp.

Bei einer der letzten Platten von Joe Henry hört man auch einen Hund bellen. Joe Henry ist auch viel zu unbekannt.

Aber das andere Lied mit dem Bellen eines Hundes, das ich eigentlich meine, das sieht gerade so aus wie wenn man ein Fernglas falsch herum hält.

Und dann kommt die Erinnerung nicht zurück.

Aber vielleicht kennt Ihr ja andere … „verstörende Momente“.