*Endlich*
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Endlich ist es geschafft!
Und der Hund war hervorragender Laune und bog sich vor Freude um Mitternacht. Es gab ja die kleinen Drops bei jedem Kanonenschlag. Schon früher war ich der Meinung, dass sich eine durchdachte, aber nicht arbeitsintensive Vorbereitung am besten auszahlt. Heimlich habe ich dem Tier dann noch Rumpsteak zugesteckt.
Drops für Donnerhall, Rumpsteak für Raketen. Schade, dass das nicht überall funktioniert.
Leider hatten dann ein paar Idioten morgens um 6 beim ersten Gang noch drei Raketen übrig, das war nicht so lustig. Ich war nicht darauf vorbereitet und der kleine Hund auch nicht. Und ein Rumpsteak hat man nicht in der Jackentasche.
Es ging ja schon los als ich am Silvesterabend um 7 noch auf eine Zigarette vor der Tür saß. Da rummste es aus der Ferne immer wieder. Und auch, wenn man dieses ganze Feuerwerk und die Ballerei nicht schätzt, so denkt man ja doch ein wenig zurück wie es in anderen Jahren war.
„Das ist ein Tag wie jeder andere und morgen geht es weiter!“
Das ist ein frommer Wunsch und ein wenig wie das Rufen im Wald, wenn es dunkel ist.
Mit meinem Vater hatte ich 30mal Silvester, bis vor einem Vierteljahrhundert. Vielleicht ist es auch die runde 25, die mich zum Thema bringt. Er hat nie eine Rakete abgeschossen, er ist nicht mal rausgegangen. Meistens hat er den Fernseher angemacht nachdem er ein Bier getrunken hatte.
Er hatte nämlich gleich zwei Weltkriege erlebt.
Und wenn man um 7 am Abend draußen sitzt wie ich und darüber nachdenkt, dann klingen die fernen Donnerschläge auch nicht so als würden sie das Böse vertreiben sondern so als würden sie es bringen.
„Man weiß es ja nicht“
Vielleicht war er deshalb nie draußen und sagte bissig:
„Was soll der Unsinn?“
Erzählt hat er fast nichts, auch 45 Jahre nach Kriegsende nicht. „Die Krim“, hat er nur gesagt, als ich einmal fragte, was das Schlimmste war, was er erlebt hat, mehr nicht.
An den Namen seiner Schüler konnte er sich auch 40 Jahre später erinnern. Am Gedächtnis lag es nicht, dass er nicht sprach.
Leider habe ich nur drei Fotos von ihm. Fast als wäre ich selbst im Krieg gewesen und hätte fast alle Bilder verloren. Aber ich habe nie gern Fotos gemacht, das könnte daran liegen, dass ich keine Kamera hatte. Oder daran, dass ich meinte, die Lieder für die Ohren reichen und man brauche keine Bilder für die Augen.
Dir Frau, die mich mal geboren hat, hat alle Erinnerungen und Bilder von ihm weggeworfen.
„Er ist doch tot. Was soll ich damit?“
Das ist dann ein innerer Krieg, den man nicht gewinnen kann. Und ein „gutes Gedächtnis“ wie das meine, das die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, nicht hat, das ist nur schön für diejenigen, die es nicht haben. Es ist eine Last, sich zu gut zu erinnern.
„Eine kleinere Speicherplatte im Hirn“, die wünsche ich mir dann 2017 zu Weihnachten. Das Beste am Jahr 2017 ist, dass ich seit heute endlich sagen kann, wenn jemand fragt, wie alt ich bin:
„Im übernächsten Jahr bin ich im 60sten Lebensjahr.“
Ich dachte immer, dass das Warten länger dauert.