Ein geiler Hund

*Ein geiler Hund*

Er kann einfach nicht von ihr lassen, er versucht es von vorn und von hinten. Aber wir passen auf, damit nicht zu schnell zu viel passiert.

Es geht um unsere Hunde. Wilfried ist geil auf Miss Moneypenny, meine schwarze läufige Hündin. Da kommt man am Morgen gar nicht zum verbalen Yoga mit Sabrina. Sie beruhigt das männliche Tier und ich halte die Dame im Zaum, was nicht einer gewissen Komik entbehrt.

Es spricht aber ganz klar für uns Männer, dass wir im Vergleich zu einem Rüden sehr zurückhaltend und gewinnenend sind. Sabrina meinte auch, dass es recht anstrengend wäre, wenn die Männer hinter ihr jeden Monat an der Käsetheke aus anderen Gründen Schlange stehen.

Andererseits könnte man sogar auch das als Kompliment betrachten solange die Männer nicht auch die Verkäuferin an der Theke auf das Korn nehmen.

Komplimente, das ist ein schwieriges Thema.

Erstens ist es für viele schwer, welche zu verteilen und zweitens ist es nicht leicht, eines anzunehmen.

Das hatte ich auch gestern mit Paola an einem anderen Tresen, also nicht das mit dem Massenandrang sondern das mit den Komplimenten. Obwohl Massenandrang bei Paola wirklich berechtigt wäre.

Jedenfalls wurde sie für ihren Pullover von einer Freundin gelobt und sie sagte, sie habe ihn vor „vielen Jahren in der Kinderabteilung bei C&A“ gekauft. Daa war nicht weiter schlimm, aber sozusagen der steigende Pegel meiner Gedankengänge in der Nacht.

So ähnlich kenne ich das nämlich auch. Man sagt etwas Freundliches über eine Äußerlichkeit und das Gegenüber wertet das kleine Kompliment ab.

„Oh, nein, das Kleid ist schrecklich, ich hatte kein anderes greifbar“.

Manche übertreiben ihre negativen Reaktionen ja so, dass man kein Kompliment mehr macht, weil man damit die negative Gedankenkette der Frau ins Rasseln bringt. Das finden die dann auch nicht gut. Es ist eben schwierig.

Ein „Oh, danke, das freut mich“, kommt dem oder der Gelobten aber auch nicht leicht über die Lippen, meinte Paola. Da hat sie auch wieder Recht.

Das ist nämlich auch nicht einfach. Aber wenn man das nicht hinbekommt, hat man wieder jemanden verschreckt, der beim nächsten Mal lieber über das Wetter spricht.

Das nimmt das nämlich hin.

„Ich bin mit den Füßen geschickter als mit den Händen“

*“Ich bin mit den Füßen geschickter als mit den Händen“*

Das ist ein Zitat aus meinen jungen Jahren und das kann man unter Männern natürlich sagen und dann lachen die alle. Das ist nicht so schlimm.

Selbstverständlich hätte ich so einen Satz nicht in Gegenwart einer Frau gesagt, aber unter den Fußballern war das schon in Ordnung.

Leider verfolgt einen ein derartiger Satz auch bis zur Feier des Goldenen Abiturs.

Leider stimmt der Satz bis heute.

Der könnte auch von meiner Frau sein, aber über mich.

Mir fällt nämlich des Öfteren etwas aus der Hand, vermutlich weil ich gedanklich abwesend bin. Da fällt mir der Kaffeefilter eben auch knapp vor dem Mülleimer zu Boden oder ich merke zu spät, dass man nicht 10 Gläser stapeln sollte, wenn man die aus der Spülmaschine in den Schrank räumen will.

In den ersten Jahren hat sich meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, noch über diese lauten Aufschreie in der Küche gewundert und kam eilig die Treppe hinunter, weil sie schon dachte, ich hätte mir eine Hand abgehackt. Es ist dann schon enttäuschend, wenn sie ihren Gatten lediglich beidhändig wischend auf dem Korkparkett vorfindet.

Ich kann das nicht abstellen, das mit dem kurzen Aufschrei. Offenbar bin ich sehr unbeherrscht. Oder ich muss nur den inneren Überdruck ablassen.

Vielleicht kennen andere Frauen diese Ungeschicklichkeiten ihrer Männer auch. Ich hoffe das jedenfalls, weil ich mich dann nicht so einsam fühlen würde.

„Nur weil Du leise aufsammelst und nicht brüllst, heißt das ja nicht, dass Dir weniger runterfällt als mir“, sage ich dann gern, wenn meine Frau fragt, ob ich nicht auch leise schreien könnte.

Leider fällt ihr natürlich kaum etwas herunter.
Sie hat wenige Schwächen, zugegeben.

Und weil sie so gern „Downtown Abbey“ schaut, sagte ich gern ‚Mylady‘ zu ihr und frage, ob ich noch einen Tee reichen darf. Oder wie heißt diese Serie?

„Aber bitte nicht fallen lassen“, sagt sie dann.
„Bring‘ die Kekse bitte extra.“

–

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Die Kennzeichen meiner Autos hingegen weiß ich noch. Nicht, dass Ihr denkt, ich sei total blöd. Ich kenne auch die von den Nachbarn. Und Peter hatte 1978 P 506 an dem Golf I und Thomas‘ Eltern hatten DB 5 am Mercedes. Das war ein 280SE, aber ohne Typenschild. So konnte es auch ein 350er sein.

Dafür kann ich auch nichts.

Für meinen Bruder hatte ich mal einen Golf aus Wolfsburg abgeholt. Und als der fragte, was ich dafür bekomme, habe ich nur gesagt:

„Steht drauf.“

DM 130.

Fand der auch blöd, war’s ja auch.
Aber sonst hätte der das ja vergessen.

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Über H-Kennzeichen

*Über H-Kennzeichen*

Heute in der Frühe haben wir uns an der Tankstelle über „H-Kennzeichen“ unterhalten. Ich dachte nämlich, dass man die schon für ein 25 Jahre altes Auto im Originalzustand bekommen kann, aber die haben das auf 30 Jahre erhöht.

Die Rente bekommt man ja jetzt auch erst in höherem Alter. Beim Auto bezahlt man mit H-Kennzeichen weniger aber dafür bekommt man selbst im Alter auch weniger Geld, das folgt also einem höheren Prinzip:

Alt muss billiger sein.

Ein Mensch bekommt mit 30 Jahren natürlich noch kein ‚H‘ für ‚historisch‘ in den Ausweis gestempelt, das wäre auch etwas früh.

Bei einem Hund wiederum wäre das etwas spät. Das ist alles ‚relativ‘, so könnte man sagen.

Ein Mensch will eigentlich für sich selbst nie ein H-Kennzeichen. Auch Oma Hahn von der Tankstelle will das nicht, auch nicht mit über 80. Das würde zu ihr auch gar nicht passen.

Lara von der Tankstelle will, wenn sie bald 30 wird, auch kein H-Kennzeichen. Ich hatte den Eindruck, dass sie meine Frage auch nicht so toll fand. Sie hatte den Deckel vom Mülleimer nämlich schon gegriffen.

Dann schiebt man schnell ein ‚Theoretisch, Lara, nur theoretisch! ‚ in die Ausholbewegung und legt den Rückwärtsgang ein.

Vor allem bei Frauen ist es nicht unklug zu wissen, wo der Rückwärtsgang ist.

Wann bekommt eine „Beziehung“ eigentlich ein H-Kennzeichen?

Das kann ganz schnell gehen, aber das kann auch extrem lange dauern, bis man das bekommt.

Ihr könnt ja mal Eure Partner fragen, was die meinen, wenn Ihr fragt, ob Eure Beziehung schon ein H-Kennzeichen bekommen kann. Also, wenn Ihr mal Lust auf einen richtig lebendigen Abend habt.

Manche kaufen sich ja auch immer neue Autos, die schaffen das nie bis zum „H“ im Kennzeichen. Bei den Beziehungen suchen sich die meisten Leute keine Menschen mit H-Kennzeichen, es sei denn, die haben selbst schon eines. Männer mögen H-Kennzeichen nur bei Porsche und Ferrari. Andere suchen sich auch immer Neuwagen bei den Frauen.

Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, ist immer noch wie ein Neuwagen!

Manchmal sogar jeden Tag!

Das ist richtig spannend. Aber wenn man jeden Tag ein nagelneues Auto bekommt, dann hat man bei der Bedienung und beim Fahren leichte Anfangsprobleme. Bei manchen bricht ja das Heck schnell aus und wenn man das Auto nicht kennt, dann muss man vorsichtig fahren.

Das ist bei Menschen auch nicht anders.

Aber der Lack, der ist rein und glänzend, also bei meiner Frau.

Jedenfalls soll ich das Spülmittel, die hölzerne Spülbürste mit den Schweineborsten und den Spülschwamm jetzt immer in das Gitter hinter der Tür unter der Spüle stellen, wenn ich die benutzt habe.

Aber ich stelle beziehungsweise lege das hinter die Spüle, das braucht man ja mindestens 10mal am Tag, das ganze Zeug.

Und in 10 Jahren muss man die Tür unter der Spüle dafür 36520mal öffnen.

Wenn man das so macht, dann braucht die Tür nach 10 Jahren ein H-Kennzeichen.

Unwohl

*Unwohl*
…. oder wie soll man das beschreiben?

Mir ist …. unwohl.

Mir ist selten so, dass ich ein Gefühl mit diesem Wort beschreibe, wenn es mir ‚eigentlich‘ recht gut geht.

Ich nehme keine Kopfschmerztabletten, aber ich glaube, ich kaufe vorsorglich mal eine kleinere Packung für die nächsten Wochen. Wenn man die nicht braucht, ist das keine falsche Entscheidung.

Die halten sich doch lange, oder?
Dem *ersten* Mann traue ich nämlich keinen Zentimeter über den Weg, auch weil der so selten lacht. Die Augen lachen niemals mit und ich denke zusätzlich, dass der lügt.

Außerdem schlenkert der immer mit nur einem Arm beim Gehen, den anderen hält er fast ruhig an der Hosennaht, dort wo sonst bei Westernhelden der Revolver steckt.

Von dem würde ich kein gebrauchtes Auto kaufen.
Dem *zweiten* Mann würde ich mein eigenes Auto nicht mal leihen, wenn ich den Schlüssel mitnehmen würde.

Der lacht recht viel, aber sein Lachen strahlt nicht, es friert. Es ist das Lachen eines Raubfisches.

Von dem denke ich auch, dass der nicht ehrlich ist, aber hier bin ich zusätzlich sicher, dass der selbst weiß, dass er sehr dreist lügt. Dem ist das vermutlich egal.

Ich finde seine Frisur zusätzlich ’suboptimal‘.

Und auch von dem würde ich auf gar keinen Fall ein gebrauchtes Auto kaufen.
Autokauf ist nämlich auch …. Vertrauenssache.
„Ist Ihnen nicht ganz … wohl?“

Donald Trump

*Donald Trump*
Jetzt läuft die VW-Kiste endlich wieder und gleich am zweiten Tag hätte ich fast einen Eisberg gerammt. Da fehlten nur noch Zentimeter auf glatter Straße. Genau genommen, war das gar kein Eisberg sondern eher ein Mensch.

Beim Abbiegen war der wie aus dem Nichts im Dunklen aufgetaucht. Sozusagen wie Donald Trump.

Seine Ampel war Rot und ich hatte Grün.

Jedenfalls blieb der dann vor meinem Kühler stehen und brüllte: „Das ist ein Fußgängerüberweg!“

Da hatte der natürlich völlig Recht, aber eben nur bei Grün. Das würde ja an sich schon reichen, um zu sagen, dass sich da einer aufregt, obwohl er im Unrecht ist. Kennt man ja aus dem Fernsehen.

Aber der war gar nicht zu Fuß unterwegs und pöbelte vor meinem VW-Emblem mit dem dritten Getriebe!

Der war mit dem Rad unterwegs, ohne Licht und auf der falschen Straßenseite.

Und meine kluge Tochter hat echt gestaunt, dass Papa die Scheibe runterdrehte und dann richtig gebrüllt hat:

„Verschwinde, Du Schwachkopf, Du ….. Trump!“

Das Schweigen von Bob Dylan

*Das Schweigen von Bob Dylan*

An sich wäre das ein geeigneter Titel für den zweiten Teil der sogenannten Autobiographie von Bob Dylan, weil sein Schweigen fast eine ebenso große Tragweite hat wie sein Werk.

Seit vielen Jahren spricht er nicht im Konzert, sogar eine Vorstellung seiner Band spart er ein. Die kennt sowieso jeder, der sie kennen will und den anderen muss er die Namen nicht sagen. Wenn die die nicht vorher wissen, dann wollen die das auch nicht wissen.

Die interessantesten der seltenen Interviews sind gerade die, in denen er Geschichten erfindet, aus der Zeit tritt und keine Frage im gemeinten Sinn beantwortet. Der Rest bleibt Spekulation und Geheimnis.

Das ist ausgesprochen unterhaltsam.

Spannend wäre es zum Beispiel, sich Interviews mit Michelangelo vorzustellen.

„Mit der Mona Lisa habe ich versucht, alte, andere Kunst vergangener Hochkulturen in unsere Zeit zu übertragen. Ich habe versucht, das seitlich dargestellte zweidimensionale Lächeln, dass man bei den alten Ägyptern findet, mit den dreidimensionalen Skulpturen aus Sparta zu verschmelzen. Der Kunstgriff war, das farbig und in nur zwei Dimensionen zu erschaffen. Ich habe sehr lange mit dem Bildnis gerungen.“

Alternativ:

„Nein, das mit der Mona, das war eher so eine Notlösung. Das habe ich mehrfach übermalt und zum Schluss hat mir meine Putzhilfe Modell gestanden. Sie hat immer gelächelt, weil sie es toll fand, dass sie nur Herumsitzen musste und für dasselbe Geld nicht wischen musste.“

Beides macht Kunst nicht größer.

In beiden Fällen würde man vielleicht nie wieder von einem „geheimnisvollen Lächeln der Mona Lisa“ sprechen. Der Wert des Bildes würde drastisch sinken. Und im Louvre wäre der Andrang längst nicht mehr so groß.

Und welches der beiden Interviews jetzt veröffentlicht wird, ist an sich ganz egal.

–

Die Frage ist, welche Bedeutung das Schweigen Bob Dylans für die Rezeption seiner Kunst in der Gegenwart und in der Zukunft hat.

Gibt es Künstler, die „es“ ebenso machen oder schaffen?

Und Ihr habt da schon Recht.

Die Mona Lisa ist nicht von Michelangelo. 🙂

I Pay In Blood

*I Pay In Blood*
…. und das wird jetzt wirklich surreal und wenn Ihr das nicht nachvollziehen könnt, dann macht Euch keine Gedanken, dann geht es Euch gut. Trinkt ein Bier.

Unter einigen Freunden des letztjährigen Literaturnobelpreisträgers kursieren weltbewegende Sorgen. Es scheint bislang niemand bei der Inauguration von Donald Trump singen zu wollen, vermutlich antworten die alle mit „sorry, mein Kind ist krank“ oder „hach, das ist ja eine große Ehre, aber ich habe gerade Depressionen“.

Nachts werden die Stars dann aber bei feuchtfröhlichen Feiern von Paparazzi erwischt, das ist auch kein Widerspruch zu krankem Nachwuchs oder Depressionen!

Manche sollen einfach den Telefonhörer wieder aufgelegt haben, andere ein knappes „No“ geknarzt haben. Lou Reed hätte das Telefon sogar durch die Fensterscheibe geworden, das hoffen die von Bob Dylan jetzt auch.

Bei Bob Dylan sind sich seine Verehrer einfach nicht sicher, obwohl die Frau von Donald Trump überhaupt nicht seinem Beuteschema entspricht.

Mit Adriana Lima, dem hotten Model von Victoria’s Secret hat er nämlich auch ein Video für Unterwäsche gemacht und er sah richtig lasziv darin aus! Der hatte bestimmt seinen Spaß mit den ganzen Büstenhaltern in der Garderobe des Palastes in Venedig.

Aber da war auch kein anderer Mann im Bild.

Und ob er jetzt etwa spaßeshalber zu Donald geht, das wissen die nicht. Er war ja auch beim Papst Johannes Paul II obwohl der andere, der danach Papst wurde, da total dagegen war. Vielleicht ist der Bob dann auch nur nach Bologna gekommen, weil er den Ratzinger ärgern wollte.

Der macht oft Sachen zum Spaß, der Bob.

Und seine Verehrer, die haben jetzt voll das Fracksausen, dass sie alle demnächst Papst werden!

Also erstmal, dass der Bob sie mit seinen Auftritt bei dem Trump mal richtig durchrühren will wie den Martini von James Bond. Das mit dem Job als Papst müssen sie danach ihren Frauen erklären. Davor haben die sogar Schiss, wenn die gar nicht verheiratet sind oder gar nicht katholisch sind!

Die wissen nicht, was sie machen sollen, wenn der Dylan doch zum Donald geht und zum Beispiel „Happy Birthday, Mr. President“ in dem Kleid von Marilyn Monroe singt.

Der Bob, der ist manchmal etwas aus der Zeit gefallen.
Zuerst würden die natürlich die Aufnahme davon haben wollen, aber danach würden die echt ins Grübeln kommen, ob Helene Fischer im gelben Minikleid und tiefem Ausschnitt nicht doch die ehrlichere Variante gewesen wäre.

Jedenfalls würden die bei „Blowin‘ In The Wind“ dann immer an Helene am Seil und mit Windmaschine denken.

Wobei „Windmaschine“ jetzt recht dicht am Donald ist und wenn der Bob das hier liest, dann ruft der garantiert im Trump-Tower höchstpersönlich an und fragt, ob er kommen darf.

Und deshalb solltet Ihr das hier gar nicht groß herumerzählen, die Freunde vom Bob die zahlen nämlich schon vorher mit ihrem Blut.

Über das Vergessen II

Über das Vergessen II

Und nachdem in dem großen Bekleidungsgeschäft Schluß war, habe ich in Hamburg angefangen, Mathematik und Physik studieren. Das, was man da in Pädagogik lernen konnte, das erwähne ich gar nicht, weil das unerheblich war.

Zunächst bin ich morgens mit der Bundesbahn in die große Stadt gefahren nachdem die 18 Minuten auf dem Rad erledigt waren. Insgesamt waren das dann circa 75 Minuten, aber solange brauchte auch mancher, der am Stadtrand Hamburgs wohnte. Später hatte ich dann ein zweites, altes Rad in Hamburg, vielleicht steht das heute noch am Dammtor.

Durch das Warten auf den nächsten Zug zurück hatte ich fast täglich Zeit für die Hamburger Innenstadt und die unzähligen Second-Hand-Läden mit Vinyl. Davon gibt es kaum noch einen.

Jedenfalls gab es damals auch die ersten Punks, die einen auf Geld ansprachen. Die fragten in meiner Stadt immer nach „ein paar Groschen“.

Der erste in Hamburg fragte aber:
„Hast Du mal ’ne Mark?“

Dem habe ich gesagt, dass die in meiner Stadt nach Groschen fragen und er hat gesagt:

„*Das*, mein Freund, ist Hamburg! Alles wird teurer!“

Morgens fuhren die Züge um 7:05, 7:34 und um 8:43. Meistens nahm ich den um 7:34, dann war ich ohne Eile um 9:00 da, konnte Kaffee trinken und eine weitere ‚Gauloises‘ drehen. Die Vorlesungen begannen ja „c.t.“, also mit dem „Akademischen Viertel“, erst im 9:15.

Trotzdem bin ich dann drei Wochen lang um 7:05 gefahren und um 16:32 zurück statt um 15:32 wie meist üblich.

Das war wegen Anka

Anka ging auch auf die Schule, die einst Thomas Mann besuchte und Anka rauchte wie ein Schlot und Anla war eine Erscheinung. Wenn Anka morgens über den Schulhof ging, hielten 50% der Schüler die Luft an, bis sie weg war. Ich hätte die niemals angesprochen, weil die mit dem Ablehnen aller Angebote ja sowieso schon beschäftigt war und außerdem hatte ich den falschen Eindruck, dass sie dadurch verwöhnt in jungen Jahren geworden war.

Das hatte ich an einem Morgen irgendwie vergessen, weil sie nämlich in demselben Zug saß. Aus irgendeinem Grund muss ich den 7:05 genommen haben. Am Hauptbahnhof nach der Ankunft hatte ich etwas Mühe, sie einzuholen.

Anka.

„Du gehst viel zu schnell!“, habe ich ihr kurz vor der Rolltreppe japsend gesagt.

„Ach was“, hat sie gesagt und gelächelt.

Und dann sind wir immer morgens um 7:05 und nachmittags 16:32 gemeinsam gefahren. Das waren also nur 30 Fahrten und insgesamt knapp 30 Stunden, wenn man etwas Wartezeit mitrechnet. Man kann auch sagen, dass wir insgesamt nur einen Tag und eine Nacht zusammen Zug gefahren sind.

Das war bis heute eigentlich der lustigste „Tag“ in meinem Leben. Nach der letzten Fahrt haben wir noch Fotos im Automaten gemacht, die ziemlich verwegen und irre waren.

Morgens fragte sie immer im Raucherabteil, ob ich Taschentücher dabei habe. Sie hatte nie welche, aber wir haben teilweise geheult vor Lachen und sie brauchte dann Tücher, weil die Schminke sonst verlief. An sich hätte sie auch die Schminke weglassen können, das wäre entspannter gewesen.

Sie rauchte Pall Mall Filter. Die gab es in der normalen Version und in einer anderen, roten Packung mit der goldenen Schrift. Sie nahm stets die mit dem Golddruck obwohl die anderen ihr auch gestanden hätten. Jedenfalls habe ich dann einmal im Zug darüber gelästert, dass man sich so zum selben Preis „Gold“ leisten könne und so auch ein wenig reicher durch das Rauchen werde, sinngemäß war das wohl so.

Der Typ, etwas älter, uns gegenüber, der hörte zu an diesem Tag. Und dann zog er plötzlich seine Schachtel raus, hielt mir die hin und fragte:

„Zigarette?“

Der rauchte auch Pall Mall Filter Gold.

Und Anja wieder: „Taschentuuuuch!“

Natürlich haben wir nie wieder den 7:05er genommen.

Über das Vergessen

Über das Vergessen

Gestern war wieder eine Neue an meiner Tankstelle. Die wusste offenbar schon, dass ich für den Kaffee nie bezahle, weil sie mir den gleich nach dem Kauf der Zigaretten anbot. Der Erwerb der Zigarettenschachtel hatte etwas länger gedauert, weil ich tatsächlich nicht mehr wusste wie meine Marke heißt. Ich kaufe die nur an der Tankstelle oder in zwei verschiedenen Tabakgeschäften in der Innenstadt. Den ersten Laden ziehe ich vor, obwohl der „Thiel’s Tabak“ heißt, aber da muss ich in bar zahlen. Habe ich kein Bargeld dabei, muss ich zum zweiten Laden 300 Schritte gehen, weil man da mit der Karte zahlen kann. Zur Bank sind es nämlich 500 Schritte.

An allen drei Orten sage ich ja nur „einmal Zigaretten, bitte“. Ich sage nie die Marke, die kennen die ja. In dem Laden mit der Kartenzahlung muss ich auch manchmal zeigen, wenn die Blonde nicht arbeitet. Die Männer merken sich meine Marke nicht.

Seitdem es diese ganzen Farbaufnahmen auf den Schachteln gibt, sieht man kaum noch, wie die Marke heißt! Ich habe also der neuen Maria nur sagen können, dass die Schachtel hellgrün ist und neben Rothhändle im Regal steht.

Mit „dritte Reihe von oben, jetzt zwei Handbreit weiter rechts“ ging das aber auch.

Die Plätze wechseln ja des Öfteren, weil die Hersteller für bestimmte Platzierungen in den Regalen bezahlen müssen. Darauf müsst Ihr als Nichtraucher mal achten, das ist recht interessant.

Fast vergessen hätte ich auch, dass ich im Alter von 18 Jahren mal Marzipan am Fließband produziert habe. Das war nur eine knappe Woche mit den dicken Damen am Band und ich hatte mich auch nur beworben, weil Peter, mein Freund, da auch gearbeitet hat und erzählt hatte, dass die Sekretärin so toll sei. Aber mit der hatte man am Fließband viel weniger zu tun als ich bei der Vertragsunterschrift gehofft hatte. Die Fabrik wurde dann bald abgerissen. Da gab es nämlich die Grundmasse in 90/10 und in 70/30. Die zweite hatte 30% Zucker und war für Sonderangebote. Die hatten das nicht so mit der Qualität, fast wie VW heute.

Die Sekretärin war aber wirklich klasse, eigentlich 99/1.

Danach habe ich in einem großen Bekleidungsgeschäft angeheuert, leider kam ich in die Abteilung für Bettwäsche und Matratzen. Durch die Schaufensterdekorateurin habe ich dann Wolf Wondratschek kennengelernt und sie Bob Dylan.

Das war auch eine Sabine. Sie wollte sich damals selbständig machen mit einem Stand und selbst hergestelltem Schmuck. Das ist ja 40 Jahre her und jetzt müsste sie also 65 sein. Ich sehe mir die Verkäuferinnen an Schmuckständen mal wieder an. Ob sie die lockigen Haare noch mit Henna färbt?

Es gab eine regelrechte Hierarchie in dem Bekleidungsladen: „DOB“ grüßte zum Beispiel „BA“ im Fahrstuhl nicht.

Also die Damen aus der edlen Abteilung der Damenoberbekleidung grüßten die Damen aus der Bettenabteilung nicht, da musste sozusagen das Kopfkissen den Ledermantel grüßen.

Es gab auch noch den Beruf des Fahrstuhlführers. Der sagte immer die Abteilungen an.

„Dritter Stock, Betten und Matratzen, Stoffe“ oder so ähnlich.

Als Mann hatte ich es mit dem Grüßen besser, denn dass da ein junger Mann jobbte, das war recht ungewöhnlich. Daniela aus der DOB hatte mich gleich am ersten Tag vor einer jungen Mitarbeiterin aus der Federabteilung gewarnt, weil die jede Woche in der Discothek einen anderen abschleppte.

Mit der aus der DOB habe ich ich mich dann einige Male verabredet, denn die gefährliche fand ich leider total langweilig. Das haben die Typen aus der Discothek vermutlich nach dem ersten Abend auch gleich gemerkt. Ich weiß heute nicht mal ihren Namen obwohl wir im Lager vor der Stadt einen ganzen Tag lang Matratzen sortiert haben. Also ich habe sortiert, sie lag auf einer Latex und erzählte von ihren Typen. Das war recht interessant, man konnte da einiges lernen.

Der Substitut hat sich dann im Lager ‚angeschlichen‘ wie Sam Hawkins als er uns mit dem Auto wieder abholen wollte. Der dachte wohl, dass wir beide auf der Matratze liegen.

Aber der war eben aus Braunschweig und hatte einen Oberlippenbart und machte danach anderswo Karriere als Abteilungsleiter.

„Mal wieder eine falsche Wahl“, habe ich gedacht.

So viel vergesse ich gar nicht, finde ich.

Ein richtig flotter Dreier

*Ein richtig flotter Dreier*

Zuerst habe ich die Zigarettenkippe im Halbdunkel am Morgen aus einem Meter Entfernung direkt in das recht kleine Loch des Mülleimers geschnippt.

Schade, dass das keiner sah, das sah sicher „flott“ aus.

Eine Stunde später konnte ich den Kaugummi im Bad des Cafés im zügigen Gehen in den anderen Eimer spucken. Er küsste noch sanft den Rand und tauchte im Papier unter, genau wie Netzers Elfmeter Gordon Banks 1972 in Wembley verlud und eine kurze Affäre mit dem Pfosten hatte bevor er im Netz zappelte wie ein alter Fisch.

Zum Schluss hat man ja richtig Mut … solange keiner zusieht, …. sonst hätte ich den weiteren Wrigley im Wald nicht volley genommen. Die junge Birke blieb stehen, aber das war schon ein fettes Pfund wie ich die erwischt habe. Volley!

Wenn so etwas schief ging, früher unter Zeugen, wenn einem zum Beispiel mit 15 Jahren beim kraftvollen Anrollen nach dem Stop am Bahnübergang die Kette vom Ritzel des Rades rutschte, … dann war das schlimm!

Wenn mehrere junge Damen und Herren es dann mitbekamen wie man mit schwarzen Fingernägeln am nächsten Tag keine Ahnung davon hatte, wie weit der Rhein „flussbar“ (Lehrerfrage, sic!) ist …. also wenn so etwas schief ging, dann konnte man sich nur für drei Tage ins Kloster zurückziehen wie Lenny Cohen.

Und deshalb mache ich diese Dreier-Experimente nur allein und möglichst im Halbdunkel. Unter Zeugen würde das auch nie klappen. Ich erzähle das, was klappte, auch keinem.

Mich hat eine junge Frau mitten in *diese* Gefühlslage hinein gefragt, ob ich Anfang des Jahres in eine „morbide Stimmung geraten“ sei. Anlass war, dass ich eine Reihe prominenter Grabstätten, rein interessehalber, gegooglet hatte.

Bei „gegooglet“ weiß ich nie, wie ich das schreiben soll, diese europäisch-nichteuropäische Hochzeit zweier Worte. „Gegoogled“, das ist ja noch blöder.

Jedenfalls ist es ganz erstaunlich, wie zurückhaltend beziehungsweise fast vergessen wirkend die Gräber bei Mississippi John Hurt, Nick Drake oder Gram Parsons sein können und wie für meinem Geschmack unsäglich „groß“ bei Falco, Dalida oder Udo Jürgens diese auf der anderen Seite sind.

Darunter wird der Mensch nämlich zu klein.
„Overdressed“ hätte man zu Lebzeiten gesagt.

Die Geschmäcker sind eben unterschiedlich. Und unterschiedlich bleibt, wie das, was bleibt, wahrgenommen werden soll.

Bei den sechs Namen passt das zum größten Teil zum Leben, das könnte man glatt als Kompromiss bezeichnen.

Ich bin an sich also mehr in „mobiler“ als „morbider“ Stimmung. Natürlich auch durch den „Dreier“ am Morgen. Man könnte auch „halt durch den Dreier“ sagen, aber dieses ewige „halt“ ist mir unerträglich geworden. Bei Präsentationen habe ich dann Strichlisten geführt und fand, dass vierzigmal „halt“ in 15 Minuten einen Punktabzug rechtfertigte, wenn der keine bleibenden Schmerzen hinterließ.

Hach, die Arbeit!

Kürzlich hatte ich eine Diskussion mit Ira darüber, was eigentlich „Arbeit“ ist. Das kann man schlicht betrachten und sagen, dass es das ist, wofür man finanziell entschädigt wird. Das ist jedoch die vielleicht eher moderne Sicht der Dinge.

Ein Schauspieler, der ein Stück für das Theater einstudiert und probt, der … „arbeitet“, klar. Was ist aber mit einem Laien, aber in einer Theatergruppe abends nach seiner Bürotätigkeit exakt dasselbe tut? „Arbeitet“ der?

Ira sagt: „Nein, der bekommt dafür ja kein Geld.“

Oder wenn jemand ehrenamtlich „arbeitet“, was ist damit? Zumindest nennt man das nicht „Hobby“ sondern „Arbeit“. Das könnte daran liegen, dass es die Bezahlung durch einen anderen einspart. Da liegt sozusagen ein negativer Verdienst vor, weil Arbeit unbezahlt getan wird. Von einem „Nullverdienst“ könnte man auch sprechen.

Es gibt mehr „Arbeit“ als man denkt.

Ein Schriftsteller, der beim Bier über sein Buch nachdenkt, arbeitet der oder ist der ein Müßiggänger? Ein Angestellter von der Stadtreinigung arbeitet. Fege ich die Einfahrt, heißt es „Schau, wie viel Zeit der hat!“.

Sagt ja keiner, aber ich kann das trotzdem hören! 🙂

„Mutti“ sagte über lachende Rockmusiker im TV immer: „Schau nur, die lachen die Zuschauer aus, weil die so dumm sind, sich das anzuhören!“

Leider war ich einer dieser richtig „Dummen“, die lachenden Rockern gern bei deren Arbeit im Rockpalast zusahen.

Ob es nun gleich 40 Millionen im Jahr in China sein müssen wie bei Carlos Tevez im Fußball, das ist die Frage, wenn es um die Vergütung von Arbeit geht.

Oder ob es da auch Grenzen des „Anstands“ geben sollte, das ist keine einfache Frage …. solange jemand bereit ist, das so hoch zu bezahlen.

„JWD“ .. sagt man hier, „janz weit draußen“ …

….. auf der See findet sich ja auch keine Antwort.

Nur dass im Sturm Millionen auch nicht helfen, das weht leise zurück.