Das virtuelle Leben

*Das virtuelle Leben*

Wenn man beim Arzt in das Wartezimmer kommt oder wenn man sich einen Platz im Café sucht, … dann kann man nach Zugfreiheit, Bequemlichkeit des Sitzes, Sicht oder nach Abstand zu anderen Menschen Plätze aussuchen.

Es gibt noch mehr Kriterien, ja.

Mein Blick gleitet des Öfteren zuerst an den Wänden entlang. Mein Kriterium für die Platzwahl heißt nämlich „Steckdose“.

Ein Handyakku hat ja viele Eigenschaften, eine der wichtigsten ist aber …. ‚leer‘ oder ‚fast leer‘. Das gilt auch für mobile Zusatzakkus, schon wieder vergessen, wie man diese meist leeren Dinger nennt. Auch meist wie ein Pferd kurz vor der Apotheke.

Dass so eine Ladung oft keine 24 Stunden hält, wenn man die Dinger nicht abschaltet, ist gar nicht so schlimm. Schlimm ist nur, dass diese Viecher ständige Aufmerksamkeit verlangen und elektronisch gefüttert werden müssen.

Fast wie ein Haustier.

Der Hund aber quakt kein „… habe nur noch 20%“, wenn er Hunger hat.

Und wenn Ihr ein Haus baut oder eine Wohnung renoviert, dann plant mehr ein, mehr Steckdosen.

Am besten in jeder Ecke drei oder mehr.

Das Kriterium für Steckdosen ist kurz und hat einen Namen: „Mehr“.

Basta.

Es gibt ja Dinge, von denen man nie genug haben kann:

Humor und Musik zum Beispiel.
Oder Schuhe bei Frauen.
Oder PS bei Männern.

Aber Steckdosen, Steckdosen gehören auf alle Fälle dazu. Steckdosen sind geschlechtsübergreifend wichtig.

Ähnlich ist das mit Kindern bei der Auswahl von Feriendomizilen. Umgebung wie Schwimmbad, Meer, Supermarkt und die Länge von Fußwegen sowie häusliche Gegebenheiten wie Whirlpool und Terasse verblassen hinter der Frage nach dem Wesentlichen im Urlaubsleben:

„Gibt es da WLAN?“

WLAN ist auf Platz 1!

Meine Kinder würden vermutlich sogar in einer Scheune schlafen, glaube ich, wenn es da ein gutes Funknetz gäbe. Kein Luxus in einem kuscheligen Hotel kann ein fehlendes WLAN ausgleichen.

Und wenn die jungen Damen von heute mal jemanden kennen lernen, der gar kein Handy hat, dann sagen die vielleicht:

„Der ist nett, aber einen Mann ohne Netz kann ich nicht gebrauchen.“

Ich glaube, dass ich das deshalb vor 18 Monaten angefangen habe. Vorher habe ich mich geweigert.

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Über einen Sonnabend im Leben

*Über einen Sonnabend im Leben*

Ich weiß einfach nicht mehr, wann es anfing, dass aus dem ‚Sonnabend‘ der ‚Samstag‘ wurde. Vielleicht war das als es ‚Das Sams‘ im Fernsehen gab oder als als man begann, alles abzukürzen.

Mo Di Mi Do Fr … So So … ist nämlich unpraktisch.

Es ist jetzt bestimmt schon 30 Jahre her, dass ich *das* so zuletzt gemacht habe. Natürlich hat man dann ein schlechtes Gewissen, weil man solche Dinge nicht einfach ohne Grund macht.

Und es gibt gar nicht so viele Sachen, die man allein tun kann und die ein derart schlechtes Image haben, wenn das jemand erfährt. Aber ich war ja allein beim bösen Nichtstun.

Ich habe nämlich einfach ausgeschlafen!
Bis zum Nachmittag um 15 Uhr!

Also ganz stimmt das jetzt auch nicht, jedenfalls kann man das missverstehen. Natürlich bin ich wie immer morgens um 5 wach gewesen, war Brötchen holen, mit dem Hund spielen und das Frühstück fertig machen. Dazu ein paar hauswirtschaftliche Tätigkeiten, …. aber nach dem Frühstück „in Familie“ gegen 10 habe ich mich einfach wieder hingelegt. Ich frühstücke nämlich am Wochenende doppelt, einmal mit dem Hund und der Zeitung und einmal, Stunden später, mit der Familie.

Der Hund war auch so wunderbar warm an den Waden, dass ich glatt wieder eingeschlafen bin.

Der war auch etwas irritiert, glaube ich, hat jedoch auch noch eine Mütze Schlaf genommen. Der ruht ja sonst bei ‚DogTV‘ auf dem Sofa.

Und dass das bei mir bis 15 Uhr ging, fantastisch.

Ich bin nicht mal von selbst wach geworden, aber die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte und die mich so gar nicht kennt, hat dann plötzlich in der Tür gestanden und gesagt, dass der Hund wieder raus muss und schon an der Tür steht.

Das hatte ich gar nicht gemerkt, dass der aufgestanden war, aber es war auch nicht mehr so warm an den Waden. Aber der hat mich schlafen lassen, das rechne ich dem Tier hoch an.

So groß war meine Lust gar nicht, aus dem warmen Pfuhl hochzukommen, mich anzukleiden und in der eisigen Kälte eine kurze Hunderunde zu drehen. Der beste Hund der Welt hat das wohl gemerkt, denn der wollte nach 5 Minuten schon zurück.

Jedenfalls habe ich dann meiner Frau gesagt, dass wir beide keine Lust hatten und ich eigentlich auch gern noch etwas im Bett geblieben wäre.

Aber sie hat gesagt, dass ich „ja auch aufstehen wollte“. Das wusste ich bis zu ihren Worten noch gar nicht, aber ich lerne immer wieder Neues.

Manchmal weiß eine gute Frau nach 25 Jahren besser, was man möchte als man selbst. Daran denke ich von Zeit zu Zeit und bei verschiedenen Gelegenheiten.

Das habe ich dann auch gleich eingesehen, so wach war ich von den 5 Minuten in der Kälte nämlich schon.

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Die Größe einer „Tabuzone“

Die Größe einer „Tabuzone“
Wo sind denn so Eure …. „Tabuzonen“?

Es gibt ja Bereiche, in die zum Beispiel der Postbote oder eine beliebige Person auf der Straße nicht ungefragt eindringen darf. Diese Zone befindet sich teilweise auch außerhalb des eigenen Körpers. Zum Beispiel gibt es Menschen, die zu dicht an mich heranrücken.

Das finde ich speziell bei Männern schon belästigend. Jedenfalls hatte ich vor 20 Jahren einen Kollegen, der den ’natürlichen Abstand‘ immer wieder unterschritt. Dem habe ich mal meine Tasche in der Pausenhalle vor die Füße gestellt bevor ich einen halben Schritt rückwärts machte.

Leider ist der über die Tasche gestiegen.
Man hatte seine Finger beim Sprechen regelrecht unter dem eigenen Kinn. Ein sympathischer Mensch, der stets unsympathisch wirkte, weil er zu nah wirkte.

Der Abstand, den man als nicht zu weit entfernt, aber auch noch nicht als ‚zu dicht‘ empfindet, ist bei den meisten Menschen der, der exakt einer Armlänge entspricht. Das Gegenüber erreicht mit ausgestreckter Faust gerade die Nase nicht mehr. 🙂

Der „angenehme“ Abstand scheint aus den ganz alten Zeiten erhalten geblieben zu sein.
Meine Tabuzone misst aber 35 Zentimeter mal 23 Zentimeter. Das mag manchen erstaunen, weil ich mich mit den geometrischen Formen dieser Zonen nicht auskenne. Meine ist offensichtlich rechteckig.

Ich will jetzt auch gar nicht wissen, welche Form Eure Tabuzone hat. Mich würde eher interessieren, wo die sich befindet, also solange die sich außerhalb Eures Körpers befindet, logisch.

Meine Tabuzone ist liegt rechts von meinem Essplatz in der Küche.

Ich wechsele niemals den Stuhl und es ist der einzige mit Armlehnen, die anderen sehen identisch aus, haben aber keine Lehnen. In dieser für mich heiligen Zone liegen Einkaufszettel, Briefe, Werbung und manchmal auch ein paar Steine, bei denen ich noch nicht weiß, ob ich die behalten muss oder verschenken kann.

Steine sind ein Geschenk, das nur selten kaputt geht.

Und als mein Sohn einen Freund zu Besuch hatte, hat die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, meine Tabuzone in eine Tüte gesteckt und irgendwo abgelegt. Und jetzt suche ich die Tüte, weil ich einfach nicht weiß, wie die aussah und wohin ich die gesteckt habe.

Tabuzonen ziehen nämlich nicht um.

Küchen, Hemden und Vinyl

*Küchen, Hemden und Vinyl*
Zurecht erwartet man von einem richtigen Mann, dass er täglich ein frisches Hemd trägt. Bei Frauen nennt man das Bluse oder so. Mir kommt das Wort „Bluse“ schon seit 50 Jahren alt vor aber mir fällt nichts anderes ein.

„Frauenhemd“ klingt auch doof.

Über den Wechsel eines Hemdes denkt ein Mann nicht lange nach, am besten ist es sowieso, wenn die alle nur weiß oder schwarz sind. Als Student habe ich immer alte weiße Hemden aus den 50ern oder 60ern nach Kilogramm gekauft. Dann habe ich die alle schwarz eingefärbt. Die waren nämlich alle zu 100% aus Baumwolle und mir sind zweimal welche gestohlen worden, …. so gut waren die.

Niemals würde ich ein Hemd mit einem Kunststoffanteil anziehen.

Über den Wechsel eines Esszimmertisches, einer Couchgarnitur oder über eine neue Küche oder ein neues Bad denkt ein Mann etwas länger nach als über den Wechsel eines Hemdes.

Der Unterschied ist aber nicht wesentlich.

Stimmt, ich gehe von mir aus, aber ich wüsste nicht, vom wem ich sonst ausgehen könnte.

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, kann über derartige Neuanschaffungen jahrelang nachdenken ohne eine Entscheidung zu treffen. Zum Schluss sage ich zu allem „ja“ nur damit das Thema ein Ende hat. Vielleicht ist das auch eine taktische Frage. Also von ihr. 😉

Liegt das daran, dass Frauen älter werden, dass sie sich mit Entscheidungen länger …. Zeit nehmen? Oder ist das allgemein nicht so … im Vergleich?

Befinde mich nämlich seit einem Jahr auf dem schwankenden Schiff zwischen Wellen, die „Fliesen“, „Laminat“ und „Vinyl“ heißen.

Der Strand, auf dem die Wellen sich brechen sollen, heißt „Flur“.

„Vinyl“ ist mir vom Wort her am sympathischsten. 🙂

Das mit den Kindern

*Das mit den Kindern*

 
Ich sage Euch jetzt einfach mal wie das ist, ja?

Ihr nehmt zuerst das Mädchen, also bis 15 oder so. Danach nehmt ihr dann den Jungen, also ab 15.

Das ist biologisch etwas schwierig, aber Ihr schafft das schon.

Kurz gesagt.
Eine Geburtstagsfeier mit acht bis zehn Jungs um die 10 Jahre ist für jede Mutter ungefähr so wie einen Tag mal Lehrerin sein, natürlich voll schön und so, aber eben auch voll anstrengend. Jungs werfen ja sogar mit dem Kuchen, wenn ihnen einer irgendwie erzählt, dass der HSV absteigt. Immer muss man Bewegung einplanen, um die Jungs an Geburtstagen körperlich zu schwächen.

Ab 15 sprechen die Jungs dann immer weniger.
Das ist einerseits sehr angenehm, aber auch unangenehm, wenn man selbst wissen möchte, ob irgendwas mit den Stimmbändern ist.

Mit 8 bis 10jährigen Mädchen hat man am Geburtstag richtig wenig zu tun, die machen einen Kreis und dann drehen die eine Flasche für das Auspacken der Geschenke. Alle sehen zu und freuen sich mit. Zwischendurch sprechen sie miteinander, so ganz normal, dass man denkt, dass die schon erwachsen, aber eben klein sind.

Die Hausaufgaben macht die auch allein, ich traue mich nicht mal zu fragen, was die so in Geschichte machen.
„Bist Du nicht auch zur Schule gegangen?“, kommt dann die Frage.
Und ich ahne schon, dass der nächste Satz sein könnte „Dann musst Du das doch wissen“.

Nach dem Flaschendrehen kann man Spiele mit den Mädchen machen, Stoptanz und so. Manchmal wird über die Reihenfolge abgestimmt, aber alles ist sehr gesittet und hat wenig mit Schimpansen zu tun, also Chaos ist da unbekannt. Es gibt nicht mal viel aufzuräumen, weil irgendeine garantiert das Geschenkpapier in die Küche bringt.

Irgendwann fragt dann eine, ob „es auch noch Freispiel gibt“.

Das ist jetzt nicht wie beim Flippern oder so, das heißt, dass die Erwachsenen sich zurückziehen und die kleinen Damen sich zu eigener Organisation zurückziehen. Natürlich fühlen sich Eltern, die ja einen schönen Geburtstag gestalten wollen, dann etwas überflüssig. Wir haben dann einfach versucht, miteinander zu sprechen, so nach dem Motto „Du, wie waren Deine letzten Jahre denn so?“.

Ob das ab 14 oder 15 mit Mädchen jetzt schlimm wird, das weiß ich noch gar nicht, weil sie jetzt erst 11 ist. Ich habe aber andere davon sprechen hören.

Aber seitdem sie 10 war, habe ich eine klitzekleine Ahnung bekommen, was so kommen könnte.

Beide Kinder habe ich natürlich in jungen Jahren in das Leben in Cafès eingeführt. Die bekamen dann immer eine Tasse Milchschaum mit Zucker. Wegen des Zuckers ging das nur ohne meine Frau. Dann haben wir noch Karten gespielt, leider gewinnen beide Kinder gegen mich und das mag ich auf Dauer nicht. Ich mag es vor allem deshalb nicht, weil die besser schummeln als ich, aber das hatten wir ja schon.

So mit 7 oder 8 wollte die Kurze dann „auf das helle große Sofa“ mitten im Cafè.
Sie hat dann auch die Schuhe ausgezogen und legt sich da total gemütlich mit einer Kinderzeitschrift in die Kissen oder liest etwas für die Hausaufgaben.

Letzte Woche habe ich sie dann mit ihrer Freundin von der Schule zum Cafè abgeholt, die sind ja zusammen schon 22.

Und die haben sich so gefreut, dass das helle große Sofa frei war, dass sie das ganz schnell besetzt haben und ihren Kakao bestellt haben.
Dann lagen die beiden da ohne Schuhe und schauen sich so um. Ich kam nur eine Minute später, weil ich mit irgendjemandem gesprochen hatte.

Dann wollte ich gerade meine Jacke über das Sofa legen als mein kleines Kind sagte:

„Papa, Du kannst Dich auch gern woanders hin setzen, wenn Du willst.“
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„To me, the award is like pinning a medal on Mount Everest for being the highest mountain.“
Leonard Cohen about Dylan getting the Nobel Prize for literature

Das Bildnis der Mutter als junge Frau

*“Das Bildnis der Mutter als junge Frau“*

…. so heißt der Dokumentarfilm eines Freundes, den er vor einigen Jahren gedreht und produziert hat.

Jedenfalls ist schon der Titel mehr als einen Gedanken Wert.

Wie war Deine Mutter vor Deiner Geburt? Wie war Dein Vater bevor er Dein Vater wurde?

Das ist in meiner Generation eine Frage, die sich nur durch das Zusammensetzen von Erinnerungsstücken oberflächlich und eher auf Vermutungen gegründet beantworten lässt.

Einfacher ist hingegen:
Wer oder wie warst Du bevor Du Deinen Beruf gewählt hast? Hat er Dich verändert? Wärest Du ein anderer, wenn Du anders gewählt hättest?

Bei mir weiß ich das auch nicht genau, mich haben eher Bücher, Sprachen und Kunst interessiert, aber mit Mathematik und Naturwissenschaften hat man einfach den festen Boden unter den Füßen.

Vor allem in Mathematik, da täuscht man sich leicht, besonders wenn es um Reine Mathematik geht, die keinen Gegenstand außer sich selbst hat. Daran kann man sich abarbeiten, aber Gefühlsregungen sind dabei recht überflüssig. Das ist nicht die schlechteste Selbsterziehung. 🙂

Und das hat auch etwas Meditatives.
Versteht vermutlich keiner. 🙂

Heute soll ja alles schon in der Schule eine praktische Bedeutung oder Anwendung haben. Manche wollen ja sogar, dass in der Schule über das Abschließen von Versicherungsverträgen gesprochen wird. Danach kommt dann nur noch die Doppelstunde zum Thema „Wie räume ich eine Spülmaschine ein“.

Natürlich finden sich als Lehrer immer Beispiele mit denen man Schülern zeigen kann, wo Mathematik in der Realität eine Rolle spielt.

Der Motivationseffekt ist aber meist verpufft, wenn sich herausstellt, dass am Ende doch noch präzise gedacht werden muss. Dass Kurven auf Straßen zum Beispiel im Idealfall Funktionen vierten Grades sein sollten damit man sanft einlenken kann, das ist so ein Fall. Die denken ja leicht, dass Kurven „wie Kreise“ sind. Das wäre beim Fahren ziemlich unpraktisch.

Man kann aber alternativ auf die manchmal auch gekünstelten Beispiele auch schlicht verzichten und sagen, dass Mathematik schwierig ist und dass man an ihr lernt, sich mit Dingen zu beschäftigen, die unangenehm sind und keinen Spaß machen und die viel Konzentration und Durchhaltevermögen verlangen.

Das gibt es im Leben nämlich noch öfter als Mathestunden in der Schule. Und dann ist das gut, wenn man sich darauf früh einstellen kann, dass nicht alles mit „Spaß“ verheiratet ist.

Ich halte nicht viel davon, dass alles „Spaß“ machen soll. „Freude“ kann man dagegen auch empfinden, wenn man etwas Schwieriges geschafft hat. Auch wenn man beim Tun wenig „Spaß“ hatte.

Man braucht auch ebenso dringend Lehrer, die man nicht leiden kann. Eine gute Schule braucht nämlich schlechte Lehrer ebenso wie gute. 😉

Heute sollte ein Neuntklässler für 7 verschiedene Schüler von 17 Jahren ausrechnen wie groß die in 5, in 10 und in 20 Jahren sind, wenn man den Wachstumsfaktor des letzten Jahres zugrunde legt. Emre war 2037 dann 5,45m groß. Das sind eben auch manchmal die „Anwendungsbeispiele“. Tim hat nur gesagt, dass das ja „nur Mathe“ ist.

Der hat das vielleicht besser verstanden als ich.

Die Veränderungen durch den Beruf, hach.

Besonders auffällig sind bei mir oft Rechtsanwälte geworden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die in jungen Jahren auch schon so waren. Immer sehr genau, vor allem beim Stellen von Fragen, eher knapp bei klaren Antworten. Und oft gießen sie lange die Orchidee in der Ecke des Gartens der Juristerei, wenn man nur wissen will, ob da Obstbäume stehen. Die, die ich kenne, die verlieren sich so oft in Details. Und wenn man etwas fragen will, hat man hinterher mehr Probleme als vorher.

Aber vielleicht kaufen die auch das Auto nach der Form des Auspuffs. Man weiß es ja nicht.

Da wird es jetzt Widerspruch hageln, aber ich kenne ja nur … die anderen.

Als Mieter sind sie sogar noch unbeliebter als Lehrer, sagt man. Und dazu gehört schon etwas.

Jedenfalls hatte ich als junger Mensch die Befürchtung durch die Beschäftigung mit Themen, die mir menschlich eher „lagen“ als Mathematik dem Risiko stärker ausgesetzt zu sein, dabei dem Wahnsinn anheim zu fallen. 🙂

Man verliert sich so leicht in Kunst und Literatur.

In jedem Fall wäre ich ohne die Formeln und die Zahlen … kein anderer. Es ist ja eher ein Spiel.

„Ich“ ist ja auch ein …. anderer. 😉

 

 

 

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Haltungen

*Haltungen*

Heute früh habe den schwarzen Hund und seinen federnden Gang beobachtet und gedacht, dass Menschen selten so selbstbewusst und aufmerksam ausschreiten wie dieser Vierbeiner.

Ich auch nicht, denn ich hatte einen Absatz im Boden der Fußgängerzone übersehen und habe mich richtig gepflegt „auf die Fresse“ gelegt.

In meinem Alter sucht man dann im Liegen erstmal den Hund und freut sich, wenn der nicht unsichtbar als Flachwesen unter dem eigenen Bauch liegt. Dann nach der Brille schauen, danach prüfen, wo und was genau schmerzt. 30 Jahre früher hüpfte man sofort und schnell hoch und zog sich zum Leiden einsam in einen Hauseingang zurück.

Bis auf ein, zwei Rippen dürfte ja kein Schaden entstanden sein, aber man liegt da ja wie ein halbtoter Fisch auf dem Trockenen und selbst alte, fragende Menschen wirken von Pflasternähe aus betrachtet richtig jugendlich wenn sie mit sorgenvollem Ausdruck nach den Defekten fragen.

Und dass dann so viele schauen, stört schon.
Man kann auch schlecht sagen, das man die Fugenbreite der Granitsteine misst. Glaubt ja keiner, selbst wenn das wahr wäre.

Eine richtig gute Haltungsnote im Liegen bekommt man nur als junge Frau im Bikini am Strand.

Nicht ganz, es gibt Ausnahmen:
Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, „hopst“ seit 45 Jahren. Also ich nenne das so, weil sie sich darüber ärgert. Sie hat sogar einen Abschluss darin von so einer britischen Schule. Aber da steht dann „Ballett“ und „Royal Academy“ drauf.

Und sie tanzt in derselben Gruppe wie eine der Schülerinnen, der ich mal in einigen Stunden beim mathematischen Weitsprung Tipps für die Landung geben wollte. Das ist respektabel, oder?

Beide haben nämlich eine tolle „Haltung“ und ich meine das jetzt ausnahmsweise nur äußerlich. Andererseits wirkt ja oft das Äußerliche auf das Innere ebenso zurück wie sich Inneres im Äußerlichen wiederfinden kann.

Viele Frauen würden noch besser aussehen, wenn sie sich gerade halten würden. Das ist auch ein Geheimnis etwas höherer Schuhe. Aber es geht auch mit Turnschuhen und wirkt nach außen und nach innen, vermute ich.
Leider sehen heute ja viele Menschen aus als hätten sie schwere Depressionen. Den Kopf gesenkt, die Schultern nach vorn fallend … so sieht nämlich ein Mensch aus, der traurig ist.

Aber die halten nur ein mobiles Telefon in der Hand! Und ich vermute, dass diese äußere Haltung auf Dauer auch auf das Innere zurückwirkt. Vermutlich ist das folgenreicher als ein „Tennisarm“ oder der Verlust an realer Kommunikation.

Und jetzt kommt mir nicht mit Donald Trump und seiner Haltung! Der kombiniert die aggressive Mimik auch mit einem hängenden Kopf. Aber der ruft eher Gedanken an ein gefährliches Raubtier hervor. Der neigt nicht zu Depressionen, der lässt andere leiden. Oder senkt der den Kopf, um bei Twitter zu zwitschern? Das Wort „zwitschern“ passt nicht, „wildern“ ist passender aber auch nicht richtig.

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Nach meinem kleinen Unfall habe ich es ja noch langsam zum Verbal-Yoga mit Sabrina geschafft. Als ich gegen Ende unserer Morgenzeit meine Ungeschicklichkeit erwähnte, da hat sie gefragt, ob ich „auch auf das Gesicht“ gefallen bin.

Genau, das hatte ich vergessen und bin kurz ins Bad gegangen. Im Spiegel sah ich aber eigentlich genauso aus wie immer.

Und jetzt frage ich mich, ob ich jeden Tag aussehe als sei ich gerade auf das Gesicht gefallen. Das kann ich sie erst am Montag fragen.

Ich werde mich ausnahmsweise auch am Montag rasieren. Und gerade sitzen, wenn ich frage. Sabrina hat nämlich auch eine sehr „gute Haltung“.

Bestimmt auch vom Ballett.

Achtsamkeit

*Achtsamkeit*

Dieses Wort begegnet uns in diesen im Positiven wie im Negativen vom Gefühl bestimmten Zeiten immer öfter.

Achtsamkeit. Bewusst leben. Genießen. Platz lassen. Sich spüren. Sehen. Hören. Riechen. Schmecken.

Kennt man ja.

Wenn jemand davon spricht, dann blicken die immer sehr ernst und etwas starr. Sieht selten entspannt aus, wirkt eher wie eine Steuererhöhung.

Ich nenne das ja einfach so:
Essen. Trinken. Rauchen. Gucken. Zuhören. Quatschen. Das war jetzt so eine erste Auswahl ohne Provokationen.

Nur im Auto bitte all das … nicht.

Da ist „Achtsamkeit“ out. Da gibt es Navigationsgeräte und das Auto soll automatisch die Spur halten, bremsen und schauen ob da einer nebenan rollt.

Warum? Damit man die dunkle Schokolade mit allen Sinnen am Steuer genießen kann? Oder damit man wegen der Langeweile den Twitteracount von Donald Trump auf neue Überraschungen checken kann? Nicht verstanden.

Achtsamkeit geht nämlich auch im Auto bei schöner Musik und Konzentration auf Straße und Verkehr. Das kann man auch entspannt und bewusst genießen solange da nicht zu viele rasante Spinner unterwegs sind. Mit 6 Zylindern ist das noch besser.

Die Kurven, die Landschaft, das Brummen der Maschine, der leichte Luftzug am Spalt des offenen Fensters, wunderbar.

*Das* hier ist irgendwie anders. So wie Landstraße ohne Gegenverkehr, aber mit mehr Haaren.

„AMSR“ statt Auto:

 

 

Ich verstehe das nicht.

2600000 Menschen haben sich das angeschaut. Und Haare 36 Minuten lang kämmen muss nervig sein. Schon beim Zusehen!

Hat das mit Achtsamkeit zu tun?
Was soll das, bitte?

Musik und Geständnisse

*Musik und Geständnisse*

Und jetzt erzähle mir hier bloß keiner, er oder sie habe keine „Leichen im Keller“.

Jedenfalls habe ich mir eine Suzi Quatro-CD gekauft und ich habe mir fast die ganze Platte angehört. Die fängt mit „48 Crash“ an. Und wie ein Unfall klingt das fast 45 Jahre später nicht.

Dirk kenne ich seit fast 20 Jahren vom Schreiben, aber gesehen haben wir uns in diesen Zeiten des digitalen Lebens noch nie. Wenn man sich seit 20 Jahren ab und an gern liest, dann ist ein persönliches Treffen unter Männern höchst risikobehaftet. Es könnte ja sein, dass der mich „in echt“ blöd findet und die nächsten 20 Jahre nicht mehr schreibt!

Dirk, der kennt sich mit Musik gut aus und ich glaube trotzdem nicht, dass er eine Suzi Quatro-Platte im Regal hat. Aber er hat sich sofort an das schwarze, enge Leder erinnert als ich Frau Quatro erwähnte. Er hatte vor 45 Jahren in einem BRAVO-Interview mit ihr auch gelesen, dass sie unter dem Leder nichts trägt. Das wusste der noch.

Und weil er das noch wusste, habe ich die CD gekauft.

Christoph, einer der wenigen Menschen, die meine Musik-Sammlung einmal gesehen haben, hat mal gesagt, dass ‚da aber auch richtiger Schrott dabei ist‘.

Da konnte und wollte ich nicht widersprechen, denn ich bin der Meinung, dass auch „Schrott“ wichtig sein kann. Zum Beispiel waren 95% des musikalischen Outputs der 80er Jahre reiner Schrott. Das tut mir leid für diejenigen, die in dieser Zeit jung waren, aber dafür habe ich ja ein 5%-Türchen offen gelassen. Selbstverständlich habe ich den 80er-Müll zu Erinnerungszwecken teilweise archiviert.

Es gibt ja nicht nur Bilder, Persönlichkeiten oder die Politik einer bestimmten Zeit, es gibt oft auch Menschen einer bestimmten Zeit und es gibt die ‚alte Zeit‘ selbst und ….. es gibt den „Klang“ einer vergangenen Zeit.

Und wenn man den Klang hört, kann man alte Zeiten auch besser wachküssen. Daher ist mit „Schrott“ aus alter Zeit keineswegs nur Negatives verbunden.

Das habe ich richtig schön kompliziert ausgedrückt damit mich keiner nach Beispielen fragt.

Ich war Anfang der 80er auch mal bei einem Konzert von Alice aus Italien in der Musikhalle in Hamburg. Zum Glück hat mich keiner gesehen. Andererseits hatte ich vorher U2 im CCH erlebt.

Natürlich ist die Musikhalle eine bessere Location als das CCH und ein U2-Konzert ist besser als eines von Alice.

Und auch wenn Alice toll aussah, so wirkte das doch etwas manieriert und die Bewegungen waren aus einem Katalog. Aber die nahm sich dabei auch nicht ernster als ein Italiener ein Parkverbot.

Dagegen nahm sich Bono selbst derart ernst, dass das für mich dort schwieriger war als zu gestehen, dass ich Alice live erlebt habe.

Der wirkte nämlich wie ein neuer Jesus. So gefühlt.

Und ob davon noch etwas übrig ist, das überprüfe ich im Sommer. Ich habe nämlich meine zweite U2-Karte gekauft.

Eine zweite Karte für Alice oder eine erste für Suzi würde ich niemals kaufen, denn man darf alte Bilder nicht immer durch neue ersetzen.

Suzi soll immer noch schwarzes Leder tragen.

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Gedanken verlieren ….

*Gedanken verlieren ….*

… das ist mal sehr angenehm, manchmal aber auch etwas verstörend.

Jedenfalls war ich im Dunklen mit dem schwarzen Hund schon draußen im Park, das ist im Allgemeinen die beste Zeit des Tages, weil man dann denkt, dass der Tag noch schläft und man vielleicht nicht von ihm hinterrücks überfallen wird. So wie ich 2017 bislang kenne, steht das aber auch schon morgens hinter Bäumen.

Und nach dem Frühstück habe ich dann etwas im Internet gesucht, erst jetzt weiß ich wieder, was das war, das „Kano-Modell“ im Zusammenhang mit dem Stichwort „Kundenzufriedenheit“.

Das hatte ich nur als PDF auf Japanisch.

Und dann hat der Hund im Wohnzimmer das Gras vom Morgen ausgekotzt. Das ist weniger schlimm als sich das liest, wirklich.

Und als alles sauber und mit Essig nachgereinigt war, bin ich zurückgekehrt zu Herrn Kano aus Fernost. Meine Frau, der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, wusste schon, dass das andere wegen des Grases passiert war.

Und während ich dann noch weiter nach Herrn Kano, dem Japaner, suchte, hat sie gefragt „wo genau der Hund das Gras gefressen hat“.

„Im Park!“, habe ich wiederholt.

Das war ohne den Kuschelfaktor, ja, aber man markiert doch im eigenen Hirn nicht die Lage jedes Grashalms, abgesehen davon, dass es für das Kotzen des Hundes unerheblich ist, ob das links oder rechts vom Weg war.

Und dann haben wir kurz diskutiert, ob ich jetzt unbedingt am Handy etwas suchen muss. Genau deshalb hat sie vermutlich nach der Lage des Grases gefragt. Aber sie hatte ja die Zeitung.

Das Ergebnis war, dass der Japaner mir total entschwand, begraben unter Bergen von Gras!

Wenn man einen Gedanken verliert, kann man nämlich nicht die ganzen letzten Wege abgehen wie wenn man den verlorenen Handschuh sucht.

… das ist nicht sehr angenehm, sondern verstörend.
Hach, „Handschuhe“, es wird immer schlimmer.

Heute habe ich einen grauen und einen braunen. Die preiswerten aus Leder von Lidl habe ich nämlich auf dem Parkplatz von Aldi verloren, beide.

Das ist mir bei drei anderen Paaren seit Oktober nicht passiert, da ist mir immer nur einer abhanden gekommen. Jetzt habe ich vier verschiedene, einzelne Handschuhe in verschiedenen Farbgebungen.

Ich hatte zunächst nur einen rechten und zwei linke, aber auf der Straße habe ich noch einen rechten gefunden. Jetzt habe ich wieder zwei komplette Paare.

Und 2017 habe ich noch kein einziges Ladekabel für das Handy verloren.

Es wird ein gutes Jahr.