Das virtuelle Leben

*Das virtuelle Leben*

Wenn man beim Arzt in das Wartezimmer kommt oder wenn man sich einen Platz im Café sucht, … dann kann man nach Zugfreiheit, Bequemlichkeit des Sitzes, Sicht oder nach Abstand zu anderen Menschen Plätze aussuchen.

Es gibt noch mehr Kriterien, ja.

Mein Blick gleitet des Öfteren zuerst an den Wänden entlang. Mein Kriterium für die Platzwahl heißt nämlich „Steckdose“.

Ein Handyakku hat ja viele Eigenschaften, eine der wichtigsten ist aber …. ‚leer‘ oder ‚fast leer‘. Das gilt auch für mobile Zusatzakkus, schon wieder vergessen, wie man diese meist leeren Dinger nennt. Auch meist wie ein Pferd kurz vor der Apotheke.

Dass so eine Ladung oft keine 24 Stunden hält, wenn man die Dinger nicht abschaltet, ist gar nicht so schlimm. Schlimm ist nur, dass diese Viecher ständige Aufmerksamkeit verlangen und elektronisch gefüttert werden müssen.

Fast wie ein Haustier.

Der Hund aber quakt kein „… habe nur noch 20%“, wenn er Hunger hat.

Und wenn Ihr ein Haus baut oder eine Wohnung renoviert, dann plant mehr ein, mehr Steckdosen.

Am besten in jeder Ecke drei oder mehr.

Das Kriterium für Steckdosen ist kurz und hat einen Namen: „Mehr“.

Basta.

Es gibt ja Dinge, von denen man nie genug haben kann:

Humor und Musik zum Beispiel.
Oder Schuhe bei Frauen.
Oder PS bei Männern.

Aber Steckdosen, Steckdosen gehören auf alle Fälle dazu. Steckdosen sind geschlechtsübergreifend wichtig.

Ähnlich ist das mit Kindern bei der Auswahl von Feriendomizilen. Umgebung wie Schwimmbad, Meer, Supermarkt und die Länge von Fußwegen sowie häusliche Gegebenheiten wie Whirlpool und Terasse verblassen hinter der Frage nach dem Wesentlichen im Urlaubsleben:

„Gibt es da WLAN?“

WLAN ist auf Platz 1!

Meine Kinder würden vermutlich sogar in einer Scheune schlafen, glaube ich, wenn es da ein gutes Funknetz gäbe. Kein Luxus in einem kuscheligen Hotel kann ein fehlendes WLAN ausgleichen.

Und wenn die jungen Damen von heute mal jemanden kennen lernen, der gar kein Handy hat, dann sagen die vielleicht:

„Der ist nett, aber einen Mann ohne Netz kann ich nicht gebrauchen.“

Ich glaube, dass ich das deshalb vor 18 Monaten angefangen habe. Vorher habe ich mich geweigert.

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