Das mit den Kindern

*Das mit den Kindern*

 
Ich sage Euch jetzt einfach mal wie das ist, ja?

Ihr nehmt zuerst das Mädchen, also bis 15 oder so. Danach nehmt ihr dann den Jungen, also ab 15.

Das ist biologisch etwas schwierig, aber Ihr schafft das schon.

Kurz gesagt.
Eine Geburtstagsfeier mit acht bis zehn Jungs um die 10 Jahre ist für jede Mutter ungefähr so wie einen Tag mal Lehrerin sein, natürlich voll schön und so, aber eben auch voll anstrengend. Jungs werfen ja sogar mit dem Kuchen, wenn ihnen einer irgendwie erzählt, dass der HSV absteigt. Immer muss man Bewegung einplanen, um die Jungs an Geburtstagen körperlich zu schwächen.

Ab 15 sprechen die Jungs dann immer weniger.
Das ist einerseits sehr angenehm, aber auch unangenehm, wenn man selbst wissen möchte, ob irgendwas mit den Stimmbändern ist.

Mit 8 bis 10jährigen Mädchen hat man am Geburtstag richtig wenig zu tun, die machen einen Kreis und dann drehen die eine Flasche für das Auspacken der Geschenke. Alle sehen zu und freuen sich mit. Zwischendurch sprechen sie miteinander, so ganz normal, dass man denkt, dass die schon erwachsen, aber eben klein sind.

Die Hausaufgaben macht die auch allein, ich traue mich nicht mal zu fragen, was die so in Geschichte machen.
„Bist Du nicht auch zur Schule gegangen?“, kommt dann die Frage.
Und ich ahne schon, dass der nächste Satz sein könnte „Dann musst Du das doch wissen“.

Nach dem Flaschendrehen kann man Spiele mit den Mädchen machen, Stoptanz und so. Manchmal wird über die Reihenfolge abgestimmt, aber alles ist sehr gesittet und hat wenig mit Schimpansen zu tun, also Chaos ist da unbekannt. Es gibt nicht mal viel aufzuräumen, weil irgendeine garantiert das Geschenkpapier in die Küche bringt.

Irgendwann fragt dann eine, ob „es auch noch Freispiel gibt“.

Das ist jetzt nicht wie beim Flippern oder so, das heißt, dass die Erwachsenen sich zurückziehen und die kleinen Damen sich zu eigener Organisation zurückziehen. Natürlich fühlen sich Eltern, die ja einen schönen Geburtstag gestalten wollen, dann etwas überflüssig. Wir haben dann einfach versucht, miteinander zu sprechen, so nach dem Motto „Du, wie waren Deine letzten Jahre denn so?“.

Ob das ab 14 oder 15 mit Mädchen jetzt schlimm wird, das weiß ich noch gar nicht, weil sie jetzt erst 11 ist. Ich habe aber andere davon sprechen hören.

Aber seitdem sie 10 war, habe ich eine klitzekleine Ahnung bekommen, was so kommen könnte.

Beide Kinder habe ich natürlich in jungen Jahren in das Leben in Cafès eingeführt. Die bekamen dann immer eine Tasse Milchschaum mit Zucker. Wegen des Zuckers ging das nur ohne meine Frau. Dann haben wir noch Karten gespielt, leider gewinnen beide Kinder gegen mich und das mag ich auf Dauer nicht. Ich mag es vor allem deshalb nicht, weil die besser schummeln als ich, aber das hatten wir ja schon.

So mit 7 oder 8 wollte die Kurze dann „auf das helle große Sofa“ mitten im Cafè.
Sie hat dann auch die Schuhe ausgezogen und legt sich da total gemütlich mit einer Kinderzeitschrift in die Kissen oder liest etwas für die Hausaufgaben.

Letzte Woche habe ich sie dann mit ihrer Freundin von der Schule zum Cafè abgeholt, die sind ja zusammen schon 22.

Und die haben sich so gefreut, dass das helle große Sofa frei war, dass sie das ganz schnell besetzt haben und ihren Kakao bestellt haben.
Dann lagen die beiden da ohne Schuhe und schauen sich so um. Ich kam nur eine Minute später, weil ich mit irgendjemandem gesprochen hatte.

Dann wollte ich gerade meine Jacke über das Sofa legen als mein kleines Kind sagte:

„Papa, Du kannst Dich auch gern woanders hin setzen, wenn Du willst.“
–
„To me, the award is like pinning a medal on Mount Everest for being the highest mountain.“
Leonard Cohen about Dylan getting the Nobel Prize for literature

Hinterlasse einen Kommentar