Über das Rauchen, Teil 1

Über das Rauchen, Teil 1

Katrin Bauerfeind finde ich wunderbar obwohl sie jetzt auch nicht die weibliche Variante von Roger Willemsen ist, die ich immer noch suche.

Beide leben beziehungweise lebten meines Wissens allein. Roger sogar aus Überzeugung, der hat das mal ganz wundervoll erklärt. Frauen leben nur aus Überzeugung allein so lange sie keinen gefunden haben, glaube ich.

Roger und Katrin unterscheiden sich zuerst darin, dass sie raucht und er es nicht tat. Von ihr ist nämlich der sehr schöne Satz:

„Das Rauchen unterscheidet uns vom Tier.“

Der hätte auch von Willemsen sein können, wenn er geraucht hätte.

Ich habe selbst schon deshalb nichts gegen Raucher, weil ich das selbst auch tue. Allerdings habe ich etwas gegen Raucher in geschlossenen Räumen und ich mag den Geruch nicht, wenn es nicht mehr brennt.

Selbst ein Waldbrand hat ja etwas ganz Schönes, so ein richtig großes Feuer ist nämlich so schön, dass man gar nicht wegschauen mag. Das fängt schon beim Kaminfeuer an, das ist heimeliger als jedes TV-Programm und klingt besser als ein Aquarium.

In unserer Stadt hat mal ein altes Haus heftig gebrannt und es kam niemand zu Schaden. Aber als man den Leiter der örtlichen Feuerwehr dazu für das Fernsehen interviewte, da sagte der in diesem breiten nordischen Tonfall mit einem leichten Lächeln in den Mundwinkeln:

„Tscha, *das* war ein *richtig* schönes Feuer!“

Und so ähnlich, aber kleiner, ist das beim Rauchen auch. Es ist warm, es glimmt, es macht Wolken, es ist gemütlich und es ist sinnlos.

Aber wenn man an einem abgebrannten Haus vorbeigeht, dann ist das Schöne vorbei und der Gestank ist ziemlich unangenehm.

Und das ist auch wie beim Rauchen, wenn man die Zigarette ausgedrückt hat.

Vor 35 Jahren kam ich morgens immer genau bis zu einem Kreisverkehr mit der ersten im Auto. Das war ziemlich unpraktisch, weil man dann entscheiden muss, ob man die Kippe vor oder hinter dem Kreisverkehr rauswerfen soll. Heute ist das ein anderer Kreisverkehr, aber im Prinzip ist das immer noch so.

Tanja in meinem Stammcafe aus den 80ern hat mal am Tresen gefragt:
„War Martin schon da?“

Die hatte nämlich drei Zigaretten im Aschenbecher gefunden, die wie drei Hundewelpen parallel nebeneinander kuschelten und exakt die gleiche Länge hatten und den Knick an genau derselben Stelle.

Das mache ich gar nicht mit Absicht, aber ich mag keine Aschenbecher, die aussehen wie Gruppensex und auch noch stinken. Das ist ja bei Gruppensex auch ein Problem, habe ich mal gehört.

Eigentlich mag ich Aschenbecher nur, wenn sie leer und sauber sind. Ich leere die heute nach jeder Zigarette aus. Aber in den 80ern konnte man ja nicht jedes Mal hinter den Tresen laufen. Draußen ist das heute unbeobachtet möglich.

Und dass man danach nach Rauch riecht, das finde ich auch nicht gut. In der Schule habe ich mir nach der Pause immer die Zähne in der Physiksammlung geputzt. Irgendwann habe ich dann eine nebenan im Klassenraum bei Stundenbeginn fragen hören:

„Isser schon wieder weg?“

Und eine andere hat gesagt:

„Neeeee, der ist nur Zähne putzen.“

Ich wusste nicht, dass die das gemerkt hatten und von dem Tag an habe ich immer leiser geschrubbt.

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