„Asche auf mein Haupt“ oder „Dylan in Lingen“

„Asche auf mein Haupt“ oder „Dylan in Lingen“

Was ich bei den fünf ‚Sinatra‘-Alben nicht mochte, gestern in Lingen passte das alles wunderbar, mit Ausnahme von „Autumn Leaves“ vielleicht, aber das gehört ja auch in den Herbst.

Er liebt es, diese Songs zu singen, fast scheint es als umgarne er sie mehr als seine eigenen. Der schräg gehaltene Mikrophonständer scheint mir neu, keine Ahnung, woher er das nahm. Ebenso wirkungsvoll wie das Wegstoßen und Heranziehen des Mikrophons am Flügel. Das ist kein Zufall, so etwas macht er meiner Meinung nach oft als Variation. Dem Nichteingeweihten sei gesagt, dass man auch daran an einem Video das Jahr erkennen kann.

Meine Highlights waren die beiden Schlachtrösser, die in diesen Versionen derzeit kaum zu toppen scheinen:

„Tangled Up In Blue“ und „Desolation Row“.

Über „Desolation Row“ las ich irgendwo oder jemand sagte mir es, dass er speziell *das* allabendlich anders spiele. Bei fast identischen Setlisten höre ich da nicht so oft rein.

Kann das jemand bestätigen?

… auch das ist eine Frage, die sich nicht jedem erschließen mag.
Ich mag die hervorragende Setlist nicht kritisieren, aber ich weiß nicht gern, welches Lied als nächstes kommt. Schon eine andere Reihenfolge derselben Lieder würden mir lieber sein, aber das mögen schräge Ideen sein.

Der Meister spielt nämlich seit einigen Jahren auf einer Tour jeden Abend fast dasselbe. Allerdings tut das Eric Clapton schon wesentlich länger, doch kann man bei dem in jedem Song vorhersagen, bei welcher Minute und welcher Sekunde das Solo kommt.

Weshalb er, der alte Dylan, „Early Roman Kings“ und „Spirit On The Water“ so oft spielt, …. man weiß es ja nicht. Beide etwas überspielt, ebenso wie „Things Have Changed“ als Opener.

Das sind die Momente einer Show in denen die Kommissare beim „Tatort“ etwas trinken oder eine Tüte Pommes essen, muss ja auch sein.

Haben auch reichlich Leute in der Emshalle gemacht. Bier, Pommes und Pinkeln bei „Spirit“ und „Kings“.
Dafür haben „Soon After Midnight“ und „Long And Wasted Years“ quasi ‚Frank’sche Statur.

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Leider ist so eine Vollbestuhlung auch in vergleichsweise „kleiner Halle“ nicht ideal, das merkte man als sich die halbe Halle im Emsland bei den letzten beiden Liedern erhob, „Blowin‘ In The Wind“, und sich die Gänge füllten.

Man betet auch besser im Stehen. 🙂

Sofort ist das eine andere Stimmung und Dylan spielt dann fast auf „Augenhöhe“ und nicht hoch oben entrückt. An sich ist er ja sowieso ‚entrückt‘ und schon längst bei den Göttern, dazu hätte es auch das Amulett aus Stockholm nicht gebraucht.

Götter tragen keinen Schmuck.
Ansonsten war Lingen … nervös. 🙂

Leider hat mich die A1 bei Bremen um die Pizza im Elchland mit den anderen Verrückten gebracht, aber es war schon aufregend dort. Sehr süß, dass keiner wusste, wo man rauchen kann und am besten war der Mann mit seiner Wurst.

Das war eine mit Senf und Toast und er stand da und biss mitten in der fast leeren Vorhalle ab. Dann vom Tresen lautstark der einzige Mann mit Brille unter vielen jungen Blondinen beim Bierausschank mit wallendem Emshaar:

„Bitte nur an den Stehtischen essen, *nur* an den Stehtischen!“

Weil ich gerade die Raucherlounge erfragte, gewann ich zwar keine Wurst aber immerhin ein blondes Lächeln … über den Chef.

Nervös eben.

Ich wurde auch dreimal auf das Fotografierverbot hingewiesen und ich war einer der ersten 20 in der Halle. Auch 90 Minuten *vor* der Show sind Fotos „strengstens untersagt“. Das gilt auch für die leere Bühne. Man wollte „ihm“ alles recht machen, das ist löblich.

Die hyperventilierten aber richtig.

Man hatte das Gefühl, das der Alte gar nicht spielt, wenn man draußen eine Wurst knipst.

Andererseits ist es höchst angenehm, wenn sich Menschen, die alles mit der Kamera festhalten wollen, auch mal 2 Stunden nicht mit ihrem Handy beschäftigen. Dieses Drehen von Videos ist die reine Pest, sogar im Theater habe ich das schon erlebt.

„Times are strange“, sang der Bob.
Und Holger aus meiner Sitzreihe konnte auch tolle Vorgeschichten über „Dylan in Lingen“ berichten.

http://www.noz.de/lokales/lingen/artikel/822711/der-mann-der-bob-dylan-ins-emsland-holte

Er konnte das viel lustiger erzählen, aber inhaltlich passt das aus der Zeitung auch.
Und in 10 Tagen?
Luxemburg!
Im Stehen!

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„Without music all we’d have is noise.“

Der ältere Herr

*Der ältere Herr*

 

Schon seit vielen Jahrzehnten könnte er es sich gemütlich machen, zuhause am Kamin mit den Enkeln oder bei Auftritten in Talk-Shows von 1966 erzählen oder vom New York vor knapp 60 Jahren.

Ab und an könnte er sich eine Medaille um den Hals hängen lassen und artig „Danke“ sagen, weil man ihn noch nicht vergessen hat.

In wenigen Wochen ist er im 77sten Lebensjahr.

Und wenn er mag, dann könnte er ein paar Gassenhauer aus den alten Zeiten spielen, vielleicht im Duett mit etwas hübschem Jungen mit langen Beinen wie Taylor Swift an seiner Seite.

Und wenn er in den Metropolen der Erde für 400€ pro Platz fünf Konzerte für jeweils 60 Minuten im Jahr spielen würde und das Publikum brav grüßte, der Erfolg wäre einfach und sicher.

Und genau das macht er eben nicht, der alte Herr.

Er spielt seit grob 30 Jahren mindestens 80 Konzerte rund um die Welt, gar in Viehauktionshallen oder in Lingen im Emsland

Er spricht nicht, er grüßt nicht, er dankt nicht, er stellt die Band nicht mehr vor, er arbeitet.

Die Band kennen sowieso alle.

Und er singt und umgarnt „Sinatra“-Songs aus dem Great American Songbook, weil er das so will. Er spielt auch kaum alte Lieder und wenn doch, dann gern bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Er bürstet sie gern gegen den Strich, das Publikum auch.

Dann scheint er beide zu lieben, im Geheimen.

Und er ist eben eines nicht:

Er ist immer noch kein „älterer Herr“.

Ein Dylan wird nicht zum „älteren Herren“.

Und es ist wie mit Helmut Schmidt so lange Zeit: Es ist einfach gut ….. wenn er da ist. Egal ob man seiner Meinung war oder nicht.

Und bei Dylan ist es mir auch fast egal, was er spielt.

Bei Schmidt reichte es schon, ihm beim Rauchen zuzusehen. Aber das Publikum, das brauchte auch er.
Zurück ins Leben:
Wer ist die in der Mitte im schwarzen Kleid neben dem Kommissar?

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„Without music all we’d have is noise.“

Saturday Night’s Alright For Fighting

*Saturday Night’s Alright For Fighting*
Natürlich bin ich verrückt.

Mein Kofferraum ist immer zu voll.

Zwei Boulespiele, Tennisschläger, Walking-Stöcke, Felgenreiniger und zwei Schuhkartons mit Musik, anders geht es nicht. Dazu eine Tüte mit einzelnen Handschuhen nach der Trennung vom Partner und ein noch zusammenlebendes Paar Hausschuhe.

Was in den Kisten ganz hinten ist, weiß ich nicht mehr, da kommt man nur von innen ran. Vermutlich sind das die Sachen für den Strand von 2015. Dass ich beim Sortierungsversuch dann insgesamt 12 Feuerzeuge fand, das darf ich der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, gar nicht sagen.

Ich habe auch mehrere 60cm hohe Stapel von Büchern vor dem Regal stehen, die mir beim Staubsaugen regelmäßig umkippen, und es ist so viel Musik da, dass man damit auch ein Studentenwohnheim gut bestücken könnte. Andererseits ist das ja mein Zimmer, da bin ich leider schwer zu überzeugen.

Natürlich ist das alles nicht übersichtlich sortiert, aber manches ist ja doppelt vorhanden und so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit des Findens um 100%, wenn es denn mal richtig pressiert bei einer Platte.

Ich würde das auch alles richtig schön aufräumen, wenn sie nicht immer so mitleidig neben den Bücherstapeln abstoppen würde und den Kopf wiegen oder schräg halten würde. Also meine Frau, nicht die kleine Hündin. Die will manchmal nur die sechs Stufen zum Schreibtisch hoch, wenn ich die Zeitungen weggelegt habe. Jetzt meine ich aber den Hund. Typisch Frau, oder?

Und so ähnlich geht es der Sabrina mit den örtlichen Regeln von ganz oben. Laut dem neuen Hundegesetz dieses Landes soll ‚ermittelbar‘ sein, wer der Halter ist. Gut und schön. Das Tier sei ja gechippt, trägt zusätzlich seine Steuermarke mit personifizierter Kennung. Weiterhin trägt er eine Tasso-Marke mit einer Notruftelefonnummer.

An sich sind drei ‚Ausweise‘ für einen kleinen Hund schon eine ganz schöne Schlepperei. Mein Auto hat ja nur zwei identische Kennzeichen, aber anderes zu schleppen.

Aber in *dieser* Stadt sollen angeblich bei Hunden jetzt der Name des Halters, Anschrift und Telefonnummer *lesbar* sein „ohne den Hund anfassen zu müssen“. Ist das nicht gegeben, werden bei Kontrollen Ordnungsgelder fällig.

Sabrina kommt da richtig in Wallung.

Das steht ihr ziemlich gut, dieses leicht Erregte wegen formaler Vorgaben. Mich beunruhigt das weniger als die etwaigen Kosten.

Ich habe schon versucht, den kleinen schwarzen Hund an einen Schleier am Schwanz mit eingestickten Daten zu gewöhnen, aber der schämt sich wegen der Farbgebung in Rosa und macht keinen Schritt mehr. Vielleicht befürchtet er auch damenhaft hässliche Flecken auf dem Kleidungsstück.

Frauen sind ja bei hellen Farben oft sensibel.

Das mit den Hundekontrollen ist im Stadtpark auch amüsant. Da werden zunächst Fotos des Halters und des frei laufenden Dackels gemacht, danach wird der Halter mit dem Beweisstück zur Ordnung gerufen. Also mir ist das ja nicht passiert obwohl mein Hund auch immer frei herumrennt. Mit Kaffee und Zigarette plus Handy ist so eine Leine nämlich extrem lästig.

Oder, anderes Beispiel:
Damen in Zivil, die den leinenlosen Hund lächelnd streicheln „… hach, ist der süüüüüüß“ … ziehen zwei Sekunden später den städtischen Ausweis und setzen ein Ordnungsgeld fest. Das hat mir der Ruben erzählt.

Der ist milder als sein Name hart klingt.

Leinenzwang.

Kann man gut finden, muss man aber nicht.
Da darf man sich auch mal richtig aufregen.
Ruben regt sich richtig dolle auf.

Ich will auch nicht meinen Namen und meine Mobilnummer lesbar am Hund haben, nachher denken die Leute noch, der Hund heiße „Martin“ und ich sei zu blöde zu erkennen, dass er ‚Martina‘ heißen müsste.
Jedenfalls war ich unsicherer Kantonist dann zu Besuch im Amt in der Abteilung Hundesteuer. Das ist eine recht ärmliche Behausung mit Sperrmüllmöblierung. Auch im Flur steht seit Monaten allerhand altes Zeug herum. Wenn da mal jemand stolpert, heidewitzka, dass kann richtig teuer werden.

Schade, ich hatte den Müll gesehen. Sabrina wäre vielleicht sogar absichtlich dagegengelaufen um denen da oben mal zu zeigen, was eine Harke ist. Mit ihr möchte ich ungern Ärger haben. Aber mit Ämtern eben auch nicht.

Aber die Dame im Amt kannte sich nicht so aus.

„Wir sind nur für die Steuer da. Da müssen Sie zu einem anderen Amt. Ich gebe Ihnen mal die Nummer.“

Seit zwei Tagen ist da niemand erreichbar.
Aber dann habe ich wenigstens etwas für Teil II.

Ich möchte einen Gesprächstermin zur rechtlichen Aufklärung vereinbaren. Nicht sofort, aber eine halbe Stunde im Büro, das wäre schon erbaulich.

Wer maßregelt, erntet gern viele Fragen.

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Also Namensschild, nein.

Ist ja nicht so, dass das jetzt auch bei Menschen bald kommt. Obwohl mich schon ein paar Mobilnummern von Zweibeinern interessieren würden, nur so für die Kontaktlust.

Mist, „Kontaktliste“, meinte ich.

Bevor das so weit kommt ….

Die Ira lebt zwar unter Künstlern doch fragt sie selten jemand wie es ihr geht, sagt sie. Das ist anders als im Süden, weil es Menschen im Norden eben meistens ziemlich gut geht solange sie nicht Fußballfans sind.

So ein Schild am Hals habe ich vorgeschlagen:
„Ich werde gern gefragt, wie es mir geht.“

Auch schön:
„Ich höre gern Lobendes über mein heutiges Outfit.“

Oder:
„Nicht lesen! Bitte lächeln Sie mich einfach an.“

Wenn das jetzt Gesetz wird, wäre das gar nicht so übel. Hoffentlich bekommen die vom Ordnungsamt dann auch Schilder.

Die haben nämlich keine, auch keine mit Namen und Mobilnummer.
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„Without music all we’d have is noise.“

Kanzlerin & Kanzler

*Kanzlerin & Kanzler*
Mit 40 kann man zum Bundespräsidenten gewählt werden und ich habe, so glaube ich, einmal gelesen, dass jeder „gläubige Katholik“ zum Papst gewählt werden kann. Jeder, der muss vorher auch nicht Kardinal gewesen sein. Also nur männlich und katholisch, das reicht. Auch Horst Seehofer könnte noch Papst werden.

„Horst I“, durchaus denkbar.

Der ist ja noch ziemlich jung im Vergleich.

Angenommen, da würde sich jetzt ein niedlicher, junger Katholik in Rom bis ganz nach oben schla …. nein, also so eine richtig flotte Karriere hinlegen, dann wäre das schon spannend. Der hätte ja noch vielleicht 60 oder 70 Jahre als Papst vor sich. So bis kurz vor 2090 oder so.

3 oder 4 Generationen würden nur einen einzigen Papst kennen, fast wie damals bei Helmut Kohl, der war für jüngere auch einfach da wie der Mond.

Kanzler kann man meines Wissens erst mit 18 Jahren werden.

Was würde eine junge Kanzlerin oder ein so junger Kanzler in seiner jugendlichen Regierungsmannschaft und mit seiner 51%-Partei denn ändern? Also ohne denselben Weitblick, den ein Älterer aufgrund seiner zurückgelegten Zeit automatisch mitbringt?

Erstmal zentrales Abitur für alle und die Lehrpläne ausmisten, dann Gras legalisieren und danach wäre vermutlich vieles so ähnlich wie heute, weil das Regieren eines Landes kein Ruderboot ist sondern eher so wie ein Ozeanriese.

Möglicherweise würde die oder der mehr auf die Umwelt achten aber sich nicht mit dem Trump-Interview im Playboy von 1990 beschäftigen wie es das Kanzleramt tat sondern beim ersten Treffen zunächst sagen „Donnie, damit wir was gemeinsam haben, rauchen wir erstmal ein Pfeifchen“.

Bei der Pressekonferenz würden die beiden kurz zugedröhnt abklatschen und im Nebenraum noch kichernd einen Schokopudding weglutschen. Das Schlimmste ist daran, dass das vielleicht sogar besser wäre als es vor einigen Tagen war.

Der Russe, der müsste ja auch ganz, ganz dringend mal was rauchen, damit er mal etwas gefühliger wird. Das kann ich nicht beurteilen, aber enthemmt grinsend sähe ich den lieber als halbnackt auf einem Hengst.
Erdogan, Putin und Trump, dazu noch Assad und der Vogel aus Nordkorea, die letzten beiden müssten auch gleich eine Druckbetankung mit Rauch bekommen. An sich verbietet es sich auch, die fünf hier nebeneinander zu stellen, aber in einer Raucherhöhle ginge das versuchsweise.

Und bei der nächsten Sitzung dann die nächsten Spinner aus den oberen Chargen. Es gibt ja noch mehr Kandidaten, überwiegend männlich, jedenfalls außerhalb Europas.

Natürlich alles auf Krankenschein, denn so richtig gesund scheint mir keiner von denen. Fast wie im richtigen Leben, da hat ja auch ein jeder eine kleine Macke.

Aber unter denen leiden nicht so viele andere.

Mir fällt zum Beispiel heute nichts ein.
Nicht so schlimm.

Ordnung

*Ordnung*

So, hier mal wieder etwas, wofür es keine „likes“ gibt.

„Likes“ werden eh überschätzt.

Die Bäckerei macht sonntags erst um 7 auf, ganz schön spät.

Gestern, da war es noch recht früh, auch beim Bäcker noch. Aber die Brötchen lagen nicht geschüttet wie sonst in der Auslage hinter dem Tresen. Sie lagen in Dreierreihen gestapelt exakt übereinander. Also nur die einfache Sorte, die mit Mohn beziehungsweise Sesam standen aufrecht, auch sauber in Reihen.

Frau R. und der mit der jungen mit dem güldenen, langen Haar war es sichtlich peinlich als ich das bemerkte und fragte, ob sie nicht das nächste Mal Bilder aus Brötchen legen könnten. Die Idee war bestimmt von der adretten Goldmarie.

„Uns war so langweilig“, haben sie entschuldigend gesagt. Ja, für Ordnung entschuldigen sich Leute fast öfter als für Unordnung.

Aber das hat nun mal Ordung gehabt und es war ein Bild wie für die Werbung und oft kommt man ja nicht zu dem, wie man es gern eigentlich möchte.

Das Ergebnis erfreut das Auge aber die Hände, die es tun müssten, sind schwach. Ist ja beim Aufräumen zuhause auch so.

So ähnlich war das früher in der Schule auch, also das mit der „Ordnung“, nicht das mit der Schwäche.

Also, wenn ich das nicht geschafft hatte, in der Pause die Tafel zu reinigen und eine neue, mir unbekannte Klasse kam rein, dann musste ich ja vor denen die Tafel putzen. Danach wussten die nämlich genau, wie das bei mir läuft.

Ein Schwamm für eine grüne Tafel!?

Pah, geht gar nicht. Damit verteilt man den Staub nur, nur echte Amateure verwenden Schwämme. Dass es in Schulen immer Schwämme gibt, ist ja logisch, die kaufen ja nicht die Lehrer. Die kommen so von oben wie die Lehrpläne und die neuen Ideen, die besser sind als die alten und von Leuten, die selten Tafeln wischen aber andere Ziele haben.

Mikrofasertuch für den ersten Gang!

Am besten sind die etwas dickeren für Fußböden, damit wird die Grundreinigung gemacht, am besten zweimal und das Tuch zwischendurch auswaschen. Dann mit einem guten Scheibenabzieher das restliche Wasser abziehen. Danach muss man an den Rändern nochmal kurz nachwischen, sonst rinnt da noch ein Tropfen hinab und zerstört das Gesamtbild. Abschließend die Auffangrinne abwischen und mit einem anderen Lappen die Tropfen vom Boden entfernen.

Danach Hände waschen und abtrocknen. Handtuch und Seife muss man selbst mitbringen, das gibt es meines Wissens nirgendwo. Tafeln werden ja auch nicht mehr von Reinigungsunternehmen geputzt und so sehen die dann eben auch aus.

Und wenn man dann als Lehrer von „Ordnung“ und „Einstellung“ faselt, aber so eine Dreckswand hinter sich hat, dann ist das so wie wenn Angie vor einem Abrissgebäude eine Regierungserklärung abgibt.

Uncool.

Am besten war dann, wenn irgendeiner ganz leise gegen Ende des Reinigungsprozesses „Scheiße“ gesagt hat, weil der schon ahnte, dass hier nicht nur die Tafel Anforderungen stellt. Die meisten haben aber so gegrinst und laut war es selten. Ich selbst sehe auch gern auf Baustellen zu, das ist recht entspannend.

Wenn man das nicht richtig kann, ist natürlich schon fast eine Stunde rum. Ansonsten ist das etwas Meditatives, besonders, wenn man noch nicht weiß, was man nach dem Wischen machen wollte. Es gibt neben der ‚Schwellenpädagogik‘ auch eine ‚Wischpädagogik‘ aber die wird es leider nie in ein Fachbuch schaffen.

Heute gibt es ja oft diese ‚Whiteboards‘, grau-en-haft.

Die sind viel schwerer vernünftig zu reinigen und zum Schreiben und Zeichnen sind die un-er-träg-lich. Ist aber modern, keine Ahnung, warum die sich so verbreiten. Ist so wie mit Schnupfen, will auch keiner, kriegen aber alle irgendwann.

Dann noch diese E-Boards, super. Klasse, vor allem, weil die so oft nicht funktionieren. Das ist der neuere Trend, so wie Hallenbäder in Dörfern in den 60er Jahren. Wenn der Mensch keine Ideen hat, waum etwas nicht läuft, dann setzt er gern auf mehr Technik. Sprachlabore waren auch mal so ein Trend, den ich nie verstanden habe. Hat auch immer gutes Geld gekostet, der Quatsch.

Wenn es hieß „heute gehen wir ins Sprachlabor“, dann war das immer witzig, weil irgendwas nicht funktionierte oder weil es im Kopfhörer immer einen kleinen Klick und ein Rauschen gab, wenn der Lehrer sich reinschaltete. Vorher konnte man so rumdösen, war super.
Eine Wandtafel geht übrigens noch seltener kaputt als man denkt.

Einmal hatte ich eine, lang her, mit einem Loch von 2cm Durchmesser. Da musste ich morgens immer eine Blume mitbringen, die hab ich da immer reingesteckt, damit man mit der Kreide nicht plötzlich um das Loch kurven muss. Das Loch ist bestimmt heute noch da.

Löcher sind fast so haltbar wie Steine.

Natürlich darf das keine grün lackierte Tafel aus Holz sein. Die muss eine etwas raue durchsichtige Plexiglasoberfläche vor einem dunkelgrünen Hintergrund haben und ein kaum sichtbares Raster von Punkten mit 5cm Abstand besitzen.

So geht Tafel.

Ich hatte die letzte in der ganzen Schule und hätte sie mit Waffen verteidigt gegen den Schmier mit den meist kaputten Stiften auf Weiß. Da schreibt man in groß wie auf Papier mit Stiften, geht aber nur selten gut aus. Und wenn einer wieder versehentlich den wasserfesten Edding zum Schreiben erwischt hat, dann kostet das mindestens eine Stunde. Die sind außen schwarz, die anderen weiß, kann man ja leicht verwechseln. Meistens sind die Kollegen dann einfach raus wie wenn sie am Kopierer einen Papierstau erzeugt hatten.

Das macht dann der nächste weg.

Außerdem habe ich den Eindruck, dass wenige weder vernünftig mit 8 Quadratmeter Schiebetafel noch mit 6 Quadratmeter Klapptafel richtig umgehen können. Man lernt ja meistens das Falsche. Aber wenn man bei einer Klapptafel mit *einer* aufgeklappten Seite anfängt, dann hat man zum Bespiel nach dem beiderseitigen Umklappen wieder volle drei Quadratmeter frei und rein.
Und man schreibt niemals über eine Kante oder so, damit das klar ist. Auf den inneren, mittleren zwei Quadratmetern kann man das machen. Ist aber trotzdem nicht praktisch für die Klappvorgänge.
Tafeln sind übrigens auf einen Meter Höhe genormt. Auch praktisch, so eine Ordnung.

Und keine eckige Kreide, bitte, die ist viel zu trocken, lässt sich schlecht in der Hand halten und bricht leicht. Ist aus Deutschland so wie diese Toilettenbecken, die sich nun auch langsam zurückziehen. Ihr wisst schon. Gibt es auch nur in Deutschland.

Die runden Kreidestücke aus Frankreich sind wesentlich besser. Natürlich auch in Farbe. Die französischen Farben sind nicht ganz so kräftig. Das ist aber nicht so schlimm, weil die nämlich preiswerter ist und leichter abzuwischen.

Ohne Farben macht „Tafel“ sowieso keinen Spaß.

Wobei „Spaß“ ungefähr ebenso oft überschätzt wird wie „Tafel“ unterschätzt wird.

Ja ja, ihr denkt wohl, dass irgendwann schon etwas kommt, was interessant oder amüsant ist, aber das ist eben wie Schule hier.

Durchbeißen.

Und etwas ‚Ordnung‘ war noch nie „amüsant“.

Dass die meisten Klassenräume auch aussehen wie Gefängniszellen zum Sitzen für viele Leute, ist auch blöd, aber wieder ein anderes Thema.

Rhonda in der Fabrik

*Rhonda in der Fabrik*
Schlicht ein netter Abend, nicht mehr, jedoch auch nicht weniger.

Sie, das ist die Sängerin.

Sie hat unendlich lange blonde Haare, wenn Unendlichkeit in Nabelhöhe endet, Scheitel fast mittig, die Haare seitlich nur etwas über Kinnlänge, also so wie das bei Heidi Klum jetzt öfter geschnitten wird. Fand ich zunächst ungut, man gewöhnt sich daran, ist ok.

Diese Jeans, kein Kommentar. Unten weit, oben hoch und der Gürtel im Niemandsland.

Hatten wir schon, geht gar nicht, auch nicht mit perfekter Figur. Abgewählt.

Der Pullover war quasi aufgemalt, quergestreift, als Tattoo wäre das gar nicht so leicht hinzugekommen, es war aber doch ein dünner Pullover. Gemalt kannst Du das nicht den Arm hochschieben.

So in in grün und braun, hatte ich auch mal in den Siebzigern. Heute wären meine Querstreifen aber nicht mehr parallel zum Ufer der Elbe wie bei ihr. Kleine Welle vom Lotsen bei ihr.

Keine Schaumkronen.

Ihre Stimme ist auch sehr gut. Manchmal kratzt sie etwas, also die Stimme. Ist sehr gut.

Die Backgroundsänger und die -sängerin hätte ich gern besser gesehen, aber hinten war es etwas dunkel und die Stimmen waren auch dunkel.

Soul von hinten war viel.

Der Schlagzeuger wie von der Volksbank, der am Bass wie von der Parkbank, die Gitarre wie vom Tatort-Imbiss mit Ballauf und Schenk und der am Keyboard eben von der Schule, der klimperte so rum. Vielleicht wiederholt der das Jahr, wäre ganz gut.

Der mit der Parkbank war gut.

„Retrosoul mit etwas Punk“, war so angekündigt.

Soul hab ich gehört, eine Kavallerie von Vorbildern, gut gemacht, aber ich finde die Supremes eben auch super. Und ein Tick James Brown wäre gut gewesen. Hätte gereicht, wenn er draußen im Regen vorbei gegangen wäre.

Sein Feuer. Oder ein Bic. Hitze. Fehlte.

„Es ist so toll, dass ihr da seid!“

„Es ist so schön, Hamburg! Zuhause!“

„Das ist ein Lied über die Liebe, ich sag‘ Euch das trotzdem. Die Liebe ist das Wichtigste.“

Weglassen.

Wär ganz gut.

Und wenn schon, dann bitte alles nur einmal und nicht noch zwei Wiederholungen. Liebe war nur einmal.

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, sagt dann immer: „Wenn Du nichts zu sagen hast, dann musst Du auch gar nicht sprechen.“

Sie war nicht da, aber bei ihr wäre es wohl durchgegangen. Unter Frauen geht mehr durch.

Die Leute schwankten so links-rechts zur Musik. Ab 35 ist das so. Und der Drummer war wirklich, wirklich furchtbar. Oben hörte man ihn weniger, aber da konnte man sie nicht sehen. Ohne den Pullover wäre ich früher gegangen.

War ganz gut.

Zelt zum Rauchen draußen wäre super.

Und wenn die Vorgruppe in dem Zelt spielt, kann man sich drinnen auch gut unterhalten. Die hatten so Batik-Kleider an. Wollte noch fragen, was die drunter tragen, habe mich aber anderweitig verbal betätigen können.

War ganz gut.

Perfektionismus

*Perfektionismus*
…. ist keine gute Sache, das Ergebnis ebenfalls selten. Für mich sind die wahren Künstler in dieser Hinsicht auch Vorbilder, denn der Künstler denkt zwar, doch ich glaube, dass er häufig, überbordend vor Ideen, den schnellen Abschluss sucht.

Oder ist das falsch?

Der mittlerweile alte Dylan kann das auch. Da klackern Jackenknöpfe millionenfach auf Platten und CDs gegen die Gitarre, aber das wird kein zweites Mal aufgenommen sondern so belassen.

Natürlich gibt es dann auch Ausfälle bei Künstlern, doch kennen wir die doch alle von uns selbst auch. Das Perfekte, auch im Äußerlichen, weckt nicht nur Sympathien, manchmal ängstigt es gar.

Jedenfalls haben es die Schönsten auch nicht leicht.

Und wenn ich hier so belanglos tippe, so denke ich, dass auch Langweiliges und Belangloses seine Berechtigung haben sollte. Langeweile war als Kind und Jugendlicher etwas ganz Wunderbares. Da konnte man sich mit einem Freund noch richtig gepflegt und stilvoll anöden. Das war fast wie ein ‚Powernapp‘ oder wie man das kurze Einnicken heute nennt.

Das ist ja öffentlich auch nicht so hoch angesehen. Alle sind gestresst, aber wehe einer nickt auf einer Bank kurz ein, dann wird der gleich zum „Penner“ gemacht oder man denkt, der sei betrunken … selbst wenn sein Anzug von Brioni ist.

Das „Anöden“ früher ging so:

„Na, auch keine Lust zu Schach?“

„Boah bloß nicht, viel zu anstrengend! Runde Kniffel?“

„Neeeee, kann grad keinen Lärm ab.“

Minutenlange Pause mit Blicken ins Leere.

„Können ja mal ne Platte auflegen ….“

„Oooch, nö, aufstehen kann ich jetzt nicht so gut. Mach‘ doch nicht so einen Vollstress hier.“

Und wenn man sich dann zuletzt mit „Lahmarsch“ ansprach, dann war das ein Kompliment!

So ein gepflegtes Nichtstun, das will nämlich auch gelernt sein.
Das konnte sich richtig ziehen, aber so blöd war das gar nicht, weil heute oft gleich ein Gesprächsthema auf den Tisch muss.

Oder Politisches. Oder ein „Aufreger“.

Muss gar nicht sein, manchmal ist es gar nicht so schlecht, einer Uhr beim Ticken zuzuschauen.

Elle & Lui

*Elle & Lui*
Margone ist ein neues Gesicht des Luxuslabels „Fay“. Sie heißt Polanski und ihre Mutter ist Emmanuelle Seigner. Ihr Freund ist der Sohn von Daniel Day-Lewis.

Woher ich das weiß?

Ich lese manchmal auch „Elle“. Sonst würde ich weder „Fay“ noch „Morgane“ kennen. Aber Roman und Emmanuelle sind mir geläufig und nur deshalb habe ich den Artikel gelesen.

Jedenfalls ist es schon ein Zeitsprung, den man macht, wenn die Tochter der jungen schaukelnden Schauspielerin aus „Der Himmel über Berlin“ plötzlich modelt und Filme macht und mit dem Sohn eines meiner Meinung nach jungen Schauspielers morgens frühstückt.

Nicht immer geht das ja gut aus mit den Kindern.

Simona Thomalla sah ich nie gern und verstand auch nie, warum die denn so bekannt ist oder war. Bei ihrer Tochter, die mir gern beim Erwerb von Zahnpasta bei Lidl zulächelt ist das anders, aber die spricht ja auch und dann muss man den Ton wegdrehen. Die wirkt nur auf Bildern. In Bewegung und mit Worten treten deutliche Verluste ein.

Bei vielen Schauspielern ist das genau anders herum, jedenfalls bei denen, die nicht in erster Linie von ihrer Optik leben sondern von ihrer Kunst. Martina Gedeck habe ich ja schon einmal dafür gepriesen.

Obwohl Martina auch gut aussieht. Allerdings würde ich sie morgens beim Bäcker vielleicht übersehen, was aber nun auch kein Makel ist.

Schließlich würde ich meinen eigenen Doppelgänger auch nicht mit besonderer Beachtung beschenken, wenn ich selbst nicht sein Zwilling wäre.

Und Jakob Dylan trägt auch einen großen Namen und ob dessen Kinder auch bald Musik machen, darauf bin ich schon gespannt.

„Ich trage einen großen Namen“ ist oft Last, aber ebenso häufig auch …. Eintrittskarte.

Nicht immer „läuft es“ wie bei Kirk und Michael Douglas, nicht immer wachsen Kindern große Flügel im gleichen „Business“, wenn die Väter Adler waren oder die Mütter Schwäne.

Und nun fallen mir spontan gar keine guten Beispiele ein.

John und Julian Lennon
Cliff und Pete Townsend
Ravi Shankar und Norah Jones

Aber ihr könnt ja selbst mal überlegen.

Der Schwarm ist immer intelligenter als der einzelne Fisch?

Immer?

How High The Moon

*How High The Moon*

Mir macht sein einiger Zeit die Frage Gedanken, weshalb der Mensch …. sammelt.

Da werden hunderte von Glocken an die Wohnzimmerlampe gehängt, Frösche bevölkern jedes Regal, Bierflaschen aus aller Welt haben ein eigenes Zimmer. Andere sollen ja soviel Musik anhäufen, dass sie 100 Jahre brauchen würden, um das ein einziges Mal anzuhören. Wieder andere sammeln Streichholzschachteln. Das Sammeln im Schuhregal würde ich nicht mitzählen, das hat andere Gründe.

Ich habe mal mit den kleinen Zuckertütchen und Würfelzucker angefangen, dann hatte ich auch Phasen mit Zigarettenschachteln, Briefmarken und 50 Pfennigstücken. Und Bob darf es immer noch sein.

Außerdem kann ich Murmeln nicht widerstehen, das ist aber noch nicht so, dass ich die in der Badewanne habe, später vielleicht. Das wäre aber gar keine schlechte Idee, nur darauf zu sitzen könnte unbequem werden. Fast wie Steine, hach, die habe ich auch mal gesammelt.

Ist das ein Trieb, das Sammeln?
Neigen Männer eher zum Sammeln als Frauen?

Chris hat mal mit seinen ganzen Freundinnen versucht, das Alphabet voll zu bekommen, aber das hat nie ganz geklappt, weil er Lücken bei „Q‘ und „X“ irgendwie nicht schließen konnte und dann hat er auf Länder umgestellt. Dabei habe ich ihn dann aus den Augen verloren. Heute gibt es ja wegen der ganzen Separatisten immer wieder neue Länder und ich weiß nicht, ob er jetzt mit 60 Jahren immer noch an seiner ‚Sammlung‘ arbeitet oder ob er auf Muscheln umgestiegen ist.

Andererseits war das alphabetische Vorgehen vielleicht klüger, weil eine unvollständige Sammlung meist glücklicher macht als ein Abschluss des Sammelns.

Sammelt man beim Sammeln auch die „Zeit“?
Ist das Sammeln eine meditative Tätigkeit?
Oder ist es so schön, weil es keinen Sinn außer dem „Mehr“ hat? Mehr … desselben?

Viele Fragen.
Keine Antworten?