Billy The Kid

*Billy The Kid*

In einem Radio-Interview um den letzten Jahreswechsel herum hat irgendein Psychologe empfohlen, dass man seinen „inneren Schweinehund“ nicht so nennen soll.

Man solle ihn quasi „umarmen“, „annehmen“, sich zum „Freund machen“ und ihn zum Beispiel auf den Namen „Limbi“ taufen, irgendwas mit dem limbischen System, weiß der Geier, woran er gedacht hat.

Sicher eine niedliche Idee, aber ich habe „Limbi“ bei Facebook gesucht, konnte ihn aber nicht finden, Freundschaft ist dann schwierig. Außerdem könnte man dabei ja auch den Schweinehund von einem anderen erwischen und meiner ist schon ein wenig speziell. Ich glaube, dass alle Schweinehunde speziell und auch Mischlinge sind.

Ich kann mir gut vorstellen, wie Limbi im Ohr des Psychologen hockt und leise schmachtend sagt:

„Nein, mein Manfred, wir haben doch abgemacht, dass Du nicht mehr rauchen willst!“

Und Psychologe Manfred denkt dann:

„Mach Dich vom Acker, Limbi, Du bist für die Patienten zuständig!“
Mein Limbi lässt sich manchmal einfach nicht überwinden und das gilt insbesondere für das Zusammenleben mit einem kleinen, aber oft entscheidenden Anteil meiner Mitmenschen.

Mein Limbii hindert mich nämlich daran zu sagen, was gesagt werden müsste.

A. Der negative Mensch

Ist Carolina gerade mit 40 Jahren und dem dritten Kind schwanger geworden, sagt ihre Bekannte am Tisch:

„Mein Gott, mit 40! Bist Du denn wahnsinnig, musste das denn sein? Was das kostet!“

B. Der Vollschwallerer

Ein anderer steht in der Bücherei plötzlich neben mir während ich ein Buch lese und schwallert mich damit ohne Einleitung zu, dass er vor einer Stunde Nudeln mit einer Pilzsoße gegessen hat. Die Zubereitung der Nudeln kannte ich aber von den 10 Minuten von vor zwei Wochen. Auch, wo ich das alles in Bio-Qualität bekomme, hat sich nicht verändert.
Und dann muss ich nach 5 Minuten den letzten Satz nochmal lesen, ich mag Nudeln mit Pilzsoße gar nicht und das habe ich vor zwei Wochen auch schon gesagt.

C. Die taube Nuss

„Na, alles klar? Was hast Du denn gestern gemacht?“

„Beerdigung, ein trauriger Tag. Mir geht es heute nicht gut.“

„Ja ja, klar. Ich war ja gestern zum Laufen am Strand, muss ja fit bleiben, haha, das war so toll bei dem Wetter. Meine Strecke ist die beste hier an der Küste … “

Dann folgen noch der exakte Streckenverlauf und die gelaufene Zeit.
D. Der Stichwortsurfer

„Und? Na, wieder da? Ich war eben bei Karstadt, das war toll!“

„Warum? Was hast Du gekauft?“

„Da waren Unterhosen im Angebot, ich finde diese halbkurzen so super, stehen mir auch so gut. Habe ja ne richtig gute Figur für mein Alter. Mein Alter schätzen ja alle um 10 Jahre falsch, aber ich tue ja was dafür. Von nix kommt nix, oder? Stimmt doch. Tja, und Du? Was vor heute?“

„Ja, muss noch arbeiten und heute Abend will ich zu einem Konzert, das ist dann meine Belohnung.“

„Hach, Konzert, ja, muss nicht, ich gehe ja lieber ins Kino, letzte Woche, der war super, den musst Du auch sehen. Wie hieß der nochmal, na, mit der Dings, der blonden. Na, egal, aber bald kommt ja auch der über die Frau von Kennedy raus, nee, den seh´ ich mir nicht an, kommt ja dann später im Fernsehen. Und natürlich Nachos und Cola … haha, voll lecker. Ich hol´ mir mal ein Bier.“

Mit dem Bier:

„So ein Bier am Morgen, das ist zwar nicht so angesehen, aber lecker. Auch ´n Bier?“

„Du, ich sitze hier seit Jahren und habe noch nie Bier getrunken. Heute ist nicht der Tag, das zu ändern.“

„Ich werde jetzt aber was ändern, vielleicht fange ich noch ein Studium an, Betty hat das auch gemacht. Ich könnte ja viele verschiedene Fächer studieren, aber ich denke mal, das ich mit Jura gut was anfangen kann. Juristen braucht man ja immer und ich sitze auch gern mal. Könnte auch umziehen, neue Stadt und so. Ja, ich muss dann auch bald weiter, noch einkaufen, dann noch ne Runde mit dem Rad, tut mir gut, obwohl jetzt nach dem Bier, nee, ich leg´mich noch kurz hin, dann noch ein paar Folgen auf Netflix, voll geil, Netflix.“

„Du, ich geh´mal eine draußen rauchen, bis gleich.“

„Ja, da komm ich mit, Bier schmeckt ja draußen noch besser, ich bin auch voll gern draußen, gehe ja auch viel um die Stadt und so. Zu Fuß gehen ist schon eine feine Sache, Auto muss nicht sein, ich hab´ ja mein Rad, das ist richtig gut, war aber eben auch teuer, aber ich kaufe lieber etwas richtig Gutes, und nicht so einen billigen Schrott. Das Bier hier könnte auch billiger sein.“

Das ist jetzt eine Kurzfassung.

Es gibt noch mehr Typen, aber mein Limbi hindert mich, einfach zu sagen, was ich denke.
A. „Wann hast Du eigentlich das letzte Mal etwas Positives von Deinen Stimmbändern gelassen?“

B. „Weiß ich, hast Du mir vor zwei Wochen schon erzählt. Andere Nudeln, gleiche Soße. Ich lese. Tschüß.“

C. „Halt´s Maul.“

D. „Du, hier sind 50 Cent, erzähl´ das einer Parkuhr.“
Aber ich will ja nicht irgendwann erschossen werden wie Billy The Kid und deshalb sage ich nichts.

Aber andererseits verliere ich vorher so viel Lebenszeit, dass sich unfreundlich zu sein vielleicht doch rechnen könnte.
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„To me, the award is like pinning a medal on Mount Everest for being the highest mountain.“

Leonard Cohen about Dylan getting the Nobel Prize for literature

Geheimnisse

*Geheimnisse*

Ich glaube, dass jeder Mensch kleine Geheimnisse hat und das ist auch gut so. Manchmal jedoch ist es kein Fehler, eines aus dem geheimen Bottich auszugießen.

Heute früh hat Sabrina nämlich einen To-Go-Kaffeebecher aus Porzellan gekauft und sie hat gesagt, dass sie so gern an dem weichen Gummideckel nuckelt. Das hatte ich noch nicht versucht, ich mag lieber eine offene Tasse oder einen großen Becher, bei dem der Kaffee den Himmel sehen kann. Man selbst schläft ja auch selten mit dem Kopf unter einer Decke und wenn, dann ist das kein gutes Zeichen.

Mich hat ihr Satz über den Gummideckel aber 45 Jahre zurückgeschickt. Damals las ich die ersten Karl May-Bände auf einem schwarzen Ledersofa mit einer Kamelhaardecke über den Füßen. Jedenfalls tat die Decke farblich so als käme sie aus der Wüste. Füße hatte sie nicht.

Und bevor ich mich dort platzierte, kochte ich mir einen heißen Kakao und füllte ihn in die hohe Glasflasche. Dann musste nur noch der Nuckel aufgesetzt werden und Old Shatterhand konnte sich weiter mit Old Wabble auseinandersetzen.

Das mit der Nuckelflasche habe ich nicht mal meinen Eltern erzählt, das wäre fast so peinlich wie heute hätte ich bis gestern gedacht.

Aber Sabrina hat nur kurz gelächelt und dann den Akupunkturpunkt im Oberkiefer erwähnt, den kennt sie vom Yoga, hat sie gesagt und deshalb beruhige das Nuckeln. Das kennt man ja von den Kleinen.

Das fand ich interessant.

Vielleicht kauft Ihr Euch ja auch mal eine.

Ob Kaffee auch aus einer Nuckelflasche schmeckt?

Verbote

*Verbote*
Irgendwie macht es auch Spaß, sich mal für einen ganzen Tag an alle Regeln zu halten, die einem so einfallen. Gesund essen, nicht rauchen und nicht zu schnell fahren, nicht fluchen und überall Türen aufhalten, bis der Arm lahm ist.

Aber schöner ist das Abreißen eines Lego-Hauses schon früher gewesen. Und deshalb hat man auch mehr klammheimliche Freude daran, Regeln nicht einzuhalten. Oder so ähnlich eben.

Jedenfalls haben die hier in der Stadt jetzt so eine Art mobilen Blitzerpanzer im Einsatz. Der fällt ungefähr so auf wie wenn die Enterprise am Straßenrand parkt.

Alle 6 Tage parkt Captain Kirk das Ding an anderer Stelle. Der Witz ist, dass die damit jede Woche mehrere Hundert zu schnelle Autofahrer erwischen.

Sind die eigentlich … blind?

Oder machen die das mit Absicht, um zu sehen, ob das Ding wirklich blitzt oder ob das eine Attrappe ist?

Es gibt hier auch einen dunkelblauen ‚Roomster‘ in der Stadt, da sitzen immer zwei Männer mit Sonnenbrillen drin und blitzen. Die sind total cool.
Andererseits kenne ich den ‚Roomster‘ und scanne routinemäßig den Straßenrand nach dunkelblauen ‚Roomstern‘ ab …. obwohl ich den Tempomat grundsätzlich auf 57km/h stelle. Das sind reale 53km/h und das liegt innerhalb der Toleranz. Ich könnte auch auf 54 stellen, aber dann würden die Sonnenbrillentypen mich für eine mutlose Lusche halten.

Die stehen ja meist an breiten Straßen auf denen man theoretisch auch 70 fahren könnte und auf denen ich noch nie Radfahrer oder Fußgänger sichtete.

Und es ist bei Karoline Herfurth auch ähnlich.
Die Karoline hat nämlich mal so einen „Hello Kitty“-Stift in einem Kaufhaus geklaut und hatte ein Jahr Hausverbot. Das ist aber schon ziemlich lange her, da war die nämlich ein Kind. Das finde ich aber gar nicht so interessant an ihrer Geschichte sondern eher, warum sie so oft nach der Schule in diesem Kaufhaus gewesen ist. Die Herfurths hatten nämlich zuhause keinen Fernseher und sie ist dann immer zum Gucken in das Warenhaus gegangen.

Ob Kinder, die zuhause kerngesund ernährt werden, sich ebenso nach Coca Cola, Pommes und fiesen Zuckerstangen sehnen? Ich vermute es.

Und weil ich vermute, dass die Leute bei diesem Blitzer zu unaufmerksam sind, habe ich vor 45 Minuten den alten Pfennig, der mir kürzlich vor den Füßen auffiel, vor dem Eingang dieses Cafés plaziert, mitten auf dem Gehweg. Und jetzt sind schon mehr als 150 Leute vorbeigegangen und keiner hat den Glückspfennig gesehen.

Das ist irgendwie schade, oder?

Intelligenz

Intelligenz

Kürzlich habe ich einen Artikel im Internet gelesen. Der war recht interessant, aber auch ziemlich frustrierend.

Ich kann den nicht finden.

Früher wusste ich immer, ob ein Artikel rechts oder links oder oben oder unten in einer Zeitung stand. Dann konnte ich den Stapel zügig durchgehen und meistens habe ich ihn dann gefunden. Wenn nicht, dann fanden sich auch andere gute Artikel.

Im Internet ist der Stapel aber ziemlich fett und man findet beim Wiedersuchen weniger Interessantes als Schrott.

Aber vielleicht bin ich auch zu blöd zum Suchen.

Jedenfalls war das Ergebnis des Artikels, den ich nicht wiederfinden kann, dass ich an sich nicht intelligent sondern eher blöd bin.

Das lese ich gern zweimal, logisch, denn einem Intelligenten würde das einmalige Lesen reichen.

Wer besonders intelligent ist, soll nach besagter Studie, die in dem Artikel vom Display zitiert wurde, etwas „chaotisch“ sein, „unordentlicher“ als andere und „weniger soziale Kontakte“ haben als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Außerdem „fluchen intelligente Menschen mehr als andere“, so sinngemäß die Aussage des Artikels.

Ich fluche nur ganz, ganz selten.

Bin ich dann nicht intellligent?

Die meisten Menschen tendieren ja dazu, lieber intelligent sein zu wollen, ich bislang auch.

Bin ich also …. blöd, wenn ich nicht fluche oder ist die Umkehrung der Aussage notwendigerweise falsch?

Kommt mir jetzt bitte nicht mit Logik!

Auch die Aussage über die geringere Anzahl sozialer Kontakte bei Menschen mit höherem Intelligenzquotienten ist mir aufgestoßen. Eigentlich kenne ich nämlich gar nicht so wenige Menschen. Früher kannte ich mehr, das stimmt schon.

Soziale Kontakte machen ja irgendwie glücklicher als Einsamkeit, so denkt man sich das ja.

Wegen des Hundes sind jedoch im letzten Jahr die Hundebesitzer bei mir dazugestoßen, das ist meist recht nett.

Ist es dann richtig, wenn man sagt, dass Menschen mit Hunden weniger intelligent sind als solche mit Katzen, weil man mit Hund beim Ausführen mehr soziale Kontakte als mit Katze hat?

Politiker zum Beispiel dürften bei der Anzahl der Sozialkontakte relativ weit oben liegen. Und die fluchen auch nicht so oft öffentlich.

Da reicht ja ein stiller Stinkefinger in Schwarz-Weiß aus, um eine Karriere zu beenden.

Das mit der „Unordnung“ scheint das einzige zu sein, was mir noch eine Restintelligenz bescheinigt.

Aber wenn ich mir den Schreibtisch von Donald Trump ansehe und seine krude Wortwahl, dann müssten die Amerikaner einen ziemlich intelligenten Präsidenten gewählt haben.

Vor allem auch deshalb, weil der echt wenige Menschen kennen würde, wenn der jetzt zum Beispiel im Hafen von New York arbeiten würde und dadurch weniger Geld hätte.

Und ich weiß immer noch nicht, wo ich das gelesen habe. Der Artikel war sehr sauber strukturiert, gar nicht unordentlich.

Es kamen auch keine Schimpfwörter darin vor. Der war von einem Journalisten auch nicht allein verfasst worden.

Einsam war der nicht.

Ob der Verfasser über sich auch so nachdenkt wie seine Leser über sich, das weiß man nicht.

Modefragen und -antworten

*Modefragen und -antworten*

Es ist natürlich wie das Tragen von Eulen nach Athen, wenn ich jetzt von männlicher Seite ein paar „Ratschläge“ für Frauen in Modefragen gebe.

„Ratschläge sind auch … Schläge“, sagt man ja, aber ihr haltet das schon aus. 😉

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, hat zum Beispiel sehr schönes, aber auch feines Haar. Seit 25 Jahren erlebe ich Fön, manchmal Wickler und immer Haarspray. Das Haarspray setzt sich im Bad ab und klebt. Muss nicht sein. Auch nicht optisch.

Jedenfalls genügen ein nordischer seitlicher Windstoß oder 5 Tropfen Regen von oben und das Fönwerk ist „hin“ wie sie sagt. Ich hingegen meine, dass das Lockere besser aussieht als das gedrechselte Werk auf dem Kopf.

Eine Frau, die direkt vom Frisör kommt, sieht für mich oft nicht so gut aus wie auf dem Weg dorthin. Es geht jetzt nicht um den Schnitt sondern um das Fönwerk.

Das erste, was *ich* tue, wenn ich vom Frisör komme ist …. die Haare nochmal waschen.

Zurück zur Natur. 🙂

„Getüdel“ ist generell nicht das, was ich gern sehe.

„Kleidungstechnisch“ sind halbhohe Stiefel mit kleinem Absatz, Jeans und T-Shirt kaum schlagbar.

Und bitte, bitte zieht einen Gürtel in die Jeans, die derzeitige Mode, keinen zu tragen, lässt Euch auf ein wesentliches Accessoire verzichten.

Jeans ohne Gürtel, das ist wie ein Auto ohne Räder.

Abendkleider, Brautkleider, Ballkleider, das gemahnt zwar an Kostümfilme und Märchenfee, aber ein „Kleines Schwarzes“ passt zu deutlich mehr Gelegenheiten und es sieht auch noch besser aus als alles aus Baisermasse.

Und bitte nicht so viel Schminke, ihr seht doch sowieso gut aus, da habt ihr es nicht nötig, eine Malerwerkstatt aufzubauen. Die größte Sünde sind schwarze Balken über den Augen. Die überlassen wir den Fotos von Verdächtigen.

Ich könnte jetzt ziemlich viele Frauen nennen, die meistens perfekt aussehen, aber das lasse ich mal lieber. Ich könnte nämlich eine vergessen und dann ist die voll sauer. Das Risiko ist mir zu groß.

Kurz:

„Weniger ist oft mehr“, auch in Modefragen.

Das „Weniger“ verstehen die Männer jetzt wieder absichtlich falsch. 🙂

Am Wochenende hatte es mich zufällig und trotz meiner vielen Jahre zu einer Studentenparty in der entfernten Stadt verschlagen, da konnte man die angemessene Wahl von Kleidung gut beobachten.

Preiswert, schlicht, … aber mit Stil.
Und Stil ist keine Frage des Preises.

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https://maddin61.wordpress.com/

Time Out Of Time

*Time Out Of Time*
Wir, das ist eine Runde von lesenden Menschen und wir waren dieses Mal bei ihr, bei F-Punkt.
Ich war vorher noch nie bei F-Punkt.
F-Punkt schafft es, in derselben Zeit dreimal so viele Silben unterzubringen wie ein schnell sprechender Mann, der ein Fußballspiel kommentiert, das mit unzähligen Pässen schnell abläuft.
F-Punkt würde in derselben Zeit jeweils das Geburtsdatum des Spielers am Ball nennen sowie die Vornamen der Spielerfrauen.
Vermutlich würde sie während der Ball in der Luft ist, auch noch die Spielerfrauenfrisuren beschreiben.
„Spielerfrau“ ist ein richtig blödes Wort.
„Modelmann“ meint ja auch nicht den Mann eines weiblichen Models. Und Muttis Mann wird von keinem „Kanzlerinmann“ genannt.
… das würde man auch zu leicht mit „Kanzlerin, … Mann!“ verwechseln.
Das „F“ habe ich auch nur wegen ihrer Haare genommen. Ich finde Haare generell wichtiger als Geburtsdaten.
Sie spricht in vollständigen Sätzen und mit mehr Gehalt als ein Fußballreporter. Also mehr Inhalt, nicht mehr Geld, nicht, dass ihr das jetzt falsch versteht.
Ich hatte den Text der Leserunde nämlich nicht gelesen.
Aber manchmal reicht es ja, wenn man etwas „wirklich ehrlich eigentlich wollte“.
Also, man könnte jetzt vermuten, dass jemand, der so schnell spricht, es irgendwie eilig hat oder möglichst schnell alles gesagt haben will.
Das ist ja insbesondere bei Anwesenheit von Männern wichtig, weil die gern an den falschen Stellen die richtigen Zwischenfragen stellen.
Aber wenn ein Fluss schnell fließt und viel gehaltvolle Masse transportiert, starten auch Männer selten verbale Ruderboote am Ufer.
Ich tauche nicht mal einen Fuß ins Nass, ich warte auf die Trockenzeit.
Jedenfalls war jetzt für mich besonders überraschend, dass in der ganzen Wohnung von F-Punkt alle Uhren verschiedene Uhrzeiten anzeigten.
Die auf dem Esstisch stand auf kurz vor 12, die an der Wand hatte irgendeine Sommerzeit und die in der Küche wusste gar nicht mehr, was das ist, eine „Uhrzeit“.
Es fehlte eigentlich nur noch eine Uhr ohne Zeiger.
Sie könnte auch überall farbige Kreise aufhängen und in Großbuchstaben „UHR“ draufschreiben, das würde mich weniger irritieren.

Fahrt mal mit einem Auto bei dem der Tachometer im Stand 200 anzeigt und bei tatsächlichen 50km/h in der Stadt 150!

Da würdet ihr auch sofort drei Packungen Taschentücher vor die Anzeige im Cockpit legen.
Männer verstehen Beispiele mit Autos oft besser, für Frauen hätte ich das gar nicht schreiben müssen.
Aber als Gast kann man nicht um Handtücher bitten und die ganzen fehlgeleiteten Uhren zuhängen.
Außerdem hat sich die Wohnung ja nicht bewegt wie ein Auto, das ist schon richtig.
Aber auch an festem Ort sind verschiedene Anzeigen stehender Uhren gewöhnungsbedürftig.
Mancher wünscht sich das ewige Leben, aber mich machen schon stehende Uhren verrückt.
Mich selbst machte es ja schon wahnsinnig, wenn ich versuchte, das mit der Sommerzeit zu boykottieren indem ich meine Uhren nicht umstellte.
Das ist gar nicht so einfach, weil man das ab und zu vergisst und ich musste das Experiment nach einigen Wochen abbrechen.
Zu anstrengend.
Ohne Armbanduhr zu leben, fand ich 30 Jahre lang gar nicht schwierig.
Die erste, die ich trug, brauchte ich nämlich erst als Lehrer in der Schule wegen des 45-Minuten-Taktes. Man hat ohne Uhr am Arm ein deutlich besseres Zeitgefühl, glaube ich. Aber sekundengenau wie die Schulklingel ist mein Gefühl nicht.
Mit der Verwendung eines Navigationsgerätes ist mein Orientierungssinn auch quasi temporär amputiert.
Das ist fast dasselbe.
Mehr Technik heißt oft … weniger Gefühl und Orientierung.
Wenn man eine Uhr benutzen muss, dann ist das wie der Verlust der zeitlichen Unschuld.
Nach der ersten Woche Unterricht wusste ich, dass das ohne nicht geht. Aber so eine Eieruhr ist auch blöd. Dann klingelt es nämlich zweimal, einmal für die Eier und einmal von der Schule.
Uhren, die sind ein Ärgernis, obwohl die aus organisatorischen Gründen praktisch sind.
Aber Winnetou hatte auch keine Armbanduhr und der war immer pünktlich. Jesus auch, jedenfalls steht nirgendwo, dass der oft zu spät kam. Aber andererseits haben die auf den ja vor seiner Geburt schon genug gewartet.
Die Zeit mag eine göttliche Gabe sein, wenn es denn einen gibt, aber Uhren, …. die wurden in der Hölle gemacht.
„F-Punkt hat mehr Uhren als Zeit“, habe ich zuerst gedacht.
Aber wenn die alle stehen, dann ist an sich noch Zeit, denn „Als Gott die Zeit schuf, machte er genug davon“.

Barbie

*Barbie*
Nein, sie ist keine Barbie, aber sie hat vor einigen Wochen etwas Bemerkenswertes gesagt, und sie ist nicht die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte.

„Sonntag ist wie Beerdigung“, hat sie gesagt.

Das hatte ich nicht verstanden.

Daran musste ich gerade denken obwohl erst Samstag ist, weil mir wieder ein Auto mit meinen Initialen im Kennzeichen entgegenkam.

Ich glaube ja nicht an Horoskope und Zeichen von oben, aber in meinen jungen Jahren glaubte ich an Weissagungen von Autokennzeichen.

Wenn also meinen Initialen eine zweistellige Zahl folgte, dann nahm ich diese Zahl als Vorhersage des Alters, das ich mal erreichen würde.

Das ist jetzt doch etwas wie Beerdigung am Sonntag, fällt mir gerade auf. Morbide sind beide Gedanken. Jedenfalls bin ich damit nicht ganz allein, mit dem Morbiden.

Mittlerweile liegen die meisten Kennzeichen schon hinter meinem erreichten Alter und dann ist das wie eine kleine Erfolgsbilanz. Und wenn Ihr Euch zufällig ein Kennzeichen mit meinen Initialen aussucht, dann weiß ich gar nicht, ob ich Euch bitten würde, so eine relativ hohe zweistellige Zahl wie die ’99‘ zu nehmen.

61 fände ich allerdings auch gerade blöd.

Darüber wollte ich nicht schreiben.
Der mit dem Kennzeichen hätte wirklich eine andere Strecke nehmen können!

–

Also es ist so, dass man manchmal etwas preiswert sieht, was zum Beispiel von 19,99€ auf 5€ reduziert ist. Leider kaufe ich das dann oft, weil ich „gefühlt“ hinterher 15€ mehr in der Tasche habe.

Aber erstens sind es real 5€ weniger als vorher und zweitens wusste ich vorher oft gar nicht, dass ich das Produkt im Wert von 19,99€ überhaupt brauchte.

Sicher bin ich der einzige Mensch in Europa, dem das so geht, bitte nicht lachen. Aber ihr lacht ja gar nicht, denn es ist Euch doch auch schon passiert!

Ich hoffe nämlich auf Absolution.

Ich habe mir nämlich bei Karstadt für nur 5€ „Summer“ gekauft. Vielleicht war mir kalt und ich brauchte etwas Sommerliches?

„Summer“, das ist nämlich eine Barbie im rosa Kleidchen und die macht sich gerade gut im Heckfenster der spießigen Limousine. Besser als eine Klorolle ist sie allemal. Und auch schlanker. Eine Rolle Toilettenpapier ist ja optisch ein wenig adipös. Toilettenpapier mit Taille würde ich hübscher finden, aber mich fragt ja keiner nach meinen Vorlieben.

Ehrlich gesagt hatte ich mir so eine Barbie noch nie *richtig* angesehen. Besonders gesund sieht die nicht aus. Es ist unfassbar, wie dürr diese Ärmchen sind, fast wie Streichhölzer für den Kamin. Dagegen ist eine Rolle Toilettenpapier figürlich gesünder, also wenn nur noch ein paar Blätter auf der Rolle sind.

Und eigentlich wollte ich den Oberarmumfang von „Summer“ messen, aber jetzt fällt eben mir ein, dass ich schon eine Barbie hatte. Die habe ich nämlich einmal bei einer Abiturentlassungsfeier bekommen.

Da hatten die Schüler den Ball aufgezogen wie eine Verleihung der Oscars in den USA und vielen Lehrer wurden dann ‚Oscars‘ überreicht. Das waren golden angesprühte Barbiepuppen auf schwarzen Halbkugeln aus Styropor, eine sehr nette Idee.

Auf den Sockeln stand dann, hier nur in der männlichen Form genannt:

„Der Engagierteste“
„Der Hektischste“
„Der Faulste“
„Der Lustigste“
„Der Lauteste“
„Der Nervigste“
„Der Unpünktlichste“
„Der Verplanteste“
„Der Liebste“
„Der Härteste“

Kurze Geschichten erklärten die Preisvergabe auf amüsante Weise.

Am besten fährt man als Lehrer dabei, wenn man gar keinen Preis bekommt, ebenso, wenn man in der Schülerzeitung nicht erwähnt wird.

Ein negativer Preis führt zu Gelächter im Kollegium und peinlich ist es auch, wenn man vor 500 Gästen auf der Bühne zum Beispiel eine Trophäe als „Der Faulste“ bekommt.

Aber wenn man einen *positiven* Preis bekommt, dann ist das „in the long run“ noch schlimmer, glaube ich.

Das Motto ist immer:
„Schüler kommen und gehen, Kollegen bleiben.“

Und ich messe den Oberarmumfang von „Summer“ doch noch, versprochen. Dann könnt ihr ja mal mit Eurem Oberarm und dem Größenverhältnis vergleichen.

Da ist es schon gut, dass „Ken“ nicht für 5€ im Angebot war.

Oder, …. Jungs? 🙂

Wir vergleichen uns ja auch so gern.

„Wer Jogging-Hosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“

*“Wer Jogging-Hosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“*

Das ist natürlich ein Satz für die Ewigkeit.

Karl Lagerfeld.

Wenn jemand eine Definition für „Unterhaltung“ haben wollen würde, ich würde vielleicht nur mit seinem Namen antworten.

Und kürzlich habe ich mir bei Aldi von der Resterampe eine wunderbare schwarze Jogging-Hose gekauft.

„5€ kann man in einen Kontrollverlust schon mal investieren“, habe ich gedacht.

In der Regel können Verluste an Kontrolle ganz schön ins Geld gehen, aber dieser fließende, dünne schwarze Stoff, der umspielt die Knie so leicht, so locker, das man sich wirklich so fühlt als bräuchte man nicht mehr Kontrolle unter dieser Hose.

Natürlich würde ich damit nicht mit dem Hund rausgehen, nicht mal morgens um 5. Aber heimlich ist das recht schön.
–

Unser ‚alter‘ Bürgermeister sieht immer gut aus und für seine Körpergröße mache ich ihn auch nicht verantwortlich. Der hat bestimmt keine weichen Jogging-Hosen obwohl ihm die schwarzen Hosen und der schwarze, weite Mantel unter dem langen, gelockten, grauen Haar, das das solariumgebräunte, markante Gesicht umspielt, … gut stehen.

Das waren echt viele Adjektive, zugegeben.

Der geht immer durch die Fußgängerzone und wir grüßen uns, ich glaube, dass das so ist, weil mein Hund schwarz ist und ich auch, also von den Klamotten her, und weil ich diese sonore Stimme so gern höre.

„Guten Morgen“, sagt der nämlich noch.

Außerdem wird der gar nicht so oft gegrüßt, wie man denken könnte. Der freut sich nämlich irgendwie, wenn er gegrüßt wird. Als Bürgermeister kann man auch nicht als Erster grüßen, das wäre ja schon morgens Vollstress.

So früh ist der gar nicht auf dem Weg ins Rathaus, der geht da erst hin, wenn ich schon dreieinhalb Stunden wach bin.

Aber vielleicht joggt der ja am Morgen im Park der Stadt oder er geht vorher ins Sonnenstudio. Karl geht bestimmt nicht in Sonnenstudios. Sonnenstudio, das ist auch irgendwie „80er“. Karl nimmt ja immer sein Kissen mit ins Flugzeug und der würde ‚halt‘ nicht wissen, wohin mit dem Kissen auf der Sonnenbank. Und deshalb geht der da nicht hin.

Vielleicht auch wegen der anderen Leute. Der ist ja so reinlich, dass er seine Unterwäsche immer nur einmal trägt und dann wegwirft.

–

Viel öfter als der Bürgermeister wird „Ali“ gegrüßt. Ali fegt und reinigt seit vermutlich mehr als 20 Jahren die Fußgängerzone und ist hier ungefähr so bekannt wie Willy Brandt, Günter Grass und Thomas Mann zusammen.

Und Ali wird noch bekannter, weil die anderen ja gar nicht mehr leben.

Ali heißt auch gar nicht „Ali“, aber alle nennen ihn so. Ich habe ihn mal gefragt, ob er wirklich so heißt, aber er hat gesagt, dass ich ruhig „Ali“ sagen kann, weil er das gewohnt ist. Und deshalb habe ich seinen richtigen Namen wieder vergessen.

Und Ali kann eben auch nicht zuerst grüßen, sonst kommt der keine Platte weiter.

Und den habe ich noch nie mit schlechter Laune erlebt. Nicht mal bei Regen.

Und hier regnet es ziemlich oft.

Das Gestern für das Morgen

*Das Gestern für das Morgen*

Überall kann man ja lesen, dass Nokia jetzt dieses unverwüstliche Handy wieder auflegt. Büschen bunt, büschen rund, büschen Kamera und der Akku soll wieder für einen 10 Tage-Trip in die Toskana reichen.

Nix mehr mit Internet und smartem Checken der Emails und sozialen Netzwerken, nur Telefon und SMS tippen mit dieser Tastatur bei der jeder Knopf vierfach belegt ist.
Und das wird bestimmt gekauft, macht sich ja gut im Bioladen, dann ist man ein halber Netzaussteiger. Vielleicht haben die das Smartphone dann in der anderen Jackentasche und lesen die Emails im Bad, keine Ahnung.

Aber „slow electronics“ in den Fingern.
Es gibt ja auch wieder deutlich mehr Vinyl, aber ich kenne auch welche, die die Scheiben im „Originalzustand“ belassen und nicht mal das Cellophan aufreißen. Das wird dann wegen der „Werterhaltung“ gemacht. Vinyl in begrenzten Auflagen ist nämlich deutlich preisstabiler als jede CD.
Man könnte sich dann für das Hören das Vinyl auch *doppelt* kaufen, …. aber es gibt ja durchaus Plattenkäufer, die zwar Vinyl erwerben, aber gar keinen Plattenspieler besitzen. Das geben die zwar ungern zu, aber ich habe das mit eigenen Augen schon gesehen. 30 neue Vinyls für 600€, aber keinen Plattenspieler. Man habe sich „noch nicht entscheiden“ können.

Ich liebe das und das beruhigt auch, wenn das Gefühl vom Gestern im Regal still ruht.

Ob man das dann „slow music“ nennt, weiß ich nicht, ich kaufe mir ja bei fast gleichem Preis auch das Vinyl, allerdings nur, wenn die eine CD beilegen, die kosten ja eigentlich nur ein paar Cent.

Mit „slow food“ ging das alles los.

Allerdings sind das selten entspannte Menschen, die alles „slow“ wollen, finde ich. Ich nehme die eher als angespannt und „Alles-richtig-machen-woller“ wahr, aber meine altersmüden Augen sind da vielleicht verblendet.

Das ist mir alles zu viel aus dem Katalog, dieses „slow“.

Dabei bin ich gar nicht der „fast“-Typ.

Ich trinke kein To-Go und habe zum Probieren bei McDonalds vor circa 20 Jahren ein einziges Mal von einem Burger abgebissen. Das war vor dem Zug auf dem Weg nach Sylt. Weiß ich genau.

Furchtbar.

Und „gestunken“ hat das in diesem Fast-Food-Laden, meine Fresse.

Ich gehe da manchmal trotzdem rein, aber nur auf die Toiletten.

Da ist mir „slow“ nämlich zu langsam.

Verstörendes

*Verstörendes*

 
Nicht, dass ich jetzt unentspannt wäre, aber ich mache jetzt eine erste Liste mit kleinen unerheblichen Tatsachen, die mich minimal verstören.

Heute nur Brötchen, Kaffee, öffentliche Bäder und so.
– Es verstört mich, wenn beim besten Bäcker der Stadt die morgens angelieferten Mittagsbrötchen immer zu dunkel gebacken werden. Die Angestellten sehen das auch so, viele Kunden auch.
Es gibt nur einen, der *alle* so dunkel will und das ist der Chef. Hoffentlich ist das nichts Politisches.
– Es verstört mich, wenn ich einen Kaffee kaufen will und so viele Fragen beantworten muss. Erstmal auf der langen Liste das finden, was man will, aber dann ist noch lange nicht Schluss:

„Einen Cappuccino, bitte!“
„In S, M, L oder XL?“
„Zum Mitnehmen oder zum hier Trinken?“
„Mit Topping oder ohne?“
– Es verstört mich, wenn ich auf dem Parkplatz des Supermarktes parke, 15 Minuten später zurückkomme und ein Ticket über 19,90€ eines privaten Unternehmens vorfinde, weil ich die Parkscheibe vergessen habe. Das ist neu. Man kann das an der Kasse stornieren lassen. Dafür stellt man sich dann nochmal an. Trotzdem verstörend, wenn das theoretisch das Doppelte von dem kostet, was staatliche Stellen berechnen würden, wenn ich kein Kunde gewesen wäre.
– Mich verstören Radfahrer ohne Licht im Dunklen.
-Mich verstören öffentliche ‚Bäder‘ in denen man sich nach dem Waschen der Hände diese mit Toilettenpapier abtrocknen muss, wenn man diese elektrisch betriebenen Püster nicht mag.
– Früher verstörte mich die Handhabung dieser wunderbaren Handtücher aus Stoff von der Rolle.
Natürlich wusch man sich zuerst die Hände um anschließend festzustellen, dass man zuerst mit frischen nassen Fingern das benutzte Handtuch des Vorgängers herunterziehen musste, um an ein reines zu gelangen.

Nur als Vergleich zum Nachdenken:
Nach dem Besuch der Toilette lässt man auch nicht den nächsten Gast spülen.
Was verstört denn Euch …. im Kleinen?