Time Out Of Time

*Time Out Of Time*
Wir, das ist eine Runde von lesenden Menschen und wir waren dieses Mal bei ihr, bei F-Punkt.
Ich war vorher noch nie bei F-Punkt.
F-Punkt schafft es, in derselben Zeit dreimal so viele Silben unterzubringen wie ein schnell sprechender Mann, der ein Fußballspiel kommentiert, das mit unzähligen Pässen schnell abläuft.
F-Punkt würde in derselben Zeit jeweils das Geburtsdatum des Spielers am Ball nennen sowie die Vornamen der Spielerfrauen.
Vermutlich würde sie während der Ball in der Luft ist, auch noch die Spielerfrauenfrisuren beschreiben.
„Spielerfrau“ ist ein richtig blödes Wort.
„Modelmann“ meint ja auch nicht den Mann eines weiblichen Models. Und Muttis Mann wird von keinem „Kanzlerinmann“ genannt.
… das würde man auch zu leicht mit „Kanzlerin, … Mann!“ verwechseln.
Das „F“ habe ich auch nur wegen ihrer Haare genommen. Ich finde Haare generell wichtiger als Geburtsdaten.
Sie spricht in vollständigen Sätzen und mit mehr Gehalt als ein Fußballreporter. Also mehr Inhalt, nicht mehr Geld, nicht, dass ihr das jetzt falsch versteht.
Ich hatte den Text der Leserunde nämlich nicht gelesen.
Aber manchmal reicht es ja, wenn man etwas „wirklich ehrlich eigentlich wollte“.
Also, man könnte jetzt vermuten, dass jemand, der so schnell spricht, es irgendwie eilig hat oder möglichst schnell alles gesagt haben will.
Das ist ja insbesondere bei Anwesenheit von Männern wichtig, weil die gern an den falschen Stellen die richtigen Zwischenfragen stellen.
Aber wenn ein Fluss schnell fließt und viel gehaltvolle Masse transportiert, starten auch Männer selten verbale Ruderboote am Ufer.
Ich tauche nicht mal einen Fuß ins Nass, ich warte auf die Trockenzeit.
Jedenfalls war jetzt für mich besonders überraschend, dass in der ganzen Wohnung von F-Punkt alle Uhren verschiedene Uhrzeiten anzeigten.
Die auf dem Esstisch stand auf kurz vor 12, die an der Wand hatte irgendeine Sommerzeit und die in der Küche wusste gar nicht mehr, was das ist, eine „Uhrzeit“.
Es fehlte eigentlich nur noch eine Uhr ohne Zeiger.
Sie könnte auch überall farbige Kreise aufhängen und in Großbuchstaben „UHR“ draufschreiben, das würde mich weniger irritieren.

Fahrt mal mit einem Auto bei dem der Tachometer im Stand 200 anzeigt und bei tatsächlichen 50km/h in der Stadt 150!

Da würdet ihr auch sofort drei Packungen Taschentücher vor die Anzeige im Cockpit legen.
Männer verstehen Beispiele mit Autos oft besser, für Frauen hätte ich das gar nicht schreiben müssen.
Aber als Gast kann man nicht um Handtücher bitten und die ganzen fehlgeleiteten Uhren zuhängen.
Außerdem hat sich die Wohnung ja nicht bewegt wie ein Auto, das ist schon richtig.
Aber auch an festem Ort sind verschiedene Anzeigen stehender Uhren gewöhnungsbedürftig.
Mancher wünscht sich das ewige Leben, aber mich machen schon stehende Uhren verrückt.
Mich selbst machte es ja schon wahnsinnig, wenn ich versuchte, das mit der Sommerzeit zu boykottieren indem ich meine Uhren nicht umstellte.
Das ist gar nicht so einfach, weil man das ab und zu vergisst und ich musste das Experiment nach einigen Wochen abbrechen.
Zu anstrengend.
Ohne Armbanduhr zu leben, fand ich 30 Jahre lang gar nicht schwierig.
Die erste, die ich trug, brauchte ich nämlich erst als Lehrer in der Schule wegen des 45-Minuten-Taktes. Man hat ohne Uhr am Arm ein deutlich besseres Zeitgefühl, glaube ich. Aber sekundengenau wie die Schulklingel ist mein Gefühl nicht.
Mit der Verwendung eines Navigationsgerätes ist mein Orientierungssinn auch quasi temporär amputiert.
Das ist fast dasselbe.
Mehr Technik heißt oft … weniger Gefühl und Orientierung.
Wenn man eine Uhr benutzen muss, dann ist das wie der Verlust der zeitlichen Unschuld.
Nach der ersten Woche Unterricht wusste ich, dass das ohne nicht geht. Aber so eine Eieruhr ist auch blöd. Dann klingelt es nämlich zweimal, einmal für die Eier und einmal von der Schule.
Uhren, die sind ein Ärgernis, obwohl die aus organisatorischen Gründen praktisch sind.
Aber Winnetou hatte auch keine Armbanduhr und der war immer pünktlich. Jesus auch, jedenfalls steht nirgendwo, dass der oft zu spät kam. Aber andererseits haben die auf den ja vor seiner Geburt schon genug gewartet.
Die Zeit mag eine göttliche Gabe sein, wenn es denn einen gibt, aber Uhren, …. die wurden in der Hölle gemacht.
„F-Punkt hat mehr Uhren als Zeit“, habe ich zuerst gedacht.
Aber wenn die alle stehen, dann ist an sich noch Zeit, denn „Als Gott die Zeit schuf, machte er genug davon“.

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