„Wer Jogging-Hosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“

*“Wer Jogging-Hosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“*

Das ist natürlich ein Satz für die Ewigkeit.

Karl Lagerfeld.

Wenn jemand eine Definition für „Unterhaltung“ haben wollen würde, ich würde vielleicht nur mit seinem Namen antworten.

Und kürzlich habe ich mir bei Aldi von der Resterampe eine wunderbare schwarze Jogging-Hose gekauft.

„5€ kann man in einen Kontrollverlust schon mal investieren“, habe ich gedacht.

In der Regel können Verluste an Kontrolle ganz schön ins Geld gehen, aber dieser fließende, dünne schwarze Stoff, der umspielt die Knie so leicht, so locker, das man sich wirklich so fühlt als bräuchte man nicht mehr Kontrolle unter dieser Hose.

Natürlich würde ich damit nicht mit dem Hund rausgehen, nicht mal morgens um 5. Aber heimlich ist das recht schön.
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Unser ‚alter‘ Bürgermeister sieht immer gut aus und für seine Körpergröße mache ich ihn auch nicht verantwortlich. Der hat bestimmt keine weichen Jogging-Hosen obwohl ihm die schwarzen Hosen und der schwarze, weite Mantel unter dem langen, gelockten, grauen Haar, das das solariumgebräunte, markante Gesicht umspielt, … gut stehen.

Das waren echt viele Adjektive, zugegeben.

Der geht immer durch die Fußgängerzone und wir grüßen uns, ich glaube, dass das so ist, weil mein Hund schwarz ist und ich auch, also von den Klamotten her, und weil ich diese sonore Stimme so gern höre.

„Guten Morgen“, sagt der nämlich noch.

Außerdem wird der gar nicht so oft gegrüßt, wie man denken könnte. Der freut sich nämlich irgendwie, wenn er gegrüßt wird. Als Bürgermeister kann man auch nicht als Erster grüßen, das wäre ja schon morgens Vollstress.

So früh ist der gar nicht auf dem Weg ins Rathaus, der geht da erst hin, wenn ich schon dreieinhalb Stunden wach bin.

Aber vielleicht joggt der ja am Morgen im Park der Stadt oder er geht vorher ins Sonnenstudio. Karl geht bestimmt nicht in Sonnenstudios. Sonnenstudio, das ist auch irgendwie „80er“. Karl nimmt ja immer sein Kissen mit ins Flugzeug und der würde ‚halt‘ nicht wissen, wohin mit dem Kissen auf der Sonnenbank. Und deshalb geht der da nicht hin.

Vielleicht auch wegen der anderen Leute. Der ist ja so reinlich, dass er seine Unterwäsche immer nur einmal trägt und dann wegwirft.

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Viel öfter als der Bürgermeister wird „Ali“ gegrüßt. Ali fegt und reinigt seit vermutlich mehr als 20 Jahren die Fußgängerzone und ist hier ungefähr so bekannt wie Willy Brandt, Günter Grass und Thomas Mann zusammen.

Und Ali wird noch bekannter, weil die anderen ja gar nicht mehr leben.

Ali heißt auch gar nicht „Ali“, aber alle nennen ihn so. Ich habe ihn mal gefragt, ob er wirklich so heißt, aber er hat gesagt, dass ich ruhig „Ali“ sagen kann, weil er das gewohnt ist. Und deshalb habe ich seinen richtigen Namen wieder vergessen.

Und Ali kann eben auch nicht zuerst grüßen, sonst kommt der keine Platte weiter.

Und den habe ich noch nie mit schlechter Laune erlebt. Nicht mal bei Regen.

Und hier regnet es ziemlich oft.

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