*Perfektionismus*
…. ist keine gute Sache, das Ergebnis ebenfalls selten. Für mich sind die wahren Künstler in dieser Hinsicht auch Vorbilder, denn der Künstler denkt zwar, doch ich glaube, dass er häufig, überbordend vor Ideen, den schnellen Abschluss sucht.
Oder ist das falsch?
Der mittlerweile alte Dylan kann das auch. Da klackern Jackenknöpfe millionenfach auf Platten und CDs gegen die Gitarre, aber das wird kein zweites Mal aufgenommen sondern so belassen.
Natürlich gibt es dann auch Ausfälle bei Künstlern, doch kennen wir die doch alle von uns selbst auch. Das Perfekte, auch im Äußerlichen, weckt nicht nur Sympathien, manchmal ängstigt es gar.
Jedenfalls haben es die Schönsten auch nicht leicht.
Und wenn ich hier so belanglos tippe, so denke ich, dass auch Langweiliges und Belangloses seine Berechtigung haben sollte. Langeweile war als Kind und Jugendlicher etwas ganz Wunderbares. Da konnte man sich mit einem Freund noch richtig gepflegt und stilvoll anöden. Das war fast wie ein ‚Powernapp‘ oder wie man das kurze Einnicken heute nennt.
Das ist ja öffentlich auch nicht so hoch angesehen. Alle sind gestresst, aber wehe einer nickt auf einer Bank kurz ein, dann wird der gleich zum „Penner“ gemacht oder man denkt, der sei betrunken … selbst wenn sein Anzug von Brioni ist.
Das „Anöden“ früher ging so:
„Na, auch keine Lust zu Schach?“
„Boah bloß nicht, viel zu anstrengend! Runde Kniffel?“
„Neeeee, kann grad keinen Lärm ab.“
Minutenlange Pause mit Blicken ins Leere.
„Können ja mal ne Platte auflegen ….“
„Oooch, nö, aufstehen kann ich jetzt nicht so gut. Mach‘ doch nicht so einen Vollstress hier.“
Und wenn man sich dann zuletzt mit „Lahmarsch“ ansprach, dann war das ein Kompliment!
So ein gepflegtes Nichtstun, das will nämlich auch gelernt sein.
Das konnte sich richtig ziehen, aber so blöd war das gar nicht, weil heute oft gleich ein Gesprächsthema auf den Tisch muss.
Oder Politisches. Oder ein „Aufreger“.
Muss gar nicht sein, manchmal ist es gar nicht so schlecht, einer Uhr beim Ticken zuzuschauen.