Schule-Teil 11-„Notengebung“ (in German only, sorry)

Schule-Teil 11-„Notengebung“ (in German only, sorry)

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Na, was könnte das sein?

Ein Lehrer, den die Schüler lieben!


Zensuren geben zu müssen, das ist eigentlich der unangenehmste Teil des Lehrerberufes. Ich hätte lieber nur unterrichtet und ein anderer Kollege prüft dann, so hätten Lehrer und Schüler ein ganz anderes Verhältnis.

Neuerung vor circa 15 Jahren war, dass mündliche Noten vor der ersten Klausur aufgrund der mündlichen Leistung genannt werden mussten, also nach 6 Wochen.

Tests schreiben, Hefte einsammeln, mündlich prüfen, Hausaufgaben kontrollieren und vortragen lassen, viel Aufwand, und immer soll bewertet werden.

Es kostet Zeit, die inhaltlich besser genutzt wäre als bewertend. Man muss nicht die ganze Zeit bewerten, man kann auch einfach Unterricht machen und hinterher Notizen machen, wer positiv auffiel.

Viele Lehrer, gerade jüngere, glauben, ihre Hauptaufgabe sei die Bewertung, ganz falsch, Hauptaufgabe ist das Bilden im Unterricht, das Bewerten ist so ein Anhängsel, das man nicht los wird.

Das haben die, die die Regeln zur Bewertung aufstellten, nicht ganz verstanden, auch praktisch nicht.

Das mit dem „die die die“, das finde ich sehr gelungen. Wie ein Ruckeln, das steht symbolisch für den Bewertungszwang.

Ich habe das mit den Bemerkungen zur mündlichen Leistung immer auf einem Sitzplan gemacht, unter dem Namen vier Kästchen, das war praktisch.

Es ist schwer bis zu den Herbstferien alle Namen von 10 Klassen zu beherrschen.

Die lauten kann ich nach einem Tag, anders auffallende Typen auch, bei 10 oder 11 Oberstufenklassen ist das nicht einfach, in der elften Klasse saßen da nicht selten mehr als 30 Schüler.

Normalerweise zwei 11te in Physik, zwei 12te in Physik, zwei 13te in Physik, das waren schon sechs Klassen, zusammen 12 Stunden, dann den Rest in Mathematik dazu, mit Pech nur Grundkurse mit je 3-stündigem Unterricht, dann ist man schnell bei 10 Klassen.

Eine in Mathematik weniger und dafür noch zwei Physik-Klassen und man ist bei 11 insgesamt.

Wenn da im Schnitt 25 Schüler sitzen, könnt Ihr Euch ausrechnen, wie viele Schüler und wie viele Namen das sind.

25 Schüler im Schnitt, das kann einen Tick zu hoch sein, aber es rechnet sich einfacher, also kommen wir auf rund 250 Schüler und 1000 Oberstufen-Klassenarbeiten im Jahr, die zu korrigieren sind.

Nehmen wir 10 Minuten Korrekturzeit pro Arbeit an, das ist etwas zu wenig, aber egal, dann sind wir bei 167 Stunden Korrekturarbeit jährlich und 40 Klausuren müssen auch erstellt werden, gut, das kann recht schnell gehen.

167 Stunden, das sind 20 achtstündige Arbeitstage jährlich. Man kann aber nicht acht Stunden am Stück korrigieren, nach 4 ist eigentlich Schluss, dann ist der Akku leer.

Oft muss man in den Ferien korrigieren, weil die meisten Arbeiten vor den Ferien liegen, im Herbst, vor Weihnachten, vor Ostern … klar.

Die einzigen Ferien ohne Korrekturen waren die im Sommer, sechs Wochen sind 30 Arbeitstage.

Nein, ich jammere ja nicht, man sollte das nur einmal in den Raum stellen.

Korrigieren ist eine furchtbar langweilige Tätigkeit. Wenn einer alles kann, geht es super schnell, wenn einer gar nichts kann auch, die Probleme liegen im Mittelbau.

In der „Wirtschaft“ würde man das digitalisieren und outsourcen, damit der Lehrer wichtigere, sinnvollere Arbeit tun kann.

Endnoten im Zeugnis zu geben, das ist eine ganz schwierige Sache.

Nehmen wir an, ein Schüler steht zwischen 8 und 9 Punkten. Das ist immer auch eine Ermessensentscheidung, jüngere setzen da auf ein Rechenmodell, alles eingeben mit Prozentwerten, dann kommt eine Note heraus und man ist die Verantwortung scheinbar los.

Davon halte ich nichts.

Man muss schon den Mut zu eigenen Entscheidungen haben, ist nicht bequem, muss aber sein.

Zurück zum Beispiel, man kann beide Noten vertreten. Wenn das im Halbjahr schon so war und ich gab 8, dann eben jetzt 9, das gleicht Ungerechtigkeiten etwas aus. Es ist bei so einem Fall immer besser, im Halbjahr die schlechtere Note zu geben und die bessere am Ende, das motiviert die meisten mehr als anders herum.

Schwierig ist das mit den „Sympathien“.

Lehrer sind auch nur Menschen, manche Schüler mag man, manche irgendwie weniger, das hat viel mit dem Verhalten zu tun, das darf aber für die Bewertung keine Rolle spielen.

Schüler steht zwischen 8 und 9 und ich mag den irgendwie nicht so gern, das weiß ich aber ganz genau, also gebe ich dem 9 Punkte.

Der andere, der mag mich, ich mag den auch, das soll aber keine Rolle spielen, dem gebe ich im Zweifel eher 8, er wird mich verstehen.

Auf Deutsch, es ist genau das Gegenteil dessen, was Schüler gern sagen. Nun gut, reicht. Das war nur ein Beispiel, worüber man so nachdenken kann oder soll.

Und es gibt verschiedene Klassenspiegel, die leider oft die Vorlieben der Notengebung eines Lehrers widerspiegeln und nicht unbedingt den Leistungsstand einer Klasse. Hier zum Beispiel ein Klassenspiegel eines Faches mit 1sen, 2en, 3en, 4en, 5en, 6en, die im Zeugnis stehen,

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Analyse: Deutsch oder Gemeinschaftskunde, Lehrer gibt weder gute Noten noch gibt er gern schlechte Noten. Vielleicht sind die Anforderungen auch nicht hoch genug. Problem: Leistung lohnt sich oft nicht. Ein Schüler hat mir zu so einem Fall mal gesagt: „Bei Ihnen kommt mehr raus, wenn ich Arbeit und Zeit investiere, das lohnt sich. In Deutsch bekomme ich ohne etwas zu tun 7 Punkte. Wenn ich mich anstrenge, das ganze Jahr mitarbeite, dann lande ich bei 9, weil 2en gibt sie ja kaum. Meinen Sie, ich strenge mich das ganze Jahr für zwei Punkte mehr so an?“

Manchmal verteilen sich die Zensuren auch nur auf die Punktzahlen von 4+/6 Punkten bis 2-/10 Punkten, das ist schon amüsant, kein seltener Fall. Wenn der Unterschied zwischen Schülern, die gar nichts tun und denen, die sich voll engagieren, vier Punkte beträgt, dann motiviert man weder die Guten noch die, die nichts tun. Wechselt dann der Lehrer, ist das Notenbild sofort völlig anders. Es sind aber dieselben Schüler.

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Analyse: Anfangsunterricht in Spanisch, Klasse 11

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Analyse: Spanisch, gleiche Klasse, aber ein Jahr später, das folgende Jahr lasse ich weg.

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Analyse: Religion, Philosophie, Sport oder Kunst, beliebte Lehrer, immer.

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Analyse: Vertrauenslehrer in Englisch

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Analyse: Mathe bei Auguste in Klasse 11

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Analyse: Mathe in Klasse 11 oder so, könnte ich auch gewesen sein.

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Analyse: Mathe bei Bruno in Klasse 12 oder so, da dürfen nicht mehr viele schlechte Noten vorkommen, wer die 11te geschafft hat, darf auf keinen Fall zweimal in der 12ten scheitern, dann geht der ohne einen Abschluss nach 3 Jahren Schule, ganz schlecht. Dann lieber in Klasse 11 ein deutliches Zeichen senden mit der Botschaft „such Dir einen Ausbildungsplatz“. Jeder Betrieb versteht, wenn man es am Gymnasium versucht hat und dann lieber anderswo sein Glück sucht. Aber ein Betrieb versteht es nicht, wenn man es drei Jahre lang erfolglos versucht hat. Dann kommt der Schüler vom Gymnasium nämlich nicht freiwillig, sondern weil er muss. Klar soweit? 🙂

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Darauf kommt Ihr jetzt selbst, ich kann nicht alles leisten, ich brauche Mitarbeit.

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Kleiner Kurs, Durchschnittsnote 3,5, passt. 

Unsinn, das ist der Ausschnitt aus einem Toto-Tipp.

Nur im Spaß, früher: Zeige mir einen Klassenspiegel eines Faches und ich sage Dir mit hoher Trefferquote, wer das unterrichtet hat und die Noten gegeben hat. Das konnten andere bei mir vielleicht auch, keine Ahnung.

Was in meinen letzten Jahren zunahm, das waren „Notenbesprechungen“ auf dem Flur. Schüler werden einzeln rausgerufen und dann werden die Zensuren besprochen, „diskutiert“, in fast allen Fächern war das wohl so. Ich habe nie verstanden, wozu das gut ist. Ich gebe eine Note in der Konferenz, nicht vorher, nur die Note in der Konferenz ist rechtlich bindend.

Angenommen, da hat einer nun zwei Fünfen, bei mir in Physik 3 Punkte, und in Informatik 2 Punkte. Dann muss der wiederholen, aber alle anderen Fächer sind im 3er Bereich. Informatik gibt der im nächsten Jahr sowieso ab, dann kann ich plötzlich einen Punkt finden, den ich übersehen habe und der wird versetzt. Man nennt das Pädagogik. Habe ich vorher 3 Punkte gesagt, mache ich mich lächerlich, wenn ich hinterher 4 sage.

Der frühe Vogel fängt nicht immer den Wurm, manchmal landet er auch an einer Fensterscheibe.

Anderer Fall, ich gab fast nie eine 4-, also 4 Punkte, entweder ist es eine glatte 4 oder es ist eine 5, dann machte ich lieber eine mündliche Prüfung, 4 Punkte sind weder Fisch noch Fleisch. Als Beispiel nehmen wir trotzdem 4 Punkte in Physik. Dann sehe ich das Notenbild in der Konferenz, eine fünf in Mathe und viermal 4-, also 4 Punkte in Deutsch, Englisch, Wirtschaft und Rechnungswesen . Der Schüler würde versetzt, aber der würde das nächste Jahr kaum überstehen, wenn auch noch die Ansprüche steigen. Die Häufung von 4 Punkten im Zeugnis kann auch auf Verhandlungsgeschick zurückgehen, das gibt es auch. „Wenn Sie mir eine 5 geben, dann muss ich wegen Ihnen wiederholen!“ So etwas soll funktionieren, das macht man viermal und die lieben Lehrer geben alle 4 Punkte. Ich sage das nur so, natürlich kommt das in der Realität niemals vor. Lebenstüchtig sind solche Schüler allemal.

Ich kann im Beispiel auch 3 Punkte vertreten, dann wird der Schüler nicht versetzt und das ist sinnvoll. Die mit den Notenbesprechungen vorher können nicht einen Punkt weniger geben, das geht nicht. Ich schon, ich habe ja nichts gesagt. So etwas ist viel wichtiger als einem Schüler eine Zensur vor der Konferenz zu erklären. Hinterher können alle kommen und fragen, warum ich was wie gemacht habe. Dann kommen aber kaum welche, es kann ja nichts mehr geändert werden. 

Solche Texte gibt es bei Notenbesprechungen vor Konferenzen:

„Ich bin total enttäuscht von ihnen, dass sie mir nur 7 Punkte geben wollen, ich hatte mit 9 gerechnet, die habe ich auch verdient.“

„Das kann nicht sein, ich war immer da, ich habe mich auch gemeldet und Sabine bekommt eine bessere Note, das ist total unfair von Ihnen!“

„Ich wollte mal eine 3 haben!“ Tränen, Tränen, Tränen, weil es nur 6 statt 7 Punkte waren.

„Waaas? 10 Punkte in Kunst? Ich bin mindestens 12 wert!“ „Ok, dann 12“, sagt der Kunstlehrer.

Wenn man das Zeugnis bekommen hat:

„Wegen eines Punktes fragt man nicht mal nach, wie oft nimmst Du einen mehr mit mit dem Du gar nicht gerechnet hast? Bei 2 Punkten Differenz zur erwarteten Note würde ich immer nachfragen.“

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Schule-Teil 10-„Tafelarbeit“ (in German only, sorry)

Schule-Teil 10-„Tafelarbeit“ (in German only, sorry)

Die Überschrift klingt jetzt sehr abschreckend und sehr, sehr altmodisch.

Klar, so denkt man schnell, wenn man keine Ahnung hat. 🙂

Kleiner Scherz, tut mir leid.

Ich habe im Unterricht viel mit einem Overhead-Projektor gearbeitet, das hat viele Vorteile, speziell, wenn man etwas exakt haben möchte, zum Beispiel beim Zeichnen oder bei der Arbeit mit Graphen, Schüler können damit auch besser arbeiten als an einer Tafel, weil sie dort die Kreide nicht halten können wie einen Stift, dazu braucht man Übung.

Manchmal hatte ich auch zwei Projektoren, so ein Overkill ist gar nicht schlecht, dann können sogar zwei Schüler parallel sichtbar arbeiten. Und bitte nur wasserfeste Stifte.

Man kann auch mit dem Projektor etwas auf die Tafel projizieren und dann mit Kreide in diesem Bild arbeiten, nur die Tafel dann nicht verschieben, bitte.

Einen Computer für Mathematik und Physik, den habe ich mir gewünscht, dann hätte man das dynamischer machen können, aber ehrlich gesagt, lernt man aus Skizzen oder mit Folien ebenso viel, wenn nicht mehr.

Ich hatte drei Direktoren an meiner Schule, Geld für einen Rechner plus Beamer oder Bildschirm gab es 20 Jahre lang nicht.

Es gab reihenweise teure Computerräume, aber die braucht man nicht für Mathematik und Physik, ein Computer ist völlig ausreichend.

Einen Internetanschluss mit Rechnern gab es erstmals 2010 in einigen Räumen im ersten Stock, nicht im Physikraum im Erdgeschoss, weil da Fenster waren und man hätte etwas stehlen können. Armselig, mit einem Laptop wäre es gegangen, aber solche Ausflüchte kannte ich zur Genüge.

Man brachte dann den eigenen Laptop mit und musste einen Beamer der Schule ausleihen, jedes Mal eine aufwändige Arie und Zeit kostete das auch, weil die Einstellungen oft von Kollegen verändert wurden. Und eben den eigenen Rechner einsetzen.

Macht sonst keiner, der irgendwo einen Arbeitsplatz hat, oder?

Und nochmal, damit es weh tut:

1991 habe ich meine zweite Examensarbeit auf einem Apple Macintosh geschrieben, auch selbst ein Programm geschrieben, gedruckt wurde auf einem Laserdrucker, mein Internetanschluss zuhause lag seit dem Jahr 2000, da war ich schon spät dran.

Zwanzig Jahre lang kein Geld für einen Rechner im Bereich Physik und Mathematik!

Das Internet feierte 2019 seinen 50sten Geburtstag, spätestens im Jahr 2000 hätte man in den Schulen konsequent Anschlüsse vorbereiten müssen.

Investitionen für Bildung zahlen sich nicht in einer Legislaturperiode aus und sie sind teuer, aber letztlich deutlich billiger als nicht zu investieren. Kurzsichtig, unklug.

Aber stetig mit neuen Konzepten wedeln, mehr Eigenverantwortung für Schulen, eigene Möglichkeiten der Einstellung von Lehrern an Schulen, Offener Unterricht, Kompetenzorientierung.

Neue Konzepte sind billig, Lösungen mit positiven Effekten kosten Geld.

Basta.

Alles eben Genannte spart „oben“ Arbeit und Geld ein, unten gibt es aber nicht mehr Geld, sondern eher weniger.

Klappt etwas nicht, dann Schulterzucken in der Landeshauptstadt: „Ja, dafür habt Ihr jetzt mehr Eigenverantwortung!“ Funktionieren die neuen Konzepte nicht, dann gibt es eben ein  „Umsetzungsproblem“ an den Schulen.

Nicht mehr mitbekommen habe ich diese digitalen Tafeln, sicher ein nettes Gimmick, aber ob man dadurch als Lehrer von der Kreisklasse in die Bundesliga aufsteigt, da habe ich doch arge Zweifel.

Ich vermute weiterhin, dass die Dinger oft nicht funktionieren und dass die Stifte oft defekt sind. Was kostet so ein Monster? So viel wie 5 Laptops mit großem Bildschirmen? Mehr, oder?

Unsere Tochter war eine der letzten im „Papier-Club“, sie benutzte noch kein Tablet. Dann bekam sie ein iPad für ca 1000€, damit hat sie toll gearbeitet, in der Schule funktionierte das aber nur mit den iPads bei Vorträgen, mit preiswerteren Geräten ging das nicht.

Alle bis auf eine Schülerin hatten so ein Gerät, natürlich bezahlt von den Eltern. Übrigens zog unsere Tochter es vor, Mathematikaufgaben auf Papier zu bearbeiten, man könne besser zurückblättern und Seiten nebeneinander legen, wie sie sagte.

Das Alte hat oft Vorteile, die man erst bemerkt, wenn es weg ist, das Alte.

Ich selbst war ja oft unausstehlich, Kugelschreiber habe ich verboten, eine Pest das Zeug. In der ersten Stunde malte ich ein Kreuz und schrieb „Der Kugelschreiber 1938-2024“ drauf.

„So schön, schön war die Zeit“ von Freddy Quinn hätte man dazu singen können.

Warum?

„Weil ich das so will.“

Gezeichnet wird mit Bleistift oder finelinern, geschrieben wurde mit Tinte oder einem fineliner.  Sehr variabel, ich bin ja nicht spießig.

Hefte und Ordner habe ich eingesammelt, auch in Klasse 13, es gab nur eine Positivbewertung, wenn aber kein Ordner abgegeben wurde, dann gab es eine 6. Gab es ja nie, die sind ja nicht doof. 

Wer zu spät kommt, bleibt draußen.

Wer zur Toilette muss, geht ohne zu fragen raus.

Wer Durst hat, trinkt, aber bitte aus einem Becher, nicht aus einer 1,5 Liter Flasche, machte ich selbst auch nicht.

Das ist stillos.

Es wird kein Müll unter dem Tisch hinterlassen.

Wer auf dem Tisch malt, sollte sich ganz, ganz warm anziehen. Komisch, es kam kaum einmal vor, höchstens bei Neulingen.

Als ich längere Zeit krank war und wieder anfangen wollte, hat vorher mein Leistungskurs den Raum sauber gemacht, weil er „sonst gleich schlechte Laune bekommt, so wie das aussieht“.

Boah, die hatten Klasse.


Und nun zum wichtigsten im Lehrerleben in der Neuzeit, zur Tafel.


Jedes Wort zu diesen White-Boards ist eines zu viel, daher hier kurz und schmerzlos ein Mantel des Schweigens über dieses tote, glatte Produkt.

Eine Kreidetafel hat normalerweise eine Fläche von 6 Quadratmetern, ich gehe davon aus, das das genormt ist.

In Klassenräumen stehen meistens höhenverstellbare Klapptafeln, links und rechts exakt ein Quadratmeter, nach dem Aufklappen weitere 4, eine 2 Quadratmeter große Fläche in der Mitte. 

In Fachräumen sind es meistens drei Meter breite Tafeln mit einem Meter Höhe, zwei hintereinander. Am besten teilt man die große Fläche durch einen zarten, senkrechten Kreidestrich auf in zweimal 1,5 Meter Breite, bei Vorträgen von Schülern gehen auch 3mal 1 Meter Breite. Die hintere beschreibt man immer zuerst, sonst wird es unpraktisch, das ist logisch. Macht man es falsch, muss man die vordere nämlich nach unten ziehen und sie ist nicht mehr lesbar, das muss man nach der ersten Stunde kapiert haben.

Für alle Tafeln gilt mit Ausnahme von Übungsstunden:

Wenn der Lehrer während einer Stunde wischen muss, dann hat er versagt oder während des Unterrichtens nicht genug nachgedacht, was er wann wohin schreibt.

Sechs Quadratmeter Tafel sollten ausreichen.

Klapptafeln, ein genial erdachtes Hilfsmittel.

Man beginnt mit drei Quadratmetern, linke Klappe zu, rechte Klappe geöffnet, dann hat man drei Quadratmeter, niemals schreibt man über die Breite von einem Meter hinaus.

Wenn das Heft zu Ende ist, schreibst Du auch nicht auf dem Tisch weiter.

Dann links öffnen und rechts schließen, Ergebnis wieder: Nochmal drei saubere Quadratmeter.

Man kann zurückklappen, man kann das teilweise tun, ein sehr gutes Gerät so eine Klapptafel.

Die Fläche muss aus durchsichtigem Kunststoff sein, mit einer leicht aufgerauten Oberfläche, dahinter dunkelgrün, höhenverstellbar. Am besten ist ein Raster von Punkten in 5cm Abstand auf der Schreibfläche, das gehört dazu, man sieht es aus bis zu zwei Meter Abstand.

So lang sind aber Arme selten.

Wie reinigt man eine Tafel?

Nie mit einem Schwamm, ganz banal.

Schwämme gehören ins Meer oder in ein Badezimmer. Viel zu nass, alles kleckert, die Tafel wird nie sauber.

Warum liegen in allen Klassen Schwämme? Weil die, die sie kaufen, sie nie benutzen.

Mit einem nassen Lappen aus Mikrofasern geht das, solche für Fußböden sind gut geeignet, zu klein sollen sie nicht sein, etwas zusammenlegen. Lappen nach der Reinigung auswaschen und auswringen. Dann wird die Tafel zügig mit einem Abzieher abgezogen, mit so einem Fensterabzieher, den Ihr im Frühling im Wohnzimmer benutzt, den Lappen hält man dabei unter den Abzieher. Dann ist alles trocken und sauber. Kleine Flüssigkeitsreste mit dem Lappen trocknen, insbesondere in der Rinne unter der Tafel.

Das war jetzt ein Grundkurs, zweite Liga, mehr nicht.

Wenn ich zu Stundenbeginn noch die Tafel wischen musste, weil ich es in der Pause vergessen hatte und eine neue Klasse das sah, war es still, ganz still, die ahnten schon:

Das wird nicht einfach werden mit dem Spinner.

Leise Bemerkungen wie „sag mir, dass nicht wahr ist, was ich gerade sehe“, „er hat einen Abzieher!“ oder „da rechts ist es noch feucht“ sind Komplimente, nehmt sie auch an.

Nie würde ich einem Schüler erlauben, die Tafel zu reinigen. Manchmal wollten die das kurz vor dem Abitur mal selbst machen, aber ehrlich gesagt, sie konnten es nicht. Viel zu langsam, keine Präzision. Drei Jahre zugesehen und sie konnten es trotzdem nicht, aber dafür gab es auch keine Noten. Welcher Schüler putzt zuhause Fenster? Eben. Ich schon, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, möchte es. Ich übte ja jeden Vormittag.

Kreide, das nächste Problem:

Bitte nur die runde Kreide, die französische, die ist etwas fetter, bricht nicht so leicht, schreibt schön schmal, liegt gut in der Hand, vom Franzosen kann man viel lernen, es gibt sie in zehn Farben. Braun bitte sofort wegwerfen.

Für die ganz Sensiblen gibt es auch Kreidehalter, aber Schule ist ein schmutziges Geschäft und an der Tafel darf man das auch merken.

Natürlich muss man ein Handtuch und flüssige Seife für die eigenen Hände neben der Tafel haben. Dafür sorgt man als Lehrer selbst, Service gibt es nicht.

Es gibt auch diese eckige Pelikan-Kreide, ein poröses Schrottprodukt in weiß und farbig, um es deutlich zu sagen.

Brüchig, schlecht in der Handhabung und dafür dreimal so teuer wie das Produkt aus der Stadt der Liebe.

Einmal wurde der Einkauf von Seiten meiner Schule auf den Pelikan umgestellt, da habe ich mir gleich zehn Packungen weiße und fünf Packungen farbige Frankreich-Kreide bestellt. Sich beschweren hilft ja nichts, sieht man ja im Computerfall.

Ich zeige Euch mal ein paar Bilder, ein Papierstreifen als Tafel. Was man da handschriftlich in klein drauf bekommt, das passt auch gut auf die Tafel.

Konnte man früher gut als Tafelbild planen, aber das war ja für den überholten Frontalunterricht. Manchmal habe ich nur das als Vorbereitung gebraucht. Meine Schrift ist nicht mehr schön, kann man nicht ändern. Für die 3 Meter breiten Fachraumtafeln nimmt man ein DIN A4-Blatt und faltet es der Länge nach in der Mitte.

Einfach.

Und jetzt könnt Ihr ja mal googlen, wo Ihr das im Internet findet, was ich Euch gerade erklärt habe.

Wie man eine Klapptafel benutzt, das habe ich von einem Mathematik-Lehrer gelernt, der 1991 schon über 80 Jahre alt war. Mir hat in der Ausbildung keiner gesagt, wie man mit einer Tafel arbeiten kann.

Und ich wette, es erklärt heute keiner einem Referendar, wie man ein digitales White-Board sinnvoll einsetzt.

Früher war eben doch alles besser.

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Schule-Teil 9-„Ein wenig Böses“ (in German only, sorry)

Schule-Teil 9-„Ein wenig Böses“ (in German only, sorry)

Heute gibt es nichts zum Lächeln.

Ja, die Auguste, die war die ersten Jahre eigentlich mein größtes Problem.

Die Kollegin aus dem anderen Jahrhundert, Ihr wisst schon, immer total nett zu mir „Martin, Du weißt, wie sehr ich Dich schätze!“

Leider war sie dann hintenrum ganz anders, wie nicht nur die Schüler mir petzten „Der junge Lehrer hält ja nur Tangenten an, die rechnen bei dem gar nicht“.

Ja, ich habe oft erst rechnen lassen, wenn verstanden worden war, warum man das tut. War zwar anders, aber recht erfolgreich.

Wenn die Grundlagen verstanden sind, dann kann man später Gas ohne Ende geben, alles geht schneller, wenn man am Anfang die Nerven behält und sachte voran geht.

Haben Schüler das Wesentliche jedoch nicht verstanden, fährt man zwei Jahre lang mit einem Motor, der stottert. Unrund laufende Motoren kann ich auch nicht leiden, sie müssen bei einem neuen Thema langsam eingefahren werden.

Wenn es um die Ableitungsfunktion geht, dann kann man auch erst mal Tangenten an den Graphen zeichnen und die Steigung messen, in nächsten Schritt nimmt man eine „Gerade auf einer Folie“ und schätzt die Steigung nur noch und skizziert dann die Tangentensteigungsfunktion, das wird fast genauso exakt wie ein Computerausdruck, aber so vergisst man nie, was diese Ableitungsfunktion angibt, capisci?

Und diese Namen, grausam ist das: Funktion, 1. Ableitungsfunktion, 2. Ableitungsfunktion, Menge der Stammfunktionen, das ist so verwirrend für jemanden, den schon eine Funktion in den Wahnsinn treiben kann.

Bei mir hießen die vereinfachend „Mutterfunktion“, „Tochterfunktion“ und „Enkelinfunktion“, zum Verstehen ist das praktisch.

Alle Prinzipien, wie man rechnen muss, fielen wie reife Äpfel von den Bäumen, die brauchten hinterher dafür keine Formelsammlung.

Blöd nur, wenn einer in der Abiturprüfung versehentlich „Mutterfunktion“ sagte, war mir aber auch egal.

Diese weibliche Struktur war ja in Ordnung, nur dass eine Tochter in der Mathematik leider unendlich viele Mütter hat und eine Mutter nur eine Tochter hat, aber es ist ja nur Mathematik.

Schöne Abiturprüfungsfrage, rein hypothetisch: „Inwiefern unterscheidet sich das Mutter-Tochter-Verhältnis im realen Leben von dem in der Mathematik?“

Nun, reines Herumgealbere, zugegeben.

Von einer Schülerin, Jule, mit der ich vor einigen Jahren Mathematik für das Abitur in einem Café trainierte, war ich sehr beeindruckt, die konnte alle Verfahren anwenden, zum Beispiel Extrema und Wendepunkte berechnen, eine 2er Schülerin an einem Gymnasium.

Aber als ich die fragte, warum sie das so rechnet, da sagte sie nur: „Das muss man so machen, das hat er auch immer so gemacht.“

Das fand ich beeindruckend.

Wie klug muss man sein, sich so etwas ohne jedes Verständnis einprägen zu können?

Der Lehrer war sehr anspruchsvoll, was Formalitäten anging, immer musste ein „TR“ notiert werden, wenn der Taschenrechner benutzt wurde, immer diese Äquivalenzpfeile bei Gleichungsumformungen, alles mehr Hindernis als Lösung. Eine Stunde später machte er es selbst nicht mehr aber die Schüler sollten es so beibehalten.

Es vergingen 4 Jahre, dann hatte unsere Tochter denselben Lehrer wie Jule.

Es war erstaunlich, der Unterricht ohne klare Struktur, die Erklärungen dürftig, aber im Gymnasium sitzen intelligente Schüler, die kommen damit irgendwie zurecht, macht aber viel Arbeit. Zur Not lesen die das im Buch und bringen sich die Themen gegenseitig bei.

Wenn das auch nicht klappt, dann sagen die Eltern „ich konnte das auch nicht, nicht schlimm“.

Zwischendurch ein Vergleich: 

Früher spielte ich im Verein Fußball, viele Jahre lang. Als wir 16 Jahre alt waren, vielleicht auch 17, da verließen einige den Verein, weil sie eine Ausbildung begannen, für Sport blieb weniger Zeit.

Wir waren nur noch 13 Spieler, es war nie einfach, 11 Spieler am Sonntag auf den Platz zu bekommen.

Uwe spielte auch bei uns, total nett, total witzig, aber Fußball war nicht sein Sport, zu klein, zu unbeweglich, zu langsam.

Und wo hat unser Trainer ihn dann aufgestellt? Als Mittelstürmer!

Ich habe Lothar, unseren Trainer, einmal gefragt, warum er das macht. „Lothar, er verwertet nur eine von 10 Chancen, mehr nicht, kannst Du Uwe nicht woanders spielen lassen?“

„Martin, erst mal muss man Leute haben, die an ihrem Platz keinen Mist bauen. Vorne kannst Du nicht viel Mist bauen, da verlieren wir kein Spiel. Und zweitens, wer sorgt für die 10 Torchancen, wenn ich einen anderen vorne einsetze?“

So ähnlich geht es Direktoren und Abteilungsleitern an Schulen auch, es gibt ja schlechte Lehrer, es gibt faule Lehrer, es gibt auch nicht ausreichend gebildete Lehrer.

Alle an einer Schule wissen das und sie wissen auch, wer das ist.

Du musst aber auch diese Lehrer mit Stunden versorgen. Und dann macht man es wie Lothar mit Uwe: Man stellt sie als Mittelstürmer auf, in der Oberstufe.

Da machen sie am wenigsten kaputt.

Der an dem Innenstadtgymnasium hieß bei uns zu Hause nur „GH“, weil er Grosserhorst hieß. Oder so ähnlich.

Ich habe unseren Kindern immer versucht, in Mathematik zu helfen, wenn sie gefragt haben. Aber auch nur dann, ich bin nämlich lieber Vater als Lehrer meiner Kinder.

Bei GH hat sie dann manchmal gefragt und das war berechtigt.

Zum Beispiel erklärte GH während der Corona-Zeit in 20 Minuten die Winkelfunktionen Sinus und Cosinus.

Das war sozusagen wie ein Blick in eine Abstellkammer durch das Schlüsselloch.

Als Hausaufgabe sollten die Schüler dann eine Villa nach diesen Vorgaben bauen.

Graphen kann man verschieben, strecken, stauchen, spiegeln, ach, man kann ganz viel Unsinn damit treiben. Die Prinzipien sind aber immer dieselben.

Jetzt sollten die Schüler als Hausaufgabe also erkennen, was für ein veränderter Graph vorliegt, das ist hohe Schule.

Das kann man nur, wenn man selbst so etwas nach einem Term zeichnen oder skizzieren kann, das dauert in der Schule eine Woche bis das ein Kurs kann, unsere Tochter hatte es nach 60 Minuten verstanden.

Sie war ja auch allein, da geht alles schneller. Als einen Tag später die Mathestunde lief, das Oberstufenkind am Laptop, es war ja online-Unterricht, da saß sie da und die Tränen flossen, ganz stumm.

Ich hatte die Tür nur einen Spalt geöffnet.

„Er kann es nicht!“, hat sie geschluchzt.

Dann habe ich 5 Minuten dieses Dilemma angeschaut, die Schüler stellten falsche Lösungen vor, er erklärte sie für richtig, eine zweite Aufgabe wollte er selbst lösen, das war auch falsch.

Keiner hat es gemerkt, keine Fragen. Wenn man das als Schüler jedoch beherrscht, ist es unerträglich, sich das anzusehen. 

Nun, wenn man als Schüler 15 Punkte in Mathematik haben will, dann muss man nicht alles können, das geht gar nicht. Man muss nur mehr können als der Lehrer.

Das konnte unsere Tochter in der ganzen Oberstufe, mehr als dieser Lehrer.

Solche Mittelstürmer setzt man auf die Bank, die dürfen keinen Rasen betreten. Das war nicht der HSV, das war nicht mal der SV Meppen.

Für das Gymnasium brauchst Du einen Deutschen Meister, Champions League muss gar nicht sein.

Und dann sagen Schüler, dass sie Mathematik nicht verstehen und solche Kreisliga-Lehrer bewerten Leistungen als „mangelhaft“. Irgendwas ist da doch faul im System.

Wieder verlaufen, sorry. Wenn Ihr das Gefühl habt, ich habe keinen Plan beim Tippen, dann ist das wohl so, ich wollte gern mal Mittelstürmer sein.


Diese Sinus- und Cosinus-Geschichte, da gibt es am Anfang eine ganz wichtige Stunde, eine grundlegende.

Es gibt ja wichtige Stunden und verzichtbare, aber notwendige Stunden. Hat man als Lehrer jetzt eine sogenannte wichtige Stunde geplant und die Schüler sitzen total müde im Ring, weil sie gerade eine Klausur in Rechnungswesen auf die Nase bekommen haben oder sechs Schüler sind irgendwie abgeordnet, dann ja, dann …. verschiebt man nach 30 Sekunden die wichtige Stunde und packt eine Übung mit Vorträgen dazwischen.

Ich mache das doch nicht zweimal, wichtige, „grundlegende Stunden“ sind nämlich die anstrengendsten. Da muss in Mathematik jedes Detail passen, Missverständnisse sollten vermieden werden, Fragen sollten immer erlaubt sein, auch zur Not dreimal dieselbe.

Ach, zurück zu Tante Auguste, es war kaum zu ertragen, dieses falsche Spiel. Sprach ich sie darauf an, wusste sie von nichts. „Ich kann mich nicht erinnern“, wie heute der Kanzler. Ich vermute ja, dass sie ein wenig Angst hatte, sonst verhält man sich so nicht.

Zwei Jahre später ging es in einer Konferenz darum, wer die nächsten Leistungskurs bekommen sollte, der dynamische Matthias von heute oder die alte Auguste von 1910.

Dann habe ich gesagt „ach, lasst das doch Matthias machen, das ist auch besser für das Niveau.“

Ja, dann flossen Tränen. Manchmal geht das nicht anders. Keine Einsicht, was soll man da machen?

Wir fuhren dann später sogar gemeinsam mit zwei Klassen nach Nizza.

Wir sahen uns dort selten, ich schickte gern Schüler, um Wege finden, außerdem sollten die ja Französisch üben, ich lief nur hinterher.

Mit 18 muss man zu zweit mit einem Stadtplan zurechtkommen. Auguste musste immer vorn sein, eine gute Arbeitsteilung. Und sie aß 2kg Möhren in einer Woche, nur Möhren, sonst nichts, außer das Frühstück in der Unterkunft. Mann, da habe ich dann richtig Respekt entwickelt.

Soll ja gut für die Augen sein. Und Frankreich ist so teuer.

Ach Nizza, Rauchverbot, auch so eine super Idee für Schulveranstaltungen aus der Landeshauptstadt.

Eine Kollegin jagte auf einer Klassenfahrt jeden Raucher, es war ja verboten.

So geht das: „Bei Schulveranstaltungen gilt ein absolutes Rauchverbot! Sollte jemand hier rauchen wollen, dann müssen wir die Veranstaltung kurzzeitig unterbrechen.“

Meine haben immer gefragt, ob wir für 6 Minuten unterbrechen können. Die haben im Prinzip gefragt, ob sie rauchen dürfen. 

Was will man mehr?

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Schule-Teil 8-„Schülerzeiten“ (in German only, sorry)

Schule-Teil 8-„Schülerzeiten“ (in German only, sorry)


In dieser alten Stadt gab es Anfang der 70er Jahre noch viele Gymnasien, die ausschließlich für männliche Schüler oder ausschließlich für weibliche Schülerinnen reserviert waren, es gab auch Schulen, jedoch keine Gymnasien, mit zwei Eingängen über denen dann „Mädchen“ und „Jungen“ stand.

Gut, das waren alte Schilder, zugegeben. Es durften aber alle schon im selben Bus zur Schule fahren, man wurde lockerer.

Gerade die Gymnasien in der Altstadt waren hinter der eigenen Zeit, die 68er Unruhen waren ja schon vorbei.

Drei Schulen waren nur für Jungs, eines nur für Mädchen.

Offenbar gab es dreimal so viele Jungs wie Mädchen, nun, das ist natürlich ketzerisch, es gab ja auch moderne Schulen, die die Koedukation wagten.

Und zu so einer Schule schickten mich meine Eltern nach der vierten Grundschulklasse.

Nennen wir es das EMG, das Erich-Mühsam-Gymnasium, ein wenig außerhalb der Innenstadt gelegen, ein Bau aus den 60er Jahren, so schätze ich.

Nur zwei Stockwerke, weite Wege, große Schulhöfe, überdachte Fahrradständer, Lehrerparkplätze, eine große Sporthalle, ein gepflegter Rasenplatz mit Aschenbahn gleich nebenan.

Meine beste 400m-Zeit lief ich dort in Klasse 10, nichts ist tödlicher als ein 400m-Lauf, weil man da nicht groß taktieren kann, da gibt man an sich von Anfang an fast Vollgas.

Mühsam, das war nicht nur der Name, es war ein Omen. Es ging in Klasse 5 los, die Klassenlehrerin war die Direktorin, Frau Doktor Kriemhild.

Vom ersten Tag an war alles verflogen, die moderne Schule, der Sportplatz, die Halle, Turnmutter Kriemhild erschien.

Sie trug noch die Olympiarollen im Haar wie zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin, Ihre Kostüme waren neu, aber im Stil der 30er geschneidert, so war es immer.

Hier musste ich eben sehr aufpassen, weil es ja keine Olympiade in Berlin gab, die Olympiade, das ist ja der Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen.

Manchmal kommt bei mir eben raus, dass ich mal Lehrer war.

Ihre Freundin, Frau Doktor Buchner, trug Kleidung in demselben Stil, man munkelte über weitere Gemeinsamkeiten.

Der Unterricht war hart und fordernd, einmal platzte mir auf dem Schulweg ein Fahrradreifen, also rannte ich die fehlenden 3km zur Schule, die Zeit kann so schlecht nicht gewesen sein, ich kam nicht zu spät.

Nach der sechsten Klasse konnte man eine zweite Fremdsprache wählen, es wurde sogar Russisch angeboten. Das gab es sonst nur in der DDR, hinter der Grenze mit den Schussautomaten, ein Schutz gegen den Klassenfeind, der so aggressiv im Westen lauerte.

Wir wohnten 2km von der Grenze entfernt, im Sommer sollte man nicht zu weit auf den See hinausschwimmen, ein bedrohliches Szenario.

Nein, die Klasse für Russisch kam nicht zustande, es meldeten sich nur 25 Schüler an, es hätten 27 sein müssen, eine Entscheidung der Olympiarollen.

Also dann eben Latein.

Würde ich heute keinem Kind mehr empfehlen, Französisch kann man wenigstens sprechen. Latein war ja eher so wie Mathematik, nur ohne die Zahlen. Schöne Strukturen, man muss das mögen, wenn man es nicht hassen will.

Ich bin nicht Franz Josef Strauß, ich kann das heute nicht mehr.

In Klasse 9 stand ich einmal vor der geschlossenen Schule, offenbar ein Feiertag, ein zweiter Schüler stand neben mir, die Informationspolitik war damals schon fragwürdig.

Die Busse hatten noch einen Schaffner und man konnte hinten noch rauchen, aber so ganz sicher bin ich mir damit nicht.

Das Polster der alten Busse war dunkelgrün und im Winter habe ich immer für Regina einen Platz besetzt.

Sie saß lieber am Fenster, ich auch, aber man muss als Mann auch große Opfer bringen können.

Irgendwann fragte sie mich, Doris ging neben uns, auf dem Weg auf die Schultür zu ob „ich mit ihr gehen will“.

Ich druckste herum, bis sie „durch die Tür“ sagte.

Dann habe ich ihr nie wieder einen Platz besetzt, ich liebe nämlich Fensterplätze. Habe ihr trotzdem zugelächelt, wenn sie im Bus stehen musste, bin ja nicht nachtragend.

Nach der 10ten Klasse fiel meine Klasse komplett auseinander, mehr als die Hälfte wechselte an andere Schulen, es ging darum, die gewünschte Leistungskurskombination zu bekommen.

Na, an sich hätte ich da auch bleiben können, aber irgendwie muss man nach einigen Jahren den Verein wechseln, neue Erfahrungen im Ausland sammeln, es muss gar nicht Spanien sein wie bei Netzer und Breitner, auch Italien, wie bei Schnellinger und Haller davor, gar nicht nötig, die Altstadt reichte völlig.

Primanerhof, Primanerfünfkampf im Sommer, Plaketten mit den Siegern seit 1880 oder so im Gang, Sportplatz kilometerweit entfernt an der Allee, die zum Strand führte.

Das hatte alles Stil, aber es roch auch wie eine alte Polizeiwache, obwohl es für die Oberstufe Räume mit Teppich gab, diese Filzteppiche, großartig. Das hallte nicht so, ich bin sehr sensibel bei Räumen, in denen es hallt.

Am besten war für mich im Altstadtgymnasium, das schon Graf Luckner und Thomas Mann besuchten, der Chemieunterricht bei Herrn Dr. Altmann.

Er war klein, er ging mit einem Stock, er las Comics, er rauchte Gauloises, auch im Chemieraum, wenn keine Schüler da waren.

Er empfahl immer, mit Swiss Air zu fliegen, die beste Fluglinie von allen und die Stewardessen seien auch besonders hübsch.

Ich war noch nie geflogen, aber das mit den Stewardessen konnte ich verstehen. Manchmal ging man zum Unterricht in den Chemieraum, er mit einem Glas Cola vor der Tafel, die filterlose Kippe in den Fingern „Was wollt Ihr denn?“ „Wir haben jetzt bei Ihnen Chemie!“ „Oh Gott, schon wieder?“

Ich brauchte Chemie gar nicht, das hat er in der ersten Stunde gemerkt, er kannte mein Gesicht nicht und fragte, welche Leistungskurse ich habe.

„Mathematik und Physik“

„Ach, dann brauchst Du Chemie doch gar nicht! Was willst Du dann hier?“

„Mich interessiert Chemie, an meiner alten Schule fiel das immer aus.“

„Na, gut, aber wenn Du das nicht brauchst, dann kannst Du mir auch immer von Harries Cola holen.“

Harries, das war der Bäcker gegenüber der Schule.

Der Herr Dr. Altmann hatte so ein kleines Kabuff neben dem Chemieraum, alles voller Bücher, Ascher, Gauloises und Colaflaschen.

Aus seinem Kabuff holte ich mir dann zu Stundenbeginn einige Deutsche Mark, die lagen in einer Schale und ging raus zu Harries, Cola kaufen.

Manchmal rief er mir noch hinterher:

„Und nimm die leeren Flaschen mit, Martin!“

Das Restgeld legte ich wieder in die Schale, ich durfte ihm leider nie Zigaretten kaufen, das wäre zu weit weg gewesen. Aber ich habe auch nicht gefragt, ob ich das machen darf.

Einmal hat Ingeburg eine Formel falsch gesagt, da ging er wutentbrannt in sein Kabuff, man hörte immer nur „alles sinnlos, alles sinnlos“, trank Cola und rauchte.

Wir waren sehr ärgerlich mit Ingeburg, wir hatten vorgesagt, aber sie hörte nicht zu. Schlimm.

Zum Schluss musste ich, der Colaträger, zu ihm gehen und ihm sagen, dass Ingeburg das jetzt kapiert hat und ob er nicht zurückkommen will.

„Ja, gleich, noch zwei Züge. Kannst Du nächste Woche eine Flasche mehr holen? Der aus der anderen Klasse ist krank.“

Kein anderer hat uns geduzt.

Großartiger Lehrer, perfekte Tafelbilder, wir mussten das DIN A5 Heft quer legen und exakt so abmalen, wie er das an der Tafel machte. Jede Stunde zwei Tafeln, jede Stunde zwei Seiten im Heft. Auch die Farben sollten so sein, wie er sie benutzte. Hefte wurden kontrolliert.

„Tafeltechnisch“ mein Vorbild, diese Ordnung, diese Farben! Gauloise habe ich nur im Studium gedreht. Von der Examensarbeit an meinte ich, dass das zu viel Zeit kostete und wechselte auf Prince Denmark mit Filter, später zu P&S, die hellgrüne Packung im Softpack. Pappschachteln sind schrecklich. Das liest sich wie die verschiedenen Autos, die man fuhr. 

Drei Sorten, ziemlich variabel.


_

Aus der Schulzeitung „EMG“ von 1972:

Für Lehrer

1. Vergiß nicht, daß die Eltern deiner Schüler ein legitimes Interesse an dem Fortkommen ihres Kindes haben.

2. Erwarte weder vom Schüler noch von den Eltern Dank, unerwarteter Dank ist eine Dreingabe.

3. Gerechtigkeit bleibt auf Erden ein Wunschtraum. Dennoch ist das Streben danach für den Lehrer eine Existenzfrage.

4. Unterscheide streng zwischen unzureichender Leistung und schlechtem Benehmen eines Schülers.

5. Eine alte Erfahrung: Strenge, aber gerechte Lehrer sind beliebter als nachgiebige.

6. Beherrsche dich vor der Klasse, wenn dein Zorn auch berechtigt ist. Ein Gewitter zur rechten Zeit reinigt allerdings nicht nur in der Natur die Atmosphäre.

7. Als Lehrer darfst du den Schüler nicht schlagen. Lerne aber für alle Fälle den Notwehrparagraphen auswendig.

8. Respekt bei Schülern verschafft man sich durch Können und pädagogisches Geschick, nicht durch Einträge ins Klassenbuch.

9. Versuche nie, eigene Fehler zu vertuschen. Das Eingeständnis des Irrtums verschafft dir mehr Ansehen. Nur darfst du dich nicht zu oft irren.

10. Nimm deine Schüler ernst, auch wenn ihre Gedanken unausgegoren sind. Aber halte trotzdem Abstand, sonst klopfen sie dir auf die Schulter.

11. Laß dich durch Körperlänge nicht täuschen. Manche junge Menschen möchten lieber noch Kinder sein als erwachsen.

12. Kümmere dich um die Sorgen deiner Schüler, aber laß ihnen einen privaten Bereich.

13. Hilf den Schwachen, doch vergiß darüber nicht die Begabten. Nicht gerittene Pferde werden kreuzlahm.

14. Ein humorloser Lehrer ist wie ein farbenblinder Maler.

15. Laß dich bei der Festlegung deiner Noten von niemanden beeinflussen. Ein Lehrer braucht mehr Zivilcourage als mancher Politiker.

16. Trage deine Noten in die Zeugnislisten nicht erst ein, wenn die Kollegen sich entschieden haben. Eine eindeutige Fünf schafft mehr Klarheit als gequetschte Vieren.

17. Man kann aIs Lehrer immer noch dazulernen. Auch von Schülern und Eltern.

18. Jeder Lehrer ist in Gefahr, sein Fach für das wichtigste zu halten. Daher sollte er immer wieder einen Blick über den Zaun riskieren.

19. Auch im Lehrerberuf gilt: Stillstand ist Rückschritt. Aber nicht jede Reform bedeutet Verbesserung.

20. Konservatismus kann mehr Mut erfordern als Neuerungssucht.

21. Der schlimmste Feind des Lehrers ist nicht die Dummheit, sondern das Vorurteil.

22. Vertraue auf die ausgleichende Gerechtigkeit. Vielleicht wird der größte Rüpel deiner Klasse später Lehrer.

23. Lehrer müssen geduldiger sein als Esel, brauchen sich aber trotzdem nicht von jedermann prügeln zu lassen.

24. Sei haushälterisch mit deinen Kräften, doch strebe nicht nur danach, dem Staat ein guter Pensionär zu werden.

25. Halte dich an die Anordnungen deiner vorgesetzten Behörde, aber nimm dir die Freiheit, eine eigene Meinung zu haben.

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Das Foto zeigt Carina, vermutlich 1979, auf dem Primanerhof, direkt neben dem Chemie-Raum, offenbar gejagt von einem mit einer Afro-Frisur. So waren die Zeiten, er trug immer diese olivfarbene Jacke. Carina konnte übrigens super singen, die traf jeden Ton aus dem Radio.



Schule-Teil 7- „Abiturprüfungen“ (in German only, sorry)

Schule-Teil 7- „Abiturprüfungen“ (in German only, sorry)

Abiturprüfungen, insbesondere die mündlichen, die sind schon ein spezieller Fall.

Ich hatte zum Glück nie den Fall, dass ein Schüler einfach nur mit einem Punkt da durchkommen wollte, oder dass er es gar darauf anlegte, durchzufallen, um im nächsten Jahr einen besseren Durchschnitt zu erzielen.

Wer weiß, ob man sich ein Bein bricht und im nächsten Jahr ist die letzte Chance vertan? Ungeschickt! Oder dieses „Ich will nur einen Punkt, ich bereite mich auf gar nichts vor“-Ziel, sehr schlecht.

Ganz schlechte Idee.

Es mag ja mit einem oder zwei Punkten klappen, die hat man mit rudimentärem Grundwissen nach 4 Minuten erwirtschaftet, reicht ja. Aber dann folgen noch 16 Minuten mit Fragen, die man nicht versteht, auf die man keine Antworten hat.

Wenn den Lehrern dann nichts mehr einfällt, nein, sie müssen nicht 16 Minuten lang neue Fragen oder Hilfen anbieten, dann wird die Zeit echt lang, sie dehnt sich, die Sekunden verrinnen. Minutenlang, Du sieht aus dem Fenster und hoffst, dass das nur ein schlechter Traum ist.

Aber es ist real, es ist Deine Abiturprüfung und sie dauert 20 Minuten. 30 Jahre später fragen Dich Deine Kinder, wie es denn bei Dir war und Du druckst herum und sagst: „Ich bin da irgendwie durchgekommen“.

Bei Vorträgen in Deiner Firma … kurz, diese Prüfung mit dem einen Punkt begleitet Dich durch Dein Leben, fast wie Lothar Matthäus.

Das ist nicht gut, weder das mit der Prüfung noch das mit Lothar Matthäus.

Es gibt solche Fälle, ich hatte das große Glück in meinen jungen Jahren einer denkwürdigen Abiturprüfung in Gemeinschaftskunde als Protokollant beizuwohnen.

Der Prüfling wollte offenbar eine 6, damit er sich im nächsten Jahr verbessern kann.

Nun ja, es gibt Schüler, die sieht man eben lieber gehen als kommen, und noch ein Jahr, nun, Begeisterung löst das nicht immer aus.

Schüler sagt also wiederholt „Dazu kann ich gar nichts sagen, tut mir leid.“

Keine Frage wird beantwortet, die gestellten Aufgaben verstehe er nicht.

Der Vorsitzende der Prüfung lehnt sich gemütlich zurück, der Stuhl quietscht, er bringt einiges auf die Waage.

„Ach, ist doch egal, dann reden wir einfach ein wenig, es ist ja noch so viel Zeit!“

Der Schüler entspannt sich, der Prüfer schiebt seine Unterlagen schon zusammen, die Sonne scheint durch die Gardine, der Schüler nimmt einen Schluck Wasser. Draußen Schritte im Gang, es ist so ruhig, man hört ja alles.

Aber es ist doch alles gar nicht so schlimm. Nur noch ein paar Minuten.

„Was haben Sie denn heute gefrühstückt?“, fragt der große Vorsitzende mit den 60 Jahren Lebenserfahrung den Jungspund mit dem fehlenden Wissen aus dem lächelnden Mundwinkel in die Stille hinein.

„Ach, nur zwei Brötchen und einen Kaffee.“

„Helle Brötchen? Woraus macht man die?“

„Aus Weizen, glaube ich.“

„Und der Kaffee, woher kommt der?“

„Von Rewe!“

„Nein, wo der zum Beispiel angebaut wird?“

„Keine Ahnung. Afrika? Amerika?“

„Vielen Dank!“

Schüler verlässt den Raum lächelnd, ja, so sehen Sieger aus, kurze Besprechung.

„Schüler verfügt über Grundwissen zum Getreide- und Kaffeeanbau“, habe ich im Protokoll vermerkt, mit einem deutlichen Haken für eine positiv zu wertende Leistung.

Ergebnis: 5/01 Punkt, Abiturprüfung bestanden, keine Wiederholung möglich.

Herzlichen Glückwunsch!

Schule-Teil 6-„Abiturprobeprüfungen“ (in German only, sorry)

Schule-Teil 6-„Abiturprobeprüfungen“ (in German only, sorry)

Der Höhepunkt des Jahres kann eine Fußballweltmeisterschaft sein.

Irgendwann, ich weiß nicht, bei welcher WM das war, da spielte die deutsche Mannschaft mittags gegen 13 Uhr unserer Zeit oder so, es könnte 2002 gewesen sein.

Die Rumpelfußballer und Oliver Kahn brachten uns bis in das Finale. Linke, Ramelow, Metzelder, Jeremies, Hamann, Frings, Ziege, die haben alle im Finale gespielt, Rehmer und Jancker saßen auf der Bank.

Auf der Gegenseite Rivaldo, Ronaldinho, Ronaldo, Cafu, Roberto Carlos und Lucio, Kaka nur auf der Bank.

Jedenfalls haben wir dann in so einem „Hörsaal“ mit 60 oder 70 Plätzen einen Beamer aufgebaut, abgedunkelt und dann sind die Schüler nicht nach Hause gegangen, die noch da waren, sondern wir standen und saßen mit ca 100 im Raum und schauten Fußball.

Sehr schön, habe leider vergessen, welches Spiel das war. So einen Höhepunkt gibt es aber nur alle 4 Jahre oder noch seltener, weil ja nicht jede WM auf der anderen Erdhälfte stattfindet.

Der Höhepunkt des Jahres für alle Lehrenden und Lerner, nein, ich werde mich nie an diese Begriffe gewöhnen, sind immer die mündlichen Prüfungen, das ist auch ein wenig wie „WM“.

Immer, aber auch immer, ist es heiß und die Sonne scheint vom Himmel, es regnet an diesen Tagen niemals, nie.

Niemals sonst bekommen ja KollegInnen mit, wer wie unterrichtet und was die SchülerInnen können und wie sie sich ausdrücken, wenn es zum Beispiel um Mathematik geht.

Eine Abiturprüfung ist immer auch eine Prüfung der LehrerIn.

Das erhöht die Spannung nochmals, sozusagen wie beim ElfmeterInnenschießen.

Es gibt KollegInnen die sagten, so eine Prüfung lasse sie „völlig kalt“.

Immer wieder gern gehört, wenn derselbe Kollege dann ein leicht zitterndes Papier während der Prüfung umschichtet. Sicher zu dünnes Papier.

Eine gewisse Anspannung gehört dazu, wenn auch der Prüfer bei 100% sein soll. Ein guter Prüfer ist 2 Punkte wert, ein schlechter kann Dich sogar mehr kosten. Da sollte man sich nichts vormachen.

Der organisatorische Ablauf, hier am Beispiel Mathematik, ist immer identisch:

Schüler sind eine Stunde vor ihrer mündlichen Prüfung in einem Aufenthaltsraum, eine halbe Stunde vor der Prüfung erhalten sie vom Prüfer die Aufgaben, meistens zwei aus verschiedenen Themengebieten, dann bereiten sie sich auf die Aufgaben unter Aufsicht vor und werden anschließend für die Prüfung abgeholt.

Die dauert in der Regel 20 Minuten, manchmal etwas länger.

Da sitzen dann der Prüfer, ein Beisitzer, ein Protokollant und ein Vorsitzender, bis auf den Vorsitzenden sollten alle Fakultas haben, das klappt nicht immer, aber sei´s drum.

Manchmal dürfen noch Gäste, also SchülerInnen zuhören, die ein Jahr später ihre Prüfung ablegen. Das sollte man nutzen, wenn man SchülerIn ist. Weitere LehrerInnen können ebenfalls zuhören, tun es aber selten.

Ich fand es immer interessant, in Philosophie, Religion, Kunst oder Gemeinschaftskunde zuzuhören, wenn das Zeitfenster gerade geöffnet war. Da lernt man manchmal SchülerInnen ganz anders kennen, weil man sie nur aus dem Zahlen- und Buchstabensalat kennt, eine gute Lehre, auch für LehrerInnen.

Man sollte nie vergessen: Als Lehrer war ich für zwei Fächer zuständig, manchmal noch für ein drittes, aber von allen anderen hatte ich wenig Ahnung. Meine eigene Schulzeit als Grundlage und das, was ich so nebenbei las, mehr nicht.

Die meisten LehrerInnen würden Schwierigkeiten haben eine Prüfung in einem Fach zu bestehen, das sie nicht unterrichten.

„Zugegeben, ich kann ziemlich viel in meinen beiden Fächern, wäre auch fatal, wenn nicht. Aber in den anderen acht, die Ihr auch noch habt, könnt Ihr mich vergessen!“, so habe ich das vermutlich ausgedrückt.

Manche LehrerInnen scheinen das manchmal zu vergessen, weil sie in ihrem Fach SchülerInnen überlegen sind.

Wie bereitet man „Lerner“ (ja, das ist modern, geht aber auch wieder weg wie jeder Schnupfen) nun auf so eine Abiturprüfung vor?

Antwort: In den meisten Fällen wenig bis gar nicht. Oft werden nur Themen besprochen, das war´s. Das gehört dazu, ist aber nicht alles, das ist jedenfalls meine Meinung.

Wir haben im Kurs immer Freiwillige gesucht, die eine Prüfung „mitspielen“. Ich habe das exakt wie eine Abiturprüfung vorbereitet, der Ablauf war identisch. Alle Schüler ganz nach hinten an die Wand, vier nach vorne als Protokollanten, Beisitzer mit Zeitnahme und so weiter, ich prüfe.

Ich hatte das so mit einer Nachhilfeschülerin mal geprobt, da war ich noch Student. Wir hatten viel gelacht beim Üben, die war immer lustig beim Rechnen. Aber als ich die aus der Küche abholte zur Probeprüfung im Esszimmer, da zitterte sie etwas, gut, ich hatte sie auch plötzlich gesiezt, wie während der ganzen Prüfung, war ungewohnt. Nach der echten Prüfung rief sie kurz an und sagte, ich sei zehnmal schlimmer gewesen als ihre eigentliche Prüfung. Dreimal, nicht zehnmal, sie übertrieb gern.

Genau! So sollte es auch sein. Man nennt es „gut vorbereitet sein“, das Fachliche ist ein großer Teil davon, aber auch ein großer Teil ist nur ein Teil.

In der Schule hatte ich immer Freiwillige, denn die wirklichen Prüflinge (Das Wort erinnert mich immer an Schmetterling) nahm ich nie. Die denken sonst, ich frage eine Woche später dasselbe, so wie in der Realschule, manchmal, ganz selten, soll es das ja geben.

Die Freiwilligen konnten durch gute „Testprüfungen“ ihre Noten verbessern. Wenn es schlecht lief, haben alle geklatscht und „danke“ gesagt. Es lief selten schlecht. So hatten alle etwas davon.

Auch die Notenbesprechung haben wir gespielt, das gehört dazu, dann wissen die Schüler, welche Argumente vorgebracht werden können und so weiter, den größten Teil musste ich selbst in den verschiedenen Rollen spielen, aber das war dann auch egal. Es war etwas Spaß dabei, wenn meine Stimme ganz anders wurde. Muss sein der Quatsch, ein wenig Unterhaltung gehört dazu, eine Prüfungsvorbereitung ist keine Beerdigung.

Der schlimmste Moment für den Schüler ist der, wenn er aus dem Vorbereitungsraum abholt wird und dann durch einen circa 30 Meter langen Gang neben seinem ihn prüfenden Lehrer an den Ort der Prüfung gebracht wird, da war ich mir immer ziemlich sicher.

„Wenn Ihr das geschafft habt, dann ist die Prüfung schon fast vorbei!“

Ich habe jetzt die Nase voll von diesem -In und -Innen. Schon in meiner Examensarbeit, 1991 oder so, da ging es darum, Schülerinnen und Schüler zu schreiben. In den 80ern, da studierte ich mit Stefan, habe ich schon mal erwähnt, er war recht links und alle Texte hatte beide Formen, das ist jetzt 40 Jahre her. Man konnte es kaum lesen.

Da hat Stefan wutentbrannt einen schwarzen Stift genommen und eine Form im ganzen Text durchgestrichen. Er, links, ich sollte es niemandem sagen. Würde ich nie machen. Ja, ich weiß, wozu das gut ist, aber ich will nicht mehr Kulturstaatsminister werden.

Lasst uns in 40 Jahren wieder darüber reden, und es wird genauso sein wie heute. Viel Gewürz, aber kein Fleisch.

Während sich also der „Probeschmetterling“ 30 Minuten vorbereitete, hatten wir genug Zeit, genau dies zu üben, den Weg in den Raum der Prüfung, an den Ort, über dem dunkle Wolken schweben. Also alle in den Vorbereitungsraum und dann wortlos durch den dunklen Gang in den entfernten leeren Prüfungsraum mit dem Wasserglas, der Tafel und den sitzenden Lehrern mit den leeren Blicken nach 10 Prüfungen. Formel 1-Fahrer sitzen oft vor dem Start noch in der Box oder schon hinter dem Lenkrad, schließen die Augen und dann fahren die im Geiste den Kurs ab, das gibt es bei Skifahrern auch.

In der Schule habe ich mich über jedes kleine, leise „Oh, Scheiße“ auf dem Probeweg in den Prüfungsraum gefreut. Man fährt die gefährliche Runde in Monaco einfach sicherer, wenn man die Kurven, speziell vor den Casino, schon kennt.

Schule-Teil 5-„Spezialfälle“ (in German only, sorry)

Schule-Teil 5-„Spezialfälle“ (in German only, sorry)

Ist Euch das aufgefallen, dass das Wort Junglehrer, es ist ein altes Wort, ich glaube ich habe es von meinen Eltern, …. nun, ist Euch aufgefallen, dass das mit „Jungle“ anfängt?

Genau, so ist es auch, ein Dschungel, keine festen Wege, viel Regen, es geht heiß her, wilde Tiere gibt es, Schlangengruben auch.

Besonders bei Kollegen.

Neues ist da oft nicht gern gesehen.

Nach dem Referendariat hatte ich mich bereits nach Dänemark an eine deutsche Schule „abgesetzt“, sah alles gut aus dort, aber Apenrade ist klein und nicht so ganz der Ort zum Leben. Urlaub gern.

In Schleswig-Holstein gab es ja keine Stellen.

Dann wurde ich aus der Landeshauptstadt angerufen, ich könne eine Schwangerschaftsvertretung an zwei Berufsschulen unserer alten Stadt übernehmen, Schwerpunkt Fachgymnasien.

Als ich berichtete, dass ich eine Stelle in Dänemark habe, da wusste er davon schon.

Ich sagte ihm, dass ich einen Tag später zurückrufen werde. Das war an sich eine Frechheit, aber er war einverstanden, einen Tag zu warten.

Am nächsten Tag habe ich ihm gesagt, dass so ein Vertrag für 10 Monate für mich keinen Reiz habe, es gäbe Dänemark und auch noch andere Länder, meine Noten waren ja nicht die schlechtesten.

„Nun, ich kann Ihnen das nicht schriftlich geben, aber Sie können davon ausgehen, dass Sie an einer dieser Schulen bleiben können. Mehr darf ich nicht sagen.“

Gut, dann habe ich zugesagt.

An der einen Schule bekam ich das erste Mal keinen Schulschlüssel, höchst bemerkenswert, nach einer Woche hörte ich mehrfach „Schlüssel bekommen nur die Abteilungsleiter, sonst nur der Hausmeister.“


Dann habe ich ein Schreiben mit einem Antrag auf einen Schulschlüssel gestellt, mit Begründung … Physik, neue Sammlung … etc.“

Am nächsten Tag hatte ich den Schlüssel.

„Aber dafür brauchen Sie doch keinen Antrag zu stellen, Herr Bruno, … es muss aber nicht jeder wissen.“

Als ich einer FOS den Raum aufschloss, hörte ich von Schülern, die älter als ich waren, „Na, super, ein Schüler vom letzten Jahr.“

Der Anfang -speziell an der Schule B- war bemerkenswert.

Ich hatte einen Termin mit dem Direktor schon vor den Sommerferien, danach sollte ich dort anfangen, ich bekam sofort einen Leistungskurs.

Die Kollegen rieten davon ab, die wollten den selbst, wie auch die anderen 20 Jahre. Er empfahl mir, mich mit einer „erfahrenen Kollegin“ zu treffen.

Sie war aus einem anderen Jahrhundert.

„Ich bin die Auguste, wir Mathematiker duzen uns alle an der Schule, Martin.“

„Martin, wir geben in der elften Klasse am Ende des Schuljahres grundsätzlich einem Drittel der Schüler eine 5 oder 6 und wir wollen auch, dass das so bleibt.“

Dieser Satz ist ein Original, er ist fest eingebrannt auf meiner geistigen Festplatte.

„Ich verstehe, worauf Du hinaus willst, Auguste. Ich bin ja noch neu, sind Klassen nicht manchmal unterschiedlich leistungsstark? Also, muss man nicht auch manchmal der Hälfte der Schüler eine 5 geben?“

„Ja, Du hast Recht, das kann auch vorkommen.“

„Dass es auch bessere Klassen gibt, das ist sicher sehr selten, oder?“

„Nein, das hat es noch nie gegeben.“

Am Ende des ersten Jahres, ich hatte eine tolle Klasse, da gab ich nur drei Fünfen. Von da an war ich die neue Ella. (Das versteht Ihr erst einen Absatz später, ist nicht schlimm, ich gebe keine Zensuren mehr.)

Auch noch als ich später leistungsschwächere Klassen hatte und auch mal im Drittelbereich mitspielen musste, ich blieb „Ella“. Dazu könnte ich noch mehr sagen, also warum und wann schlechte Noten sinnvoll sein können, aber hier passt es nicht.

Am ersten Tag im Lehrerzimmer, ein Kollege für Zahlen weist mich ein:

„Hier sitzen wir Mathematiker, ich, der Hartmut, die Auguste, die Du schon kennst, der Walter, der Matthias und die Mulla. Der Stuhl da, der ist noch frei. Da saß die Ella, die passte nicht so zu uns.“


Dass er sich als erstes nannte, nun, das passte, Mulla hatte gar nicht Mathematik studiert, so munkelte man, konnte aber nur das, so rudimentär jedenfalls, Blätter verteilen und nachrechnen.

Also musste die immer mit Mathestunden im Gymnasium versorgt werden, so lief das da an der Schule B. Manchmal kommen Menschen in eine Position und irgendwann weiß keiner mehr so recht, warum die da gelandet sind, sehr ominös.

Das ganze kam mir wie eine Drohung vor „wer nicht bei uns sitzt, ist gegen uns“.

„Oh, danke, sehr nett! Gibt es hier ein Raucherzimmer?“

Ihr könnt Euch den Rest denken, ich bekam den Platz vom Ludwig, der bis zur Pension immer einen Schuss Finlandia im Tee aus der Thermoskanne hatte.

Da war es lustig, da saßen der Künstler, der Deutschlehrer, die Informatiker, manchmal flossen Tränen vor Lachen. Bei Geburtstagen gab es ein opulentes Frühstück, die Abteilungsleiter kamen gern und wurden locker, es war wie eine Großfamilie.

Und links neben mir Horsti mit den besten Sprüchen „Na, Maddin, heute wieder das Thema ´Die Klingel´ in Physik? Oder nach 2 Wochen Klingel jetzt ´Die Luftpumpe´, Du Luftikus?“

Dann noch der Pastor, den man auch „Gott“ nannte, er war irgendwann an einer Schule gelandet, die Gründe blieben unklar, weil er ja auch manchmal Gottesdienste hielt.

Er fühlte sich wohl mit den jungen Menschen.

Und Kaffee gab es immer.

Steven kaufte ihn ein und lagerte ihn in seinem 3er-BMW-Kofferraum, eine Packung holte er nur, wenn sie gebraucht wurde, damit nichts gestohlen wurde.

Klar, der hat uns immer etwas beschissen, aber dafür mussten wir nicht einkaufen gehen.

Er war ja Nichtraucher, zu teuer das Rauchen. Jeder hatte dort seine kleinen Macken.

Captain Bounty zum Beispiel, der kommentierte gern das Aussehen von Schülerinnen, er vergab Punkte, er fand das lustig, aber es war auch höchst peinlich, wenn man das anhören musste. Gelacht haben wir leider manchmal trotzdem. Verwandte wird man nie los, Kollegen sind ein ähnlicher Fall.

Da braucht es einen Modus Vivendi, wie der Spanier sagt. 🙂

Die Rettung war dann oft der Horsti.

Es klopft an der Lehrerzimmertür, Horsti macht auf, die Schwaden ziehen ins Treppenhaus, er schließt die Tür und ruft dem Bounty zu:

„Captain, da stehen 15 Punkte für Dich draußen und wollen mit Dir sprechen.“

So schnell war der Captain noch nie an der Tür! Dann kam er zurück „Wie jetzt, 15 Punkte, Horsti?“

„Na, alle vier zusammen, ist doch klar, Captain!“

Lehrer scheinen auch Menschen zu sein, manches darf aber keiner wissen.

Und es gab auch Lehrerinnen, die Schüler richtig niedlich fanden. Ein guter Satz, auf zwei Weisen lesbar, nicht wahr? Auch das sollte erwähnt werden, weil es ja sonst keiner tut.

Übrigens gestand mir ein Schüler einer Klasse, die ich gar nicht kannte, im zweiten Jahr seine tiefe Zuneigung. Nicht einfach zu lösen, solche Begebenheiten. Ich kannte ja schon die Frau, die später die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, wurde.

Zwei Jahre vergingen schnell, an der einen Schule hatte ich eine elfte Klasse mit einem tollen Mathematiker, der konnte fast alles.

Mit seinem älteren Bruder spielte ich Beachball am Strand.

Nun ja, der schrieb also Einsen in den Arbeiten, fehlte aber in 70% der Unterrichtsstunden, meistens unentschuldigt. Der Michi. Und nun?

Was macht man jetzt? 6/00 Punkte habe ich am Jahresende eingetragen, deshalb musste er wiederholen. Nur wegen Mathematik. Offenbar war er in den anderen Fächern immer anwesend gewesen.

Kleiner Scherz, Freunde.

Er fiel aus allen Wolken, ich hatte gemahnt und gemahnt, es half ja nichts.

Und wenn Ihr jetzt meint, das sei ungerecht, dann dürft Ihr mir das gern schreiben.

Nach dem Sommerferien saß er aber wieder in meinem Kurs, in derselben Klassenstufe wie im letzten Jahr.

„Michi, Mann, was ist denn jetzt los? Das müssen Sie sich doch nicht zweimal antun!“

Nein, er habe sich das überlegt, er wolle nochmal in meinen Kurs. Es lief super, zum Schluss hatte er seine Eins. Gut, er fuhr nachts Taxi, er brauchte das Geld. Im Unterricht schlief er oft ein, mit dem Kopf schräg auf dem Tisch, aber er war im zweiten Jahr immer da, auf seinem Platz hinten links in der letzten Reihe.

„Herr Bruno, der Michi ist eingeschlafen!“

„Ja, habe ich gesehen, lasst ihn mal, dann müsst Ihr eben etwas leiser sein.“

Und die Josephine, die hatte es geschafft in der Realschule eine 5 in Mathe zu bekommen, jetzt machte sie die Fachhochschulreife, im ersten Jahr scheiterte sie an Mathematik, nicht bei mir, es war eine 6.

Bei mir schrieb sie im Wiederholungsjahr auch immer eine 6. Es lag ihr nicht, Zahlen und Buchstaben, das kann verwirren, aber die anderen Fächer waren alle ohne Probleme und alles war „glatt“, wie man sagte.

Am Ende des Jahres gab ich ihr eine 5. Sie war immer da, sie hatte sich immer Mühe gegeben, gefragt und gerechnet, falsch, aber sie hatte das schönste Heft der ganzen Klasse, aber sie konnte es eben nicht.

Es gibt Wichtigeres im Leben als ein paar Zahlen und Buchstabensalat. Eine 5 sagt in ausreichendem Maße aus, was jemand in Mathematik kann. Ein Kollege spottete über meine 5, er hatte ja die 6 im Jahr zuvor gegeben.

Im Prüfungsjahr wieder dasselbe Spiel, als Vornote gab ich meine 5, Abschlussarbeit 6, dann entschied ich ohne mündliche Prüfung für die Note 5 und sie hatte ihre Fachhochschulreife.

Und wenn Ihr jetzt meint, das sei ungerecht, dann müsst Ihr mir das schreiben.

Nach zwei Jahren wurde ich von beiden Schulen für eine volle Stelle angefordert.

Im Raucherzimmer teilte mir die Direktorin von A mit verschwörerischer Stimme heimlich mit „Sie bleiben bei uns! Ich habe es nur noch nicht schriftlich.“

Da konnte ich nur Mathematik unterrichten, die Ausstattung war auch nicht so toll, das Raucherlehrerzimmer viel zu klein.

Wie schreibt man Raucherlehrerzimmer korrekt? RaucherInnenLehrerInnenzimmer? RaucherInnenLehrendenzimmer? Zimmer für rauchende Lehrende?

Ok, das gibt es ja nicht mehr. Vielleicht ist das der Grund, der Name.

Außerdem hatte mich bei A einer ein „Zuckerpüppchen“ genannt, weil ich ja Gymnasiallehrer war, ich war ja kein Handelslehrer. Ich wollte also lieber an die andere Schule B, also rief ich in Kiel an, den Herrn kannte ich ja schon.

„Sie müssen jeweils an Schule A und an Schule B jemanden für Mathematik schicken, richtig? Ich habe gehört, dass ich nach A gehen soll, aber ich will lieber B sagen.“

„Ja, wenn Sie das wollen, meinetwegen, dann ändere ich das und der andere geht nach A.“

Super, das hatte geklappt.

Natürlich Enttäuschung bei Frau A, mich falsch informiert zu haben, es war ein „Missverständnis“ im Kontakt mit Kiel, ja, das kommt vor, gerade mit Kiel.

Schade.

Dann vor den Sommerferien noch der Ausflug mit den Kollegen der Schule B, wir trafen uns in einem Dorf am Rande der Stadt, viel Grün da.

Es war warm, der Direx von B trug sein Hemd weit geöffnet, er trug eine große schwarze Sonnenbrille, Metallrand, auch schwarz, schlicht der Rest. Gürtel und Schuhe in derselben Farbe, wie bei Lothar Matthäus. So war es Anfang der 90er nach dem WM-Titel in Rom unter Beckenbauer. Der Elfmeter von Brehme, Maradona sehr traurig, er weinte.

Sorry, ich verlaufe mich in den großen Erfolgen meiner Jugend, also der Direx, gekleidet etwas wie bei der Mafia, so sah das aus. Das war ein Scherz.

„Na, Herr Bruno, Glückwunsch! Sie bleiben bei uns, an der B, dann freuen Sie sich mal!“

Kurzer Griff an den Rahmen der Sonnenbrille, ich konnte seine Augen nicht sehen, die Hitze, die brennende Sonne von Palermo, Ihr wisst schon. Er nuschelte ein wenig, fast wie in einem Film.

„Ach, das freut mich wirklich, sehr schön, mein Pate!“

„Ich habe Ihnen doch gesagt, wenn ICH das in die Hand nehme, dann klappt das auch!“

Ich habe diese Geschichte niemals jemandem erzählt, niemals. Man nennt es „Omerta“.

Und wenn Ihr jetzt meint, das sei alles unfair von mir gewesen, dann müsst Ihr mir das schreiben.

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Und nein, ich habe den Aufmacher aus der ZEIT noch nicht gelesen, das tue ich, wenn ich hier fertig bin.

Dog walk and a cake-Cake walk and a dog

Dog walk and a cake-Cake walk and a dog

Well, no one would guess it, but over time I have developed a few habits that set a certain rhythm. You need constants in life, whether it’s the bakery, a fixed time to get up, or a fixed time to walk the dog in the late morning. Constants are not only the simplest case imaginable in mathematics, but also outside of it! There are dog trainers who say that dogs need variety, not fixed routes. Unfortunately, our dog missed the program, probably during one of his rest periods. He loves the fixed route along the water and back through developed areas. I run this loop alone, without the best wife I’ve ever had. My wife has a habit of spending the morning doing paid work.

This morning loop usually takes 43 minutes. A dog like this covers at least twice the distance. It can also be 41 minutes if it’s raining, but that’s because the dog also likes something dry and speeds up his steps, he doesn’t like to get wet. The other day I wanted to give him a shower, so I went down to the basement to get two big towels, I didn’t say a word, but he was right under our double bed. He knows exactly what a ritual is.

When we meet Picasso for a walk, which is rare, it can take 48 minutes. Just saying hello to two dogs takes about 30 seconds, but as I said, Picasso is usually in his studio or somewhere else at that time. Picasso doesn’t go into the large garden at home alone, he finds it too lonely. He weighs an estimated 45 kg and protects his home from the inside. The time window of 41 to 48 minutes, which is flexible for me as you can see, has unfortunately shifted and that’s because of this café in our part of town. It’s on a street corner and has outdoor seating and two beach chairs. I tend to make the outdoor seating dependent on the weather, I don’t commit to that in advance.

It is the best café in the world, and you know very well that I am an extremely reserved, cautious person when it comes to superlatives, and would never give my emotions free rein in matters of fact. So we have to plan a break of about 25 minutes. This extends the time window for the late morning round to 66 to 73 minutes, so it is still a plannable element in the daily routine. The first visit was difficult, but after that the problems diminish with repetition. It’s like having a first boyfriend or girlfriend.

The dog got a slice of smoked turkey breast there about 4 years ago, I think. He got it from a gentleman who works there, with a full beard, who always wears heavy metal band t-shirts, usually black. As you can see from the turkey breast, he is very friendly, but not a service person like you might expect. It’s more like you’re visiting him and he’s forbidden you to help or get up. But you still pay for what you eat. And these cakes, you wouldn’t believe them. Bündner Nuss, cheese cream with poppy seeds, chocolate cake, fruit elements, caramel cake, the selection changes every day. There are also these little French things in delicate pastel colors. Our daughter loves them, especially because they come from France. I can’t think of the name, but you know what I mean. France, Marion Cotillard, Platini, Becaud, Lagerfeld, snails in Paris in garlic oil, the Carlton in Cannes, Vanessa Paradis, the Negresco in Nice, perfume from Grasse, they’re in that league.

I often see people I know in the café, some teachers from the elementary school across the street, staff from the kindergarten next to the church in the other direction, and the pastors of the church, they also appreciate the quality, there’s no need to say a quick prayer. I also meet the neighbors, I greet them in a friendly but reserved way, but I don’t want to be a nuisance, it also puts my schedule at risk to a certain extent, the time slot is flexible, yes, but it’s not a sliding door either.

Sometimes I thought I’d leave a piece of cake for the next day. It could be that after 31 minutes of walking I’ve already planned a caramel cake, but then it’s not there and I have to reschedule the day, unthinkable. It’s like a mathematical problem without a solution, but even the four-color problem could be solved in the end. Something like that always encourages me to accept adversity, like a missing cake flavor. Now the friendly gentleman with the full beard and perfect tattoos wasn’t there anymore, but a young woman, also tall, no full beard, of course, no heavy metal. It took me less time than usual to get used to it. If he was on vacation, I would have liked to know before, but I don’t want to be petty. The cake stayed the same, as did the coffee and the dog. As I said, constants have their appeal.

In short, I have to go there every morning because of the dog, he stays outside the door, tugging at the leash is pointless, he wants to trace the memory of the cured slice of turkey breast. I give in.

Hundespaziergang mit Kuchen-Kuchenspaziergang mit Hund

Hundespaziergang mit Kuchen-Kuchenspaziergang mit Hund

Nun, es wird keiner vermuten, aber im Laufe der Zeit habe ich einige Gewohnheiten entwickelt, die einen gewissen Rhythmus vorgeben. Man braucht Konstanten im Leben, ob es der Bäcker ist, eine festgelegte Zeit zum Aufstehen oder eben eine feste Hunderunde am späten Vormittag.

Konstanten sind nicht nur in der Mathematik der einfachste vorstellbare Fall, auch außerhalb! Es gibt ja Hundetrainer, die sagen, dass der Hund Abwechslung braucht, keine festen Wege, die beschritten werden. Unser Hund hat die Sendung leider verpasst, vermutlich lief sie in einer seiner Ruhephasen. Er liebt die feste Runde am Wasser entlang und durch bebautes Gebiet zurück. Ich gehe diese Runde allein ohne die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte. Meine Frau hat die Gewohnheit, den Vormittag mit bezahlter Arbeit zu verbringen.

Diese Morgenrunde erfordert in der Regel ein Zeitfenster von 43 Minuten. So ein Hund legt ja mindestens die doppelte Strecke zurück. Es können bei Regen auch 41 Minuten werden, aber das liegt daran, dass auch der Hund etwas Trockenes gern hat und seine Schritte beschleunigt, er wird nicht gern nass. Kürzlich habe ich ihn duschen wollen und ging nur in den Keller, um zwei große Handtücher zu holen, ich sagte kein einziges Wort, aber er war sofort unter unserem Ehebett. Der weiß genau, was ein Ritual ist.

Wenn wir auf der Runde Picasso treffen, ein seltener Fall, dann können es auch 48 Minuten sein. Schon die Begrüßung zweier Hunde dauert um die 30 Sekunden, aber wie gesagt Picasso ist um die Zeit meistens im Atelier oder sonst wo. Picasso geht allein nicht in den großen heimischen Garten, das ist ihm zu einsam. Er wiegt geschätzt 45kg und schützt sein Heim vom Innenbereich aus.

Das Zeitfenster von 41 bis 48 Minuten, flexibel bei mir, wie Ihr ja seht, hat sich leider verschoben und das liegt an diesem Cafe in unserem Stadtteil. Es liegt an einer Straßenecke und bietet auch im Außenbereich Sitzplätze sowie zwei Strandkörbe. Ich pflege das Sitzen im Außenbereich von der Wetterlage abhängig zu machen, ich lege mich in dieser Hinsicht nicht vorab fest.

Es ist das beste Cafe der Welt und Ihr wisst genau, dass ich bei Superlativen ein äußerst zurückhaltender, behutsamer Mensch bin, der seinen Emotionen in Sachfragen niemals freien Lauf lassen würde. Es ist also eine Pause einzuplanen, die ungefähr 25 Minuten dauert. Das weitet das Zeitfenster für die späte Vormittagsrunde auf 66 bis 73 Minuten aus, es handelt sich also durchaus noch um ein planbares Element im Tagesablauf. Der erste Besuch war schwierig, danach nehmen die Probleme durch Wiederholung ab. Es ist wie mit der ersten Freundin oder dem ersten Freund.

Der Hund hat vor 4 Jahren dort einmal eine Scheibe Putenbrust bekommen, gepökelt, glaube ich. Er bekam sie von einem dort arbeitenden Herrn mit Vollbart, er trägt immer T-Shirts von Heavy-Metal-Kapellen, meistens in Schwarz. Wie an der Putenbrustgabe zu ersehen ist, ist er sehr freundlich, dabei aber keine Servicekraft wie man vermuten könnte. Es ist eher so, dass man sich fühlt als sei man bei ihm zu Besuch und er habe verboten, dass man hilft oder aufsteht. Man bezahlt den Verzehr aber dennoch.

Und diese Kuchen und Torten, Ihr glaubt es ja nicht. Bündner Nuss, Käsesahne mit Mohn, Schokoladentorte, Fruchtelemente, Karamellkuchen, jeden Tag wechselt das Angebot. Es gibt auch diese kleinen französischen Dinger in den hauchzarten Pastellfarben. Unsere Tochter liebt sie sehr, vor allem, dass sie aus Frankreich kommen. Ich komme nicht auf den Namen, aber Ihr wisst schon. Frankreich, Marion Cotillard, Platini, Becaud, Lagerfeld, Schnecken in Paris in Knoblauchöl, das Carlton in Cannes, Vanessa Paradis, das Negresco in Nizza, Parfum aus Grasse, …. in der Liga spielen die Dinger.

Häufig sehe ich im Cafe Menschen, die ich kenne, einige LehrerInnen der Grundschule schräg gegenüber, MitarbeiterInnen des Kindergartens neben der Kirche in der anderen Richtung, zusätzlich die PastorInnen der Kirche, auch sie wissen die Qualität zu schätzen, ein Stoßgebet erübrigt sich.

Auch Nachbarn treffe ich an, ich grüße freundlich, aber zurückhaltend. Ich will jedoch nicht störend einwirken, es gefährdet in gewissen Maße auch meine Ablaufpläne, das Zeitfenster ist flexibel, ja, es ist aber auch keine Schiebetür.

Manchmal habe ich schon gedacht, ich lasse mir ein Stück Kuchen für den nächsten Tag zurücklegen. Es kann ja sein, dass ich nach 31 Minuten Weg schon fest einen Karamellkuchen eingeplant habe, dann ist der aber nicht da und ich muss den Tag umplanen, nicht auszudenken. Das ist dann wie ein mathematisches Problem ohne Lösung, aber selbst das Vierfarbenproblem konnte ja letztendlich gelöst werden. So etwas ermutigt mich immer wieder, auch Widrigkeiten wie eine fehlende Kuchenvariante in Kauf zu nehmen.

Jetzt war der freundliche Herr mit dem Vollbart und den perfekten Tattoos schon einige Male nicht da, aber dafür eine junge Frau, auch groß, kein Vollbart, klar, kein Schwermetall. Ich konnte mich in kürzerer Zeit als sonst daran gewöhnen. Wenn er im Urlaub ist, dann hätte ich das gern vorher gewusst, aber ich will nicht kleinlich werden. Der Kuchen blieb ja identisch, der Kaffee und der Hund auch.

Wie bereits erwähnt, Konstanten haben durchaus ihren Reiz.

Kurz, ich muss wegen des Hundes jeden Vormittag dort einkehren, er bleibt vor der Tür sitzen, das Zerren an der Leine ist zwecklos, er will der Erinnerung an die gepökelte Scheibe Putenbrust nachspüren. Ich gebe dem nach.

Schule-Teil 4-„Irgendwas über Lehrer“ (in German only, sorry)

Schule-Teil 4-„Irgendwas über Lehrer“ (in German only, sorry)

So, wenn dann eine „Junglehrerin“ oder ein „Junglehrer“ die Zeit des Referendariats erfolgreich beendet hat und sogar durch glückliche Umstände zu einer vollen Stelle an einem Gymnasium kam, dann, ja dann fangen die Problem nämlich erst richtig an.

Im sogenannten zweijährigen „Vorbereitungsdienst“ lernt man vor allem, wie man perfekte Stunden gibt, für die betreuende Lehrkraft, für den Seminarleiter bei den zahlreichen Unterrichtsbesuchen, für die benoteten Lehrproben, bei denen auch die anderen Referendare anwesend sind und schließlich für die abschließenden Prüfungen.

Ich weiß gar nicht mehr, wie man das nannte oder heute nennt, ist auch egal, „you´ve got the picture“.

Im Referendariat sind LehrerInnen (gar nicht so unpraktisch, diese Schreibweise) oder Lehrende mit 10 bis 12 Wochenstunden sehr gut ausgelastet.

Aber danach kommen Dir dann in einer dunklen Gasse 25 Wochenstunden im schwarzen Umhang mit doppelt so vielen Klassen entgegen.

Sie lächeln nicht, sie fletschen die Zähne.

Darauf ist keiner auch nur ansatzweise vorbereitet.

Erhöht der junge Lehrer seinen Arbeitsaufwand proportional zur Stundenzahl, ist er nach 2 Jahren pensionsreif, das ist nicht zu schaffen. Behält er seinen Arbeitsaufwand bei, dann gibt er Unterrichtsstunden mit denen er fast immer unzufrieden ist, weil man ihm vermittelt hat, wie ein guter Unterricht auszusehen hat.

Keine gute Lösung.

Auf Deutsch: So eine Ausbildung erzeugt leider von Anfang an mit sich selbst unzufriedene Lehrer, wenn sie denn einen höheren Anspruch an sich haben.

Es gibt auch die, die es nach dem Referendariat nur noch laufen lassen, es klingelt bald, die Ferien wollen geplant werden, nachmittags dann noch Kurse an der VHS, gibt es alles.

Im Unterricht laufen viele DVDs, der Spitzname ist „Mr. Deejay“, egal, verbeamtet ist verbeamtet.

Nein, so sind nicht alle.

Ob die Fachleiter selbst mit einer vollen Stelle solch perfekt geplanten Unterricht anbieten können? Ich habe da meine begründeten Zweifel.

Ich durfte am Anfang meiner Zeit als Referendar meinen Seminarleiter für Mathematik in eine Sexta begleiten, für nur eine Stunde.

Ich fand diesen Seminarleiter toll, ein Mathematiker wie ich ihn selten kennengelernt habe: Tolle Ideen, eine traumhafte große Schrift, wenn er in meinem Unterricht Notizen machte. Er konnte sehr gut loben, er konnte motivieren, er war ausgleichend, manchmal nicht klar genug, wenn ein Referendar im Unterricht zum Beispiel ständig „Scheiße“ sagte.

Nun gut, also ich mochte den vom ersten Tag an.

Ich mag leider Typen, die nicht dem entsprechen, was man im Allgemeinen erwartet, es sind meistens auch die besten.

Jedenfalls ging seine gut geplante Stunde mit entdeckendem Lernen bei Bruchzahlen in der Sexta total in die Hose.

Die Schüler blieben nicht sitzen, sie hörten nicht zu, es war keine Struktur mehr da, er fing an zu verzweifeln, seine Blickwechsel beschleunigten sich. Es war wie eine Schießerei im Western, aber ich stand zum Glück auf der Veranda des Saloons und dachte an einen Whiskey.

Was sollte ich tun? Helfen? Wie denn? Einmal laut werden, wie es meine Art später gewesen wäre? Geht auch nicht.

Er verteilte also eine Strafarbeit nach der anderen bis sein Revolver leer war.

„Hat nicht so gut geklappt, so ist Schule auch manchmal, ich habe viel falsch gemacht“, hat er zu mir auf dem Weg ins Lehrerzimmer gesagt.

Seht ihr, der hatte nämlich „Klasse“, auch wegen der geröteten Wangen. Ich glaube trotzdem, dass er in der Lehrerausbildung besser aufgehoben war als in einem Klassenraum mit 25 SchülerInnen.

Keinem habe ich davon damals erzählt, keinem einzigen. 

„Niemand wird es je erfahren“, das ist jetzt aus „Die Firma“ als Mitch seine Frau betrügt. Sorry, ich komme vom Thema ab. Schule kann sehr zäh sein, wisst Ihr?

Kürzlich berichtete mir noch ein junger Lehrer aus einem Elterngespräch, das Kind hatte nur Einsen im Zeugnis.

Trotzdem machte die Mutter, Professorin, mit jeder Lehrerin und jedem Lehrer einen Gesprächstermin aus. Der Lehrer sollte dann die einzelnen Fragen aus der Klassenarbeit begründen.

Ich habe fast nur in der Oberstufe unterrichtet, ich hatte wenige Elterngespräche, keine Ahnung, was ich mit der Dame gemacht hätte.

Echt jetzt, meine Kinder haben zusammen 24 Jahre Schule hinter sich, ich habe ein einziges Mal einen Termin mit einem Lehrer ausgemacht. Das überließ ich ansonsten gern meiner Frau, der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte.

Er, groß und muskulös, Cabriofahrer, tut aber nichts zur Sache, hatte meinen Sohn mehrfach etwas grob angefasst, also körperlich.

Der Termin war kurz, sehr kurz. Er kam nicht zu Wort. Ich diskutiere gern, aber nicht mit solchen „Vögeln“.

Er sprach alle Jungen im Unterricht mit den Nachnamen an, alle Mädchen mit den Vornamen. Die einen waren Konkurrenz, die anderen, nun ja, wie soll ich es sagen?

Jedenfalls wurde er tief rot, stotterte, dann ging ich.

Er war zu meinem Sohn höchst freundlich, die ganzen folgenden Jahre. Alle Jungs hatten plötzlich Vornamen, erstaunlich. Aus Western kann man viel lernen.

Manchmal muss man auch da nur den Griff der Waffe streicheln.

Sorry, ein Einzelfall.