
Schule-Teil 6-„Abiturprobeprüfungen“ (in German only, sorry)
Der Höhepunkt des Jahres kann eine Fußballweltmeisterschaft sein.
Irgendwann, ich weiß nicht, bei welcher WM das war, da spielte die deutsche Mannschaft mittags gegen 13 Uhr unserer Zeit oder so, es könnte 2002 gewesen sein.
Die Rumpelfußballer und Oliver Kahn brachten uns bis in das Finale. Linke, Ramelow, Metzelder, Jeremies, Hamann, Frings, Ziege, die haben alle im Finale gespielt, Rehmer und Jancker saßen auf der Bank.
Auf der Gegenseite Rivaldo, Ronaldinho, Ronaldo, Cafu, Roberto Carlos und Lucio, Kaka nur auf der Bank.
Jedenfalls haben wir dann in so einem „Hörsaal“ mit 60 oder 70 Plätzen einen Beamer aufgebaut, abgedunkelt und dann sind die Schüler nicht nach Hause gegangen, die noch da waren, sondern wir standen und saßen mit ca 100 im Raum und schauten Fußball.
Sehr schön, habe leider vergessen, welches Spiel das war. So einen Höhepunkt gibt es aber nur alle 4 Jahre oder noch seltener, weil ja nicht jede WM auf der anderen Erdhälfte stattfindet.
Der Höhepunkt des Jahres für alle Lehrenden und Lerner, nein, ich werde mich nie an diese Begriffe gewöhnen, sind immer die mündlichen Prüfungen, das ist auch ein wenig wie „WM“.
Immer, aber auch immer, ist es heiß und die Sonne scheint vom Himmel, es regnet an diesen Tagen niemals, nie.
Niemals sonst bekommen ja KollegInnen mit, wer wie unterrichtet und was die SchülerInnen können und wie sie sich ausdrücken, wenn es zum Beispiel um Mathematik geht.
Eine Abiturprüfung ist immer auch eine Prüfung der LehrerIn.
Das erhöht die Spannung nochmals, sozusagen wie beim ElfmeterInnenschießen.
Es gibt KollegInnen die sagten, so eine Prüfung lasse sie „völlig kalt“.
Immer wieder gern gehört, wenn derselbe Kollege dann ein leicht zitterndes Papier während der Prüfung umschichtet. Sicher zu dünnes Papier.
Eine gewisse Anspannung gehört dazu, wenn auch der Prüfer bei 100% sein soll. Ein guter Prüfer ist 2 Punkte wert, ein schlechter kann Dich sogar mehr kosten. Da sollte man sich nichts vormachen.
Der organisatorische Ablauf, hier am Beispiel Mathematik, ist immer identisch:
Schüler sind eine Stunde vor ihrer mündlichen Prüfung in einem Aufenthaltsraum, eine halbe Stunde vor der Prüfung erhalten sie vom Prüfer die Aufgaben, meistens zwei aus verschiedenen Themengebieten, dann bereiten sie sich auf die Aufgaben unter Aufsicht vor und werden anschließend für die Prüfung abgeholt.
Die dauert in der Regel 20 Minuten, manchmal etwas länger.
Da sitzen dann der Prüfer, ein Beisitzer, ein Protokollant und ein Vorsitzender, bis auf den Vorsitzenden sollten alle Fakultas haben, das klappt nicht immer, aber sei´s drum.
Manchmal dürfen noch Gäste, also SchülerInnen zuhören, die ein Jahr später ihre Prüfung ablegen. Das sollte man nutzen, wenn man SchülerIn ist. Weitere LehrerInnen können ebenfalls zuhören, tun es aber selten.
Ich fand es immer interessant, in Philosophie, Religion, Kunst oder Gemeinschaftskunde zuzuhören, wenn das Zeitfenster gerade geöffnet war. Da lernt man manchmal SchülerInnen ganz anders kennen, weil man sie nur aus dem Zahlen- und Buchstabensalat kennt, eine gute Lehre, auch für LehrerInnen.
Man sollte nie vergessen: Als Lehrer war ich für zwei Fächer zuständig, manchmal noch für ein drittes, aber von allen anderen hatte ich wenig Ahnung. Meine eigene Schulzeit als Grundlage und das, was ich so nebenbei las, mehr nicht.
Die meisten LehrerInnen würden Schwierigkeiten haben eine Prüfung in einem Fach zu bestehen, das sie nicht unterrichten.
„Zugegeben, ich kann ziemlich viel in meinen beiden Fächern, wäre auch fatal, wenn nicht. Aber in den anderen acht, die Ihr auch noch habt, könnt Ihr mich vergessen!“, so habe ich das vermutlich ausgedrückt.
Manche LehrerInnen scheinen das manchmal zu vergessen, weil sie in ihrem Fach SchülerInnen überlegen sind.
Wie bereitet man „Lerner“ (ja, das ist modern, geht aber auch wieder weg wie jeder Schnupfen) nun auf so eine Abiturprüfung vor?
Antwort: In den meisten Fällen wenig bis gar nicht. Oft werden nur Themen besprochen, das war´s. Das gehört dazu, ist aber nicht alles, das ist jedenfalls meine Meinung.
Wir haben im Kurs immer Freiwillige gesucht, die eine Prüfung „mitspielen“. Ich habe das exakt wie eine Abiturprüfung vorbereitet, der Ablauf war identisch. Alle Schüler ganz nach hinten an die Wand, vier nach vorne als Protokollanten, Beisitzer mit Zeitnahme und so weiter, ich prüfe.
Ich hatte das so mit einer Nachhilfeschülerin mal geprobt, da war ich noch Student. Wir hatten viel gelacht beim Üben, die war immer lustig beim Rechnen. Aber als ich die aus der Küche abholte zur Probeprüfung im Esszimmer, da zitterte sie etwas, gut, ich hatte sie auch plötzlich gesiezt, wie während der ganzen Prüfung, war ungewohnt. Nach der echten Prüfung rief sie kurz an und sagte, ich sei zehnmal schlimmer gewesen als ihre eigentliche Prüfung. Dreimal, nicht zehnmal, sie übertrieb gern.
Genau! So sollte es auch sein. Man nennt es „gut vorbereitet sein“, das Fachliche ist ein großer Teil davon, aber auch ein großer Teil ist nur ein Teil.
In der Schule hatte ich immer Freiwillige, denn die wirklichen Prüflinge (Das Wort erinnert mich immer an Schmetterling) nahm ich nie. Die denken sonst, ich frage eine Woche später dasselbe, so wie in der Realschule, manchmal, ganz selten, soll es das ja geben.
Die Freiwilligen konnten durch gute „Testprüfungen“ ihre Noten verbessern. Wenn es schlecht lief, haben alle geklatscht und „danke“ gesagt. Es lief selten schlecht. So hatten alle etwas davon.
Auch die Notenbesprechung haben wir gespielt, das gehört dazu, dann wissen die Schüler, welche Argumente vorgebracht werden können und so weiter, den größten Teil musste ich selbst in den verschiedenen Rollen spielen, aber das war dann auch egal. Es war etwas Spaß dabei, wenn meine Stimme ganz anders wurde. Muss sein der Quatsch, ein wenig Unterhaltung gehört dazu, eine Prüfungsvorbereitung ist keine Beerdigung.
Der schlimmste Moment für den Schüler ist der, wenn er aus dem Vorbereitungsraum abholt wird und dann durch einen circa 30 Meter langen Gang neben seinem ihn prüfenden Lehrer an den Ort der Prüfung gebracht wird, da war ich mir immer ziemlich sicher.
„Wenn Ihr das geschafft habt, dann ist die Prüfung schon fast vorbei!“
Ich habe jetzt die Nase voll von diesem -In und -Innen. Schon in meiner Examensarbeit, 1991 oder so, da ging es darum, Schülerinnen und Schüler zu schreiben. In den 80ern, da studierte ich mit Stefan, habe ich schon mal erwähnt, er war recht links und alle Texte hatte beide Formen, das ist jetzt 40 Jahre her. Man konnte es kaum lesen.
Da hat Stefan wutentbrannt einen schwarzen Stift genommen und eine Form im ganzen Text durchgestrichen. Er, links, ich sollte es niemandem sagen. Würde ich nie machen. Ja, ich weiß, wozu das gut ist, aber ich will nicht mehr Kulturstaatsminister werden.
Lasst uns in 40 Jahren wieder darüber reden, und es wird genauso sein wie heute. Viel Gewürz, aber kein Fleisch.
Während sich also der „Probeschmetterling“ 30 Minuten vorbereitete, hatten wir genug Zeit, genau dies zu üben, den Weg in den Raum der Prüfung, an den Ort, über dem dunkle Wolken schweben. Also alle in den Vorbereitungsraum und dann wortlos durch den dunklen Gang in den entfernten leeren Prüfungsraum mit dem Wasserglas, der Tafel und den sitzenden Lehrern mit den leeren Blicken nach 10 Prüfungen. Formel 1-Fahrer sitzen oft vor dem Start noch in der Box oder schon hinter dem Lenkrad, schließen die Augen und dann fahren die im Geiste den Kurs ab, das gibt es bei Skifahrern auch.
In der Schule habe ich mich über jedes kleine, leise „Oh, Scheiße“ auf dem Probeweg in den Prüfungsraum gefreut. Man fährt die gefährliche Runde in Monaco einfach sicherer, wenn man die Kurven, speziell vor den Casino, schon kennt.
mich erinnert „Prüflinge“ eher an „Teiglinge“ – das sind die Dinger, die man beim Brotbacken vorher machen muß- Schmetterlinge sind aber besser getroffen.
Auch ich hoffe, daß der „Schnupfen“ in der deutschen Sprache bald vorbei ist ! Und wir wieder ohne schlechtes Gewissen das – Innen weglassen dürfen. Es gibt weitaus Wichtigeres , als solche Lächerlichkeiten.
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