Schule-Teil 7- „Abiturprüfungen“ (in German only, sorry)

Schule-Teil 7- „Abiturprüfungen“ (in German only, sorry)

Abiturprüfungen, insbesondere die mündlichen, die sind schon ein spezieller Fall.

Ich hatte zum Glück nie den Fall, dass ein Schüler einfach nur mit einem Punkt da durchkommen wollte, oder dass er es gar darauf anlegte, durchzufallen, um im nächsten Jahr einen besseren Durchschnitt zu erzielen.

Wer weiß, ob man sich ein Bein bricht und im nächsten Jahr ist die letzte Chance vertan? Ungeschickt! Oder dieses „Ich will nur einen Punkt, ich bereite mich auf gar nichts vor“-Ziel, sehr schlecht.

Ganz schlechte Idee.

Es mag ja mit einem oder zwei Punkten klappen, die hat man mit rudimentärem Grundwissen nach 4 Minuten erwirtschaftet, reicht ja. Aber dann folgen noch 16 Minuten mit Fragen, die man nicht versteht, auf die man keine Antworten hat.

Wenn den Lehrern dann nichts mehr einfällt, nein, sie müssen nicht 16 Minuten lang neue Fragen oder Hilfen anbieten, dann wird die Zeit echt lang, sie dehnt sich, die Sekunden verrinnen. Minutenlang, Du sieht aus dem Fenster und hoffst, dass das nur ein schlechter Traum ist.

Aber es ist real, es ist Deine Abiturprüfung und sie dauert 20 Minuten. 30 Jahre später fragen Dich Deine Kinder, wie es denn bei Dir war und Du druckst herum und sagst: „Ich bin da irgendwie durchgekommen“.

Bei Vorträgen in Deiner Firma … kurz, diese Prüfung mit dem einen Punkt begleitet Dich durch Dein Leben, fast wie Lothar Matthäus.

Das ist nicht gut, weder das mit der Prüfung noch das mit Lothar Matthäus.

Es gibt solche Fälle, ich hatte das große Glück in meinen jungen Jahren einer denkwürdigen Abiturprüfung in Gemeinschaftskunde als Protokollant beizuwohnen.

Der Prüfling wollte offenbar eine 6, damit er sich im nächsten Jahr verbessern kann.

Nun ja, es gibt Schüler, die sieht man eben lieber gehen als kommen, und noch ein Jahr, nun, Begeisterung löst das nicht immer aus.

Schüler sagt also wiederholt „Dazu kann ich gar nichts sagen, tut mir leid.“

Keine Frage wird beantwortet, die gestellten Aufgaben verstehe er nicht.

Der Vorsitzende der Prüfung lehnt sich gemütlich zurück, der Stuhl quietscht, er bringt einiges auf die Waage.

„Ach, ist doch egal, dann reden wir einfach ein wenig, es ist ja noch so viel Zeit!“

Der Schüler entspannt sich, der Prüfer schiebt seine Unterlagen schon zusammen, die Sonne scheint durch die Gardine, der Schüler nimmt einen Schluck Wasser. Draußen Schritte im Gang, es ist so ruhig, man hört ja alles.

Aber es ist doch alles gar nicht so schlimm. Nur noch ein paar Minuten.

„Was haben Sie denn heute gefrühstückt?“, fragt der große Vorsitzende mit den 60 Jahren Lebenserfahrung den Jungspund mit dem fehlenden Wissen aus dem lächelnden Mundwinkel in die Stille hinein.

„Ach, nur zwei Brötchen und einen Kaffee.“

„Helle Brötchen? Woraus macht man die?“

„Aus Weizen, glaube ich.“

„Und der Kaffee, woher kommt der?“

„Von Rewe!“

„Nein, wo der zum Beispiel angebaut wird?“

„Keine Ahnung. Afrika? Amerika?“

„Vielen Dank!“

Schüler verlässt den Raum lächelnd, ja, so sehen Sieger aus, kurze Besprechung.

„Schüler verfügt über Grundwissen zum Getreide- und Kaffeeanbau“, habe ich im Protokoll vermerkt, mit einem deutlichen Haken für eine positiv zu wertende Leistung.

Ergebnis: 5/01 Punkt, Abiturprüfung bestanden, keine Wiederholung möglich.

Herzlichen Glückwunsch!

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