Hundespaziergang mit Kuchen-Kuchenspaziergang mit Hund

Hundespaziergang mit Kuchen-Kuchenspaziergang mit Hund

Nun, es wird keiner vermuten, aber im Laufe der Zeit habe ich einige Gewohnheiten entwickelt, die einen gewissen Rhythmus vorgeben. Man braucht Konstanten im Leben, ob es der Bäcker ist, eine festgelegte Zeit zum Aufstehen oder eben eine feste Hunderunde am späten Vormittag.

Konstanten sind nicht nur in der Mathematik der einfachste vorstellbare Fall, auch außerhalb! Es gibt ja Hundetrainer, die sagen, dass der Hund Abwechslung braucht, keine festen Wege, die beschritten werden. Unser Hund hat die Sendung leider verpasst, vermutlich lief sie in einer seiner Ruhephasen. Er liebt die feste Runde am Wasser entlang und durch bebautes Gebiet zurück. Ich gehe diese Runde allein ohne die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte. Meine Frau hat die Gewohnheit, den Vormittag mit bezahlter Arbeit zu verbringen.

Diese Morgenrunde erfordert in der Regel ein Zeitfenster von 43 Minuten. So ein Hund legt ja mindestens die doppelte Strecke zurück. Es können bei Regen auch 41 Minuten werden, aber das liegt daran, dass auch der Hund etwas Trockenes gern hat und seine Schritte beschleunigt, er wird nicht gern nass. Kürzlich habe ich ihn duschen wollen und ging nur in den Keller, um zwei große Handtücher zu holen, ich sagte kein einziges Wort, aber er war sofort unter unserem Ehebett. Der weiß genau, was ein Ritual ist.

Wenn wir auf der Runde Picasso treffen, ein seltener Fall, dann können es auch 48 Minuten sein. Schon die Begrüßung zweier Hunde dauert um die 30 Sekunden, aber wie gesagt Picasso ist um die Zeit meistens im Atelier oder sonst wo. Picasso geht allein nicht in den großen heimischen Garten, das ist ihm zu einsam. Er wiegt geschätzt 45kg und schützt sein Heim vom Innenbereich aus.

Das Zeitfenster von 41 bis 48 Minuten, flexibel bei mir, wie Ihr ja seht, hat sich leider verschoben und das liegt an diesem Cafe in unserem Stadtteil. Es liegt an einer Straßenecke und bietet auch im Außenbereich Sitzplätze sowie zwei Strandkörbe. Ich pflege das Sitzen im Außenbereich von der Wetterlage abhängig zu machen, ich lege mich in dieser Hinsicht nicht vorab fest.

Es ist das beste Cafe der Welt und Ihr wisst genau, dass ich bei Superlativen ein äußerst zurückhaltender, behutsamer Mensch bin, der seinen Emotionen in Sachfragen niemals freien Lauf lassen würde. Es ist also eine Pause einzuplanen, die ungefähr 25 Minuten dauert. Das weitet das Zeitfenster für die späte Vormittagsrunde auf 66 bis 73 Minuten aus, es handelt sich also durchaus noch um ein planbares Element im Tagesablauf. Der erste Besuch war schwierig, danach nehmen die Probleme durch Wiederholung ab. Es ist wie mit der ersten Freundin oder dem ersten Freund.

Der Hund hat vor 4 Jahren dort einmal eine Scheibe Putenbrust bekommen, gepökelt, glaube ich. Er bekam sie von einem dort arbeitenden Herrn mit Vollbart, er trägt immer T-Shirts von Heavy-Metal-Kapellen, meistens in Schwarz. Wie an der Putenbrustgabe zu ersehen ist, ist er sehr freundlich, dabei aber keine Servicekraft wie man vermuten könnte. Es ist eher so, dass man sich fühlt als sei man bei ihm zu Besuch und er habe verboten, dass man hilft oder aufsteht. Man bezahlt den Verzehr aber dennoch.

Und diese Kuchen und Torten, Ihr glaubt es ja nicht. Bündner Nuss, Käsesahne mit Mohn, Schokoladentorte, Fruchtelemente, Karamellkuchen, jeden Tag wechselt das Angebot. Es gibt auch diese kleinen französischen Dinger in den hauchzarten Pastellfarben. Unsere Tochter liebt sie sehr, vor allem, dass sie aus Frankreich kommen. Ich komme nicht auf den Namen, aber Ihr wisst schon. Frankreich, Marion Cotillard, Platini, Becaud, Lagerfeld, Schnecken in Paris in Knoblauchöl, das Carlton in Cannes, Vanessa Paradis, das Negresco in Nizza, Parfum aus Grasse, …. in der Liga spielen die Dinger.

Häufig sehe ich im Cafe Menschen, die ich kenne, einige LehrerInnen der Grundschule schräg gegenüber, MitarbeiterInnen des Kindergartens neben der Kirche in der anderen Richtung, zusätzlich die PastorInnen der Kirche, auch sie wissen die Qualität zu schätzen, ein Stoßgebet erübrigt sich.

Auch Nachbarn treffe ich an, ich grüße freundlich, aber zurückhaltend. Ich will jedoch nicht störend einwirken, es gefährdet in gewissen Maße auch meine Ablaufpläne, das Zeitfenster ist flexibel, ja, es ist aber auch keine Schiebetür.

Manchmal habe ich schon gedacht, ich lasse mir ein Stück Kuchen für den nächsten Tag zurücklegen. Es kann ja sein, dass ich nach 31 Minuten Weg schon fest einen Karamellkuchen eingeplant habe, dann ist der aber nicht da und ich muss den Tag umplanen, nicht auszudenken. Das ist dann wie ein mathematisches Problem ohne Lösung, aber selbst das Vierfarbenproblem konnte ja letztendlich gelöst werden. So etwas ermutigt mich immer wieder, auch Widrigkeiten wie eine fehlende Kuchenvariante in Kauf zu nehmen.

Jetzt war der freundliche Herr mit dem Vollbart und den perfekten Tattoos schon einige Male nicht da, aber dafür eine junge Frau, auch groß, kein Vollbart, klar, kein Schwermetall. Ich konnte mich in kürzerer Zeit als sonst daran gewöhnen. Wenn er im Urlaub ist, dann hätte ich das gern vorher gewusst, aber ich will nicht kleinlich werden. Der Kuchen blieb ja identisch, der Kaffee und der Hund auch.

Wie bereits erwähnt, Konstanten haben durchaus ihren Reiz.

Kurz, ich muss wegen des Hundes jeden Vormittag dort einkehren, er bleibt vor der Tür sitzen, das Zerren an der Leine ist zwecklos, er will der Erinnerung an die gepökelte Scheibe Putenbrust nachspüren. Ich gebe dem nach.

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