Schule-Teil 4-„Irgendwas über Lehrer“ (in German only, sorry)

Schule-Teil 4-„Irgendwas über Lehrer“ (in German only, sorry)

So, wenn dann eine „Junglehrerin“ oder ein „Junglehrer“ die Zeit des Referendariats erfolgreich beendet hat und sogar durch glückliche Umstände zu einer vollen Stelle an einem Gymnasium kam, dann, ja dann fangen die Problem nämlich erst richtig an.

Im sogenannten zweijährigen „Vorbereitungsdienst“ lernt man vor allem, wie man perfekte Stunden gibt, für die betreuende Lehrkraft, für den Seminarleiter bei den zahlreichen Unterrichtsbesuchen, für die benoteten Lehrproben, bei denen auch die anderen Referendare anwesend sind und schließlich für die abschließenden Prüfungen.

Ich weiß gar nicht mehr, wie man das nannte oder heute nennt, ist auch egal, „you´ve got the picture“.

Im Referendariat sind LehrerInnen (gar nicht so unpraktisch, diese Schreibweise) oder Lehrende mit 10 bis 12 Wochenstunden sehr gut ausgelastet.

Aber danach kommen Dir dann in einer dunklen Gasse 25 Wochenstunden im schwarzen Umhang mit doppelt so vielen Klassen entgegen.

Sie lächeln nicht, sie fletschen die Zähne.

Darauf ist keiner auch nur ansatzweise vorbereitet.

Erhöht der junge Lehrer seinen Arbeitsaufwand proportional zur Stundenzahl, ist er nach 2 Jahren pensionsreif, das ist nicht zu schaffen. Behält er seinen Arbeitsaufwand bei, dann gibt er Unterrichtsstunden mit denen er fast immer unzufrieden ist, weil man ihm vermittelt hat, wie ein guter Unterricht auszusehen hat.

Keine gute Lösung.

Auf Deutsch: So eine Ausbildung erzeugt leider von Anfang an mit sich selbst unzufriedene Lehrer, wenn sie denn einen höheren Anspruch an sich haben.

Es gibt auch die, die es nach dem Referendariat nur noch laufen lassen, es klingelt bald, die Ferien wollen geplant werden, nachmittags dann noch Kurse an der VHS, gibt es alles.

Im Unterricht laufen viele DVDs, der Spitzname ist „Mr. Deejay“, egal, verbeamtet ist verbeamtet.

Nein, so sind nicht alle.

Ob die Fachleiter selbst mit einer vollen Stelle solch perfekt geplanten Unterricht anbieten können? Ich habe da meine begründeten Zweifel.

Ich durfte am Anfang meiner Zeit als Referendar meinen Seminarleiter für Mathematik in eine Sexta begleiten, für nur eine Stunde.

Ich fand diesen Seminarleiter toll, ein Mathematiker wie ich ihn selten kennengelernt habe: Tolle Ideen, eine traumhafte große Schrift, wenn er in meinem Unterricht Notizen machte. Er konnte sehr gut loben, er konnte motivieren, er war ausgleichend, manchmal nicht klar genug, wenn ein Referendar im Unterricht zum Beispiel ständig „Scheiße“ sagte.

Nun gut, also ich mochte den vom ersten Tag an.

Ich mag leider Typen, die nicht dem entsprechen, was man im Allgemeinen erwartet, es sind meistens auch die besten.

Jedenfalls ging seine gut geplante Stunde mit entdeckendem Lernen bei Bruchzahlen in der Sexta total in die Hose.

Die Schüler blieben nicht sitzen, sie hörten nicht zu, es war keine Struktur mehr da, er fing an zu verzweifeln, seine Blickwechsel beschleunigten sich. Es war wie eine Schießerei im Western, aber ich stand zum Glück auf der Veranda des Saloons und dachte an einen Whiskey.

Was sollte ich tun? Helfen? Wie denn? Einmal laut werden, wie es meine Art später gewesen wäre? Geht auch nicht.

Er verteilte also eine Strafarbeit nach der anderen bis sein Revolver leer war.

„Hat nicht so gut geklappt, so ist Schule auch manchmal, ich habe viel falsch gemacht“, hat er zu mir auf dem Weg ins Lehrerzimmer gesagt.

Seht ihr, der hatte nämlich „Klasse“, auch wegen der geröteten Wangen. Ich glaube trotzdem, dass er in der Lehrerausbildung besser aufgehoben war als in einem Klassenraum mit 25 SchülerInnen.

Keinem habe ich davon damals erzählt, keinem einzigen. 

„Niemand wird es je erfahren“, das ist jetzt aus „Die Firma“ als Mitch seine Frau betrügt. Sorry, ich komme vom Thema ab. Schule kann sehr zäh sein, wisst Ihr?

Kürzlich berichtete mir noch ein junger Lehrer aus einem Elterngespräch, das Kind hatte nur Einsen im Zeugnis.

Trotzdem machte die Mutter, Professorin, mit jeder Lehrerin und jedem Lehrer einen Gesprächstermin aus. Der Lehrer sollte dann die einzelnen Fragen aus der Klassenarbeit begründen.

Ich habe fast nur in der Oberstufe unterrichtet, ich hatte wenige Elterngespräche, keine Ahnung, was ich mit der Dame gemacht hätte.

Echt jetzt, meine Kinder haben zusammen 24 Jahre Schule hinter sich, ich habe ein einziges Mal einen Termin mit einem Lehrer ausgemacht. Das überließ ich ansonsten gern meiner Frau, der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte.

Er, groß und muskulös, Cabriofahrer, tut aber nichts zur Sache, hatte meinen Sohn mehrfach etwas grob angefasst, also körperlich.

Der Termin war kurz, sehr kurz. Er kam nicht zu Wort. Ich diskutiere gern, aber nicht mit solchen „Vögeln“.

Er sprach alle Jungen im Unterricht mit den Nachnamen an, alle Mädchen mit den Vornamen. Die einen waren Konkurrenz, die anderen, nun ja, wie soll ich es sagen?

Jedenfalls wurde er tief rot, stotterte, dann ging ich.

Er war zu meinem Sohn höchst freundlich, die ganzen folgenden Jahre. Alle Jungs hatten plötzlich Vornamen, erstaunlich. Aus Western kann man viel lernen.

Manchmal muss man auch da nur den Griff der Waffe streicheln.

Sorry, ein Einzelfall.

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