

Schule-Teil 10-„Tafelarbeit“ (in German only, sorry)
Die Überschrift klingt jetzt sehr abschreckend und sehr, sehr altmodisch.
Klar, so denkt man schnell, wenn man keine Ahnung hat. 🙂
Kleiner Scherz, tut mir leid.
Ich habe im Unterricht viel mit einem Overhead-Projektor gearbeitet, das hat viele Vorteile, speziell, wenn man etwas exakt haben möchte, zum Beispiel beim Zeichnen oder bei der Arbeit mit Graphen, Schüler können damit auch besser arbeiten als an einer Tafel, weil sie dort die Kreide nicht halten können wie einen Stift, dazu braucht man Übung.
Manchmal hatte ich auch zwei Projektoren, so ein Overkill ist gar nicht schlecht, dann können sogar zwei Schüler parallel sichtbar arbeiten. Und bitte nur wasserfeste Stifte.
Man kann auch mit dem Projektor etwas auf die Tafel projizieren und dann mit Kreide in diesem Bild arbeiten, nur die Tafel dann nicht verschieben, bitte.
Einen Computer für Mathematik und Physik, den habe ich mir gewünscht, dann hätte man das dynamischer machen können, aber ehrlich gesagt, lernt man aus Skizzen oder mit Folien ebenso viel, wenn nicht mehr.
Ich hatte drei Direktoren an meiner Schule, Geld für einen Rechner plus Beamer oder Bildschirm gab es 20 Jahre lang nicht.
Es gab reihenweise teure Computerräume, aber die braucht man nicht für Mathematik und Physik, ein Computer ist völlig ausreichend.
Einen Internetanschluss mit Rechnern gab es erstmals 2010 in einigen Räumen im ersten Stock, nicht im Physikraum im Erdgeschoss, weil da Fenster waren und man hätte etwas stehlen können. Armselig, mit einem Laptop wäre es gegangen, aber solche Ausflüchte kannte ich zur Genüge.
Man brachte dann den eigenen Laptop mit und musste einen Beamer der Schule ausleihen, jedes Mal eine aufwändige Arie und Zeit kostete das auch, weil die Einstellungen oft von Kollegen verändert wurden. Und eben den eigenen Rechner einsetzen.
Macht sonst keiner, der irgendwo einen Arbeitsplatz hat, oder?
Und nochmal, damit es weh tut:
1991 habe ich meine zweite Examensarbeit auf einem Apple Macintosh geschrieben, auch selbst ein Programm geschrieben, gedruckt wurde auf einem Laserdrucker, mein Internetanschluss zuhause lag seit dem Jahr 2000, da war ich schon spät dran.
Zwanzig Jahre lang kein Geld für einen Rechner im Bereich Physik und Mathematik!
Das Internet feierte 2019 seinen 50sten Geburtstag, spätestens im Jahr 2000 hätte man in den Schulen konsequent Anschlüsse vorbereiten müssen.
Investitionen für Bildung zahlen sich nicht in einer Legislaturperiode aus und sie sind teuer, aber letztlich deutlich billiger als nicht zu investieren. Kurzsichtig, unklug.
Aber stetig mit neuen Konzepten wedeln, mehr Eigenverantwortung für Schulen, eigene Möglichkeiten der Einstellung von Lehrern an Schulen, Offener Unterricht, Kompetenzorientierung.
Neue Konzepte sind billig, Lösungen mit positiven Effekten kosten Geld.
Basta.
Alles eben Genannte spart „oben“ Arbeit und Geld ein, unten gibt es aber nicht mehr Geld, sondern eher weniger.
Klappt etwas nicht, dann Schulterzucken in der Landeshauptstadt: „Ja, dafür habt Ihr jetzt mehr Eigenverantwortung!“ Funktionieren die neuen Konzepte nicht, dann gibt es eben ein „Umsetzungsproblem“ an den Schulen.
Nicht mehr mitbekommen habe ich diese digitalen Tafeln, sicher ein nettes Gimmick, aber ob man dadurch als Lehrer von der Kreisklasse in die Bundesliga aufsteigt, da habe ich doch arge Zweifel.
Ich vermute weiterhin, dass die Dinger oft nicht funktionieren und dass die Stifte oft defekt sind. Was kostet so ein Monster? So viel wie 5 Laptops mit großem Bildschirmen? Mehr, oder?
Unsere Tochter war eine der letzten im „Papier-Club“, sie benutzte noch kein Tablet. Dann bekam sie ein iPad für ca 1000€, damit hat sie toll gearbeitet, in der Schule funktionierte das aber nur mit den iPads bei Vorträgen, mit preiswerteren Geräten ging das nicht.
Alle bis auf eine Schülerin hatten so ein Gerät, natürlich bezahlt von den Eltern. Übrigens zog unsere Tochter es vor, Mathematikaufgaben auf Papier zu bearbeiten, man könne besser zurückblättern und Seiten nebeneinander legen, wie sie sagte.
Das Alte hat oft Vorteile, die man erst bemerkt, wenn es weg ist, das Alte.
Ich selbst war ja oft unausstehlich, Kugelschreiber habe ich verboten, eine Pest das Zeug. In der ersten Stunde malte ich ein Kreuz und schrieb „Der Kugelschreiber 1938-2024“ drauf.
„So schön, schön war die Zeit“ von Freddy Quinn hätte man dazu singen können.
Warum?
„Weil ich das so will.“
Gezeichnet wird mit Bleistift oder finelinern, geschrieben wurde mit Tinte oder einem fineliner. Sehr variabel, ich bin ja nicht spießig.
Hefte und Ordner habe ich eingesammelt, auch in Klasse 13, es gab nur eine Positivbewertung, wenn aber kein Ordner abgegeben wurde, dann gab es eine 6. Gab es ja nie, die sind ja nicht doof.
Wer zu spät kommt, bleibt draußen.
Wer zur Toilette muss, geht ohne zu fragen raus.
Wer Durst hat, trinkt, aber bitte aus einem Becher, nicht aus einer 1,5 Liter Flasche, machte ich selbst auch nicht.
Das ist stillos.
Es wird kein Müll unter dem Tisch hinterlassen.
Wer auf dem Tisch malt, sollte sich ganz, ganz warm anziehen. Komisch, es kam kaum einmal vor, höchstens bei Neulingen.
Als ich längere Zeit krank war und wieder anfangen wollte, hat vorher mein Leistungskurs den Raum sauber gemacht, weil er „sonst gleich schlechte Laune bekommt, so wie das aussieht“.
Boah, die hatten Klasse.
Und nun zum wichtigsten im Lehrerleben in der Neuzeit, zur Tafel.
Jedes Wort zu diesen White-Boards ist eines zu viel, daher hier kurz und schmerzlos ein Mantel des Schweigens über dieses tote, glatte Produkt.
Eine Kreidetafel hat normalerweise eine Fläche von 6 Quadratmetern, ich gehe davon aus, das das genormt ist.
In Klassenräumen stehen meistens höhenverstellbare Klapptafeln, links und rechts exakt ein Quadratmeter, nach dem Aufklappen weitere 4, eine 2 Quadratmeter große Fläche in der Mitte.
In Fachräumen sind es meistens drei Meter breite Tafeln mit einem Meter Höhe, zwei hintereinander. Am besten teilt man die große Fläche durch einen zarten, senkrechten Kreidestrich auf in zweimal 1,5 Meter Breite, bei Vorträgen von Schülern gehen auch 3mal 1 Meter Breite. Die hintere beschreibt man immer zuerst, sonst wird es unpraktisch, das ist logisch. Macht man es falsch, muss man die vordere nämlich nach unten ziehen und sie ist nicht mehr lesbar, das muss man nach der ersten Stunde kapiert haben.
Für alle Tafeln gilt mit Ausnahme von Übungsstunden:
Wenn der Lehrer während einer Stunde wischen muss, dann hat er versagt oder während des Unterrichtens nicht genug nachgedacht, was er wann wohin schreibt.
Sechs Quadratmeter Tafel sollten ausreichen.
Klapptafeln, ein genial erdachtes Hilfsmittel.
Man beginnt mit drei Quadratmetern, linke Klappe zu, rechte Klappe geöffnet, dann hat man drei Quadratmeter, niemals schreibt man über die Breite von einem Meter hinaus.
Wenn das Heft zu Ende ist, schreibst Du auch nicht auf dem Tisch weiter.
Dann links öffnen und rechts schließen, Ergebnis wieder: Nochmal drei saubere Quadratmeter.
Man kann zurückklappen, man kann das teilweise tun, ein sehr gutes Gerät so eine Klapptafel.
Die Fläche muss aus durchsichtigem Kunststoff sein, mit einer leicht aufgerauten Oberfläche, dahinter dunkelgrün, höhenverstellbar. Am besten ist ein Raster von Punkten in 5cm Abstand auf der Schreibfläche, das gehört dazu, man sieht es aus bis zu zwei Meter Abstand.
So lang sind aber Arme selten.
Wie reinigt man eine Tafel?
Nie mit einem Schwamm, ganz banal.
Schwämme gehören ins Meer oder in ein Badezimmer. Viel zu nass, alles kleckert, die Tafel wird nie sauber.
Warum liegen in allen Klassen Schwämme? Weil die, die sie kaufen, sie nie benutzen.
Mit einem nassen Lappen aus Mikrofasern geht das, solche für Fußböden sind gut geeignet, zu klein sollen sie nicht sein, etwas zusammenlegen. Lappen nach der Reinigung auswaschen und auswringen. Dann wird die Tafel zügig mit einem Abzieher abgezogen, mit so einem Fensterabzieher, den Ihr im Frühling im Wohnzimmer benutzt, den Lappen hält man dabei unter den Abzieher. Dann ist alles trocken und sauber. Kleine Flüssigkeitsreste mit dem Lappen trocknen, insbesondere in der Rinne unter der Tafel.
Das war jetzt ein Grundkurs, zweite Liga, mehr nicht.
Wenn ich zu Stundenbeginn noch die Tafel wischen musste, weil ich es in der Pause vergessen hatte und eine neue Klasse das sah, war es still, ganz still, die ahnten schon:
Das wird nicht einfach werden mit dem Spinner.
Leise Bemerkungen wie „sag mir, dass nicht wahr ist, was ich gerade sehe“, „er hat einen Abzieher!“ oder „da rechts ist es noch feucht“ sind Komplimente, nehmt sie auch an.
Nie würde ich einem Schüler erlauben, die Tafel zu reinigen. Manchmal wollten die das kurz vor dem Abitur mal selbst machen, aber ehrlich gesagt, sie konnten es nicht. Viel zu langsam, keine Präzision. Drei Jahre zugesehen und sie konnten es trotzdem nicht, aber dafür gab es auch keine Noten. Welcher Schüler putzt zuhause Fenster? Eben. Ich schon, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, möchte es. Ich übte ja jeden Vormittag.
Kreide, das nächste Problem:
Bitte nur die runde Kreide, die französische, die ist etwas fetter, bricht nicht so leicht, schreibt schön schmal, liegt gut in der Hand, vom Franzosen kann man viel lernen, es gibt sie in zehn Farben. Braun bitte sofort wegwerfen.
Für die ganz Sensiblen gibt es auch Kreidehalter, aber Schule ist ein schmutziges Geschäft und an der Tafel darf man das auch merken.
Natürlich muss man ein Handtuch und flüssige Seife für die eigenen Hände neben der Tafel haben. Dafür sorgt man als Lehrer selbst, Service gibt es nicht.
Es gibt auch diese eckige Pelikan-Kreide, ein poröses Schrottprodukt in weiß und farbig, um es deutlich zu sagen.
Brüchig, schlecht in der Handhabung und dafür dreimal so teuer wie das Produkt aus der Stadt der Liebe.
Einmal wurde der Einkauf von Seiten meiner Schule auf den Pelikan umgestellt, da habe ich mir gleich zehn Packungen weiße und fünf Packungen farbige Frankreich-Kreide bestellt. Sich beschweren hilft ja nichts, sieht man ja im Computerfall.
Ich zeige Euch mal ein paar Bilder, ein Papierstreifen als Tafel. Was man da handschriftlich in klein drauf bekommt, das passt auch gut auf die Tafel.
Konnte man früher gut als Tafelbild planen, aber das war ja für den überholten Frontalunterricht. Manchmal habe ich nur das als Vorbereitung gebraucht. Meine Schrift ist nicht mehr schön, kann man nicht ändern. Für die 3 Meter breiten Fachraumtafeln nimmt man ein DIN A4-Blatt und faltet es der Länge nach in der Mitte.
Einfach.
Und jetzt könnt Ihr ja mal googlen, wo Ihr das im Internet findet, was ich Euch gerade erklärt habe.
Wie man eine Klapptafel benutzt, das habe ich von einem Mathematik-Lehrer gelernt, der 1991 schon über 80 Jahre alt war. Mir hat in der Ausbildung keiner gesagt, wie man mit einer Tafel arbeiten kann.
Und ich wette, es erklärt heute keiner einem Referendar, wie man ein digitales White-Board sinnvoll einsetzt.
Früher war eben doch alles besser.
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