
Schule-Teil 11-„Notengebung“ (in German only, sorry)
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Na, was könnte das sein?
Ein Lehrer, den die Schüler lieben!
Zensuren geben zu müssen, das ist eigentlich der unangenehmste Teil des Lehrerberufes. Ich hätte lieber nur unterrichtet und ein anderer Kollege prüft dann, so hätten Lehrer und Schüler ein ganz anderes Verhältnis.
Neuerung vor circa 15 Jahren war, dass mündliche Noten vor der ersten Klausur aufgrund der mündlichen Leistung genannt werden mussten, also nach 6 Wochen.
Tests schreiben, Hefte einsammeln, mündlich prüfen, Hausaufgaben kontrollieren und vortragen lassen, viel Aufwand, und immer soll bewertet werden.
Es kostet Zeit, die inhaltlich besser genutzt wäre als bewertend. Man muss nicht die ganze Zeit bewerten, man kann auch einfach Unterricht machen und hinterher Notizen machen, wer positiv auffiel.
Viele Lehrer, gerade jüngere, glauben, ihre Hauptaufgabe sei die Bewertung, ganz falsch, Hauptaufgabe ist das Bilden im Unterricht, das Bewerten ist so ein Anhängsel, das man nicht los wird.
Das haben die, die die Regeln zur Bewertung aufstellten, nicht ganz verstanden, auch praktisch nicht.
Das mit dem „die die die“, das finde ich sehr gelungen. Wie ein Ruckeln, das steht symbolisch für den Bewertungszwang.
Ich habe das mit den Bemerkungen zur mündlichen Leistung immer auf einem Sitzplan gemacht, unter dem Namen vier Kästchen, das war praktisch.
Es ist schwer bis zu den Herbstferien alle Namen von 10 Klassen zu beherrschen.
Die lauten kann ich nach einem Tag, anders auffallende Typen auch, bei 10 oder 11 Oberstufenklassen ist das nicht einfach, in der elften Klasse saßen da nicht selten mehr als 30 Schüler.
Normalerweise zwei 11te in Physik, zwei 12te in Physik, zwei 13te in Physik, das waren schon sechs Klassen, zusammen 12 Stunden, dann den Rest in Mathematik dazu, mit Pech nur Grundkurse mit je 3-stündigem Unterricht, dann ist man schnell bei 10 Klassen.
Eine in Mathematik weniger und dafür noch zwei Physik-Klassen und man ist bei 11 insgesamt.
Wenn da im Schnitt 25 Schüler sitzen, könnt Ihr Euch ausrechnen, wie viele Schüler und wie viele Namen das sind.
25 Schüler im Schnitt, das kann einen Tick zu hoch sein, aber es rechnet sich einfacher, also kommen wir auf rund 250 Schüler und 1000 Oberstufen-Klassenarbeiten im Jahr, die zu korrigieren sind.
Nehmen wir 10 Minuten Korrekturzeit pro Arbeit an, das ist etwas zu wenig, aber egal, dann sind wir bei 167 Stunden Korrekturarbeit jährlich und 40 Klausuren müssen auch erstellt werden, gut, das kann recht schnell gehen.
167 Stunden, das sind 20 achtstündige Arbeitstage jährlich. Man kann aber nicht acht Stunden am Stück korrigieren, nach 4 ist eigentlich Schluss, dann ist der Akku leer.
Oft muss man in den Ferien korrigieren, weil die meisten Arbeiten vor den Ferien liegen, im Herbst, vor Weihnachten, vor Ostern … klar.
Die einzigen Ferien ohne Korrekturen waren die im Sommer, sechs Wochen sind 30 Arbeitstage.
Nein, ich jammere ja nicht, man sollte das nur einmal in den Raum stellen.
Korrigieren ist eine furchtbar langweilige Tätigkeit. Wenn einer alles kann, geht es super schnell, wenn einer gar nichts kann auch, die Probleme liegen im Mittelbau.
In der „Wirtschaft“ würde man das digitalisieren und outsourcen, damit der Lehrer wichtigere, sinnvollere Arbeit tun kann.
Endnoten im Zeugnis zu geben, das ist eine ganz schwierige Sache.
Nehmen wir an, ein Schüler steht zwischen 8 und 9 Punkten. Das ist immer auch eine Ermessensentscheidung, jüngere setzen da auf ein Rechenmodell, alles eingeben mit Prozentwerten, dann kommt eine Note heraus und man ist die Verantwortung scheinbar los.
Davon halte ich nichts.
Man muss schon den Mut zu eigenen Entscheidungen haben, ist nicht bequem, muss aber sein.
Zurück zum Beispiel, man kann beide Noten vertreten. Wenn das im Halbjahr schon so war und ich gab 8, dann eben jetzt 9, das gleicht Ungerechtigkeiten etwas aus. Es ist bei so einem Fall immer besser, im Halbjahr die schlechtere Note zu geben und die bessere am Ende, das motiviert die meisten mehr als anders herum.
Schwierig ist das mit den „Sympathien“.
Lehrer sind auch nur Menschen, manche Schüler mag man, manche irgendwie weniger, das hat viel mit dem Verhalten zu tun, das darf aber für die Bewertung keine Rolle spielen.
Schüler steht zwischen 8 und 9 und ich mag den irgendwie nicht so gern, das weiß ich aber ganz genau, also gebe ich dem 9 Punkte.
Der andere, der mag mich, ich mag den auch, das soll aber keine Rolle spielen, dem gebe ich im Zweifel eher 8, er wird mich verstehen.
Auf Deutsch, es ist genau das Gegenteil dessen, was Schüler gern sagen. Nun gut, reicht. Das war nur ein Beispiel, worüber man so nachdenken kann oder soll.
Und es gibt verschiedene Klassenspiegel, die leider oft die Vorlieben der Notengebung eines Lehrers widerspiegeln und nicht unbedingt den Leistungsstand einer Klasse. Hier zum Beispiel ein Klassenspiegel eines Faches mit 1sen, 2en, 3en, 4en, 5en, 6en, die im Zeugnis stehen,
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Analyse: Deutsch oder Gemeinschaftskunde, Lehrer gibt weder gute Noten noch gibt er gern schlechte Noten. Vielleicht sind die Anforderungen auch nicht hoch genug. Problem: Leistung lohnt sich oft nicht. Ein Schüler hat mir zu so einem Fall mal gesagt: „Bei Ihnen kommt mehr raus, wenn ich Arbeit und Zeit investiere, das lohnt sich. In Deutsch bekomme ich ohne etwas zu tun 7 Punkte. Wenn ich mich anstrenge, das ganze Jahr mitarbeite, dann lande ich bei 9, weil 2en gibt sie ja kaum. Meinen Sie, ich strenge mich das ganze Jahr für zwei Punkte mehr so an?“
Manchmal verteilen sich die Zensuren auch nur auf die Punktzahlen von 4+/6 Punkten bis 2-/10 Punkten, das ist schon amüsant, kein seltener Fall. Wenn der Unterschied zwischen Schülern, die gar nichts tun und denen, die sich voll engagieren, vier Punkte beträgt, dann motiviert man weder die Guten noch die, die nichts tun. Wechselt dann der Lehrer, ist das Notenbild sofort völlig anders. Es sind aber dieselben Schüler.
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Analyse: Anfangsunterricht in Spanisch, Klasse 11
0-2-10-5-2-0
Analyse: Spanisch, gleiche Klasse, aber ein Jahr später, das folgende Jahr lasse ich weg.
5-16-4-0-0-0
Analyse: Religion, Philosophie, Sport oder Kunst, beliebte Lehrer, immer.
2-9-11-2-0-0
Analyse: Vertrauenslehrer in Englisch
0-2-3-10-8-2
Analyse: Mathe bei Auguste in Klasse 11
2-4-8-6-4-1
Analyse: Mathe in Klasse 11 oder so, könnte ich auch gewesen sein.
2-5-9-4-1-0
Analyse: Mathe bei Bruno in Klasse 12 oder so, da dürfen nicht mehr viele schlechte Noten vorkommen, wer die 11te geschafft hat, darf auf keinen Fall zweimal in der 12ten scheitern, dann geht der ohne einen Abschluss nach 3 Jahren Schule, ganz schlecht. Dann lieber in Klasse 11 ein deutliches Zeichen senden mit der Botschaft „such Dir einen Ausbildungsplatz“. Jeder Betrieb versteht, wenn man es am Gymnasium versucht hat und dann lieber anderswo sein Glück sucht. Aber ein Betrieb versteht es nicht, wenn man es drei Jahre lang erfolglos versucht hat. Dann kommt der Schüler vom Gymnasium nämlich nicht freiwillig, sondern weil er muss. Klar soweit? 🙂
1-1-2-3-5-8
Darauf kommt Ihr jetzt selbst, ich kann nicht alles leisten, ich brauche Mitarbeit.
1-1-0-0-1-1
Kleiner Kurs, Durchschnittsnote 3,5, passt.
Unsinn, das ist der Ausschnitt aus einem Toto-Tipp.
Nur im Spaß, früher: Zeige mir einen Klassenspiegel eines Faches und ich sage Dir mit hoher Trefferquote, wer das unterrichtet hat und die Noten gegeben hat. Das konnten andere bei mir vielleicht auch, keine Ahnung.
Was in meinen letzten Jahren zunahm, das waren „Notenbesprechungen“ auf dem Flur. Schüler werden einzeln rausgerufen und dann werden die Zensuren besprochen, „diskutiert“, in fast allen Fächern war das wohl so. Ich habe nie verstanden, wozu das gut ist. Ich gebe eine Note in der Konferenz, nicht vorher, nur die Note in der Konferenz ist rechtlich bindend.
Angenommen, da hat einer nun zwei Fünfen, bei mir in Physik 3 Punkte, und in Informatik 2 Punkte. Dann muss der wiederholen, aber alle anderen Fächer sind im 3er Bereich. Informatik gibt der im nächsten Jahr sowieso ab, dann kann ich plötzlich einen Punkt finden, den ich übersehen habe und der wird versetzt. Man nennt das Pädagogik. Habe ich vorher 3 Punkte gesagt, mache ich mich lächerlich, wenn ich hinterher 4 sage.
Der frühe Vogel fängt nicht immer den Wurm, manchmal landet er auch an einer Fensterscheibe.
Anderer Fall, ich gab fast nie eine 4-, also 4 Punkte, entweder ist es eine glatte 4 oder es ist eine 5, dann machte ich lieber eine mündliche Prüfung, 4 Punkte sind weder Fisch noch Fleisch. Als Beispiel nehmen wir trotzdem 4 Punkte in Physik. Dann sehe ich das Notenbild in der Konferenz, eine fünf in Mathe und viermal 4-, also 4 Punkte in Deutsch, Englisch, Wirtschaft und Rechnungswesen . Der Schüler würde versetzt, aber der würde das nächste Jahr kaum überstehen, wenn auch noch die Ansprüche steigen. Die Häufung von 4 Punkten im Zeugnis kann auch auf Verhandlungsgeschick zurückgehen, das gibt es auch. „Wenn Sie mir eine 5 geben, dann muss ich wegen Ihnen wiederholen!“ So etwas soll funktionieren, das macht man viermal und die lieben Lehrer geben alle 4 Punkte. Ich sage das nur so, natürlich kommt das in der Realität niemals vor. Lebenstüchtig sind solche Schüler allemal.
Ich kann im Beispiel auch 3 Punkte vertreten, dann wird der Schüler nicht versetzt und das ist sinnvoll. Die mit den Notenbesprechungen vorher können nicht einen Punkt weniger geben, das geht nicht. Ich schon, ich habe ja nichts gesagt. So etwas ist viel wichtiger als einem Schüler eine Zensur vor der Konferenz zu erklären. Hinterher können alle kommen und fragen, warum ich was wie gemacht habe. Dann kommen aber kaum welche, es kann ja nichts mehr geändert werden.
Solche Texte gibt es bei Notenbesprechungen vor Konferenzen:
„Ich bin total enttäuscht von ihnen, dass sie mir nur 7 Punkte geben wollen, ich hatte mit 9 gerechnet, die habe ich auch verdient.“
„Das kann nicht sein, ich war immer da, ich habe mich auch gemeldet und Sabine bekommt eine bessere Note, das ist total unfair von Ihnen!“
„Ich wollte mal eine 3 haben!“ Tränen, Tränen, Tränen, weil es nur 6 statt 7 Punkte waren.
„Waaas? 10 Punkte in Kunst? Ich bin mindestens 12 wert!“ „Ok, dann 12“, sagt der Kunstlehrer.
Wenn man das Zeugnis bekommen hat:
„Wegen eines Punktes fragt man nicht mal nach, wie oft nimmst Du einen mehr mit mit dem Du gar nicht gerechnet hast? Bei 2 Punkten Differenz zur erwarteten Note würde ich immer nachfragen.“
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