Mode, Bandwagons und Pinguine

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*Mode, Bandwagons und Pinguine*

„Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode.“ – Karl Lagerfeld

Eigentlich wollte ich etwas über „Mode“ schreiben nachdem ich kürzlich den ‚Diderot-Effekt‘ sozusagen auf der Nebenstraße des Internets gefunden hatte.

Nun also „Pinguine“.

„Der ‚Pinguin-Effekt‘ leitet sich aus dem Verhalten von hungrigen Pinguinen ab, die in kleinen Gruppen am Rande des freien Wassers auf festem Grund verharren, anstatt ins Wasser zu springen und nach Nahrung zu suchen, weil im Wasser potenzielle Fressfeinde lauern könnten. Der einzelne Pinguin weiß nicht, ob sich tatsächlich Feinde im Wasser befinden. Sobald jedoch der erste den Sprung ins Wasser gewagt hat, können die noch abwartenden Vögel die Gefahr besser abschätzen (und gegebenenfalls selbst ins Wasser springen), womit der Auslöser für den Pinguin-Effekt gegeben ist. Beispiele für den Pinguin-Effekt findet man unter anderem bei Software oder Aktien.“

Zuerst musste ich dabei aber an Politik denken.

Zum Beispiel traut sich ja keiner aus der CDU zu sagen, dass „Muttis“ Zeit ihrem Ende zugeht. Würde aber einer der ‚Pinguine‘ in dieses heikle Wasser springen, so würden vermutlich schnell weitere folgen. Und wenn, dieses am Rande, Demokratie einen Nachteil hat, dann den, dass die Regierenden nur in Zeiträumen bis zur nächsten Wahl denken und nicht eine Generation in die Zukunft planen. Nur zwei Amtsperioden, das würde mehr „Freiheit“ in der zweiten schaffen, andererseits aber andere ermuntern, sich noch stärker als Nachfolger zu positionieren.

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Gibt es nun einen „Pinguin-Effekt“ auch in der Mode?

Vielleicht sind die ersten „springenden Pinguine“ heute die Stars des Bildes oder der Leinwand, die als Erste Neues wagen. Und dann springen weitere hinterher? Der Pinguin-Effekt stammt zwar aus der Netzwerktheorie, aber irgendwie findet der sich andernorts auch. Mir scheint, dass es dabei an sich nur um etwas …. „Mut“ geht.

„Effekt“ klingt nur etwas besser.

„Im Englischen ist der ‚Bandwagon‘ der Wagen einer Musikband. ‚Bandwagon‘ heißt also Musikantenwagen oder Festwagen mit einer Musikkapelle. Dieser Band-Wagen wird von Mitläufern zu Fuß begleitet. Deswegen ist der „Bandwagon-Effekt“ der „Mitläufereffekt.“

Auch den gibt es in der Politik, nämlich derart, dass der Wähler gern auf der Seite des vermuteten Wahlsiegers steht und daher nach Umfragen vor der Wahl eher die stärkere Partei wählt. Das hat Frau Noelle-Neumann 1940 schon in ihrer Doktorarbeit am Beispiel der USA dargelegt. Daher sind Umfragen vor Wahlen durchaus kritisch zu betrachten, weil deren Ergebnisse stärker beeinflussen als Inhalte des Wahlkampfes.

Mein Großer war viele Jahre lang ein Fan des Hamburger SV. Die Bettwäsche blau, die Raute auf dem Kopfkissen, die Wand blau. Allerdings ist es seit vielen Jahren nicht so leicht, den HSV zu unterstützen und deshalb sagte er vor einigen Jahren plötzlich: „Ich habe keine Lust mehr auf Relegation, ich will auch mal vorne sein. Ich bin jetzt für die Bayern!“

Das ist sozusagen der ‚bandwagon“-Effekt im Sport. Es gibt ihn auch, wenn Menschen Nachteile befürchten, wenn sie ihm nicht folgen, das ist oft ein Phänomen in Diktaturen.

Gibt es einen „bandwagon“-Effekt nun auch in der Mode? Ich erwähne die wenig kleidsamen „high-waist-jeans“ jetzt nicht nochmals. Über Mode zu schreiben, ist nämlich ein schwereres Unterfangen als ich dachte.

„Die Natur macht Frauen verschieden –
die Mode macht sie gleich.“

So jedenfalls Königin Christine aus Schweden, die 1654 abdankte, um sich in Rom konsequent der Wissenschaft und der Kultur zu verschreiben. Es kann aber auch sein, dass gerade „Rom‘ zu dieser Zeit in der oberen Schicht wieder ‚in Mode‘ war und Christine nur einer anderen Mode verfiel als der des Äußeren.

„Mode nutzt mehr Kleider ab als ein Mensch“, das wusste noch früher schon Shakespeare. Es ist ja nicht so, dass Mode ein Phänomen unserer Zeit ist. Trotzdem wird sie leicht belächelt und ist selten Gegenstand längerer Betrachtungen.

Überaus interessant scheint mir die Zeit in Florenz kurz vor dem Jahr 1400 gewesen zu sein. Für Männer existierte dort zeitweise keinerlei vorherrschende Mode, weil jeder sich suchte so individuell wie möglich und stets anders als andere zu kleiden. So etwas wäre für die heutige Industrie ein ziemlich hartes Brot, weil sie nur noch auf Einzelstücke setzen könnte.

Reizvoll sind zwei kurze, noch heute lesenswerte Essays von Georg Simmel vom Anfang des 20. Jahrhunderts:

„Philosophie der Mode“ und „Psychologie der Mode“

Simmel gehört zu den Begründern der Soziologie und daher betrachtet er Mode auch mit dem Schwerpunkt auf dem Gesellschaftlichen. Ihm zufolge kopieren ‚untere‘ Schichten die Moden der ‚oberen‘. Sind die Moden ‚unten‘ angekommen, benötige die ‚obere‘ zur Abgrenzung eine neue Mode. Für ihn ist Mode ein „Produkt klassenmäßiger Scheidung“. Das ist jetzt eine sehr grob vereinfachte Darstellung seiner Aussagen, die Lust auf Modefragen reicht bei mir auch nicht für längere Texte, für Fotos jedoch schon. Oder Blicke. Das ist das eigentliche Wesen der Mode. Der Blick.

Es wäre interessant, wenn Canetti sich noch zu „Masse und Mode“ äußern könnte, ich glaube nämlich, dass er das nicht tat.

Zusammengefasst kann man sagen, dass das Befolgen einer „Mode“ immer ein Aufgehen in einer Gesamtströmung darstellt. Dabei möchte der Einzelne aber dennoch immer möglichst individuell erscheinen, was jedoch ein offensichtlicher Widerspruch ist.

Wer sich der Mode bewusst zu verschließen trachtet und sich beispielsweise kleidet wie in vergangenen Zeiten, tut dies auch lediglich, um sich vom Gängigen abzugrenzen und verfolgt somit vergleichbare Ziele wie sie vor mehr als 100 Jahren „obere Schichten“ verfolgten.

Eine andere Möglichkeit besteht in der Anpassung und der gleichzeitigen Übertreibung der gängigen Mode, um aufzufallen. Man könnte den Bund der Hose beispielsweise bis zur Brust ziehen und wenn höhere Schuhe in Mode sind, Sohlen mit 20cm Höhe tragen. Sind balkenartige Augenbrauen angesagt, kann man gleich zwei Stifte über die Augen kleben.

Das nennt man dann „individuell“.

„Was unmodern ist, tragen die anderen“, sagte nämlich schon Oscar Wilde.

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Wie man schnell wieder auf 99% kommt

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*Wie man schnell wieder auf 99% kommt*

Wenn ich mal das Handy zuhause vergesse, kann das ganz entspannt sein, plötzlich öffnet sich der unruhige Blick für neue Details. Ganz anders ist das jedoch, wenn man unerwartet feststellt, dass der Akku nur noch 9% hat. Dann wird das keine sanfte Veranstaltung, wenn man das Ladegerät vergessen hat und in zwei Stunden eine Nachricht des Kindes erwartet wird.

Alles hat sich ja verändert.

Vor 40 Jahren hat mein 34PS-Käfer in der Stadt 8,9 Liter geschluckt, die Heizung funktionierte nur im Sommer und er brauchte 30 Sekunden auf 100. Heute ist alles anders, schneller, stärker, schwerer, sicherer, aber die moderne Karre braucht in der Stadt, …. richtig, …. 8,9 Liter.

Ein Armutszeugnis.

Heute muss ich mein Handy auch tagsüber einmal „nachladen“. Klar, man nutzt das mehr als vor 15 Jahren, aber damals lud man das Ding einmal in der Woche. Also lädt man heute grob 14mal so oft. Das ist so, als würde das heutige Auto mehr als 130 Liter auf 100km verbrauchen. So ein Auto würde kein Mensch kaufen. Es sei denn, alle wären so verschwenderisch.

Ein Armutszeugnis auch für den Akku beim Mobilgerät!

Als Ersatz gibt dann mobile Ladegeräte, „Power-Banks“ heißen die. Auch die, klar, muss man vorher laden.

Jedenfalls würde ich niemals ein Mobilgerät mit einen fest installierten Akku kaufen. Ich habe nämlich einfach für 12€ oder so einen zweiten Akku gekauft. Und ich kann das hier nur schreiben, weil ich in 20 Sekunden wieder auf 99% war.

Das hätte ich gern zu Weihnachten …. also, dass ich selbst in 20 Sekunden wieder auf 99% komme. Die SPD auch.

 

 

 

Chai Latte Coffee

 

*Chai Latte Coffee*

Gestern saß einer vom Theater neben mir und fragte im Café nach einem „Chai Latte“, den es aber nicht gab.

„Ja, das habe ich früher im Winter auch gern getrunken!“, nuschelte ich ihm zu.

„Und dann ….“, antwortete er, „… noch einem Espresso rein, dann ist das weniger süß!“

Die Kombination konnte ich mir nur schwer vorstellen, aber „Geschmack“ ist auf der Zunge leichter zu bewerten als auf Schallwellen.

Jedenfalls musste ich mich heute wieder „pieken“ lassen, und weil ich davor etwas „Manschetten“ hatte, bin ich noch schnell in ein anderes Café gegangen, um mir mit dem dortigen „Chai Latte“ Mut anzutrinken.

Sie war die Auszubildende mit einem Berg von Haaren, die irgendwo noch einen kleinen Gruß von Bob Marley beherbergten. So ein Nest am Hinterkopf eben.

„Halt!“, rief die ältere, erfahrene Kollegin mit dem strengen Kurzhaarschnitt, „…. keinen Kaffee dazu, nur der Sirup und Milchschaum!“

„No Woman No Cry“, dachte ich, … der Kaffee war schon drin und ich erinnerte mich an den ‚Schauspieler von gestern‘, …. das klingt jetzt dämlich, aber wie soll ich’s sonst schreiben?

„Ich nehme den gern so, mit dem Espresso, eine sehr gute Idee!“, gebot ich Bob Marley’s schönster Schwester Einhalt. „Auf einer geteerten Strasse kann man den richtigen Weg nicht finden“, schob ich noch nach, aber sie kannte den Satz von Bob vermutlich nicht.

Und nachdem sie etwas befreit lächelte und sich der Kurzhaarschnitt mit einigen Krümeln die Zeit vertrieb, hat ‚CLC‘ mir richtig dolle Mut gemacht. Sie auch.

„Danach“ habe ich dann den Sohn von ihrem ersten Versuch mit meiner Augenklappe getrunken. Leider fühlt man sich damit weniger wie Jack Sparrow als im Fasching. Da wusste sie schon, was mir guttut. Den trinke ich jetzt bei der nächsten „Depotspritze“ auch.

„Nochmal so wie vorhin?“

Das darf Marley’s Urenkelin im Café gern sagen, aber bitte nicht die im hellen Grün.

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„Ist man einmal bis zum Knie gekommen, so hat man nicht mehr weit.“

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*„Ist man einmal bis zum Knie gekommen, so hat man nicht mehr weit.“*

Der „Diderot-Effekt“ ist ein Begriff aus der Konsumforschung aus dem Jahr 1988.

Er hat seinen Ursprung in einem Essay von Denis Diderot aus dem Jahr 1772. Denis war nämlich Philosoph der Aufklärung und Schriftsteller. Er war noch viel, viel mehr, das führt aber zu weit. Ein Buch über ihn wäre schnell gefüllt.

Jemand hatte Diderot einen wunderbaren, wertvollen Morgenmantel geschenkt, woraufhin er sich von dem alten trennte und feststellen musste, dass die vorher von ihm als harmonisch wahrgenommene Einrichtung seines Hauses nicht zu dem neuen Mantel passte.

„Mein alter Hausrock und der ganze Plunder, mit dem ich mich eingerichtet hatte, wie gut passte eins zum anderen!“

Wikipedia sagt:
Der Diderot-Effekt „beschreibt, wie Menschen, nachdem sie einen Gegenstand gekauft haben, in den Zwang geraten können, weitere Käufe zu tätigen, um ein passendes Gesamtbild zu schaffen. Die Aufwertung eines Details, z. B. eines Kleidungsstücks führt zu einer Unzufriedenheit mit einem oder mehreren anderen Details und kann somit eine Konsum-Kettenreaktion auslösen.“

So mancher Verkäufer baut auf diesen Effekt, wenn man selbst keine plötzlichen ‚Mängel des Alten‘ wahrnimmt.

„Aber Ihr Gürtel geht zu der neuen Hose gar nicht!“

„Ja, Ihr grauer Schal ist sehr, sehr schön, aber zu diesem braunen Mantel suche ich Ihnen gern einen anderen heraus.“

Leider liest man eher selten über Denis‘ Verhältnis zu Frauen, das kommt oft nur im Nebensatz vor.

„Seine Frau, die Mutter seiner Kinder, war die Seele seines Hauses und Diderot tolerierte auch ihre strenge Gläubigkeit. Während der Zeit dieser Ehe führte er dazu weitere intime Beziehungen.“

Die Frage ist, ob *er* nun tolerant war oder doch eher *sie* oder …. beide auf verschiedene Weise. Oder ob das alles gelogen ist.

Über Frauen hat er, ehem, …. ‚bemerkenswerte‘ …. Sätze verfasst.

„Es gibt ein geheimes Band zwischen den Frauen; sie hassen einander, aber sie nehmen einander in Schutz.“

„Wer sie durchschaut, der hat in ihnen einen unerbittlichen Feind.“

„Eine häßliche Frau ist der beste Zaun um den Garten.“

Offenbar war er auch ein selbsternannter „Auskenner“:

„Ist man einmal bis zum Knie gekommen,
so hat man nicht mehr weit.“

Verständlich ist, dass der Diderot-Effekt das ist, was von ihm wohl am bekanntesten ist. Bis zum Knie musste man im 18. Jahrhundert weitere Wege gehen als heute, und dieser Satz hat daher einen höheren Bekanntheitsgrad verdient. 🙂

Mir fällt leider kein analoger Satz ein, den man einer Frau zuschreiben könnte. Schade.

„Mode“, das schreibe ich nur dazu, damit man Diderot auch unter diesem Stichwort findet. 😉
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Geschwindigkeitsrausch

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*Geschwindigkeitsrausch*

Heute scheint alles schnell gehen zu müssen. Kaum ein Auto läuft unter 170km/h in der Spitze, Filme haben schnelle Schnitte, Kommunikation über das Handy ist ebenso schnell und kurz in der Sprache. Gegessen wird „fast-food“ und getrunken ein „coffee-to-go“.

Kurz:
An Tempo sind alle gewöhnt und sehnen sich zugleich nach Beschaulichkeit und Ruhe. Wenn man sie dann mal zu fassen hat, kommt so manchem das langweilig vor. Mir auch.

Ich arbeite ja seit mehr als 30 Jahren mit jungen Menschen in der einen oder anderen Form, oft geht es um Mathematik. Und „klüger“ waren wir früher nicht, den Zahn muss ich allen Älteren leider gleich ziehen.

Der Unterschied besteht vielleicht eher darin, dass man sich früher mehr Zeit „nahm“, um zu denken. So wie man früher Briefe schrieb, so rechnete man auch. Heute rechnen viele so als würden sie über WhatsApp kommunizieren, aber das klappt nicht. Denken braucht nämlich vor allem … Zeit und Ruhe. Gerade das könnte man bei „Mathematik“ immer noch lernen. Und dass man sich im Leben auch mit „Unangenehmem“ beschäftigen muss, das auch.

Und so sehe ich oft kluge Schüler kurz vor dem Abitur, die das Wesentliche verstanden haben. Aber weil sie rechnen als seien sie getrieben, machen sie die blödesten Fehler oder schreiben so unstrukturiert und unsauber, dass sie ihre eigenen Zahlen manchmal nicht erkennen können. „Struktur“ und „Ordnung“ kann man später auch brauchen. Zusätzlich blicken sie beim Üben alle 10 Minuten auf’s Handy und verlieren die Konzentration.

Und ich kann es auch nicht besser und ich weiß es auch nicht, was man heute anders machen könnte.

Erstens:
In der Oberstufe reichen 40% der Punkte in der Regel für eine 4, ansonsten reichen 50%, das wäre also die „Hälfte“ der Aufgaben im zweiten Fall.

Also muss man, etwas vereinfacht betrachtet, in der Oberstufe und mit Ruhe nur 4 von 10 Aufgaben rechnen und dies richtig tun. Das reicht, mehr wäre gar nicht notwendig. Aber selbst Schüler, die bislang 4en hatten, versuchen *alle* Aufgaben zu rechnen, tun dies in Eile und haben zum Schluss oft keine 4 mehr. Das ist unklug.

Mit dem Gedanken „ich will nur die Hälfte rechnen“, geht mancher entspannter zur Klausur und schafft am Ende mehr als er in der hektischen Version erreicht hätte. Jedenfalls kenne ich bei der „entspannten“ Variante eher die besseren Resultate.

Zweitens:
Man werfe alle Kugelschreiber in den Müll und kaufe sich einen guten Füllfederhalter, den man gern verwendet und liebevoll einsetzt. Dazu einen Satz Fineliner und mehrere Bleistifte. Mit einem Kugelschreiber streicht man meist ohne Lineal, mit Tinte geht das in dieser Geschwindigkeit nicht, dann kratzt es. Da nimmt man automatisch ein Lineal … und meist sieht das dann auch ordentlicher aus. Jedenfalls sind die eigenen Zahlen dann oft besser lesbar. Und mancher lernt auch, etwas schöner zu schreiben.

Drittens:
Man verschwende mehr Platz im Heft, gerade in Mathematik! Sicher wird es einige Bäume das Leben kosten, aber die kann man ja nach den Prüfungen neu setzen. Viel zu oft wird eng geschrieben, alles zusammengequetscht … und nach einer kleinen Korrektur völlig unlesbar.

Mathematik und Eile sind nie Freunde.

Und das macht es meiner Meinung heute schwerer als früher für den Schüler, dass es da einen Gegenstand gibt, der offenbar etwas fordert, was man kaum noch kennt:

Ruhe, Nachdenken und …. Selbstkritik, …. darin, was man schaffen kann und was man lieber gleich abhaken sollte.

Und als Lehrer, da war ich fast immer im Stoff „hinter“ den Kollegen, die meistens alles schneller machten. Da musste ich, selbst zur Nervosität neigend, mich und andere immer beruhigen: „Ihr seid gut, wir machen die Grundlagen lieber langsam, am Ende gewinnt Ihr den Sprint vor dem Ziel.“

Und ich glaube auch heute nicht, dass das so falsch war.

Lehrer leben nämlich auch in diesen hektischen Zeiten und deshalb sind alle gut beraten, inhaltlich auch mal abzurüsten. Stattdessen setzen die Behörden jetzt auf mehr Technik in Form von programmierbaren Rechnern. Leider endet das nicht mit mehr Fähigkeiten der Schüler, sondern mit … weniger. Oft scheint mir die Bedienung der Maschine schwerer als die mathematische Anforderung. Man lernt ja auch nicht Latein, damit man es später beim Italienischen einfacher hat.

Man macht auch keinen Kochkurs, wenn man nur Eier kochen will. 🙂

Die Mathematik-Klassenarbeit

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*Die Mathematik-Klassenarbeit*

„Wenn ich wieder zur Schule gehen kann, dann muss ich gleich die Mathe-Klassenarbeit nachschreiben“, hat sie gesagt. Das kleine Kind war nämlich fast zwei Wochen ziemlich krank und lag im Fieber. Also hat sie versucht, den Stoff dieser Zeit im Buch „nachzulesen“. Gerechnet hat sie nicht, Aufgaben von mir waren unerwünscht.

„Drei Fragen, Papa, zu Mathe“, die hatte sie. Als ich die kurz beantwortet hatte und noch ein wenig ‚ausholen‘ wollte:

„Das war’s, Papa, es waren wirklich nur die drei.“

Das bedeutet, dass ich wieder gehen soll.
Bei ihrem „Das war’s“ muss ich immer an Meryl Streep in diesem Mode-Film denken, na, an den mit der Dings mit den dunklen Haaren. Ihr wisst schon.

„Es ist auch völlig egal, dann schreibst Du eben mal eine 4 oder eine 5. Du warst ja nicht da. Dein Lehrer muss das so machen, aber er weiß ja, dass Du krank warst“, oder so ähnlich habe noch hinterher geschoben.

Und als ich sie „danach“ von der Schule abholte und fragte, wie es denn ‚gelaufen‘ sei, da lachte sie laut:

„Total verkackt! Überall kamen krumme, blöde Zahlen heraus, das ist bestimmt alles falsch. Bei einer Aufgabe habe ich nur geschrieben, was ich machen würde, zum Rechnen hatte ich keine Zeit mehr.“

Kurze Pause, etwas leiser fuhr sie fort:

„War natürlich doof, dass mir keiner gesagt hat, dass ich den Taschenrechner benutzen durfte. Den hatte ich in der Tasche.“

Aber sie lachte immer noch.
„Verkackt“ heißt so etwas wie früher „Scheiße“.

„Die Arbeit ist bei den anderen richtig schlecht ausgefallen. Nur eine 2, ganz viele 4er und 5er. Hat *er* wohl nicht so gut erklärt.“

„Dann sag‘ ihm wenigstens, dass Du das mit dem Taschenrechner nicht wusstest. Ändert zwar die Zensur nicht, wäre aber gut, wenn er das weiß.“

Ja, das wollte sie dann tun.

Sie hat es nach der Rückgabe nicht gesagt.
„Papa, das wäre blöd für die anderen gewesen!“

Sie hatte nämlich die einzige 1. Und sie grinste wie sie über eine 5 auch nur gegrinst hätte. Tolles Kind.
Am stolzesten aber bin ich, dass die Kurze sich nicht „stressen“ lässt.

Ob ich sie mal fragen darf, wie man das macht?

 

Eine kurze Reise

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*Eine kurze Reise*

Als wir die zweistündige Autofahrt vor uns hatten, wollte ich nicht fahren, weil „er“ mitkommen wollte. Dem kleinen Kind hatte ich vorher recht genau beschrieben, wie die Fahrt verlaufen würde.

Leider sagte ich jedoch zu meiner Frau:
„Du fährst. Ich sitze hinten, mit Lara, dem Hund und …. Dings.“

Da spielte das kleine Kind eine Rolle wie in einem Pilcher-Film.

„Ich fühle mich sehr verletzt“, sagte sie in weinerlichem Ton und legte ihre Hand auf ihre schmale Brust, „… mein Vater hat mich ‚Dings‘ genannt! Ich, nur ein …. ‚Dings‘!“

Eigentlich findet sie es gut, wenn ich hinten sitze, weil ich ihr erlaube, Filme zu sehen ….. und mir, Fragen zum Film zu stellen.

Aber wir brauchten keinen Film, der lief nämlich auf den vorderen Sitzplätzen ab.

„Nein, so fährt man nicht, das dauert mindestens 3 Minuten länger!“

„Jetzt kannst Du überholen, aber etwas Mut gehört schon dazu!“

„Jetzt rechts, dann sind wir hinterher vor dem Lieferwagen!“

„Wildwechsel, ach nee, hier sind 100 erlaubt!“

„In Itzehoe müssen wir die erste Abfahrt runter.“

Das war natürlich falsch, aber als er das merkte, sagte er nur: „Nein, länger war der Weg jetzt nicht.“

Kurz, ich tue mir das nicht an.

Und ich fahre sonst immer, wirklich immer. Wie die beste Ehefrau von allen das aushält, das weiß ich nicht, aber der gereckte, grinsende Daumen des kleinen Kindes sprach immer wieder:

„Genau wie Du gesagt hast, ganz genau!“

Als wir dann dort waren und mit dem Hund nicht in die Kirche durften, da haben wir uns süß beim Bäcker eingedeckt und danach wollte sie in die Drogerie, um einen Lippenstift oder Nagellack zu kaufen. Vor dem Geschäft fragte ich noch, ob sie Geld brauche und eine vorübergehende Kundin riet ihr „sag‘ ja, man sagt immer ‚ja‘!“

Also reichte ich dem kleinen Kind 5€.

„Ich benutze gar keinen Lippenstift, und Nagellack habe ich genug“, sagte sie als sie nach 15 Minuten ohne Käufe zurückkehrte.

„Und die 5€?“, fragte ich.

„Welche 5€?“, grinste sie vom rechten Ohr bis zum linken.

„Ich habe Dir doch 5€ gegeben!“

„Ach, die! Die sind für ‚Dings‘!“

 

 

Die Beste aller Zeiten, …. nur für Männer

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*Die Beste aller Zeiten, …. nur für Männer*

Als Kind, da stellt man manchmal die beste Fußballmannschaft aller Zeiten auf, ich jedenfalls habe das des Öfteren getan. Auch mein Großer machte das ähnlich mit seinem „All-Star-Team“ bei FIFA auf der Playstation.

Natürlich waren die unschlagbar.

Später habe ich dann die besten Platten aufgeschrieben, aber diese Listen waren nie so haltbar wie die mit der besten Mannschaft.

Was machen Mädchen oder Frauen eigentlich, wenn sie sich weder für Fußball, noch für Musik und auch nicht für Listen interessieren?

Tor:
Buffon

Abwehr:
Roberto Carlos, Cannavaro, Lahm

Mittelfeld:
Pirlo, Beckenbauer, Zidane, Schuster

Angriff:
Messi, Cruyff, Pele

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Maradona, Ronaldo, Platini, Overath, Müller, Alonso
…… nur auf der Ersatzbank. 🙂

Das Foto zeigt die laut Umfrage „schönste Spielerfrau“, aber ich weiß nicht mehr, wie der Spieler heißt.

One Of These Days

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*One Of These Days*

Zuerst habe ich festgestellt, dass meine Rücksendung des Vinyls von Joe Henrys „Thrum“ beim Versender nach 5 Wochen noch nicht ‚angekommen‘ war und die mir die Kosten nach der zügigen Neulieferung in wenigen Tagen ein zweites Mal aufbrummen. Die hatten die Platte lediglich in einer Plastiktüte (!) geschickt und eine Ecke der Pappe war umgeknickt. So leicht eben, aber so, dass es mich stört. Ich bin sensibel, also bog ich noch etwas nach und sandte zurück. Zum Glück habe ich die Quittungsnummer noch und konnte denen das mitteilen. Unnötiger Aufwand.

Dann schreibt die Zulassungsstelle, dass ich wegen des vor 6 Wochen angemeldeten Autos nochmal hinkommen soll, mit allen Unterlagen und neuer Versicherungsnummer. Es sei ein Fehler aufgetreten. Aber erst in 10 Tagen soll ich erscheinen, die denken offenbar noch darüber nach, wie das passieren konnte.

Am gleichen Tag schreibt die Versicherung, dass für den „3er-BMW“ noch kein Vertrag abgeschlossen wurde. Mein „Betreuer“ war nämlich zuerst im Urlaub und jetzt hat er sich den Knöchel gebrochen. Ich schließe nicht gern Verträge mit Menschen, die ich ihn vertreten und die ich nicht kenne und deshalb wartete ich auf seine Genesung.

„Es ist kein BMW, es ist ein Audi, den mein Riese bewegt“, habe ich am Telefon der Verwaltung der Versicherung in Koblenz gesagt. Da wurde die nette Dame mit der schönen Stimme ganz nervös. Das genau war nämlich der Fehler der Zulassungsstelle, das konnte sie aber nicht wissen. Dass die versehentlich einen BMW auf der Liste haben, das habe ich erst nach einer Pause gesagt.

Die Dame atmete schwer und sagte „Hach, wenn ich doch Hellseherin wäre!“

„Ach nee“, sagte ich, „dann hätten wir doch gar nichts mehr zu besprechen! Und sie tragen ein Headset und haben blonde Haare?“

„Ja, …. woher wissen Sie das?“

„Raten Sie mal!“

“ Sind Sie …… Hellseher? “

„Das mit der Haarfarbe habe ich geraten, aber ich höre Sie die ganze Zeit schwer *atmen*, ich kann Sie hören, auch wenn Sie nicht sprechen. Zuerst dachte ich, sie sitzen im Wind an der Mosel. Das muss ein Headset sein!“

Einen kleinen Erfolg braucht ein Mann auch in schweren Zeiten jeden Tag.

 

–

Das Foto ist natürlich vom Ron. 🙂

 

 

 

 

Modern

 

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*Modern*

An sich fühle ich mich manchmal gar nicht so alt.

Warum man jetzt zum Beispiel Autos braucht, die selbst einparken während man selbst noch zwei Züge von der Marlboro nimmt, das erschließt sich mir nicht. Man muss diese Automatik auch noch bezahlen. Ich glaube, wenn ich so ein Auto hätte, dann würde ich immer die Hände am Lenkrad lassen, damit die da draußen denken, ich könnte das noch allein. Selbst diese schon länger üblichen Piepser sind nur praktisch, wenn man noch nicht weiß, wo das Auto sein Ende hat. Danach kommt die Phase, in der man aussteigt und nachmisst, in welcher Entfernung das Piepen zum Kreischen wird. Das sind oft 15cm, mal 2 für denselben Abstand vorn macht schon 30cm, die quasi „verschenkt“ werden.

Es gibt also eine Zeit, in der ich versuche, besser zu sein als die Parkpiepser. Das scheint zutiefst menschlich zu sein, dass man versucht, unabhängig zu bleiben. Selbst eine Minibeule wäre mir da als Preis nicht zu hoch.

So ein Parkrempler ist nicht so schlimm wie Leute, die sich mehr und mehr rücksichtslos verhalten. Die bräuchten so einen Biopieper, wenn sie anderen auf den „Sack“ gehen. Sorry, ich wollte mich mal modern ausdrücken. Klappt nicht.

Das mit diesen Hashtags, das verstehe ich auch nicht richtig. Meistens sind die ganzen Hashtags länger als der gepostete Text bei Instagram.

Auf Instagram „folge“ ich jetzt übrigens Louisa.

Die war gestern im TV und sie ist eine „Influencerin“. Das bedeutet nicht, dass sie krank ist, wie ich zunächst dachte, sondern dass sie ihr Essen fotografiert und so kleine Videos postet, egal, was sie gerade macht. Ihr Freund macht das auch so. Jedenfalls folgen Louisa weit mehr als 300.000 Menschen. Ich versuche das jetzt mal zwei Tage, um herauszufinden, ob mich das verändert oder jünger macht.

„Influencer“!

Musstet Ihr das googlen? Ich schon. Das Wort gibt es erst seit 10 Jahren! „Influencer“, das sind Menschen, die in sozialen Netzwerken irgendwas machen, was dazu führt, dass andere Leute mehr Geld ausgeben als sie eigentlich wollen und sie selbst mehr bekommen als sie eigentlich brauchen.

Ist lustig, dass die, die kaum etwas zu sagen haben, zu „Influencern“ werden während gleichzeitig die, die politisch etwas beeinflussen könnten, sich am liebsten davor drücken würden.

Leider glaube ich, dass in mir auch so ein kleiner Möchtegerninfluencer steckt. Das scheint so ein neuer Trieb zu sein, ist aber auch anstrengend.
Und dafür braucht man eben die Hashtags.

Irgendwann werden die auch auf Grabsteinen auftauchen, diese Kreuzdinger.

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Das Foto ist vom Ron. Wunderbar.
https://maddin61.wordpress.com/