Hosen sind überbewertet

 

*Hosen sind überbewertet*

Eigentlich „sollte“ ich mir heute ja eine „gute“, neue Jeans kaufen. Also „gut“ heißt vermutlich, dass ich die nicht bei Lidl für einen Zehner bekomme. Nun, von der von Lidl im letzten Jahr hatte die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, bei der Erstvorführung gesagt, dass die „endlich mal gut sitzt“. Aber da hatte ich „Lidl“ noch nicht erwähnt, ….. die Hose jedoch aus der Tüte von ‚Teuerkauf‘ gezogen, die ich vorher aus der Sammlung von Tüten in der Küche stahl.

Ist alles irgendwie ‚psychisch‘. 😉

Und kaum sind gefühlt ein paar Wochen vorbei, sollte ich schon wieder eine Jeans kaufen. Ich habe doch schon acht oder so, aber die „sehen nicht aus“, sagt man. Die kaputten neuen kosten schon ein Vermögen! 360 Deutsche Mark! Was denn erst welche ohne Löcher kosten, ich weiß es nicht.

Mist, ich werde gestört, das kleine Kind spricht hier beim Tippen dazwischen:

„Jetzt leg‘ doch mal das blöde Handy weg!“

„Lies‘ doch mal ein Buch!“

Ich weiß gar nicht, woher sie diese Sätze hat, vermutlich aus dem TV. Richtig streng und schrill kann die das. Wahnsinn, bei der will ich schon mal nicht Sohn werden.

Also ich sollte die Jeans kaufen, aber da war dann Saturn. Solche Märkte wachsen manchmal plötzlich an Straßen wie Maulwurfshügel auf dem Rasen. Und Saturn hat gerade die „3 für 2“-Woche. Das ist Verführung pur! Da sucht man gezielt nach hochpreisigen Artikeln, die ungefähr gleich viel kosten, weil der Einspareffekt dann maximal ist. Der günstigste von drei Artikeln „kostet nichts“. Es ist ein praktisches Optimierungsproblem. Mich reizt das innermathematisch.

„Mal‘ doch mal ein Bild, Papa!“

Es war am Ende nicht ganz einfach und aus Verzweiflung habe ich dann dem Kind mit den Sprüchen die neue Taylor Swift mitgenommen. Gleich im Auto reingeschoben, ein Wahnsinn. Über einer Armee von Bässen schwebt ihre Stimme wie ein Heißluftballon. Trotzdem mag ich Kacey Musgraves lieber, die ist bei den Cowboystiefeln und irdisch geblieben.

„Geh‘ doch bitte kurz mit dem Hund, ja? Papa! Huuuuund! Jeeeeetzt! Soooooforrrrt!“

Vermutlich gibt sie mir die CD morgen zurück und so war das auch geplant. Immerhin habe ich Platten und CDs im Wert von 35€ „kostenlos“ bekommen. Gern rechne ich auch den Durchschnittspreis pro Produkt aus, das bringt mich gefühlsmäßig in höhere Sphären. Das schafft keine Jeans!

Ob ich die neue Robert Plant nun gebraucht habe oder die langweilige „Triplicate“, um die ich mich immer gedrückt hatte, das ist noch ungeklärt, zugeben werde ich das aber nicht!

„Du vertust Deine Zeit!“, ruft das Kind.

Und ich kaufe Jeans nicht gern, weil man die anprobieren muss und dann schaut die Verkäuferin immer wie meine Mutter früher, manche schielen sogar am Vorhang …. und sagt „Nee, die sieht nicht aus!“

Das sagen die beiden bei Saturn nie zu mir.

„Na, eeeendlich! Hast Du eigentlich Deine Hausaufgaben denn schon gemacht?“

–
https://maddin61.wordpress.com/

„Wir haben eine ganz tolle Präsentation vorbereitet!“

 

20171121_211921-1-1

*“Wir haben eine ganz tolle Präsentation vorbereitet!“*

Früher habe ich gern gesagt, dass ich Begeisterung für das eigene Tun zwar schätze, aber dass ein Lob für die Präsentation den Zuhörern vorbehalten bleiben sollte.

„Und hier zeigen wir Euch sehr, sehr gute Bilder, damit Ihr Euch das besser vorstellen könnt!“

Der Musiker tut es:
„Es ist die beste Platte, die ich je gemacht habe und ich denke, dass alle davon begeistert sein werden!“

Der flüchtige Bekannte tut es, der schon beim eigenen Atemholen für eine kurze Antwort mit den nächsten Thema startet: „Ich bin der beste Zuhörer, den Du Dir vorstellen kannst!“

Der, der Kunst kreiert, wertet Früheres ab und nimmt sich jede Chance für eine Steigerung: „Als Künstler muss ich sagen, dass dies hier der absolute Höhepunkt meines Schaffens ist!“

„Wir haben einen großartigen Film gemacht!“, geht das noch?

In der Politik ist es üblich:
„Und ich habe ja mit dem großartigen Satz ‚Über Jamaika zieht ein Hurrikan auf‘ vorher gewarnt“, so Kubicki sinngemäß gestern bei Sandra.

Mann, Mann, Mann, …..
….. machen meistens Männer solchen …. Murks?

Vom Gefallen zum Ansinnen

P1280058

*Vom Gefallen zum Ansinnen*

Giselle wurde von einem Freund gefragt, ob sie ihn morgens um 4:00 zum 70km entfernten Flughafen bringen könnte. Eigentlich hätte er sich auch ein Taxi leisten können, er hat nämlich ziemlich viel Geld.

Ich hatte etwas ähnliches auch einmal, aber damals vor vielen Jahren, da sollte ich den Gefallen nicht nur tun, nein, ich sollte ihn zusätzlich noch „gern“ tun. Damals habe ich gesagt, dass ich es tue, aber so richtig „gern“ wäre vielleicht ein wenig übertrieben. Dann sollte ich schließlich doch nicht Kutsche spielen.

„Wenn Du es nicht richtig ‚gern‘ tust, dann lieber gar nicht!“

Zuletzt fragte mich eine eher flüchtige Bekannte des Öfteren, ob ich ihr helfen könne, sei es, eine alte Küche auszubauen oder einen Schrank vom Möbelhaus abzuholen. In der Vergangenheit hatte ich zweimal so etwas für sie getan und das sogar „gern“, weil ich sie mag. Aber in den letzten Fällen gab es immer eine zeitliche, schriftliche Vorgabe, die mir etwas zu ‚eng‘ erschien.

„Kannst Du morgen um 11:00 mit mir ….“ oder so.

Oder auch:

„Gut wäre Samstag gegen 10:00 oder am Sonntag um 14:00, Sonntag wäre noch besser“.

Dann mache ich das nur noch halb so ‚gern‘ und stelle meinen Tagesplan nicht mehr extra um. So wird für mich ein Gefallen nämlich leicht zum Ansinnen. Oder ist das von mir nicht entgegenkommend genug?

„Komm‘, das würde ich für Dich doch auch tun!“

Mit diesem ‚vermaledeiten‘ Satz hat sich Giselle zur nebligen Fahrt am Morgen zum Flugzeug breitschlagen lassen und hat doch „ja“ gesagt. Und sie hat sich über ihr „Ja“ mehr geärgert als über das Ansinnen des Freundes mit seinem unpassenden und bedrängenden Text. Sie ist um 3:00 morgens aufgestanden und war um 5:30 zurück, um danach ihren üblichen 10-Stunden-Tag abzuarbeiten.

„Mental“ hat sie dafür mehr bezahlt als den finanziell üppig ausgestatteten Freund das Taxi gekostet hätte. Da hilft auch die Ankündigung einer Einladung zum Essen nicht viel. Oft bleibt es ja bei der Ankündigung einer Einladung. Und diese einzufordern, das wäre dann vielleicht ‚unhöflich‘?

Manchmal ist ein „Nein“ gar nicht so einfach und bei Freunden soll ja ein „Nein“ möglichst noch klingen wie ein „Ja“.

Wann also wird aus einem „Gefallen“ ein „Ansinnen“?

 

Hartes Urteil:
Manchem geht es hauptsächlich um sich selbst. Sozusagen wie bei Christian Lindner. Der ist gestern auch nur bei ’sich‘ geblieben, fast wie auf den Plakaten vor der Wahl.

Wie bei einem „Ansinnen“.

–

Das Foto ist vom Ron!

 

 

 

 

 

 

Heiliger Laurentius!

 

*Heiliger Laurentius!*

Den soll man nämlich ‚anrufen‘, wenn man von Schmerzen geplagt wird. Habt ihr vielleicht seine Mobilnummer?

„Laurentius ist der Schutzpatron vieler Berufsgruppen, die mit offenem Feuer zu tun haben, etwa der Feuerwehrleute, der Bäcker, der Bierbrauer, Textilreiniger und Köche. Bei Hexenschuss, Ischias- und Hautleiden wird der hl. Laurentius ebenfalls angerufen.“

Er hilft eben auch bei ‚innerem Feuer‘.

„Hexenschuss“ sagt man, weil die Leute im Mittelalter dachten, dass Krankheiten einem Menschen von Wesen wie Hexen oder Elfen mit einem Pfeilschuss zugefügt werden.

Und es kommt mir vor, als sei ich nach dem Schleppen der alten Waschmaschine 30 Jahre gealtert. Das Altern eines Menschen bekommt man ja nicht mit, wenn man ihn jede Woche sieht, weil das Altern jeden Tag in homöopathischen Dosen stattfindet. Aber wenn man Angela Merkel beispielsweise zehn Jahre nicht gesehen hätte, dann bekäme man einen plötzlichen Eindruck davon, was „Altern“ ist.

Und so ist auch ein Hexenschuss.

Und nach zwei wirklich quälenden Tagen ist das innerhalb einer Stunde fast weg! Man muss den Heiligen Laurentius offenbar heute gar nicht mehr ‚anrufen‘, ihn zu ‚googlen‘ reicht auch.

Leider hilft er nur bei Schmerzen.
Gegen das Altern gibt es noch keinen.

 

 

angelina jolie hexe-1

 

 

„Pssst!“

20171117_193134-1

„Psssst!“

…. ich glaube, dass „Pssst!“ das Wort ist, das das kleine Kind mittlerweile am häufigsten verwendet! Also früher, als alles anders war, da war das vielleicht das häufigste Wort der Eltern.

Die am meisten verwendete Redewendung des kleinen Kindes ist „Sei doch bitte mal leise!“

Nun, es kann sein, dass ich für nachwachsende Generationen etwas zu laut und etwas zu gern spreche.

Es ist alles anders geworden. Allerdings lese ich immer noch den Kulturteil der „Brigitte“. Solche Konstanten braucht das Leben des ehemals modernen Mannes. Interviews und Musiktipps sind immer lesenswert.

Heute lag die Zeitschrift schon offen auf dem Tisch, das Layout war neu und ich freute mich darüber, wie ansprechend die beiden Seiten über ‚The Pretenders‘ und Chrissie Hynde gestaltet waren. Das ist ziemlich moderne Musik, die Band gibt es erst seit Kurzem, seit 1978. „Oldies“, das sind für mich Lieder aus den 40ern, den 50ern und den 60er Jahren. Gus Backus und Ivo Robic, so etwas. Oder Hans Albers mit Heinz Rühmann im Duett!

Kein vernunftbegabter Mensch würde den Output der ‚Talking Heads‘ als „Oldie“ bezeichnen können ohne meinen Widerspruch zu ernten.

Dann habe ich noch etwas geblättert in den weiteren Artikeln über Testamente und über Magenprobleme. Nur wenige Modestrecken mit Models im Heft. Beim Abschnitt über ‚Großmutter-Hormone‘ habe ich dann jedoch zugeklappt.

„Brigitte-*wir*-Das Magazin für die dritte Lebenshälfte“

Schockierend: Chrissie statt Klassik!

 

 

 

Gibt es Lieder über Einkaufszettel?

IMG-20171115-WA0000

*Gibt es Lieder über Einkaufszettel?*

Fußball-WM ohne Italien, das Genie Pirlo ist von der Bühne abgetreten und Buffon weint bittere Tränen. In Turin werden sie bald mit Booten durch die Stadt fahren. In Jamaika scheint die Sonne auch nicht. Taylor Swift hat mehr als 100.000.000 Follower auf Instagram und schreibt kein Wort über Donald. Übrigens „folgt“ sie niemandem, nicht einmal ihrer Freundin Lorde, die jedoch ihr „folgt“, es sieht jedenfalls so aus.

Und der durchschnittliche IQ auf der Welt nimmt seit 1990 stetig ab.

Das ist alles höchst bedenklich.

Ich habe eben eingekauft und auf dem Auftragszettel der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, die Rückseite übersehen. Und das, obwohl da unten ein Pfeil für’s Wenden drauf war!

Mich hat der IQ-Abstieg voll im Griff.

„Normalerweise schickt ‚man‘ Einkaufszettel heute per Whatsapp! Handys sind eine einseitige Angelegenheit, da verlernt der Mensch, Zettel umzudrehen!“, habe ich zu meiner Verteidigung vorgebracht.

Das war viel zu lang, klar.

So sind Männer, und wir glauben selbst nicht an die Stichhaltigkeit derart fadenscheiniger Ausreden. Kommt die Einkaufsliste jedoch digital, dann war vermutlich „ein riesiges Funkloch vor dem Lidl-Markt“. Selbst mit raumgreifender Gestik und verzweifelter Mimik überzeugt das niemanden.

Beim letzten Mal hatte ich den ‚analogen Zettel‘ schon auf dem Weg zum Supermarkt verloren, Vorder- und Rückseite übrigens. Ich habe dann versucht, aus der Erinnerung einzukaufen, weil meine Frau beim Schreiben stets laut spricht. Zum ersten Mal habe ich das schätzen gelernt.

Den Verlust des Zettels habe ich nicht gestanden. Es schien mir klüger zu sagen, dass ich die „Eier vergessen“ habe und ich „keine Zitronen gesehen“ habe. So falsch war das gar nicht.

Gibt es eigentlich Lieder über Einkaufszettel?

 

 

„And The Rain Sounds Like A Round Of Applause“

 

RAINP1280852

*„And The Rain Sounds Like A Round Of Applause“*

Zeilen aus Liedern, die den Regen als Bild verwenden, die liebe ich. Regen haben wir hier recht viel und vielleicht liebe ich den realen Regen deshalb nicht so sehr. Würde es nur selten regnen, so könnte das auch ganz anders sein, selbst wenn der Regen derselbe wäre.

„And I’m back in the rain“ oder „The tears that we share with the rain“, das ist wundervoll.

Regen in Liedern ist besser als von oben.

Regen, das ist manchmal nur ein Zuviel an Tropfen. Einzeln ist der Regentropfen ein kleines Wunder, aber in der Masse geht das verloren. Ein paar Tränen vor Rührung sind schön, ein verheulter Abend ist es selten. Jedes Zuviel hat seine eigenen Nachteile.

Und damit sind wir wieder beim „Sammeln“ gelandet.

Frauen sind groß im „kleinen Sammeln“, bei Igeln für die Fensterbank oder bei Glöckchen, die sie an einer Lampe im Wohnzimmer aufhängen. Männer sammeln, so glaube ich, nicht „klein“. Die ganz großen Sammler, die richtig Verrückten, ob bei Kunst oder anderem, die sind meistens männlich.
Männer müssen ja im Fall des Falles alles bis an die Grenze treiben, sie neigen beim Dinglichen vielleicht eher zur Übertreibung als Frauen. Dafür sind sie bei den Worten über Gefühle manchmal etwas sparsamer. 🙂

Ein richtiger Sammler, der katalogisiert, der ordnet, der verwaltet seine Sammlung regelrecht. Die Nachwelt kann damit in seltenen Fällen etwas anfangen. Ich bin auch gar kein Sammler in diesem Sinne, ich höre und lese gern, aber ich ‚horte‘ zu einem gewissen Grade Musik, Bücher und Plattenspieler. Warum man so etwas tut, weiß ich nicht.

Vermutlich weil man „muss“.

Christiane hingegen versucht „ihren Look zu optimieren“. Sie hat einen sehr persönlichen, eigenen Stil, den man bei anderen nicht sieht. Und sie kauft viele Jeans und immer wieder Stiefel. Sie hat neulich im Keller dreißig Paar Stiefel gezählt.

„Du, und die sehen alle fast genauso aus!“, hat sie, fast über sich selbst erstaunt, bei einer Weinschorle am Abend gerufen. Sie hat es gar nicht nötig, ihr Äußeres zu „optimieren“, weil sie selbst in Badelatschen, einer Jogginghose und einem T-Shirt für 4€ schon nah am Optimum ist. Das weiß sie aber nicht. Trotzdem wird sie vermutlich, wenn sie 20 Paar Stiefel beim Flohmarkt verkauft hat, in kurzer Zeit zwei neue, umwerfende Paare finden, die alle anderen ‚gefühlt‘ in den Schatten stellen. Sie hat das weibliche Sammlergen mit einem Ziel, kann sich aber ohne Tränen auch wieder vom Gesammelten trennen. Beneidenswert.

Das könnte ich nur mit großen Schwierigkeiten und irgendwann käme der Tag, an dem ich das bedauern würde.

Zum Beispiel finde ich es blöd, dass ich mal meine Sammlung von internationalen Streichholzschachteln und -briefchen vor 30 Jahren entsorgt habe. Gerade heute hätte ich mir die so gern mal angesehen und überlegt, woher die einzelnen waren. Die einzelnen waren super.

Einzelne Tropfen können ein kleines Glück sein, die Masse ist oft nur nerviger …. Regen. So ist Kaufen und Sammeln am Ende. Und mit meinen gesammelten Erzählungen ist das auch so.

Aber man muss ja. 🙂

–
Das Foto ist vom Meister des Bildes, vom Ron.

 

Über den Handel

 

Das ist nicht unterhaltsam, ich habe das nur geschrieben, weil ich etwas nicht verstehe.

Screenshot_2017-11-07-22-28-24-1

*Über den Handel*

 

Im Prinzip will man als Käufer, so behaupte ich mal von mir ausgehend, für ein Produkt einen möglichst geringen Preis zahlen. Kurz, wenn an einer Tankstelle ein kleines Glas Nutella 3,99€ kostet, dann kaufe ich das nicht, dasselbe würde ich ja an der Autobahn auch nicht für einen Cappuccino ausgeben.

Schließlich kaufen die auch keinen anderen Kaffee ein als diejenigen, die für das milchschaumbehauptete Getränk die Hälfte berechnen.

Heute erscheint „Reputation“ von Taylor Swift. Das Album interessiert mich zwar nicht so, aber ich entkomme der Werbung kaum. Das ist ein richtiger „Countdown“ seit Wochen.

Ob das jetzt ein „Millionenseller“ wie in den guten, alten Zeiten wird, das weiß ich nicht, aber wir nehmen das mal an.

Saturn oder Media Markt werden so ein Album vermutlich zu Preisen verkaufen, die unter dem Einkaufspreis liegen, oder zumindest unter dem eines kleineren Händlers. Seit 20 Jahren bekomme ich in einem lokalen Plattengeschäft einen Rabatt, weil mich da eine nette Verkäuferin mal als „DJ“ eingetragen hat. Manchmal bekam ich meine 20% Rabatt nicht, wenn nämlich meine Zahlung unter deren Einkaufspreis lag, dann bekam ich nur 10%.

Die Besonderheit im Tonträgerhandel ist nämlich, dass es meines Wissens keinen „empfohlenen Verkaufspreis“ gibt, eine Preisbindung wie bei Büchern gibt es sowieso nicht.

Jeder Händler bekommt einen bestimmten, persönlichen Einkaufspreis, der vermutlich verhandelt wird oder von der abgenommenen Menge abhängt, so genau weiß ich das nicht, ich vermute das nur. Die Händler wissen das besser.

Dadurch sitzen die „Riesen“ der CD-Branche an ziemlich fiesen, langen Hebeln.

Taylor Swift verkauft, angenommen, eine Million CDs. Wenn nun die „Riesen“ so kalkulieren, dass 10% oder 20% der Taylor-Käufer noch etwas anderes mitnehmen und vielleicht sogar wiederkommen, wäre es noch ein gutes Geschäft, wenn sie Taylor unter dem Einkaufspreis abgeben.

Ich schreibe hier über etwas, wovon ich ganz wenig verstehe. 🙂

Nun erschien kürzlich Marc-Uwe Klings neuer Roman „Qualityland“, der wurde hoch gehandelt nach den millionenfach verkauften „Känguru-Chroniken“.

Beim Buch gibt es eine Preisbindung.

Amazon verkauft also zum selben Preis wie alle anderen. Beim Hörbuch gibt es die „Bindung“ aber nicht. Nur den empfohlenen Verkaufspreis von 18€, den gibt es und auf dessen Grundlage werden dann dem kleinen Händler vielleicht 30% oder 40% Rabatt gewährt.

Amazon bekommt bestimmt mehr Rabatt und jetzt bieten die dieses Hörbuch für 11,95€ an. Die Thalia- Buchhandlungen machen das Spiel mit, aber vielleicht verdienen die damit auch nichts mehr.

Ein „kleiner“ Händler kann sich dann überlegen:
„Biete ich das Hörbuch gar nicht an oder verkaufe ich es ohne Gewinn?“

Wenn er jetzt nämlich 18€ verlangt, so würde das bedeuten, dass die Leute, die denken, dass Amazon billiger ist, sich bestätigt fühlen.

Könnte mir auch passieren, so zu denken.

Amazon ist beispielsweise bei CDs oft billiger, weil sie die Mehrwertsteuer kassieren aber nicht an den deutschen Staat abführen sondern an einen ihrer „Briefkästen“. Oder welche Steuer ist das? Körperschaftssteuer?

So ganz verstehe ich es noch nicht.

So können sie bei vielem mit 19% Mehrwertsteuer anders kalkulieren und preiswerter anbieten als ein „kleines“, lokales Geschäft, das das nicht vermag, weil der Händler pflichtbewusst alle seine Steuern hier zahlt.

Oder verstehe ich da etwas falsch?

Wer sich als Verlagsbetreiber bei Büchern zum Beispiel auf die von mir vermuteten Rabattforderungen der „Riesen“ nicht einlässt, „findet dort quasi nicht statt“, glaube ich. So beißen viele der Verlage vielleicht doch unter Druck in den sauren Rabattapfel.

Wenn es also um Bücher geht, dann sollte man absolut konsequent beim lokalen, kleinen Händler kaufen. Das kostet nicht mehr und die Mehrwertsteuer bleibt da, wo sie hingehört.

Und es kostet auch dasselbe, es gibt zum Glück eine Preisbindung.

 

Time Out Of Mind

BLNP1380301

„Time Out Of Mind“

Seit zwei Wochen das Auto nicht gewaschen, ich glaube, das ist ein echtes Problem.

„Time Out Of Mind“, welch ein aktueller Titel für eine Platte und, nahezu unfassbar, sie ist schon 20 Jahre alt und ich zähle sie noch immer zu den „Aktuellen“. Das ist das Alter, selbst der Große war ja noch nicht auf der Welt.

„Dylan spricht letzte Sätze“, hätte man es auch nennen können und richtig, was jemand damals schrieb, „Time“ klingt in der Nacht am besten, die Nacht ist ihr Freund und am besten ist das Vinyl, schwarz wie eine Nacht bei Neumond.

„Wenn ich meine Schuhe nicht putze, geht es mir wohl gerade nicht so gut“, das ist ein banaler Satz aus einem müden Hirn, wenn „Time Out Of Mind“ die nächste, dunkle Runde einläutet. Und wenn man Schuhe auch drei Tage nicht putzt, ist es Zeit aus der TOOM-Flasche zu trinken.

Dylan-Freunde kürzen ab:
GAIBTY oder BOTT oder JWH oder BIABH oder WGW, da weiß die Gemeinde, was gemeint ist.

Man kann trotz aller Düsternis nicht sagen, dass das Hören hier traurig stimmt, eher im Gegenteil. Es scheint wie das Gegenteil eines Moment kurzen Glücks …. in dem einem kurz und ohne Ankündigung Tränen kommen könnten, wenn man es ihnen denn erlauben würde. Das ist düster, macht jedoch nicht dunkel in der Dunkelheit.

Versteht vermutlich niemand, macht aber nichts.

Es versteht ja auch keiner, dass man am Erscheinungstag von „Trouble No More“ den ‚Trouble‘ in der Folie lässt und darüber nachsinnt, ob die Zeit wirklich ohne Geist ist.

„You were not all the time out of my mind.“

Scheint mir in der Nacht trotzdem passiert zu sein, wenn ich das am Morgen lese.

 

–

Das Foto zum Abheben ist vom Ron. Wundervoll.

 

 

„You don’t need a weather man to know which way the wind blows“

look_out_sign

*„You don’t need a weather man
to know which way the wind blows“*

Fast wie das Wetter sind Uhren als Thema sehr undankbar.

Sie halten nie an, sie verweilen keinen Moment, sie kennen nur eine Richtung:

Nach vorn!

So eine Uhr hat vermutlich nichts von den schönsten Augenblicken ihres Lebens.

Andererseits kennt die Uhr auch kein Ende ihrer Zeit, weil sie immer nur mit der nächsten Sekunde, der nächsten Minute und der nächsten Stunde beschäftigt ist. Vielleicht kann man eine Uhr darum auch ein wenig beneiden. Eine Uhr grübelt ja nicht über das Morgen und das Kommende, weil jeder Tag für sie denselben Ablauf hat.

„Die Uhr ist der schärfste Kritiker ihrer Zeit“, hat der Herr Brand mal weise gesagt.

Den Dirk habe ich neulich gefragt, ob er seine Uhr schon umgestellt hat und er hat geantwortet:

„Geht irgendwie nicht. Meine Uhren gehen schon seit jeher immer irgendwie anders, und die Abweichung wird täglich größer.“

Als ich daraufhin bemerkte, dass seine Uhr vielleicht richtig geht und alle anderen lediglich zu schnell, war er auch nicht einverstanden:

„Also wenn ich richtig liege (wovon ich nicht unbedingt ausgehe), dann gehen die nicht nur „zu schnell“ (weil, das wäre zu einfach) dann gehen die, viel schlimmer, nämlich richtig FALSCH!“

Und jetzt frage ich mich, ob die mit den falschesten Uhren vielleicht gerade denken, dass sie die einzigen richtig gehenden Uhren haben.

Denen hat der Hinrich mal zugerufen „Die Uhr hat Fragezeiger!“

Dem Dirk könnte man die Uhr von „Korf“ empfehlen, ich weiß aber nicht, was die heute kosten würde.

 

Die Korfsche Uhr

Korf erfindet eine Uhr,
die mit zwei Paar Zeigern kreist
und damit nach vorn nicht nur,
sondern auch nach rückwärts weist.

Zeigt sie zwei, – somit auch zehn;
zeigt sie drei, – somit auch neun;
und man braucht nur hinzusehn,
um die Zeit nicht mehr zu scheun.

Denn auf dieser Uhr von Korfen
mit dem janushaften Lauf
(dazu ward sie so entworfen):
hebt die Zeit sich selber auf.

– Christian Morgenstern