Die Kanzlerschaft

*Die Kanzlerschaft*
Wenn ich es mir genau überlege, will ich gar nicht Kanzler werden. So einfach ist das nämlich gar nicht. Meine Frau zum Beispiel, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, würde das unter Umständen so bewerten wie Franz-Josef Strauss. Der sagte auch mal, dass es ihm egal sei, „wer unter ihm Kanzler wird“.

Man merkt schon, … und das war jetzt nicht beabsichtigt, dass ich ausgerechnet vom „Merken“ schreibe …. also man merkt schon bei den alltäglichen Kleinigkeiten, wie schwierig es ist, verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen, wenn man nur zwei Hände und ein einfaches Gehirn hat. Andererseits bin ich nun mal keine Frau, das ist ein Nachteil im sozialen Zusammenleben.

Beim Fernsehprogramm geht es schon los:
Die Kleine will „Violetta“ sehen, der große Sohn den ‚Prügelfilm‘, meine Frau den ‚Bügelfilm‘ und ich, ach egal, ich nehme das, was ich vielleicht gesehen hätte, einfach auf und lösche das ein paar Tage später ungesehen. Das ist ein gutes, zeitsparendes Verfahren mit dem man keinen einzigen interessanten Film verpasst. Zumindest vermeidet man das Gefühl des Verpassens und Gefühle sollte man um keinen Preis unterschätzen.

Deutlich schwieriger wird es bei der morgendlichen Versorgung der Brut mit Brötchen. In Frage kommen der kleine Laden mit den Brötchen vom Dorf, der Bio-Bäcker am Kreisverkehr und „Tankstellenbrötchen“. Der Hund darf nur zur Tankstelle mit rein, bei den beiden anderen fehlen Möglichkeiten den schwarzen Vierbeiner neben dem Eingang zu parken. Da ruft man dann von der Ladentür die Bestellung zum Tresen, hat aber das Problem, dass man verbal einen Platz in der Schlange verteidigen muss. Unpraktisch, aber die Brötchen liegen einfach weiter vorn.

Das ist ja nur das Organisatorische. Die Produktauswahl ist das eigentliche Problem. Das kleine Kind will das spezielle Schokobrötchen, das es nur an der Tankstelle gibt, der Sohn will ‚Russen‘ vom Bio-Bäcker, ich die weichen hellen ‚Einfachen‘ vom Dorfbäcker und meine Frau will Körnerbrötchen, aber knackig mit sehr vielen Körnern auch innen, aber umgeben von weichem Teig. Die gibt es in der ganzen Stadt … nicht. Da sind Unzufriedenheiten vorprogrammiert. Und so geht es Angela mit der CSU auch.

Ich würde die einfachen „Frischlinge“ vom Bio – Bäcker auch gut finden, aber die werden grundsätzlich zu lange gebacken und sind mir immer etwas zu dunkel und zu kross. Ich sage das natürlich jedes Mal, dass die ‚meinen Kindern zu dunkel‘ sind, damit die mich nicht als „schwierigen Kunden“ betrachten, der ich in Wirklichkeit bin.

Heute waren die wieder so dunkel, dass ich das besonders deutlich sagen musste. Immerhin hatten die beiden brötchenrunden Damen den Hund auf meinem Arm zugelassen. Die eine hat sogar gesagt, das ihr selbst die Frischlinge „auch zu dunkel“ sind. Dann hat die andere gesagt, dass die, die die so dunkel gebacken hat, sich gerade hinten in der Backstube versteckt.

Das hat die leider gehört und kam um die Ecke und hat gefragt, was mit den Brötchen los ist. Die war ganz neu und eine richtig schlanke Körnerstange mit einem Pferdeschwanz so hell wie ich das bei Frischlingen gern mag. Und dann hat mein Mund Worte geformt, die mit den Brötchen nichts mehr zu tun hatten.

„Ich habe gerade gesagt, dass Sie die Brötchen so schön dunkel und knackig backen, dass ich jetzt jeden Tag kommen werde.“

Da hat die sich gefreut, aber die beiden anderen haben die Köpfe geschüttelt und nur etwas wie „War ja klar!“ gesagt. Oder so ähnlich, denn ich habe das nicht so genau gehört, weil ich mich nur auf eine Person konzentrieren kann.

Da muss man Schwerpunkte setzen, die mit den Brötchen nichts zu tun haben. Und so geht es Angela auch gerade.

Aber ohne Pferdeschwänze.

Das Alter

*Das Alter*

Es ist noch nicht lange her, da habe ich Jenny gefragt, wie alt denn ihr Mathematik-Lehrer ist. Sie meinte dann „Boah, der ist schon ziemlich alt!“.

Dann habe ich nachfragen müssen, ob der bald pensioniert wird, aber sie meinte „Nein, noch nicht, aber 40 könnte der schon sein“.

Natürlich musste ich nachfragen, wie alt sie mich denn so schätzt, aber zum Glück hat sie dann nur gelacht und so eine wegwerfende Handbewegung gemacht. Dann sind wir lieber wieder zu den Hypothesentests übergegangen, die werden nie alt.

„Ältere Generation“ beginnt für angehende Abiturienten mittlerweile bei der Zahl 40.
„Ich denke viel an die Zukunft, weil das der Ort ist, wo ich den Rest meines Lebens verbringen werde.“

…. das hat Woody Allen mal gesagt, aber ich bin nicht ganz sicher, ob sein Verfahren so gut ist, so viel an die Zukunft zu denken.

Heute hat ‚Claudia Michelsen‘ so traurig und nachdenklich geschaut, weil sie bald 40 wird obwohl sie wirklich nicht so aussieht.

Und am Wochenende waren wir bei einem „49i“-Geburtstag. Ich dagegen wohne schon lieber in einer Hausnummer „38“ als in „29i“.

Dieses Jugendliche, dieses das Alter Kaschierende, davon halte ich rein gar nichts. Vor allem muss man ja bei „49i“ schon etwas rechnen damit das auch passt. Das ist viel zu mühsam.

Ich glaube, dass es auch ein völlig falscher Ansatz ist, wenn man das eigene Alter so realistisch betrachtet oder sich gar schön rechnet.

Macht man sich jedoch anders herum „älter“ als man ist, so hat man viel weniger Probleme und bekommt sogar mehr positive Rückmeldungen!

Zum Beispiel sage ich gern Sätze wie:

„Im übernächsten Jahr bin ich im sechzigsten Lebensjahr.“

Dazu muss man dann lächeln.

In der Realität bin ich dann zwar gerade erst 57 geworden, aber die Reaktionen hören sich dann immer eher an wie „Neiiiin, das hätte ich ja niiiie gedacht“.

Das liegt auch daran, dass viele Menschen nur „60“ hören und den Rest nicht. Zusätzlich spielt auch eine gewisse Rolle, dass man gar nicht 60 ist.

Sogar, wenn man gefragt wird, wie es einem geht und man sagt „Gut, … ich weine nur noch, wenn ich nicht esse“, dann sagen die Leute auch bloß „Freut mich zu hören“, weil sie nach dem „Gut“ schon gedanklich abgeschlossen hatten.

Das ist aber gar nicht der wesentliche Effekt, also das mit den Komplimenten, wenn man sich etwas älter macht:

Man muss dieses Verfahren vor allem für sich *selbst* nutzen. Spricht man oft von Lebensjahren im Zusammenhang mit dem nächsten oder übernächsten Jahr, ist man immer wieder postiv überrascht, wenn man beim Zahnarzt zufällig das eigene Geburtsdatum sieht und plötzlich merkt, dass man jünger ist … als man ständig sagt. Es tritt eine Art Gewöhnungseffekt an bestimmte Zahlen ein. Und dann sind die Nullerjahre auch nicht so überraschend. Und vermutlich kann man dem Tod auf diese Weise später auch noch ein paar Jahre abhandeln. Der ist auch bloß ein Mensch.

Früher fand ich mich auch mit 75kg zu schwer, aber wenn ich heute nach meinem Gewicht gefragt werde, haue ich verbal gern einen Sack Kartoffeln drauf, weil andere dann sagen, dass man das mit den angeblichen 85kg „gar nicht gedacht hätte“. Außerdem ist es nicht schlimm, wenn die Waage die 85 erreichen würde, weil man das ja schon seit Jahren erzählt hat.

Beim Arzt mache ich das natürlich nicht, sonst spricht der über Ernährungsfragen und Sport, das höre ich nicht gern und deshalb parke ich beim Gewicht verbal einen ganzen Sack Kartoffeln im Wartezimmer.

Manchmal messen die dann aber und ich bin total überrascht wie ungenau die heimische Waage ist.
Vermutlich kennen die das schon.

Bei den Zigaretten sage ich „8 bis 10“ und nuschele „… bis 16 Uhr“, damit ich mir nicht wie ein Lügner vorkomme. So gut hört der Arzt nämlich auch nicht mehr.

Ich würde auch nicht machen, was der Arzt sagt, wenn ich ehrlich wäre.

Ich werfe den Korken immer gleich weg

*Ich werfe den Korken immer gleich weg*
Wir waren wieder eingeladen, dieses Mal zu einer nächtlichen Geburtagsfeier weit ab von der großen Stadt. In letzter Zeit lasse ich die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, knapp 50% der Strecken fahren, früher, also bis vor 2 Wochen, fuhr ich 25 Jahre lang 98,5% aller gemeinsam zurückgelegten Kilometer. Auch bei 6000km im Urlaub über drei Wochen.

Ich kann mich beim Fahren besser entspannen als auf dem Beifahrersitz obwohl sie jetzt sogar manchmal den Tempomaten verwendet. Meine Frau ist eine richtig gute, zu verbalen Aggressionen neigende Fahrerin.

Am meisten stört es mich allgemein, wenn jemand das Gaspedal verwendet wie einen Kugelschreiber und grundlos darauf herumdrückt. Ich mag es fließend, konstant und ruhig. Also im Auto. Toll ist, wenn man über 100km auf der Autobahn das Bremspedal gar nicht berührt oder wenn ein ebenso Empfindender 30 Minuten lang in gutem Abstand hinter einem selbst fährt. Die grüße ich dann auch gern mal.

Gestern hatte „Anna“ vom Navi wieder keine Ahnung und machte drei Fehler, die offenbar auch anderen Gästen widerfuhren. Da ist es dann schon schön, wenn man den alten Straßenatlas aufgehoben hätte. Ich habe ja den meinen noch in meinem vollen Kofferraum. Meine Frau hat es lieber ordentlich mit NaviAnna und ohne eine AtlasAnna.

Mit Stella, Anka und meiner Frau hatten wir einen netten Tisch und konnten verfolgen wie die Massen die Tanzflächen betanzten. Das ist ja über 50 oft mehr ein Phänomen einzelner Massen und nicht eines von sehr vielen Personen.

Die drei Damen wurden gut betreut von zwei Herren meines Alters aber etwas älterer Optik. Beide grau, beide mit Bärten auf der Oberlippe, etwas länger seitlich. Auch im Nacken. Sozusagen etwas „Magnum“.

Der eine brachte immer neue Sektflaschen, die waren aber so rosa, für Mädchen eben.

„Na, nächste Flasche, Püppis?“, hat der längere immer gesagt. Ist halt ein Dorf da. Mir hat der nie etwas eingeschenkt, mich auch nicht gefragt, aber ich hätte ja eh gedankt, weil ich kaum Alkohol trinke und die Damen noch in die große Stadt zurückbringen wollte.

Der kleinere der beiden trug ein schwarzes Muskel-T-Shirt, längeres graues Haar, etwas schütter oben, Sandalen und eine kurze, schwarze Lederhose mit Gürtel. Aber wirklich so kurz wie die Fußballer Ende der Achtziger die Hosen trugen. Nicht knalleng aber schon figurbetont, wo es von ihm erwünscht war.

Anka meinte „noch nicht“ als ich fragte, ob das nicht „etwas zu porno“ sei nachdem sie etwas mit ihm gesprochen hatte.

„Bis zum Nabel ist der nett, wenn man Bart und Shirt abzieht“, sagte sie da noch.

Jedenfalls liebte er die drei Damen und unterhielt sie gern. Wie auch die an anderen Tischen, dort jedoch zeitlich knapper. Ich kriege das automatisch mit, er mochte sie auch lieber blond als dunkel. Ich stehe dann auch auf, wenn so einer kommt und lasse ihn gewähren.

Da stand eine Torwand auf dem Rasen und ich konnte eine gute Quote beim oberen Loch mit einem kleinen Ball herausarbeiten während er drei schöne Frauen ‚bearbeitete‘ … mir fällt kein besseres Verb ein.

Sie haben ihn dann aber mit der „Ignoriertechnik“ nach 15 Minuten verscheucht. Das machen junge Frauen oft nicht mehr so geduldig. Anneli, mit der ich gerade mathematisch arbeitete, wurde auch mal von einem jungen Mann angesprochen in dem Café. Und nach 30 Sekunden grinste diese junge Frau ihn nur noch an und sagte schlicht:

„Und jetzt verfatz‘ Dich!“

Mir hat sie erklärt, dass das so einfach schneller geht. Würde mir ja schwerfallen. Aber die kann sich das leisten, weil es vermutlich täglich eine Fußballmannschaft bei ihr versucht.

Dieser Typ in Leder war in den 80ern modisch stehengeblieben. Es gibt zum Stehenbleiben keine schlechtere Zeit. Und die Figur war auch nicht ganz die, die in einen Ferrari paßt. Schließlich ist das 30 Jahre her. Der Ferrari …. bleibt derselbe, Menschen selten.

Ist schon richtig, das liest sich so wie der Abend war: Lang. Bis morgens um 3. Und dann spiele ich weiter Fußball. Trotzdem Kopfschmerzen am Morgen, hatte ich vor 30 Jahren auch noch nicht.

Aber dann kamen wir vier darauf, wie man unsere jeweiligen Autobiographien betiteln sollte oder könnte. Bei Stella war das eh klar, weil sie schon immer meinte, dass eine Flasche leer sein muss oder voll. Deshalb wirft sie jeden Korken nach dem Öffnen gleich weg.

Also: „Ich werfe den Korken immer gleich weg“

Für meine Frau habe ich dann „Alles muss seinen festen Platz haben“ vorgeschlagen. Die anderen haben darüber sehr gelacht, aber meiner Frau war der Witz daran nicht so ganz nachvollziehbar.

Für mich hatte sie dafür „Ich fülle jede Leere“

Damit meinte sie vermutlich meine Bücher und die paar CDs und Lautsprecher, die sie von der Anzahl her als etwas zu reichlich empfindet. Die anderen fanden das auch lustig, also muss sie denen davon erzählt haben. Oder die dachten anders, habe lieber nicht gefragt.
„Wie wäscht man eigentlich ….. Lederhosen?“, hat dann Anka mittendrin gefragt und wir fanden sofort, dass das für sie ein sehr guter Buchtitel wäre.

Er kam dann doch nochmal zu ihr, recht nah, aber ich weiß nicht, ob sie ihn danach gefragt hat. Habe dafür noch dreimal oben links getroffen, mit Effet.

Wie würdet Ihr Eure Autobiographie betiteln?

Worte zu Wörtern

*Worte zu Wörtern*
Es stand ja auch in der Zeitung als das neue „ZEITmagazin Mann“ erstmals erschien:

Männer sprechen täglich durchschnittlich 12000 Wörter, Frauen hingegen 24000.

Das sind 1000 Wörter pro Stunde, wenn die Frau nicht schläft. Wenn die jedoch beispielsweise lange schläft, dann muss sie am Tag sogar recht schnell sprechen!

Das ist zunächst alles schockierend, doch das ist ja alles nur der *Durchschnitt*. Mein Sohn zum Beispiel kann, wenn es nur eine lange Tagesdiskussion gegeben hat, auch deutlich unter 1000 Wörtern bleiben, sogar, wenn man die unverständlichen Wörter mitzählt. Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, würde jetzt sagen, dass ich auch noch weitere Söhne mit meinen Tageswörtern auf einen Schnitt von 12000 hochziehen könnte.

Das stimmt nicht.

Selten gibt es auch für einen Tag eine ganz schweigsame Frau, dann muss aber eine andere schon auf 48000 kommen. Wie sprechen die das ab? Das ist schon zeitlich schwer. 48000! Da muss beim Duschen gesungen werden, sonst ist das Vollstress.

Barbara Schöneberger braucht zum Beispiel sehr viel Schlaf. Sonst würde die nicht tagsüber so viel und so schnell reden. Oder ist die nach ihren ca 50000 so fertig, dass sie schlafen muss? Dann geht das ein Leben lang so weiter.

Ich glaube, dass Barbara einen geheimen Vertrag mit Angela hat, die ist nämlich eine 10000er Frau und die Barbara lässt sich die zusätzlichen 14000 bezahlen! Und so entstand auch dieses amerikanisch griffige „Wir schaffen das.“ Angela hatte schon 9997 und mehr durfte sie an dem Tag nicht.

Warum sprechen Frauen so viel und Männer scheinbar so wenig?

Erstens sprechen Frauen untereinander auch *gleichzeitig*. Daher liegen Wörter regelrecht aufeinander und man darf dann nur ein Wort zählen, jedenfalls als Mann. Wir hören nie beide Wörter. Zweitens machen sie das mit der „Gleichzeitigkeit“, also meine speziell, auch bei Männern, die aber dann verstummen und die 13000er Marke nicht erreichen. Ich komme bei übereinander liegenden Wörtern gedanklich sofort vom Weg ab, weil mein Wort immer unten liegt.

Meine Frau aber kommt durch jeden Wort-Dschungel bei sieben sprechenden Frauen an einem Tisch. Es ist wie Hexerei, die ja auch eher von Frauen betrieben wurde. Hexen kennt jeder, den Hexer gab es nur einmal bei Edgar Wallace.

Drittens erfordern Kundenkontakte, Kindergärten und Schulen wesentlich mehr gesprochene Wörter als vorwiegend männliche Tätigkeiten wie zum Beispiel im automobilen Bereich. Im Erziehungssektor arbeiten ja heute mehrheitlich Frauen. Da fragt man sich dann schon mal, wer denn als Lehrer mal bei den Jungs beim Fußball mitspielt. Schon Grundschüler lernen ja, dass man machen soll, was die Frau an der Tafel sagt. Klar, dass die irgendwann rebellisch werden und auch mal Vorstandsvorsitzender sein wollen.

Und heute tunneln ja sogar Erdkunde-Lehrerinnen ihre männlichen Schüler, was denen auch nicht viel Selbstbewußtsein einimpft. Die sitzen danach schweigend an der Playstation. Deshalb müssen sie von Männern ausgespielt werden, das motiviert.

Vielleicht suchen sich Männer auch zu Erholungszwecken Berufe, die wenig gesprochene Worte erfordern. Therapeuten sind meistens männlich. Andererseits hören die ja zu Hause auch viel zu, ich weiß gar nicht, wie die mit diesem Wortstau umgehen. Manche schreiben dann Bücher. Aber vielleicht reden die auch manchmal miteinander. Zahnärzte sagen ja bei der Arbeit nur, was sie gerade machen obwohl das keiner genau wissen will. Das sind auch überwiegend Männer, Frauen schminken hingegen andere um den Mund herum bei Douglas, aber selten innen. Das sieht auch besser aus. Und der Mund, der kann sprechen, beim Zahnarzt gurgelt es dann nur so.

Einen 12000er schaffen männliche Zahnärzte nicht mal. Aber wenn die später oder abends Versicherungen verkaufen würden, könnten die das ausgleichen. Andererseits sagen V-Vertreter ja oft dieselben Texte, fast wie früher Fahrstuhlführer. Ganze wiederholte Sätze darf man an sich nur einmal zählen, wenn es um die Tagesbilanz geht.

Frauen sagen nie denselben Satz zweimal, wenn wir jetzt das Inhaltliche mal weglassen.

Und Frauen denken beim Sprechen sogar weiter, vorher oder auch mal danach. Das habe ich etwas zurückhaltend ausgedrückt, weil ich nur eine Frau gut kenne und ihr zuhöre.

Männer hingegen machen beides nicht gleichzeitig. Sie denken in der Stille und sprechen dann. Das konnte man bei Helmut Schmidt regelrecht sehen, weil er das Denken mit Mentholzigaretten machte. Also nicht richtig aber fast. Und man kann beim Saugen oder Einatmen nicht sprechen.

Ich weiß nicht, wie Frauen das machen.

Manche Männer sprechen gar nicht. Das sind die ganz weisen. Oder die erholen sich gerade akustisch.

Irgendwann kommt dann plötzlich ein Satz, der einen *richtig* umhaut, auch oft ganz kurz nur und regelrecht eruptiv.
Bei mir sagen die manchmal …. „Halt’s Maul“.

Winnetou und Streichholzschachteln

* Winnetou und Streichholzschachteln*

Es fing eigentlich mit Winnetou I an:
Christoph, der Sohn von unserem Hausarzt und der Mann, den ich im Fußballverein vorn mit Bällen füttern sollte, hat mir das erste Karl-May-Buch geschenkt. Er war das, was Old Firehand bei Winnetou ist: Groß, breit, ein Vollblutbrecher, jedenfalls in meiner Erinnerung. Im Training gegen ihn zu spielen, war meist schmerzhaft wie die Zeit am Marterpfahl. Jetzt ist der Arzt, na ja.

Das mit dem Buchgeschenk müsste an meinem 11ten oder 12ten Geburtstag gewesen sein. Das war die Originalausgabe und dann folgten ungefähr 50 weitere, die meisten kann ich fast mitsprechen, so oft habe ich die gelesen. Wenn das Taschengeld nicht für ein neues reichte, musste ein altes nochmal gelesen werden. Manchmal selbst noch mit 18 …. dann konnte man sich nämlich in „gute alte Zeiten“ zurücklesen.

Das funktioniert auch heute noch, aber mit anderen Büchern oder mit alten Musikaufnahmen, mit denen sich unauslöschbare Erinnerungen verbinden. Da weiß man manchmal nicht, ob die Musik die Erinnerung wach hält oder ob die eigentliche Erinnerung die Musik selbst ist.

„Man weiß es ja nicht“, sagt die Kurze ja gern.

Später folgte dann das Sammeln von Streichholzschachteln, Zuckertütchen oder eingepacktem Würfelzucker aus Cafés. Steine und Bleistifte sammele ich heute noch. Bleistifte sind seit Urzeiten das beste Schreibgerät, weil sie mit dem Gebrauch verschwinden. Zusätzlich gibt es schöne Ergänzungsprodukte wie Kappen für die Spitzen und Bleistiftverlängerungen für die Reststifte. Ich verabscheue Kugelschreiber. In der Schule habe ich Kugelschreiber aus teilweise fadenscheinigen Gründen verboten. In der ersten Stunde habe ich erstmal ein großes Kreuz an die Tafel gemalt und „Der Kugelschreiber“ drauf geschrieben. Mit Todesdatum. Die meisten haben das gleich verstanden, weil man ja so eine Art „Ruf“ für jeden kleinen Irrsinn bekommt.

Die Wahrheit war, dass mich das ständige Geklicker mit der Mine gestört hat. Die merkten das ja nicht mal, also das mit dem Klickern, das mit dem Verbot war fühlbarer. Aber wenn man täglich acht Stunden lang klickende Kugelschreiber hört, dann weiß man die Stille von Füllfederhaltern, ’stabilos‘ und Bleistiften erst richtig zu schätzen. Und das bessere Schriftbild auch.

Frauen sammeln vielleicht eher Katzen, Eulen, Glocken, Porzellan oder Plüschtiere in der ersten Phase. Oder eben Schuhe, aber die werden nur als einzelnes Paar präsentiert, aber nicht ausgestellt. Zugegeben haben Schuhe ohne Füße auch immer etwas Leeres, das nach Füllung verlangt. Oder nach Schuhcreme.

Jedenfalls kenne ich wenige Frauen, die beispielsweise zum Sammeln von Musik in gegenständlicher Form neigen.

Karl May ist endlich, Musik ist das nicht.

Das ist ein großer Vorteil für das Sammeln, denn eine vollständige Sammlung verliert jeden Reiz. Unvollständigkeit ist wie Reisen. Ankommen ist oft gar nicht das beste, weil man sich den Gardasee zum Beispiel selten bevölkert vorstellt. Er sieht in der Vorstellung aus wie der Rio Pecos aus Winnetou I im TV. Aber der lag ja meines Wissens in Kroatien. Ob dort jetzt Hochhäuser stehen, wo vor 55 Jahren das Pueblo der Apachen stand? Vielleicht will man auch das gar nicht wissen.

Irgendwann kommt dann der sogenannte „Rappel“ und man wirft fast alles weg. Streichholzschachteln, Zucker, sogar einen Berg Konzerttickets aus den 70ern bis zum Ende der 90er habe ich einmal weggeworfen. Und ca 8000 CDRs ohne Hüllen in 5 IKEA-Beuteln an eine Kunstschule zum Basteln abzugeben, war zwar sinnvoll, aber wenn man sich ansieht, was da drauf war an seltenen Aufnahmen, kommt man ja auch nicht weiter als bis zur Hundersten. Trotzdem schade. Irgendwie.

Die ganz schlimmen Männer ‚machen ja Länder‘ bei ihren Freundinnen. Aber seitdem es durch die ganzen separatistischen Bewegungen ständig Neuland gibt, kommen die auch nicht weiter.

Manche ‚machen auch Vornamen nach ABC‘, aber bei ‚X‘ und ‚Y‘ haben die dann immer Lücken.

B. hat nämlich mal zu Anastasia gesagt:

„Du, bei ‚A‘ bin ich fertig und Ukraine auch, sorry.“ Das hat sie mir mal erzählt.

Solche Sammler mag ich nicht so, dann lieber Winnetou und Kara Ben Nemsi. Ich weiß auch nicht, was A. jetzt an B. fand. Und Ukraine ist gar nicht uninteressant als Thema, paßt jetzt aber nicht.

Briefmarken! Die habe ich total vergessen!

Klar, denn nachdem ich die zusenden ließ und nicht mehr bei der Post am Erscheinungstag holte, war zwar alles komplett, aber der Spaß bekam ein Kreuz wie der Kugelschreiber. Irgendwann bekommt Dylan auch eines.

Dann weiß ich noch nicht, was ich dann machen soll.

Alles wegen der Frauen

*Alles wegen der Frauen*

Irgendein kluger Mensch hat mal gesagt, dass der Mann alles, oder zumindest das meiste im Leben, der Frauen wegen tut. Ihr könnt das ja mal googlen, denn ich gehe davon aus, dass Leser hier überwiegend männlich sind und dann mache ich das mit Google nicht extra.

Jedenfalls habe ich in der 4. Klasse Stephanie aus der Dritten oft den Ranzen nach Hause getragen, damit sie unbelastet Sumpfdotterblumen vom Waldrand pflücken konnte. Leider hat sie mir nie welche gegeben. Die hat Markus aus der anderen Siedlung vermutlich bekommen, obwohl der mit dem Rad fuhr und trotzdem ihr Zeug nicht mitnahm.

In der Fünften habe ich dann Regina immer einen Platz in der Linie 5 freigehalten. Hat nicht immer geklappt und geredet haben wir auch nicht viel, aber ich konnte wenigstens neben ihr sitzen. Jahre später, in der Neunten, hat sie mich ja kurz vor der Schultür nach der letzten Stunde gefragt „ob wir zusammen gehen wollen“. Während ich noch drei Schritte zur Tür machte, um die zu öffnen, schob sie dann „…. durch die Tür?“ nach.

Ihren Geburtstag weiß ich nicht zuletzt deshalb bis heute. Das mit dem Bus, das hat sich im Nachhinein nicht so gelohnt. Also bei Regina. Blöde Kuh.

Und weil Urike in der Dritten mal gegen mich im Kopfrechnen gewonnen hat, habe ich dann später Mathematik studiert. Leider ist jetzt meine Tochter schneller als ich.

Viel schlimmer ist ja dieses Warten und Nichtstun im Schwebezustand einer „Beziehung“, die noch keine ist oder keine wird. Das ist ja einerseits ganz gut, weil die Hoffnung nicht stirbt, andererseits macht diese Verliebtheit auch nicht komplett glücklich. Hätte ich das früher mal angesprochen, wäre es jedoch einfacher gewesen, sich anderswo umzusehen. Macht man ja nicht so konsequent.

Und das perfektioniert man ja gern später, dieses Leben im …. Schwebezustand.

Zum Beispiel denkt man als Oberstufenschüler immer daran, dass man für eine Arbeit lernen muss, aber dann saugt man lieber erstmal Staub und sortiert die Bücher neu, um eine arbeitsfähige Umgebung zu haben. Danach ist man müde und muss den Anfang auf den nächsten Tag verschieben. Mit etwas Glück ruft dann jemand an, den man lange nicht gesehen hat, und man kann den nächsten Tag mit ganz üblem Gewissen auch noch um die Ecke bringen. Natürlich geht das auch über Wochen so. Das ist Übungssache.

Jedenfalls musste ich später beide Examensarbeiten jeweils innerhalb von drei Wochen schreiben und abgeben. Das ist natürlich voll stressig, aber mit einem Horizont von fünf Monaten kann man sich auch 20 Wochen total mit der Schreiberei versauen. Ich hatte dafür 17 Wochen lang ein schlechtes Gewissen, das auch nicht so der größte Hit war. Leider hat das mit dieser Technik schon beim Abitur geklappt. Da haben manche im Januar angefangen zu lernen und ich startete dann drei Tage vor dem Mathe-Abi voll durch. Danach habe ich dann für die anderen Arbeiten gelernt. Das ist etwas anstrengend. Hätte ich dann eine richtig schlechte Note irgendwo bekommen, dann hätte ich das bestimmt gelassen.
So hatte ich aber Zeit für Karina und Susanne, die noch nicht mit den Prüfungen dran waren. Ich glaube, ich mache das beim nächsten Abitur wieder genauso, aber nicht wieder mit Karina und Susanne.

Ich gebe auch immer zwei Steuererklärungen auf einmal ab. Dann hat man diesen Mist nur alle zwei Jahre. Andererseits dauert das nur zwei Stunden. Da denke ich dann *jedesmal*, dass das ja „halb so wild war“ und nehme mir vor, das „beim nächsten Mal ganz schnell“ zu erledigen. Aber dann will jemand gerade etwas in Mathe wissen oder ich muss mich mit den Dylan-Konzerten von 1991 dringend beschäftigen, weil das ein sehr interessantes, total unterschätztes Jahr ist.

Oder das Wetter ist zu gut, um es nicht zu nutzen … zum Sitzen.

Natürlich mache ich den Ölwechsel beim Auto immer pünktlich und ich lasse auch den Hund im vorgegebenen Zeitrahmen impfen. Das sind ja ganz andere Aufgaben.

Bei der Steuererklärung fragt die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, immer nach, „wie weit“ ich denn so sei. Und ich glaube, dass ich wegen der Nachfragen keine Lust dazu habe. Ich selbst hätte das längst fertig. Also vielleicht.

„Man weiß es ja nicht“, so sagt das die Kurze.

Auto und Hund, die haken da nie so energisch nach. Und dann mache ich das auch alles. Na, fast.

„Alles nur wegen der Frauen“, hab‘ ich doch gesagt.

„Da hinten wird’s heller“ oder „Lehrer“

„Da hinten wird’s heller“ oder „Lehrer“
Manchmal muss man sie auch glücklich machen.

Jedenfalls haben wir den schlanken, sehr alten Physiker in seinem stilvollen weißen Kittel des Öfteren beim Experimentieren glücklich gemacht, wenn wir Naturkonstanten bestimmen mussten. Da gab es stets viele Unwägbarkeiten technischer wie experimenteller Art, so dass die wahren Werte meistens nur recht ungenau zu ermitteln waren.

Also haben wir die exakten Werte aus den Büchern genommen und die Werte der Größen, die wir messen sollten, gefälscht. So ganz banal ist das nicht, er durfte das ja nicht merken in den Messreihen, denn seine Enttäuschung von uns wäre größer gewesen als seine physikalische.

Unwissenschaftlich war das auch nicht, das machen Forscher ja teilweise heute auch, wenn ihre Werte gegen Veröffentlichung sprechen. Und wir wussten ja auch, warum wir es tun.

Wenn alles richtig gut klappte in Physik, dann lief er in die Sammlung zu seinem Kollegen und gurgelte mit seiner heiseren Stimme:

„Fantastische Werte in meinem Kurs, fantastische Werte für die Gravitationskonstante, Herr Kollege!“

Das war besser als eine 1 in der Klausur, wenn er sich so freute.

Schließlich warnte er uns dafür vor ‚Coca Cola‘, wenn einer eine Dose sehen ließ:

„Passen Sie auf, da ist Kokain drin. Ist aber gut gegen Husten.“

–

Ein anderer, das war schon in der Mittelstufe, gab Erdkunde, Geschichte, Biologie, Physik und Chemie. Die letzten drei ohne Experimente, er hatte das auch nicht studiert vor den Zeiten des Lehrermangels. Aber das sind alles „Kurzfächer“ mit einer oder zwei Wochenstunden. Bei 24 Stunden wöchentlich kam der vermutlich auf knapp 300 zu unterichtende Schüler und und damit auf 2000 Klassenarbeiten jährlich. Dass Deutschlehrer oft klagen, ist ja berechtigt, aber die haben auch keine 14 Klassen zu unterrichten.

Der Besagte kam in jede Stunde, lutschte erst am Kuli, öffnete dann sein Buch des Grauens und sagte zum Beispiel zu mir:

„Du, leg‘ die Platte auf.“

Natürlich konnte er sich keine Namen merken.

Das bedeutete, dass man die Inhalte der letzten Stunde rekapitulieren sollte. Das dauerte nie lange, zwei Minuten höchstens, dann malte er eine 4, eine 5 oder eine 6 und grinste, nachdem er keine Antwort in zum Beispiel Erdkunde zu Chile bekam …. nachdem ich nur Brasilien und Argentinien erwähnt hatte.

Dann ging es mit Chile im Unterricht weiter, man konnte an der Stiftführung *immer* erkennen, welche Note er malte. Auch mehrere Sechsen hatten keinerlei Auswirkung auf die Endnoten.

Der wusste einfach nie, was er in der letzten Stunde gemacht hatte. Das habe ich erst zehn Jahre später verstanden. Ich glaube auch nicht, dass der jemals etwas eintrug.

–

Richtig cool war Harry L., der eigentlich schon erimitierte Professor für Theoretische Physik. Der rauchte Lord und er konnte nach 45 Minuten Vorlesung die Schachtel Lord *blind* kurz unter die Decke werfen und blind wieder auffangen, irre.

Das können nur Theoretiker.

„Kleine Pause?“

Mit dem konnte man in der Pause über Fußball oder irgendetwas reden, aber nicht über Physik, da wurde er wortkarg und verwies auf seine Sprechstunde.

Ich wollte dann unbedingt den „Ulysses“ von Joyce lesen, fand aber nicht die Disziplin dazu. Also habe ich Theoretische Physik II-Elektrodynamik bei ihm ein zweites Mal belegt, um in der letzten Reihe jede Woche ‚Ulysses‘ zu lesen. Das habe ich ihm gesagt, damit er nicht denkt, ich würde seine Vorlesungen nicht schätzen.

„Aber die Pausen machen Sie doch wieder mit, oder?“ hat er gefragt und die Lord bei „oder?“ aufgefangen.

Dann habe ich ihn als Prüfer genommen.

–

Als Kollegen hatte ich dann später ‚Richie‘, eigentlich Richard. Der bewertete gern im kleinen Lehrerzimmer für Raucher das Aussehen seiner Schülerinnen mit Punktewertungen von 0 bis 15. Wie in den Arbeiten war er da für meine Begriffe etwas arg großzügig, zusätzlich gehörte sich weder das Eine noch das Andere.

Der bewegte sich auch in Pausen ungern, also habe ich dem auch mal die Brille geputzt oder den Kaffee gebracht. Manchmal dachte ich, man müsste ihn aus dem Stuhl mit den Armlehnen herausschälen, aber das stimmte gar nicht.

Da hatte es nämlich einmal an der Tür geklopft und da standen drei Schülerinnen und wollten ihn was fragen. Das habe ich ihm gesagt, dass da ‚jemand‘ was von ihm will, aber meinte nur „Och nö, ich les‘ doch grad‘.“

„Es sind *15 Punkte*, Richie!“

Boah, der war schnell wie ein Karnickel. Ganz fix war der behende an der Tür und draußen bei seinem Punktepool.

Danach kam der sauer wieder zu seiner Zeitung zurück:

„15 Punkte? Mann, Martin, die sehen anders aus.“

„Alle drei zusammen, Richie, 15 Punkte! Alle zusammen!“

Schade, er hat keine Schönheitspunkte mehr vergeben, möge er in Frieden ruhen.

–

Und am Schuljahresende gab es dann die Lehrerfahrradtour mit zwei Übernachtungen im Zelt und Bier und Grillkohle. Frauen waren nie dabei, aber es hat auch nie eine gefragt, ob sie mitfahren darf.

Das wäre auch schwer zu beantworten gewesen und ich glaube alle waren froh, dass jahrzehntelang keine Antwort notwendig wurde.

Einer der besten und schnellsten Radler war Joachim mit seinen 24 Gängen. Immer vorn, immer motiviert, immer Führungsrolle, aber trotzdem nett. Der hatte als einer der ersten schon ein Handy! Da musste er immer rangegehen, wenn seine Frau anrief. Ich glaube, dass der zuhause nur auf Platz 2 lag, aber das geht ja auch noch.

Jedenfalls war die Strecke für den Tag 80 Kilometer lang und es regnete in Strömen aus dunklem Himmel. Erfrischend ist das bei 5 Minuten schon, bei drei Stunden vergeht das Gefühl zügig. „Anhalten“ war für Weicheier wie mich und kam gar nicht in Betracht. Ich selbst kann ja im Regen stundenlang unter einem Baum stehen wie ein Pilz.

Aber Joachim rief alle 15 Minuten nach hinten zur Nassgruppe:

„Da vorn wird’s heller, Männer!“

Das nervt dann schon, wenn man das zehnmal gehört hat, aber nicht heller wird.

Dann sagte der Hausmeister rollend neben mir als ich mit dem Augen rollte:

„Pass‘ auf!“

Dann kramte der sein Handy aus der Regenjacke und tippte.

Dann hat das offenbar geklingelt irgendwo. Joachim bremste ab, alle rollen vorbei und er ruft noch hinterher „Gebt Gas, ich hol‘ Euch trotzdem ein!“

Und als der eifrige Joachim dann sein Handy aus dem Rucksack vom Gepäckträger rausgewühlt hatte und man ihn kaum noch hinter uns sehen konnte, da sagte der Hausmeister in sein feuchtes Handy:

„Du, Achim, da vorn, da wird’s heller!“

Joachim war schweigsam am ersten Abend.

B-Lehrer

*B-Lehrer*

Kürzlich wurde ja ein Freund von mir am Papiermüllcontainer in seinem Dorf angesprochen als der einige gefaltete große Kartons hineinschob.

„Das ist jetzt aber nicht in Ordnung! Das können Sie auch bei sich in Ihrer eigenen Stadt machen!“, wurde er gerügt und belehrt.

Mein Freund hat so einen großen Omega als Kombi, für mich heißen die ja immer noch ‚Rekord‘, aber ich rechne ja Kuchenstücke auch noch in Deutsche Mark um.

Er hat nämlich ein Münchener Kennzeichen am Auto, weil das eigentlich gar nicht sein Rekord ist sondern ein Firmenwagen.

Manchmal wird er etwas patzig, aber hier hat er nur ganz sachlich zurückgefragt:

„Glauben Sie wirklich, dass ich von München an die Ostsee fahre, um hier meine Kartons zu entsorgen?“
Dieses Belehrende sagt man uns Deutschen ja gern nach. Sogar ich hupe auch manchmal, wenn die Gefahr längst vorbei ist und ich ihm nur ein „Du, Du, das habe ich gesehen, dass Du da was falsch gemacht hast“ senden will. Dann gucke ich immer im Rückspiegel nach, ob ich rot werde, weil ich mich leicht schäme, sogar wenn ich allein im Auto bin.

Letztes Jahr habe ich mich mit einer Reifenbreite auf einem zwei Meter breiten Radweg an einer ca 300m langen Autoschlange vorbeigeschummelt, ja, bis dann einer *nicht* 50 cm weiter an der Mittellinie stauen wollte. Der ist dann ausgestiegen als ich nach einer Minute nur meine Hupe *angesehen* hatte und hat mir Prügel angeboten. Der fuhr auch so einen SUV. Aber dazu sage ich lieber nichts, weil 25% aller Autos hier jetzt solche sind, die nach 4 Jahren mit dem Vermerk „nur Straße“ weiterverkauft werden. Die sind doch eher für den Förster. Da würde ich lieber einen DAF fahren.

Und das, obwohl Andi vor dem Abi über Micha mit seinem DAF sagte: „Bevor ich einen DAF fahre, fahre ich lieber mit einem Damenrad zur Penne.“ Andi fuhr ja Käfer 1300, ich hatte nur den 1200er mit 34PS ohne Radio.

Ach so, ja, der Typ im SUV hatte das Belehrende echt weiter entwickelt. Der war bei der Stadt angestellt, mit Namensschild und so. Echt blöd. Da muss der noch entwickeln, aber das müssen viele in den Stadtverwaltungen auch.
Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, hat das niemals, dieses Belehrende. Also außerhalb des Hauses hat sie das nie, meine ich. Dabei wäre das manchmal außerhalb sogar angebrachter als innerhalb.

Laut fluchend habe ich sie in der weißem Jeansjacke und dem pinkfarbenen Rock vor dem Bahnhof aufgepickt. Und innerhalb einer einzigen Sekunde sahen ihre Pumps aus wie Boxerstiefel:

„Diese dumme Sau, dieses Arschloch, dem hätte ich die Fresse polieren können, dem alten Sack mit seiner Scheiß-Musik. Schwachkopf, alter Sack!“

Wie sich zwei Minuten später herausstellte, war der Sack deutlich jünger als ich und ich höre auch ziemlich oft „Scheißmusik“, glaube ich. Und sie spricht so echt selten und meistens nur im Auto oder ohne die Kinder im Schlepptau. Ich fluche, wenn mir danach ist, das ist echt schlimm, aber selten.

Der Typ in der Bahn hatte in den letzten 8 Minuten ihrer einstündigen Heimfahrt im Zug mit einem kleinen Lautsprecher Rockmusik gehört und sie wollte gern das Kapitel zuende lesen. Trotz Multitasking kommt sie dann in eine Art „Wutmodus“, glaube ich.

„Und …. hast Du nichts gesagt?“, habe ich Idiot gefragt obwohl ich ansonsten ungern Öl in lodernde Flammen gieße.

„Der, der hätte mich noch angegriffen oder zugeschlagen, so wie der aussah mit seinen blauen Jeansklamotten und diesem affigen Hut. Nein, was hätte ich auch sagen sollen?“

Da habe ich dann auch erstmal kurz über meine Hüte nachgedacht.

„Na, Du hättest zum Beispiel sagen können, dass Du jetzt bis zum Hauptbahnhof alles *ganz* laut aus Deinem Buch vorliest, wenn er keine Ohrhörer dabei hat.“

Und hier sieht man mal wieder, dass ich auch so etwas Besserwisserisches und Belehrendes habe.

„Finde ich jetzt echt nicht witzig! Auf so einen Quatsch komme ich in dem Moment doch nicht“, hat sie unter den halblangen blonden Haaren und zwischen den roten Lippen herausgepreßt.

Komisch, denn *innerhalb* fällt der Besten immer die beste Antwort sofort ein. Aber Auswärtsspiele haben eigene Gesetze.

Und vor ein paar Tagen habe ich bei ebay nach 15 Jahren und 1600 Bewertungen für Verkäufer dann meine ersten negativen Bewertungen rausgehauen.
Ich verkaufe ja nichts, weil mir das zu mühsam ist mit Text und Fotos und so.

Da hatte ich drei CDs für je 1€ bei einem ersteigert und der rechnete dann einen Gesamtbetrag von 10,50€ aus. 3€ für die Platten plus dreimal zweifuffzig für’s Porto. Da habe ich gedacht, dass sei ein Irrtum und habe kurz nachgefragt. Der schrieb aber „wir senden nur im Einzelversand“.
Dann habe ich 10,50€ rüber geschoben, aber er sendete alle zusammen in einem Brief für 2,20€.
Da habe ich dann kurz geschrieben und zwei Tage später drei fette Bewertungen in Rot gemacht und ihn auf 96,7% runtergedrückt.

Dann hat der erst geflucht, dann sich entschuldigt und dann gebettelt und gefleht um Rücknahme nach Rückzahlung.

Boah, da war ich dann wieder B-Lehrer.
Als ich die Röte kommen fühlte, habe ich in dreimal „positiv“ umgewandelt.

Aber diese Erregung brauche ich weniger als 5,30€.

Der Mann, den sie Pferd nannten

„Der Mann, den sie Pferd nannten“ oder „Aus Kindertagen“

Neulich:

„Adriana kommt erstmal in Helmut, dann lege ich sie unter Natalie in den Herbert.“

‚Adriana‘, das ist der 600g schwere Rundkäse aus den Niederlanden, ‚Helmut‘ das Wachspapier, ‚Natalie‘ das Tiefkühlfach und ‚Herbert‘ der Kühlschrank.

Und die Namen weiß die Kurze am nächsten Tag auch noch treffsicher.

Woher sie Adriana Lima kennt, habe ich nicht gefragt. Ich wusste nur von Bibi, Lena und Selena. Lena finde ich gut, die anderen kenne ich nur in zwei Dimensionen an Wänden.

Das liegt bei uns übrigens in der Familie, also das mit der Neutaufe.

Mein Vater wäre jetzt knapp 110 Jahre alt, doch so manche „Schrulle“ ist mir in Erinnerung geblieben.

Häufig hatte er prägnante Spitznamen für die Nachbarn. In einem Fall Mitte der 60er Jahre war der Gatte der Nachbarin etwas kleiner als sie. Das war damals ungewöhnlich. Heute sind Frauen ja meist größer als ihre Männer und manchmal sogar länger.

Die hießen dann „Familie Korken“, weil der Mann auch etwas taillenarm war.

Da musste man als Kind aufpassen, dass man nicht mit „Guten Tag, Herr Korken!“ grüßte. Das Grüßen war ja damals extrem wichtig für den ‚Ruf‘ einer Familie.

Weil wir Kinder manchmal zur Schule gefahren wurden, lediglich in der Grundschule bei Regen, wurden Fahrgemeinschaften gegründet. Daher lernte ich Fiat 500 und Renault 4 kennen, wir fuhren ja Käfer 1200 in lindgrün oder Kadett B Coupe LS in hellem Blau etwas später.

Und so ein Auto aus dem ‚Ausland‘, das hatte schon was, weil wir ja nur ins deutsche Mittelgebirge fuhren. Zum Wandern.

Dabei konnte man gut „Land Rover“ spielen. Man rannte durchs Unterholz und machte Motorgeräusche und schaltete an Steigungen herunter. Heute gibt es dafür die Playstation.

Logisch, dass Kinder das Mittelgebirge nicht kennen.

Eine andere Familie fuhr einen Mercedes Benz 280S mit den übereinander stehenden Rundscheinwerfern. Geschäftsleute. Der Wagen müsste aus der Kiesinger-Ära gewesen sein. Dessen Frau, also nicht die von Kiesinger, sagte die regelmäßigen Fahrten kurze Zeit später jedoch wieder ab, weil man nur eine ‚Versicherung für zwei Personen‘ für das Auto habe.

Zunächst entschuldigte sie ihren Mann jedoch aus Termingründen, weil er „sich von einem seiner Herren nach München fahren läßt“.

Sie hieß bei meinem Vater über *Jahre* nur noch „die Frau, deren Mann sich von einem seiner Herren nach München fahren lässt“.

Er sagte den Text immer vollständig. Der Name dieser Familie ist mir ebenfalls entfallen.

Die Kennzeichen von den Autos habe ich auch vergessen. Die Tochter hatte dunkles Haar und musste geigen.

Ebenso den wirklichen Namen von Herrn „Platztgleich“, alles gelöscht. Der war fast so ’stark‘ wie Obelix.

Besuch war bei uns selten, aber die ‚Kollegen‘ aus der Schule waren dann doch fast jährlich da.

Es gab Eierlikör für die Damen und Dujardin für die Herren, davor Käsewürfel mit Weintrauben und Toast Hawaii zu ‚Auslese-Weinen‘. Das war damals modern, schmeckte aber schon amerikanisch. Ich glaube, Nixon war gerade noch Präsident. So schmeckt das heute auch noch.

Irgendwann wurden dann immer Haus und Garten besichtigt, das war üblich.

Jedenfalls hat mein kleiner Bruder dann währenddessen einmal alle Reste aus den kleinen Gläsern geleert, vermutlich ging er noch in den Kindergarten.

Den Damen fiel es zuerst auf, dass das Eierlikörglas vor dem Rundgang noch halb voll war. Ich hätte das auch mal machen sollen, mich hätte ja nie einer verdächtigt. Aber vielleicht brauchte mein Bruder den Alkohol auch für den folgenden Vortrag am Klavier mit der anschließenden Verbeugung beim Beifall der Anwesenden.

Zu viel Beifall in jungen Jahren halte ich heute für überzogen.

Nach dieser Zeit wurde die „Bleistiftmethode“ bei Alkoholika in der sogenannten „Bar“ angewandt, weil der Schlüssel weg war.

Das heißt, dass bei jeder Flasche sozusagen der Pegel markiert wurde.

Mit Bleistift. Lächerlich.

Die Markierung ließ sich korrigieren, geringe Restmengen wurden in späteren Jahren mit Wasser aufgefüllt, das Mixgetränk wurde dann von elterlicher Seite weggeschüttet, weil ‚der Alkohol verflogen‘ war. „Alkohol“, das war schon ein Bier bei uns.

Die Mixmethode mit maximalem Alkoholgehalt von 3% habe ich später auf Klassenfahrten im Süden Europas wiederbelebt. Fand ich damals besser, die Flaschen zurückzugeben. Am letzten Tag.

War schon blöd, die tagelang im Schrank zu haben. Die Franzosen und Italiener denken vermutlich heute noch, dass deutsche Lehrer trinken. Ist ja auch nicht ganz falsch. Aber eben auch nicht ganz richtig.

Heute stehen bei mir noch Spirituosen, die man mir zum 40sten schenkte. Die dürfen bald wählen gehen! Rotwein ist ja eine feine Erfindung, aber Hochprozentiges hat einfach zu wenig Körper.

Wenn die Verwandtschaft aus dem Verkehrsknotenpunkt des Nordens kam, war das ein Highlight. Meistens wurde dann Rinderzunge mit Meerrettichsoße an Salzkartoffeln gereicht. Roh im Waschbecken fand ich diese Riesendinger immer „faszinierend“ wie Herr Spock.

Zum Glück haben meine schönen Cousinen das nie erlebt. Die nahmen stets nur Kartoffeln, die sind auch bis heute rank und schlank geblieben. „Zunge“, ich bitte Euch! Nur, weil die teuer ist, ist das noch lange nicht „gut“. Entsetzlich!

Nur die Spitze ist essbar, auch das nur mit Überwindung, die jedoch eingefordert wurde. Freiwilliges „Probieren“ ist ja in Ordnung, Verpflichtung jedoch nicht!

„Hirn“ gab es nur im kleinen Kreis. Da sagte der Vater mit spitzer Zunge immer: „Iss mal richtig viel!“

Tim Mälzer will ich noch beichten, dass Haferflocken mit viel Kaba und Zucker und wenig Milch, zu einer festen Pampe gerührt, mich trotzdem durch die Schule gebracht haben.

Auch TV-Köche sollten derlei Spezialitäten vorstellen!

Und „Immer wenn er Pillen nahm“, das will ich mir seit Jahren nochmal ansehen. Aber dann wäre die Erinnerung vielleicht nicht mehr ganz so hübsch.

Der Mann hätte bei meinem Vater vermutlich auch so geheißen wie die Serie aber er sah außer Tagesschau und Eduard Zimmermann nichts.

Das mit den neuen Namen machen offenbar besonders gern Lehrer, auch für Kollegen.

Einer wurde in seiner Abwesenheit bei uns stets „Der Mann, den sie Pferd nannten“ betitelt. Nicht nett.

Die Schüler nannten ihn „Ed, das sprechende Pferd“. Ich kenne den Film nicht und erwähne es nur der Vollständigkeit halber.

Jeder wusste, wer gemeint war. Jeder.

Ich will auch gar nicht wissen, wie die mich genannt haben. Die Schüler sagten manchmal „Graf Zahl“, wenn ich nicht dabei war, ein Kollege sagte mir das leise grinsend, das fand ich trotzdem witzig. Ein mutiger Schüler gestand es ebenso mit einem Lächeln.

Bis ich dann sah, wer das ist „Graf Zahl“.

„Graph Zahl“, man hört den Unterschied ja nicht, das wäre ein Kompliment gewesen.

„Die Schöne und das Biest“

„Die Schöne und das Biest“

Er: „Hundert Prozent. …. Du kennst mich doch!“

Sie: „Ich will immer wieder dieses Fieber spürn!“

Er: „Nicht von dieser Welt!“

Sie: „Mal ganz ehrlich. Wär heut mein letzter Tag: Lass mich in Dein Leben!“

Er. „Nur wer den Wahnsinn liebt …“

Sie: „Ich geb nie auf … vergeben vergessen und wieder vertraun …“

Er: „Die Hölle morgen früh! Frag nicht wo und wann“

Sie: „Es gibt ihn also doch?“

Er: „Von hier bis unendlich ….“

Sie: „Und morgen früh küss ich dich wach!“

Er: „Phänomen!“


Erkannt?

Die Konversation einschließlich Überschrift besteht ausschließlich aus den Titel von Liedern Helene Fischers.