B-Lehrer

*B-Lehrer*

Kürzlich wurde ja ein Freund von mir am Papiermüllcontainer in seinem Dorf angesprochen als der einige gefaltete große Kartons hineinschob.

„Das ist jetzt aber nicht in Ordnung! Das können Sie auch bei sich in Ihrer eigenen Stadt machen!“, wurde er gerügt und belehrt.

Mein Freund hat so einen großen Omega als Kombi, für mich heißen die ja immer noch ‚Rekord‘, aber ich rechne ja Kuchenstücke auch noch in Deutsche Mark um.

Er hat nämlich ein Münchener Kennzeichen am Auto, weil das eigentlich gar nicht sein Rekord ist sondern ein Firmenwagen.

Manchmal wird er etwas patzig, aber hier hat er nur ganz sachlich zurückgefragt:

„Glauben Sie wirklich, dass ich von München an die Ostsee fahre, um hier meine Kartons zu entsorgen?“
Dieses Belehrende sagt man uns Deutschen ja gern nach. Sogar ich hupe auch manchmal, wenn die Gefahr längst vorbei ist und ich ihm nur ein „Du, Du, das habe ich gesehen, dass Du da was falsch gemacht hast“ senden will. Dann gucke ich immer im Rückspiegel nach, ob ich rot werde, weil ich mich leicht schäme, sogar wenn ich allein im Auto bin.

Letztes Jahr habe ich mich mit einer Reifenbreite auf einem zwei Meter breiten Radweg an einer ca 300m langen Autoschlange vorbeigeschummelt, ja, bis dann einer *nicht* 50 cm weiter an der Mittellinie stauen wollte. Der ist dann ausgestiegen als ich nach einer Minute nur meine Hupe *angesehen* hatte und hat mir Prügel angeboten. Der fuhr auch so einen SUV. Aber dazu sage ich lieber nichts, weil 25% aller Autos hier jetzt solche sind, die nach 4 Jahren mit dem Vermerk „nur Straße“ weiterverkauft werden. Die sind doch eher für den Förster. Da würde ich lieber einen DAF fahren.

Und das, obwohl Andi vor dem Abi über Micha mit seinem DAF sagte: „Bevor ich einen DAF fahre, fahre ich lieber mit einem Damenrad zur Penne.“ Andi fuhr ja Käfer 1300, ich hatte nur den 1200er mit 34PS ohne Radio.

Ach so, ja, der Typ im SUV hatte das Belehrende echt weiter entwickelt. Der war bei der Stadt angestellt, mit Namensschild und so. Echt blöd. Da muss der noch entwickeln, aber das müssen viele in den Stadtverwaltungen auch.
Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, hat das niemals, dieses Belehrende. Also außerhalb des Hauses hat sie das nie, meine ich. Dabei wäre das manchmal außerhalb sogar angebrachter als innerhalb.

Laut fluchend habe ich sie in der weißem Jeansjacke und dem pinkfarbenen Rock vor dem Bahnhof aufgepickt. Und innerhalb einer einzigen Sekunde sahen ihre Pumps aus wie Boxerstiefel:

„Diese dumme Sau, dieses Arschloch, dem hätte ich die Fresse polieren können, dem alten Sack mit seiner Scheiß-Musik. Schwachkopf, alter Sack!“

Wie sich zwei Minuten später herausstellte, war der Sack deutlich jünger als ich und ich höre auch ziemlich oft „Scheißmusik“, glaube ich. Und sie spricht so echt selten und meistens nur im Auto oder ohne die Kinder im Schlepptau. Ich fluche, wenn mir danach ist, das ist echt schlimm, aber selten.

Der Typ in der Bahn hatte in den letzten 8 Minuten ihrer einstündigen Heimfahrt im Zug mit einem kleinen Lautsprecher Rockmusik gehört und sie wollte gern das Kapitel zuende lesen. Trotz Multitasking kommt sie dann in eine Art „Wutmodus“, glaube ich.

„Und …. hast Du nichts gesagt?“, habe ich Idiot gefragt obwohl ich ansonsten ungern Öl in lodernde Flammen gieße.

„Der, der hätte mich noch angegriffen oder zugeschlagen, so wie der aussah mit seinen blauen Jeansklamotten und diesem affigen Hut. Nein, was hätte ich auch sagen sollen?“

Da habe ich dann auch erstmal kurz über meine Hüte nachgedacht.

„Na, Du hättest zum Beispiel sagen können, dass Du jetzt bis zum Hauptbahnhof alles *ganz* laut aus Deinem Buch vorliest, wenn er keine Ohrhörer dabei hat.“

Und hier sieht man mal wieder, dass ich auch so etwas Besserwisserisches und Belehrendes habe.

„Finde ich jetzt echt nicht witzig! Auf so einen Quatsch komme ich in dem Moment doch nicht“, hat sie unter den halblangen blonden Haaren und zwischen den roten Lippen herausgepreßt.

Komisch, denn *innerhalb* fällt der Besten immer die beste Antwort sofort ein. Aber Auswärtsspiele haben eigene Gesetze.

Und vor ein paar Tagen habe ich bei ebay nach 15 Jahren und 1600 Bewertungen für Verkäufer dann meine ersten negativen Bewertungen rausgehauen.
Ich verkaufe ja nichts, weil mir das zu mühsam ist mit Text und Fotos und so.

Da hatte ich drei CDs für je 1€ bei einem ersteigert und der rechnete dann einen Gesamtbetrag von 10,50€ aus. 3€ für die Platten plus dreimal zweifuffzig für’s Porto. Da habe ich gedacht, dass sei ein Irrtum und habe kurz nachgefragt. Der schrieb aber „wir senden nur im Einzelversand“.
Dann habe ich 10,50€ rüber geschoben, aber er sendete alle zusammen in einem Brief für 2,20€.
Da habe ich dann kurz geschrieben und zwei Tage später drei fette Bewertungen in Rot gemacht und ihn auf 96,7% runtergedrückt.

Dann hat der erst geflucht, dann sich entschuldigt und dann gebettelt und gefleht um Rücknahme nach Rückzahlung.

Boah, da war ich dann wieder B-Lehrer.
Als ich die Röte kommen fühlte, habe ich in dreimal „positiv“ umgewandelt.

Aber diese Erregung brauche ich weniger als 5,30€.

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