Husten und Parktickets

*Husten und Parktickets*

Ich bin ja viel zu faul zum Schreiben, Leserbriefe schon mal gar nicht.
Dann steht da mein Name und den bekommt ja nicht so gut weg wie die
Nutellareste auf dem Teller.

Könnte etwas kompliziert werden jetzt, aber die Sache ist es auch.
Für mich wird es einfach kompliziert, wenn es nicht einfach mal einfach
sein kann.

Ich erinnere mich gerade an die Vitamintabletten, die wir als Kinder
bekamen:

800 Tabletten in vier Röhrchen zu je 200 Tabletten.
Davon bekamen wir 10 Stück am Tag, also so ungefähr.
Das zählt man ja nicht genau nach, also ich jedenfalls nicht.
Ich würde die dann symmetrisch anordnen und dann dauert mir das Ganze
schon zu lange.

Kürzlich auch diese Hustentropfen, … fast alle haben ja diesen
trockenen Husten zur Zeit. Da scheint irgendetwas herauszuwollen, aber es bleibt so halb im Hals stecken. Es ist einfach die Zeit, in der einem manches im Halse stecken bleibt.
Das hat schon Symbolcharakter.

Das ist wie Kopfschmerzen, aber im Hals. Nicht gut.
Es könnte an den ganzen Parktickets liegen.
Eine halbe Stadt hustet symbolisch Parktickets aus.

Gut war aber die Angabe auf der Hustentropfenflasche:
„Zwischen 34 und 59 Tropfen täglich dreimal einnehmen.“

Wer denkt sich so etwas aus?
Irre, einfach … irre.

Das ist wie
„Parken mit Parkschein werktags von 10-18h“, daneben aber das
Halteverbotsschild mit der Ausnahme für Anwohner.
So etwas wie „mit Husten Parken frei“, das würde mir helfen und ich
würde auch gar keine Tropfen mehr nehmen.

Ich glaube, ich würde sogar meinen Husten pflegen. Im Sommer ist es ja
noch voller in der Stadt.

Irre war auch das mit den Vitamintabletten damals.
Wir haben die nämlich einmal nachgezählt. 800 Stück.
Es waren in keinem Röhrchen 200 Stück. Es waren immer nur 185 bis 195.
Die haben tatsächlich gedacht, dass das keiner nachzählt.
Ich müsste die glatt mal wieder kaufen, also nur zum Zählen.

Doch, damals haben wir an den Arzneimittelhersteller geschrieben.
Nur so, nach dem Motto „ich weiß was“. Kennt man ja bei sich selbst.
Die haben uns dann eine 800er Packung als Schweigegeld geschickt.

Von wegen „Probleme in der Produktionsstraße mit minimalen Abweichungen“.

Aber bei Husten soll der Endschlucker 34 bis 59 Tropfen einnehmen.

Ist schon irre.

Das Internet

Das Internet

Gestern hatte ich wieder meine sophistische Runde, einen Lesekreis zu philosophischen Texten und Fragen.

Fast nur Männer.

Also „Solaris“ von Lem, falls das jemand wissen will …. packt mich nicht, egal, man kommt eh vom Thema ab.

Die Frage kam aus dem Nichts:

„Ist das Internet real oder ist das eine andere … virtuelle Welt?“

Oder so ähnlich, es waren schon einige Flaschen Rotwein verköstigt worden, genau weiß ich das auch nicht mehr.

Wie real ist das Internet?

Ich habe versucht unserer Tochter (9yrs) zu erklären, dass ich früher keinen Computer hatte, kein Handy, kein Tablet und auch kein Navi. Keinen CD-Player, keine Spiele mit Elektronik und keine Wii und nicht mal einen Videorecorder, aber Vinyl, Kassetten und Tonbänder zum Aufnehmen aus dem Radio.

Und dass das heute so praktisch ist, das habe ich auch gesagt, aber ich habe auch ergänzt, … dass man sich beschränken sollte und nicht mehr als eine halbe Stunde am Tag …. blabla … das klappt auch ganz gut hier.

Sie:
„Ja, Papa, eines verstehe ich aber nicht: Wie seid ihr denn dann ins Internet gekommen?„

–

Vorgestern war hier wieder einer dieser Poetry Slams „Dead Or Alive“ im Großen Haus des Theaters, wunderbar.

Ich schreibe das nur, weil es eben seeehr spät wurde. Gegen 2.00 morgens komme ich zurück und gucke immer, ob in den Zimmern alles in Ordnung ist.

Mein Sohn schläft … hört mich irgendwie doch, hebt den Kopf in völliger Dunkelheit und fragt:

„Was ist mit dem WLAN?“

Dann fällt der Kopf wieder runter und er schläft wieder.

Das Internet ist real.

Man merkt erst, wie wichtig es ist, wenn es nicht geht.

What´s App I

*What´s App I*

Vater und Kind (10yrs) schicken sich What’s App-Nachrichten nach Schulschluss.

Zum Verständnis.
Es fehlte durch die Autokorrektur des auf Englisch eingestellten Mobiltelefons beim Vater  ein *a* in *Haarding*, das war so eine Schleife mit Metall innen zum Biegen, die hatte ich gekauft und die lag schon auf dem Tisch in der Küche als das Kind zurückkam.

Vater:
Huhu!
Wie war Schule? Bist Du noch bei den Hausaufgaben? Habe Dir dieses Harding gekauft. Ist das gut? Das war nur 0,50€. Bin bald zurück, es gibt Kassler. 😉

…. eine halbe Stunde später ….

Kind:
Was ist ein „Harding“?

Vater (… denkt, dass das Kind bei den *Englisch*-Hausaufgaben sitzt):
Ein Name oder ein Gras.

Kind:
Ich verstehe immer noch nicht was ein „Harding“ ist.

Vater:
Schick bitte den ganzen Satz.

Kind:
Sag mir bitte, was ein Harding ist.

Vater:
Ich weiss es nicht.
Gib´ bei Google „harding“ und „deutsch“ ein

Kind:
Kommt nichts

Vater:
Gleich bin ich zurück.
Dann gucken wir zusammen.
Ist nicht schlimm.

Zwei kleine Tassen

*Zwei kleine Tassen*

Aus dem Leben gegriffen, eine Kleinigkeit.

Da will ich meine Tochter (10yrs) von der Schule abholen, aber sie sagt:

„Nein, Papa, wir treffen uns bei Bäckerei Junge.“

Das ist 200m entfernt.

Klar, Abholen am Tor, das ist …. Grundschule.

Beim Bäcker:

„Wieviele Teile darf ich mir aussuchen?“

„Mach mal. Zwei oder drei, ich esse den Rest.“

Sie bestellt einen Schokocroissant, ein Schokofranzbrötchen und einen Hanseaten.

Mister Junge:
„Auf wieviele Teller darf ich das verteilen?“

Sie:
„Das Franzbrötchen auf den einen und den Rest auf den anderen Teller, bitte.“
Mister Junge:
„Darf es noch etwas zu trinken dazu sein?“
Ich:
„Danke, vielleicht danach.“
Wir drehen eben ab mit den Tellern in den Händen, da dreht sich das Kind nochmal um:

„Ach, wir hätten gern noch zwei kleine Tassen. Ich habe meinen eigenen Tee dabei.“

…. und problemlos wurden uns zwei leere Tassen über den Tresen ereicht.

Sie lächelte, als sie die Tassen und Teller auf dem Ecktisch verteilte und ihren honiggesüßten Hustentee in die kleinen Junge-Tassen goss.

„Ich trinke nicht so gern aus dem Becher von der Thermoskanne.“

Manchmal läuft es schlecht

*Manchmal läuft es schlecht*

Meine Frau fragt ja des Öfteren, ob ich diese billig bei ebay gekauften Platten wirklich brauche.

Darauf gibt es keine richtige Antwort …. außer der stummen:

Mann nimmt das wöchentliche 5€ Päckchen mit den drei Stück aus dem Postkasten und legt es still auf den Beifahrersitz …. um Fragen zu entgehen.

Das klappt nicht immer, zugegeben.

Kürzlich hatte ich ein Minihäufchen auf dem Küchentisch liegen, weil sie schneller beim Briefboten war.

Meistens versuche ich die Jewelcases „vorher“ in Richtung Nirvana zu befördern, weil die „Reste“ aus CDs und Papier weniger auffallen. Da schmelzen 3,5cm Höhe mit Cases schnell auf ca 5mm zusammen, was ich praktisch …. praktisch finde. Sogar ein Werbeblatt von Saturn reicht aus, um drei bis vier CDs eine Tarnkappe auszusetzen.

Da lohnt keine Nachfrage …. bei 5mm Höhe.
Vor allem nicht in einem Werbeprospekt.

Das ist wie bei frischem Spinat, da wirft man Berge in einen Topf und es wird immer weniger.

Selbstverständlich muss man die Jewelcases entsorgen ohne dass die schreiend herumliegen. Leider schicken die meisten Verkäufer diese Hüllen, die die Päckchen aufdicken, mit. Welch ein Unsinn.

Natürlich weiß meine Frau nicht, welche Platten ich wo schon habe, denn das weiß ich selbst ja auch nicht immer so ganz genau.

Aber sie hatte kürzlich „Songs In The Key Of Life“ auf dem kleinen Küchentisch-Häuflein gesehen und offenbar schwante ihr, dass sie die schon einmal bei mir gesehen hatte.
Man darf so etwas nicht herumliegen lassen.

„Diiiiie daaaa hattest Du doch schon, oder?“

Kurz bevor ich dann rot anlief, kam aus meinem Mund ohne mein Zutun die schwache Erwiderung:

„Nein, nein, das ist das erste Mastering der US-Ausgabe, die fehlte mir.“

Der Mensch braucht Argumente, Begründungen.

Ja, so manche schwirrt hier doppelt herum, sozusagen als back-up, als Sicherung.
Manche muss auch überall greifbar sein, da reicht ein Original nicht, da braucht´s mehrere.

„Blood On The Tracks“ und „Time Out Of Mind“ zum Beispiel,
…. letzterer ein besonders passender Titel zum Thema

Das beruhigt, aber es ist auch …irgendwie irre.

Bei „Vielfach-CDs“ ist das insgesamt weniger problematisch als wenn´s ne zweite Frau als back-up gibt. Absolut problemfrei ist aber auch das nicht, …. aber deutlich preiswerter.

–

Sicher kann das hier keiner verstehen, aber das ist auch nicht schlimm.

Ich jedenfalls finde BOTT in diesem Chaos nach maximal 5 Sekunden.
Und das obwohl ich die schon so oft weggegeben habe.

Also die erste BOTT finde ich nach 5 Sekunden.
Ohne jede Sortierung.

Und gestern habe ich bemerkt, dass ich „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Watzlawick dreimal habe. Die erste war aus den Siebzigern, eine Raubkopie. Diese Schuld muss man doppelt abtragen, das verstehen jetzt alle.
M.


Träume

*Träume*

Neulich haben mir zwei junge Frauen gestanden, dass sie für den Mann im Schaufenster des Herrenausstatters schwärmen.

Die sind etwas über 40.

Also beide zusammen.

Der Schwarm ist ein gut gebauter Mann von gut 60 Lenzen im wollenen beigefarbenen Pullover und dunkelgrünen, edlen Jeans, er lächelt in den Mundwinkeln und lehnt sich an eine Pforte mit abblätternder Farbe, die älter ist als er selbst. Vermutlich gehört das Tor zu einem Hühnerstall, der bereits seit seiner Geburt verfällt. Oder seit meiner eigenen, das kann man ruhig zugeben.

Leider enden meine und seine Gemeinsamkeiten beim Binden des baumwollenen Halstuches, das wir wie Joachim Löw, der Weltmeister, tragen.

Als ich fragte, welche Vorstellung die beiden vom Leben mit diesem Mann ihrer Träume hätten, sagten sie, dass er viel unterwegs sei auf anderen fernen Erdteilen, aber sicher sehr liebevoll sei.

Das ist der bestimmt, denn ich kenne mich selbst ein wenig, habe aber wenig übrig für Flugreisen, weil ich mich wie von der Natur vorgesehen in einem Auto bewege.

Diese seine Liebe gelte auch für die Pferde, die er hinter dem Landgut halte. Er sei ein kreativer Geist, der nicht ‚richtig reich‘ sei, und daher auch zur Jagd geht, um seine Familie zu versorgen. Er kümmert sich gern um den englischen Garten mit dem alten Baumbestand.

Wenn er auf Reisen ist, kümmern sich fleißige Angestellte um das Landgut, weil die beiden jungen Ehefrauen sich stärker der Malerei widmen möchten.

Ich habe nicht gefragt, ob die Bediensteten auch den Stall ausmisten, weil sich das von selbst verstanden hat.

Ich selbst muss ja sogar die Autos waschen und war schon nicht mehr im Spiel.

„…. im Februar sterben ….“

… das bot mir eben die Autokorrektur hellseherisch an als ich tippen wollte, dass „im Fenster des“ Herrenausstatters jetzt ein jüngeres Modell aufgehängt wurde!

Zum Glück hatte ich den älteren Landedelmann für die jungen Frauen zur Fortsetzung der britischen Träume beizeiten abgelichtet.

Dass es nur zwei echte Probleme im Leben des Menschen gäbe, das hat mal einer geschrieben und ich habe keine Lust jetzt extra zu Google zu wechseln.

„Das eine Problem sind unerfüllte Träume. Das andere ist die Erfüllung der Träume.“

Oder sinngemäß ähnlich, mein Gott.

Schade eigentlich, dass junge Männer vergleichbare Traumvorstellungen selten gestehen.

Olympiade

*Olympiade*

Sie hat gerade wieder angefangen, die Olympiade, die Zeit zwischen den Olympischen Spielen. Wir sind sozusagen in einer Olympiade und gleichzeitig in einer Fußballweltmeisterschaftsiade sowie einer Fußballeuropameisterschaftsiade. Das sind Wörter, die man bei Scrabble oder beim Bimbo selten legt. Und es sind gute Zeiten für Ehefrauen. Raucher könnten die Zeit zwischen zwei Zigaretten auch Rauchiade nennen, das fiel mir eben noch ein.

Bimbo, das ist das Gleiche wie Rommé aber mit Buchstaben. Ich weiß gar nicht, ob es das noch gibt. Wir hatten ein Spiel aus den 40ern oder 50ern des letzten Jahrhunderts. Geniales Spiel. Bei Bimbo gewinne ich eigentlich am liebsten, klappt aber ebenso selten wie bei Memory.

Im letzten Jahrhundert waren auch Sackhüpfen, Tauziehen und Weitspucken mal olympisch. Beim Tauziehen weiß ich nicht, wann das zuletzt war, aber 1904 wurde noch für Medaillen gehüpft und gespuckt, glaube ich. Heute trainieren ja viele junge Männer schon wieder, das könnte also bald wieder olympisch werden. Aber das mit dem Hüpfen machen die selten. Obwohl die mit diesen tief hängenden Hosen vor einigen Jahren auch schon in der Trainingsphase waren.

Vermutlich haben die für die Olympischen Spiele die Bedingungen mal geändert, denn bei den Männern kann nur eine Sportart olympisch werden, die in mindestens 75 Ländern der Erde und auf 4 Erdteilen ausgeübt wird. Bei den Frauen reichen 40 Länder auf 3 Erdteilen. Das ist ziemlich männerfeindlich, finde ich. Es gibt auch keinen Erdteil mit 35 Ländern in denen ausschließlich Männer leben.

Andererseits kann man schon verstehen, dass Männer mehr spucken als Frauen, denn sonst kriegen die die Medaillen unter diesen unfairen Bedingungen später als die Frauen.

Vielleicht habt Ihr ja eine Idee, was für Frauen olympisch werden könnte. Multitasking zum Beispiel, das ist typisch weiblich. Ich kann ja als Mann bei Musik nicht mal sauber einparken.
Aber ohne natürlich richtig gut.

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, kann das mit dem Multitasking. Sie rollt den gebrauchten Kaugummi sogar noch gleichzeitig in die kleine Alufolie und erklärt den Kindern, dass sie früh ins Bett müssen während sie den Hund mit einer Nasengeste auf den Rücksitz schickt und mit dem Mund lächelt sie mir noch zu. Und alles beim Einparken. Steht zwar etwas schief, aber ist ja nicht schlimm. Und mit der Nase kann ich außer Atmen gar nichts außer Niesen.

Das Blöde an Olympischen Spielen ist die Olympiade, also das Warten über vier Jahre auf die neuen Spiele. Ich sehe mir zwar nur die 100m der Männer an, übrigens schon seit Hines in Mexiko City 1968 unter 10 Sekunden blieb.

Aber das Warten bleibt, weil man ja nie weiß, wieviele olympische 100m-Endläufe man noch sieht. Leider musste dieses Jahr der Hund kurz raus und ich bin jetzt insgesamt 8 Jahre ohne live-Endlauf.

Das ist auch bei Bundestagswahlen so, dass man sich überlegt, wie oft man noch sein Kreuz macht bevor man selbst eines bekommt, aber irgendwie versteht mich damit keiner. Darüber muss man doch mal nachdenken, dann ärgert man sich erst richtig, wenn man Bolt nicht gesehen hat!

Und deshalb freue ich mich auf die Bundestagswahl. Obwohl das dieses Mal mit einem fürchterlichen Kater enden könnte. Das kennen ja Wähler in anderen Ländern auch, das mit dem Kater.

Die Briten zum Beispiel.
Kleiner Scherz.

Die Amerikaner saufen noch.

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Hauptgewinn I

*Hauptgewinn I*

Der Aschenbecher für den morgendlichen Milchkaffee steht heute links von der Sitzbank. Das sind so Kleinigkeiten, die mich früh aus der täglichen Umlaufbahn werfen können. Das passiert natürlich nicht wirklich denn ich räume das ja so hin wie es gehört: Der quadratische Tisch gehört nach links neben meinen Platz und der zylindrische Metallascher nach rechts neben die hölzerne Zweiersitzbank. Das ist zum Ausdrücken der Zigarette nur dann etwas unpraktisch, wenn Sabrina, die Yoga-Lehrerin, vorbeikommt, weil ich dann hinter ihrem Rücken drücken muss. Aber sie würde, genau wie ich, auch nur im Notfall die andere, zweite Bank nehmen. Das sind kleine Elemente der Sicherheit, die man braucht im Leben.

Manchmal kann ich mir auch nicht allles merken. Zum Beispiel weiß ich gar nicht mehr, ob ich mal geschrieben habe, wie man die beste Ehefrau von allen findet. Meine raucht ja nicht und ihr ist es außerhalb der eigenen vier Wände gleichgültig, wo der Ascher in einer Stadt steht. Ihr ist wichtiger, dass der nicht benutzt wird. Andererseits schlägt sie gern für viele Dinge des täglichen Lebens, die sie selten verwendet, feste Plätze vor. Zum Beispiel lasse ich die Hundeleine gern auf der Treppe liegen, weil ich die morgens um 6 so am schnellsten finde. Ich suche die eigentlich fast jeden Morgen, weil der kleine schwarze Hund sich den Platz auch nicht merken kann:

Gegenüber von der Spülmaschine im weißen Schrank an der Wand in der zweiten Schublade von oben, linke Seite, neben dem Vorrat an Hundebeuteln.

Das Halsband hingegen lasse ich immer an der Leine während die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, es gern auf einem Stuhl oder neben der TV-Fernbedienung im Wohnzimmer platziert. Dafür gibt es sozusagen mehrere feste Plätze.

Also meine Frau habe ich damals deshalb gewonnen, weil ich vor einem Vierteljahrhundert alle üblichen Vorsätze und Verfahren kurzzeitig außer Kraft gesetzt habe.

Das habe ich seitdem nie wieder getan.

Zum Beispiel habe ich mir ihre Schallplattensammlung erstens nicht angesehen, weil sie mich abgelenkt hat oder weil gerade 40 „Brigitte“ hinter ihrem Sofa ihren Stapel verließen. Die waren immer hinter ihrem Sofa, wenn ich sie besucht habe. Ich vermute, dass man schnell einen steifen Hals bekommt, wenn man hinter einem Sofa nach einer Zeitschrift grabbelt.

Die Schallplatten:
Shakin‘ Stevens, Grace Jones, Toto, Alison Moyet in der öden Phase nach Yazoo und der Soundtrack zu diesem Film mit „… you’re the one that I want“. Das würde ich keiner anderen Frau durchgehen lassen.

80er eben, das beliebteste Jahrzehnt des deutschen Durchschnittsbürgers und das schlimmste aller Zeiten für mich, modisch und musikalisch.

Zweitens ließ ich Freundinnen in der Anfangsphase gern mein Auto fahren. Wie schnell stellt sich die Fahrerin auf den stets unterschiedlichen Druckpunkt der Kupplung ein? Wird sie im Verkehr hektisch oder gar aggressiv? Lässt sie andere gnädig vor oder drängelt sie fluchend mit dichtem Auffahren?

Das habe ich damals auch vergessen und bin selbst gefahren. Sonst hätte ich nie den Hauptgewinn gezogen und würde mich mit einem kleinen Trostpreis trösten. Oder ganz vielen, das ist zugegeben eine bedenkenswerte Alternative, doch kommt mir dieser Gedanke jetzt vielleicht etwas spät.

Die Geschichte wie man die beste Ehefrau von allen findet, die schreibe ich ein anderes Mal weiter.

Xabi Alonso

*Xabi Alonso*

Er stand heute hinter mir im Regen an der Ampel im Dunklen:

*Xabi Alonso* mit einer blonden, attraktiven Freundin!

In rotem Licht von meinen leuchtenden Bremslichtern sah sogar das Top seiner Freundin so rot aus als würde sie bei Bayern München schon auf den Rücktritt von Franck Ribery warten. Sie schlägt bestimmt nicht so schnell zu wie Franck, wenn er genervt ist.

Ich sehe mir gern Leute in Autos an, sogar im Rückspiegel. Die meisten verhalten sich in ihren Blechschalen so wie zuhause. Eine Ausnahme machen da meistens Cabriofahrer und Radfahrer.
Auf dem Rad zum Beispiel pult keiner beim Halten in der Nase. Cabriofahrer und -fahrerinnen sind selten allein und Motorradfahrer kommen wegen des Helms und wegen der Handschuhe zu langsam zur Nase.

Mein Bekannter hätte zum Beispiel den Mann von Weltklasse gar nicht gesehen. Der zieht an der Ampel immer die Handbremse, weil dann die Bremslichter nicht leuchten. Der ist ein recht sparsamer Mensch und er hat mir mal erklärt, dass die Bremslichter „ja richtig Power haben“ und dass die länger halten, wenn sie selten leuchten. Erst habe ich ja gedacht, dass er sich das so im Scherz ausgedacht hat und mich verkohlen will, der ist nämlich im Schuldienst. Aber als ich dann sagte, dass ich das auch in Zukunft machen werde aber bislang nur auf Standlicht an Ampeln schalte, um die vorderen Lämpchen zu schonen, da hat der gar nicht gelacht, sondern ganz ernst genickt und „Gute Idee“ gesagt.

Und jetzt sieht der an der Ampel weder vorn noch hinten Leute im Auto, wenn es dunkel ist.

Nicht dass ich jetzt so der total sparsame Mensch wäre, aber morgens zum Tanken zu fahren, das kommt für mich nur im Notfall infrage. Der jungen Frau an der Tankstelle habe ich mal schnell überschlägig ausgerechnet, dass sie bei ihren 15000 bis 20000km im Jahr in zehn Jahren quasi kostenlos für zwei Wochen Urlaub machen kann, wenn sie abends tankt, also dann, wenn ich tanke.
Die hat von mir dann vermutlich so gedacht wie ich von meinem Bekannten. Obwohl ich mit der ganz gern an derselben Säule zur gleichen Zeit stehe.

Sie hat nämlich von ihrem Freund erzählt, dass der *niemals* volltankt, weil der volle Tank das Gewicht des Autos erhöhe und damit auch den Verbrauch.
Andererseits fährt der immer ein halbes Geschäft mit Sportklamotten durchs Land, hat sie gesagt. Da habe ich mich dann doch mal zurückgehalten, weil man sich in Beziehungsprobleme nicht einmischen sollte, wenn man dasselbe Geschlecht hat wie der Angeklagte.

Aber zu lächeln ist doch okay, oder?

Verdrängung

*Verdrängung*
Mein größtes Problem sind Schallplatten, CDs, Bücher, Lautsprecherboxen, Elektronik, Zeitschriften und Putzmittel für das Auto.

Anders als die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, bin ich der Meinung, dass man das alles benutzen und haben soll aber nicht „aussortiert“ oder gar „entsorgt“.

CDs befreit man zum Beispiel aus ihren Plastikgefängnissen und verstaut sie mit Booklet und Cover in hauchzarten Folienhüllen. Das schafft unglaublich Platz. Bei Büchern ist das etwas schwieriger, aber bei Zeitschriften könnte man die wichtigen Artikel herausschneiden, in Sichthüllen stecken und in Ordnern abheften. Ich schreibe jetzt *könnte*, weil ich das früher tat, aber heute einfach nicht die Zeit habe zwischen wichtigen Artikeln und unwichtigen Artikeln zu unterscheiden.

Meine Frau, die beste Schuhkäuferin auf Erden, hat ungefähr 50 oder 60 Paar Schuhe, ich höchstens ein Zehntel davon. Die verbrauchen sich bei mir aufgrund der Anzahl und werden entsorgt, wenn die Reparatur sich nicht mehr lohnt.

Bei Kleidung hilft sie mir jedes Jahr. Sie geht meinen Teil des Kleiderschrankes durch und bildet ein Häufchen, das weggeworfen werden soll. Ich glaube, dass das viele Ehefrauen für ihre Männer machen wenn sie mehr Platz im Schrank brauchen.

Vor zwanzig Jahren hatte ich mal knapp 2m Breite eines 5m breiten Schrankes. Jetzt habe ich knapp ein Viertel eines 3m breiten Schrankes. In Zentimetern will ich das jetzt nicht ausdrücken. Aber 40 Hemden liegen im Keller, die sind noch nicht gebügelt, weil ich nicht gern und schlecht bügele und weil die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, natürlich bei 40 Hemden auch nicht mehr bügeln mag. Ich trage auch gern Rollkragenpullover und T-Shirts, weil die Hemden nicht mehr in den Schrank passen würden, wenn sie gebügelt wären. Das würde dann in einer Entsorgungsaktion größeren Ausmaßes enden und daher bin ich ganz froh, dass die Hemden noch da sind auch wenn ich sie nicht benutze.

Seit vielen Jahren rette ich einen dunkelblauen Baumwollpullover mit weißen Rändern an den Ärmeln, dem Kragen und dem Bund aus diesen Häufchen. Sie merkt es jetzt nicht mehr, weil ich den bei den Putzmitteln im Auto habe. In dem habe ich Ende der 80er eines meiner besten Spiele im Hamburger Stadtpark gemacht. Da war ein Mexikaner mit dem ich zusammen vorn gespielt habe und wir hatten keine gemeinsamen Worte, aber der war für 100 Minuten der beste Spielpartner meines Lebens. Blind lief das. Wir wussten immer, was der andere tun oder wohin der laufen würde.
Über den Abend könnte man ein Buch schreiben.

Und deshalb brauche ich eben diesen Pullover.

Im Bad habe ich jetzt meine Kulturtasche auf dem Regal über der Tür. Da ist alles drin. Das ist nicht so viel, aber in die Schublade unter dem Waschbecken kann ich das nicht stellen, weil ich so früh aufstehe und die Schublade sich nicht leise schließen lässt. Offen hinstellen geht auch nicht, weil da Pflanzen und Parfums von meiner Frau hingehören. Das mit der Tasche ist eine wirklich gute Lösung, das macht man im Urlaub oder wenn man jemanden besucht auch so.
Früher war ich auch sehr ordentlich und strukturiert im Privaten, aber das kostet so viel kostbare Zeit und ich fühle mich heute nach dem Sortieren gar nicht mehr so viel besser wie vor 40 Jahren.

Damals habe ich jede Woche die Fenster geputzt und in den Zimmerecken diese Art von „malerischer Unordnung“ geschaffen, die einem sehr aufgeräumten Raum einen Hauch Lebendigkeit verleiht. Das verstehen jetzt nur ordentliche Frauen, das macht aber nichts.

Ich hatte damals einen dunkelgrünen Velourteppich. Wenn man den saugte, dann gab es die sogenannten hellen bzw dunklen „Saugspuren“.
Das sah dann aus wie der Rasen von Wembley, wenn der Platzwart nach fünf Jim Beam zwei Stunden mit dem Mäher unterwegs war.

Und deshalb habe ich immer in *eine* Richtung gesaugt. Man kann das auch variieren, also ob man den hellen oder den dunklen Teppich beim Betreten oder beim Verlassen des Zimmers sehen will.

Aber man darf das dann nur vorsichtig nutzen, das Zimmer. Sonst gibt es Trittspuren. Ich finde heute Parkett besser, aber das ist klanglich mit Musik unterirdisch. Das verstehen Frauen nicht, dass ein Raum einen eigenen ‚Klang‘ hat. Hallig geht für einen Musikliebhaber gar nicht. Bücher sind ein probates Mittel um einen Raum zu beruhigen.

Jetzt mache ich mal Frühstück.