Meine Männer

Meine Männer

„Dass Männer dazu neigen, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen, haben mittlerweile zahlreiche Studien belegt. So haben Forschende der Arizona State University herausgefunden, dass männliche Studienanfänger ihre Intelligenz höher einschätzen als weibliche Studienanfängerinnen.

Für das Phänomen, dass sich Männer über- und Frauen unterschätzen, gibt es in der Wissenschaft sogar einen eigenen Namen:

Man spricht vom Male-Hubris-, Female-Humility-Effect, also männlicher Hybris-, weiblicher Bescheidenheits-Effekt. Frauen unterschätzen sich eher. Männer halten sich hingegen für leistungsfähiger, als sie sind.“

  • Die ZEIT, Mai 9, 2024

Für Interessenten, auch männliche:

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35197904/

Nein, so ist mein Mann ja gar nicht, der „Maddin61“.

Er ist anders.

Schlimmer.

Er hat mir erlaubt, einmal meine Sichtweise hier darzustellen, also die „Wahrheit“ aus, ja, meiner „Sicht der Dinge“.

Seine sogenannte „Wahrheit“, nun, die kennt ihr ja.

Ich bin „die beste Ehefrau von allen, die er je hatte“.

Ja, das stimmt und ich freue mich über dieses Lob. Andererseits war er, „Maddin61“, wie er sich hier nennt, auch nur ein einziges Mal verheiratet, mit mir.

Er, mein Mann, nennt mich manchmal „Liselotte“ so wie einer der „Chefs“, die ich früher betreute, es auch tat.

Heimlich nannte ich ihn, den Manager, nur „Rudi Delicti“. Er nannte mich wegen meines Lachens „Liselotte“. Warum, das weiß ich nicht.

Liselotte Pulver?

„Kohlhiesls Töchter“?

Ich verwandte ’seinen‘ Spitznamen ’nicht‘ wegen seines Lächelns.

Und ich würde meinen Mann auch gern den „besten Ehemann von allen, die ich je hatte“ betiteln, allein, ich kann das nicht.

Ich bin nämlich mit elf Männern gleichzeitig verheiratet! Das ist anstrengend, denn ein einziger Mann kann die Nerven einer liebenden Ehefrau schon zum Zerreißen bringen.

Elf, das ist eine Fußballmannschaft!

Meine hat noch keine Meisterschaft gewonnen, ihre Deckung ist so schlecht wie die der Nationalelf des Vatikans.

Hier sind „meine elf Männer“.

Der Erste:

Im Urlaub in Spanien hat er des Öfteren junge Spanierinnen angesprochen, um sich nach Bussen, Wegen und Restaurants zu erkundigen, Argentinierinnen fragte er nach Steakrestaurants und Fabiana Cantilo. Alle diese Informationen hätte auch ich ihm geben können, denn ich nutze dafür einen Reiseführer und ein Mobiltelefon.

„Warum tust Du das?“, so frage ich meinen ersten Mann.

„Ich bin Antonio Banderas! Man erwartet das von mir!“

oder

„Darf ich mich vorstellen? Bardem, Javier!“

Der Zweite:

Auf Landstraßen und Autobahnen rührt er in der Automatikschaltung eines wunderbaren Citroen herum als würde er einen Teig zubereiten.

„Warum tust Du das?“, frage ich meinen zweiten Mann.

„Ich bin mal Rallyes gefahren! Damals nachts im Zelt, da sagte Walter Röhrl zu mir ‚Paris-Dakar, das ist die Hölle‘, Du!“

Der Dritte:

Mein Mann berät mich in Fragen der Bekleidung, er kommentiert auch Kleidungsstile anderer Frauen, lobend oder kritisierend. Allerdings ist sein Urteil nicht unabhängig von der Trägerin, das ist extrem auffällig.

„Du bist nicht objektiv, warum konzentrierst Du Dich nicht auf das gesamte Ensemble sondern kritisiert nur das farbige Tuch? Das passt alles zusammen!“ sage ich in kurzen Worten.

„Du, ich war mal Modeschöpfer, das habe ich Dir nie gesagt. Karl sagte zu mir in Montparnasse ….“

Der Vierte:

„Laber Rhabarber“, „Radio Maddin“, „Barbara“, „Guido“, das sind seine Rollen, in denen er sich verbal in der Realität bewegt. Glaubt Ihr etwa, das sei …. ‚entspannend‘? Könnt ihr 20 Stundan täglich Barbara Schöneberger zuhören? Ihrem „Bruder“? Nein!

Der Fünfte:

Manchmal etwas „Klaus Kinski“, laut und irre, ja, auch das sollte er aushalten können. Allerdings nicht so überzeugend, eher ein Kinski-Derivat aus einer degenerierten Seitenlinie, wenn ich mal den Hammer rausholen darf.

Der Sechste:

„Bruder Teresa“, so nennt er sich morgens, wenn er zwei Brötchen eingekauft hat und einen halben Liter Wasser heiß gemacht hat. Erbärmlich.

Der Siebte:

„George Clooney“, so sieht er sich nämlich selbst und versucht dessen Augenaufschlag vor dem Spiegel nachzumachen. Erfolglos, er bringt ja auch diese optischen Voraussetzungen nicht mit.

Trotzdem erwähne ich es hier, er will mir dafür neue Ballerinas „schenken“.

Lächerlich, wir haben ein gemeinsames Konto. Im Schuhgeschäft fragt er gleich nach einem Stuhl, anschließend flirtet er mit der Verkäuferin im Alter meiner Mutter, mit der jungen Aushilfe auch. Im Sitzen!

Der Achte:

„Ja, in den 70ern und 80ern war ich ein internationaler Star im Mittelfeld, aber ich wurde nicht entdeckt!“

Er denkt, er sei heute noch so gut wie Toni Kroos. Vor 10 Jahren sah ich ihn gegen unseren 14-jährigen Sohn spielen.

Nach einer leichten Schulterberührung pflegte ich meinen Mann mehrere Tage. Er denkt nie daran, dass er es trotz seiner „Fähigkeiten am Ball“ (seine Wortwahl, nicht meine!) mit Gegnern zu tun hat, die auch mit einem Ball spielen wollen. Überheblich.

Der Neunte:

„Der Beißer“ nennt er sich auch. Warum, das kann ich nicht sagen, kurz, auch hier gilt: Er hält sich vielleicht für größer als er ist.

„Bond, James Bond“ hat er noch nicht für sich entdeckt. Ich bete täglich dafür, dass das so bleibt. „Schatz, rühren, nicht schütteln“ zum Kaffee, das wäre mein ‚Armageddon‘.

Der Zehnte:

„Horst Schlämmer“, ja, davon weiß er nicht, ich habe ihm das nie gesagt, denn er macht nachts Geräusche, die an diesen Horst erinnern. Und „lustig“ ist das nur für Leser, nicht für Schlafende, „be assured“, auch so eine dämliche Angewohnheit, die ich hier von ihm kopiere.

Der Elfte:

Er heißt bei mir seit einigen Jahren intern nur „Olaf“, so spreche ihn sogar fast täglich an.

„Warum?“, fragt Ihr?

Er weiß alles besser, es ist manchmal nicht zu ertragen. Der elfte Mann in meinem Leben ist eigentlich der Schlimmste von allen.

„Basta!“, das kann ich auch!

–

Und was sagt er zu mir? Schlimmeres!

„Grace, Du bist so elegant“ und „Audrey, mein Reh“, aber auch „Du, Frau Bundschuh“ oder „Agnes“.

Ich will gar nicht wissen, was das mit „Agnes“ wieder auf sich hat. Mir schwant Böses.

Eure
Liselotte

„I is another“ oder „Die Schubladen im Himmel“

„I is another“ oder „Die Schubladen im Himmel“

Wurdet Ihr schon einmal mit einer anderen Person verwechselt? Hat jemand schon zu Euch gesagt, es gäbe jemanden, der ‚genauso‘ aussieht wie Ihr? Habt Ihr schon einmal jemanden verwechselt, weil da jemand war, der dem Gemeinten auf den ersten Blick so ähnlich sah?

„Wir wissen es ja nicht!“, sagte das kleine Kind in solchen Fragesituationen oft, wenn die Antwort allein der Himmel wusste. Oder der Wind, wenn Ihr Bob Dylan mehr vertraut als den höheren Kräften.

Es ist alles viel einfacher als Ihr denkt!

Im Himmel gibt es auch nur eine begrenzte Anzahl von Schubladen, in die bei Geburten gegriffen wird, anders kann es gar nicht sein.

Manchmal herrscht auch dort Arbeitskräftemangel und dann sitzt da ein Engel, leicht bekifft oder angesäuselt und nimmt immer Menschen aus derselben Schublade. Niemand auf der Erde ist dafür verantwortlich!

Ich selbst kenne das seit 50 Jahren, ich habe so ein Durchschnittsgesicht, dass ich oft für einen anderen gehalten werde.

„Thomas, ey, Du warst lange nicht beim Training“, hielt mich einer 1975 an .

„Nein, Du verwechselst mich, ich bin nicht ‚Thomas‘!“

Das geschah nicht nur einmal, ich hätte den „Thomas“ gern einmal getroffen. Habe ich etwa einen Doppelgänger? Oder gar mehrere?

So gern hört man das ja nicht, jeder möchte einzigartig sein und ist es auch, aber oft nicht äußerlich.

Ich weiß nicht, was eineiige Zwillinge darüber sagen können. Ich selbst würde Zwillinge nur identisch kleiden, wenn die das beide so wünschen. Ich glaube nicht, dass das so sein sollte. Es ist nur „niedlich“, vor allem für die Mütter, nicht immer jedoch für die Zwillinge.

Ältere Zwillinge kleiden sich sehr selten gleich.

Wenn mir Verwechslungen heute noch widerfahren, dann spiele ich mit, solange ich das schaffe, ein Rollenwechsel, ein Schauspiel!

Ja, das ist vielleicht nicht „nett“ von mir, aber es verhindert das Gefühl nur „einer von mehreren zu sein“ und leitet Energien weg von mir. Ich bin etwas seltsam, das ist möglich.

Endlich einmal „I is another“ im eigenen Leben!

„Torsten! Klasse! Wie lange ist es her?“

„Mann, was für ein Zufall! Du, das muss doch *Jahre* her sein, oder?“

„Ja, Du, sicher, wir waren ja auch im selben Verein!“

„Richtig, das hatten wir auch gemeinsam! Weißt Du noch, diese grausame Niederlage?“

„Klar, so was vergisst man nie! Norderstedt, das war die Hölle! Die erste Halbzeit!“

….. usw.

Man muss natürlich im Gespräch weitere Informationen entlocken, die man dann bestätigt und sich tastened ins Nichts weiterarbeitet.

Nicht leicht!

Blöd ist das ganze vor allem dann, wenn Ihr dann plötzlich merkt, dass Ihr den Typen doch kennt. Aber dann wäre es gut, dass Ihr nicht gleich „Nö, bin ich nicht“ gerufen habt.

Manche Leute erinnern sich nicht gut an Namen. Ich auch nicht immer, ich kenne so viele Namen, aber Kennzeichen von Autos kann ich mir immer merken, auch 50 Jahre später weiß ich noch viele von Nachbarn oder den ersten Autos von Freunden, Typ und Motor auch, klar.

Peters erstes Auto?
VW Golf, 70PS, Baujahr circa 1975, Vergasermotor, Kennzeichen XX-P 506.

Thomas‘ Eltern in unserer Siedlung?
Mercedes 280S, Baujahr um 1970, Kennzeichen XX-DB 5.

Meine weiß ich ja auch, alle, 20 Stück könnten es sein, unnütz ist das, überflüssig.

Das ist echt lästig.

Vor acht Jahren saß hier zum Beispiel eine Frau im Cafe, die zu laut sagte, wann sie Geburtstag hat, dann fuhr die in einem schwarzen Passat Variant weg. Ich machte noch eine unpassende Bemerkung, ich hatte nämlich Angst, dass ich das Datum speichere.

Der VW hatte die Rundscheinwerfer von 2008 und im Kennzeichen die Zahl 777. Ein Turbodiesel, 122PS oder der 140PS. Der mit 140 ist besser, aber das nur am Rande.

Die Frau hat am 15. März Geburtstag und vor circa 20 Jahren war die bei einer Vernisage, bei der ich auch war. Neulich habe ich die gesehen, aber ich war sofort genervt und will das neue Kennzeichen nicht sehen, neue Lasten will ich nicht.

Diese Passat halten nicht lange, wisst Ihr?

So, da bin ich vom Thema abgekommen.
Unnützes Wissen ist nämlich ebenso anstrengend wie Doppelgänger.

In meiner Stadt wohnt übrigens auch ‚Mathias Richling‘, witziger Typ, der Kabarettist, wir haben schon mehrfach zusammen gefrotzelt und gelacht. Ja, so sieht es aus.

Und ‚Carsten Linnemann‘ von der CDU, der arbeitet hier im Nebenjob in einem Fachgeschäft für optische Korrekturen von menschliche Augen, also der verkauft halt Brillen. Der drückt sich oft etwas zu kompliziert aus, auch bei Brillen, zu viele Fachbegriffe.

Nicht für mich kompliziert, aber für noch Ältere möglicherweise.

Sympathisch, genau wie im Fernsehen, konzentriert und mit offenem Blick für seine Realitäten. Etwas starr manchmal sein Blick. Neben den Brillen blickt er nicht so, nur bei „heute“ mit Marieta.

Nicht immer sind seine Realitäten auch meine, aber jeder hat ja nicht nur seine eigene Wahrheit sondern auch eine eigene Realität. Besonders, wenn Du nicht gut sehen kannst. „Mit anderen Augen sehen“, das könnte daher kommen.

Oder von Carsten Linnemann.

Der Name erinnert mich zusätzlich an Loriot, dicht an Erwin Lindemann, aber ‚Witze über Namen‘, die sind im Himmel in einer Schublade ganz unten.

Der Teufel hat den Schlüssel.

Macht keine Witze über Namen, da weiß jeder sofort, dass Ihr Kontakte nach ganz unten habt, das schadet Eurem Image!

‚Richling‘, klar, habe seinen Freund gefragt und Internetfotos von Richling gezeigt, der neben ihm saß, nicht ihm selbst, der kennt ja seine Bilder im Netz. 🙂

Und der Freund hat seinen Freund ‚Richling‘ auch als „Richling“ identifiziert!

Wir grüßen uns nun immer, der Mathias und ich. Der ist an sich sogar witziger als der echte Richling, weil der nur seine eigene Stimme braucht während Richling, der echte, immer aus den anderen Himmelsschubladen Stimmen klaut.

Der hat gute Kontakte, der echte Richling.

The Broad Street Café



The Broad Street Café

Früher, ja, vor mehr als 30 Jahren, da gab es das „Café Art“, mein Stammcafe in der Stadt. Das galt in der „Brigitte“ in den 80er Jahren als eines der schönsten Cafés in Deutschland. An sich sind die meisten meiner Unterrichtsstunden in dieser Zeit zunächst auf „Ratsherren Pils“-Blättern des „Art“ entstanden. Das ist ja 40 Jahre her, also fast.

Es fällt einem einfach mehr in großer Entfernung vom Schreibtisch ein, das ist viel freier! Außerdem konnte man als junger Lehrer die Aufgaben manchmal an anwesenden Gästen testen.

Nicht immer geht es um Rechnerei. Aber die Idee muss „passen“. Als mathematisch Verbildeter weiß man vorher manchmal nicht, auf welche Ideen andere kommen. Das auszuprobieren ist hilfreich.

Jedenfalls saß ich dort immer vor dem Tresen an Tisch 7. Nie hätte ich woanders sitzen mögen. Wenn der „besetzt“ war, habe ich auf der Treppe gewartet, bis „mein“ Tisch frei wurde. Das ist so ein Ritual, eine Gewohnheit, immer derselbe Tisch. Zuhause nimmst Du auch stets denselben Stuhl, ich sowieso.


Bis heute bin ich wesentlich lockerer geworden, also jedenfalls solange der Tisch am Fenster in meinen jetzigen „Broad-Street-Café“ frei ist. Es kommt sogar vor, dass ich draußen auf einer Bank sitze.

Aber nur auf der linken, nie rechts, auch wenn die frei ist. Da ist eine Spielhalle
zu dicht dran und die hat kein gutes Karma. Also nur für mich, rein mathematisch gesehen. Da gibt es nämlich nichts zu gewinnen.

Auch den Tisch unter dem Baum nutze ich teilweise, also wenn die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, mitkommt. Tisch hinter dem Fenster innen, die Bank vor demselben Fenster und Tisch unter dem Baum draußen liegen ‚exakt‘ auf einer Geraden, ein Grund für meine variable Präferenz der Platzwahl. Bei Regen stelle ich einen Stuhl in den geschützen Hauseingang nebenan. Ich liebe Regen, aber nass werde ich ungern.


Früher, da hat mal jemand im „Art“ an Tisch 7 gefragt, „ob Maddin schon da war“. Da lagen damals nämlich drei Zigarettenreste im Ascher, parallel gelegt, alle gleich lang, mit 1,5cm „Restweiß“ und dem gleichen Knick an exakt derselben Stelle.

Auch Zigaretten brauchen es gleichförmig. Ich würde mich als Zigarettenrest unwohl fühlen, wenn es im Ascher aussieht wie Gruppensex, das geht gar nicht. Dann lieber gleich ausleeren, damit eine gewisse Ordnung erhalten bleibt. Oder eben parallele Strukturen anlegen!

Das habe ich bei „Rauchen, Teil 1, 2017“ schon mal geschrieben, aber das ist lange her und ich hatte es vergessen. Manchmal wiederhole ich Dinge der Eindringlichkeit wegen mit Absicht. Hier nicht. Hier liegt eine Art ehrlicher Charakterstudie zu Grunde.

In meinem jetzigen „Broad-Street“-Stammcafe, also wenn mein Akku, also der vom mobilen Telefon, nicht meiner, wenn der also leer ist, dann würde mich meine Frau tagsüber dort zuerst suchen, abends dann in dem Abendcafe neben dem Theater.

Wenn ich mit dem Hund zu Fuß weg bin, dann würde sie wiederum in einer anderen süßen Einrichtung suchen. Ich mag Cafés relativ gern, vielleicht ist Euch das aufgefallen.

Ich bin relativ berechenbar, anders als Joshua Kimmich.

Hier, ich schreibe nämlich aus dem Schaufenster, arbeitet auch eine ganze Familie, zu sechst, der das Cafe gehört! Sie stammt ursprünglich aus einem ganz fernen Land, das heute schon lange keine Ruhe mehr findet.

Und Umay, die technische versierte Künstlerin aus der Türkei, Zoe, die Medizinerin aus Deutschland, Anna aus Pakistan, die normalerweiae im sozialen Bereich ihre Bestimmung hat, Sonja aus der Ukraine und die Annemieke, die ‚Viertel-Holländerin‘ ist, die alle machen Kaffee zum Niederknien. Annemieke hat eine Zwillingsschwester, die ist übrigens auch ‚Viertel-Holländerin‘, die Marleen.

Eigentlich weiß ich auch nicht, ob die beiden manchmal heimlich ihre verschiedenen „Jobs“ tauschen!

Und gut sehen die auch noch aus, die „Caffe Latte“ mit der „Schaummütze“ und dem gemalten Muster oben drauf.

Ich trinke immer dasselbe, das ist in meiner Natur so angelegt. So ein plötzlicher „Flat White“ aus heiterem Himmel würde meinen Tagesablauf zu sehr umkrempeln. Ansonsten bin ich natürlich ganz anders.

Da geht man kaum noch weg.

Zoe schon, sie raucht manchmal für die anderen mit, aber ich glaube nicht, dass ich das schreiben darf. Ich frage sie einfach mal. Wenn sie „ja“ sagt, dann lasse ich das so stehen. Ansonsten lüge ich mir etwas zusammen. Ihr merkt das ja gar nicht. Sie ist echt schnell, die schafft in 50 Minuten mehr als ich in 60 Minuten schaffen würde, die erarbeitet sich solche Minipausen. Niemand zieht eine leichte „Marlboro“ zügiger „durch“ als Zoe. Mit schnellem Schritt raus und schon ist sie wieder am Tresen, ich könnte das nicht in 2 Minuten.

Aber ich bin ja auch dreimal so alt.

Jedenfalls beglücke ich hier Schüler ab Klasse 11 mit meinen Zahlen und Buchstaben. Kostenlos, zweimal in der Woche für eine Stunde. Manchmal auch 90 Minuten, ich bin ja nicht unflexibel. Das läuft erst wieder „an“, manchmal kommen gar keine Logarithmen oder Logarithminnen und ich muss hier allein tippen oder lesen. Ist nicht schlimm, aber ich fühle mich dann doch etwas unterfordert.


Der netten Dame vom Ordnungsamt habe ich auch schon angeboten, dass sie zu ‚BSM‘ kommen darf, denn ihre beiden Töchter sind schon über 30. Sie will mich allerdings lieber im Parkverbot aufschreiben. Job ist eben Job, ich verstehe das gut. Ich wünsche mir immer, dass sie wieder einen netten Gruß dazuschreibt.

Der wäre mehr Wert als das Ticket.

‚BSM‘, das ist eine Abkürzung und bedeutet „Broad-Street-Math“. ‚Maths‘ ist britisches Englisch, ‚Math‘ ist amerikanisch, deshalb ‚Math‘ und nicht ‚Maths‘.

Mir gingen in den letzten Jahren einige wenige Briten im Musikbereuch schwer auf den Zeiger, wisst Ihr?

‚BSM‘ ist etwas heikel, ich weiß.

Ich lerne durch meine Mathematik indirekt auch andere Menschen kennen, die sind in ganz verschiedenen Altersgruppen zuhause. So ein Studentencafe, das wäre nichts für mich. Das vermittelt mir so ein „Altersfeeling“ und das fühle ich höchst ungern.

Umay berät mich manchmal kurz bei meinen Fragen zu optischen Gestaltungen, die ist schnell, sehr schnell. Da muss ich genau zuhören, denn sie sagt nicht alles zweimal, nur weil ich so alt bin. Da muss man hellwach bleiben. Sie spricht so schnell wie Hamilton Auto fährt. Lewis, nicht der Fotograf. Das tun Menschen, wenn sie noch schneller denken.

Bei mir geht das nicht, ich denke oft langsamer als ich spreche. Das ist kein Vorteil von Zeit zu Zeit.

Zuerst habe ich zu ihr im Spaß „L’Artista“ gesagt, dagegen hatte sie nichts.

Anna trägt viel schwarz, also „im Job“, aber wenn sie selten auch einmal ‚privat‘ erscheint, dann kommt einem ein Rausch von geschmackvollen Farben entgegen! Mutige Farben, aber keine lauten. Das verstehen nur Frauen und Modeschöpfer. Und sie spricht Deutsch, Englisch, Türkisch und Urdu. Wenn die jetzt auch noch Mathmatik „kann“, dann müsste ich eigentlich den „Caffe Latte“ zubereiten.

Dafür werden zwei Espresso „gezogen“, aber ich habe keine Ahnung, weshalb Espresso „gezogen“ wird. Man „macht“ einen Filterkaffee, aber keinen Espresso!

Also könnt Ihr am Tresen auch bitten:
„Ziehen Sie mir bitte einen Espresso!“

Ich bestelle grundsätzlich zwei „Caffe Latte, groß“. Den einen trinke ich morgens, den anderen am Nachmittag. Den zweiten würde ich Yoga-Sabrina überlassen, aber sie war in letzter Zeit nicht da. Vermutlich wegen eines Retreats im Süden Europas.

Zoe hat fast nur Schwarzes an, das passt wirklich immer zusammen, stilvoll. Der Kontrast zum hellen Milchcafe ist gut. Ich glaube aber nicht, dass das ein Einstellungskriterium war, weil alle anderen unterschiedliche Farben zulassen.

Sonja aus der Ukraine und Annemieke oder Marleen, man weiß das nicht, kenne ich erst einige Tage.

Aber man kann sagen, dass da die halbe Welt am immer gleichen „Caffe Latte“ arbeitet!

Eigentlich ist das wie ein Kurzurlaub.

Teilweise gehe ich denen bestimmt auf die Nerven, wenn ich Fragen am Tresen stelle. Aber die lassen mich das noch nicht merken, sehr angenehm. Zoe ist da sehr cool, wenn ich eine „Du, eine 30-Sekunden-Frage“ habe.

„30 Sekunden habe ich“, sagt sie dann.

Das mag ich total, diese Klarheit ihrer Aussagen einem alten Mann gegenüber. Deshalb stelle ich ihr auch die meisten Fragen, nur so, weil mich das so freut, wie sie sehr elegant auf Kürze besteht. Jedesmal hat das ‚Klasse‘. Wenn mir keine zweite Tages-Frage einfällt, ärgere ich mich, aber die sollte eben auch ‚passen‘.

Meine gleichaltrige Tochter ist da wesentlich direkter mit einem schlichten „Nö“.

Neulich hat sie drei Studenten nach 30 Gesprächsminuten mit einem plötzlichen „Na dann: Tschüß“ verabschiedet. Schlecht finde ich auch das nicht. Sie kann auch „so, wohin geht ihr denn jetzt hin?“ zu fünf Jungs sagen.

Früher gingen Frauen einfach weg, heute schicken sie ganze Männergruppen weg.

Sehr gut.

Ich schicke meine Tochter bald einmal zu Zoe für den Grundkurs in „Eleganz“.

Heute war keiner da für meine Graphen, Zufälle und Skizzen, deshalb habe ich gedacht, ich schreibe mal etwas zum Ort des Geschehens, das ausfiel. Außerdem wollte Umay, dass ich das versuche. Hoffentlich ist sie nicht so streng mit diesem Text, ich habe da doch ein wenig Respekt.

Neulich hat eine Nachbarin von mir gesagt:

„Mathe im Cafe? Kostenlos? Das kann ja nur schlecht sein!“

Ja, mancher sieht das so, ich musste lächeln. Die Nachbarin war früher nicht so gut in Mathematik, glaube ich.

Ganz falsch ist der Gedanke ja nicht, aber auch etwas oberflächlich.

Ich glaube, ich biete ihr an, dass sie als einzige für ihren Sohn bezahlen muss, damit sie das nicht so „schlecht“ findet.

Black And White

Black And White

-English Version, original from 2017

„Life happens in the gray area.“

For some reason I said this to Ira and she was a little upset because she thought it was so „negative“.

I didn’t mean it that way at all.

„Gray“ is a wide range, from slightly dirty white to charcoal to an almost black that glistens slightly in the sun. An innocent, pure white is as rare as a deep, pure black.

Perhaps both extremes do not exist at all, or only rarely, in exceptional situations. Even a hiccup in the morning destroys a white morning of absolute happiness, and a dog wagging its tail paints over any black with a slight sheen.

So life is gray in a positive sense!

I always have two marbles, black and white, in my right pocket. You can use them to play little games with a small child, like who has to fetch the water bottle from the basement.

Boccia with a stone as a „pig“ or who can roll their own marble closer to the wall. She always wants the black one. You can also play with it yourself. It’s usually good to have something nice and smooth between your fingers. Marbles are better than cigarette lighters.

I give the two marbles to friends from time to time. Then, after a day without marbles in my pants, I always have to get two new ones. Sometimes I’ve given them to the artists after a great concert, in short, I always have them with me, even to give them away. Some people are so happy about it that they pick them up, which makes me happy again and brightens up the gray.

Patti Smith and Lucinda Williams have some, for example, and so do Frazey Ford, Andrea Schroeder and Margo Timmins from The Cowboy Junkies. And Hannah Aldridge too, since yesterday, of course.

It irritates men, I don’t even try.

If you ask people where their lives currently fall between white and black, most of them place themselves in the middle, sometimes a little to the right, sometimes a little to the left, the lighter gray. No matter ‚where‘ their life ‚is‘ currently in between, they always look a little serious and thoughtful.

Marc said, „Wait, I’ll have a light beer after the first one, please.“

That’s how the guys are.

And black and white are extremes that only make sense together. After several days of white, the black ball reminds me that ‚black‘ still exists. And when it gets very dark, a little white hope is a great comfort.

Two gray balls would be boring.

And life is not.

😀

Das Spiel mit ihr


Das Spiel mit ihr

Der Mensch braucht Herausforderungen, Beschäftigung und Erfolge. Und Lob, Lob ist ganz wichtig, das bestätigt, das lässt Dich wachsen.

Wenn man das zu wenig bekommt oder erhält, dann sollte man selbst dafür sorgen.

Zum Beispiel kann man das Auto sauber halten, oder Schuhe, das ist eine „Beschäftigung“. Gleichzeitig steckt darin eine „Herausforderung“, die darin besteht, dass man Verschmutzung ‚danach‘ möglichst meidet.

Große Pfützen und dunkler Matsch sind beispielsweise die natürlichen Feinde sauberer Schuhe. Dann sollte man den Weg entsprechend planen oder diese Stellen umgehen. Einfach.

Ein „Erfolg“ ist es, wenn man bei Regen nach dem Hundespaziergang denkt:


„Mann, die sehen ja noch gut aus!“

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, versteht das nicht. Dafür Lob zu bekommen, ist schwierig.

Sie sagt, wenn ich wegen einer erdigen Stelle einen drei Meter längeren Umweg über eine Pflasterung nehme:

„Stell Dich nicht so an!“

Klar, dass das nervt. Aber *ich* putze ihre Schuhe, wenn sie das wünscht. Sie fragt mich selten obwohl ich ausgesprochen gern Schuhe putze.

Man braucht für „Lob“ eben kleinere Umwege, zum Beispiel beim Abstellen eines Autos:


Am liebsten behalte ich Autos lange, eines hatte ich sogar 18 Jahre lang, das ging nicht kaputt.

Den jetzigen haben wir schon 10 Jahre, der ist aber schon mit der Pubertät „durch“, ich lehne den teuren Kauf neuer Automobile nämlich ab. Den hohen Wertverlust bürde ich anderen auf, die ein neues Auto kaufen, wenn das alte schmutzig ist oder wenn sie meinen, das neuere Modell sei besser.

Männer denken das selten sogar bei Frauen, Lothar Matthäus zum Beispiel oder Gerhard Schröder. Elisabeth Taylor war auch so ein Fall, ist mir aber alles egal.


Sauberkeit, ja, Karl Lagerfeld warf Unterhosen nach einmaligem Gebrauch weg, das wäre bei Fahrzeugen jedoch übertrieben, ich habe das schon mal erklärt, das mit „KL’s“ Hosen.

Bei Unterhosen kann man 30 Stück kaufen, bei Autos ist das komplizierter zu organisieren. Die kann man in größerer Stückzahl auch nicht im Internet bestellen, jedenfalls nach meinem Kenntnisstand.


Bei einem alten Auto weiß man, wo das endet, deshalb will ich fast nie ein neues, denn dann kommt so eine Gewöhnungsphase mit Abstandskontrollen beim Einparken. Diese Piepser sind ja Mimosen, die piepen bei 30cm Abstand, ich verachte so etwas. Mein tolerierter Abstand vor Wänden in Parkhäusern ober zuhause vor der Papiermülltonne liegt bei 5cm oder lieber noch darunter. Habe ich einen schlechten Tag mit 10cm Abstand nach der visuellen Kontrolle im Parkhaus, starte ich neu und fahre dichter an die Wand. Kommt selten vor, es ärgert mich in gewissem Maße, wenn ich so versagt habe. Andererseits steigere ich so meine Resilienz. Das Wort ist gerade in Mode.

„Stell Dich nicht so an!“


Nein, das ist nur ein Spiel mit guten Erfolgsaussichten! Aber man muss sich mit dem Auto auskennen. Und man darf nicht nach 2 Jahren ein neues Auto wollen. Und wenn meine Frau dabei ist, dann steige ich auch bei einer unkonzentrierten 15cm Distanz nicht wieder ein, aber wohl fühle ich mich dann nicht.

Hinten muss man immer wissen, ob die Anhängerkupplung dran ist oder nicht. Ich will, dass die immer dran ist, meine Frau baut die aus merkwürdigen Gründen manchmal ab und dann habe ich hinten ein Dilemma von 20cm, wenn sie mir das nicht gesagt hat.

Vorn sind 20cm natürlich eine Katastrophe. Nicht jeder Mann sieht das so.

Gute Kommunikation ist wichtig bei der „AHK“, ich will nicht vor jedem Start prüfen, ob die dran ist oder nicht.

In Holland habe ich einmal vorn einen kleinen Kratzer verursacht, das war 2016, aber den lasse ich so, es ist ein Mahnmal. Meine Frau hatte beim Einparken eine Frage gestellt. Man stellt als 30cm-Abstandsfrau beim Einparken einem 5cm-Mann keine Fragen. Ich mache ja schon extra beim Einparken die Musik aus.

Beim Parken an Bordsteinkanten hintereineinander arbeite ich auch mit der 5cm-Reifenabstandsregel. Leider besteht da eine Abhängigkeit vom Führer des Fahrzeugs, das die hintere Begrenzung der Lücke bildet. Man orientiert sich ja an diesem, die Bordsteinkante sieht man nicht, Spiegel elektrisch zu verstellen, das ist wirklich lächerlich, ich hatte früher gar keinen Spiegel rechts.


Man kann das oder man kann das nicht. Wenn der hintere also ein 20cm-Rand-Abstandsparker ist, dann landest Du unwissentlich auch bei 20cm, wenn Du Dich auf den verlässt. Dann muss man nochmal raus aus der Lücke und das verbessern.

Ich bin nicht gern abhängig.

Bei der Geschwindigkeit auf Autobahnen liegt bei mir ein kleines widersprüchliches Phänomen vor, das gebe ich zu. Ich fahre niemals in Eile, nie, dann komme ich lieber zu spät, ich lasse mich von einer Beifahrerin nicht hetzen, wenn sie auf die Minute pünktlich sein will.

Dann soll sie mit der Bahn fahren.

Jedenfalls fahre ich nachts bei guter Musik auf einer leeren Autobahn ohne Tempobeschränkung manchmal nur 110km/h mit Hilfe des Tempomaten, dann freue ich mich über den Verbrauchswert von 4,5 Litern, aber ich bin nicht sparsam, ich mag nur kleine Zahlen in der Anzeige. Es geht mir weder um die Umwelt noch um das Bankkonto. Es ist gemütlich so dahinzurollen.

Wenn jetzt aber eine Beschränkung zum Beispiel auf 120km/h vorgegeben ist, dann reize ich das bis an die Grenze aus, in jedem Land Europas mache ich das so, da bleibe ich nicht einen einzigen Stundenkilometer ‚drunter‘.

Der Tachometer ist dafür viel zu ungenau, der zeigt bei mir 127 an, wenn reale 120 vorliegen, das kontrolliere ich mit einem alten Garmin-Verkehrsleitsystem, ich komme nicht auf das übliche Wort für Endnutzer.


Aber, wenn die blitzen, dann gibt es eine Toleranz von 3km/h, also stelle ich den Tempomaten so ein, dass das GPS-System 123km/h anzeigt. An Steigungen ist da manchmal eine kleine Korrektur notwendig, wenn man wegen technischer, interner Abläufe auf 122km/h zurückfällt.

Die Regeln, die mache ich entweder selbst oder ich arbeite hart an der erlaubten Grenze. Leider kann ich nicht erklären, warum ich das tue, aber mir geht es damit einfach besser.

Es geht mir nur um das Spiel mit ihr, mit der Regel.

Außerdem überhole ich dann diese „Tachofahrer“ mit 131km/h auf meinem eigenen. Aber es geht mir nie darum ’schneller‘ zu sein, das ist mir völlig egal, ich will nur nicht „braver“ sein als die Regel erlaubt.

Das ist so eine kleine Grenzerfahrung, wisst Ihr? Der Tempomat, das ist eine tolle Erfindung im letzten Jahrhundert gewesen!

Verkehrszeichenerkennung mit automatischer Geschwindigkeitsanpassung, Heckkameras, Parkpiepser, automatisches Einparken, Spurhalteassistenten, Park-Distance-Control, das möchte ich alles nicht. Es wird immer schwerer, den ganzen Mist zu umgehen.

Pferde hatten das früher nämlich auch nicht.





Mein alter Dollar

Mein alter Dollar

Ich besitze zwei Dollar.

Der eine ist eine weiche Silbermünze von circa 1887, ich habe jetzt nicht nachgesehen. Den hat meine Mutter nachdem sie Ende der 50er mit ihrer eigenen Mutter in die USA auswanderte mitgebracht. Sie kam nämlich 2 Jahre später auf Wunsch ihrer Mutter wieder zurück. Dass dort überwiegend Englisch gesprochen wird, das war den beiden offenbar nicht ganz klar.

Die Rückkehr war aber mein großes Glück, weil ich sonst vielleicht gar nicht existieren würde. Ich habe große Probleme, mir diese Situation im Detail auszumalen. Immerhin habe ich so mit dem Silver Dollar ein Erinnerungsstück, die anderen sind nämlich woanders gelagert. 😉

Der zweite Dollar ist auch schon 8 Jahre alt, den hat mir eine mathematische, sehr ordentliche, weibliche Begabung mitgebracht nachdem sie mit ihrem Vater in San Francisco war.

Ihr kennt ja die Straßen dort aus dem TV mit Michael Douglas und dem mit der Knollennase. Auf den Namen komme ich gerade nicht. Irgendwas mit „Karl“, in der deutschen Schreibweise! Sucht mir den bitte mal raus!

Dieser zweite Dollar führt seitdem ein ruhiges Leben in meinen Portemonnaie. An sich will ich den auch behalten, so für den Notfall. Und eigentlich auch als Erinnerung an Geometrie, Analysis und Stochastik bei Anneli. Die hatte mich nämlich aus einem mathematischen Tiefdruckgebiet befreit!

Jetzt hatten wir hier so viel Staub aus der Sahara wie in Andalusien auch, aber das ist eine andere, viel weiter entfernte Küste hier!

Staubige Autos mag ich nicht besonders, das haben sie mit staubigen Schuhen gemeinsam. Ansonsten lege ich auf extreme Sauberkeit keinen allzu großen Wert. Eine Ausnahme sind da zum Beispiel nur die Leichtmetallfelgen. Die sollten aussehen wie neu, das sind sozusagen die Fingernägel eines weiblichen Automobils.

Männliche Fahrzeuge haben meist ungepflegte Nägel.

Am besten reinigt man die mit Bref für 3,89€, mit dem Backofenspray. Das war mal ein Tipp von einem, der so einen Autopflegedienst hat.

Gut und fett einsprühen, aber nicht auf die Reifen, bitte. Dann 15min warten oder in dieser Zeit mit dem Hund „Sitz!“ und „Platz!“ üben. Es ist mit Bremsstaub und Schmutz, der heiß eingebrannt wird, ein ähnlicher Vorgang zu betrachten wie der, der sich in einem handelsüblichen Backofen beim Braten und Backen abspielt. Fett steigt dort auf, schlägt sich nieder und wird eingebrannt. Eine Entfernung ohne regelmäßige Pflege ist mühsam. Ja, auch ein Backofen sollte ein gewisses Niveau bei der Reinheit haben.

Dies als Erklärung für Zweifler, die lieber 35,99€ in einen Felgenreiniger investieren. Sicher, ein teures Automobil könnte sich durch ein Küchenprodukt beleidigt fühlen, das gebe ich zu.

Allerdings *bezahlt* der fahrbare Untersatz den teuren Reiniger *nicht*. Ihr seid also argumentativ recht gut aufgestellt.

Mann, das habe ich doch inhaltlich schon mal geschrieben, aber ich weiß nicht mehr wo. Vielleicht privat an einen Autoliebhaber, allerdings nur kurz und daher viel „männlicher“.

Danach mit dem Hochdruckreiniger absprühen! Etwas mit Zewa nachwischen, fertig. Bei Altfelgen, die sich seit mehr als 10 Jahren drehen, das Ganze bitte zweimal durchführen. Ich empfehle dazu Einweghandschuhe. Ein sauberes Auto verliert seine Außenwirkung, wenn der Fahrer schwarze Fingernägel hat! Statt Zewa gehen auch preiswerte Ersatzprodukte, bei Bref aber bitte nicht. Ihr kauft ja auch kein billiges Parfum, wenn Ihr heiratet.

Um was ging es nochmal? Ach ja, der Saharastaub! Der muss runter, dafür braucht man einen Euro, zumindest bei einem großen Kombi. Für einen Golf reichen 50cts, wenn man so schnell arbeitet wie ich es gewohnt bin.

Leider hatte ich nur 50cts für den V70 übrig und riskierte es, aber es reichte nicht. Dann entdecke ich den Dollarschein im Portemonnaie und beschloss, ihn zu investieren. Die erste Frau wollte ihn nicht gegen einen Euro tauschen, die war jung und kannte sich vermutlich aus. Also schenkte sie mir den Euro! Ein sauber abgesprühter V70 wirkt größer als ein staubiger, er rollt auch gleichmäßiger.

Einige Tage später wollte ich mir mit der Karte für 5€ dieses Spielgeld an der Waschanlage holen, aber man kann da gar nicht mit der Karte zahlen! Die Bank ist weit weg und ich bot einfach erneut den Dollar an! Wieder wollte ihn keiner haben. Zuletzt bekam ich aber einen Euro für einen Test mit Backofenspray am linken Vorderrad eines 5er BMW 3.0d. Der hat heute gar keine 3 Liter Hubraum mehr wie der E39, aber das nur am Rande. Ob der noch 6 Zylinder hat wie meiner früher? Ich bezweifle das.

Beim dritten Mal war das schon Routine für mich, den Dollarschein von Anneli biete ich immer an, aber wenn jemand den annehmen will, dann finde ich bestimmt noch jemanden, der den nicht will und mir trotzdem aus der Patsche hilft.

Bargeld ist für mich mittlerweile ein wenig wie die Reichsmark, ich bin jung, dynamisch und ich liebe saubere Autos.

Unfassbar, dass es keine Kartenzahlung bei Selbstwaschanlagen gibt. Ich würde ja gern zahlen, ich kann mir das leisten, aber doch nicht so.

Die Bank ist 4km entfernt!

2024!
In Deutschland!
Unglaublich!

Fußball, Autos & Frauen

Fußball, Autos & Frauen

Hier geht es heute einmal nur um uns, um uns Männer! Das darf, das muss, das sollte auch noch einmal möglich sein. Die Frauen wissen an sich alles über uns, also müssen sie das hier nicht lesen. Hier ist die korrekte Absprunghöhe erreicht und ich wünsche allen Frauen einen sanften Flug in die eigenen Gewissheiten.

Nur für Männer!

Ich meine eigentlich, dass die Frauen „denken“, sie wüssten alles über uns. Natürlich schreibe ich das nicht sofort, sondern erst hinter dem „Notausstieg“ oben. Als Mann sucht man auch manchmal so eine Art „Schutzraum“ auf. Den brauchen auch wir, nicht nur die Fraktionen mit anderen Geschlechtsausprägungen oder -wünschen.


Wir schützen uns mit unseren drei Themen! Die gehören nur uns, zumindest fast.

Kurz: FAF.

Ach, sorry, mir fällt gerade das Pärchen neben uns im argentinischen Restaurant am letzten Andalusien-Abend in Malaga ein. Ein wahrlich tolles Angebot dort, wir hatten den Tipp aus einem Schuhgeschäft von zwei Argentinierinnen aus „BA“ und Mendoza. Es gab nur Schuhe für Frauen, also musste ich mit denen sprechen. Die sangen im Laden leise zur Musik aus dem Lautsprecher! Über „Bluetooth“, davon halte ich noch weniger als von Damenschuh-Geschäften.

Leider konnten mir beide schmalen, freundlichen und humorvollen Servicekräfte aus Argentinien mit verwegenen Caps im Restaurant etwas später nicht sagen, wo sie ihre rauchigen Stimmen einkauften.

Irgendwie spreche ich gern mit Argentinierinnen.

Mein Verdacht bei den Stimmen ging in Richtung rauchender Gauchos auf wilden Pferden in ihren Ahnenreihen mit selbstgedrehtem schwarzen Tabak, die sich nur lautstark im Zaum halten ließen. Die Pferde, nicht die Ahnenreihen. Lest das einfach nochmal, ist alles etwas kompliziert ausgedrückt.

Wir Männer hören ja oft auch nicht so genau zu, ich auch nicht. Ich denke nämlich ständig nebenbei an Fußball, Autos und Frauen.

Vor allem an meine, klar.

Ach, das Restaurant, ich kann kein Multitasking, sorry.

Steak, das ist einfacher, aber trotzdem schwer sehr gut zuzubereiten. Ich brauche es manchmal so blutig. Aber nur auf Tellern, nicht in Filmen. Ich bin ein wenig sensibel, das darf aber niemand merken.

Das Pärchen nebenan, richtig, die kleinen Tische waren einfach etwas zu nah gestellt, da hört man ungewollt mit. Selbst wenn ich mit der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, noch vor dem Essen beim Knabbern von knackigem Brot ein Bundesliga-reifes stilles Streitgespräch über Verkehrslenkung führen durfte, ich höre leider, leider alle Inhalte vom Nebentisch in Stichworten mit.

Es ist nicht meine Schuld, wenn der ältere Herr meines Alters mit seiner grazilen jungen Freundin zu laut sprach!

Nein, das war nicht seine Tochter. Töchter nicken nicht so still. Töchter widersprechen!

Sie sprach uns zweimal kurz an, so zu der Zeit als er einatmete, kurzer Austausch in deutscher Sprache, sympathisch und lebendig.

Die sechs Meter vom Bad zurück an den quadratischen Tisch mit weißer Decke bewältigte sie ebenso routiniert wie elegant. Konnte man kaum optimieren, meine Frau sah das anders, aber die kann das ja auch so.

Ansonsten konnte ich sie, die andere, am Nebentisch in 100cm Entfernung nicht hören, auch meine Frau nicht. Entweder hören wir beide nicht mehr so gut oder sie sprach sehr leise oder sie schwieg.

Meine Vermutung geht in Richtung des Letzteren.

Worüber sprechen Männer im Allgemeinen am liebsten? Ein Vorurteil, sehr verallgemeinernd, besagt, dass sie gern über Fußball, Autos und Frauen sprechen. Das ist nicht schlimm, aber wenn ein Mann sich mit einer beliebigen Frau unterhalten will, sollte er erstens zuhören können und zweitens mindestens eine vierte Thematik in petto haben! Manchmal rede ich dann über Bob Dylan. Aber der interessiert die meisten Frauen auch nicht mehr als „FAF“.

Als Thema 4 alternativ zum Beispiel Einrichtungsfragen, Mode, Gartenarbeit, Haushaltsgestaltung oder Blumen. Oder Theater, Kunst, TV-Serien, Stars und King Charles. Oder Netflix, wenn es gar nicht anders geht. Oder Urlaubsziele. Oder Haustiere. Oder was man gern kocht oder isst.


Interessiert mich an sich alles gar nicht so sehr, aber ich versuche es mit Anpassung.

Sicher sind das schwere Themen für uns aber eines davon ist immer gut. Frauen können auch selbst thematisch eingreifen, aber schwerlich bei unseren 160 auf der verbalen linken Spur oder beim Elferschießen in der männlichen Erzählung. Also muss man als Mann auch mal runter vom verbalen Gas und muss einfach mal den verbalen „Elfer“ absichtlich verkacken.

Wir sind ja unter uns, Jungs.

Eine Meisterschaft gewinnt man defensiv, nicht mit verbalem Trommelfeuer während eines Drei-Gang-Menüs! Ich kann aber nicht anders als offensiv „FAF“ zu spielen.

Bei einem „Date“ über andere Frauen oder gar Verflossene zu sprechen, ist ein No-Go, klar.

„Autos“ interessieren Frauen als Mittel zur Fortbewegung und aus rein praktischen Gründen. Frauen sprechen untereinander eher selten über ihre meist aus guten Gründen bevorzugten, praktischen Kleinwagen.

200PS benötigt man in städtischer Umgebung an sich aus anderen Gründen als denen der besseren Beweglichkeit. Ich selbst hätte auch gern 200PS wie früher, aber in meinem Alter muss man dann auch mit Fehlinterpretationen leben. Mir reichen deshalb also 197PS. Mit nur 34 oder 54 in meiner Jugend, da fehlte mir dieses Maskuline am Steuer, ja.

Unsere Nachbarin hat 384PS, das hier nur als eine wunderbare, nahezu maskuline PS-Ausnahme, deren Existenz ich nicht bestreiten möchte.

Ich habe keine Vorurteile, ich bin total offen für stärkere Automobile, auch und gerade bei Frauen. Aber sie müssen damit umgehen können. Manuell schalten und so, wenn es nötig ist. Mit 384PS ist das egal, mit 100PS nicht. Ich liebe einfach meine Zahlen, das ist alles, echt jetzt.

Also „Autos“ sind kein gutes Thema für Männer im Gespräch mit Frauen.

Es bleibt noch „Fußball“, also Champions-League, La Liga, Premier League und die Bundesliga.

Alle gab es am Nebentisch in der Konferenzschaltung, Schwerpunkt Liverpool, City und Real. Danach die Analyse zur Meisterschaft unter Xabi Alonso. Ich hätte echt gern mit ihm gesprochen, aber kann ich seine Freundin bitten, mit mir den Platz zu tauschen? Im Urlaub, am letzten Abend mit meiner Frau?

Nein! Leider nicht!

Oder kann die dunkle Grazie am ersten oder zwanzigsten Abend mit ihm mit mir tauschen, dem anderen Fachmann für PS und Bälle? Sie war sogar zweimal im Bad, in 40 Minuten, vermutlich zur akustischen Erholung. Er hat dann kurz das Handy vollgelabert. Aber wieder sehr elegant in der zweiten Halbzeit die Rückkehr von ihr, diese Querung Argentiniens ohne Blick in die vollen Tribünen an den Tischen. Ich hatte wieder sofort den Faden im Gespräch mit meiner schönen Frau verloren. Schwierig.

Nicht einfach ist auch „mit ihm mit mir“. Aber das ist wieder so ein Detail, das ich vergesse wie einen Einwurf beim Fußball. Unwichtig.

Jedenfalls war das der erste längere Urlaub von der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, und mir seit 25 Jahren ohne große oder kleine Kinder, wunderbar!

Malaga, Cordoba, Granada, Ronda, Senil, Cadiz, Tarifa, Gibraltar und zum Schluss Sevilla mit der Feria und am letzten Tag in der Nachspielzeit noch Malaga mit dem Elfmeter.

Verwandelt!

Klar, ich fuhr immer den Leihwagen seit ich wieder gut sehen kann, meine Routine ist unverzichtbar, besonders beim Halten der Drehzahl über 3000 Touren und in Serpentinen. So ein Dreizylinder ist zwar recht sonor, braucht aber immerwährende Muskelanspannung. Ich bin ein „Auskenner“, ja, das dürft Ihr ruhig wissen.

„Senil“, so heißt der Ort mit den Häusern eingepasst in die steilen Felsen gar nicht, das ist so ein kleines „Korrekturritual“ für meine Frau, der Ort heißt richtig „Setenil“, aber sie hat ihren Verbalrotstift so gern. Warum sollte ich ihr den Einsatz verweigern? Also sage ich immer „Senil“. Immer.

Und sie korrigiert: „Se-te-nil!“. Immer.

Das, der Urlaub zu zweit, war an diesem Abend eines unserer Themen mit der Nummer 4. Meiner Frau ist alles mit Alonso, Tah, Andrich und dem kleinen Künstler mit der Playmobil-Frisur total egal. Genau, das wollte ich ihn am Nebentisch auch fragen. Wie heißt der nochmal? Wurtz!

„Mit Brille und Buch auf’s Klo gehen, reicht nicht aus zum Klugscheißen.“

Bei „Fußball“ macht mir nämlich auch keiner etwas vor, Jungs! Keiner! Außer dem Heinz, der ist aber über 80 und der weiß zehnmal mehr als ich, jedenfalls bei Fußball. Ich denke aber, dass das eine Frage der Lebenserfahrung ist. Wenn ich 80 bin, dann weiß ich vielleicht mehr über Fußball als Heinz heute!

Ach, das mit Brille und Klo galt jetzt auch wieder „politisch“ für die in Blau. Sorry, aber „Politik“ ist als Thema zwischen Mann und Frau auch nicht so optimal. Da bin ich bei Susanne auch mal richtig auf die Fresse gefallen und habe schnell das Thema zu Automatik-Getrieben umgelenkt. Die hatte so komische Theorien, nein, dann lieber keine Politik.

Sorry, Thema leider wieder verfehlt. Immer kommt etwas dazwischen. Über „Männer“ dann eben ein anderes Mal, auch gern mit mehr „Auto“ und mehr „Fußball“.

Männliche Lebensziele

Männliche Lebensziele

Ja, klar, einen Baum pflanzen, ein Haus bauen, Kinder zeugen. Nein, so kompliziert und teuer müssen Ziele nicht sein, echt nicht! Ja, so ein Baum, ist schon toll, aber ich mache das mit Handschuhen, ich bekomme sonst den Dreck so schlecht weg, Haus bauen, ja, ok, ich war mit 8 damit fertig, mit Lego, aber die Dachsteine reichten nie, also Bungalow mit abgeschrägtem Dach ringsum. „Kinder zeugen“ finde ich vom Begriff her blöd, Kinder sind einfach toll, das beste aller männlichen Ziele.

Das Problem: Es geht nur mit einer Frau bzw mit einer Frau einfacher.

Es kann Kinder nur als gemeinsames Ziel geben. Gut, es gibt Männer, denen das egal ist.

Mathematiker kennen hier „notwendige und hinreichende Bedingungen“, das verstehen viele falsch, vor allem im Zusammenhang mit Frauen und Kindern. Zu viele Frauen und zu viele Kinder können verwirren wie Strickgarn. Aber alles ist lösbar, dauert aber eben auch.

„Hund erziehen“, das fehlt, ist aber für die menschliche, männliche Entwicklung notwendig, damit das maskuline Individuum weiß, dass es stärkere Mächte als das eigene ‚Ich‘ gibt, auch ohne die Frauen.

Rainer ist jetzt 62 und träumt immer noch von einem 911er Porsche, also er redet darüber genau wie vor 30 Jahren, sieht aber anders aus und fährt aus Gründen der eigenen Beweglichkeit bereits einen SUV. Ich glaube beim Design an Schweden, die Unterschiede beim automobilen Gestalten zwischen Asien und Europa nehmen ja tendenziell ab, speziell bei der Hässlichkeit von Automobilen und besonders im angeblichen Off-Road-Segment. Wenn man mit einer Maurerkelle mit 75 Jahren aus dem 911er herausgeschnitten werden muss, ist der Coolness-Faktor niedriger als vor 40 Jahren.

Sorry, kurze Pause, es geht gleich weiter, keine Ruhe hier im Flieger.

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, kam eben vom Bad bei Ryan-Air in 10000m Höhe zwischen Malaga und Hamburg. Wieder im Sitz lehnt sie sich zu mir hinüber und fragt mich ganz leise wie eine Verschwörerin:

„Du, ist blöd, ja, aber wo geht *das* eigentlich *hin*?“

„Nach Frankreich! Der Franzose ruft dann *Merde*!“

Friedrich will als Ziel an sich nur seine Ruhe, vor allem bald, am besten schnell, nach der Pensionierung. So mit dem Wohnmobil nach Sizilien und so. Ja, gut, das verstehe ich, aber so ruhig wie zuhause wird das auch nicht. Und Dixi-Klos, ich weiß nicht, das blaue Zeug, die schwimmfähigen Teile, nein, ich fahre Bahn, ich fliege oder ich bewege mich wie es die Natur vorgesehen hat: in einem Auto. Ich fahre auch gern Rad, von der Küche über die Treppen zum PC gehe ich zu Fuß. Ich lege mich da gar nicht fest. „Wohnmobil“ ist mir zu fest wohnraum-technisch gesehen. Wenig Platz, immer aufräumen und die Frage, welche CDs nimmt man mit und wie viele sind zu viele? Meine Frau benötigt ja auch Raum, so zum Umdrehen.

Meine eigenen Ziele habe ich längst erreicht, aber es gab zwei, nein, jetzt nur noch eines, das ich nicht erreicht habe: Immer wollte ich einmal maßgefertigte Schuhe haben. Das ist ein sehr teurer Spaß, aber sie sollen auch 20 Jahre halten und dann kann sich das rechnen.

Es ist aber wie beim Porsche: Die Alter muss noch passen oder die Zeit muss noch reichen. Was helfen mir Schuhe für 20 Jahre, wenn ich die uU nicht mehr auftragen kann? Die passen ja nur mir und die sind auch zu schade, wenn ich die noch in 100 Jahren nutze. Ein Dilemma, besonders, weil ich die dann nicht mehr putzen kann. Wer soll das übernehmen? Wie setzt man das um? Also, Maßschuhe, das mache ich nicht mehr, die erzeugen jetzt absehbar mehr Probleme als sie lösen.

Wenn Ihr unter 40 seid: „Macht et!“ … und schreibt darüber. Auch wie ihr putzt, bitte. Müssen die immer ganz durchtrocknen? Welche Creme? Welche Bürste? Denkt bitte an mich und mein verpasstes Ziel, ich will alles wissen.

Kurze Pause nochmal, sorry.

30 Minuten später ist die Dame aus Japan aus unserer Reihe weg.

Ich frage: „Du, wo ist denn *Asien*?“

Meine Frau: „In Frankreich!“

Furchtbar unruhiger Flug, aber so ist leider deutscher Humor, ganz schrecklich manchmal.

Ah, das wird jetzt zu lang. Das letzte erreichte Ziel dann im Halbfinale.

„Der Stock“ kommt irgendwann.

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Foto von Charles01 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4630784

Der Stock

Der Stock

„Die mutigste Entscheidung, die du jeden Tag triffst, ist die, gute Laune zu haben.“

Das passt nicht zum Folgenden, aber der Satz von Voltaire ist ja weit mehr als ein Scherzartikel.

Von einem ernsthaften 911er Porsche träumen ja viele Männer seit ihrer Jugend.

Wenn sie sich den Wunsch dann spät erfüllen, ist es in den meisten Fällen so, dass ihnen das Ein- und Aussteigen schon schwer fällt. Ein Jammer, die Jungen können sich den Wagen nicht leisten, aber für reiche Ältere ist so ein Auto nicht gemacht. Ein alter Mann mit einem 911er wirkt wie ein Gebrechlicher mit Krücken beim Kiten. Ein Dilemma.

Seit mehr 40 Jahren hatte ich zwei bislang unerfüllte, andere Wünsche.
Der erste sind maßangefertigte Schuhe, eine große Investition, sicher, unter 1500€ wird das nichts, eher ist man mit 2500€ dabei, bei der Herstellung durch klassisches Handwerk in Deutschland. Dafür bekommt man mehrere CD-Regale mit Gebrauchtware oder mehrere Verstärker. Man kann aber nur eine CD über einen Verstärker zur Zeit hören, diese Tatsache vergesse ich zwischenzeitlich.

Solche Maßschuhe halten mindestens zwanzig Jahre, das kann sich in gewissem Maße sogar rechnen. Trägt man ausschließlich Maßschuhe, muss man den Porsche vielleicht verkaufen. Nur oberflächlich betrachtet eine schlechte Entscheidung, denn in verschiedenen Schuhen läuft man jeden Tag 16 Stunden. Es sei denn, man gibt Yoga-Unterricht oder man ist Bademeister.

Die Frage stellt sich, bis zu welchem Alter sich der Kauf von Maßschuhen lohnt. Einen Porsche wird man immer los, bei Maßschuhen ist das etwas problematisch. Echten Wert haben die nur für den einzelnen. Das macht aber ihren Wert aus, das Individuelle.

Moden? Ich bitte Euch!

In 50 Jahren haben sich echte Schuhe für Herren kaum verändert. „Sneakers“ wie man Turnschuhe heute nennt, würde ich niemals entgegen ihrer Einsatzbestimmung anziehen. Nie! Die sind zum Laufen oder für den Tennisplatz, mein Gott.

Bequemlichkeit ist das Eine, Stil das andere. Nicht immer ist beides deckungsgleich.

Weiß? Für Schuhe? Ernsthaft?

Ja, bei Toni Kroos ist das in Ordnung, weil er ein Überzeugungstäter in Weiß ist. Nicht umsonst wechselte er vor 10 Jahren zum „weißen Ballett“ von Real Madrid.

Ich kann Euch nicht sagen, woher ein zweites, letztes Lebensziel, dieser gewünschte zweite Erwerb rührt. Jedenfalls wollte ich seit Ewigkeiten einen Spazierstock haben, einen Fritz-Stock, wie man auch sagt.

Mein Vater hatte einen Spazierstock aus Holz, oben rund, mit der oft üblichen, scharfen Metallspitze zum Wandern. Er nahm ihn später, mit 80, auch zum Einkauf zusammen mit dem Rollwagen mit. Gebraucht hat er ihn auch dann nicht. Schon mit 50 Jahren, als ich geboren wurde, hatte er den Stock, eigentlich hatte er den schon immer, so vermute ich. Vielleicht war es sein Geschenk zum Abitur 1928, ich weiß es leider nicht.

Er ging immer mit Spazierstock, auch im Urlaub in den Bergen. Am Strand waren wir fast nie, meine Mutter liebte die Berge sehr. Ich kenne daher alle deutschen Mittelgebirge. Seit 45 Jahren habe ich deshalb keinen Berg mehr bestiegen. Im Flachland kann man einfach weiter sehen. An der See im Stehen sind das circa 20 Kilometer, die Erde ist ja rund, man kann das recht leicht berechnen. In Bergen ist das schwieriger. Auch die Mathematik wird schwerer je höher man steigt.

Ein Spazierstock ist heute „aus der Mode“, aber mir gefiel sein Holzstock immer, besonders, wenn er mir den Stock kurzzeitig bei Wanderungen überließ und ich damit als Kind „schießen“ konnte. Karl May dringt ja in jede Pore ein, Western durfte ich nicht im TV ansehen, das Lesen blieb.

So ein Spazierstock ist fast so variabel wie ein gefundener Ast, aber glatter und haptisch ein ganz anderes Erlebnis!

James Joyce hatte einen, Marcel Proust’s „Held“ Mr. Swann hatte ein Dandystöckchen, das wette ich, habe jetzt nicht nachgelesen. Dagobert Duck ist vielleicht der bekannteste mit einem Stock, auch er ohne eine körperliche Einschränkung. Er soll auch nur sein Alter symbolisieren. Außerdem kann er sich damit zur Wehr setzen, wenn die Arme zu kurz sind.

Auch Joe Frazier hätte einen Stock geschätzt!

Ich interessierte mich immer für besagten „Fritz-Stock“ des alten Preußenkönig Friedrich II. Das sind doch auch Traditionen, die erhaltenswert sind! Also in schwarz und mit silbernem Knauf oder Griff, so musste er sein. Ob Friedrich orthopädische Probleme hatte, wurde nie geklärt, die Krücke hatte wohl eine andere Funktion, er trug sie sogar auf seinem Pferd.

Diese Dinger können heute bis zu 800€ kosten! Unnötig, es muss ja keine Porsche-Krücke sein, es gibt auch keine „Maßstöcke“. Porsche und Krücke sind eben die zwei Seiten der Medaille im Leben.

In Malaga waren wir gerade zweimal, einmal drei Tage zu Beginn des Urlaubs in Andalusien, einmal am Ende, kurz vor dem Abflug. So eine „Klammer“ kann nett sein wie derselbe Song zu Beginn eines Albums oder Konzertes mit einer Reprise, die es beschließt. Dann klatscht auch keiner für weitere Zugaben. Das „Klammern“ setzt einen Rahmen und machen etwas „vollständiger“ als ohne, es wird geöffnet und geschlossen. Klammern haben nicht nur in der Mathematik eine selten gewürdigte, ganz eigene Schönheit. Rund, eckig, geschweift, ja, man braucht ein wenig Zuneigung und Liebe zum Elementaren. Nicht jeder sieht Mathematik in dieser Weise, zugegeben.

Jedenfalls redete mir die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, das „Dandy-Stöckchen“, wie sie den Stock nannte, zu Beginn im Hutladen Malagas aus. Hüte passen mir selten, mein Kopf ist zu groß, meine Frau nennt ihn jedoch „dick“, was ich nicht verstehe. „Groß“ und „dick“ sind nicht dasselbe! Elle MacPherson ist groß, Helmut Kohl war dick. Niemand käme auf die Idee, Elle und Helmut in derselben Schublade zu platzieren. Dass man das mit „tz“ schreibt, finde ich immer noch etwas deplaziert. 🙂

„Wie sieht das denn aus? Wie willst Du den Stock in den Flieger kriegen? Das ist ja eine Waffe! Geht gar nicht, vergiss es!“

Aber das half nicht, alte Wünsche sind hartnäckig. Kurz vor dem Abflug und vor dem Kauf also ein persönlicher „Check“ bei der Fluggesellschaft und dem Sicherheitsdienst. Ich sehe ja noch nicht nach orthopädischem Notfall aus, aber ich plane meine Zukunft gern im Detail. Mit 75 kann so ein Stock gute Dienste leisten, spätestens. Da sind 60€ gut angelegtes Geld!

„Walking Stick“ ist englisch, „Gaston“ spanisch, nur falls Ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seid.

„Haben Sie denn eine Einschränkung?“ fragte die dunkle Schöne von Spanish-Air.

„Nein, aber ich weiß nicht, was mein Knie nach 4 Stunden im Sitzen sagt!“

Ich bin ehrlich, in gewissem Maße. Hat nicht jeder nach vierstündigem Sitzen leichte „Probleme“? Eben.

„Dann fragen Sie bitte beim Sicherheitscheck nach Ausnahmeregelungen!“

Dem Herrn bei der Security bot ich bei seiner Frage nach der „Einschränkung“ an, sich meinen rechten Fuß anzusehen, er wollte das jedoch nicht. Leicht zog ich auf dem Weg zu den Sicherheitsbeamten vorher das Bein nach. Ich hatte ja noch nicht gekauft, der Stock musste so mitkommen, kein Spezialgepäck. Zu teuer. Planung ist wichtig. Irgendwie hatte ich plötzlich echte Knieschmerzen, das ist ja nicht planbar. Die Psyche spielt uns so manchen Streich.

Also habe ich den Stock letztlich am letzten Tag vor dem Rückflug doch noch gekauft und kurz geübt, „method acting“, nur für den Sicherheitsdienst. Die brauchten das leider, denn auf ehrliche Weise wäre es nicht gegangen, so mein Eindruck. Meine Frau war voller Sorge, völlig unnötig.

Es ist sehr erstaunlich, wie sich die Umwelt verhält, wenn man einen Spazierstock bewegt, das ist schlicht aus der Mode und wird mit Gebrechen assoziiert. Das ist falsch.

Im Hotel wollte mir der junge Mitarbeiter den kleinen Rollkoffer abnehmen, nicht meiner Frau den ihren. Im Bus bedeutete mir eine junge Frau, dass es Sitzplätze gibt, sehr freundlich, ich humpelte aber in keinster Weise!

Beim Einchecken mit der Gepäckabgabe wollte meine Gattin, dass ich eine Frage zum Stock stelle! Warum, bitte? Meine Brille gehört auch zu mir, da frage ich auch nicht, ob ich die mitnehmen kann, bei Zahnersatz ist das auch so, auch wenn da Metall drin sein kann, glaube ich. Niemand fragt da nach, niemand verzichtet beim Security-Check auf seine „Dritten“. Wäre dem so, ich würde dort arbeiten wollen, man erführe viel Neues, auch von Prominenten.

Sicherheitscheck „exceptional“, keine Schlange, kein Warten, die hatten gar nichts zu tun da, nun gut, leichtes Nachziehen des rechten Beines, minimal nur, das kam plötzlich für die 100m durch die Halle. Psychisch, denke ich.

Stock zum Röntgen mit dem Rest, ein Ersatzstock aus den 50er Jahren wurde mir gereicht, ganz automatisch. Die sind im Detail vorbereitet. Ich mag so etwas, auch dieses wortlose, routinierte Verfahren. Man muss weniger sprechen als man denkt.

„Danach“ habe ich den Stock, mein neues drittes Bein, jedoch getragen wie Stewart Granger damals die Flinte in „Der Ölprinz“. Ich will nicht, dass man mich für älter hält als ich bin.

Der Stock ist wirklich schön für später.

Eintrittspreise für Toilettenbesuche bei „U&K-Moden“

Eintrittspreise für Toilettenbesuche bei „U&K-Moden„

„Sehr geehrte Damen und Herren der Geschäftsleitung des Hauses U&K-Moden in „Münchhausen“!

Ich bin seit vielen Jahren ein regelmäßiger, zufriedener Kunde in einem Ihrer Häuser in einer anderen Stadt. Auch in „Münchhausen“ besuchte ich in der letzten Woche Ihr zentral gelegenes Geschäft in der Innenstadt.
Leider kaufe ich bei „U&K-Moden“ in Zukunft nicht mehr.

Ich wollte während meines Einkaufs bei Ihnen Ihr „Bad“ im obersten Stockwerk Ihres Hauses aufsuchen. Leider verlangen Sie dort vor dem Besuch neuerdings Eintrittsgebühren in Höhe von 1€, die in bar vor dem Besuch des Bades zu entrichten sind.

Mir wurde nicht gestattet, diese Örtlichkeit aufzusuchen, denn ich hatte kein Bargeld bei mir. Ich wurde brüsk und unfreundlich abgewiesen. Eine Diskussion vor der zahlreich anstehenden weiblichen Kundschaft vermied ich zum Schutz Ihres Rufes. Ist diese Zurückweisung die neue Philosophie des Umgangs mit Kunden in Ihrem Haus?

Ich muss Sie sicher nicht darauf hinweisen, dass ein derartiges Verfahren und Verhalten Ihrer Mitarbeiterin in einer Notsituation eines Kunden keineswegs hinnehmbar ist.

Ich war verstört und suchte, nunmehr bereits in Eile, das ehemalige Kepa-Haus auf, das zur Zeit als Kulturzentrum genutzt wird. Dort konnte ich auch kein freiwilliges Entgelt in bar nach Nutzung entrichten und äußerte dies bereits vor dem Besuch, aber ich wurde freundlich begrüßt, auch wenn es dort nichts für mich zu kaufen gab. Ich musste natürlich nichts bezahlen, eine Kartenzahlung war ebenfalls nicht möglich.

Das ist eine Selbstverständlichkeit!

Es ist eine Hilfeleistung, die Sie ihren Kunden ohne Bargeld offenbar verweigern.

Deutliche Worte:
Schämen Sie sich eigentlich nicht, von Ihren Kunden in einem großen Haus für ein Naturbedürfnis Geld im Voraus zu fordern? Ein nahezu unfassbares Verhalten Ihrer Kundschaft gegenüber! In einer Großstadt? Peinlicher geht es nicht. Was meinen Sie, was Franzosen, Spanier, Amerikaner, Japaner und Italiener nach Ihrer Rückkehr aus „Münchhausen“ berichten?

Dass sie bei Ihnen so tolle Waren erworben haben? Wohl kaum, wenn Sie Ihr „oberes Stockwerk“ nicht gegen Barzahlung nutzen konnten. Ihre Gründe für ihre Vorgehensweise bitte ich Sie, mir zu ersparen, es gibt keine Entschuldigung oder Gründe dafür. Bitte verschonen Sie mich von jedweder Äußerung in dieser Richtung.

Ich zahle gern 50ct oder einen Euro, wenn ich ein sauberes und ordentliches Bad vorfinde, aber dass ich vorher zahlen muss und ohne Bargeld gar abgewiesen werde, sollten Sie sich noch einmal genauer überlegen. Meine Wortwahl ist hier höchst nachsichtig mit Ihnen.

Ich selbst und mein Bekanntenkreis kauft niemals mehr in einem ihrer Geschäfte auch nur eine Socke. Diese Produkte bekommen wir anderswo nämlich auch.

Ich besuche Ihr Haus innerhalb der nächsten 7 Tage erneut ohne etwas zu kaufen und bitte dringend bis dahin um eine Änderung Ihrer derzeitigen „Praxis“ des Umgangs mit Ihren für Ihre angebotenen Waren bereits zahlenden Kunden. Ich zahle den verpflichtenden Euro auch gern nach der Nutzung, wenn die finanzielle Situation Ihres Hauses bereits so prekär ist, dass Sie eine kostenfreie Nutzung oder ein freiwilliges Entgelt nicht mehr „finanziell darstellen“ können.

Gern mache ich ein unverändertes Vorgehen Ihrerseits auch öffentlich im Rahmen einer Zeitungskolumne zum Thema, natürlich ohne Ihr Haus beim Namen zu nennen.

„U&K-Moden“ bietet zahlreiche Anregungen für einen satirischen, aber höchst kritischen Beitrag.

Insbesondere im Toilettenbereich.

Ich setze Ihre Veränderungsbereitschaft voraus und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Ihr
Franz Kafka

–
Nachtrag:
Der „Kontrollbesuch“ in „Münchhausen“ ergab ein neues Verfahren:
Man stellte auf die „Bitte einen Euro vor der Nutzung zu entrichten“ um.
Keine Kontrollen mehr, kein Abweisen von Kunden ohne Bargeld mehr.
Herzlichen Dank an „U&K-Moden“ in „Münchhausen“
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