Das Spiel mit ihr


Das Spiel mit ihr

Der Mensch braucht Herausforderungen, Beschäftigung und Erfolge. Und Lob, Lob ist ganz wichtig, das bestätigt, das lässt Dich wachsen.

Wenn man das zu wenig bekommt oder erhält, dann sollte man selbst dafür sorgen.

Zum Beispiel kann man das Auto sauber halten, oder Schuhe, das ist eine „Beschäftigung“. Gleichzeitig steckt darin eine „Herausforderung“, die darin besteht, dass man Verschmutzung ‚danach‘ möglichst meidet.

Große Pfützen und dunkler Matsch sind beispielsweise die natürlichen Feinde sauberer Schuhe. Dann sollte man den Weg entsprechend planen oder diese Stellen umgehen. Einfach.

Ein „Erfolg“ ist es, wenn man bei Regen nach dem Hundespaziergang denkt:


„Mann, die sehen ja noch gut aus!“

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, versteht das nicht. Dafür Lob zu bekommen, ist schwierig.

Sie sagt, wenn ich wegen einer erdigen Stelle einen drei Meter längeren Umweg über eine Pflasterung nehme:

„Stell Dich nicht so an!“

Klar, dass das nervt. Aber *ich* putze ihre Schuhe, wenn sie das wünscht. Sie fragt mich selten obwohl ich ausgesprochen gern Schuhe putze.

Man braucht für „Lob“ eben kleinere Umwege, zum Beispiel beim Abstellen eines Autos:


Am liebsten behalte ich Autos lange, eines hatte ich sogar 18 Jahre lang, das ging nicht kaputt.

Den jetzigen haben wir schon 10 Jahre, der ist aber schon mit der Pubertät „durch“, ich lehne den teuren Kauf neuer Automobile nämlich ab. Den hohen Wertverlust bürde ich anderen auf, die ein neues Auto kaufen, wenn das alte schmutzig ist oder wenn sie meinen, das neuere Modell sei besser.

Männer denken das selten sogar bei Frauen, Lothar Matthäus zum Beispiel oder Gerhard Schröder. Elisabeth Taylor war auch so ein Fall, ist mir aber alles egal.


Sauberkeit, ja, Karl Lagerfeld warf Unterhosen nach einmaligem Gebrauch weg, das wäre bei Fahrzeugen jedoch übertrieben, ich habe das schon mal erklärt, das mit „KL’s“ Hosen.

Bei Unterhosen kann man 30 Stück kaufen, bei Autos ist das komplizierter zu organisieren. Die kann man in größerer Stückzahl auch nicht im Internet bestellen, jedenfalls nach meinem Kenntnisstand.


Bei einem alten Auto weiß man, wo das endet, deshalb will ich fast nie ein neues, denn dann kommt so eine Gewöhnungsphase mit Abstandskontrollen beim Einparken. Diese Piepser sind ja Mimosen, die piepen bei 30cm Abstand, ich verachte so etwas. Mein tolerierter Abstand vor Wänden in Parkhäusern ober zuhause vor der Papiermülltonne liegt bei 5cm oder lieber noch darunter. Habe ich einen schlechten Tag mit 10cm Abstand nach der visuellen Kontrolle im Parkhaus, starte ich neu und fahre dichter an die Wand. Kommt selten vor, es ärgert mich in gewissem Maße, wenn ich so versagt habe. Andererseits steigere ich so meine Resilienz. Das Wort ist gerade in Mode.

„Stell Dich nicht so an!“


Nein, das ist nur ein Spiel mit guten Erfolgsaussichten! Aber man muss sich mit dem Auto auskennen. Und man darf nicht nach 2 Jahren ein neues Auto wollen. Und wenn meine Frau dabei ist, dann steige ich auch bei einer unkonzentrierten 15cm Distanz nicht wieder ein, aber wohl fühle ich mich dann nicht.

Hinten muss man immer wissen, ob die Anhängerkupplung dran ist oder nicht. Ich will, dass die immer dran ist, meine Frau baut die aus merkwürdigen Gründen manchmal ab und dann habe ich hinten ein Dilemma von 20cm, wenn sie mir das nicht gesagt hat.

Vorn sind 20cm natürlich eine Katastrophe. Nicht jeder Mann sieht das so.

Gute Kommunikation ist wichtig bei der „AHK“, ich will nicht vor jedem Start prüfen, ob die dran ist oder nicht.

In Holland habe ich einmal vorn einen kleinen Kratzer verursacht, das war 2016, aber den lasse ich so, es ist ein Mahnmal. Meine Frau hatte beim Einparken eine Frage gestellt. Man stellt als 30cm-Abstandsfrau beim Einparken einem 5cm-Mann keine Fragen. Ich mache ja schon extra beim Einparken die Musik aus.

Beim Parken an Bordsteinkanten hintereineinander arbeite ich auch mit der 5cm-Reifenabstandsregel. Leider besteht da eine Abhängigkeit vom Führer des Fahrzeugs, das die hintere Begrenzung der Lücke bildet. Man orientiert sich ja an diesem, die Bordsteinkante sieht man nicht, Spiegel elektrisch zu verstellen, das ist wirklich lächerlich, ich hatte früher gar keinen Spiegel rechts.


Man kann das oder man kann das nicht. Wenn der hintere also ein 20cm-Rand-Abstandsparker ist, dann landest Du unwissentlich auch bei 20cm, wenn Du Dich auf den verlässt. Dann muss man nochmal raus aus der Lücke und das verbessern.

Ich bin nicht gern abhängig.

Bei der Geschwindigkeit auf Autobahnen liegt bei mir ein kleines widersprüchliches Phänomen vor, das gebe ich zu. Ich fahre niemals in Eile, nie, dann komme ich lieber zu spät, ich lasse mich von einer Beifahrerin nicht hetzen, wenn sie auf die Minute pünktlich sein will.

Dann soll sie mit der Bahn fahren.

Jedenfalls fahre ich nachts bei guter Musik auf einer leeren Autobahn ohne Tempobeschränkung manchmal nur 110km/h mit Hilfe des Tempomaten, dann freue ich mich über den Verbrauchswert von 4,5 Litern, aber ich bin nicht sparsam, ich mag nur kleine Zahlen in der Anzeige. Es geht mir weder um die Umwelt noch um das Bankkonto. Es ist gemütlich so dahinzurollen.

Wenn jetzt aber eine Beschränkung zum Beispiel auf 120km/h vorgegeben ist, dann reize ich das bis an die Grenze aus, in jedem Land Europas mache ich das so, da bleibe ich nicht einen einzigen Stundenkilometer ‚drunter‘.

Der Tachometer ist dafür viel zu ungenau, der zeigt bei mir 127 an, wenn reale 120 vorliegen, das kontrolliere ich mit einem alten Garmin-Verkehrsleitsystem, ich komme nicht auf das übliche Wort für Endnutzer.


Aber, wenn die blitzen, dann gibt es eine Toleranz von 3km/h, also stelle ich den Tempomaten so ein, dass das GPS-System 123km/h anzeigt. An Steigungen ist da manchmal eine kleine Korrektur notwendig, wenn man wegen technischer, interner Abläufe auf 122km/h zurückfällt.

Die Regeln, die mache ich entweder selbst oder ich arbeite hart an der erlaubten Grenze. Leider kann ich nicht erklären, warum ich das tue, aber mir geht es damit einfach besser.

Es geht mir nur um das Spiel mit ihr, mit der Regel.

Außerdem überhole ich dann diese „Tachofahrer“ mit 131km/h auf meinem eigenen. Aber es geht mir nie darum ’schneller‘ zu sein, das ist mir völlig egal, ich will nur nicht „braver“ sein als die Regel erlaubt.

Das ist so eine kleine Grenzerfahrung, wisst Ihr? Der Tempomat, das ist eine tolle Erfindung im letzten Jahrhundert gewesen!

Verkehrszeichenerkennung mit automatischer Geschwindigkeitsanpassung, Heckkameras, Parkpiepser, automatisches Einparken, Spurhalteassistenten, Park-Distance-Control, das möchte ich alles nicht. Es wird immer schwerer, den ganzen Mist zu umgehen.

Pferde hatten das früher nämlich auch nicht.





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