„I is another“ oder „Die Schubladen im Himmel“

„I is another“ oder „Die Schubladen im Himmel“

Wurdet Ihr schon einmal mit einer anderen Person verwechselt? Hat jemand schon zu Euch gesagt, es gäbe jemanden, der ‚genauso‘ aussieht wie Ihr? Habt Ihr schon einmal jemanden verwechselt, weil da jemand war, der dem Gemeinten auf den ersten Blick so ähnlich sah?

„Wir wissen es ja nicht!“, sagte das kleine Kind in solchen Fragesituationen oft, wenn die Antwort allein der Himmel wusste. Oder der Wind, wenn Ihr Bob Dylan mehr vertraut als den höheren Kräften.

Es ist alles viel einfacher als Ihr denkt!

Im Himmel gibt es auch nur eine begrenzte Anzahl von Schubladen, in die bei Geburten gegriffen wird, anders kann es gar nicht sein.

Manchmal herrscht auch dort Arbeitskräftemangel und dann sitzt da ein Engel, leicht bekifft oder angesäuselt und nimmt immer Menschen aus derselben Schublade. Niemand auf der Erde ist dafür verantwortlich!

Ich selbst kenne das seit 50 Jahren, ich habe so ein Durchschnittsgesicht, dass ich oft für einen anderen gehalten werde.

„Thomas, ey, Du warst lange nicht beim Training“, hielt mich einer 1975 an .

„Nein, Du verwechselst mich, ich bin nicht ‚Thomas‘!“

Das geschah nicht nur einmal, ich hätte den „Thomas“ gern einmal getroffen. Habe ich etwa einen Doppelgänger? Oder gar mehrere?

So gern hört man das ja nicht, jeder möchte einzigartig sein und ist es auch, aber oft nicht äußerlich.

Ich weiß nicht, was eineiige Zwillinge darüber sagen können. Ich selbst würde Zwillinge nur identisch kleiden, wenn die das beide so wünschen. Ich glaube nicht, dass das so sein sollte. Es ist nur „niedlich“, vor allem für die Mütter, nicht immer jedoch für die Zwillinge.

Ältere Zwillinge kleiden sich sehr selten gleich.

Wenn mir Verwechslungen heute noch widerfahren, dann spiele ich mit, solange ich das schaffe, ein Rollenwechsel, ein Schauspiel!

Ja, das ist vielleicht nicht „nett“ von mir, aber es verhindert das Gefühl nur „einer von mehreren zu sein“ und leitet Energien weg von mir. Ich bin etwas seltsam, das ist möglich.

Endlich einmal „I is another“ im eigenen Leben!

„Torsten! Klasse! Wie lange ist es her?“

„Mann, was für ein Zufall! Du, das muss doch *Jahre* her sein, oder?“

„Ja, Du, sicher, wir waren ja auch im selben Verein!“

„Richtig, das hatten wir auch gemeinsam! Weißt Du noch, diese grausame Niederlage?“

„Klar, so was vergisst man nie! Norderstedt, das war die Hölle! Die erste Halbzeit!“

….. usw.

Man muss natürlich im Gespräch weitere Informationen entlocken, die man dann bestätigt und sich tastened ins Nichts weiterarbeitet.

Nicht leicht!

Blöd ist das ganze vor allem dann, wenn Ihr dann plötzlich merkt, dass Ihr den Typen doch kennt. Aber dann wäre es gut, dass Ihr nicht gleich „Nö, bin ich nicht“ gerufen habt.

Manche Leute erinnern sich nicht gut an Namen. Ich auch nicht immer, ich kenne so viele Namen, aber Kennzeichen von Autos kann ich mir immer merken, auch 50 Jahre später weiß ich noch viele von Nachbarn oder den ersten Autos von Freunden, Typ und Motor auch, klar.

Peters erstes Auto?
VW Golf, 70PS, Baujahr circa 1975, Vergasermotor, Kennzeichen XX-P 506.

Thomas‘ Eltern in unserer Siedlung?
Mercedes 280S, Baujahr um 1970, Kennzeichen XX-DB 5.

Meine weiß ich ja auch, alle, 20 Stück könnten es sein, unnütz ist das, überflüssig.

Das ist echt lästig.

Vor acht Jahren saß hier zum Beispiel eine Frau im Cafe, die zu laut sagte, wann sie Geburtstag hat, dann fuhr die in einem schwarzen Passat Variant weg. Ich machte noch eine unpassende Bemerkung, ich hatte nämlich Angst, dass ich das Datum speichere.

Der VW hatte die Rundscheinwerfer von 2008 und im Kennzeichen die Zahl 777. Ein Turbodiesel, 122PS oder der 140PS. Der mit 140 ist besser, aber das nur am Rande.

Die Frau hat am 15. März Geburtstag und vor circa 20 Jahren war die bei einer Vernisage, bei der ich auch war. Neulich habe ich die gesehen, aber ich war sofort genervt und will das neue Kennzeichen nicht sehen, neue Lasten will ich nicht.

Diese Passat halten nicht lange, wisst Ihr?

So, da bin ich vom Thema abgekommen.
Unnützes Wissen ist nämlich ebenso anstrengend wie Doppelgänger.

In meiner Stadt wohnt übrigens auch ‚Mathias Richling‘, witziger Typ, der Kabarettist, wir haben schon mehrfach zusammen gefrotzelt und gelacht. Ja, so sieht es aus.

Und ‚Carsten Linnemann‘ von der CDU, der arbeitet hier im Nebenjob in einem Fachgeschäft für optische Korrekturen von menschliche Augen, also der verkauft halt Brillen. Der drückt sich oft etwas zu kompliziert aus, auch bei Brillen, zu viele Fachbegriffe.

Nicht für mich kompliziert, aber für noch Ältere möglicherweise.

Sympathisch, genau wie im Fernsehen, konzentriert und mit offenem Blick für seine Realitäten. Etwas starr manchmal sein Blick. Neben den Brillen blickt er nicht so, nur bei „heute“ mit Marieta.

Nicht immer sind seine Realitäten auch meine, aber jeder hat ja nicht nur seine eigene Wahrheit sondern auch eine eigene Realität. Besonders, wenn Du nicht gut sehen kannst. „Mit anderen Augen sehen“, das könnte daher kommen.

Oder von Carsten Linnemann.

Der Name erinnert mich zusätzlich an Loriot, dicht an Erwin Lindemann, aber ‚Witze über Namen‘, die sind im Himmel in einer Schublade ganz unten.

Der Teufel hat den Schlüssel.

Macht keine Witze über Namen, da weiß jeder sofort, dass Ihr Kontakte nach ganz unten habt, das schadet Eurem Image!

‚Richling‘, klar, habe seinen Freund gefragt und Internetfotos von Richling gezeigt, der neben ihm saß, nicht ihm selbst, der kennt ja seine Bilder im Netz. 🙂

Und der Freund hat seinen Freund ‚Richling‘ auch als „Richling“ identifiziert!

Wir grüßen uns nun immer, der Mathias und ich. Der ist an sich sogar witziger als der echte Richling, weil der nur seine eigene Stimme braucht während Richling, der echte, immer aus den anderen Himmelsschubladen Stimmen klaut.

Der hat gute Kontakte, der echte Richling.

Hinterlasse einen Kommentar