Meine Männer

Meine Männer

„Dass Männer dazu neigen, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen, haben mittlerweile zahlreiche Studien belegt. So haben Forschende der Arizona State University herausgefunden, dass männliche Studienanfänger ihre Intelligenz höher einschätzen als weibliche Studienanfängerinnen.

Für das Phänomen, dass sich Männer über- und Frauen unterschätzen, gibt es in der Wissenschaft sogar einen eigenen Namen:

Man spricht vom Male-Hubris-, Female-Humility-Effect, also männlicher Hybris-, weiblicher Bescheidenheits-Effekt. Frauen unterschätzen sich eher. Männer halten sich hingegen für leistungsfähiger, als sie sind.“

  • Die ZEIT, Mai 9, 2024

Für Interessenten, auch männliche:

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35197904/

Nein, so ist mein Mann ja gar nicht, der „Maddin61“.

Er ist anders.

Schlimmer.

Er hat mir erlaubt, einmal meine Sichtweise hier darzustellen, also die „Wahrheit“ aus, ja, meiner „Sicht der Dinge“.

Seine sogenannte „Wahrheit“, nun, die kennt ihr ja.

Ich bin „die beste Ehefrau von allen, die er je hatte“.

Ja, das stimmt und ich freue mich über dieses Lob. Andererseits war er, „Maddin61“, wie er sich hier nennt, auch nur ein einziges Mal verheiratet, mit mir.

Er, mein Mann, nennt mich manchmal „Liselotte“ so wie einer der „Chefs“, die ich früher betreute, es auch tat.

Heimlich nannte ich ihn, den Manager, nur „Rudi Delicti“. Er nannte mich wegen meines Lachens „Liselotte“. Warum, das weiß ich nicht.

Liselotte Pulver?

„Kohlhiesls Töchter“?

Ich verwandte ’seinen‘ Spitznamen ’nicht‘ wegen seines Lächelns.

Und ich würde meinen Mann auch gern den „besten Ehemann von allen, die ich je hatte“ betiteln, allein, ich kann das nicht.

Ich bin nämlich mit elf Männern gleichzeitig verheiratet! Das ist anstrengend, denn ein einziger Mann kann die Nerven einer liebenden Ehefrau schon zum Zerreißen bringen.

Elf, das ist eine Fußballmannschaft!

Meine hat noch keine Meisterschaft gewonnen, ihre Deckung ist so schlecht wie die der Nationalelf des Vatikans.

Hier sind „meine elf Männer“.

Der Erste:

Im Urlaub in Spanien hat er des Öfteren junge Spanierinnen angesprochen, um sich nach Bussen, Wegen und Restaurants zu erkundigen, Argentinierinnen fragte er nach Steakrestaurants und Fabiana Cantilo. Alle diese Informationen hätte auch ich ihm geben können, denn ich nutze dafür einen Reiseführer und ein Mobiltelefon.

„Warum tust Du das?“, so frage ich meinen ersten Mann.

„Ich bin Antonio Banderas! Man erwartet das von mir!“

oder

„Darf ich mich vorstellen? Bardem, Javier!“

Der Zweite:

Auf Landstraßen und Autobahnen rührt er in der Automatikschaltung eines wunderbaren Citroen herum als würde er einen Teig zubereiten.

„Warum tust Du das?“, frage ich meinen zweiten Mann.

„Ich bin mal Rallyes gefahren! Damals nachts im Zelt, da sagte Walter Röhrl zu mir ‚Paris-Dakar, das ist die Hölle‘, Du!“

Der Dritte:

Mein Mann berät mich in Fragen der Bekleidung, er kommentiert auch Kleidungsstile anderer Frauen, lobend oder kritisierend. Allerdings ist sein Urteil nicht unabhängig von der Trägerin, das ist extrem auffällig.

„Du bist nicht objektiv, warum konzentrierst Du Dich nicht auf das gesamte Ensemble sondern kritisiert nur das farbige Tuch? Das passt alles zusammen!“ sage ich in kurzen Worten.

„Du, ich war mal Modeschöpfer, das habe ich Dir nie gesagt. Karl sagte zu mir in Montparnasse ….“

Der Vierte:

„Laber Rhabarber“, „Radio Maddin“, „Barbara“, „Guido“, das sind seine Rollen, in denen er sich verbal in der Realität bewegt. Glaubt Ihr etwa, das sei …. ‚entspannend‘? Könnt ihr 20 Stundan täglich Barbara Schöneberger zuhören? Ihrem „Bruder“? Nein!

Der Fünfte:

Manchmal etwas „Klaus Kinski“, laut und irre, ja, auch das sollte er aushalten können. Allerdings nicht so überzeugend, eher ein Kinski-Derivat aus einer degenerierten Seitenlinie, wenn ich mal den Hammer rausholen darf.

Der Sechste:

„Bruder Teresa“, so nennt er sich morgens, wenn er zwei Brötchen eingekauft hat und einen halben Liter Wasser heiß gemacht hat. Erbärmlich.

Der Siebte:

„George Clooney“, so sieht er sich nämlich selbst und versucht dessen Augenaufschlag vor dem Spiegel nachzumachen. Erfolglos, er bringt ja auch diese optischen Voraussetzungen nicht mit.

Trotzdem erwähne ich es hier, er will mir dafür neue Ballerinas „schenken“.

Lächerlich, wir haben ein gemeinsames Konto. Im Schuhgeschäft fragt er gleich nach einem Stuhl, anschließend flirtet er mit der Verkäuferin im Alter meiner Mutter, mit der jungen Aushilfe auch. Im Sitzen!

Der Achte:

„Ja, in den 70ern und 80ern war ich ein internationaler Star im Mittelfeld, aber ich wurde nicht entdeckt!“

Er denkt, er sei heute noch so gut wie Toni Kroos. Vor 10 Jahren sah ich ihn gegen unseren 14-jährigen Sohn spielen.

Nach einer leichten Schulterberührung pflegte ich meinen Mann mehrere Tage. Er denkt nie daran, dass er es trotz seiner „Fähigkeiten am Ball“ (seine Wortwahl, nicht meine!) mit Gegnern zu tun hat, die auch mit einem Ball spielen wollen. Überheblich.

Der Neunte:

„Der Beißer“ nennt er sich auch. Warum, das kann ich nicht sagen, kurz, auch hier gilt: Er hält sich vielleicht für größer als er ist.

„Bond, James Bond“ hat er noch nicht für sich entdeckt. Ich bete täglich dafür, dass das so bleibt. „Schatz, rühren, nicht schütteln“ zum Kaffee, das wäre mein ‚Armageddon‘.

Der Zehnte:

„Horst Schlämmer“, ja, davon weiß er nicht, ich habe ihm das nie gesagt, denn er macht nachts Geräusche, die an diesen Horst erinnern. Und „lustig“ ist das nur für Leser, nicht für Schlafende, „be assured“, auch so eine dämliche Angewohnheit, die ich hier von ihm kopiere.

Der Elfte:

Er heißt bei mir seit einigen Jahren intern nur „Olaf“, so spreche ihn sogar fast täglich an.

„Warum?“, fragt Ihr?

Er weiß alles besser, es ist manchmal nicht zu ertragen. Der elfte Mann in meinem Leben ist eigentlich der Schlimmste von allen.

„Basta!“, das kann ich auch!

–

Und was sagt er zu mir? Schlimmeres!

„Grace, Du bist so elegant“ und „Audrey, mein Reh“, aber auch „Du, Frau Bundschuh“ oder „Agnes“.

Ich will gar nicht wissen, was das mit „Agnes“ wieder auf sich hat. Mir schwant Böses.

Eure
Liselotte

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