Ein Morgen, ein Franz, ein Problem

Ein Morgen, ein Franz, ein Problem

Ach, ja, wieder ein Sonntag vorbei. Wie ich kürzlich schon erwähnte, fällt so ein Sontag ja stets etwas aus der Reihe der gewöhnlichen Wochentage. Auch ein Sonntag braucht seine festen Abläufe, etwas andere als das Fußvolk unter den Wochentagen, allzu variabel sollten Sonntage jedoch auch nicht sein.

Seitdem die Kinder aus dem Haus sind, ist meine Frau ja sozusagen „alleinerziehend“. Der Spruch stammt von einem ehemaligen Freund, sehr witzig. Weniger witzig ist, dass er sich schon zu Corona-Zeiten mit Wagenknechtschen Theorien zum Impfen anfreundete und generell erst mal eine antiamerikanische Haltung hatte. Die Russen seien ja betrogen worden, die fühlten sich bedroht von der Nato, naja, kennt man ja. Oder war er nur ein Kind der 60er Jahre? Das war eine zeitlang ganz amüsant, aber dann kannste das irgendwann nicht mehr hören. „Unerträglich“ nannte ich das irgendwann, seitdem ist nur der Witz mit dem „alleinerziehend“ noch bei mir. Wie schon einmal erwähnt, irgendwann ist bei mir der Kanal eben voll, der Druck steigt, danach kann ich nur zitieren:

„Ich lass ihn hinten raus.“
(Franz Beckenbauer auf die Frage, wie er als Trainer mit Druck umgehe)

Also am Morgen eines Sonntags, da stehe ich zuerst auf, gehe ins Bad, dann mache ich das Frühstück fertig, gehe kurz mit dem Hund, dann hole ich die Brötchen. Ich mache das mit einem Automobil, es ist sehr windig hier und es regnet eigentlich immer. Meine Frau, also die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, darf dann gern ausschlafen. Ohne meine Frau würde in Deutschland kein einziges Auto fahren. Etwas übertrieben, aber Ihr versteht das Bild schon. Gestern bin ich sogar zur Bäckerei Junge gefahren, das ist etwas weiter weg, aber meine Gattin mag die Brötchen von dort am liebsten, besonders sonntags. Wenn die einen neuen Laden aufmachen und das machen die ständig, dann steht da bei den Umbauarbeiten immer „Es wird ein Junge!“. Ich fahre da nicht so gern hin, weil da so viele Männer arbeiten. Ich habe im Prinzip gar nichts gegen Männer, beim Fußball zum Beispiel oder beim Handball, mit einem Bier oder bei einem Spiel, alles gut. Aber Brötchen will ich lieber aus Frauenhänden. Männer und Fleisch, ok, Männer und Brötchen, das passt für mich eben nicht.

Ich nehme also zwei helle für mich, zwei für meine Frau, einmal mit nussig in dunkel, einmal Dinkel. Dazu ein Franzbrötchen mit Zimt, die hamburgische Art. Für zwei ist das schon zu viel. Dann zurück, den Tee fertigmachen, auf´s Stövchen, ja, und dann lese ich die Zeitung auf dem Tablet. Sogar die Anzeigen, alle Anzeigen. Mit 60 fängt man damit an, keine Ahnung, weshalb.

Diese Franzbrötchen, also der Teig wird mit viel Butter eingestrichen, dann kommt da viel Zucker mit reichlich Zimt drauf, danach wird das gerollt und in Scheiben geschnitten. Egal, jedenfalls quellen die dann auf, dann bekommen sie beim Backen so eine rautenartige Form. Rechts und links tritt der flüssige Zucker mit dem Zimt etwas aus, der kramellisiert dann sehr schön, die beiden Enden werden also zuckrig knusprig und brauner als der Rest. Ich selbst bin der Typ für die Mitte, die ist sehr weich und hell von außen. Ich mag die Mittellage nicht nur bei den Franzbrötchen. Mein Ex-Freund würde nur die linke Ecke essen. Das finde ich ebenso unpraktisch wie nur die rechte Ecke zu essen, da hat man ja nie einen Gesamteindruck von einem Brötchen oder der Welt. Das ist wie mit den Außenstürmern früher, der Abramczik, der kannte nur die Außenlinie bis zur Eckfahne, der Rest war ein fremdes Land für ihn. Ball, rennen, Flanke auf Fischer, ganz einfach. Fußball ist aber nicht immer so einfach, genau wie die Politik oder auch ein Franzbrötchen.

Ja, ich sitze hier noch immer, weil meine Frau, speziell sonntags, etwas Zeit im Bad braucht. Fingernägel, Haare, das dauert eben.

Irgendwann, ich sitze in der Küche mit dem Blick zur Treppe, die ein halbes Stockwerk höher ins Wohnzimmer führt, Norah Jones singt, dann schwebt sie ein wie ein Engel vom Himmel hoch, schreitet die Treppe hinab, die Haare bewegen sich im Luftzug, genau wie vor 30 Jahren, sie lächelt mich an, gibt mir einen Kuss, dann dem Hund, dann setzt sie sich lächelnd hin. Ich fülle ihre Teetasse mit heißem Grünen Tee, Vanille-Pfirsich. Die dunklen Brötchen habe ich schon aufgeschnitten.

„Was ist das denn? Du hast ja beide Enden des Franzbrötchens abgebrochen und gegessen! Das geht überhaupt nicht! Das ist das Leckerste daran! Mann, ey, toller Sonntag!“

„Ich denke an Konfuzius, der gesagt hat: Fasse die Sorgen des Tages zusammen auf eine halbe Stunde, und in dieser Zeit mache ein Schläfchen.“ (Franz Beckenbauer)

Wheat cheeks and ponytails

Wheat cheeks and ponytails

I usually shop at the bakery in the Edeka supermarket, except on Sundays when I have to drive a bit further and go to the bakery at the roundabout. Sundays are always a little out of the ordinary.

There are several different bakery sales assistants at Edeka, always dressed in white. On Christmas and New Year’s Eve they wear black or red. I don’t like such exceptions very much, but it looks good on them. The order I place and the conversation have basically the same flow, it impresses with its brevity and objectivity, especially with the one we’re talking about here. Actually, it’s always there.

Some things in life can’t be changed or interrupted, it’s a kind of ritual. I’ve been doing this at Edeka for years. I can be quite annoying, sometimes I make a little joke, and then people look at me very carefully, more like sideways, as if they were looking for an escape route. But that’s exactly what happens with my jokes from time to time. In the bakery, especially in the morning, it’s unpleasant for everyone involved.

So the procedure is always the same, I order a certain number of wheat rolls, I say

„4 wheat rolls, please …. (short pause, always the same length, breathe once) …. please something lighter, if possible“.

Exactly these words, exactly the order, the pause of three seconds, not a single variation is allowed. They are almost always baked too dark, at least for me. This is a problem many bakers have. The rolls at Edeka are actually called „Weizenbäckchen“, but I don’t use words like that. She corrected me once and then looked at me. She never did it again.

It was during the World Cup.

The saleswoman has such a pleasant tone of voice, the one with the ponytail is dark, the wheat rolls are lighter. She’s never angry, never in a hurry, it’s a holiday tone that says: „I like doing this, but I also look forward to coffee and a cigarette during my little break, when the nice regular customers are sitting outside“. Sometimes the police, sometimes the street cleaners, lots of people come by.

I would never, ever sit there. Then she might say something like, „Please pass me the ashtray“ and then everything is broken, then I’ll have to buy the rolls somewhere else, I’d be in trouble.

She says „gladly“ to the request for the lighter ones. Then she bags it up, finishes the bill, I silently hold the card in my hand, she then always says „with card, can go“, then we both always wait, but also always 3 seconds, until the machine has understood that. Then she asks „Receipt for this?“ Always the same, the voice goes up slightly at the end, always. If she didn’t do that, my day would be ruined. „No, thank you“. I vary minimally, very rarely, about once a month I say „I don’t need a receipt“ when paying by card. She very rarely asks for it a few seconds later though, about once every six months. Then I make a little grin face in the calendar. Because of the long conversation. Finally, she says „have a nice day“, again with the scale upwards. „You too“ and off I go. Just like in the theater.

A few years ago, she got her first tattoo, I think on her left arm, in the summer, later one on her neck, it says „Blessed“. That’s important now, it’s not about tattoos, everyone can do what they want with their skin, especially if it looks good.

It went on like that for a while. But then suddenly the tattoo on her neck was gone again! The next time it was there again, I was confused. When you want everything to be the same, it just gets you down.

Then, I was a bit tired and exhausted and stood at the bakery counter again, and there were two bakery saleswomen! Both with ponytails, dark as the rye rolls, white blouses, one „Blessed“, the other not yet. Great, isn’t it?

Same tone of voice, same text, same buns, same surname.
It says so on the sign.

They don’t look that much alike, I realized. I can’t ask, what with the ritual and all.

Weizenbäckchen und Pferdeschwänze

Weizenbäckchen und Pferdeschwänze

Ich kaufe meistens beim Bäcker im Edeka-Supermarkt ein, außer am Sonntag, da muss ich dann etwas weiter fahren und am Kreisverkehr zum Bäcker gehen.

Sonntage fallen immer etwas aus der Reihe.

Bei Edeka arbeiten ja mehrere verschiedene Bäckereifachverkäuferinnen, immer flott in weiß. Zu Weihnachten und Silvester auch ganz in Schwarz oder Rot.

Ich mag solche Ausnahmen nicht sehr, aber das sieht gut aus bei denen. Die Bestellung von mir und das Gespräch haben grundsätzlich denselben Ablauf, es besticht durch Kürze und Sachlichkeit, speziell bei der einen, um die es hier geht. Eigentlich ist die auch immer da.

Manche Dinge im Leben darf man nicht ändern oder unterbrechen, es ist eine Art Ritual. Ich habe das bei Edeka jetzt schon jahrelang so laufen lassen. Ich kann recht nervig sein, manchmal mache ich eine kleine scherzhafte Bemerkung, danach sehen Menschen mich manchmal ganz vorsichtig, eher so seitwärts an, als würden sie dabei Fluchtwege suchen. Bei „scherzhaft“ muss man sehr aufpassen, dass man da nicht versehentlich ein „m“ einbaut. Aber genau das geschieht bei meinen Scherzen eben ab und zu, da kann sich ein Buchstabe hineinstehlen. Beim Bäcker, insbesondere morgens, ist das für alle Beteiligten unangenehm.

Der Ablauf ist also immer gleich, ich bestelle eine gewisse Anzahl von Weizenbrötchen, ich sage

„4 Weizenbrötchen, bitte …. (kurze Pause, immer gleich lang, einmal atmen) …. bitte etwas hellere, wenn es geht“.

Exakt diese Worte, auch exakt die Reihenfolge, die Pause von drei Sekunden, keine einzige Variation ist erlaubt. Die werden fast immer zu dunkel gebacken, jedenfalls für mich. Ein Problem, das es bei vielen Bäckern gibt. Die Brötchen heißen bei Edeka eigentlich „Weizenbäckchen“, aber derartige Wörter benutze ich nicht. Sie hat mich ein einziges Mal korrigiert, dann sah sie mich an. Sie hat es nie wieder getan.

Es war während einer Fußball-Weltmeisterschaft.

Die Verkäuferin hat so einen angenehmen Tonfall, die mit dem Pferdeschwanz in dunkel, die Weizenbrötchen sind heller. Die ist nie genervt, nie eilig, es ist ein Urlaubstonfall, der sagt, „ich mache das gern, aber ich freue mich auch auf Kaffee und Zigarette in meiner kleinen Pause, wenn die netten Stammkunden draußen sitzen“. Manchmal Polizei, manchmal die Jungs von der Straßenreinigung, da kehren viele ein.

Ich würde mich niemals, aber wirklich niemals dort hinsetzen. Dann sagt sie vielleicht so etwas wie „Geben sie mir bitte den Ascher rüber“ und dann ist alles kaputt, dann muss ich die Brötchen woanders kaufen, es kämen Probleme auf mich zu.

Sie sagt „gerne“ zu dem Wunsch nach den helleren. Dann tütet sie ein, macht die Rechnung fertig, stumm halte ich die Karte in der Hand, sie sagt dann immer „mit Karte, kann losgehen“, dann warten wir beide immer, aber auch immer 3 Sekunden, solange dauert es bis der Automat das kapiert hat. Danach fragt sie „Beleg dazu?“ Auch immer identisch, die Stimme geht am Ende leicht hoch, immer. Wenn sie das nicht machen würde, wäre mein Tag im Eimer. „Nein, danke“. Ich variiere minimal, ganz selten, etwa einmal monatlich sage ich beim Zahlen mit Karte schon „Beleg brauche ich nicht“. Ganz selten fragt sie danach trotzdem einige Sekunden später, circa einmal im halben Jahr. Dann mache ich ein kleines Grinsegesicht in den Kalender. Wegen des langen Gespräches. Zum Schluss sagt sie „einen schönen Tag“, wieder mit der Tonleiter nach oben. „Ihnen auch“ und ab. Wie im Theater.

Es ist einige Jahre her, da hatte sie dann das erste Tattoo, ich glaube am linken Arm, im Sommer, später eines am Hals, „Blessed“ steht da. Das ist jetzt wichtig, es geht nicht um Tattoos, jeder kann mit seiner Haut machen, was er möchte, besonders wenn das auch noch gut aussieht.

So ging das eine Zeit lang. Dann war aber plötzlich das Tattoo am Hals wieder weg! Beim nächsten Mal war es wieder da, ich war verwirrt. Wenn man alles gleich haben will, dann macht einen so etwas schlicht fertig.

Dann, ich war etwas müde und abgespannt und stehe wieder an der Bäckertheke, da stehen da zwei Bäckereifachverkäuferinnen! Beide Pferdeschwanz, dunkel wie die Brötchen mit Roggen, weiße Bluse, eine „Blessed“, die andere noch nicht. Toll, was?

Gleicher Tonfall, gleicher Text, gleiche Brötchen, gleicher Nachname.
Steht auf dem Schild.

So sehr ähnlich sehen die sich gar nicht, das fiel mir dann wie Schuppen von den Augen. Ich kann ja nicht fragen, wegen Ritual und so.

Expecting Rain or Spicy & Salty

Expecting Rain or Spicy & Salty


“I will comment on his receiving the Nobel Prize, which to me is like pinning a medal on Mount Everest for being the highest mountain.” (Leonard Cohen on Bob Dylan receiving the Nobel Prize in Literature)

If you are seriously interested in art, you have to go to the Louvre in Paris. You have to go there, you belong there, it’s like a home for art lovers. Period.

You can’t avoid Picasso, Charlie Chaplin and Bob Dylan if you’re talking about the 20th century and you’re interested in art, film and music.

The three of them are like Sergio Ramos, Jérôme Boateng and Giorgio Chiellini in soccer at their best, hardly anyone could get past them.


If you are seriously interested in Bob Dylan and his music and the whole shebang, you have to visit Expecting Rain, which is the Louvre for Bob Dylan on the Internet.

The site is updated daily with information and links to current Dylan content on sites around the world. It’s the Dylan fan’s home away from home when they turn off the music. I’ve been a member for 20 years and I check it every week, maybe twice.

It’s a bit like my family doctor now, when I was a smoker.

He used to ask me how many cigarettes I smoked a day. What do they say now?

In the past, when I was stressed, it was definitely more than half a pack. So 10 on average.

When I go to the doctor, I halve it and say „5, sometimes a few more“.

Every smoker tells the doctor less than they really smoke, everybody. It’s a secret, unspoken agreement. The doctor isn’t stupid, of course, he always doubles the number of cigarettes in his head and draws his conclusions for the examination.

You see, you can’t be honest, because if I said „10 to 15,“ he’d think I smoked up to 30, because all smokers lie. And I’d get the whole package for the exam, which I don’t even need.

It’s similar with Expecting Rain, when I say I watch it twice a week.

I haven’t been on the forums for 20 years, I probably haven’t posted 100 messages, probably just short comments, unnecessary, nobody knew me there.

But in the last two months I’ve posted 50 times! I should stop that soon, then everyone will feel more comfortable there again.

The problem is that I said the soup was too salty. Sometimes it slips out of my mouth when my sewer has been full for a long, long time and a drain valve opens to relieve the pressure.

An illustrative example, so that I don’t have to explain the ER problem in a technically complicated and long-winded way:

In our neighborhood there is an elderly cook who used to be the cook in a very famous house, she cooked excellently, she was very well known. Once a year she invites 15 people to her home for soup and drinks. You don’t have to double that now.

I’ve been invited there for 20 years, my wife is always there, Anja sits across from me, whom we know even better than the cook, and unfortunately the soups have always been over-seasoned for me for 20 years.

I have to cough if something is too spicy or too salty. Of course, I’ve never said that, the chef is very self-confident and extremely sure of herself. It’s clear that she has a history of great recognition.

The soup always gets a lot of praise, „Great, what you’ve served again, really excellent, fantastic“.

Then my wife hisses at me, „Take a little less, drink more water, it’ll be fine, it’s not that bad“.

Sometimes the cook comes back and I get another plate, which is worse. I used to go outside for 10 minutes to smoke, which saved me a second plate.

The other neighbor, Anja, across from me, doesn’t really like it either, she grins and drinks beer after beer. The other 12 really like it, they are really enthusiastic, they love it so tasty and spicy. But I don’t know them personally, only from the big group.

And then two months ago, at the annual meeting, I politely said that the soup was „a little too spicy“ for me, I said that quietly. The cook gave me a dirty look and the others shook their heads slightly.

„No, it’s not too spicy,“ one of them said.

So I took the third beer, which didn’t agree with me at all. Unfortunately, after the third one, I used the word „salty“.

I’m no longer invited there, the 12 neighbors and the cook no longer greet me, my wife said in the dark before falling asleep, „That wasn’t necessary,“ but we’re not divorced yet.

Other couples in the group haven’t been together for a long time. I don’t know if that has anything to do with the soup.

The mistake was that maybe I should have said that about the salty soup 20 years ago with a laugh, then maybe the others would have made a joke and the next year we would have had a plate of cheese and bread. Unfortunately, it was too late. And those who are late in life are punished.

Of course the soup story never happened, it was just an illustration.

With Expecting Rain it was *exactly* like that, I dared to say in the discussion forum that some live recordings are very loud, that it sounds much better without this processing that is responsible for it.

That’s another way of saying „too much salt in the soup“.

This is a discussion forum, so I thought it would be okay to discuss and compare soups.

With Expecting Rain, you can choose whether you want the soup with a lot of salt or with a little salt.

Unfortunately, sometimes you have to take the very spicy soup, which is too salty for me personally, which I find terrible, if only because of my cough, although in the case of ER it’s more from the ear.

Unfortunately, the chef there often only offers the very spicy, salty version, and he does it on purpose.

Theoretically, he could stuff something for the others before adding the salt. A presumptuous idea? Sure, I don’t have to spoon up his soup.

The fact that there was often only this salty, very spicy, hot version was ultimately also the reason why I made a public issue of this high salt intake in the first place, otherwise I would have continued to swallow it.

The years before that I was fine. I’m probably a bit of a mimic, I admit.

The chef there at ER has posted 25,000 times on Expecting Rain in the last few years and has been very eloquent about his soups, he probably has a thousand people who like to follow him and eat his soup three times a week.

So I guess they just order the soups and freeze them at home.

People don’t usually eat that much soup. You can’t eat it often, it’s hard on your ears, but that’s just my personal perception.

A lot of people listen to the soup in the car or on their cell phones, so you don’t hear that it’s heavily seasoned.

The cook in the ER is not a boss or anything, but you can’t escape him, maybe you know the phenomenon from forums.

Short comments and a lot of self-praise are screaming at you everywhere. No matter what I write, it’s commented on, logically, I said „too salty, too spicy“.

There is no contradiction from others, you want to remain polite and avoid the threat of trouble with the chef.

He really is very sensitive to criticism. If he only listened to his disciples‘ praise and didn’t care about my criticism, it wouldn’t be a problem.

Hey, one against a thousand, it’s ridiculous to make such a big deal out of it. And just because of the question of whether a soup is too salty or not.

But I guess the soup at Expecting Rain doesn’t really taste good to a silent majority either. Many people have written to me privately that they don’t like soups that are too salty and too spicy, but they don’t want to say so in public.

It’s a bit like the USA.

I love this site, but I’m on the verge of renaming it „Expecting Rain, Spicy & Salty“ when all I get is this spicy, salty shot soup in some cases.

The other 1000 will probably vote for „Expecting Courtesy„.

This soup is really too salty! Do I really have to apologize for my public opinion that it’s way too salty for me?

Expecting Rain oder würzig & salzig

Expecting Rain oder würzig & salzig

“I will comment on his receiving the Nobel Prize, which to me is like pinning a medal on Mount Everest for being the highest mountain.”

(Leonard Cohen über die Vergabe des Nobelpreises für Literatur an Bob Dylan)

Wer sich ernsthaft für Kunst interessiert, muss in den Louvre in Paris. Da muss man hin, da gehört man hin, das ist so etwas wie ein Zuhause für Kunstinteressierte.

Punkt.

An Picasso, Charlie Chaplin und Bob Dylan kommt man eigentlich auch nicht vorbei, wenn man über das 20. Jahrhundert spricht und sich für Kunst, Film und Musik interessiert.

Die drei sind wie Sergio Ramos, Jérôme Boateng und Giorgio Chiellini im Fußball in ihren besten Tagen, an denen kam auch kaum einer vorbei.

Wer sich ernsthaft für Bob Dylan und seine Musik und das ganze Drumherum interessiert, der muss Expecting Rain besuchen, das ist der Louvre für Bob Dylan im Internet.

Die Seite wird täglich aktualisiert und bietet Informationen und Links zu aktuellen Dylan-Inhalten auf Websites aus aller Welt.

Es ist sozusagen das Zuhause des Dylan-Verehrers, wenn er die Musik ausschaltet. Ich bin seit 20 Jahren Mitglied und schaue jede Woche rein, vielleicht auch zweimal.

Das ist jetzt ein bisschen wie bei meinem Hausarzt, als ich noch geraucht habe.

Der hat mich immer gefragt, wie viele Zigaretten ich am Tag rauche. Also, was sagt man jetzt? Ganz früher, wenn ich Stress hatte, war es bestimmt mehr als eine halbe Schachtel. Also 10 im Durchschnitt.

Dann habe ich das beim Arzt halbiert, dann sage ich „5, manchmal ein paar mehr“.

Jeder Raucher gibt beim Arzt weniger an, als er wirklich raucht, jeder. Das ist so eine geheime, unausgesprochene Absprache.

Der Arzt ist natürlich nicht blöd, der verdoppelt im Kopf die Anzahl der Zigaretten, das macht er immer und zieht daraus seine Schlüsse für die Untersuchung.

Versteht ihr, man kann da nicht ehrlich sein, denn wenn ich jetzt „10 bis 15“ gesagt hätte, dann denkt er ja, ich rauche bis zu 30, weil alle Raucher lügen. Und ich bekäme das Komplettpaket für die Untersuchung, die ich gar nicht brauche.

Bei Expecting Rain ist es ähnlich, wenn ich sage, ich schaue da zweimal die Woche rein.

In den Diskussionsforen habe ich mich 20 Jahre lang kaum beteiligt, da habe ich sicher keine 100 Beiträge veröffentlicht, wahrscheinlich nur kurze Kommentare, verzichtbar, mich kannte dort keiner.

Aber in den letzten zwei Monaten habe ich dort 50 Mal etwas geschrieben! Das sollte ich bald wieder lassen, dann fühlen sich alle dort wieder wohler.

Das Problem ist, dass ich gesagt habe, dass die Suppe versalzen ist.

So etwas, das rutscht mir manchmal unvermittelt heraus, wenn bei mir der Kanal schon lange, lange voll war, dann öffnet sich ein Ablaufventil damit der Druck nachlässt.

Ein illustrierendes Beispiel, damit ich das ER-Problem nicht technisch kompliziert und langatmig ausbreiten muss:

In unserer Nachbarschaft gibt es eine ältere Köchin, die früher in einem sehr bekannten Haus Küchenchefin war, sie hat hervorragend gekocht, sie war sehr bekannt.

Hier lädt sie privat einmal im Jahr 15 Leute zu Suppe und Getränken ein.

Das muss man jetzt nicht verdoppeln.

Ich bin seit 20 Jahren dort eingeladen, meine Frau ist immer dabei, mir gegenüber sitzt Anja, die wir noch besser kennen als die Köchin, und leider sind die Suppen seit 20 Jahren immer, aber auch immer für mich überwürzt.

Ich muss husten, wenn etwas zu stark gewürzt oder zu salzig ist.

Natürlich habe ich das nie gesagt, die Köchin ist sehr selbstbewusst und von sich überaus überzeugt. Das ist klar, sie hat eine Vergangenheit, die von großer Anerkennung geprägt ist.

Die Suppe wird immer sehr gelobt, „toll, was du uns da wieder aufgetischt hast, ganz hervorragend, fantastisch“.

Meine Frau zischt mir dann leise zu, „nimm ein bisschen weniger, trink mehr Wasser, dann geht’s, so schlecht ist die jetzt auch nicht“.

Manchmal kommt die Köchin wieder und ich bekomme noch einen Teller, das ist dann schon schlimmer.

Früher bin ich 10 Minuten raus zum Rauchen gegangen, das ersparte mir den zweiten Teller.

Der anderen Nachbarin, der Anja mir gegenüber, schmeckt es auch nicht so richtig, die grinst und trinkt ein Bier nach dem anderen.

Den anderen 12 schmeckt es total gut, die sind richtig begeistert, die lieben es so schmackhaft würzig. Die kenne ich aber nicht privat, nur aus der großen Runde.

Und dann habe ich vor zwei Monaten beim Jahrestreffen erst mal höflich gesagt, dass mir die Suppe „ein bisschen zu würzig“ ist, ganz leise. Da hat mich die Köchin schon böse angeschaut, die anderen haben leicht den Kopf geschüttelt.

„Nein, also zu würzig ist sie nicht“, sagte einer.

Also habe ich das dritte Bier genommen, das ist mir gar nicht bekommen. Nach dem dritten habe ich leider das Wort „versalzen“ benutzt.

Ich werde dort nicht mehr eingeladen, die 12 Nachbarn und die Köchin grüßen mich nicht mehr, meine Frau sagte im Dunkeln vor dem Einschlafen „das war nicht nötig“, aber wir sind noch nicht geschieden.

Andere Paare aus der Runde sind schon lange nicht mehr zusammen. Ob das mit der Suppe zu tun hat, weiß ich nicht.

Der Fehler war, dass ich das mit der salzigen Suppe vielleicht vor 20 Jahren lachend hätte sagen sollen, dann hätten die anderen vielleicht einen Witz gemacht und im nächsten Jahr hätten wir einen Käseteller und Brot gehabt.

Leider war es viel zu spät. Und wer im Leben zu spät kommt, wird bestraft.

Natürlich hat sich diese Suppengeschichte niemals zugetragen, sie war zur Illustration gedacht.

Bei Expecting Rain war es *genau* so, ich habe mich im Diskussionsforum getraut zu sagen, dass manche Live-Aufnahmen sehr laut sind, dass es ohne diese Bearbeitung, die dafür verantwortlich ist, viel besser klingt.

Das ist sozusagen ein andere Ausdruckweise für „zu salzig“ bei der Suppe.

Es handelt sich um ein Diskussionsforum, daher dachte ich, dass man da auch diskutieren darf und Suppen, also Musikaufnahmen vergleichen kann.

Bei Expecting Rain kann man sozusagen wählen, ob man die Suppe mit sehr viel oder mit wenig Salz haben will.

Leider muss man manchmal die sehr würzige, für mich persönlich zu salzige Suppe nehmen, das finde ich schrecklich, schon wegen meines Hustens, allerdings bei ER eher vom Ohr her.

Der Koch bietet dort leider in vielen Fällen nur noch die sehr würzige, salzige Version an und das auch mit einer gewissen Absicht.

Er könnte theoretisch vor der Salzzugabe etwas für die anderen abfüllen. Eine vermessene Idee? Sicherlich, ich muss seine Suppe ja nicht löffeln.

Dass es oft nur noch diese sehr würzige, scharfe Version gab, war letztendlich auch der Grund, warum ich diese hohe Salzzufuhr überhaupt öffentlich thematisiert habe, sonst hätte ich das weiterhin geschluckt. Ging ja die Jahre zuvor auch.

Ich bin wohl etwas mimosig, zugegeben.

Der Koch dort bei ER hat in den letzten Jahren 26.000 Mal bei Expecting Rain gepostet und seine Suppen wortreich beworben, er hat wahrscheinlich tausend Leute, die ihm gern folgen und jede Woche dreimal seine Suppe essen.

Also ich vermute ja, dass die die Suppen nur bestellen und zuhause einfrieren. So viel Suppe essen Menschen in der Regel nicht. Die kann man nicht oft essen, das ist Stress für die Ohren, das ist jedoch nur eine persönliche Wahrnehmung von mir. Viele hören sich die Suppe im Auto an oder auf dem Handy, dann hört man nicht, dass die stark gewürzt wurde.

Der Koch dort bei ER ist kein Chef oder so, man kann ihm aber einfach nicht entkommen, vielleicht kennt ihr das Phänomen aus Foren.

Überall schreien einen kurze Kommentare und viel Eigenlob an.

Egal, was ich schreibe, es wird kommentiert, logisch, ich habe ja „zu salzig, zu würzig“ gesagt.

Es gibt keinen Widerspruch von anderen, man will ja höflich bleiben und drohenden Ärger mit dem Koch vermeiden.

Der ist wirklich sehr sensibel bei Kritik.

Wenn er nur auf die Lobpreisungen seiner Jünger hören würde und sich gar nicht um meine Kritik scherte, es wäre gar kein Problem. Hey, einer gegen 1000, das ist doch lachhaft daraus so einen Aufwasch zu machen. Und nur wegen der Frage ob eine Suppe zu salzig ist oder nicht.

Meine Vermutung ist aber, dass die Suppe bei Expecting Rain einer schweigenden Mehrheit auch nicht wirklich schmeckt. Privat schrieben mir viele, dass sie zu würzige Suppen nicht mögen, aber sie wollen es nicht öffentlich sagen.

Es ist ein bisschen wie in den USA.

Ich würde mir auch nie einen Rüden zulegen, der an jeden Baum pinkelt. Da kommt man nicht weiter, immer dieses Stop-and-Go wie in Paris. Da nimmt man eine Hündin und kann flüssig weitergehen, auch mit Leine. Entkommen Sie aber mal den Rüden im Internet, das ist nicht so einfach!

Ich liebe diese Seite, aber ich bin kurz davor, sie in Expecting Rain, Spicy & Salty umzubenennen, wenn ich in vielen Fällen nur noch diese würzige, salzige Aufnahmen-Suppe bekommen kann. Die anderen 1000 werden wahrscheinlich für Expecting Courtesy stimmen. Die Suppe ist doch wirklich zu salzig! Muss ich mich da jetzt eigentlich für meine Meinung, das mir das viel zu salzig ist, entschuldigen?

Haare und Zähne

Haare und Zähne

Ich schreibe wieder am PC, der geht altersmäßig schon ins Gymnasium, die Augen werden schwächer, kann nix machen.  Früher hab ich nur mit dem Handy geschrieben, an der Stammtankstelle oder auf der Bank, während der Hund einen Stock zerlegt hat. Die Stammtankstelle heißt jetzt anders, „Öl“ oder so. Da muss man den Kaffee bezahlen, das war mir gar nicht klar. 3,50€ für einen Becher Kaffee. In der guten alten Zeit hatte ich da meinen eigenen Becher und der stand schon auf dem Stehtisch, bevor ich „Guten Morgen, die Damen“ rufen konnte.

Früher, also ganz früher, als ich noch nicht zur Schule ging, da ist mein Vater mit mir zu Herrn Liedtke gegangen, das war ein kleiner Friseursalon in einem kleinen Reihenhaus in einer alten Siedlung aus den 30er Jahren. Da hat mein Vater gesagt: „Einen Faconschnitt für meinen Sohn, bitte.“ Das war rundherum sehr kurz, oben etwas länger, kostete 5 DM oder so. Das ist die gleiche Frisur, die mein großer Sohn alle zwei Wochen bekommt. Ich gehe nur alle vier Monate hin, ich weiß nicht, manchmal denke ich, ich müsste mich heute bei der Martina anmelden, dann vergesse ich es und am nächsten Tag denke ich: „Ach, eigentlich wie gestern, so dringend war es gestern auch nicht“.

Und wenn meine Frau dann sagt, sie kann vorne und hinten nicht so gut unterscheiden, dann sagt die Martina immer: „Na, dann machen wir wieder einen Neuschnitt?“ Neuschnitt, das ist immer ein bisschen teurer, kostet aber nur 20€ oder so, da kriegt die Martina immer 25% Trinkgeld, auch weil sie sagt:

„Wenn Sie die vor 2 Stunden gewaschen haben, brauchen wir das nicht noch mal machen, das kostet auch zu viel.“

Eigentlich muss sie das Geld für die Wäsche ja auch noch dazu bekommen, der Satz ist es einfach wert. Bei einem Friseur, der mir 45 € berechnet, würde ich wahrscheinlich das gleiche Trinkgeld geben. Oder gibt man dann mehr? Wenn man für 20€ Kuchen und Kaffee bestellt, dann sind 3€ in Ordnung, aber bei einem halben Brötchen für 2,50€ ist das dann unverhältnismäßig.

Genau, ich wollte eigentlich erzählen, dass ich die Namen vom Friseur, von meiner „Kinderfrau“ Astrid, die kenne ich heute noch, die ist jetzt 80, die kenne ich alle, auch Herrn Grunwald, den Zahnarzt meiner Kindheit in der Grundschule, den kenne ich noch, also den Namen. Er bohrt jetzt bei den Engeln. Meine Kinder hatten nie ein Loch im Zahn, das ist heute ganz anders. Also, Zahnarzt, das ist kein Beruf mit Zukunft. Na ja, bei älteren Leuten wie mir kann man mit den Ersatzteilen noch Geld verdienen. Ansonsten sage ich „Kieferchirurg“ oder „Kieferorthopäde“, da ist der Mercedes noch drin. Mein Chirurg fährt Porsche. Den habe ich mal gefragt, nachdem ich einen Kostenvoranschlag bekommen habe, ob er sich einen Porsche kaufen will. „Habe ich schon“, hat er gesagt. Und bei Herrn Grunwald in den 60ern oder Anfang der 70er, da brauchte man als Kind nur einen Finger im Stuhl zu heben, dann hat er sofort aufgehört zu bohren. Da gab es keine Spritze. Das war super, das hat man als Kind sozusagen im Zeigefinger gehabt, um ihn zu stoppen. Und weil man das hatte, hat man eben gewartet und sich gesagt, ah, das geht noch irgendwie. Meistens musste man den Finger gar nicht heben. Das war sozusagen pädagogisch höchst wertvoll und besser als die Narkose heute. Diese Spritzen, boah, die Lähmung im Gesichtsbereich noch Stunden später, boah.

Ich wünsche mir manchmal, dass dem Herrn Grunwald die Tankstelle gehört. Einfach an der Zapfsäule den Finger heben, wenn es dreistellig zu werden droht und die Preise gehen runter.

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Herr Grunwald sah anders aus, aber wegen Sophia neulich heute eben Alain. Zahnarzt hätte ihm auch gestanden.

Die Wahrheit über 360 Grad und Socken

Die Wahrheit über 360 Grad und Socken

Ach, der Habeck, ich erinnere mich an ein altes Interview im NDR-Fernsehen, da wurde er privat zuhause gefilmt. Jedenfalls wollte er im Norden über die Grenze zur Bibliothek, konnte aber seinen Ausweis nicht finden. Seine Frau sagte, sie suche gleich danach, aber er meinte, nein, zur Not müsse er das „mit Charme“ regeln. Ich meine mich zu erinnern, dass er seine Bücher dann auch ohne den Ausweis verlängern konnte.  Manchmal ist Charme wichtiger als ein Dokument.

Wie gesagt, die Erinnerung ist mir so geblieben. Und wie wir alle wissen, hat die Erinnerung zwar mit der Wahrheit zu tun, nur ist sie nicht die Wahrheit. Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, erinnert sich manchmal gar nicht an Dinge oder Vorkommnisse, die ich wirklich ganz genau weiß. Oder sie hat eine völlig falsche Erinnerung daran. Das beschreibt das Problem mit der Wahrheit eigentlich abschließend. 

Es gibt Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Wahrheit zu finden oder zu definieren, was Wahrheit ist. Ich finde das sehr bewundernswert, ehrlich. Aber man kann eben auch unter 10000CDs nach einer bestimmten lange suchen, wenn sie nicht sortiert sind. Da ist es einfacher als mit der Wahrheit: Man kauft für einen Euro bei ebay eine zweite. Dann findet man die beim nächsten Suchversuch deutlich schneller. Das ist wie mit diesen E-Tankstellen, gibt es zu wenig, ist die Suche mühsam und kompliziert, manchmal sind die auch defekt. Die gibt es aber nicht bei ebay.

Zusammengefasst, wenn etwas nicht klappt:
Es gibt für CDs auch die Restekiste in der Bibliothek, ein Fahrrad und Robert Habeck.

Damit wären wir wieder beim Robert. Ich glaube in seiner Jugend haben alle immer „Robert“ zu ihm gesagt, nicht „Rob“ oder „Robbie“. Aus völlig anderen Gründen hätte auch niemand „Wolfi“ zu Wolfgang Schäuble gesagt. „Wolf“, das schon eher. Den werde ich vermissen, der war so hart zu sich selbst. Als Chef hätte ich ihn aber nicht gern gehabt. Bewundernswert, keine Frage, aber nur mit etwas Abstand.

Ich mag Robert Habeck, gestern vor dieser Moschee in Saudi Arabien, da musste er seine Schuhe ausziehen. Da hilft auch keiner. Menschen, die so in der Öffentlichkeit stehen, sehen bei solchen Verrichtungen zutiefst menschlich aus. Der Scheich lief baren Fußes über den roten Teppich und Robert Habeck trug neben ihm eine graue und eine schwarze dicke Wollsocke, die eine rutschte auch noch sichtbar. Ich hatte mal eine Unterhose, da war dieses Gummi am Bund kaputt, das war wirklich nervig, damit durch die Stadt zugehen. Sieht zwar keiner, trotzdem dumm gelaufen. 

Ihn, den Robert, hat das nicht gestört, genau wie der fehlende Ausweis für die Bücherei, das gefällt mir. Andererseits denke ich manchmal, die müssen so viel im Kopf haben, gibt es da keinen Mitarbeiter, der mal an frische, elegante Socken erinnert? Andererseits traue ich ihm auch zu, dass er „Brauche ich nicht, den Scheiß“ sagte, als sein Büroleiter an eine Krawatte erinnerte. Der wird später natürlich niemals über Socken sprechen. Was oben nicht klappt, das klappt unten erst recht nicht, capisci? Wenn er jetzt solche Star Wars-Socken angehabt hätte, boah, ey. Oder welche mit Sophia Thomalla drauf, dann wäre das in Saudi Arabien ziemlich in die Hose gegangen. Schwarz und grau, das passt dagegen doch gut zusammen.

„Wenn sich Putin nicht um 360 Grad ändert, nicht.“

Das sagte Anna-Lena auf die Frage einer Moderatorin ob die Ukraine sicher sei, falls Putin weiterhin Russlands Präsident bleibt. Ich habe auch mal in Mathe nicht aufgepasst. „Wenn sich Putin um 360 Grad ändert, ja“ , darüber müsst ihr mal nachdenken, auch das hätte sie sagen können, Ergebnis ist doch dasselbe.

Viel schlimmer fand ich jedoch, dass in jeder Zeitung, in jedem Internet-Artikel *erklärt* wurde, warum eine Änderung um 360° gar keine ist. 

Und das ist nun „in Wahrheit“ das viel größere Problem. Amen.

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Sophia nur aus Marketing-Gründen.

Ein Baum von einem Mann

Ein Baum von einem Mann

Es ist ja oft stürmisch hier oben, es regnet auch reichlich. Matschig der Boden, kalt der Wind im Rücken. Meine Sorge gilt dabei trotz dieser Widrigkeiten des Öfteren meinen Schuhen. Ich mag es einfach nicht, wenn der Schlamm die Sohle am Rand hochkriecht. Gehe ich mit der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, am Wasser entlang, so sage ich das nicht, dann muss ich eben putzen. Wäre ich allein, würde ich an manchen derartig schlammigen Stellen umkehren und einen anderen Weg wählen.

Hach, das wollte ich gar nicht erzählen.

Vorgestern war´s auch so, matschig, kalt, windig und nass. Die bekannte Viererkette. Von Weitem sah ich schon, dass ein großer Baum umgestürzt war, er lag quer über dem Weg, der an den Schrebergärten vorbeiführt. Man konnte mit eingezogenem Kopf noch gerade unter dem Stamm durchgehen. Jedenfalls stand neben dem quer liegenden Stamm ein Goliath von Mann, riesig groß und breit, neben ihm eine kleine, sehr zierliche Frau. Mehr Gegensatz geht kaum.

Jedenfalls rief ich spaßeshalber mit ernster Stimme: „Unfassbar! Was haben Sie denn hier angestellt?“

Er mit Unschuldsmiene: „Entschuldigung, ich musste niesen!“

Die Käsetrainerin

Die Käsetrainerin

Irgendwie ist es ja doch ganz schön, wenn diese ganzen Feste vorbei sind. Weihnachten, Silvester, Neujahr. Nur darf man es erst hinterher sagen. Und wenn eines oder zwei davon aus irgendwelchen Gründen wie Corona flachliegen, dann ist es auch wieder nicht recht. Schwierig eben.

Und vorher die Einkaufsrunden!

Die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte und ich verwenden zum Einkaufen so eine Handyapp, die heißt „Bring!“. Das ist ganz praktisch, weil neue Wünsche live in die Gemüseabteilung gesendet werden können. Ist ein Produkt gefunden, tippt man darauf und es verschwindet aus der Liste. Es ist eine tolle Sache und die App sortiert automatisch nach den Abteilungen. Mit einem Zettel fährt man mit dem Einkaufswagen oft hin und her, also ich jedenfalls. Die ist gar nicht so blöd, die App, aber bei „Streusand“ wird sie etwas unsicher. „Kunsthonig“ kennt die auch nicht, ist ja auch noch ziemlich neu die Sache mit dem Internet und so.

Mit Zetteln ist das nicht so praktisch, die verliere ich eher als mein Mobiltelefon. Wenn das weg ist, dann ist sowieso alles egal. Und das Ausrufezeichen im Namen der App, das ist wörtlich zu nehmen.

Vor Weihnachten sind gern „Hirschhornsalz“ und „Kunsthonig“ gelistet. Jedes Jahr muss ich nachdenken oder eine ältere Dame fragen, was das nochmal ist. Das wissen nur die Älteren. Damen, die älter sind als ich, finde ich irgendwie schwerer als früher. Beides braucht man für dicke Lebkuchen. Hirschhornsalz, das tippt sich auch leichter als es sich schnuppern lässt. Aber ohne geht es nicht. Kunsthonig, das ist Invertzuckersirup, aber ich muss das am Ende googlen. Und dann suchst Du eben Invertzuckersirup. Dafür braucht man bei verdächtigen Produkten eine Lesebrille. 

„Bring!“, das sagen wir auch zum Hund.

Die Käsetrainerin, also die Dame von der Käsetheke bei Edeka, die kenne ich schon länger. Ich glaube, dass sie ihre Arbeit und den Käse liebt. Sie baut ständig um. Manche Leute wechseln oft den Bildschirmschoner, andere machen das mit Käse. Manchmal steht der Beemster ganz rechts außen, eine Woche später steht er links in der Auslage. Auch mittig habe ich ihn schon gesehen, in jung, in pikant und in 24 Monate gereift. Wenn meine Trainerin nicht da ist, dann müssen ihre Kollegen oft etwas suchen.

„Wo haben Sie den Beemster gesehen? Meine Kollegin hat die Auslage optimiert.“

Sie erinnert mich an Hansi Flick, der suchte auch nach dem Optimum. Aber so ein Käse, der will doch auch wissen, wo er hingehört, der braucht eine gewisse Sicherheit. Gut, ein gestandener, alter Beemster, der kommt schon zurecht. Aber ein junger Gouda, der hat es nicht leicht mit links, rechts oder ganz hinten.

Vor Silvester stand also „Raclette-Käse“ in der App. Der französische war schon weg, der dänische sieht genauso aus, ist aber ein wenig herb, meinte die Trainerin. Also dann den aus Schleswig-Holstein.

„Wie viel brauche ich denn für 4 Personen?“, frage ich zur Sicherheit gern.

Sie: „Da empfehle ich Ihnen 12 Scheiben.“

Ich: „Ach, machen Sie bitte 20, es soll nicht knapp werden. Am nächsten Tag kommen alle Reste in eine Pfanne, das überbacke ich dann mit dem übrigen Raclette-Käse.“

„Oder auf´s Brot, das geht ja auch“, empfahl sie eine weitere Möglichkeit. Sie dreht sich um und schneidet den Käse mit der Maschine, das dauert natürlich etwas. Dann legt sie einen schiefen Berg aus Käse auf die Waage. Der Raclette aus Schleswig-Holstein hat ein ganz anderes Format, das sind Scheiben, die sind größer als ein Toastbrot, quadratisch, aber nicht so dick, klar. Ein Glück. Das mit dem anderen Format hatte ich beim Sprechen nicht mitbekommen.

„Na, das war vielleicht doch etwas viel“, sage ich zweifelnd.

Sie: „Wissen Sie, Sie könnten am nächsten Tag auch alle Reste in einer Pfanne braten und dann mit dem Käse überbacken!“

Ich: „Ach, ja, gute Idee. Geht der auch auf Brot?“

Sie: „Ja, auf Brot, das geht auch.“

Die ist total nett, genau wie Hansi Flick. Der hatte auch immer Ideen auf die kaum ein anderer kommt.

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Danach war ich noch beim Bäcker, stand auch in der App.

„10 Aufbackbrötchen“ und „4 Berliner“.

„Die Berliner isst zwar keiner“, meinte die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, „aber man muss welche im Haus haben.“

Machte beim Bäcker 28,80DM.

Am frühen Nachmittag des Silvestertages hat meine Frau beim Bäcker an der Ostsee noch acht Berliner gekauft, mit Zuckergusss, das war aber ein anderer Bäcker. 12, das passt, das hatte die an der Käsetheke auch zuerst gesagt. Der Dirk und die Klaudia, die essen diese süßen Sachen gar nicht. Egal, zwei habe ich denen am nächsten Morgen heimlich in den Korb gepackt, zwei haben meine Frau und ich gegessen, bleiben noch 8. In die Pfanne passen die jetzt nicht so.


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Eine kleine Ergänzung zur Käsetrainerin:

Nun sind drei Wochen vergangen, wieder erhalte ich schwierig zu erfüllende Aufträge der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte. Dieses Mal Beifuss, Reispapier und Austernpilze, diese für einen Art Gansersatz.

Ich kann weder Beifuss noch Reispapier ohne Hilfe finden, also gehe ich an die Käsetheke, die Trainerin ist da.

„Entschuldigen Sie, ich habe eine Frage, die nichts mit Käse zu tun hat.“

„Na, dann …. tschüss.“

Hundetage

Hundetage

Draußen knallt es schon wieder, der Hund will sofort zurück nach Hause. Andererseits kommt das ja nur einmal für einige Tage im Jahr vor, das möchte ich ihm immer sagen.

Mein Nachbar hat dagegen ein ganzjähriges Problem. Wir wohnen fast nebeneinander, bei fast jedem Hundespaziergang gehen wir an einer Bahnlinie entlang oder wir laufen am metallenen Geländer einer breiten Brücke über 10 parallele, glänzende Schienenstränge. Nun, es können auch sechs sein, ich habe nicht gezählt. Das Zählen der Kalorien war „an“ Weihnachten schon so anstregend, dass ich da erstmal eine Pause brauche.


Ach ja, der Hund, mein Nachbar und sein ganzjähriges Problem. Sein Hund wiegt zwischen 50kg und 60kg. Meiner wiegt gerade einmal schlanke 11kg und hat auch vor Zügen Respekt, nicht so wie vor dem Feuerwerk, aber immerhin. Der Hund unseres Nachbarn, Basko, nun, der hat überhaupt keine Angst vor Zügen. Der ist sozusagen Eisenbahnfan. Geht also mein Nachbar mit Basko über besagte Brücke, so setzt sich dieser mit Blickrichtung Schiene an das Geländer, steckt den Kopf minimal durch die eisernen Stangen und wartet auf Züge. Er liebt Züge. Und so wartet er. Auch mein Nachbar, der steht da mit der Leine in der Hand. Manchmal geht es fünf Schritte weiter, bis über das nächste Gleis. Dann sitzt er wieder und schaut aufs andere Gleis. Basko, nicht mein Nachbar.


Und bewege mal einen Hund von 60kg, wenn der auf einen Zug wartet.

Er sieht ein wenig aus wie ein viel zu groß geratener Husky. Wenn ich ihn da so über die Schienen starren sehe, dann denkt er vermutlich:

„Wie geht das? Lange Schlitten, so ganz ohne Hunde?“

Der ist nämlich ziemlich intelligent, der Basko. Unser Hund, nun ja, das kommt darauf an. Wenn er etwas zu fressen bekommt, dann wird er plötzlich richtig klug. Der macht dann Sachen, die man nicht einmal abgefragt hat. Als er jung war, war ich von seiner Gelehrigkeit sehr überzeugt. Es gibt keinen Hundebesitzer, der seinen Hund für geistig schwach ausgestattet hält. Betrachtet man das ganze als Normalverteilung so muss es, wenn es besonders kluge Hunde gibt, auch einige geben, die die Natur nicht gesegnet hat. Oder sein Herrchen. 

Selbstbewußt habe ich der Trainerin in der Hundeschule auch vermittelt, dass unser Hund sich außerordentlich klug anstellt. Ich erinnere mich noch, wie sie daraufhin ein wenig mit parallelem Blick in die Ferne über die grüne Wiese blickte. Heute vermute ich, dass sie dachte:

„Wie sage ich den Eltern die Wahrheit?“