Fragen zum Autofahren

Fragen zum Autofahren

Die gute alte Zeit

Im Foto seht Ihr einen alten, treuen Freund, der eine Phobie gegen Werkstätten hat. Die hat er seit 240.000 Kilometern, ja, er duldet neues Öl und neue Bremsen, aber einen Hund bürstet man ja auch regelmäßig.

Menschen gehen auch nicht gern zum Arzt, der V70 ist auch nur ein Mensch auf Rädern. Zahnriemen und Kupplung, das war über die Jahre preiswerter als die jährlichen Impfungen des kleinen Hundes. Normal, das ist Verschleiß. Also, wenn es den noch neu gäbe, seinen Sohn würde ich sofort einstellen.

Aber der „kann“ nicht viel, der hat kaum Elektronik, der sieht seine Aufgabe im Rollen. Der ist so „letztes Jahrhundert“ wie ich selbst. Der will nur um die 6 Liter Diesel zum Trinken, auch unter 5 sind mit wenig Mühe machbar. Ist eben leider alt, da konnten die Hersteller noch nicht „sparsam“.

Kleiner Scherz.

Der kleine Golf von 1981 brauchte noch einen Liter weniger. Heute fahren ja alle neuen Autos mit 3 bis 4 Litern auf 100km, das schaffe ich nicht. Genial, was die Ingenieure in 40 Jahren erreicht haben bei der Effizienz von Motoren. 🙂

Und diese normale Volvo-Musikanlage, immer wieder wunderbar, fett und laut, das ist toll gemacht für eine Standardausrüstung ohne eine spezielle 2K-Investition. Das kann Mercedes in der A-Klasse nicht, wie ich kürzlich hörte.

Automatik

Ja, ich bin so alt, dass ich nur für insgesamt 2 Jahre von 46 Jahren Autos mit Automatik fuhr, das waren aber Autos aus den 90ern und die hatten nur eine 4-Gang-Automatik, glaube ich, geschaltet habe ich die selten manuell, brauchte man auch gar nicht. Das funktionierte ziemlich gut und war praktisch. Gas weg und der Motor bremste einigermaßen mit. Auch im 4ten Gang.

Jetzt hatten wir im Urlaub ein sehr, sehr häßliches Auto aus Frankreich mit einer 6-Gang-Automatik. Mein Gott, war der schrecklich von außen, eine komplette Geschmacksverirrung. Ein Italiener macht so etwas nicht! In der Stadt sehr praktisch so eine Automatik, keine Frage, vor allem, wenn man ungewohnte Wege nimmt. Verbrauchte „nur“ 7,3 Liter mit viel Autobahn und Landstraße, das schaffe ich mit meinem Altfahrzeug leider niemals.

Man rast nicht mit einem bequemem Bus.

Leider habe ich bei dem Automatik-Franzosen vor dem ersten Kreisverkehr versehentlich den linken Fuß auf die Bremse des Franzosen gestellt, kann passieren, wenn man 13 Jahre keine Automatik-Autos fuhr. Man erschrickt, die Frau nebenan noch mehr. Nichts passiert. Aber schön, wie schnell so eine Karre steht. 🙂

Danach bin ich nur noch mit nacktem linken Fuß gefahren, das war nicht nur erfrischend kühlend bei 28°C sondern verhinderte, dass ich den Fuß benutzte und zwar mit Sicherheit, denn es geschah kein zweites Mal. Fahren alle Automatikfahrer nur mit einem Schuh? Kann man als Automatikfahrer auch einen rechten Schuh einzeln kaufen? Ich mag das Wort „Automatikfahrer“, man denkt dabei ja schnell, der Fahrer sei der Automat.

Ok, nun zum ernsten Teil und seinen Fragen:

Wie fährt man mit einer Automatik durch kurvige Landstraßen, die in Serpentinen hoch und runter führen? Wie fährt man „normale“ Landstraßen mit teilweise engeren Kurven in denen nur 70km/h erlaubt sind? Immer bremsen? Grauenhaft, so fahre ich mit Handschaltung auch nicht.

Vor der Kurve runterschalten, ab Kurvenmitte kann man wieder Gas geben und dann wieder hochschalten. So eine Automatik sucht nur nach niedriger Drehzahl, die hat keine Ahnung von Kurven. Also schalte ich die ganze Zeit manuell, eine Bremse braucht man dann fast gar nicht. Es geht nicht darum, besonders zügig zu fahren, sondern sicher und so, dass man das Auto gut „im Griff“ hat. Mit ständigem Bremsen geht das nicht. Ich habe mich in meinem alten Handschalter schon gefragt, warum so viele Leute vor mir immer bremsen, wenn sie eine Kurve sehen. Die fahren mit der Automatik! Das war mir gar nicht klar.

Dasselbe bergab, da schalte ich auch runter, die Automatik weiß nichts von „bergab“, das Auto wird dann schneller. Also sogar auf der Autobahn mit Bergen: Automatik nicht gerade praktisch. Aber das Schalten geht schnell, man merkt das kaum.

2022 waren in Deutschland bereits fast 70% aller neuen Autos ab Werk mit Automatikgetriebe ausgerüstet! Da muss es doch Tipps geben, wie man damit „richtig“ fährt!

Oder war die Leihkarre einfach ein Kleinwagen mit einer Billigautomatik und die hübschen Hochpreisprodukte aus Stuttgart, Ingolstadt und München machen das alles viel besser?

Wenn nicht, dann mache ich das nicht mit, genau wie „Sommerzeit“, auch so eine moderne Automatik.

Meine Uhr hat „Normalzeit“. Basta.

Spurhalteassistent

Dieser Leihwagen piepte immer, wenn man zu dicht an den Seitenstreifen oder an den Mittelstreifen kam, ich dachte erst, da sei etwas kaputt, zum Glück vibrierte das Lenkrad nicht. Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, wollte dann, dass ich „piepfrei“ fahre. Richte ich mich nach dem Fiepen eines Autos? Nein. Also muss man das bei jedem Start abschalten. Toll. Habe ich jeden Tag viermal oder öfter gemacht, heimlich, damit meine Frau das nicht merkt.

„Bitte fahr doch in der Mitte“ ist auch so ein Fiepen, das verdoppelt das Problem. Aber man kann *beides* ausschalten, mit einer einzigen Kombi-Funktions-Taste!

Start-Stop-Automatik

Das ist sicher energiesparend und umweltfreundlich in der Stadt, gut und schön, das kann ich akzeptieren, es war ja nur ein Leihwagen. Wäre das aber mein eigener, würde ich mich fragen, ob das gut für meinen Motor ist. Ist der kalt, ist es ziemlich schlecht, wenn der im Winter an den ersten 10 Ampeln auf 3 Kilometern immer wieder ausgeht. Auch wenn er halbwegs warm ist, kann das nicht so gesund sein, jedenfalls nicht „in the long run“.

Jedesmal fällt der Öldruck ab, beim Start muss er neu aufgebaut werden. Auch, wenn das nicht lange dauert, ist die Schmierung für kurze Zeit nicht optimal und das erhöht den Verschleiß. Oder nicht?

Also liegt eine Wahl zwischen „Umwelt schonen“ und „Motor schonen“ vor? Ist das richtig oder habe ich etwas nicht verstanden?

Oder haben die das technisch sauber gelöst?

Musik konnte der Franzose auch nicht, klang über Spotify und Mobiltelefon echt bescheiden.

Da konnte Daliah Lavi auch nicht „dagegen an“. Auch andere nicht. Moderne Zeiten.

Der Hoodie

Der Hoodie

Also so einfach ist das alles gar nicht. Ich lehne ja Bekleidung aus Kunststoff nahezu vollständig ab. Die Blutsbrüder Polyamid und Polyester spielen bei mir in derselben Liga wie Musik als mp3, Pommes, Burger oder Sneakers, tut mir Leid, aber so ist es nun einmal. Den HSV möchte ich nicht erwähnen.

Dann lagen aber bei Lidl diese Hoodies mit dem farbigen NFL-Aufdruck und die kosteten pro Stück nur 14,99€. Da kann ich ja nicht widerstehen.

Ein Hoodie, das wurde mir erklärt, das ist so eine Art Pullover mit zwei Taschen für die Fäuste, man kann auch Schlüssel, Portemonnaie und das mobile Telefon dort verstauen, aber man sieht dann figürlich aus wie Horst Schlämmer.

Die nennt man auch „Kängurutasche“, diese Tunneltasche. Australien ist weit weg vom Ruhrgebiet, das erklärt das mit Horst.

Der würde so einen Hoodie nicht tragen, auch unter dem Trenchcoat nicht. „Coat“, das ist auch Englisch und heißt Mantel. Irgendwann sagen wir auch nicht mehr Schal, sondern „Scarf“, aber das nur am Rande.

„Turnschuhe“ kennt heute auch keiner mehr, aber alle laufen damit herum.

Jedenfalls dachte ich, ich könnte den ja meinem Sohn schenken, der hat solche Ausrüstung, aber eben eher die Originalware aus den USA. Und Football spielt er auch, in der Defense. Das ist auch Englisch und heißt „Verteidigung“.

Ich werde diesen Artikel nicht ins Englische übertragen, weil hier ja sozusagen sowieso eine Art Hybrid-Sprache vorliegt.

Und meine Frau, die die beste Ehefrau von allen ist, die ich je hatte, hat den noch verpackten NFL-Hoodie etwas angepöbelt:

„Mann, was willst Du damit? Nein, Dein Sohn hat so etwas in Stapeln!“

Ja, da steckte keiner mit breiten Schultern drin, dann hätte sie das nämlich nicht gesagt.
Nach zwei Wochen konnte ich den auch nicht mehr zurückgeben und als meine Frau nicht im Haus war, da habe ich den Hoodie einfach einmal angezogen. Ein „Hoodie“, das ist nicht dasselbe wie ein „Zipper“. Ist auch Englisch.

Ein Zipper, der hat vorne einen Reißverschluss! Dann geht das mit der Kängurutasche nicht! Wenn sich also Deine Finger im Pullover treffen, dann hast Du einen „Hoodie“ an. Wenn nicht, dann kann das ein „Zipper“ sein. Ganz einfach.

Das hat mir mein Nachbar erklärt, der weiß eigentlich von allem mehr als ich. Ich frage ihn oft, dann macht er so ein Gesicht wie „Lehrern muss man alles erklären“ aber der hilft mir immer durch die Stromschnellen im Leben. So bei Glasfaser, bei Felgen, bei Hoodies, bei …. eigentlich fühle ich mich manchmal ziemlich alt neben meinem jungen Nachbarn.

Leute, ist das „kuschelig“ in so einem Gerät, dann noch die Kapuze auf und man fühlt sich wie bei Mama vor der Geburt. Und das trotz Polyamid oder Polyester!

Und im Spiegel, da war jemand, den kannte ich gar nicht. Sportlich, jugendlich, ein ganz anderer Typ. Auch wenn ich niemals so ein NFL-Spiel im TV ansehen würde. Da ist immer Pause oder Einwurf! Ich weiß gar nicht, warum die hinterher so durchgeschwitzt sind. Ich frage mal meinen Nachbarn. Manchmal, da denke ich, ich sollte ihn nicht zu oft fragen.

Nicht, dass er irgendwann plötzlich weg ist wie die Verkäufer im Media Markt. Die verstecken sich nämlich, wenn die mich sehen. Vielleicht „auf 17“, keine Ahnung.

Ich behalte den jetzt, also diesen „Hoodie“.

Unter dem Mantel von „BOSS“, geht das, wenn ich diese Kapuze hinten so runterhängen lasse oder passt das nicht zusammen? Ich habe jetzt auch eine Brille von „DOLCE“, nicht von Lidl, aber billig aus einem Auktionshaus.

Passt die dann auch noch zum Gesamtbild?

„Er trug DOLCE und BOSS und liebte die NFL“, das möchte ich nicht auf meinem Grabstein haben, nur damit das klar ist, das bin ich nämlich nicht.

–
Das Foto zeigt nicht den Lidl-Hoodie, den finde ich nicht als Foto, der ist noch bei mir auf der Leine.

The Coat


The Coat

Unfortunately, I often find myself losing arguments with my wife, who is the best wife I’ve ever had. I confess this: I often find myself wringing my hands and searching for, admittedly, „excuses“.

By a stroke of luck, I have now acquired a high-quality coat in mint condition from a well-known auction house, which, I have to admit, looks really good on me.

At least that’s what I tell myself, because my numerous purchases at extremely reasonable prices also lead to, well, discussions about their necessity. In these harmless arguments, I now rely on strong gestures instead of weak, evasive arguments:

I wear the coat inside the house.

When discussions arise, I open the coat on the right side and point with my left index finger to the brand label above the inside pocket as a way out:

„BOSS.“




Der Mantel

Der Mantel

Leider bin ich häufig in Diskussionen meiner Frau, die die beste aller Ehefrauen ist, die ich je hatte, argumentativ unterlegen. Ich gestehe dies: Oft suche ich hände- und worteringend nach, zugegeben, „Ausreden“.

Durch glückliche Fügung erwarb ich nunmehr bei einem bekannten Auktionshaus einen neuwertigen, hochwertigen Mantel, der mir, ich gestehe es, wirklich ausgezeichnet steht.

Zumindest rede ich mir dieses ein, denn meine zahlreichen Erwerbungen zu äußerst günstigen Preisen führen ebenfalls zu, nun ja, Diskussionen über deren Notwendigkeit.

In diesen Auseinandersetzungen der harmlosen Art setze ich jetzt auf starke Gesten statt auf schwache, ausweichende Scheinargumente:

Ich trage den Mantel auch im Haus.

Bei aufkeimenden Diskussionen öffne ich den Mantel auf der rechten Seite und deute als Ausweg mit dem linken Zeigefinger auf das Markenetikett über der Innentasche:

„BOSS“

„Ich habe noch nie“

„Ich habe noch nie“

Nun ja, das dürfte jeder zu bestimmten Gelegenheiten schon gesagt haben.

Jedenfalls habe ich mir noch nie Pommes Frites gekauft, ich habe mal probiert, aber nicht selbst gekauft. Süßkartoffelpommes habe ich sogar auch schon zum Fisch bestellt und gegessen, aber von einem Teller, nicht aus einer Papiertüte, die vermutlich schnell fettig wird.

Es gab auch nur die Wahl zwischen den beiden Pommes-Sorten, dann frage ich nicht nach Kartoffelspalten, die näher an der Natur sind oder gar nach Reis.

Farblich sind die aus Süßkartoffeln auch in einer anderen Liga, speziell im Kombination mit gegrilltem Fisch, aber der sollte ohne Gräten sein.

Manchmal, das habe ich gesehen, schmieren Menschen dann noch Ketchup oder Majonäse in die Papiertüte, das muss recht matschig darin werden.

Meine Tochter hat diese Nebenprodukte immer separat auf einer Unterlage und zieht die einzelnen Pommes dort hindurch, das sieht zumindest ästhetisch aus. Geschmacklich ist der Unterschied gering, sie hat mir so etwas einmal in den Mund geschoben, weil ich nicht anfassen wollte.

Aber sie muss diese Kartoffelstäbe auch mit der Hand anfassen, das ist mir schon etwas unangenehm. Man muss sich danach die Hände waschen, was ein Eincremen mit einer schnell einziehenden Creme erfordert.

Meine Hände neigen etwas zur Trockenheit, speziell in den kälteren Monaten.

Ich mag auch den Geruch von den frittierten Kartoffeln nicht, der ist so wie Volksmusik klingt, er nimmt so viel Raum ein, dass man schlechter atmen kann.

Heute musste ich an einer Ampel halten, die neben einem McDonalds-Schnell-Restaurant angebracht war.

Warum bitte, werden an solchen Orten Ampeln aufgestellt?

Unweigerlich zog der Geruch in mein Fahrzeug, so schnell kann man Fenster gar nicht schließen, die Klimaanlage lässt sich auch nicht plötzlich ausschalten, es ist schwer, dem zu entkommen.

Ich werde beim nächsten Mal eine andere Strecke wählen, wenn die Windrichtung dieselbe ist. Drehende Winde sind natürlich ein Problem für eine sichere Planung. Ich plane weniger als ihr denkt, es ist nur bei Fällen mit starken Gerüchen ein Problem, sonst nie!

Fettgeruch ist einfach nicht so ganz meine Welt.

Zucker liebe ich, besonders den leicht karamell-artigen in Brauntönen, der ist auch ungesund, aber der verbreitet einfach weniger Geruch. Und Brauntöne hat schon Ralph Lauren bei seiner Mode bevorzugt eingesetzt, das spricht auch für den braunen Zucker, speziell, wenn man Designerkleidung trägt.

Das ist einfach harmonischer als der weiße Brautzucker.

Majonäse schreibt man heute wirklich so, ich mag die in der Schreibweise noch weniger als in den älteren.

Es gibt viele Wörter mit einem „Ä“, die ich nicht schätze. Ärger, nur als Beispiel. Die Baerbock mag ich hingegen, aber die schreibt sich auch mit „ae“, das ist ein himmelweiter Unterschied. Gräten, auch so ein unangenehmer Begriff für Gefahr.

Meiner Meinung nach gehört Essen auf einen Teller, bei Bananen zum Beispiel mache ich da eine Ausnahme, auch bei einem Brötchen mit Käse und Tomaten oder einem Stück Kuchen, der aber nicht bröckeln darf.

Bröckelnder Kuchen, das geht gar nicht, es wäre aber noch schlimmer, wenn ein „ä“ darin vorkäme.

Merkwürdigerweise bin ich ein großer Freund fast jeder Art von Käse, aber ich denke dann gleich Englisch, cheese, das klingt wie ein Lächeln und das Problem ist gelöst.

Lächeln, auch das, hmm, ja, ein Lächeln mag ich sehr.

Würde man es „Lecheln“ schreiben, wäre mir das jedoch auch lieber, ganz ehrlich. Umlaute sind irgendwie so wie Pommes, auf Buchstaben sollte man sich auf einen einzigen Punkt verständigen.

Im Urlaub fuhr ich einen Citroen, den schreibt man im Original auch mit zwei Punkten, die finde ich aber nicht so schnell auf der Tastatur. Jedenfalls würde ich einen solchen Wagen schon deshalb nicht kaufen. Es erinnert einfach zu sehr an einen Umlaut.

Habt Ihr schon mal ein hässlicheres Auto gesehen? Ich selten.

Es sieht aus als würde es bald zwei Elektroroller gebären.

Umlaut, das klingt nach Umweg, Umleitung, Umkehren …. alles keine positiv besetzten Begriffe.

Von einem Burger habe ich, oh, das ist schwierig, so um das Jahr 2000 herum einmal abgebissen, auf dem Weg nach Sylt, vor der Autoverladung auf die Eisenbahn, dann nochmal, weil mein Sohn das wollte, im Jahr 2023 in München, vor dem Spiel des FC Bayern gegen den VfB Stuttgart, dass der FCB mit 3:0 gewann.

Kane erzielte das 1:0 schon nach 2 Minuten.

Das Stadion in München riecht leider in der Pause auch so, obwohl es oben eine Öffnung zum Luftaustausch hat. Bei Pommes- oder Burger-Geruch könnte ich niemals spielen. Vermutlich ist das in Leverkusen anders. Aspirin riecht nicht.

Der Anbieter dieser Burger in der Innenstadt Münchens war so ein Spezialhersteller, den Namen habe ich in Spanien auch einmal gelesen, aber da saßen keine Spanier, sondern nur Touristen.

Ein Burger kostete um die 14€, das empfand ich als sehr sportlich, denn man bekommt dafür oft 14 gebrauchte CDs, die ja einzeln schon deutlich mehr wert sind. Ok, das Porto kommt dazu, aber man trinkt ja auch etwas zum Turmprodukt.

Dieser Produzent, der macht ganz tolle Burger, sagte mein Großer. Ich fand das auch gar nicht schlecht, aber das Brötchen war sehr weich, es war reichlich Fleisch in der Mitte, leider auch Zwiebeln, Salat und irgendwie Gurke.

Ja, kann man machen, aber es ist ja alles übereinander, was auf einem Teller nebeneinander angeordnet wäre.

Niemand würde beispielsweise, um in derselben Kategorie zu bleiben, Fischstäbchen, Möhren und Kartoffelbrei übereinander schichten. Dann müsste der Kartoffelbrei so fest sein wie früher der Nato-Kitt bei der Bundeswehr.

Kurz: Es ist unpraktisch, Essen in Schichten übereinander aufzutürmen.

Schließlich will man ja davon essen und wenn man so eine Institution aufsucht, wo Menschen diese Produkte sozusagen konsumieren, nein, ich finde das absolut in Ordnung, wenn die das können, dann liegt Papier auf einem Plastiktablett und alles ist nochmal verpackt.

Obwohl die da sitzen und auch essen, die nehmen das gar nicht mit! Warum gibt es keine Teller und kein Besteck? Das verstehe ich eben auch nicht.

Das untergelegte Papier könnte man sehr gut zum Schreiben verwenden, manchmal ist die Rückseite nämlich weiß und das ist ein gutes Format für Notizen. Natürlich nicht mehr, wenn da Fettflecken drauf sind, dann muss das entsorgt werden.

Die Werbe-Aufdrucke möchte ich auch nicht unter meinem Essen haben, ich kenne keine Lokalitäten in denen das üblich ist. Tischdecken finde ich übertrieben, abwischbar, so sollte man Tische gestalten.

Zuletzt war ich verunsichert, weil nämlich unser großer Sohn bei uns im Haus, also eher draußen wegen des Bratgeruchs, selbst diese sogenannten Burger mit Hilfe eines Grills hergestellt hat, sehr gut gewürzt, herausragend gebratenes Rindfleisch, ein Genuss, wirklich.

Aber auch er hat dieses „Denken in Schichten“.

Er hatte nichts dagegen, dass ich das Design etwas ausgebreitet und dann mit einer Gabel und einem Messer genossen habe. Wirklich gut. Aber es waren auch ganz andere Bedingungen als in diesen Imbissen. 

Sagt man „Restaurant“? 

Ich weiß nicht, das ist doch eigentlich eher ein Imbiss, wie im Tatort mit Freddy Schenk und Ballauf, das muss schnell gehen, aber man kann sitzen und es gibt mehr Plätze.

Aber es bleibt doch ein Imbiss, oder sehe ich das falsch?

Ich weiß nicht, wie Ballauf vorne heißt, aber bei den Imbissszenen schalte ich manchmal auch um. Es ist in dem Fall gar nicht wegen des Geruches, es ist diese Atmosphäre von ungelösten Problemen und der Vorstellung eines Geruches.

Ich bin da etwas zu sensibel, das mag sein.

Es ist nicht schön, Menschen beim Essen von so einem geschichteten Produkt zuzusehen. Der menschliche Mund geht ja tendenziell eher in die Breite und weniger in die Höhe, also ist er mehr wie ein Teller als ein Turm.

Bis gestern hatte ich noch nie eine Serie bei Amazon oder Netflix angesehen, wir haben diese Sachen im Fernsehgerät, aber ich habe mich da nie herangetraut, weil man so schnell süchtig werden kann.

Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, ist ein charakterlich schwaches Exemplar in dieser Hinsicht. Um 21:00 ist sie müde und will nur eine Folge ansehen, aber um Mitternacht kommt sie dann total erschossen ins Schlafzimmer.

Warum machen Menschen das?

Am Morgen weiß sie nicht einmal, ob der Hauptdarsteller Ripley heißt oder die Serie!

Leider war ich gestern am Abend allein zu Hause und habe die erste Folge von „Ripley“ fast ganz angesehen, in Schwarz-Weiß, aber etwas zu bild-scharf mit vielen Nahaufnahmen, herausragend gemacht, wirklich, aber auch wieder einen Ticken zu bemüht, um einen 60er-Eindruck zu machen.

Der Hauptdarsteller hat übrigens exakt meine Schuhe, die habe ich letztes Jahr in Italien gekauft, die sehen wirklich wie aus den 60ern aus, aber ich bin ja auch nicht mehr jung. Meine lasse ich gerade neu besohlen, das kostet 34€, die Schuhe waren nicht wesentlich teurer, aber diese Reparatur lohnt sich.

Wie viele Folgen hat die Serie? Vielleicht werden die Schuhe des Hauptdarstellers auch noch besohlt, das wäre für mich ein Grund, die weiteren Folgen anzusehen.

Ich bin kein Freund davon, solche wartungsarmen Turnschuhe zu tragen.

Wenn Ihr mich fragt, gehören die auf eine Laufbahn.

Und diese Start-Stop-Automatik schalte ich aus im Auto, da fällt jedes Mal der Öldruck ab und das kann nicht gut für den Motor sein. Dann gibt es noch den Spur-Halte-Assistenten, grauenhaft, dieses Fiepen. Schalte ich auch aus, so wie Turm-Burger oder Fett-Pommes aus Tüten.

Spur-Halte-Assistent, so ein Blödsinn, in der Eisenbahn hat man das ja auch nicht.

Ich hänge noch ein Foto von Penelope Cruz dran, weil die aus Spanien kommt und weil einfach in jeder Erzählung etwas Positives vermittelt werden soll. Sie macht das gut.

Lucinda Williams, a double album in real life

Lucinda Williams, a double album in real life


Side A - The Before

I claim to know Hamburg well. When there's a concert, I walk my old student routes and have a milk coffee at "Backwahn" on Grindelallee. Not much has changed there, the chairs are the same as in 1984. You need such constants in life, some more, some less, me more. The "baking madness" (a translation, it sounds like Bhagwan in German, the 80s, y'know?) and Lucinda, for example. The fact that I forgot my cell phone charger meant that I went on a digital detox for over four hours, an unusual fast. Because the target was Lucinda Williams for the fourth or fifth time in 21 years, no woman I have seen more often, on stage, not in real life. Although that's what Lucinda stands for: For real life with its white balls and its black balls, which are often drawn unpredictably.

Then I read "Der Spiegel" (German "Newsweek" or "Time") with my café au lait, which I don't read very often because I don't like the language in it, but that's a matter of taste, I'll come back to such questions later. Then a big glass of water, which I will come back to later as well. Then a walk through the university district and another regret that "2001" closed its doors years ago, they sold books and records in the 80s for good prices. Then around 5:30pm into the city center, a fatal mistake from the 80s, construction sites, traffic jams, extremely exhausting. Especially because of the big milk café and the big glass of water. After a 15-minute stop just before the Gertrudenkirchhof, the Volvo had to move to the sidewalk for a moment, the Asian restaurant looked like it could save me. The tall Asian woman gave me a curt "For customers only," although I asked nicely, no "Good evening", no "I'm sorry," nothing. Not Hanseatic enough, not British enough for a slightly English town in Germany, very weak.

"If I pee on your counter now, I'll get a letter from your lawyer tomorrow. If you don't let me go where I want to go, you'll get a letter from *my* lawyer tomorrow," was my equally un-Hanseatic response.

Unnecessary. The lacquered fingers gave way and showed me a door, which I closed after 60 seconds, the Volvo waited dutifully like our dog for my return, the tin caravan hadn't moved an inch. That's possible.

A parking lot 100 meters away from Michelle, as big as a barn door. Perfect. Then to her, as I like to say. She's been there for everyone since 1977, for me only since 1980, we started late, but intensively and several times a week. "Michelle" has been *my* record store for over 40 years. I didn't have much time left, but then I had to buy something, Willy DeVille live for €3. The owner has grown older with me, he understands such things. You don't leave a record store without a receipt in your jacket. The real man's shoes are the records and CDs.


Side B - Brother John the Evangelist

I wanted to meet three good men who have made it their life's work to preserve musical experiences for posterity. We all get older, the first bumps are often not visible, two men in my age group had to cancel, Vanillo and the Buccaneer, too bad. The third had been recommended to me, we only knew each other from writing, but hadn't arranged to meet, his name is "The Evangelist", why, we don't know. His friends are said to have baptized him "Brother John".

A seated show, so the market hall is seated. There is an age when you appreciate that, I don't yet, but soon I will. I was about 20th in line, still 20 minutes to go. People talk a bit about music, about other concerts, people sometimes listen to me without me having to ask, like in school, I listen too. One woman, whose husband seemed to have taken her, it seemed to me, very attractive, very tall, with flowing blonde hair, remarked, "I find Lucinda Williams rather boring!" Hopefully not her companion, for only a Seeker would be so provocative. For whatever.

"Sure, no problem, some people find Picasso, Bob Dylan and Franz Kafka boring too, it's just a matter of taste!" I smiled back.

Sometimes I feel good when I can get rid of something like that en passant, I'm not looking for friends everywhere. I had already lost two women today, first the Asian, now a good-looking blonde from Hamburg from the Elle Macpherson league, i.e. in terms of legs. I thought I met her once at Rhiannon Giddens, but it was not her, the attentive reader remembers that and so do I.

It was quite cold, around 6 degrees Celsius, I was wearing two scarves, one of which the best wife I've ever had calls a "rag", a leather jacket that can withstand northern storms, a sweater, a jeans shirt, a t-shirt underneath, pants, shoes from Tuscany, unfortunately not matching the belt. Then suddenly a man stood beside me, who seemed to have come from a Hallig or from the high mountains. He was wearing only a wide blue shirt, which he let hang loosely over his trousers. It was 6 degrees Celsius in the north, I told you. He smiled at 25 degrees in the shade. "He must have been through a lot", I thought.

"How can you stand it, I'm cold enough as it is!"

I told him there was nothing to do, the blonde was lost anyway. There aren't many women at concerts, at least they mostly avoid the ones I go to. I try to understand them, but it remains an attempt. For example, I don't like to go to shoe stores, men and women are different, we shouldn't have any illusions about that.

"I have an inner warmth, I'm not cold."

He could have said "wimp" in a Nordic way, but his eyes said what he said.
A few minutes passed, followed by the first information about handing in all jackets for security reasons. Then the man with the inner warmth was suddenly gone, I found him again further down, he was putting something in his sock that looked like a technical device that seemed familiar to me. A musical provider for posterity, a clear case!

"Are you Brother John the Evangelist?"

A smile appeared from the sidewalk, yes, the brother, it was him, Heaven sent him next to me. The evening was getting better and better. The phase of getting to know each other in reality and finding a good place was quickly over, we didn't need any more words, he knew that I knew how to behave, no talking, silent clapping, silent enjoyment with eyes and ears, that's how it works. And the evangelist, he is not only interested in music, having traveled from the south, he told of visits to Caspar David Friedrich and his favorite, Otto Dix. These are not musicians, by the way. I learned a lot from small details when my new brother spoke, he can do it well and with loving affection for artists. Men don't always appreciate conversation, as long as it's not about soccer or cars. Well, yes, you have to look long and hard to find someone who likes Otto Dix. It's easier with Netflix.


Side C - L.A. Edwards

The support act, a big surprise, sounded great and they looked good, right, that's what I would write if I was a woman of 25 to 30 years, no, even those in their seventies would have thought my thoughts, it never ends.

On the left was a young Jackson Browne on bass, on drums the one with the short hair and the mustache, the singer with the full beard and the guitar. He moved sparingly but effectively, the one with the pirate scarf and guitar helping him. "You can't beat two guitars, bass and drums", Lou Reed once said, I think. Plus someone at the keyboard, hair in his face, mysterious, a dream for every female groupie, even if he only had a triangle.

Very variable, "Wildflowers" by Tom Petty as a cover, very good, the evening was already going well, even if Lucinda had canceled. I'll see the guys again in July at the Nochtspeicher. Why did they call me "sir"? I'm younger than Anthony Hopkins and King Charles!


Side D - Lucinda Williams

Awesome!

"I would trade tickets for Lorde, Taylor and Miley for one with Lucinda," I said to one of her crew members after the show. Her short stories for each song tell of a long life at over 70, she sings like a 30 year old, the physical limitations are irrelevant to what she does.

We've known each other for 40 years, but she doesn't know that. Writing about music doesn't have to be like that and nobody wants to read about Doug Pettibone who looks more and more like a young Robbie Robertson. Describing Lucinda's greatness is like carrying owls to Athens. Not many people play in that league. Aretha? Tina? No.

Lucinda was just as good as in 2003 at the Fabrik, only the pirate was missing. At the end, the hall stood for the last four songs, Lucinda smiled, waved and didn't seem to want to leave, she played for more than two hours, not using her chair for a second. Anyone would have understood, but she despised the chair. The farewell was touching, I'm sure many people felt the same way, I needed a handkerchief again, but only my fingers helped to solve the problem in the half-light. Of course I would never confess.


The Bonus Single - The After Show Party

Brother John and I stood at the bar for a long time until the security guards came. "Wow, that look is deadly", I remarked to the defensive blonde and her companion. "So slowly ...", yes, we had understood, you still feel comfortable among the last 10 of 800, among the last three you don't want to be the last idiot to prolong the evening. There were still four jackets hanging in the checkroom, I had the big plastic piece on my keychain, but I couldn't find the little note with the number 709. I kind of remember numbers like that. The students, however, asked for the piece of paper, the plastic piece that "everyone can find," but with a smile, because we all knew that you could find a piece of paper with the number 709 on it too.

"Shall I tell you what's in the bags?"

No, that was okay, they wanted to go home too. Farewell to Brother John, one more photo in front of Lucinda's poster and off to the hotel for Brother John at 4 degrees, on for Maddin to Gevadder Volvo in 8 minutes. And then straight on to 23 degrees!

"And the window at the bottom right of the music store is darkened".

_

https://maddin61.wordpress.com/

Lucinda Williams, ein Doppelalbum im echten Leben

Lucinda Williams, ein Doppelalbum im echten Leben


Side A - Das Davor

Ich behaupte, dass ich Hamburg gut kenne.


Wenn ein Konzert stattfindet, dann gehe ich vorher meine alten Studentenwege ab und trinke im Backwahn in der Grindelallee einen Milchcafé.

Dort hat sich wenig verändert, die Stühle sind dieselben wie 1984.

Solche Konstanten braucht man im Leben, manche mehr, manche weniger, ich mehr.

Das Backwahn und Lucinda zum Beispiel.

Dass ich mein Ladekabel für das mobile Telefon vergessen hatte, führte dazu, dass ich "digital detoxing" betrieb, über 4 Stunden lang, ungewohnt so eine Fastenzeit.

Denn das Ziel hieß zum vierten oder fünften Mal in 21 Jahren Lucinda Williams, keine Frau habe ich öfter gesehen, also auf der Bühne, nicht im wirklichen Leben.

Obwohl Lucinda genau dafür steht: Für das wirkliche Leben mit seinen weißen Kugeln und seinen schwarzen Kugeln, die oft unvorhergesehen ausgelost werden.

Dann las ich zum Milchcafé den "Spiegel", den ich sonst selten lese, weil ich die Sprache darin nicht sehr schätze, aber das ist eine Geschmacksfrage, auf derartige Fragen komme ich später zurück.

Danach noch ein großes Glas Wasser, auf dieses Glas komme ich ebenfalls später zurück.

Ein Zug durchs Uni-Viertel und ein erneutes Bedauern, dass "2001" seine Pforten vor Jahren verriegelte, schloss sich an.

Dann gegen 17:30 in die Innenstadt, eine fatale Fehlentscheidung aus den 80ern, Baustellen, Stau, höchst anstrengend.

Vor allem wegen des großen Milchcafes und des großen Glases Wasser.

Nach 15 Minuten Standzeit kurz vor dem Gertrudenkirchhof musste der Volvo dann kurz auf den Bürgersteig, das asiatische Restaurant sah aus als könne es mich erlösen.

Die großgewachsene Asiatin beschied mir ein knappes "Nur für Kunden", obwohl ich freundlich fragte, kein "Guten Abend", kein "tut mir leid", nichts.

Nicht hanseatisch genug, nicht britisch genug für eine leicht englisch anmutende Stadt in Deutschland, ganz schwach.

"Wenn ich Ihnen jetzt an den Tresen pinkle, dann bekomme ich morgen Post von Ihrem Anwalt. Lassen sie mich nicht dahin, wo ich hin will, bekommen Sie morgen Post von meinem Anwalt", so meine ebenso unhanseatische Replik.

Unnötig.

Die lackierten Finger gaben nach und zeigten mir eine Tür, die ich nach 60 Sekunden wieder schloss, der Volvo wartete brav wie unser Hund auf meine Rückkehr, die Blechkarawane hatte sich keinen Millimeter bewegt.

Geht doch.

100m von Michelle entfernt ein Parkplatz, groß wie ein Scheunentor. Perfekt.

Dann zu ihr, wie ich gern sage.

Sie ist seit 1977 für alle da, für mich erst seit 1980, wir starteten spät, aber intensiv und mehrmals wöchentlich.

"Michelle", das ist *mein* Plattenladen seit über 40 Jahren.

Viel Zeit hatte ich gar nicht mehr, dann muss ich aber trotzdem irgendetwas kaufen, Willy DeVille live für 3€. Der Besitzer ist mit mir älter geworden, er versteht so etwas.

Man verlässt kein Plattengeschäft ohne einen Wareneingang in der Jacke.

Die Schuhe des wahren Mannes sind die Platten und CDs.


Side B - Bruder Johannes, der Evangelist

Ich wollte mich ja mit drei guten Männern treffen, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, Musikerlebnisse für die Nachwelt zu konservieren.

Wir werden alle älter, die ersten Beulen sind oft nicht sichtbar, zwei Männer meiner Altersgruppe mussten absagen, Vanillo und der Freibeuter, sehr schade.

Der dritte war mir wärmstens empfohlen worden, wir kannten uns nur vom Schreiben, hatten uns aber nicht verabredet, er heißt "Der Evangelist", warum, das weiß man nicht.

Seine Freunde sollen ihn "Bruder Johannes" getauft haben.

Eine "seated-show", also die Markthalle bestuhlt. Es gibt ein Alter, in dem man dies zu schätzen weiß, ich noch nicht, aber bald. Ich hatte ungefähr Platz 20 in der Schlange, noch 20 Minuten bis zum Einlass.


Man redet ein wenig über Musik, über andere Konzerte, die Menschen hören mir manchmal zu, ohne dass ich das einfordern muss wie damals in der Schule, ich höre auch zu.

Eine Frau, deren Mann sie offenbar mitnahm, so schien es mir, höchst attraktiv, sehr groß, mit blondem wehenden Haar, bemerkte "Ich finde Lucinda Williams ziemlich langweilig!"

Ihren Begleiter hoffentlich nicht, denn so provokativ tritt doch nur eine Suchende auf. Nach was auch immer.

"Klar, kein Problem, mancher findet Picasso, Bob Dylan und Franz Kafka auch langweilig, ist ja nur eine Geschmacksfrage!", lächelte ich zurück.

Manchmal fühle ich mich gut, wenn ich so etwas en passant loswerden kann, ich suche nicht überall Freunde.


Heute hatte ich schon zwei Frauen verloren, erst die Asiatin, nun eine gutaussehende blonde Hamburgerin aus der Katja Suding-Liga, also die Beine betreffend.

Die traf ich einst bei Rhiannon Giddens, der aufmerksame Leser merkt sich so etwas, ich auch.

Es war recht kalt, um die 6 Grad, ich trug zwei Schals, den einen nennt die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, einen "Lappen", eine Lederjacke, die nördlichen Stürmen standhält, einen Pullover, ein Jeanshemd, darunter ein T-Shirt, eine Hose hatte ich an, die Schuhe aus der Toscana, leider nicht passend zum Gürtel.


Dann steht plötzlich ein Mann neben mir, der von einer Hallig oder hohen Bergen zu kommen schien. Er trug nur ein weites blaues Hemd zur Hose, das er locker über die Hose hängen ließ. Bei 6 Grad Celsius im Norden. Er lächelte für 25 Grad im Schatten. "Der muss schon viel erlebt haben", dachte ich.

"Wie hältst Du das aus, mir ist so schon kalt!", sprach ich ihn an, es war ja nichts zu tun, die Blondine war eh verloren.

Es sind ja nicht viele Frauen bei Konzerten, jedenfalls meiden sie die, die ich besuche, zum größten Teil. Ich versuche sie zu verstehen, es bleibt jedoch beim Versuch.

Ich gehe zum Beispiel ungern in Schuhgeschäfte, Männer und Frauen sind verschieden, da sollten wir uns keine Illusionen machen.

"Ich habe eine innere Wärme, mir ist nicht kalt."

Er hätte ja auch nordisch "Weichei" sagen können, aber seine Augen sagten das, was er sagte.


Einige Minuten vergingen, erste Informationen zur Abgabe aller Jacken aus Sicherheitsgründen folgten.


Dann war der Mann mit der inneren Wärme plötzlich weg, ich fand ihn weiter unten wieder, er steckte etwas in seine Socke, das aussah wie ein technische Gerät, dass mir vertraut vorkam.

Ein musikalischer Versorger der Nachwelt, ein klarer Fall!

"Bist Du Bruder Johannes, der Evangelist?"

Ein Lächeln tauchte vom Pflaster wieder auf, ja, der Bruder, er war es, der Himmel sandte ihn neben mich.


Der Abend wurde immer besser.

Die Phase des Kennenlernens in der Realität und der Organisation eines guten Sitzplatzes waren schnell abgeschlossen, mehr Worte brauchten wir nicht, er wusste, dass ich weiß, wie ich mich zu verhalten hatte, kein Quatschen, stummes Klatschen, stiller Genuss mit den Augen und Ohren, so geht das.

Und der Evangelist, der interessiert sich nicht nur für Musik, aus dem Süden angereist, berichtete er von Besuchen bei Caspar David Friedrich und seinem Favoriten Otto Dix.

Das sind übrigens keine Musikanten.

Viel habe ich an kleinen Details gelernt, wenn mein neuer Bruder sprach, er kann das gut und mit liebevoller Zuneigung zu Künstlern.

Unter Männern stehen Gespräche nicht immer in hohem Ansehen solange es nicht um Fußball oder Autos geht. Gut, ja, man muss jemanden, der Otto Dix mag, aber lange suchen.

Bei Netflix ist das nämlich einfacher.


Side C - L.A. Edwards

Die Vorgruppe, eine große Überraschung, klang toll und gut sahen sie aus -richtig- so würde ich schreiben, wäre ich eine Frau von 25 bis 30 Jahren, nein, auch solche bis in ihre Siebziger hätten meine Gedanken gedacht, es hört ja nie auf.

Links am Bass ein junger Jackson Browne, am Schlagzeug der mit dem kurzen Haar und dem Schnauzer, der Sänger mit Vollbart und Gitarre. Er bewegte sich sparsam, aber effektiv, der mit dem Piratentuch und der Gitarre half ihm.


"You can´t beat two guitars, bass and drums" sagte Lou Reed irgendwann einmal, glaube ich.

Dazu noch einer am Keyboard, die Haare im Gesicht, geheimnisvoll, ein Traum für jeden weiblichen Groupie, auch wenn er nur eine Triangel gehabt hätte.

Sehr variabel, "Wildflowers" von Tom Petty als eingestreutes Cover, sehr gut, der Abend war schon jetzt gut gelaufen, auch wenn Lucinda noch abgesagt hätte.


Im Juli sehe ich die Jungs im Nochtspeicher wieder. Warum sagten sie "Sir" zu mir? Ich bin jünger als Anthony Hopkins und King Charles!


Side D - Lucinda Williams

Großartig!

"I would trade tickets for Lorde, Taylor and Miley for one with Lucinda", sagte ich nach der Show zu einem aus ihrer Crew.


Ihre kurzen Geschichten zu jedem Song erzählen von einem langen Leben mit über 70 Jahren, sie singt wie eine 30jährige, die körperlichen Einschränkungen sind ohne Bedeutung für das, was sie tut.

Wir kennen uns seit 40 Jahren, aber das weiß sie ja nicht.


Über Musik schreiben, das muss nicht sein, auch dass Doug Pettibone immer mehr einem jungen Robbie Robertson ähnelt, das will keiner lesen.

Lucindas Größe zu beschreiben, wer trägt schon Eulen nach Athen? In dieser Liga spielen nämlich nicht viele. Aretha? Tina? Nein.

Lucinda war genauso gut wie damals 2003 in der Fabrik, nur der Freibeuter, der hat wirklich gefehlt.


Zum Schluss stand die Halle für die letzten vier Songs, Lucinda lächelte, winkte und schien nicht gehen zu wollen, mehr als zwei Stunden hat sie gespielt, keine Sekunde den Stuhl benutzt.

Jeder hätte es verstanden, sie aber verachtete den Stuhl.

Berührend war der Abschied, es ging sicher vielen so, ich brauchte mal wieder ein Taschentuch, aber nur die Finger halfen bei der Lösung im Halbdunkel.

Würde ich niemals gestehen, klar.


Die Bonus-Single - Die After-Show-Party

Bruder Johannes und ich standen lange noch am Tresen, bis der Sicherheitsdienst sich aufstellte, wortlos.


"Boah, der Blick ist ja tödlich" bemerkte ich zu der wehrhaften Blonden und ihrer Begleitung.

"So langsam ...", ja, wir hatten verstanden, unter den letzten 10 von 800 fühlt man sich noch wohl, unter den letzten drei will man nicht der letzte Idiot sein, der den Abend streckt.

An der Garderobe hingen noch vier Jacken, ich hatte zwar das große Plastikteil am Schlüsselbund aber den winzigen Zettel mit der Nummer 709, den fand ich nicht.

Solche Zahlen merke ich mir irgendwie.

Die Studentinnen forderten aber den Zettel, das Plastikteil "kann ja jeder finden", aber mit einem Lächeln, denn wir wussten alle, dass man auch einen Zettel mit der 709 finden kann.

"Soll ich Dir sagen, was in den Taschen ist?"

Nein, war dann doch ok, die wollten ja auch nach Hause.


Abschied von Bruder Johannes, noch ein Foto vor Lucindas Plakat und auf zum Hotel für Bruder Johannes bei 4 Grad, auf für Maddin zu Gevadder Volvo in 8 Minuten.

Und dann gleich auf 23 Grad!

"Und verdunkelt ist das Fenster unten rechts im Musikhaus".


_

https://maddin61.wordpress.com/

Phone & Defense

Phone & Defense

Yesterday I had to buy some equipment for the new fiber optic connection, no, it won’t make the stories better or shorter, it will just make them a lot faster.

Well, anyway, I wanted to inquire about an item of clothing and the prices in this little shop in the shopping mile. When I entered the empty store, I found a young saleswoman on the phone: 1.73 m, 62 kg, dark hair, medium length, about 40, realistically estimated, well, she doesn’t read it, all in black, including the turtleneck. Only the length of the hair, the black clothes and the phone are certain. Details are not as important as one often thinks.

I told her without saying a word that I had time, that she should make the call in peace, and it took at least another two minutes. She gave the impression that she wanted to end the call, but her interlocutor didn’t, but somehow she didn’t speak at all, she kept nodding silently and looking around a little, I can see that out of the corner of my eye while I’m looking at socks that don’t interest me at all. Typical, these wandering glances of the saleswoman while she actually wants to do something else, I thought. That’s what little flight reflexes look like. Nevertheless, she looked good while making a silent phone call, not an easy task, because you have to have the right looks for it, and she was quite good at it.

Then she curtly ended the call, tapped her cell phone, and rolled her eyes so hard that she even squinted a little. She looked even worse than before. I have to admit that I’m more interested in facial expressions than clothes.

„Yes, please, what can I do for you?“

„Who was that? Your mother?“

We laughed briefly, yes, of course it was her.

I somehow knew that from before, from my own years from about 20 to just before my 60s. It’s not always easy to deal with a phone, especially if you don’t like talking on the phone anyway, and mothers can really talk a lot on the phone. I don’t remember any questions myself, at least not from my mother, at most something like, „You’ll agree with me, won’t you?“ An awkward moment that could quickly lead to explosions on the other end of the line. I was the son of the diplomatic foreign minister Hans-Dietrich Genscher. If you don’t know him, he was the one with the bright yellow sweater over his white shirt. And he could say a lot without saying anything, as the job required.

Perhaps my aversion to almost any kind of telephone conversation stems from that 40-year experience. I can still handle a call to the dentist, I’m flexible. Apart from that, I listen, but in general, away from the phone, I probably talk too much and too loudly, which comes from working at the school and the fact that I often talk to older people, i.e. people my own age.

On the same day, a very good, very old friend wrote to me, not old as in „old man“, but old as in Old Firehand. The ‚old‘ is just to emphasize that he was really good at shooting. Or „old“ is more like „shrewd“ or „cunning“ or „experienced“, I don’t know what Karl May had in mind. Maybe he meant something like ‚old Swede‘. „Old Swede“ is a German proverb.

The „old Swede“ comes from the fact that a German warlord, Elector Frederick William, wanted his soldiers to be trained very rigorously. So he brought in old Swedish soldiers. They were known to be very strict. And that’s why they got the nickname „Old Swedes“. „Old Swede“ was originally used as an insult to Swedish soldiers in training, but the meaning has changed over time. Today it is mainly used to express astonishment or amazement. It is also used as a synonym for a good friend or „buddy“.

Didn’t you know that? Tscha, …. I didn’t either, I researched it.

Men don’t say „I like you“, they just say „You old Swede“. I doubt if there are similar expressions among women.

And I know more about mothers than I do about soldiers.

It’s not so bad to be able to shoot back on the phone, unfortunately I never had that. I also rarely kicked hard in soccer, unless we were behind. Yellow cards in those days were more for complaining, for talking, and you could afford to complain sometimes, even off the pitch. Mom often gave you yellow cards, mostly for having the wrong opinion.

I don’t think my good old friend has fought back much in his life either. To be able to do that is psycho-hygienically quite healthy, even towards mothers, at least that’s what I think today, in retrospect. If you fight back too late, you might not even know where to look for the bullets in your belt, if you know what I mean.

A certain amount of early defensiveness seems to make sense to me, and adolescence is the perfect time for it. This „defensiveness“ can be practiced with one’s own mother, and then one is better prepared for life. Mothers should also understand and appreciate this, but it’s not easy. Basically, I also find contradiction a bit exhausting and demanding. On the other hand, nobody said that everything has to be easy.

My good old friend, I haven’t seen him very often in my life because we live so far apart, … but those few times were actually enough, which I find quite amazing. Our mothers could have been siblings, but they weren’t, we rarely wrote about it in passing, our subjects were different.

It’s great to have friends, you don’t necessarily have to see them every Friday if your schedule doesn’t allow it. Sometimes it’s comforting to know that you can write and be sure to get a response. In any case, both our mothers are long gone, but you can’t forget them, that would be unnatural.

Besides parents, there are a few real „life companions“ like Picasso, Thomas Mann, Franz Kafka, Bob Dylan or, for younger people, Taylor Swift or Kendall Jenner.

Of course, you can also just get married early.

I knew all my musical and literary companions before the best wife I ever had. I don’t know if she’s jealous, but maybe it’s not wise to ask after more than 30 years. It may be that I can no longer have a musical companion sing in the car, and that would be a real sacrifice. We always let the driver choose the music, which is the only reason I like driving again.

But you shouldn’t spend too much time with your own mothers either. In general, it doesn’t make sense to dwell too much on the past if you want to learn enough about the present. Unless you’re studying history.

And because my good old friend, whom I saw so rarely, wrote to me that he reads his father’s and mother’s old letters so often, …. unfortunately, I have nothing but a few photos of my deceased mother, because a former relative wants to keep all these memories in his closets for himself, …. I just asked my ‚old Swede‘:

„Hey, is this really good for you? Why don’t you just turn that old paper from the past into a nice, warm fire on the beach in the present?“

Somehow „Teflon & Truthfulness“ would have fit.

_

What do people do in stories when no one reads them?

I often wonder in which countries of the world this quickly typed articles are read. Often outnumbering their domestic counterparts. Do you read it in German? Or do you rather read the English version, which has been offered recently? I would be happy to receive a short e-mail from where you read it.

longandwastedyears(at)t-online.de

https://maddin61.wordpress.com/

Telefon & Wehrhaftigkeit

Telefon & Wehrhaftigkeit


Gestern musste ich noch einige Geräte für den neuen Glasfaseranschluss kaufen, nein, durch den wird es weder bessere noch kürzere Geschichten geben, sie werden nur bedeutend schneller sein.

Nun, jedenfalls wollte ich mich noch in diesem kleinen Geschäft in der Shopping-Meile nach einem Kleidungsstück und den Preisen dafür erkundigen. Als ich in das leere Geschäft ging, fand ich eine junge Verkäuferin am Telefon vor: 1,73m, 62kg, dunkle Haare, halb lang, etwa 40, realistisch geschätzt, nun ja, sie liest es ja nicht, ganz in schwarz, auch der Rollkragenpullover. Als gesichert anzusehen sind nur die Länge der Haare, die schwarze Kleidung und das Telefon. An sich sind Details gar nicht so wichtig wie man oft denkt. 

Ich bedeutete ihr wortlos, dass ich Zeit habe, sie solle in Ruhe weiter telefonieren, es dauerte noch mindestens 2 Minuten. Sie machte den Eindruck, sie wolle das Gespräch beenden, ihr Gesprächspartner jedoch nicht, aber irgendwie sprach sie gar nicht, sie nickte immer wieder stumm und blickte ein wenig um sich, ich sehe das aus dem Augenwinkel während ich mir Socken ansehe, die mir völlig gleichgültig sind. Typisch, diese irrenden Blicke der Verkäuferin, während sie eigentlich etwas anderes tun möchte, so dachte ich. So sehen kleine Fluchtreflexe aus. Trotzdem sah sie beim stummen Telefonieren gut aus, keine einfache Aufgabe, man muss dafür nämlich auch geeignete optische Voraussetzungen mitbringen, das konnte sie recht gut. 

Dann beendete sie knapp das Gespräch, tippte auf´s mobile Telefon, verdrehte die Augen deutlich, so dass sie sogar etwas schielte. Sie sah damit weniger gut aus als vorher. Ich interessiere mich mehr für Gesichtsausdrücke als für Bekleidung, zugegeben. 

„Ja, bitte, was kann ich für Sie tun?“ 

„Wer war das? Ihre Mutter?“ 

Wir haben kurz gelacht, ja, klar, sie war es. 

Ich kannte das irgendwie von früher, also aus meinen eigenen Jahren von circa 20 bis knapp vor meine 60er. Es ist nicht immer leicht, mit einem Telefon umzugehen, gerade, wenn man sowieso nicht gern telefoniert und Mütter können am Telefon wirklich sehr viel erzählen. Ich selbst kann mich nicht an Fragen erinnern, jedenfalls nicht von meiner Mutter, höchstens an so etwas wie „Da wirst Du mir ja Recht geben, oder?“ Ein heikler Moment, der schnell zu Explosionen am anderen Leitungsende führen konnte. Da wurde ich früher quasi zum Sohn vom diplomatischen Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Wenn Ihr den nicht kennt: Das war der mit dem hellgelben Pullover über dem weißen Hemd. Und der konnte viel sagen ohne etwas zu sagen, so wie es der Job erforderte. 

Vielleicht kommt meine Abneigung gegen fast jede Art von Telefongesprächen aus dieser 40-jährigen Erfahrung heraus. Einen Anruf beim Zahnarzt schaffe ich trotzdem, ich bin ja flexibel. Ansonsten höre ich aber auch zu, generell spreche ich abseits vom Telefon vermutlich erstens zu viel und zweitens zu laut, das kommt aus der Schultätigkeit und daher, dass ich oft mit älteren Menschen spreche, also mit solchen meines Alters. 

Am selben Tag schrieb mir ein sehr guter, sehr alter Freund, also er ist nicht alt im Sinne von „bejahrt“ sondern „alt“ im Sinne von Old Firehand. Das „Old“ soll ja nur betonen, dass er wirklich besonders gut feuern konnte. Oder ‚old‘ eher wie ‚gewieft‘, ‚gerissen‘ oder ‚erfahren‘, keine Ahnung, was Karl May sich dachte. Vielleicht meinte der auch so etwas wie bei „alter Schwede“. 

Das mit dem „alten Schweden“ kommt daher, dass ein deutscher Kriegsherr, Kurfürst Friedrich Wilhelm, seine Soldaten so richtig streng ausbilden lassen wollte. Und dazu holte er sich alte schwedische Soldaten. Die waren dafür bekannt, besonders streng zu sein. Und die haben deswegen den Spitznamen „Alte Schweden“ bekommen. „Alter Schwede“ wurde also ursprünglich als Schimpfwort gegenüber schwedischen Ausbildungssoldaten verwendet, doch hat sich die Bedeutung im Laufe der Zeit geändert. Heute wird der Ausdruck vor allem benutzt, um Verwunderung oder Erstaunen auszudrücken. Auch als Synonym für einen guten Freund oder „Kumpel“ findet der Ausdruck Anwendung. 

Ihr wusstet das nicht? Tscha, …. ich auch nicht, ich habe das recherchiert. 

Unter Männern sagt man nicht „ich mag Dich“, man sagt eben „Du alter Schwede“. Ob es vergleichbare Ausdrucksweisen unter Frauen gibt, bezweifle ich. 

Und mit Müttern kenne ich mich besser aus als mit Soldaten. 

Es ist gar nicht so schlecht, auch am Telefon einmal zurückfeuern zu können, das war mir leider nie gegeben. Fies zugetreten beim Fußball habe ich auch selten, es sei denn wir lagen zurück. Die gelben Karten gab es damals eher für´s Meckern, das heißt also für´s Sprechen, das Meckern darf man sich durchaus mal leisten, auch außerhalb des grünen Rasens. Von Mutti bekam man oft gelbe Karten, meistens für falsche Ansichten. 

Ich glaube mein guter alter Freund hat auch nicht viel zurückgefeuert in seinem Leben. Das zu können ist psycho-hygienisch recht gesund, auch gegenüber Müttern, zumindest denke ich das heute, im Nachhinein. Wenn man zu spät zurückschießen will, dann kann es sein, dass man gar nicht weiß, wo man die Patronen im Gürtel suchen muss, wenn Ihr versteht, was ich meine. 

Eine gewisse, frühe Wehrhaftigkeit erscheint mir sinnvoll, dafür bietet sich die Pubertät geradezu an. Diese „Wehrhaftigkeit“ kann man anhand der eigenen Mutter recht gut einüben, danach ist man besser auf das Leben vorbereitet. An sich sollten Mütter dies auch verstehen und schätzen, das ist aber nicht ganz leicht. Ich finde Widerspruch im Grunde genommen auch etwas anstrengend und fordernd. Andererseits hat ja keiner gesagt, dass alles einfach sein muss. 

Mein guter alter Freund, ich habe ihn gar nicht oft in meinem Leben gesehen, weil wir so weit voneinander entfernt wohnen, … aber die wenigen Male haben eigentlich ausgereicht, was ich ziemlich erstaunlich finde. Unsere Mütter hätten Geschwister sein können, aber sie waren es nicht, darüber haben wir nur ganz selten am Rande geschrieben, unsere Themen waren andere. 

Wenn man Freunde hat, ist das toll, man muss sie nicht zwangsläufig jeden Freitag sehen, wenn der Lebensfahrplan es nicht zulässt. Manchmal ist es schon beruhigend, wenn man weiß, dass man schreiben könnte und mit Sicherheit eine Antwort bekommt. Jedenfalls leben unsere beiden Mütter schon länger nicht mehr, aber man kann sie nicht vergessen, das wäre unnatürlich. 

Neben den Eltern gibt es wenige echte „Lebensbegleiter“, die zum Beispiel Picasso, Thomas Mann, Franz Kafka, Bob Dylan oder bei jüngeren Taylor Swift oder Sophia Thomalla heißen können. 

Man kann natürlich auch einfach früh heiraten.

Meine musikalischen und literarischen Lebensbegleiter kannte ich alle schon vor der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte. Ob sie eifersüchtig ist, das weiß ich gar nicht, aber nach mehr als 30 Jahren zu fragen ist vielleicht auch nicht so weise. Es könnte ja sein, dass ich dann einen musikalischen Lebensbegleiter im Auto nicht mehr singen lassen kann und das wäre wirklich ein Opfer. Bei uns darf immer die FahrerIn die Musik bestimmen, nur deshalb fahre ich wieder gern.

Nur zu viel sollte man sich mit den eigenen Müttern auch nicht beschäftigen. Generell ist eine zu häufige und zu intensive Beschäftigung mit der Vergangenheit nicht sinnvoll, wenn man von der Gegenwart genug mitbekommen will. Es sei denn, man studiert Geschichte. 

Und weil mein guter, alter Freund, den ich so selten sah, mir schrieb, dass er so oft in den alten Briefen seines Vaters und seiner Mutter liest, …. ich habe leider außer ein paar Fotos von meiner verstorbenen Mutter nichts, weil ein ehemaliger Verwandter all diese Erinnerungen in seinen Schränken für sich haben will, …. da habe ich meinen ‚alten Schweden‘ einfach gefragt: 

„Du, tut Dir das eigentlich gut? Warum machst Du aus dem alten Papier aus der Vergangenheit nicht einfach ein schönes, warmes Feuer am Strand in der Gegenwart?“

Irgendwie hätte „Teflon & Wahrhaftigkeit“ auch gepasst.

_

Was machen die Menschen in Geschichten, wenn sie niemand liest?

Ich frage mich oft, in welchen anderen Ländern der Welt diese schnell getippten Artikel gelesen werden. Es sind oft mehr als in Deutschland. Lesen Sie auf Deutsch? Oder lesen Sie lieber die englische Version, die seit kurzem angeboten wird? Ich würde mich freuen, eine kurze E-Mail zu erhalten, wo Sie lesen.

longandwastedyears(at)t-online.de

https://maddin61.wordpress.com/

Herr Gerlach-Familie Sparsam

Herr Gerlach-Familie Sparsam

Nach dem letzten Spaziergang mit dem schwarzen Hund habe ich meiner Frau, der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte, berichtet, dass ich mich mit einem Nachbarn über seine Gartenarbeit unterhalten habe.

Ich selbst mache kaum Gartenarbeit, weil es bei uns so eng ist, ich würde meine Frau da nur stören, auch mit meinen Worten. Ich glaube, sie ist sehr froh, dass ich nicht inkommodiere.

Gartenarbeit kann sehr schmutzig sein, vor allem mit den Schuhen finde ich das problematisch. Klar, man kann alte Schuhe anziehen, aber auch alte Schuhe müssen geputzt werden.

Mit diesem Ansatz verschiebt man das eigentliche Problem lediglich von neuen Schuhen auf alte Schuhe.

Toni Kroos würde nie mit schmutzigen Schuhen spielen, der trägt nur weiße, ich wette, der macht auch keine Gartenarbeit.

„Ich habe ihm dann erzählt, dass vor einigen Wochen 50 Meter von seinem Grundstück entfernt ein Baum umgestürzt ist, er geht nicht hinter seinem Haus vorbei, der hat ja keinen Hund. Der Baum, Du weißt, das war der bei Herr Gerlach am Zaun.“

Boah, dann ging es aber los wie beim Start in der Formel 1:

„Ach, der bei Herr Gerlach hinter dem Zaun, ja? Das musst Du dann Herr Gerlach mal sagen, vielleicht weiß der davon auch nichts. Sprich den doch auch mal an, den Herr Gerlach. Oder einfach mal mit dem Herr Nachbar sprechen, was?“

Sie ist nicht mehr die beste Ehefrau von allen, sie ist jetzt eine von vielen, also wenn ich mehr als eine gehabt hätte.

Ich bin nicht empfindlich, ich bin vielleicht etwas sensibel, aber bei Grammatik hört bei mir der Spaß wirklich auf! Bei Grammatik, da „werd´ ich deschparat“, wie es schon bei Karl May der Hobble Frank sagte.

In „Der Schatz im Silbersee“ kommt das vor, bevor Ihr jetzt anfangt zu grübeln.

Sogar unsere Kinder haben schon am Ableben des Dativs mitgearbeitet:
„Ich glaube, ich muss das in Religion Herr Gmünd mal sagen …“ oder „Ich frage morgen wegen der Hausaufgaben Herr Eichenblatt!“


Zum Spaß frage ich schon zuhause mal, „wem seine Jacke da noch auf dem Stuhl hängt“ oder ob „jemand schon die Wäsche aufgehangen hat“.

Meine Frau, die einmal die beste Ehefrau von allen war, die ich je hatte, die regt sich dann so auf, da kommt sie richtig schön aus dem Quark, wie man im Norden sagt.

Ich habe das auch gar nicht gesagt, das mit „Herr Gerlach“, meine Ex-Frau hört vielleicht nicht mehr so gut.

Gerade gegen Abend oder wenn sie einatmet, weiß ich nach 30 Jahren Ehe ja schon vorher, wie ein Satz endet.

Manchmal weiß ich schon, was sie sagen wird bevor sie darüber nachgedacht hat.

Ich gebe auch zu, dass meine Frau auch vorher weiß, welche Tagesaufträge ich am Abend nicht ausgeführt haben werde, wenn sie nicht alle paar Wochen noch einmal nachfragt. Manche Dinge erledigt nämlich die Zeit von ganz allein, das vergessen Frauen generell häufig.

Zum Beispiel ging es Monate um diesen Glasfaseranschluss, wir hatten den 2021 beantragt, aber da arbeiten Männer, das dauert dann ein paar Tage.

Ich sollte also zur Telekom, zu den Stadtwerken, mich informieren und Handwerker anrufen.

Ich habe nur gewartet, ob die Lösung nicht vom Himmel kommt.

Und sie kam.

Die, die draußen aufgegraben hatten, haben kurz angedeutet, dass sie auch privat im Haus verlegen. Und picobello sauber haben die das gemacht. Zwei Tage später. Ferig.

Ich habe diese ganzen Aufträge sozusagen im Schlaf erledigt.

Und jetzt Ihr.

Ich kaufe meiner Ex morgens nur noch Sesamkrustis, es gibt keine Franzbrötchen oder Weizenbrötchen mehr, ich suche konsequent nach Produkten ohne „n“!

Milch, Kaffee, Tee, das geht ja. Brot mit Butter, mit Marmelade, mit Käse oder Farmer-Salat, sogar ein Salat ist drin, Nutella und Honig „isch over“. Beim Frühstück muss man sich gar nicht stark einschränken. Mittags gibt es jetzt öfter Reis. Wir trinken jetzt mehr Sekt als Wein. Nudeln und Kartoffeln, vorbei, Ende Gelände.

Man kann sich nämlich in der Fastenzeit auch ohne „n“ ernähren. 

Wer mein „n“ nicht hört, bekommt auch keines. Champagner, bitte! Ach, Mist, wir müssen beim Sekt bleiben. Nur so am Rande, habt Ihr mal überlegt, welche KanzlerInnen wir in den letzten 50 Jahren hatten?

Schmidt, Kohl, Schröder, Merkel, Scholz.

Und fällt Euch etwas auf? Genau, kein einziges „n“ in 50 Jahren, der zweihäufigste Buchstabe des Deutschen fehlt, jeder zehnte Buchstabe ist sonst ein „n“, aber er schafft es nicht an die Regierungsspitze!

Lafontaine, Steinmeier, Steinbrück, Scharping, Laschet

Klar, die haben alle verloren, das kommt von den „n“ im Namen, politisch waren die Unterschiede ja nicht riesig.

Sorry, Laschet ist da dabei, weil der zwei „n“ wegen seines Grinsens bekam. Dumm gelaufen, aber es war eben gerade kein Karneval. Lindner ist auch bald weg, der hat zu 28,6% den falschen Buchstaben im Namen, da ist der Abstieg vorprogrammiert. Sieht man ja an der Linken, 33,3% „n“.

Politik ist viel einfacher als Ihr denkt.

Merz, Pistorius, Baerbock, Habeck, …. alle ohne „n“, wenn das so weiter geht, Mann, Mann. 

Die Reinkarnation von Rosa Luxemburg hat zwei „n“, die können wir daher zum Glück vergessen.

Die soll sich mal schön um ihre beiden „n“ kümmern und um Ihre nach sich selbst benannte Partei, mehr Verantwortung muss sie gar nicht übernehmen. Ein wenig die Finger im Brei haben, ich glaube, das ist dann auch genug. Irgendwann verlässt die diese Partei sowieso wieder, dann nimmt sie aber 66,6% des Partei-Namens mit. Wenn Leute auf die reinfallen, dann ist denen auch nicht mehr zu helfen.

Die Blauen oder Braunen, übrigens ohne „n“ an der Spitze, aber da haben so viele ein riesiges braunes „N“ vorn, das wird auch nichts, ein Glück.

Um was ging es hier nochmal?


Familie Sparsam

Ich hänge mal noch etwas dran, weil wir mit den letzten Sätzen ja schon so ein Scheiß-Thema hatten. 

Das lest Ihr bitte jetzt nicht, hier werden Themen angedeutet, über die man gemeinhin nicht spricht, deshalb mache ich daraus auch keine separate Erzählung, auf diese Weise könnt ihr hier eleganter seitlich aussteigen.

Ich habe damit nichts zu tun, ich habe nur andere Menschen über ihre Probleme sprechen hören.

Wir hatten mal in der Schule ein Programm zum Energiesparen, das ist 20 Jahre her, es sollten elektrische Energie und Wasser eingespart werden. Die Schule selbst und der Hausmeister wurden an den eingesparten Geldern beteiligt und finanziell belohnt.

Der Hausmeister hat sofort in alle Wasserkästen der Toiletten Ziegelsteine gelegt, da liefen dann nur noch 6 oder 7 Liter Wasser bei einem Spülgang durch, das sparte ja 30% Wasser oder mehr. Klar, manchmal muss man dann zweimal spülen und man spart gar nichts.

Oder das Ganze verstopft, der Klempner kommt, eine einzige Malaise, um es vorsichtig auszudrücken, aber das wurde dann aus anderen Töpfen bezahlt.

Wir sollten auch alte Decken vor die Fenster hängen, weil man an den Tafeln oft auch bei Sonnenlicht erst etwas sah, wenn man die Beleuchtung für die Tafeln trotzdem einschaltete. Alte Decken vor den Fenstern! In Deutschland! Vorhänge hätten Geld gekostet, klar.

Die Firma, die das Programm entwarf, hat sich eine goldene Nase damit verdient, in allen Schulen in SH lief das und die klugen Köpfe erhielten einen großen Anteil der eingesparten Gelder. Die mussten nur zwei Vorträge pro Schule investieren, mehr nicht, dann floss die Kohle. Sicher nach einem amerikanisches Vorbild.

„How much do you make?“

Im Privaten habe ich nun auch gehört, dass da aus einem bestimmten Spülkasten nur noch sechs Liter Wasser kommen sollen.

So, dann stellt Euch das vor, wenn Ihr da zur Party eingeladen seid und die sechs Liter reichen nicht, auch beim dritten Mal spülen nicht. Es reicht nicht. Der Schlauch von der Dusche ist zu kurz. Das Fenster geht nicht auf und draußen wartet der nächste Partygast, der hat schon geklopft.

Raus kannst Du da nicht. Grausam. Da wünscht man sich einfach, man hätte nur getrunken. Man betet dann für zehn Liter. Der Partygast vor der Tür, der weiß noch gar nicht, dass es schlimmer wird, wenn er reinkommt.

Jedenfalls habe ich jetzt von einem Paar gehört, das morgens schon mit der Vorbereitung auf die abendliche Party bei Sparsams beginnt. Eine Runde Gymnastik am Morgen, dann ein Spaziergang und ein Dauerlauf am Nachmittag, kein Essen, aber viel Wasser. Dann ist nämlich auch die Angst vor den multiplen Spülgängen weg.

Und wisst Ihr was? Ich habe gehört, dass bei Sparsams jetzt wirklich weniger Wasser verbraucht wird.

Zu der Situation gibt es einen Film, Mann besucht Frau das erste Mal, dann geht der ins Bad. 

Und dann … kennt Ihr den Film?

_

https://maddin61.wordpress.com