Eintrittspreise für Toilettenbesuche bei „U&K-Moden“

Eintrittspreise für Toilettenbesuche bei „U&K-Moden„

„Sehr geehrte Damen und Herren der Geschäftsleitung des Hauses U&K-Moden in „Münchhausen“!

Ich bin seit vielen Jahren ein regelmäßiger, zufriedener Kunde in einem Ihrer Häuser in einer anderen Stadt. Auch in „Münchhausen“ besuchte ich in der letzten Woche Ihr zentral gelegenes Geschäft in der Innenstadt.
Leider kaufe ich bei „U&K-Moden“ in Zukunft nicht mehr.

Ich wollte während meines Einkaufs bei Ihnen Ihr „Bad“ im obersten Stockwerk Ihres Hauses aufsuchen. Leider verlangen Sie dort vor dem Besuch neuerdings Eintrittsgebühren in Höhe von 1€, die in bar vor dem Besuch des Bades zu entrichten sind.

Mir wurde nicht gestattet, diese Örtlichkeit aufzusuchen, denn ich hatte kein Bargeld bei mir. Ich wurde brüsk und unfreundlich abgewiesen. Eine Diskussion vor der zahlreich anstehenden weiblichen Kundschaft vermied ich zum Schutz Ihres Rufes. Ist diese Zurückweisung die neue Philosophie des Umgangs mit Kunden in Ihrem Haus?

Ich muss Sie sicher nicht darauf hinweisen, dass ein derartiges Verfahren und Verhalten Ihrer Mitarbeiterin in einer Notsituation eines Kunden keineswegs hinnehmbar ist.

Ich war verstört und suchte, nunmehr bereits in Eile, das ehemalige Kepa-Haus auf, das zur Zeit als Kulturzentrum genutzt wird. Dort konnte ich auch kein freiwilliges Entgelt in bar nach Nutzung entrichten und äußerte dies bereits vor dem Besuch, aber ich wurde freundlich begrüßt, auch wenn es dort nichts für mich zu kaufen gab. Ich musste natürlich nichts bezahlen, eine Kartenzahlung war ebenfalls nicht möglich.

Das ist eine Selbstverständlichkeit!

Es ist eine Hilfeleistung, die Sie ihren Kunden ohne Bargeld offenbar verweigern.

Deutliche Worte:
Schämen Sie sich eigentlich nicht, von Ihren Kunden in einem großen Haus für ein Naturbedürfnis Geld im Voraus zu fordern? Ein nahezu unfassbares Verhalten Ihrer Kundschaft gegenüber! In einer Großstadt? Peinlicher geht es nicht. Was meinen Sie, was Franzosen, Spanier, Amerikaner, Japaner und Italiener nach Ihrer Rückkehr aus „Münchhausen“ berichten?

Dass sie bei Ihnen so tolle Waren erworben haben? Wohl kaum, wenn Sie Ihr „oberes Stockwerk“ nicht gegen Barzahlung nutzen konnten. Ihre Gründe für ihre Vorgehensweise bitte ich Sie, mir zu ersparen, es gibt keine Entschuldigung oder Gründe dafür. Bitte verschonen Sie mich von jedweder Äußerung in dieser Richtung.

Ich zahle gern 50ct oder einen Euro, wenn ich ein sauberes und ordentliches Bad vorfinde, aber dass ich vorher zahlen muss und ohne Bargeld gar abgewiesen werde, sollten Sie sich noch einmal genauer überlegen. Meine Wortwahl ist hier höchst nachsichtig mit Ihnen.

Ich selbst und mein Bekanntenkreis kauft niemals mehr in einem ihrer Geschäfte auch nur eine Socke. Diese Produkte bekommen wir anderswo nämlich auch.

Ich besuche Ihr Haus innerhalb der nächsten 7 Tage erneut ohne etwas zu kaufen und bitte dringend bis dahin um eine Änderung Ihrer derzeitigen „Praxis“ des Umgangs mit Ihren für Ihre angebotenen Waren bereits zahlenden Kunden. Ich zahle den verpflichtenden Euro auch gern nach der Nutzung, wenn die finanzielle Situation Ihres Hauses bereits so prekär ist, dass Sie eine kostenfreie Nutzung oder ein freiwilliges Entgelt nicht mehr „finanziell darstellen“ können.

Gern mache ich ein unverändertes Vorgehen Ihrerseits auch öffentlich im Rahmen einer Zeitungskolumne zum Thema, natürlich ohne Ihr Haus beim Namen zu nennen.

„U&K-Moden“ bietet zahlreiche Anregungen für einen satirischen, aber höchst kritischen Beitrag.

Insbesondere im Toilettenbereich.

Ich setze Ihre Veränderungsbereitschaft voraus und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Ihr
Franz Kafka

–
Nachtrag:
Der „Kontrollbesuch“ in „Münchhausen“ ergab ein neues Verfahren:
Man stellte auf die „Bitte einen Euro vor der Nutzung zu entrichten“ um.
Keine Kontrollen mehr, kein Abweisen von Kunden ohne Bargeld mehr.
Herzlichen Dank an „U&K-Moden“ in „Münchhausen“
.

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