Ja, ich kenne seit Jahren die Mahnabteilung in der Bibliothek, die sich bescheiden ‚Stadtbücherei‘ nennt. So ist der Norden. In München wäre es eine ‚Staatsbibliothek‘.
Wenn man, wie ich, fehlerbehaftet ist, dann ergibt sich so ein lockerer Kontakt zu Frau Kunz und Mrs. Bruce.
Oft muss ich nur für 3 Minuten in die beste Bücherei der Welt. Wenn ich dann wie üblich den kleinen, schwarzen Hund an der Leine habe, gilt es ein Problem zu lösen:
Hunde dürfen da nicht rein.
Aber draußen werden Hunde in dieser Stadt gern mitgenommen, vor Supermärkten und auch vor Büchereien.
Draußen anbinden kann ich ihn also nicht.
Ich frage dann Touristen oder jemanden -der oder die, meistens eher die- der oder die die Bücherei gerade verlässt, ob sie kurz den Hund beaufsichtigen können.
Kompliziert, ja, nicht nur der Satzbau.
Ich gebe dann etwas Leckeres in einer Dose zum Hund dazu. Für den Hund, nicht für die Zweibeiner. Dann bleibt er ruhig und heult nicht.
Selten kommt aber keiner, dann ignoriere ich das riesige Schild mit dem Hundeverbot und binde ihn gleich neben der Eingangstür an die Heizung. Das geht eigentlich nicht, das ist ja schon „drinnen“, hinter dem Schild mit dem roten Kreis.
Wenn ich dann an der Ausleihe stehe, dann jault er schon, er sieht mich dort stehen und ruft mich ungeduldig.
Dann regen sich die an der Ausleihstelle auf:
„Wieder jemand der nicht lesen kann! Können die ihre Tiere nicht zuhause lassen?“
Ich versuche das dann zu toppen mit:
„Unfassbar, warum kommen hier Analphabeten in die Bücherei? Hundebesitzer sind sowieso das Allerletzte! Vor allem in der Stadt!“
Dann mahnen sie mich schnell und zu Recht zur Mäßigung, ich rege mich einfach zu schnell auf.
„Hunde haben in einer Kultureinrichtung nichts zu suchen“, schließe ich das Thema ab.
Andererseits weiß ja keiner, dass es mein eigener Hund ist, der da jault. Das ist das Pfund mit dem ich in Worten wuchere.
Frau Kunz und Mrs. Bruce arbeiten ja auf der Straße, nein, also an der Straße, hinter ihren beiden Fenstern. Die bekommen das alles gar nicht mit, zum Glück. Die achten sehr auf die Einhaltung der Bücherei-Regeln, ich konzentriere mich eher auf den Bruch derselben. So scheint es vielleicht.
–
Gestern war ich aber ohne Hund in der Bibliothek, es waren zuviele CDs und Bücher, die ich zurückgeben musste. Und das geht mit Hund nicht, der will überall schnüffeln, aber ich kann die Kiste nicht so lange tragen, wie der die analoge Hundezeitung lesen will.
In der großen Halle sprach mich dann die „Dritte Bibliothekarin“ an. Die ist oft an der ‚Front‘ in der Ausleihe beschäftigt. Wir kennen uns jetzt besser. In Zukunft nenne ich sie hier meine ‚Hundethekarin‘.
Nein, sie heißt nicht ‚Karin‘.
Sie heißt ‚Thekla‘, aber das war mir zu dicht an ihrer Tätigkeit, um es öffentlich zu schreiben.
Sie hat immer tolle, geschmackvolle Kleidung, gern in Schwarz und Weiß, eine markante, dunkle Brille und einen hochpräzisen Haarschnitt ihres blonden Haares mit Highlights. Wir hatten uns schon einmal über Klassentreffen im Allgemeinen unterhalten. Das war vor mehreren Jahren. Den Zusammenhang habe ich vergessen.
„Ich habe Sie neulich gesehen!“, sprach sie mich leise auf dem Weg zum Fahrstuhl an.
„Warum haben Sie mich nicht angesprochen?“
„Das ging nicht, ich saß im Bus. Aber Sie haben ja einen Hund, so einen schwarzen! Das wusste ich gar nicht!“
„Ja, das stimmt! Aber das dürfen Sie jetzt niemandem hier erzählen, bitte! Ich binde ihn manchmal drinnen an und alle beschweren sich, wissen aber nicht, dass es mein Hund ist, der da jault! Kann ich mich auf Sie verlassen?“
„Aber selbstverständlich! Ich schweige! Aber ich muss weiter mitschimpfen, wenn Ihr Hund bellt oder jault!“
„Ja, gern! Ich bitte Sie sogar darum!“
Jetzt weiß ich gar nicht mehr, welche Bibliothekarin ich zuerst besuchen soll.
Mit Hund.
Die „Kaiserliche Mahnungsvollstreckerin“ kann ich nicht fragen, denn die „KM Dorothea Freifrau von Kunz“ hat schon „vier Beine“.
„Zwei von Roland Kaiser und die zwei von meinem Mann“, das sagte sie als ich einmal fragte, ob sie Haustiere habe.
Ja, es ist sehr warm, die Sonne brennt vom Himmel und erstmals in diesem Jahr trage ich weder Hoodie noch Jacke. Man muss sich das für die Temperaturen über 30 Grad aufheben.
Wer schon bei 22 Grad in T-Shirt, kurzer Hose und Sandalen durch die Stadt läuft, der ist bei 30 Grad verloren. Er kann nichts mehr ablegen, eine frühe Fehlentscheidung ist die Ursache. Frauen tendieren zu diesen Einschätzungen ab 18 Grad. Aber die frieren ja sowieso fast immer. Dann wird Optik wichtiger.
Es könnte mir gut gehen, aber ich habe Probleme:
Erstens ist die gute, braune Tube leer, der Schuster macht erst am Montag auf und ich weiß nicht, wie ich die Schuhe bis dahin durchbringen soll.
Ok, werde dann schwarze tragen. Unschön. Ich liebe meine braunen Italiener.
Zweitens ist das kleine Kind schon wieder weg, mit der Bahn zu einem Surfcamp im Nirgendwo Niedersachsens, sie lebt dort offenbar in einem Wohnwagen, der die Größe eines Waggons hat. Sie arbeitet da, das klingt nur wie Urlaub.
Wie soll ich ihr jemals ein Zelt vermitteln?
Sie fährt jetzt übrigens endlich mit diesem Uralt-Passat im Bestzustand, weigerte sich aber, ihn zum Surfen zu fahren. Das Klima, die Katastrophe, die Kosten. Löblich. Die Bahn!
Aber der Passat war innen vollgekrümelt. Von ihr und anderen Damen. Zumindest dieses Problem musste ich vor den Brötchen lösen.
Es gibt hier eine extrem teure Waschstraße, daneben ist eine Selbstwaschanlage, die ständig voll mit teuren Fahrzeugen ist.
Aber bei der Waschstraße kann man ohne Münzen saugen, „kostenlos für Kunden“, ich brauche ja nur 90 Sekunden für die Krümel.
Außerdem bin ich seit 2006 dort Kunde. Ich bin in Eile einmal dort gewesen, dann nie wieder, heute kostet eine rituelle Waschung dort 23€.
Und für weniger als diesen Preis habe ich drei Fahrzeuge nebenan in den Neuzustand gebeamt. Sauberer als in der Waschstraße.
Ich bin also ein Saugkunde.
Als ich nach deutlich unter 90 Sekunden wieder einen reinen, schwarzen Innenraum hatte, sprach mich ein kleiner Mitarbeiter mit seinen stummen Kollegen an. Ich war auf dem Platz mit den 20 Saugplätzen nicht allein, es war noch einer dort. Ganz hinten, ich sauge ja ganz dreist vor dem Eingang.
„Sie waschen noch?“
„Nein, der ist ja nicht mal staubig! Ich war Montag bei Ihnen, aber da war nichts zu saugen!“
Eine faustdicke Lüge, ja, aber 2006 war es auch ein Montag, das verschwieg ich wohlwissend.
Eine „Verheimlichung“. Also keine echte Lüge.
„Das geht nicht, Sie können hier nur saugen, wenn Sie auch waschen!“
„Habe ich doch!“
„Ja, aber das kann ich nicht überprüfen, Sie müssen auch waschen!“
„Dann muss ich nochmal 23€ zahlen zum Saugen? Das ist viel Geld!“
„Sie können auch beim Bäcker nicht 5 Brötchen kaufen und vier Tage später ein Sechstes wollen!“
Es wurde immer amüsanter, er lächelte keine Sekunde, ein ‚Alman‘ eben. Seine Kollegen stehen ja neben ihm, schwierig. Eine Prüfungssituation.
„Nun, Ihr Vergleich hinkt auf allen Beinen. Hier ist es so, dass ich am Montag 6 Brötchen bezahlt habe, aber nur 5 mitgenommen habe, jetzt hole ich nur das sechste bezahlte Brötchen ab! Ich habe nicht gesaugt am Montag!“
„Nein, Sie können hier nicht einfach saugen, dann kommen ja alle!“
„Ich sehe nur einen und Sie sind zu dritt und haben nichts zu tun, bald stehen Sie hier zu zweit, wenn Sie Kunden wie mich vom Hof jagen! Neue Kunden finden Sie auch nicht, ich erzähle das jedem, den ich kenne und schenke denen noch zwei Saugmarken für nebenan.“
Man darf nicht „Saufmarken“ schreiben. Die rauchen nur vor der Tür.
„Nein, Sie saugen hier nicht nochmal ohne zu waschen!“
„Kein Ding, ich habe ja drei Autos, die waren jeden Monat hier, macht 69€ im Monat oder knapp 830€ jährlich. Die bekommen Sie nicht mehr zu sehen, ich gehe jetzt wie alle anderen woanders hin. Sie haben ja alle drei nichts zu tun. Warum nehmen Sie nicht auch 50cts fürs Saugen?“
Bei „alle anderen“ habe ich diese Winnetou-Bewegung gemacht, wenn er über die Prärie deutet, dem kleinen Wald zu.
Sehr effektiv.
„Das will der Chef nicht.“
„Aber Sie sollen die Saugbrüder wie mich vertreiben? Tolle Idee und schöne Grüße!“
Habe nebenan dann nur die Felgen optimiert.
Auch für 50cts. Vorher Backofenspray.
Er hatte Recht, aber ich habe nie Kleingeld dabei, nur deshalb fuhr ich bislang zur großen Sauganlage.
Die saugen immer, diese 20 Dinger, es kostet nicht mehr Energie durch meine Krümel. Oder die der Damen.
Erstaunlich.
Habe für 10€ nebenan 20 Säuglinge geholt. Also diese Münzen, keine Ahnung wie man die nennt. Die reichen dann wochenlang.
Ohne Diskussionen.
Diese Waschstraße macht sicher bald zu bei 23€ pro Waschgang und Saugverbot am nächsten Tag.
Hausmeister werden gesucht.
–
„Schiffsabfahrten“ und „Leegeeseegeer“ Sackgasse sind von KaiT.
Als ich neulich an der alten Schule von Thomas Mann vorbeikam, da war der halbe Schulhof voll mit lachenden Mädchen, ehem, also jungen Frauen, und ihren Fahrrädern, vielleicht war das der Musikkurs zusammen mit dem Kunstkurs.
Ich kann oft 31-jährige nicht mehr von 19-jährigen unterscheiden.
Vor allem mit Make-Up.
Das ist mir neulich bei einer Hochzeit passiert. Ich hatte mich bei einer Vierer-Gruppe gewundert, weil die nicht den Brautstrauß fangen wollten. Dann streckten die mir vier Finger mit Ringen entgegen.
Wieder falsch gedacht.
Am breiten Tor der Schule stand dieser grauhaarige, schlanke Mann in meinem Alter, schaute stehend zu den jungen Damen und rauchte.
Zigarette. Mit Tabak. Einer von früher.
Wie ich.
Einer der Lehrer, er sah aus wie „Geschichte und Deutsch“, so mutmaßte ich. Rauchen dürfen Lehrer schon lange nur noch auf der Straße. Manche nicht mal zuhause.
Ich wollte ihn fragen, wann die Sommerferien anfangen. Nicht, dass ich auch in den großen Ferien noch im „Broad Street Café“ auf meine Logarithmen und Logarithminnen warte!
„Entschuldigung, darf ich Ihnen eine Frage stellen?“
„Nein!“
Barsch, laut und rasselnd. Der musste ziemlich viel rauchen und schon sehr lange. Um mir das alles zu sagen, brauchte er nur ein Wort. So ist eben der Norden.
Und sofort nach dem zweiten „n“ in „nein“ setzte er sich zügig in Bewegung, die Rippenstraße hinunter. Die glimmende Zigarette warf er dabei auf die Straße.
Das war gar kein Lehrer. Der rauchte nur da in die bewußte Richtung. Der dachte bestimmt an Thomas Mann. Oder an etwas anderes, Baustile oder so.
Lehrer werfen vor Schulen keine Zigaretten auf Straßen, das kam noch dazu. Hatte ich ihn vertrieben? War er in Gedanken? Hatte ich …. gestört?
Merkwürdig.
Ich hatte dann noch von einem leichtem Grinsen begleitete 150m zur Bibliothek vor mir.
Teil 2: Der schwarze Engel
Eine Frau in Schwarz tippte an das alte Geländer gelehnt auf ihrem Mobilgerät. Irgendwo zwischen 30 und 40, egal.
Einfach, aber perfekt, diese Erscheinung: Ein hochgekrempeltes, schwarzes Männerhemd, eine weite schwarze Hose aus fließendem Stoff, dazu ein schwarzer Ledergürtel, schwarze Stiefel in der robusten Version, eine schwarze Sonnenbrille im brünetten Langhaar, eine schwarze Tasche, nicht diagonal getragen.
Diagonal „kommt nie gut“.
„Sieht klasse aus, auch die Brille dazu!“ …. habe ich im Gehen mit kurzen Seitenblick zum Absichern knapp gelobt, ‚en passant‘, so wie beim Schach.
Manchmal, da kann ich einfach nicht anders, wenn so eine schwarze Perfektion auf meine Netzhaut trifft. Das kommt ja im Halbjahr nur einmal vor. Aber das sollte schon so bleiben.
„Perfektion“ ist unglaublich selten, ich bin ein wenig anspruchsvoll, zugegeben. Man braucht für eine 11 von 10 weder viel Geld noch das geringste „Chi-Chi“.
Das ganz Schlichte spielt bei mir in der Champions-League. Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, kann das auch. Sie trägt selten schwarz obwohl ihr das perfekt steht. Aber noch ohne schwarze Sonnenbrille im Haar.
Das war der einzige Unterschied.
Und die Haarfarbe, klar.
Es ist leider so, dass wir schwarzgewandete Frauen nur loben können, wenn wir sie nicht kennen. Machen wir das mit den eigenen oder guten Freundinnen so bekommen wir unweigerlich das zurück:
„Weil das Schwarz schlank macht, oder was?“
Klar, dann lassen wir das, wir sind ja nicht so dumm, uns für ein Kompliment eine Diskussion einzuhandeln.
So, das ist jetzt vorbei mit dem Rundflug, zurück zur „11“.
Frau Kunz von der Bibliothek hat mich dann einige Meter weiter an ihrem Fenster gestoppt. Für sie ist Roland Kaiser der „perfekte Mann“, ihr Mann toleriert das, sagt sie. Er hat auch keine andere Wahl, vermute ich.
„Santa Maria“, auch ich akzeptiere, dass ich „da“ nicht mithalten kann, aber ich bemühe mich trotzdem. So wie ein Zweitligaspieler es eben tun muss.
Auch wenn er weiß, dass Real Madrid ihn nie anrufen wird.
Als „Die Perfekte“ dann hinter mir vorbeischwebte -ich hatte sie im Augenwinkel gesehen- sie musste vom Himmel gekommen sein und könnte meine Enkelin sein, da sagte sie lächelnd „Danke“, auch nur im Gehen, klar.
Das Lächeln habe ich leider nur gehört, das geht, glaubt mir einfach.
Frau Kunz hat ihr aus dem Fenster kurz hinterhergesehen, sie musste sich ein wenig nach außen lehnen, und sie hat mich sofort gefragt, wofür die sich bei mir bedankt hat.
Da habe ich das Thema schnell gewechselt.
Dafür musste ich nur minimale Kritik an Rolli anklingen lassen „naja, jung ist er nicht“ und schon vergisst sie ihre Frage und verteidigt ihren „Kaiser“. Er habe nämlich noch „Stil“, hat sie geantwortet.
Frau Kunz fragt zum Glück nie zweimal dasselbe. Bei ihr funktioniert das. Ohne Roland wäre das nicht so leicht.
Bei meiner Frau würde das nicht gehen, das ist auch ganz gut so. Sie mag den „Kaiser“ überhaupt nicht.
„Autoverkäufer“ sagt sie dann beispielsweise.
Ich mochte das eine Interview schon nicht, dann bin ich zu Kaiser Franz zurückgekehrt.
Bitte verratet das nicht Frau Kunz, sonst macht sie das Fenster zu, wenn ich wieder vorbeikomme.
Es passiert einfach immer wieder und dann muss man ein wenig aufpassen, dass man sich nur ganz kurz aufregt und danach die Ruhe wiederfindet und die gute Laune behält.
Naja, so richtig „gute Laune“, das ist natürlich eine maßlose Übertreibung. Dafür gibt es zu viele Gründe, die schon mal grundsätzlich dagegen sprechen.
Politik und andere Menschen zum Beispiel. Oder richtige Idioten. Meistens männlich.
Wann hat mal schon mal über mehrere Stunden „gute Laune“? Meistens ist sie doch eher so „normal gut“. Das reicht eigentlich auch schon aus, man sollte die Ansprüche da etwas herunterschrauben. Glücksgefühle, ja, man kann ja zu Konzerten gehen, ansonsten sollten die rar und wertig bleiben.
Rewe und der Türsteher
Im Supermarkt hatte ich an der Kasse gemerkt, dass ich wieder Geld und Karten im Auto vergessen hatte. Das geschieht fast ebenso oft wie ich vergesse, das Auto abzuschließen.
Niemand stiehlt einen 17 Jahre alten VW.
Diese modernen Dinger muss man ja nur kurz streicheln und dann machen die alles allein.
Leider machen die aber auch beim Hochdruckreinigen die Heckklappe auf, weil sie unter der nicht mehr existenten Stoßstange einen Schuh nicht von einem Schlauch unterscheiden können. Es ist modern, dass Unterschiede nicht mehr gut wahrgenommen werden, irgendwann kommt das bei den Autos an und dann wird alles nass.
„Modern“ ist nicht immer gut.
H4-Birnen für den Frontscheinwerfer kosten keine 3€, wenn aber einer mit LEDs kaputt geht, dann wird das vierstellig. Wenn man das gut findet, dann ist man modern. Ist ja gutes Licht, das blendet aber andere.
Aber für „mich“ ist es nicht so richtig gut. Nur modern. Und teuer, wenn es nicht funktioniert. Ich wette, dass es mehr Unfälle durch geblendete Fahrer gibt als durch zu wenig Licht. 😉
Ach, Rewe, ja, sorry.
Autos sind eben auch mal dran.
Jedenfalls habe ich den Korb dann neben die Kasse gestellt, bin kurz raus und habe die Karte geholt, die, von der ich die Geheimnummer noch kenne. Die von der anderen wurde irgendwie vergessen, man soll die ja nicht aufschreiben. Habe ich trotzdem gemacht, aber ich weiß nicht mehr wo.
Man kann ja Geld von einem Konto auf das andere schieben. Das macht die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte. Ich kann mich nicht alle 8 Jahre auf ein neues TAN-Verfahren umstellen, ich lasse immer eine Umstellung aus und mache die nächste wieder mit, so circa 2030.
Ich habe meiner Frau fest versprochen, dass ich ab dann dieses Zeug wieder übernehme.Das „Wieder“ hat sie kritisiert, irgendwas war damit, das habe ich auch schon vergessen.
Versprechen sind doch immer nur für die Zukunft. Da steckt ein „Ver-“ drin, genau wie bei „vergessen“, „verlieren“ oder „verbaseln“.
Heikel.
Das Englische ist da mit „promise“ positiver. Das ist so „professional“.
Jedenfalls wollte ich dann mit der Karte den weiten Weg durch Gemüse, Eier, Kühltruhe, Bier, Chips und Zeitschriften abkürzen und wie üblich über dieses Gitter der Parallelkasse steigen. Das habe ich schon oft gemacht, ich lächle dann immer eine an den Kassen an, ich kenne die alle vom Sehen und weil die mein Geld wollen. Die haben nie etwas gesagt, ich wohne da ja teilweise.
Aber da war dann noch der, der das Gemüse sonst auffüllt, nur 1,70 hoch, aber genauso breit.
„Nicht hier, durch Markt gehen!“ sagte er barsch. Gar nicht nötig bei den Muskeln. Und er stand mit verschränkten Armen wie ein Türsteher von der Security vor seinem Kassen-Gitter.
Der darf aber gar nicht kassieren.
Klar, dann mache ich wortlos meine Strafrunde, er hatte ja Recht. Security-Frauen mag ich einfach lieber. Die wissen, was nötig ist und was nicht.
Die haben schon ein Ego.
Als ich dann durch die Kasse war, hat er gerade mit zwei anderen die Tomaten nach der Farbe sortiert.
„Und wenn ich beim nächsten Mal einen Fehler mache, dann sagen Sie das bitte freundlich und bauen nicht Ihre 100kg vor dem Gitter wie ein Bodyguard auf. Klar, soweit?“
Barsch war das noch nicht, nur energisch.
„Ja“, hat er gesagt und kurz die Fliesen unter seinen Füßen gezählt. Seine Kollegen haben gegrinst, kurz nur.
Gute Laune kann man sich auch „machen“.
Ich mag mein gestohlenes „Klar, soweit“.
–
Was ich noch sagen wollte, weil ich keine passenden Bilder habe:
Johan C. hatte 1974 nur zwei Streifen von Adidas. Der hatte einen Vertrag mit Puma. Manchmal will ich auch etwas zu sagen haben.
Teil 1 – Die richtige Kleidung für das erste „Date“
Das war kürzlich eine Frage einer jungen Frau auf Facebook. Eine diffizile Frage, sicher. „Too much“ ist nämlich problematischer als „echt zu nachlässig“.
Zumindest erinnert mich das an das erste Treffen mit ihr vor mehr als 38 Jahren.
Zugeben sollte ich vielleicht, dass ich zum Ende der Studienzeiten mehr im Schanzenviertel, in der Marktstraße oder in Altona war als an der Universität oder an einem Teilchenbeschleuniger mit weiblich klingendem Namen.
Da muss man beim Tippen sehr aufpassen, weil da schnell ‚erblindet‘ herauskommt. Aber so hätte ich sie ja vielleicht nicht entdeckt. Ich hatte auch rotes Haar oder Streifen, ganz schrecklich, auch mal etwas Grau, aber dafür musste ich als „Model“- Student nie für den Schnitt bezahlen.
Nur die Färbung in Natur danach, die kostete dann 5,95DM.
Ich wollte auch nur sagen, dass ich fürchterlich ausgesehen haben muss. Bis auf die ganzen schwarzen Klamotten, die ich immer trug, weiße Hemden aus den 50ern aus reiner Baumwolle, in der Waschmaschine auf tiefschwarz gefärbt, schwarze Jeans, die Stiefel, Ihr ahnt es, schwarz, ein schwarzes altes Jackett, je nach Jahreszeit ein grauer oder schwarzer Mantel dazu.
Grau, das fand ich schon ein wenig verwegen, zu farbenfroh, so positiv, an sich nicht mein Fall. Blond, das kommt mir da jetzt gar nicht mehr so schlimm vor, wenn ich darüber nachdenke. Die anderen Physiker und Mathematiker trugen oft einen grünen Parka, ich kann mich in diesen Dingen einfach nicht anpassen. Niemals hätte ich so etwas angezogen, niemals.
Obwohl das Schwarz ja ebenso eine Art Uniform ist wie der Parka, aber das war mir in der ausgehenden Jugend vielleicht gar nicht bewusst. Aber zurück zu ihr, der ‚Erscheinung‘, die ich erwartete.
Und sie erschien in meinem Hamburger Stammcafe „Backwahn“ in der Grindelallee groß wie vorher, schlank wie vorher, natürlich blond, ungekämmt, ungeschminkt und in einer hellgrünen, kurzen Lederjacke, alter, unmodischer Jeans, vermutlich von C&A oder von ihrer Tante und einem T-Shirt, das die Studentenunruhen der 60er miterlebt zu haben schien.
Das wurde ihr natürlich nicht gerecht, aber einen Scherz zu der grausamen Farbgebung der Jacke habe ich trotzdem gemacht, irgendetwas mit „Erbsenpürree mit viel Milch“ sagte ich, glaube ich.
„Kommt drauf an, was drin ist“, hat sie sinngemäß geantwortet und vielsagend das Grün weggelächelt. Man glaubt gar nicht, was so ein Lächeln bewirken kann und wie sehr es optische Beeinträchtigungen zu Randerscheinungen machen kann.
Jedenfalls sprach ich sie Monate später auf dieses „erste“ Outfit an, das ich niemals wieder gesehen habe und sie gestand:
„Ach, das war doch Absicht. Wenn man mich in den Klamotten mag, dann kann das was werden.“
Das fand ich ganz gut. Auch den dem zugrunde liegenden Gedanken.
Es ist so allemal besser als beim ersten Date ein optisches Feuerwerk abzubrennen, dem man als Frau oder Mann dann ein Jahrzehnt hinterherrennt.
Ich war am nächsten Tag auch nicht mehr blond.
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Teil 2 – Das richtige Setting für das erste „Date“
Nun war damals das Cafe Backwahn mein Cafe, nicht ihres. Es lag aber nah an ihrer Arbeitsstelle und war daher unverfänglich, weil eine kurzfristige Flucht einfach und nachvollziehbar gewesen wäre. Das gilt sowohl für mich als auch für sie, eine praktische Konstruktion ohne Aufwand.
Ein Vorurteil von mir besagt, dass Frauen gern das erste Date oder eine erste Verabredung „gestalten“ wollen, zum Beispiel ein Essen – zu lang, zu viele Probleme, wer zahlt … keine gute Idee – ein hübsches Cafe, ein angenehmes Ambiente soll es sein, nichts soll eine sich anbahnende Beziehung gleich welcher Art stören.
Am besten noch Sonne, die mit ihrem Haar spielt.
Jede Frau sieht in der Sonne noch besser aus als in strömendem Regen. Es soll sogar welche geben, die vorher zum Frisör gehen, aber auf eine gute Kleidungswahl legen sie alle Wert, so mein weiteres Vorurteil.
Ausnahmen bestätigen die Regel, siehe oben. Ich wette weiterhin, dass viele zuhause mehrere Kleidungsvarianten vor dem Spiegel ausprobieren.
Leider klappt das alles nur im Film.
In der Realität hat der Mann dann gerade Zahnschmerzen, redet ohne Punkt und Komma, um seine Unsicherheit zu überspielen oder um sich als großen Hecht darzustellen.
Und so kann er ihre Bemühungen um ein perfektes Äußeres nicht goutieren, dann wirft er auch noch die Kaffeetasse um und ihr helles, kurzes Kleid bekommt einen Fleck, klar, die beiden sehen sich nie wieder.
Das Setting war perfekt.
Aber die Realität ist es nie.
Es gibt kein perfektes Setting, man sollte sich das ganze komplett „abschminken“, es ist eine schlechte Idee. Eine ebenso „schlechte Idee“ ist es, wenn eine Frau sich mit einem Mann „zum Reden“ treffen will, das geht gar nicht. „Zum Reden“ treffen sich Frauen, aber nur Frauen, so glaube ich.
Widerspruch ist hier gern gesehen, aber natürlich …. falsch.
„Du, Matthias, lass uns mal zum Reden treffen.“
Hat das schon mal ein Mann zu einem anderen Mann gesagt? „Zum Reden“?
„Zum Reden“ treffen, das ist für jeden Mann eine Art „Drohung“, es könnten nämlich Probleme gewälzt werden.
Jede Frau sollte sich diese Formulierung dreimal überlegen, bevor sie diese einem Mann gegenüber wählt.
Für den Mann klingt das so wie früher, wenn Mutti sagte „ich möchte etwas Wichtiges mit Dir besprechen, mein Sohn“.
War man ein halbes Kind, ging es sicher um Fragen der Aufklärung bzw Verhütung. Das finden alle Jungs furchtbar, die wissen alles, was sie wissen müssen und wenn sie etwas mehr wissen wollen, dann wirklich als Letztes von „Mutti“.
Mutti kommt nämlich immer zu spät, immer.
Also, ein Beispiel.
Mit einem Mann kann man das als Frau so machen:
„Ich muss noch einkaufen, kannst ja mitkommen, danach irgendwo einen Kaffee? Mehr Zeit habe ich nicht.“
Dann redet man im Supermarkt über Backpulver zum Zähneputzen oder ob Fleischsalat besser ist als Geflügelsalat. Das interessiert den Mann kaum, aber er kann sich wenigstens entspannen oder ihr großherzig das Spülmaschinensalz holen.
Weiß er sich in so einem Markt gar nicht zu orientieren, dann bitte Finger weg von dem Typen, der wurde zu sehr verwöhnt, von Mutti und ihren Nachfolgerinnen.
Der Supermarkt-Plan ist auch für die Frau nicht risikolos, nichts ist ohne Risiko.
Fragt sie beispielsweise an der Salattheke alle Zusatzstoffe ab oder prüft jedwede Packung auf Inhaltsstoffe, so kann das bodenständige Männer, die mit Giftstoffen vertraut sind, auch abschrecken. Dies ist keine Wertung meinerseits, sondern lediglich eine Risikoabwägung des Beispielplanes.
Jeder Ausstieg ist möglich, der Kaffee kann ganz kurz sein, kann sich aber auch ausdehnen, wenn sie die Einkäufe nicht allein tragen kann. Es soll Frauen geben, die dann absichtlich so viel kaufen, damit sie es nicht allein nach Hause bringen können.
Das ist eine andere Art von Plan, aber kein Filmsetting.
Ganz ohne Plan geht es nicht. Und ohne Risiken auch nicht.
This was a question recently asked by a young woman on Facebook. A tough question, for sure. „Too much“ is more problematic than „really sloppy“.
At least it reminds me of the first time I met her more than 38 years ago.
I should perhaps admit that at the end of my student days I spent more time in the ‚Schanzenviertel‘ of Hamburg, on ‚Marktstraße‘ or in Altona than at the university or at a particle accelerator with a feminine name.
„Petra“, „Hera“, „Desy“ … physicists like to give their storage rings feminine names.
Heaven knows why.
I had just turned blond.
You have to be very careful when typing, because it’s easy to type ‚blind‘. But maybe I didn’t see myself that way. I also had red hair or streaks, quite horrible, sometimes a little gray, but as a „model“ student I never had to pay for the cut.
Only the natural coloring afterwards, which cost 4.00$.
I just wanted to say that I must have looked terrible. Except for all the black clothes I always wore, white shirts from the 50’s made of pure cotton, dyed deep black in the washing machine, black jeans, the braces, you guessed it, black, an old black jacket and a gray or black coat depending on the season.
Gray, I thought that was a little too bold, too colorful, so positive, not really my cup of tea. Blonde doesn’t seem so bad now that I think about it. The other physicists and mathematicians often wore a green parka, I just can’t adapt to those things. I would never have worn something like that, never.
Although the black is as much a uniform as the parka, but maybe I wasn’t aware of that in my twenties. But back to her, the ‚apparition‘ I was waiting for.
And she appeared in my favorite Hamburg café „Backwahn“ on Grindelallee, tall as always, slim as always, naturally blond, unkempt, no make-up, and wearing a light green short leather jacket, old, unfashionable jeans, probably from ‚C&A‘, a cheap shop, or her aunt, and a t-shirt that seemed to have witnessed the student riots of the 60s.
Of course, that didn’t do her justice, but I made a joke about the awful color of the jacket anyway, something about „pea purée with lots of milk,“ I think I said.
„That depends on what’s in it,“ she replied, smiling meaningfully at the green. You wouldn’t believe what a smile like that can do, and how much it can make visual impairments seem marginal.
Anyway, I spoke to her months later about that „first“ outfit that I never saw again, and she confessed:
„Oh, that was on purpose. If people like me in those clothes, then it could be something.“
I really liked that. The thought behind it, too.
It’s always better than setting off visual fireworks on a first date and then chasing them for a decade as a woman or a man.
I wasn’t blonde the next day either.
–
Part 2 – The right attitude for the first „date“
Well, at the time, Cafe Backwahn was my cafe, not hers. But it was close to her place of work and therefore harmless, because a short-term escape would have been easy and understandable. This is true for both me and her, a practical construction with no fuss.
One of my prejudices is that women like to „design“ the first date or a first meeting, for example a meal – too long, too many problems, who pays … not a good idea – a nice café, a pleasant atmosphere, nothing should disturb a budding relationship of any kind.
Preferably with the sun playing with her hair.
Every woman looks better in the sun than in the pouring rain. There are even some who go to the hairdresser first, but they all attach importance to a good choice of clothes, according to my other prejudice.
Exceptions prove the rule, see above. I still bet that many people try out several different outfits in front of the mirror at home.
Unfortunately, that only works in the movies.
In reality, the man has a toothache, talks without a period or comma to cover his insecurity or to make himself look like a big pike.
And so he can’t appreciate her efforts to look perfect, then he knocks over the coffee cup and her light-colored short dress gets a stain, and of course they never see each other again.
The setting was perfect.
But reality never is.
There is no such thing as a perfect setting, you should completely „invent“ the whole thing, that’s a bad idea. It’s also a „bad idea“ for a woman to meet a man „to talk“, it’s not possible. Women meet „to talk“, but only women, I think.
Disagreement is welcome here, but of course …. is wrong.
„Hey, Daniel, let’s meet to talk.“
Has a man ever said that to another man? „To talk“?
„To talk“ is a kind of „threat“ for every man, because problems could be rolled around.
Every woman should think three times before using this phrase with a man.
To a man, it sounds like when his mother used to say „I want to discuss something important with you, my son“.
If you were half a child, it was probably about sex education or contraception. All boys think that’s terrible, they know everything they need to know and if they want to know something more, it’s really the last thing they want to hear from „mummy“.
Because mom is always late, always.
Here’s an example for a first „date“.
A woman can do this to a man:
„I have to do the shopping, can you come with me, then a coffee somewhere? That’s all the time I have.“
Then you go to the supermarket and talk about baking powder for brushing your teeth, or whether meat salad is better than chicken salad. The man is hardly interested, but at least he can relax or generously get her the dishwasher salt.
If he doesn’t know his way around such a market, please stay away from him, he has been spoiled too much by mom and her successors.
The supermarket plan is not risk-free for women either; nothing is without risk.
For example, asking about all the additives at the salad bar or checking the ingredients on every package may scare off down-to-earth men who are familiar with toxins. This is not a judgment on my part, just a risk assessment of the sample plan.
Every exit is possible, the coffee can be very short, but it can also be longer if she can’t carry the groceries alone. There are women who deliberately buy so much that they can’t carry it home.
That’s a different kind of plan, but it’s not a movie setting.
You can’t do it without a plan. And not without risk.
Wir, also meine alte Familie, hatten in den 70er Jahren Freunde in Stuttgart. Ich mochte den VfB mit Hitzfeld und Ohlicher, aber Stuttgart in diesem im Sommer windstillen, heißen Kessel mochte ich nicht, außer der Sybille.
Die war doppelt so alt wie ich, so um die 30, und hatte schwarze Haare, also minimal ins Bräunliche spielend. Allerdings hatte sie in Wirklichkeit die Haare von Winnetou, nämlich in einem unfassbaren Blauschwarz. Niemand hat ihr je geglaubt, dass das ihre echten ungefärbten Haare sind. Niemand.
Das hat die ziemlich genervt, dass sie wiederholt der Lüge bezichtigt wurde, wenn sie sagte, dass das ohne Chemie so ist. Irgendwann färbte sie ihre blauschwarzen Haare dann immer in dem leicht bräunlichen Schwarz über. Von da an glaubten ihr alle.
Menschen sind merkwürdig, wenn es um die Wahrheit geht.
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Am letzten Wochenende war ich wieder im Süden, bei Bayreuth, ich hatte dort etwas abzuholen, damit ich endlich mal aus weißen Lautsprechern Musik hören kann. Ich hatte noch nie weiße und wollte wissen, ob das anders klingt, besonders im Wohnzimmer, da war nur so eine unsägliche BlueTooth-Kiste, die ich nicht bedienen wollte. Eine gute Kiste aus einem Abverkauf, aber auch die guten haben keinen echten Körper.
Man muss übrigens ziemlich dämlich sein, wenn man von Norden kommend über Berlin und Leipzig nach Bayreuth fahren will, wenn dort EM-Spiele stattfinden.
Ich bin ziemlich dämlich.
Das schwedische Auto war ich vorher noch nicht gefahren, wochenlang. Es kann ja mehr als ich, das widerstrebte mir. Und dann? Handy laden ging nicht, kein CD-Player, kein Anschluss für den iPod, eine echte Prüfung auf 1700km. Handy verbinden konnte ich nicht, ist kompliziert für Menschen aus dem letzten Jahrtausend.
Radio ist auch nicht mehr, was es mal war.
Dieses eingebaute Google hat mich auch die ganze Zeit belogen, zum Glück hatte ich das alte Germin-Navi an die Scheibe gepappt, das wusste von den Staus, aber Google war genauso dämlich wie ich.
Man muss den großen „Playern“ nicht blind vertrauen, manchmal hat die garminsche Kleingruppe fachlich die Nase vorn, das ist eben wie immer mit Leuten „vom Fach“.
Gegen Mitternacht wollte ich dann in das 20km entfernte Gästehaus, das lag auf einem Berg im Fichtelgebirge. Ich hatte eine tolle Beschreibung, wie ich an den Schlüssel komme, links ums Haus, dann die Treppe hoch und dann war der Safe direkt neben der Tür, ganz einfach. Das Haus war weiß, hatte ein schräges Dach und Balkone in dunklem Holz.
Der Weg war schmal dort hoch auf den Berg, unbeleuchtet und es schüttete aus Kübeln.
„Ihr Ziel liegt rechts. Sie haben Ihr Ziel erreicht!“, sagte Anna von Garmin im Auto.
Das ist keine Adlige, das ist die Garmin-Stimme, ich stelle immer Frauenstimmen ein, manchmal auf Englisch, wenn ich Anna gerade nicht mehr mag. Männer haben solche Phasen. Dann ist es schön, wenn man die Britin Sarah einwechseln kann.
In der Realität ist das nicht so einfach.
Diese steilen, dunklen, unbefestigten Wege den Berg hinunter wollte ich nicht zum vermuteten Parkplatz fahren, es war fast nichts zu sehen. Wenn einem dann Kühe entgegenkommen, ist man am Arsch.
Und es goß in Strömen, bei der Kirche fand ich einen Busparkplatz und so ein Volvo fährt wie ein Bus, der nimmt einen mit und dann sitzt man da wie in der Bahn und hat nicht viel zu tun.
Ich hatte meine Tasche in der linken Hand, über der rechten Schulter die mit den wichtigen Dingen und den Schirm hatte ich auch rechts, ich hatte nur die nässeempfindliche Ledertrachtenjacke dabei. Im Mund noch die Pfeife. Nach 30 Schritten waren die Lederschuhe nass. Ganz übel.
Eine Szene wie aus „Aktenzeichen XY“.
Das weiße Haus konnte ich gut sehen, aber es gab kein Licht, links durch das Tor, dann über den Rasen um das Haus. Da stand eine Leiter, hoch zu einer Terrasse mit einer Tür. Die wollte ich mit den Taschen nicht nehmen, mit Schirm auch nicht. Ohne Tasche ging es auch nicht, die hätte ja die Pfützen aufgesogen.
Also nochmal um das Haus, da war dann noch eine Leiter aus Holz. Die sind dort katholisch, vielleicht wollen die mit Leitern näher zu Gott.
Ich nicht, ich wollte nur schlafen.
Keine Treppe, nach der Umrundung entschied ich, dass das Haus doch das falsche war, ich machte einen Feuchtgang zu anderen Häusern auf derselben Straßenseite.
Alle weiß mit dunklen Balkonen. Die könnten Gästehäuser echt mal gelb anmalen. Die Pfeife war ausgegangen, aber ich hatte ja keine Hand frei.
Dann musste ich an die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, in ihrem trockenen, warmen Bett denken und verfluchte Franken und Richard Wagner.
Dann kam ich auf die Idee des Einsatzes meines Mobilgerätes! Meine Frau guckt da im Urlaub immer drauf und geht den Punkten nach. Ich gehe dann meiner Frau nach. Vorne die Google-Punkte, dann sie, dann ich.
Erstmal wusste ich nicht, wie man den Punkten folgt, ich frage immer Menschen nach dem Weg, aber da waren ja keine. Nach zwei Richtungswechseln ging es.
300m entfernt auf der *linken* Seite der Straße stand dann plötzlich ein beleuchtetes, schönes Haus mit englischem Rasen, da war ich vorbei gefahren. Oder die hatten es schnell gebaut, für mich.
Anna von Garmin kann man auch nicht mehr trauen. Jedenfalls nicht auf Bergen in Bayern. Aber Anna macht das mit dem „Lügen“ nicht mit Absicht, die weiß es einfach nicht besser.
Das ist der Unterschied zu Beatrix von Storch, die hat zwar den „Beat“ im Namen, aber keinen in Herz und Hirn. – „peace, tranquility and good will“
Es gibt Tage, da verlässt man sich nicht auf sein Gefühl im eigenen Bauch, das stellt sich später meistens als Fehler heraus.
Wenn man das ein wenig später merkt, wird es trotz des Fehlers noch ein recht guter Tag.
Andererseits gibt auch die anderen, leider deutlich selteneren Tage, an denen man sich auf sein Bauchgefühl komplett verlässt und hinterher denkt, das man das öfter tun sollte.
Das sind dann die richtig guten Tage.
Trotz meines südlich heißen Blutes hatte ich so einen Tag.
Jedenfalls saß ich vor dem Broad Street Café mit dem schwarzen Hund an der kurzen Leine. Es ist sein zweites Zuhause, er verteidigt seine beiden „Wohnungen“, wenn ein anderer Hund sich nähert. 3 Sekunden lang, der andere geht vorbei, ein Erfolg für meinen Hund. Er bellt, weil er damit Erfolg hat. Dann ist wieder Ruhe und er schläft weiter.
So ist das mit dem Briefträger auch, ein Eindringling, er geht zum Briefkasten, der Hund bellt, der Briefträger entfernt sich. Der Hund denkt:
„Super, ich habe ihn des Grundstücks verwiesen!“
Nichts ist erfolgreicher als Erfolg.
Aber nun stand plötzlich draußen ein E-Fahrrad quer vor meiner Sitzbank, dahinter ein Herr von circa 45 Jahren mit schütterem Haupthaar und Brille, er lächelte und sprach leise und voller Gefühl:
„Duuu, darf ich Dir etwas sagen?“
Ich schaue auf und sehe das Lächeln eines Hais. Ein „Du“ für mich, der ich der Hai-Vater sein könnte?
„Nein, bitte nicht“, sage ich aus dem Bauch heraus, selten bei mir, dass das erste Wort schon eine Absage ist.
Aber er hat ja gefragt.
„Du, mir tut Dein Hund so leid, sehr leid. Er hat doch nur Dich und Du gehst nicht gut mit ihm um, das macht mich traurig, das anzusehen!“
Noch mehr Worte, inhaltlich keine neuen Informationen, es dauert, der Wind weht seine Worte weg. Es dauert. Und noch eine Wiederholung, der Hund gähnt.
Ja, ich hatte ihn gerade zurückgezogen und „Schluss!“ gesagt, weil er wieder einen anderen Hund kurz anbellte. Ich sage das eigentlich nicht zum Hund sondern zu den anderen Menschen um uns herum. Ich kümmere mich also, damit sich keiner gestört fühlt, weiß aber, dass die Verteidigung des BSC an der Leine zu seinem Wesen gehört. Ohne Leine wäre es reiner Frieden, aber das geht in der Stadt nicht.
„Und? Geht es Dir denn jetzt besser?“ frage ich am Ende des langen Sermons zurück.
Nein, derselbe Sermon nochmal, Leid, nur mich hat es, das arme Tier. Ein Anwalt des „gequälten“ Hundes, er muss das loswerden. Ich möge ihm, dem Hai, meinen Hund überlassen.
Ich sehe ihn an, ebenfalls lächelnd.
Er macht den Rücken gerade, streckt mir die rechte Hand entgegen, zwei lange Sekunden lang, und sagt ebenso lächelnd, wieder wie der Hai:
„Ich bin der Roland!“
Seine Hand lasse ich in der Luft stehen, ich kenne schon mehrere Rolands. Nein, ich will nicht den rasend gefühligen Roland fühlen.
„Du, ich muss mir das nicht anhören, geh‘ bitte weiter und lass mich in Ruhe, aber zügig, junger Freund!“
„Ich bin nicht Dein ‚junger Freund‘, wir können das auch anders regeln!“
Nun ja, keine Ahnung wie, mein Normanne ohne Haupthaar wäre längst aufgestanden und hätte gesagt „Los, ab jetzt in Deine Einrichtung, Du Spinner!“
Aber den Normannen hätte er auch gar nicht angesprochen, ganz sicher nicht.
„Anders regeln“, da war dann das Gefühlige in der Stimme fort, sein Blick hart und kampfeslustig. Aber was „anders regeln“ heißt, das konnte er auch auf Nachfrage nicht erklären, der Roland. Dann sollte man das auch nicht sagen, wenn das Gegenüber ihm den Ball sofort durch die Beine spielt.
„Du machst Dich jetzt ganz fix vom Acker. Tschüß, Roland.“
Es ist ja blöd für ihn, ich sitze mit Caffe Latte draußen und schicke ihn weg, aber irgendwann muss er sowieso gehen, mein Sieg ist sozusagen sicher. Ungünstig.
Es zog sich etwas, er wieder leise, unterschwellig aggressiv, kenne ich, die Technik, ich lauter werdend, die ersten Passanten bleiben interessiert stehen und sehen sich die Show an.
Nochmal dasselbe Gelaber, wie bei einer LP mit einem Sprung, dann zog er unbeachtet ab.
Die Reaktionen der Umstehenden waren bezeichnend:
„Solche gibt es immer mehr, wissen alles besser und wollen andere belehren.“
„Unfassbar, das haben Sie genau richtig gemacht, was geht den das an?“
„Einmischung, die ist so modern geworden und die Besserwisserei auch.“
Schön, mein Roland, jetzt bist Du der erste in 400 Geschichten mit Deinem wahren Namen.
Wäre ich mein Normanne gewesen, würde er künftig immer um die ganze Innenstadt radeln, um mich nicht zu treffen.
–
Eine Bekannte schreibt Nordseekrimis. Immer, wenn jemand sie im alltäglichen Leben nervt, übernimmt sie die reale Figur in ihren Krimi.
Ich weiß wirklich nicht, warum es Menschen gibt, die Toni Kroos nicht verstehen. Der ist einer der besten Fußballspieler aller Zeiten. Wer ihn nicht versteht, versteht nichts vom Fußball.
Sorry, Herr Hoeneß.
Der muss nicht grätschen und sein Trikot schmutzig machen oder sogar seine weißen Schuhe. Grätschen muss man nämlich nur, wenn vorher Fehler passiert sind, wenn man den Ball verloren hat oder wenn ein anderer schneller ist oder die besseren technischen Fähigkeiten hat. Dann muss man sich schmutzig machen oder „schmutzig“ spielen.
Man will ja auch gewinnen, wenn man eigentlich schlechter spielen kann. Oft klappt das, aber dafür muss man eben mehr waschen und öfter die Schuhe putzen.
Toni wird nicht schmutzig, es sei denn, die anderen machen etwas falsch, er selbst macht selten etwas falsch. Wenn man denkt, dass er etwas Falsches macht, dann kann man nicht in die Zukunft sehen, er kann das aber schon. Zumindest für einige Sekunden.
Manchmal erzeugt er die Zukunft auch selbst. Wenn seine Mitspieler ihn nicht verstehen, verliert die Mannschaft ein Spiel, so einfach ist das im Fußball.
Der braucht keine Kapitänsbinde und man muss ihn auch nicht „Capitano“ nennen. Wenn man etwas „ist“, dann braucht man keinen derartigen Karneval.
Toni Kroos mag es, weiße Schuhe zu sehen, wenn er nach unten sieht, ich mag es, Toni Kroos zu sehen, wenn ich nach oben sehe.
Leider will der jetzt aufhören und nur noch mit seinen Kindern kicken. Man sollte aufhören, wenn die Schuhe noch weiß bleiben im Spiel, der ist nämlich ein kluger Mann. Dumme Fragen stellt man klugen Leuten auch lieber nicht.
Leider tragen auch andere Menschen heute oft weiße Schuhe mit hellen Sohlen, putzen sie aber nicht. Toni Kroos putzt seine Schuhe immer selbst, das machen die meisten anderen Fußballmillionäre nicht. Er macht eben „den Unterschied“, auch dabei. Wer sein Arbeitsgerät nicht liebt, arbeitet nicht gut. Ich hätte ja auch nie die schreckliche deutsche Kreide verwendet, ich nahm nur die französische vom Kreideweltmeister.
Niemals würde ich weiße Schuhe anziehen, diese Sneaker oder wie man Turnschuhe für Straßen heute nennt, auch nicht. Die kann man abwaschen oder in eine Maschine werfen, aber das hat mit dem „Putzen“ von Schuhen so viel zu tun wie die Herstellung von Honig mit einem Fußballspiel.
Nur Lederschuhen bringt man durch das Putzen Glanz bei. Neue Schuhe muss man vor allem putzen, wenn sie sauber sind, erst mehrfaches Polieren erzeugt den richtigen Schimmer. Anziehen sollte man sie in dieser Kennenlernphase gar nicht oft. Man sieht eine Frau ja auch erstmal an bevor man mit ihr spricht. Im Dunklen macht das nämlich keiner, es sei denn, man ist wegen der Dunkelheit zusammengestoßen. Ich glaube auch nicht, dass Frauen Männer im Dunklen ansprechen.
Es sei denn, die klingen wie Robert Redford.
Keine Frau würde Markus Söder bei Dunkelheit als Mann ansprechen, ok, kein gutes Beispiel, weil es tagsüber ja genauso ist.
Überlegt Euch selbst bitte ein Beispiel, ich spreche nicht viele Männer ohne Licht an. Ich bin ja „Antonio Banderas“, wie meine Frau ernsthaft wiederholt, was ich ironisch bemerke.
Schuhe: Man braucht eine hochwertige Schuhcrene, die nicht stinkt. Wenn sie stinkt, macht es weniger Spaß und Gerüche können sehr hemmen. Alles aus Supermärkten stinkt, fragt einen Profi, der Schuhe repariert. Da könnt Ihr die Schuhcreme besser kaufen.
Dazu einen Stofflappen, eine weiche Bürste, einen Damenstrumpf zum Polieren und eine Zahnbürste für die Nähte. Die Nähte sind wichtig, die müssen geschützt werden. Eine Vorreinigung von Schmutz und Sand findet bei mir nicht statt, ich nutze nur reine Wege zum Gehen. Bei der seltenen Nutzung eines Zweirades bei Regen verwende ich „Überschuhe“ zum Schutz des Leders. Die gibt es von Adidas, waschbar. Nein, das ist nicht ’spießig‘, das ist praktisch unverzichtbar.
Gummihandschuhe zum Putzen lehne ich ab, man hat in Gummihandschuhen zu wenig Gefühl für das wichtigste „Kleidungsstück“.
Technische Hilfsmittel wie Schuhputzmaschinen nutzen nur Menschen, die nicht gelernt haben, mit ihren Händen liebevoll und effektiv umzugehen. Ich kannte jemanden, der so etwas im Flur stehen hatte, der war aber zwei Meter groß und bückte sich ungern, auch nicht meinungstechnisch, ein Freund des einen ‚Russen‘ und von Sahra. Er sah über andere leicht hinweg, kein Wunder. Genau wie sie.
Ich suche neuerdings weder Kontakte zu Freunden von Wladimir noch zu Menschen mit Schuhputzmaschinen.
Natürlich trägt man nur Schuhe aus glattem Leder, kein Velourleder oder ähnlichen, falschen Unsinn. Eine Ledersohle lässt man gleich nach dem Kauf durch eine hochwertige, dünne Gummisohle schützen. Sonst werden die Schuhe von unten feucht und müssen lange trocknen, nicht gut. Ihr geht ja auch nicht mit klatschnassen Haaren ins zugige Filmtheater.
„Sneakerträger“ sagen „Kino“.
Man kann Lederschuhe bei Regen auch ausziehen und barfuß gehen, wenn man arbeitsscheu ist. Das bin ich nicht, ich habe aber auch recht empfindliche Füße.
Ich kann Schuhe bei Regen und Wärme nur ausziehen, wenn die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, nicht dabei ist.
Sie mag mich nur besohlt, irgendwie. Man könnte mich sehen, mit den Schuhen in der Hand. Liebe geht seltsame Wege. Auch zu Schuhen.
Eigentlich kümmere ich mich mehr um meine Schuhe als um meine Füße, die sieht man ja in Schuhen nicht. Nur die Schuhe sehen die Füße durch die Socken, deshalb sollte man sich auch um die eigenen Füße kümmern, wenn man mit den Schuhen fertig ist.
Eine Ausnahme stellt der Winter dar. Wenn jemand Salz auf dem Gehweg verwendet, gehe ich mit dem Hund auf der Straße, ist die matschig, verbringe ich den Winter im Haus, Salz ist schädlich für Hundepfoten und er will keine Schuhe.
Ja, die Creme gut eintrocknen lassen, nicht gleich bürsten und polieren, das wollte ich noch sagen. Am besten erst am nächsten Tag.
Frauen denken oft, dass wir Männer zuerst auf ihre Schuhe sehen, das ist völlig falsch, wir sehen nämlich alles auf einmal. Wir sind nicht fixiert auf Details, wir suchen ein Gesamtkunstwerk in jeder von Ihnen.
Nicht immer mit Erfolg, zugegeben.
Eine Einschränkung muss ich für mich persönlich machen: Eine Frau, die ihre Lederschuhe nicht pflegt oder von ihrem Mann pflegen lässt, wird niemals zu einer Muse bei mir. Da spielen andere Qualitäten keine Rolle mehr.
Ich wurde von einer Bekannten, die von einem Topmodel aus Paris begleitet wurde, einmal in der Innenstadt gegrüßt. Diese „Neu-Französin“ trug verwahrloste, alte Turnschuhe. Ich grüßte zurück, lehnte den Kaffee mit „Estrelle“ jedoch ab und ging weiter. Ich hätte sowieso zuerst gefragt, warum sie ’solche‘ Schuhe trägt. Natürlich kann ich mir das erklären, weshalb sie im Privaten ein wenig nachlässiger ist als im Job aber das „Warum“ würde mir ja trotzdem im Kopf schwirren.
Sorry, Estrelle.
Ungepflegte Schuhe kenne ich schon genug. Es ist aber nicht so, dass ich vom Schuh auf die Füße und den Menschen oberhalb schließe.
Dann eher barfuß! Aber die Nägel sollten lackiert sein und zwar sauber und ordentlich, das wird in Deutschland immer seltener. An den Fingern wird es übertrieben.
In ansonsten wirklich überzeugenden Fällen würde ich auf Nachfrage auch selbst Hand anlegen, für ein Upgrade.
Bei den Schuhen, nicht bei den Nägeln.
Muss Schluß machen, habe noch einige Paare vor mir. Wenn Toni Kroos spielt, muss alles bereit sein.
Nachbarn zu haben, das ist wie eine zweite Verwandtschaft.
Meine eigene, enge Verwandtschaft besteht eigentlich nur noch aus einer einzigen Person, die leider eine „Unperson“ ist. Sie hat sich selbst dazu gemacht. Ich nenne diese eigene, kleine Verwandtschaft also nur noch „Person“, sie hat keinen Namen mehr.
Das ist recht angenehm.
Man kennt auch Nachbarn, man mag sie oder auch nicht, aber es gibt kein Entkommen, kein Entrinnen. Letztlich hilft bei Verwandtschaft im Notfall eine komplette Trennung, aber man bleibt gedanklich verflochten, also bleibt es doch ein Ding der Unmöglichkeit zu entfliehen.
Nachbarn jedoch, da gibt es im seltenen Fall, wenn man sich stets aus dem Weg geht, eine gute Lösung, ja, das ist eine räumliche Trennung, wenn die einfach ausziehen. Das ist aber sehr selten, wenn Grundbesitz vorliegt und die Zinsen exorbitant hoch sind.
Ich hoffe seit Jahren auf fallende Zinssätze.
Ich, wir, kommen mit allen sehr gut aus, überall nette, freundliche Menschen rundherum, ein Glücksfall!
Aber es gibt seit 8 Jahren fünf Probleme mit „direkt nebenan“, vorher war ‚alles gut‘.
Naja.
Wir haben einen Hund mit vier Beinen und manchmal habe ich so eine duftende Pfeife, die qualmt so. Also fünf „echte“ Probleme, die alle anderen in der Nähe offenbar nicht stören. Und dann ist da noch der Baum, dazu später, Geduld, bitte.
Da könnte man sich schon mal persönlich auseinandersetzen zu Hund und Qualm, wenn etwas stört, aber dann grüßt man nicht mehr, man ignoriert sich schlicht.
Komisch ist das im Sinne von „merkwürdig“.
An sich ist mir das auch völlig gleichgültig, ich kenne nämlich schon genug Menschen, nehme aber trotzdem weitere auf, nein, das ist nicht wie mit CDs, ich sammele keine Menschen, die brauchen zu viel Platz.
Ich bin kein „Menschenfänger“, dafür habe ich zu viel Wehrsamkeit im leicht aufwallenden, südlich heißen Blut. Dafür muss aber schon die Hütte richtig brennen oder mir die Pfeife im intensiven Streitgespräch ausgehen.
Wir waren ja nie befreundet, wir haben 2016 zusammen Fußball gesehen, bei uns, nebenan waren wir noch nie, aber die Frauen tranken am Wochenende Sekt an der Mauer zwischen den Grundstücken. Sie heißt nicht „Elsbeth“, aber ich nenne sie so. Sie kneift immer die Lippen zusammen, das steht ihr nicht so, ist aber nicht mein Problem, sondern ihres.
Einmal habe ich sie versehentlich so angesprochen, mit „Elsbeth“ vor 5 Jahren in einem Cafe, sie wollte da nur zur „Netten Toilette“, der Kaffee ist dort nicht billig.
„Fast richtig, fast“, hat sie gesagt. So eine ausführliche Kommunikation hatten wir da schon lange nicht gehabt. Nett.
Einen anderen, sehr sympathischen Nachbarn habe ich vorgestern versehentlich mit „Thomas“ angesprochen, sehr peinlich.
Es war wegen Thomas Mann, kann passieren.
Würde mich jemand „Bob“ nennen, ich denke, dass ich schmunzeln würde. „Bob“, der Dylan, einer meiner Helden der Gegenwart, wie Franz „100“ oder Thomas aus der Vergangenheit für andere.
Ich würde das „Bob“ auch für „Bob, der Baumeister“ nicht übel nehmen.
Ich kenne auch einen großen Kafka-Verehrer, ich weiß nicht, was der sagen würde, wenn ich ihn als „Franz“ anspräche. Der hat einen feinen Humor, aber auch viele Ausrufezeichen beim Schreiben, sehr schön!
Hier sind noch ein paar, speziell für ihn:
„!!! !! ! !! !! !!! ! ! !!!! !“
Was „Franz“ und „Thomas“ zum Nobelpreis für „Bob“ denken, das frage ich aus guten Gründen …. nicht. Der brauchte ja keinen, der Nobelpreis brauchte eher ihn, aber Schwamm drüber, weiter im Text.
Ach, ja, habe mich kurz verlaufen, es ist ja noch so eine „Ärger-Geschichte“, die sind leider so langweilig und wenig erbaulich.
Der Nachbar erklärte mir auch, wie man die hinteren Bremslichter des Autos schont, damit sie länger halten („Handbremse! Immer Handbrense, die Lichter haben richtig Power und das kostet Strom und Energie!“).
Die sind echt sparsam. Auch mit Worten. Im Spaß habe ich dann gesagt, dass ich an der Ampel immer auf Standlicht schalte. Er fand die Idee gut.
Sie haben sogar einmal zu Käseplatten, Brot und Wein eine Tüte Haribo mitgebracht, eine nette Geste damals. Wir haben die Tüte auch noch, das ist so eine Art „Oscar“ für uns.
Ja, aber dann, nach „Haribo“, kam der Hund vor acht Jahren zu uns. So ein Hund legt Charaktereigenschaften gnadenlos bloß. Er ist auch Therapeut für andere, nicht nur für mich, ein Sinneschärfer, ein Wunderwerk auf Beinen.
Es gibt die Zeit mit Haribo „vor“ dem Hund und die Zeit mit Haribo „mit“ dem Hund. Haribo ruht ungeöffnet bei uns seit Jahren.
Acht Jahren.
Der kleine Hund bellt manchmal hinter der Balkontür, bei geschlossenem Fenster, wenn jemand vorbei geht. Das ist seine Natur, nicht meine, Katzen sind da anders. Die kacken vor die Garagentür, der Hund nur auf Grün und dann bin ich schnell da, sonst muss ich lange suchen.
Jedenfalls scheint man das Bellen auch durch eine stabile Wand hören zu können, etwas mühsam, man muss sich vermutlich konzentrieren, aber es scheint zu gehen.
Der kleine Hund jault auch etwas, wenn er einsam ist. Er war in den letzten 8 Jahren circa zehnmal allein für mehr als eine Stunde. An sich ist der nie allein, unser Fehler, mein Fehler, klar. Das zu üben ist schwierig, er bellt ja dann. Gehe ich dann zurück, denkt er, ich komme, weil er gebellt hat. Also muss man eine Pause abwarten. Wartet man zu lange, … nun gleich.
Ich kann mich nicht gut von ihm trennen, ich brauche den Hund für den Frieden meiner Seele, auch wenn er mir manchmal richtig auf die Nerven geht. Das ist mit Frauen genau dasselbe, aber milder. Viel milder. Nicht mit der besten Ehefrau von allen, die ich je hatte.
Also nehme ich den Hund fast immer mit.
Und bei den zehn Malen mit dem einsamen Hund im Haus habe ich acht kleine Briefe erhalten, dass das Bellen und Jaulen stört. Auch tagsüber. Circa ein Brief in krakeliger Schrift pro Jahr. Ich glaube, dass er das für seine Frau schreibt. Die ist noch verkniffener als er. Einmal hat er nach 22:00 gejault, da habe ich das klassische Konzert früh verlassen, um ihm die Töne zu nehmen.
Man darf nicht jedem eine Mobilnummer geben. Es gibt ja eine Polizei.
Ja, verstehe ich, aber es gab nur ein einziges Gespräch über dieses riesige Problem in dem ich dann der „Rücksichtslosigkeit“ beschuldigt wurde.
Andererseits bohrt der Herr am Sonntag in Wände und erneuert das Bad am letzten Tag vor dem Abitur des Kindes, klar, legal. Aber er wusste, wann das Kind das „Abitur schreibt“.
Es gibt keine Verpflichtung, Fliesen an anderen Tagen herauszuschlagen.
10mal in 8 Jahren bellte und jaulte der Vierbeiner.
Nun, in solchen Momenten kann man sich über die Wortwahl „rücksichtslos“, die er mir entgegenschleuderte, ärgern und diskutieren.
Wozu? Unnötig.
Ich ziehe es dann vor, mich wortlos umzudrehen und eine Tüte Haribo anzuzünden, so symbolisch, ich esse das Zeug nämlich nicht. Es klebt an den Fingern, ich schätze aber die Süße. Ich kann mich nicht jetzt schon füttern lassen, auch nicht von dem Nachbarn.
Und der Qualm, ja, dann werden alle Fenster extrem laut zugeschlagen, wenn ein Hauch in dieser windigen Stadt vorbeizieht.
Also das mit dem Grüßen, das ist seit 6 Jahren nur so ein Nicken, mehr nicht.
Es sagt: „Ach, blöd, dass Ihr hier wohnt“.
Kürzlich sprach ich einen Gärtner an, ob er eine Idee für unseren Vorgarten hätte, den haben wir gemeinsam mit den lärmempfindlichen Nachbarn. Aber die hatten ihn schon gefragt und gesagt, dass sie „sehr, sehr problematische Nachbarn haben mit denen man nicht sprechen kann“.
Also davon wusste ich nicht, im Gegenteil bin ich manchmal von großer argumentativer bis gewinnender „Wortgewalt“.
Das sagt meine Frau, die beste Ehefrau von allen, die ich je hatte, niemand sonst. Ich bin nämlich eigentlich sehr schweigsam und zurückhaltend, ….. besonders allein.
Also ist alles gut, ich arbeite nicht im Garten, ich liebe totes Gehölz, ich mag hingegen nicht so gern schmutzige Hände, vielleicht eine vorliegende Störung.
Kurz: Ich arbeite gern mit Papier in jedweder Form, aber es darf keine Knicke haben. Und mit CDs und Vinyl auch, aber auch da bitte ohne Knicke in Booklets und Hüllen.
Aber kleine Briefe auf geknickten Post-Its, die mag ich nicht, man kann doch auch ein weißes DIN A4-Blatt aus der Schule stehlen.
–
Leider plagt mich ein weiteres Nachbarschaftsproblem mit demselben Vogel. Das betrifft seit 6 Jahren einen bei einem Sturm umgestürzten „Grenzbaum“, der exakt auf der Grenze der Grundstücke stand.
Alle Kinder kletterten in ihren jungen Jahren darin herum, manchmal stutzte der Nachbar ihn wegen des Schattenwurfs, manchmal meine liebe Frau. Ich würde mich dabei nur verletzen, außerdem tue ich Bäumen nicht gern weh, ich kann ja auch keine Pferde essen.
Auch Hund, Katze, Meerschweinchen und Eichhörnchen kämen für mich nicht in Frage.
Und so geht’s mir mit Bäumen schon beim Sägen. Meerschweinchen sollen sehr wohlschmeckend sein, aber ich kann es einfach nicht. Vielleicht in Südamerika, ich frage mal unsere Tochter, ob sie die wissentlich probiert hat.
In Peru, Bolivien, Ecuador und Kolumbien werden jährlich bis zu 70.000.000 Meerschweinchen verzehrt. Ok, bei uns sind die Schweine eben größer, daher werden sie nicht in so hoher Zahl verspeist. Schwein esse ich nur unter den Bezeichungen „Parma“ und „Serrano“.
Das ist für ein Schwein sogar ein Karrieresprung, wenn ich mich da mal aus dem Fenster lehnen darf! Fische träumen sicher auch nicht von einem Räucherofen.
Aber Bäume eben auch nicht von Sägen.
Und als der Baum vor 6 Jahren umgekippt war, lag er quer über zwei Grundstücke neben unserem, nicht auf dem von uns. Also sägten wir alle Äste ab, zerkleinerten und entsorgten sie und ließen den 100cm langen Reststumpf auf dem Grundstück des Nachbarn liegen. Die waren nämlich im Urlaub als der Baum kippte.
Der sprach ja nicht mit mir wegen des Hundes und ein wenig sägen kann der doch auch, dem gehört der Baum ja ebenso wie uns. Ich darf den auch gar nicht komplett entsorgen, also rein rechtlich, ich müsste ihn vorher fragen.
Oder er mich.
Hat er aber nicht, kein Wort zum Baumrest.
Das hat er in 6 Jahren nicht geschafft, er hat den Stumpf quer über unsere beiden Grundstücke gelegt, halbe-halbe sozusagen. Und da verrottet er ohne Worte seit 6 Jahren.
Und jetzt überlege ich, ob ich nicht schriftlich auf alle meine Ansprüche am toten Stück Holz verzichte und ihn um die Entfernung des halben Restes von unserem Grundstück innerhalb einer Woche bitte. Auch auf so einem kleinen Post-It wie nach einem Hundegebell. Naja, ich nehme dann schon Briefpapier, ich mache mich nicht zu einem Post-It-Konkurrenten.
Nur so, zum Spaß.
Es ist nämlich zusätzlich so, dass seine Terrassenüberdachung bis über unser Grundstück reicht, nur einige Zentimeter, aber er hat irgendwie nicht bedacht, wo da im hinteren Garten die Grenze ist. Ich habe das nie moniert, so ein Dach aus Metall hat einen fünfstelligen Preis und er ist ein sparsamer Mann. Nicht so schlimm.
Und wenn er das umbauen muss, dann könnte das echt teuer werden. Für ihn.
Gut, wenn man noch eine verbale Patrone hat, wenn er doch noch spricht, der Nachbar mit der Haribo-Tüte.
Ich habe wenig Hoffnung, der ist irgendwie in einer Schule tätig. Soll nervig sein da mit ihm, immer mäkelig und schlecht gelaunt.
Ich weiß einfach nicht, wie ich ihm helfen soll.
–
Felix Vörtler hat 2016 in „Neues aus dem Reihenhaus“, einem TV-Film, vor einigen Jahren auf großartige Weise einen fiesen Nachbarn gespielt. Und deshalb bekommt er hier die Rolle nochmal.