Meine Sauganlage

Meine Sauganlage

Ja, es ist sehr warm, die Sonne brennt vom Himmel und erstmals in diesem Jahr trage ich weder Hoodie noch Jacke. Man muss sich das für die Temperaturen über 30 Grad aufheben.

Wer schon bei 22 Grad in T-Shirt, kurzer Hose und Sandalen durch die Stadt läuft, der ist bei 30 Grad verloren. Er kann nichts mehr ablegen, eine frühe Fehlentscheidung ist die Ursache. Frauen tendieren zu diesen Einschätzungen ab 18 Grad. Aber die frieren ja sowieso fast immer. Dann wird Optik wichtiger.

Es könnte mir gut gehen, aber ich habe Probleme:

Erstens ist die gute, braune Tube leer, der Schuster macht erst am Montag auf und ich weiß nicht, wie ich die Schuhe bis dahin durchbringen soll.

Ok, werde dann schwarze tragen. Unschön. Ich liebe meine braunen Italiener.

Zweitens ist das kleine Kind schon wieder weg, mit der Bahn zu einem Surfcamp im Nirgendwo Niedersachsens, sie lebt dort offenbar in einem Wohnwagen, der die Größe eines Waggons hat. Sie arbeitet da, das klingt nur wie Urlaub.

Wie soll ich ihr jemals ein Zelt vermitteln?

Sie fährt jetzt übrigens endlich mit diesem Uralt-Passat im Bestzustand, weigerte sich aber, ihn zum Surfen zu fahren. Das Klima, die Katastrophe, die Kosten. Löblich. Die Bahn!

Aber der Passat war innen vollgekrümelt. Von ihr und anderen Damen. Zumindest dieses Problem musste ich vor den Brötchen lösen.

Es gibt hier eine extrem teure Waschstraße, daneben ist eine Selbstwaschanlage, die ständig voll mit teuren Fahrzeugen ist.

Aber bei der Waschstraße kann man ohne Münzen saugen, „kostenlos für Kunden“, ich brauche ja nur 90 Sekunden für die Krümel.

Außerdem bin ich seit 2006 dort Kunde. Ich bin in Eile einmal dort gewesen, dann nie wieder, heute kostet eine rituelle Waschung dort 23€.

Und für weniger als diesen Preis habe ich drei Fahrzeuge nebenan in den Neuzustand gebeamt. Sauberer als in der Waschstraße.

Ich bin also ein Saugkunde.

Als ich nach deutlich unter 90 Sekunden wieder einen reinen, schwarzen Innenraum hatte, sprach mich ein kleiner Mitarbeiter mit seinen stummen Kollegen an. Ich war auf dem Platz mit den 20 Saugplätzen nicht allein, es war noch einer dort. Ganz hinten, ich sauge ja ganz dreist vor dem Eingang.

„Sie waschen noch?“

„Nein, der ist ja nicht mal staubig! Ich war Montag bei Ihnen, aber da war nichts zu saugen!“

Eine faustdicke Lüge, ja, aber 2006 war es auch ein Montag, das verschwieg ich wohlwissend.

Eine „Verheimlichung“. Also keine echte Lüge.

„Das geht nicht, Sie können hier nur saugen, wenn Sie auch waschen!“

„Habe ich doch!“

„Ja, aber das kann ich nicht überprüfen, Sie müssen auch waschen!“

„Dann muss ich nochmal 23€ zahlen zum Saugen? Das ist viel Geld!“

„Sie können auch beim Bäcker nicht 5 Brötchen kaufen und vier Tage später ein Sechstes wollen!“

Es wurde immer amüsanter, er lächelte keine Sekunde, ein ‚Alman‘ eben. Seine Kollegen stehen ja neben ihm, schwierig. Eine Prüfungssituation.

„Nun, Ihr Vergleich hinkt auf allen Beinen. Hier ist es so, dass ich am Montag 6 Brötchen bezahlt habe, aber nur 5 mitgenommen habe, jetzt hole ich nur das sechste bezahlte Brötchen ab! Ich habe nicht gesaugt am Montag!“

„Nein, Sie können hier nicht einfach saugen, dann kommen ja alle!“

„Ich sehe nur einen und Sie sind zu dritt und haben nichts zu tun, bald stehen Sie hier zu zweit, wenn Sie Kunden wie mich vom Hof jagen! Neue Kunden finden Sie auch nicht, ich erzähle das jedem, den ich kenne und schenke denen noch zwei Saugmarken für nebenan.“

Man darf nicht „Saufmarken“ schreiben. Die rauchen nur vor der Tür.

„Nein, Sie saugen hier nicht nochmal ohne zu waschen!“

„Kein Ding, ich habe ja drei Autos, die waren jeden Monat hier, macht 69€ im Monat oder knapp 830€ jährlich. Die bekommen Sie nicht mehr zu sehen, ich gehe jetzt wie alle anderen woanders hin. Sie haben ja alle drei nichts zu tun. Warum nehmen Sie nicht auch 50cts fürs Saugen?“

Bei „alle anderen“ habe ich diese Winnetou-Bewegung gemacht, wenn er über die Prärie deutet, dem kleinen Wald zu.

Sehr effektiv.

„Das will der Chef nicht.“

„Aber Sie sollen die Saugbrüder wie mich vertreiben? Tolle Idee und schöne Grüße!“

Habe nebenan dann nur die Felgen optimiert.

Auch für 50cts. Vorher Backofenspray.

Er hatte Recht, aber ich habe nie Kleingeld dabei, nur deshalb fuhr ich bislang zur großen Sauganlage.

Die saugen immer, diese 20 Dinger, es kostet nicht mehr Energie durch meine Krümel. Oder die der Damen.

Erstaunlich.

Habe für 10€ nebenan 20 Säuglinge geholt. Also diese Münzen, keine Ahnung wie man die nennt. Die reichen dann wochenlang.

Ohne Diskussionen.

Diese Waschstraße macht sicher bald zu bei 23€ pro Waschgang und Saugverbot am nächsten Tag.

Hausmeister werden gesucht.

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„Schiffsabfahrten“ und „Leegeeseegeer“ Sackgasse sind von KaiT.

Großartige Bilder!

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„peace, tranquility and good will“

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